The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

Jahresendspurt – 4. Teil

NEEDFUL THINGS (USA 1993, Regie: Fraser Clarke Heston)

needful things

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 In einer verschlafenen Kleinstadt eröffnet ein neuer Laden, dessen Inhaber – der mysteriöse Leland Gaunt (Max von Sydow) – für die ganz speziellen Wünsche eines jeden Bewohners der Stadt genau das Richtige zu führen scheint. Doch das Erfüllen besonderer Wünsche hat auch seinen Preis…

Nach einem Roman von Stephen King erzählt Regisseur Fraser Clarke Heston in NEEDFUL THINGS die klassische Geschichte von Menschen, die sich – hier ohne es zu ahnen – auf einen Deal mit dem Teufel einlassen. Der von Max von Sydow grandios gespielte Beelzebub entwickelt eine diebische Freude dabei, negative Charaktereigenschaften der Bürger – wie Gier, Neid und Missgunst – für sich zu nutzen um sein Teufelswerk zu vollbringen und die verschlafene Stadt so ins absolute Chaos zu stürzen. NEEDFUL THINGS ist ebenso spannend wie rasant erzählt, überzeugt mit teils tiefschwarzem, bitterbösem Humor und gehört auch aufgrund seiner tollen Besetzung – neben Max von Sydow spielen u.a. Ed Harris, Bonnie Bedelia, Amanda Plummer, J.T. Walsh und Don S. Davis mit – definitiv zu den besten Stephen-King-Verfilmungen, die je das Licht einer großen Leinwand erblickt haben.

Bewertung: Gut!

 

THE DEVIL-DOLL (USA 1936, Regie: Tod Browning)

the devil-doll

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Nach vielen Jahren Haft gelingt dem unschuldig verurteilten Pariser Bankier Paul Lavond (Lionel Barrymore) gemeinsam mit dem verrückten Wissenschaftler Marcel (Henry B. Walthall) die Flucht. In Marcels abgelegenem Haus findet er Unterschlupf und wird mit dessen Erfindung vertraut gemacht. Marcel hat ein Serum entwickelt, mit dem er Lebewesen auf Miniaturgröße verkleinern und diese sodann mit Gedankenkraft steuern kann. Regelrecht besessen davon, seine Forschungen weiterzuführen, erliegt Marcel nach den Strapazen der Flucht jedoch einem Herzinfarkt. Lavond begibt sich mit Marcels Witwe Malita (Rafaela Ottiano) daraufhin nach Paris, um sich Marcels Serum zu Nutzen zu machen und sich an all denen zu rächen, die ihn einst unschuldig ins Gefängnis brachten…

Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie ungemein schnörkellos, effektiv und ökonomisch diese B-Movies aus den 30er Jahren – nicht nur innerhalb des Gruselfilms, sondern auch in vielen anderen Genres – inszeniert waren. In Laufzeiten zwischen 60 und knapp 90 Minuten wurden da mitunter durchaus komplexe Handlungen untergebracht und diese dann mit einer Rasanz erzählt, dass man als Zuschauer – auch heute noch – einfach nur große Anerkennung für die damaligen Filmemacher aufbringen kann.

Auch THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning, dessen Name übrigens nicht mal in den Credits auftaucht, macht da keine Ausnahme. Browning vermischt verschiedene Genreelemente (THE DEVIL-DOLL ist Gruselfilm, Science-Fiction, Thriller und Familiendrama) zu einem großen Ganzen, packt alles in eine Laufzeit von gerade mal 76 Minuten und lässt den Zuschauer praktisch keine Zeit zum Durchschnaufen. Es gibt keinerlei Leerlauf in der wendungsreichen Geschichte – deren Ende dann übrigens auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie damalige Filmemacher versuchten, aus den streng auferlegten Regeln des Hays-Codes, doch noch das Beste rauszuholen – und ehe man sich versieht, ist THE DEVIL-DOLL leider auch schon wieder vorbei. Browning hat da einen schönen, stimmungsvollen Grusler gedreht, der auch heute noch funktioniert und dessen Effekte man – bedenkt man das Erscheinungsjahr – einfach nur als absoluten Hammer bezeichnen kann.

