Die Odyssee der Neptun
The Neptune Factor | Kanada | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Die Unterwasserforschungsstation Oceanlab II versinkt nach einem Seebeben in einer äußerst tiefen und bisher unerforschten Seespalte nordöstlich der Bermudas. Also wird Commander Adrian Blake (Ben Gazzara) herbeigerufen, der über ein Mini-U-Boot namens Neptune verfügt. Er wird von Don MacKay (Ernest Borgnine), Bob Cousins (Donnelly Rhodes) und Dr. Leah Jansen (Yvette Mimieux) auf dem Weg in die unbekannten Tiefen begleitet.
Ok, Unterwasserfilme sind ohnehin nicht so meine Sache, aber das Scheitern von Daniel Petries Beitrag zu dieser Spielart des Katastrophen- respektive Abenteuerfilms ist nun beileibe nicht einer etwaigen Voreingenommenheit meinerseits zuzuschreiben. Vielmehr setzt der Streifen jene Momente, in denen ein Film entweder wirklich spannend oder einfach träge wird, regelmäßig in den (Tiefsee-)Sand. Das beginnt schon damit, dass er die Truppe an Forschern, die den gesamten Film über im Labor gefangen ist, zwar runde 25 Minuten lang einführt (ohne allerdings in Erinnerung bleibende Charaktere zu zeichnen), sie dann allerdings nicht mehr zeigt. Was wohl ein Versuch sein soll, Spannung aufzubauen, sorgt de facto nur dafür, dass die Betrachtenden regelmäßig vergessen, warum die Herrschaften da überhaupt im Mini-U-Boot umherzuckeln. Und warum dabei sämtliche Stirnen in tiefen Falten liegen.
Mack: Bis zu letzten Minute!
Das gilt zwar mehr für Ernest Borgnine denn für Ben Gazzara, aber deren Konflikt zwischen engagiertem Hoffen (Borgnine) und nüchternem Abwägen (Gazzara) geht ohnehin in der unfassbaren Entscheidung unter, diese beiden begabten Mimen über große Teil des Films hinweg angestrengt an der Kamera vorbei starren zu lassen. Das Innere des submarinen Vehikels wird nämlich fast ausschließlich aus einer Perspektive gefilmt, die in etwas durch die Frontscheibe hineinblickt. Bei dem Versuch, Bewegung und Anspannung zu simulieren, sehen dann selbst zwei so gestandene Schauspieler leidlich albern aus. Fantasy- und Exploitation-Fachfrau Yvette Mimieux, die schon 1960 die Weena in George Pals DIE ZEITMASCHINE gab, und Donnelly Rhodes vervollständigen die Rettungstruppe, die auf ihrer Reise eine merkwürdige Entdeckung macht.
Denn in den unbekannten Tiefen erreichen Flora und Fauna aus unbekannten Gründen riesige Ausmaße. Aha. Na, immerhin hat man so einen Grund, um dem Unterwasser-Kameramann Lamar Boren, der hier schon mal für DER SPION, DER MICH LIEBTE (1977) und MOONRAKER – STRENG GEHEIM (1979) übte, einige tolle Shots zu ermöglichen. Dumm nur, dass man Lamar scheinbar nicht ins Wasser lassen wollte, sind doch fast alle tricktechnischen Aufnahmen in einem Aquarium mit Plastik-U-Boot und Zierfischen entstanden. Insofern zerstört der zu keinem Zeitpunkt funktionierende Maßstab jegliche Illusion; die Szenen, in denen ein kleiner Krebs am Plastikspielzeug kratzt, erzielen so noch nicht mal einen ordentlichen Wert auf der Skurrilitäten-Skala.
Leah: Das ist unbeschreiblich …
Damit Lamar aber doch noch etwas zu tun hat, entschied sich Petrie dazu, den ohnehin kaum spürbaren Fluss seines Films alle paar Minuten mittels Nahaufnahmen diversen Meereslebewesen zu unterbrechen. Für Fans von Meeresdokumentationen und halluzinogenen Rauschmitteln ist das sicherlich super, für Menschen, die nach cineastischer Spannung und Unterhaltung suchen hingegen weniger. Staunend bleiben letztendlich nur die Zuschauenden zurück, die wissen, dass Daniel Petrie acht Jahre später den vielschichtigen und eindringlichen THE BRONX (1981) drehte. Sie mal einer an.
Was ALIEN – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK für Geologen ist, ist DIE ODYSSEE DER NEPTUN für Meeresbiologen. Filmfreunden bringt das allerdings herzlich wenig.