Stacey – Blond, schnell und tödlich
Stacey | USA | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Um zu ermitteln, wem sie ihr immenses Vermögen vermachen soll, engagiert die greise Florence Chambers (Marjorie Bennett) die junge Privatdetektivin und Rennfahrerin Stacey Hanson (Anne Randall). Doch nach während sich Stacey mit den potenziellen Erben auseinandersetzt, wird der Haushaltshelfer Frank (James Westmoreland), der mit allen in Frage kommenden Erben sexuelle Kontakte Pflegt und diese erpresst, ermordet.
Schon mit seinen diversen Regiearbeiten bei Sportübertragungen hatte sich Andy Sidaris einen Namen gemacht; mit HEIßE REIFEN, SCHÖNE MÄDCHEN (1969) näherte er sich dann das erste Mal vorsichtig der Fiktion, indem er ein Jahr im Leben des Schauspieler und Rennfahrers James Garner zwar überwiegend dokumentarisch begleitete, sich allerdings bezüglich der Inszenierung der Hauptfigur und prekärer Rennsituationen durchaus das Recht herausnahm, die rein beobachtende Rolle zu verlassen. Folgerichtig setzte Sidaris diesen Weg vier Jahre später fort und erarbeitete zusammen mit William Edgar, der auch schon an HEIßE REIFEN, SCHÖNE MÄDCHEN beteiligt war, ein Skript, welches seine Herkunft zwar klar erkennen lässt, aber vollständig fiktional ist.
John: Pardon my wifes manners.
Stacey: I don’t think she has any.
Für die Storyline vermischen die beiden dabei einfach ihre eigenen Interessen mit aktuellem Zeitgeschehen und beliebten filmischen Topoi. So entsteht eine Geschichte um eine Privatdetektivin, die zufällig auch Rennfahrerin ist, und eine Sekte, deren abstruses Weltbild schließlich zu Morden führt – der kurz zuvor tätige Charles Manson lässt grüßen! Über die Maßen kompliziert fällt der Sachverhalt freilich nicht aus, die Auflösung kommt gar ausgesprochen willfährig daher.
In die Irre zu führen vermag tatsächlich der Auftakt, in dem Stacey, nach einer soeben hingelegten Bestzeit, auf der Rennstrecke von ihrem Trainer mit den Worten „It’s not the driving, it’s my instructions“ ihres Erfolgs beraubt wird. Wenn sich Anne Randall dann Sekunden später auch noch splitternackt aus der Rennkluft schält, scheint die Marschrichtung klar – aber weit gefehlt. Anstelle einer bloß hübschen, aber hilflosen Dame, die unter des Mannes Fittiche steht, präsentieren Sidaris und Edgar eine Privatdetektivin, die sich gegen jede unlautere Annäherung zu wehren versteht und dabei gerne auch das Knie oder eine abgeschlagene Flasche einsetzt. Stacey ist so wortgewandt wie geistesgegenwärtig und klärt den Fall letztlich selber auf. Auch sexuell ist sie selbstbestimmt und wählt ihre Partner nach eigenem Gutdünken – einmal setzt sie ihre Detektivarbeit gar während des Beischlafs fort. Dass Stacey zahlreiche Gegner kaltblütig (und bisweilen unter dem Einsatz großer Mengen Kunstblut) erschießt, erscheint da beinahe obligatorisch.
Ihre Eigenschaft, Rennpilotin zu sein, ermöglicht es Sidaris zudem, eine ausführliche Verfolgungsjagd unter Beteiligung eines Sportwagens und eines Helikopters zu inszenieren. Auch wenn diese umfangreich ausfällt, macht sie seine Kompetenzen auf diesem Gebiet doch noch einmal deutlich – und wiegt gleichzeitig die ein oder andere etwas blasser umgesetzte Szene auf. Im Hintergrund wummert immer wieder Don Randis eigens für diesen Streifen geschaffener Swing-Score, der seinen Teil zur stimmigen 70er Atmosphäre beiträgt; ebenso wie die treffliche Disko-Sequenz, die natürlich in keinem Genrefilm dieses Jahrzehnts fehlen darf.
Nach einer kurzen Nebelkerze in der Exposition kredenzt Andy Sidaris einen erstaunlich emanzipierten Action-Krimi, der alle seine Protagonistinnen und Protagonisten gleichermaßen ernstnimmt: Hier dürfen Weiblein und Männlein gleichermaßen fluchen, ballern und bumsen.