Bewertung: Gut!

 

RUNNER RUNNER (USA 2013, Regie: Brad Furman)

runner runner

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um sein Studium an der renommierten Princeton-University zu finanzieren, verdient sich Justin Timberlake als Student Richie Furst als eine Art Buchmacher für Online-Glücksspiele eine goldene Nase. Als ihm jedoch von der Universitätsleitung der Riegel vorgeschoben wird, ist die Finanzierung seines Studiums in Gefahr. Mit Mut zum Risiko setzt er sein ganzes Geld beim Online-Poker ein und verliert schließlich alles. Davon überzeugt, betrogen worden zu sein, reist er schließlich nach Costa Rica um Ivan Block (Ben Affleck), den schwerreichen Betreiber der Seite, zur Rede zu stellen, erliegt dort jedoch den Verlockungen von Blocks Luxusleben und lässt sich auf gefährliche Machenschaften mit dem charismatischen Menschenfänger ein…

Regisseur Brad Furman inszeniert seinen Thriller auf extrem ruhige Art und Weise und scheint sich weniger auf seine Geschichte und seine Schauspieler, sondern mehr auf seine visuelle Ästhetik und die entspannt-chillige Atmosphäre seines Films zu verlassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man RUNNER RUNNER überhaupt als Thriller bezeichnen kann, denn Furmans Film funktioniert tatsächlich weniger als Spannungskino im herkömmlichen Sinn, sondern praktisch ausschließlich aufgrund seiner ausgesprochen hübsch anzusehenden Bilder. So plätschert RUNNER RUNNER über gut 90 Minuten vor sich hin, lullt den Zuschauer von Minute zu Minute mehr ein und die einzige Spannung, für die er sorgt, ist die Entspannung, die sich bei mir mit zunehmender Laufzeit als Betrachter breitgemacht hat. Film als Hintergrundrauschen, zum Runterkommen nach einem stressigen Arbeitstag, zum Berieseln. Film an der Grenze zur absoluten Belanglosigkeit – aber immerhin nett anzusehen.

Bewertung: Ok!

 

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA (Deutschland 1970, Regie: Werner Jacobs)

was ist denn bloß - mit willi los grüß sie gott frau stirnima.

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen als gutmütiger Finanzbeamter Willi Winzig, der kurz vor seiner Pension gerne mal ein Auge zudrückt und dem kleinen Mann auf eigene Faust von seiner Steuerschuld betreibt. Als die Sache auffliegt, droht Willi einen Großteil seiner Pension zu verlieren. Sein Kollege und bester Freund Felix Klein (Ralf Wolter) hat die Lösung für das Problem: Willi solle doch einfach komplett verrücktspielen und sich so als unzurechnungsfähig erklären lassen. In all das Tohuwabohu gesellt sich außerdem noch Willis Nichte Helga (Stella Mooney), die von zuhause ausgerissen ist, bei Willi nun Unterschlupf sucht und ihre neugewonnene Freiheit dergestalt nutzt, dass sie sich immer wieder heimlich mit ihren großen Liebe, dem Musiker Frankie (Rex Gildo), zum gemeinsamen Stelldichein trifft…

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA ist ein typisches Produkt seiner Zeit, unterhält den Zuschauer mit maximal harmlosen und ungemein sympathischen Episödchen, die sich am Ende zu einem großen Ganzen vermischen. Rex Gildo darf ein paar Songs zum Besten geben und Heinz Erhardt und Ralf Wolter spielen sich die Gags gegenseitig zu. Natürlich lockt Jacobs’ Film heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor und die Tatsache, dass ein Film wie dieser das Publikum einst in Scharen in die Kinos locken konnte, mag aus heutiger Sicht ziemlich verwundern. Dass ich während der Sichtung des Films aber an einigen Stellen auch heute noch ein fettes Grinsen im Gesicht hatte, mag ich beim besten Willen nicht abstreiten. Das Schauspiel und der Wortwitz von Heinz Erhardt kann man in meinen Augen guten Gewissens als zeitlos bezeichnen. Erhardt schafft es mit Leichtigkeit, auch die größten Kalauer in einer Art zu präsentieren, dass man als Zuschauer regelrecht zum Lachen gezwungen wird.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

