Feuerball
Thunderball | Großbritannien | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Emilio Largo (Adolfo Celi) entführt im Namen von SPECTRE ein Flugzeug mit zwei Atombomben an Bord, um damit die Vereinigten Nationen zu erpressen. James Bond (Sean Connery) reist daraufhin auf die Bahamas nach Nassau, um dort mittels der hübschen Domino (Claudine Auger) Informationen über Largo zu gewinnen.
Eigentlich sollte der Roman Feuerball die Vorlage für den ersten JAMES BOND-Film von Albert R. Broccoli und Harry Saltzman werden, doch das Buch beruhte auf einem Drehbuch, welches Ian Fleming, Kevin McClory und Jack Whittingham bereits Mitte der 50er Jahre für eine geplante TV-Serie bzw. einen Kinofilm entworfen hatten. Das Projekt wurde jedoch nie realisiert und so veröffentlichte Fleming den Stoff 1961 einfach als neunten Teil seiner Agentenreihe. Das rief eine Klage seitens McClorys auf den Plan, der ebenfalls Verfilmungsrechte an dem Stoff besaß.
Zum einen sorgte diese gerichtliche Auseinandersetzung dafür, dass sich die Eon Productions für JAMES BOND JAGT DR. NO (1962) als Serienauftakt entschieden und zum anderen, dass Kevin McClory sich als Mitproduzent bei FEUERBALL einschleichen konnte. Ein weiterer Punkt im Kontrakt stellte sich, dass McClory seine Verfilmungsrechte an dem Stoff im Gegenzug für eine Dekade würde ruhen lassen; was dieser auch tat und erst nach genau zehn Jahren mit seiner Neuverfilmung des Stoffes in Form von SAG NIEMALS NIE (1983) begann, die jedoch aus diversen Gründen erst 18 Jahre später erscheinen sollte.
Volpe: Sie haben sehr scharfe Augen.
Bond: Warten Sie erst mal, bis Sie meine Zähne gespürt haben!
Inmitten dieser Querelen kehrte mit Terence Young auch ein alter Bekannter zurück an das Set des Films. Obschon Guy Hamilton mit GOLDFINGER einen riesigen Erfolg gelandet hatte, sollte Young zum dritten und letzten Mal auf dem Regiestuhl eines Bond-Abenteuer Platz nehmen. Und auch Richard Maibaum war als eingesessener Drehbuchschreiber der Reihe wieder mit an Bord.
Dieses Mal fällt die Geschichte dann um eines pompöser aus, als in den bisherigen Teilen der Reihe. Der Erfolg von GOLDFINGER ließ die Produzenten runde neun Millionen US-Dollar investieren, was dem Film ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Unzählige Drehorte und Ausstattungen werden aufgeboten, ständig gibt es neue Schauwerte zu betrachten. Das Prinzip höher, schneller, weiter findet hier im tiefsten Wortsinne Anwendung und ständig übertrifft sich der Film im Gebotenen selbst. Diesbezüglich kommt dem Streifen sicherlich eine Vorreiterrolle zu, sollte sich das Franchise diese Einstellung doch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zum Kredo machen.
Dabei geht dem Film ein wenig die geschickt konstruierte Geschichte der Vorgänger ab, denn die Hatz nach den Atombomben ist zwar unterhaltsam, aber in sich doch wenig stringent und logisch. Das merkt man vor allem dann, wenn das anfangs noch stark in den Mittelpunkt gerückte Ultimatum zum Ende hin kaum noch erwähnt wird oder aber, wenn man darüber nachdenkt, dass auch ohne Bonds Eingreifen eigentlich keine unmittelbare Bedrohung besteht, da die Internationale Gemeinschaft zur Zahlung des Lösegelds bereit ist.
So entsteht zum Ende hin ein immer selbstzweckhafteres Geschehen, welches dann in den überbordenden Unterwasserkämpfen seinen Höhepunkt findet. Waren diese damals noch bahnbrechend und technisch beachtenswert, bremsen sie den Film heutzutage spürbar aus. Denn wenn die Geschichte auf inhaltlicher Ebene ohnehin schon ins Stocken gerät, dann helfen 20 Minuten gleichförmiger Unterwasserkampf nicht unbedingt weiter.
