
The King of Comedy
The King of Comedy | USA | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Angeblich wollten Martin Scorsese und Robert De Niro nach dem Erfolg von WIE EIN WILDER STIER (1980), der Letzterem einen Academy Award einbrachte, einen Gang zurückschalten und aus dem 1974 zum ersten Mal auf Scorseses Tisch gelandeten Skript zu THE KING OF COMEDY ein „leichtes Häppchen“ machen. Das Ergebnis pendelt dann irgendwie zwischen „leichtbekömmlich“ und „schwer zu verdauen“, wobei vor allem die sich in der jüngeren Vergangenheit vollziehenden Entwicklung in Sachen Aufmerksamkeit und Berühmtheit den Film äußerst aktuell wirken lassen.
Robert De Niro belegte seine Wandlungsfähigkeit zunächst mal als erfolgloser Comedian Rupert Pupkin, der in Kontakt mit dem erfolgreichen TV-Host und Komiker Jerry Langford (Jerry Lewis) kommt. Pupkin ist völlig ohne Erfahrung, dafür umso überzeugter, für den Job als TV-Komiker geboren zu sein. Er übt in einem Keller mit Pappaufstellern und künstlichem Applaus und wenn das nicht reicht, so flüchtet er sich in Tagträume, in denen er unter anderem mit Jerry befreundet ist und von diesem protegiert wird. Scorsese lässt diese Fantasien immer wieder in Gegenschnitte mit der Realität montieren und uns Ruperts verdrehte Wahrnehmung so hautnah miterleben. Über allen schwebt aber eine unerschütterliche Positivität: Er wird ignoriert und bleibt freundlich. Er wird aus dem Wartebereich hinauskomplimentiert und bleibt freundlich. Er wird am Ende gar verhaftet und bleibt freundlich. Die Figur ist somit merkwürdig irreal, da sie außer ihrem Drang, Komiker zu werden, kaum Eigenschaften hat. Seine Beziehung zu Masha (Sandra Bernhard), die ebenfalls von Jerry Langford besessen ist, bleibt merkwürdig unklar. Sie gibt ihm Geld, nimmt an der Entführung teil, aber die Beweggründe bleiben offen. Lediglich als er in einem Tagtraum von seinem alten Schulrektor im Fernsehen getraut wird und dieser sich dabei „im Namen aller“ bei Rupert entschuldigt, wird offenbar, dass die Figur eine Geschichte hat, in der Schmerz und ein Dasein als Außenseiter eine Rolle spielen.
Leider bleibt dann vieles sehr statisch. Die Handlung nimmt erst mit der Entführung kurz vor Ende Fahrt auf, vor allem aber bleiben die Figuren starr. Ist das bei Rupert noch okay, da er in seinem psychotischen Verhalten auf gewisse Art gefangen ist, so ist es sehr schade, dass der großartig aufspielende Jerry Lewis nur in den Tagträumen die Möglichkeit bekommt, aus der Rolle des stoisch-mürrischen TV-Stars auszubrechen. Selbst als er entführt wird, ändert sich sein Verhalten nicht, ebenso wie die Beziehungen zwischen Rupert, Jerry und Masha immer statisch bleiben. Selbst die in einer Bar arbeitende und von Rupert umworbene Rita (Diahnne Abbott, De Niros seinerzeitige (Noch-)Ehefrau) ist zu Beginn wie zu Ende des Films in der gleichen Distanz zu ihm. Es mag hier das Nicht-Fortkommen Ruperts formal abgebildet werden, aber dass sich dieses Stehenbleiben auf alle Figuren und Beziehungen ausdehnt, raubt dem Film spürbar Schwung.
Spannend ist wiederum das Ende des Films, bei dem Rupert nach seiner verbüßten Haftstrafe wegen der Entführung Langfords gerade aufgrund dieses Verbrechens doch noch zu Ruhm kommt. Zwar ist die Natur dieser Anerkennung zweifelshaft, nichtsdestotrotz scheint dieser Erfolg eine visionäre Vorausschau auf die heutige Medienwelt zu sein, in der allzu oft der kalkulierte Regelbruch bis hin zur bewussten Gesetzesübertretung für so viele nach Aufmerksamkeit lechzende Persönchen der Weg zum Erfolg zu sein scheint. Die heutigen Videoplattformen und sogenannten Sozialen Netzwerke sind voll von Menschen, die fast alles zu tun bereit sind, um Berühmtheit zu erlangen – so wie Rupert Pupkin es 1982 auch schon war.