TATORT: GRENZGÄNGER (Deutschland 1981, Regie: Ilse Hofmann)

tatort - grenzgänger_01tatort - grenzgänger_02

(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

In seinem zweiten Auftritt als Horst Schimanski gefährdet Götz George aufgrund leichtsinnigen Handelns das Leben seines Kollegen Hollai (Günther Maria Halmer), der undercover arbeitet und dessen Deckung nun aufzufliegen droht. Auf eigene Faust holt Schimanski seinen alten Kumpel Hollai aus dem Untergrund und sorgt somit dafür, dass dieser wieder im normalen Polizeidienst tätig sein kann/darf/muss. Doch bald schon bekommt Schimanski Zweifel an Hollais Integrität…

GRENZGÄNGER greift das klassische Motiv des Undercover-Cops auf, der den Verlockungen des Verbrechens nicht länger widerstehen zu können scheint. Georges zweiter Auftritt ist somit weniger ein klassischer Kriminalfall, sondern eher ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel, in dem auch noch genügend Zeit bleibt, die im ersten Fall begonnene Charakterisierung der beiden Hauptfiguren Schimanski und Thanner (Eberhard Feik) fortzuführen. Echte Spannungssequenzen sind in GRENZGÄNGER rat gesät, Regisseurin Hofmann verlässt sich voll und ganz auf ihre Hauptdarsteller und die sind es letztendlich dann auch, die dafür sorgen, dass auch der zweite Fall aus Duisburg zu einem der sehenswerten Krimis innerhalb der TATORT-Reihe gehört. George und Feik harmonieren als ungleiche Partner einfach ganz vorzüglich miteinander und schüren beim Zuschauer eine große Vorfreude auf all die anderen Fälle, welche die beiden noch zu lösen bekommen werden. Interessant fand ich bei GRENZGÄNGER auch die Darstellung des Handlungsortes. Duisburg wird im Vergleich zum Vorgänger DUISBURG-RUHRORT, in dem die Stadt einem halb verfallenen Moloch glich, deutlich positiver und freundlicher gezeichnet und kommt auf ihre eigene Art und Weise ausgesprochen sympathisch rüber. Und vom Soundtrack gibt es Songs von Marius Müller-Westernhagen, die ganz wunderbar zur Atmosphäre des Films passen.

Bewertung: Gut!

 

INVASION OF THE BODY SNATCHERS (USA 1978, Regie: Philip Kaufman)

invasion of the body snatchers_1978

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Bei meinen in umgedrehter Reihenfolge durchgeführten Sichtungen der Verfilmungen des Romans “The Body Snatchers“ von Jack Finney bin ich nun bei der zweiten Verfilmung angelangt, die Regisseur im Jahr 1978 realisiert hat. Hier ist es nun Donald Sutherland als Matthew Bennell, einem leitenden Angestellten des Gesundheitsamtes in San Francisco, der gemeinsam mit seiner Kollegin Elizabeth (Brooke Adams) der außerirdischen Invasion auf die Schliche kommt und mit allen Kräften versucht, diese zu verhindern.

