
Ghostbusters: Legacy
Ghostbusters: Afterlife | Kanada/USA | 2021
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Paul Feigs Neuverfilmung GHOSTBUSTERS (2016) war an den Kinokassen und in der Rezeption bekanntlich ein Fehlschlag – in nicht unerheblichen zu Unrecht, aber darum soll es hier nicht gehen. Jason Reitman, Sohn von Ivan Reitman, dem Regisseur von GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER (1984) und GHOSTBUSTERS 2 (1989), wird die erfolglos Neuauflage der Hits seines Vaters aber aufmerksam beobachtet und gleichzeitig den immensen Erfolg von STRANGER THINGS (2016-2025) bemerkt haben. Zusammen mit Gil Kenan schrieb Reitman dann ein Drehbuch, das massig GHOSTBUSTERS-Fanservice mit den zentralen Bestandteilen der Netflix-Erfolgsserie vermischt und somit Columbia Pictures die nötige Erfolgs-Sicherheit gab, um noch mal 75 Millionen US-Dollar in das Franchise zu investieren. Am Ende sollte es sich lohnen, da rund 200 Millionen US-Dollar an weltweitem Boxoffice zusammenkamen.
Einer der Hauptgründe dürfte die – trotz stark verändertem Handlungsort – fast durchgängige Bespielung der Zuschauenden mit Verweisen auf den Originalfilm sein; generell lehnt sich die ganze Geschichte um Gozers erneutes Auftauchen sehr eng an 1984 an: Mit Callie Spengler (Carrie Coon) und Gary Grooberson (Paul Rudd) müssen erneut zwei Turtelnde zu Schlüsselmeister und Torwärter werden, der ECTO-1 fährt nach 30 Minuten durch die Landschaft, Geisterfallen finden sich im Wohnzimmer und Architekt Ivo Shandor konstruiert jetzt auch Minen. Dazu kommt dann noch der Versuch, möglichst viel Zeitkolorit aus den 80ern zu verbauen, was darin mündet, dass die Protagonisten bei der Ankunft in Summerville trotz Handlung in der Jetztzeit in einer Burgerschmiede landen, deren auf Rollschuhen umhersausende Bedienungen 45 Jahre zu spät dran zu sein scheinen. Dass mit Finn Wolfhard auch noch einer der Stars aus STRANGER THINGS die Rolle des Spengler-Enkel Trevor spielt, wirkt da schon fast folgerichtig.
Aber diese Konzeption hat eben auch ihre Tücken: Der Film ist eine Fortsetzung, Trevor und seine Schwester Phoebe (Mckenna Grace) sind die Enkel von Egon Spengler. Phoebes Lehrer Gary Grooberson kennt die Ereignisse aus den 80er Jahren und zeigt ihr alte Videos – alle anderen in der Stadt inklusive der Spengler-Familie kennen sie aber nicht! Das dient natürlich dazu, das ganze Entdecken und den Unglauben noch mal so zu nutzen wie 1984, ist aber eben auch völlig unlogisch. Dann kommt es schon einer Karikierung gleich, dass ausgerechnet Grooberson, der einzige, der die Gefahren kennt, die Geisterfallen zum Spaß öffnet. Hier zeigt sich das ganze Dilemma, das aus dem unbedingten Willen entspringt, Fortsetzung und Reminiszenz gleichermaßen zu sein.
Ähnlich schlecht funktioniert die Entscheidung, eine Kleinstadt im Mittleren Westen zum Ort des Geschehens zu machen. Während die Studio-Regeln, den Cast möglichst divers zu gestalten, hier nur merkwürdig unpassend wirken, geht ein Kernelement der GHOSTBUSTERS-Filme schlicht verloren: Die Urbanität New Yorks. Es sind der Zynismus der Großstadt und die Fremdheit der Masse, die herumfliegende Geister überhaupt erst möglich und denkbar machen. Im Big Apple wundert einen eben nichts, nicht mal ein „freies Schweben eines kompletten Torsos“. In Summeville aber sollte ein Geist, der durch alle Läden der Main Street geflogen ist, doch zumindest Gesprächsthema sein. In New York mag Ivo Shandor unbemerkt ein Hochhaus bauen, das auch als Geisterantenne dient, aber dass die Mine von Summerville, die Geldquelle der Kleinstadt, voller sumerischer Statuen und Säulen ist, bemerkt niemand? Das Fehlen an Urbanität erzeugt hier eben auch ein Fehlen an Plausibilität.
Und während das CGI-Finale dann eigentlich den Titel Remake verdient, dürfte das Auftreten von Bill Murray, Ernie Hudson und Dan Aykroyd bei vielen Kinobesuchern noch mal einiges rausgerissen haben. Zu Rob Simonsens sich ohnehin am Original orientierenden Soundtrack treffen die drei auf den 2014 verstorbenen Harold Ramis – das muss einen einfach packen. Auch wenn die Präsenz von Opa Spengler im Keller bis dahin eher albern wirkte. Noch etwas Archivmaterial von Harold im Abspann, Annie Potts und Sigourney Weaver mit kurzen Auftritten und zum Schluss dann doch noch die Skyline New Yorks und schon ist erklärt, warum GHOSTBUSTERS: LEGACY trotz all der erwähnten Schwächen ein ordentliches Einspielergebnis erzielt hat.