Bond: Ein schönes Gewehr. Passt eigentlich mehr zu einer Frau.
Largo: Verstehen Sie etwas von Waffen, Mr. Bond?
Bond: Nein, aber etwas von Frauen.
Auf der anderen Seite sind gerade diese seinerzeit äußerst aufwendigen Unterwasseraufnahmen eine Verkörperung der optischen Pracht, mit der der Film seinen Betrachter beglückt. Wieder einmal schuf Ken Adam einfallsreiche und stylische Sets, die immer wieder von wundervollen Landschaftsaufnahmen flankiert werden. Alles wirkt edel und stimmig und die herrliche finstere Zentrale von SPECTRE sorgt wieder für das nötige Bond-Flair. So wird der Streifen letztlich optisch zu einer weiteren Konstituente der Reihe, auch wenn inhaltlich einige Schwächen zu vermerken sind.
Sean Connery war weiterhin per Festvertrag an die Rolle des Bond gebunden; was ihm jedoch kaum Kopfschmerzen bereitet haben dürfte. Gewohnt ruhig und abgeklärt spielt er seinen Stiefel runter und bietet so in seinem vierten Auftritt fast schon Altbekanntes. Schwieriger fiel da schon die Besetzung der weiblichen Hauptrolle aus, für die zunächst Julie Christie, Raquel Welch und Faye Dunaway vorgesehen waren. Doch da diese drei aufgrund anderer Engagements nicht zur Verfügung standen, fiel die Wahl letztlich auf die Französin Claudine Auger.
Und diese brilliert dann wie kaum eine andere Bond-Darstellerin zuvor. Denn ihr kommt eine sehr wichtige Rolle zu, die im Gegensatz zu den oftmals inhaltlich etwas belanglosen Bondgirls steht. Als des Guten Kontaktperson, des Bösen Gespielin und eines getöteten Bruders trauernde Hinterbliebene stellt sie de facto die zentrale Figur dar, die die Storyfäden zusammenhält. Auger spielte dabei abwechslungsreich und gekonnt und wird so nie zur leeren Hülle. Ein großer Schritt vorwärts für die Damenwelt des Bond-Universums. Ähnliches gilt für Luciana Paluzzi, die als Antagonisten auch nach einer mit Bond verbrachten Nacht nicht umfällt, sondern diesen danach gar noch gefangen nimmt.
M: Und wie wollen Sie sie erkennen?
Bond: Kann nicht schiefgehen, sie hat ein Muttermal am rechten Oberschenkel.
Als Bösewicht tritt Adolfo Celi in die riesigen Fußstapfen des Gert Fröbe, kann diese Aufgabe jedoch recht ansehnlich lösen. Denn seine Rolle als Largo funktioniert sowohl auf der niederträchtigen Bösewichtebene, als auch auf der für das Franchise neuen Liebesebene. Die – wenn auch nur rudimentäre – Beziehung zu Domino erweitert den Antagonisten um eine bisher ungenutzte Facette und lässt aus Largo einen sehr ganzheitlichen Widersacher werden. Ansonsten finden sich im Cast natürlich wiederum Konstanten wie Lois Maxwell, Bernhard Lee und Desmond Llewelyn.
Der Streifen konnte dann mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 140 Millionen US-Dollar einen neuen Rekord setzen, der ihn bis zur Veröffentlichung von SKYFALL (2012) zum erfolgreichsten JAMES BOND-Streifen aller Zeiten machen sollte. Wieder einmal gab es riesige Premieren und gefeierte Stars und so trug auch dieser Film seinen Teil dazu bei, das Franchise vollständig zu etablieren; und abgesehen von einigen inhaltlichen Ecken und einigen inszenatorischen Kanten unterhält er auch heute noch äußerst gelungen.
Der vierte Teil erreicht zwar nicht das Niveau des Vorgängers, stellt aber trotzdem Bond-Action in Reinkultur dar; die inhaltlichen Schwächen und einige Längen können daran auch nichts ändern.
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