Regisseur Philip Kaufman setzt verdammt viel auf die Karte “Stimmung und Atmosphäre“ und macht damit alles richtig. Das Grauen bricht langsam und ausweichlich über den Zuschauer herein und Kameramann Michael Chapman liefert entsprechend stimmungsvolle und furchterregende Bilder dazu ab. Diese Sequenz am Hafen beispielsweise, zu den Klängen von “Amazing Grace“, ist an Intensität kaum noch zu überbieten. Die Besetzung rund um Donald Sutherland – bestehend u.a. aus Brooke Adams, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright, Leonard Nimoy und Art Hindle – agiert hervorragend und so brennt auch auf schauspielerischer Seite nie etwas an. Und dann dieses für die 70er Jahre so typische Ende mit dieser letzten Einstellung von Donald Sutherland, die schon längst zum Kanon ikonischer Filmbilder gehören dürfte.

Ich bin nun schon auf die Ursprungsversion von Don Siegel – der hier übrigens einen Gastauftritt als Taxifahrer absolviert – gespannt, wage aber zu bezweifeln, dass Kaufmans Variante von Finneys Roman nochmals übertroffen werden kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DOCTOR X (USA 1932, Regie: Michael Curtiz)

doctor x

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Eine schreckliche Mordserie führt die Polizei direkt zum Forschungszentrum des Wissenschaftlers Dr. Xavier (Lionel Atwill). Entweder er oder einer seiner Forschungskollegen scheint für die Morde verantwortlich zu sein. Um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, bittet Dr. Xavier die Beamten um etwas Aufschub. Er möchte selbst herausfinden, wer der Täter in seinen Reihen ist. Gleichzeitig hat der Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) Wind davon bekommen, dass gegen Dr. Xavier ermittelt wird, und wittert eine große Story…

Ähnlich wie der ein paar Tage zuvor gesehene THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning ist auch DOCTOR X von Michael Curtiz ein Paradebeispiel des B-Movie-Gruslers aus den 30er Jahren. Gefilmt mit einem frühen Technicolor-Verfahren ist die mir vorliegende Farbfassung von DOCTOR X in schaurig-schöne Farben getaucht, die dem Film – ebenso wie das Setting in den Labors von Dr. Xavier mit ihrem ganzen Technikkram und den brodelnden Reagenzgläsern – eine wunderbare Gruselatmosphäre verleiht. Aufgelockert wird die spannende Suche nach dem Täter immer wieder durch Lee Tracy in der Rolle des Reporters, der hier ganz eindeutig als “comic relief“ besetzt ist und immer wieder für einige Lacher sorgt. So präsentiert DOCTOR X über die komplette Laufzeit eine ganz wunderbare Mischung aus spannenden, unheimlichen und komischen Momenten und sei hiermit jedem, der mit Filmen dieser Art auch nur ansatzweise etwas anfangen kann, dringendst ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut!

 

WHEELS OF FIRE (Philippinen/USA 1985, Regie: Cirio H. Santiago)

wheels of fire

(Fassung: Blu-ray, Code Red, USA)

 Wenn es jemand drauf hat, gelungene Rip-Offs zuvor erfolgreicher Kinofilme zu drehen bzw. drehen zu lassen, dann ist es Roger Corman. In seinem Auftrag wurde im Jahr 1985 auf den Philippinen von Stamm-Regisseur Cirio H. Santiago WHEELS OF FIRE gedreht, ein Film, der in einer post-apokalyptischen Welt spielt und ganz eindeutig als Rip-Off von MAD MAX 2 zu erkennen ist. Und Regisseur Santiago “delivers the goods“, sein Film ist vollgepackt mit Schauwerten, legt ein irres Tempo vor und begeistert mit geilen Wüsten-Settings, verrückten Klamotten, spektakulären Verfolgungsjagden in umgebauten Boliden, Schießereien, Prügeleien und einer gehörigen Portion Sleaze. WHEELS OF FIRE ist definitiv nichts für Feingeister, nichts für das Arthouse-Publikum mit dem Rotweinglas in der Hand und auch nichts für Leute, die sich von einem Film eine zumindest halbwegs vernünftige Geschichte erwarten. Fans des Exploitation-Kinos dürften bei WHEELS OF FIRE jedoch schon fast Freudentränen in den Augen haben. Verdammt, ist das Teil geil!

Bewertung: Sehr gut!