Godzilla
Godzilla | Japan/USA | 2014
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Mit MONSTERS (2010) hatte der Brite Gareth Edwards auf einen Schlag so viel Renommee eingeheimst, dass Warner im 160 Millionen US-Dollar und das Schicksal des zweiten US-amerikanischen Versuchs, das GODZILLA-Franchise zu verwerten, anvertraute. 1998 war Roland Emmerichs Interpretation GODZILLA ja bekanntlich finanziell geglückt, künstlerisch aufgrund der allzu großen Ferne vom Original aber gescheitert (weshalb man die Rechte damals auch unverwertet auslaufen ließ). Und was soll man sagen, Edwards hat anscheinend Lehren aus der Geschichte gezogen und liefert nicht nur ein sehr viel „japanischeren“ Godzilla, sondern auch einen sehr viel bedachteren Film ab.
Dabei kann einem zunächst etwas bange werden. Der Verlust seiner Ehegattin trifft den von Bryan Cranston gegebene Joe Brody äußerst hart und die darüber zerrüttete Beziehung zu seinem Sohn Ford (KICK-ASS-Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson) eröffnet seine Konstellation, die klischeebehaftete Emotions-Spielchen befürchten lässt. Doch Joes frühes Ableben zeigt, dass sich die Autoren Dave Callaham und Max Borenstein nicht so sehr auf die menschlichen Beziehungen, sondern eher auf die der Monstren konzentrieren wollen. Auch hier lassen die gleich zu Beginn gehäuft vorgebrachten Erklärungen bzgl. der Natur und Herkunft der Wesen zunächst nichts Gutes erahnen (kranken doch allzu viel Reboots und Requels an unnötigem Erklärungsdrang), allerdings legt sich auch das wieder und letztlich dürften die großen Biester einfach ihrer zerstörerischen Aufgabe nachgehen –so läuft das halt.
Und auch der Titelheld bekommt wieder die ihm in einem großen Teil der alten japanischen GODZILLA-Werke zugedachte Rolle als Beschützer der Menschheit zugetragen. Ob bewusst oder unbewusst, Gojira sorgt – wenn auch unter diversen architektonischen Kollateralschäden – für Ruhe im Karton. Dabei darf er sogar seinen 1998 wohl aus Gründen des „Realismus“ abgeschafften Impulsstrahl (?) wieder einsetzen. Und auch sonst sieht der Kollege wieder aus, wie in den 60er Jahren – nur natürlich in CGI. Statt einem Dinosaurier gibt es in Ansätzen wieder jenes unförmige, ungelenke Wesen zu sehen, dass nun einmal herauskommt, wenn ein Darsteller sich in einen Gummianzug zwängt. Die Spezialeffektler haben das Design respektvoll ins digitale Zeitalter überführt, die antagonistischen MUTO sind hingegen Geschmackssache. Mit gefallen sie nicht.
Etwas skurril mutet der kurze Versuch des Films an, per Hiroshima-Verweis und der erneuten Bereitschaft des US-Militärs, Atomsprengköpfe einzusetzen, ein Thema anzusprechen, welches im originalen GODZILLA (1954) bekanntlich die zentrale Rolle spielte und letztlich der Schöpfungsgedanke hinter der titelgebenden Figur ist. Wenn man ein Franchise aus einem anderen kulturellen und historischen Raum adaptieren möchte, dann wäre an solchen Stellen eventuell etwas mehr Fingerspitzengefühl abgebracht. So bleibt ein wenig der Beigeschmack, dass das Thema hier als nebensächlicher Exkurs abgehandelt wird. Kann aber auch nur mein Eindruck sein und soll die ansonsten durchaus gelungene Umsetzung Edwards nicht entscheidend abwerten.
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