The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

4 Frauen auf Geisterjagd

GHOSTBUSTERS (USA 2016, Regie: Paul Feig)ghostbusters

(Fassung: 3D-Originalfassung, Odeon Premierenkino, London)

Jetzt ist er also in der Welt. Dieser Film, der die Fans von Reitmans Original aus dem Jahr 1984 schon auf die Barrikaden gehen ließ, bevor er überhaupt das Licht der Leinwände erblicken konnte. Der von vielen sogenannten Filmfreunden aus Prinzip gehasst werden wird – nur aufgrund der Tatsache, dass die Rollen der Geisterjäger hier mit 4 Frauen besetzt worden sind – und der praktisch keine Chance auf eine faire Behandlung haben dürfte. Ich finde es sehr traurig, dass es scheinbar nicht möglich ist, an einen Film wie diesen hier erst mal unvoreingenommen heranzugehen, ihn sich anzusehen und sich danach eine Meinung zu bilden. Wenn man ihn dann immer noch beschissen findet, ist das ja in Ordnung. Aber dieser Shitstorm vorab? Man muss es nicht verstehen.

In Deutschland startet GHOSTBUSTERS Anfang Augst, anlässlich eines Kurzurlaubs in London hatte ich bereits am vergangenen Samstag die Gelegenheit, mir den Film in 3D im riesigen Odeon-Kino am Londoner Leicester Square anzusehen (in diesem Kino finden auch alle wichtigen Filmpremieren in England statt) und möchte nach Sichtung des Films all diesen selbsternannten Experten, all diesen bescheuerten Hatern und all diesen ekligen Supernerds, die GHOSTBUSTERS bereits vor Start und nur aufgrund der Besetzung und des Trailers zur Totgeburt erklärt hatten, ein fettes „FUCK YOU!!!“ entgegen schreien, denn Paul Feig hat hier zwar keinen perfekten, aber doch einen extrem unterhaltsamen Film gedreht. Einen Film, der mir persönlich über die komplette Laufzeit verdammt viel Vergnügen bereitet hat, den man sicher kritisch sehen kann, der diese breite Ablehnung und diesen Hass, der ihm schon seit Wochen und Monaten vielerorts entgegenschlägt, jedoch in keinster Weise verdient hat.

Was man den Machern vielleicht vorwerfen kann, darf und muss, ist, dass sie diesen Mut, den sie mit der Besetzung der vier Hauptrollen mit Frauen ja eigentlich bewiesen haben, nicht konsequent fortgeführt und so etwas gänzlich Neues erschaffen haben. GHOSTBUSTERS ist im Endeffekt ein Remake bzw. Reboot des Originals und seines Sequels aus dem Jahr 1989 und funktioniert eher als liebevolle Hommage an diese beiden Filme und weniger als eigenständige Geschichte. Dafür wurden einfach zu viele Elemente der beiden Ur-Filme aufgegriffen, dafür gibt es zu viele obligatorische Gastauftritte und dafür fehlt es dem Film einfach an Originalität und Einfallsreichtum was den Handlungsverlauf angeht. Und dafür übertreibt es Paul Feig im Finale etwas zu sehr mit den Reminiszenzen. Die Entstehung des „Endgegners“ ist bspw. komplett misslungen und das Finale des großen Finales ist in meinen Augen auch eher als missglückt zu bezeichnen. Bis auf diese beiden großen Schwächen zum Ende hin funktioniert GHOSTBUSTERS als Hommage jedoch nahezu perfekt und wenn man es schafft, sich auch mit den vier Damen in den Rollen der Geisterjäger anzufreunden (was mir glücklicherweise gelungen ist), dürfte einem mehr als vergnüglichem Filmerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Regisseur Paul Feig zelebriert mal wieder den aus seinen bisherigen Filmen bekannten, etwas kruden Humor und hat insbesondere mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig zwei Schauspielerinnen am Start, die sich die Gags wie die sprichwörtlichen Bälle hin- und her spielen. Chris Hemsworth als männliche und leicht unterbelichtete Empfangsdame ist teilweise zum Schreien komisch und komplettiert mit seinem Part die Umkehr der Geschlechterrollen des Originals. Die aus den beiden Ur-Filmen zusammengesetzten Handlungselemente hat Feig zudem mit jeder Menge netter Ideen angereichert und die Kreativität, die im großen Ganzen des Plots vielleicht etwas fehlen mag, ist in den Details jederzeit erkennbar (man achte bspw. nur mal auf die zeitgenössischen Movie Marquees während der Times-Square-Sequenz im Finale). Über die diversen Variationen altbekannter Geistererscheinungen habe ich mich genauso gefreut wie über die ausgesprochen gelungenen Gastauftritte diverser Stars des Originals – neben Bill Murray als Wissenschaftler und Dan Aykroyd als Taxifahrer geben sich auch Annie Potts, Ernie Hudson und Sigourney Weaver die Ehre – und diese Konzertsequenz (incl. eines Gastauftritts von Ozzy Osbourne) in der Mitte des Films ist der absolute Knaller. Toll auch die Effekte, vor allem die 3D-Effekte in den Actionszenen. Alles in allem ist GHOSTBUSTERS ein riesengroßer Spaß. Wer dem Film eine echte Chance geben will soll doch einfach reingehen, sich hinsetzen, ihn sich anschauen, hoffentlich Spaß haben und vor allem bis nach dem Abspann sitzen bleiben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Second Thoughts of May

BANKLADY (Deutschland 2013, Regie: Christian Alvart)

banklady

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Mit BANKLADY erzählt Regisseur Christian Alvart die zwar auf wahren Begebenheit beruhende, aber dennoch ziemlich unglaubliche Geschichte der Gisela Werler, einem waschechten Mauerblümchen, welches sich im Hamburg der frühen 60er Jahre in den falschen Mann verliebt, zur Bankräuberin wird und insgesamt 19 Banken in und um Hamburg überfällt. Das Leben schreibt dann halt doch die tollsten Geschichten.

Gespielt wird die Hauptfigur von der tollen Nadeshda Brennicke, die ich schon immer gerne gesehen habe und die im Lauf ihrer Karriere in meinen Augen leider viel zu wenig Hauptrollen abbekommen hat. Die Verwandlung in das unscheinbare Mauerblümchen gelingt ihr spielend und die Darstellung dieser unsicheren, leichtgläubigen und – wie sich am Ende herausstellt – auch von ihrem Partner und Komplizen komplett hintergangenen Frau kommt ungemein authentisch rüber. Es ist überhaupt diese Authentizität, die BANKLADY neben den überzeugenden Schauspielerleistungen – auch Charly Hübner in der Rolle des skrupellosen Mittäters spielt richtig klasse – so sehenswert macht. Als Zuschauer fühlt man sich regelrecht in diese frühen 60er Jahre zurückversetzt. Die Stimmung die BANKLADY mit seiner über weite Strecken ruhigen und unaufgeregten Inszenierung ausstrahlt, die Settings, die Kostüme – all das fügt sich zu einem ausgesprochen gelungenen Ganzen zusammen. Vielleicht schleichen sich hier und da mal etwas zu viele Längen ein und sicher ist Alvarts Films jetzt kein kompletter Überflieger, aber er ist ein überzeugendes Beispiel für gutes Kino aus Deutschland fernab des üblichen Komödien- und Betroffenheitskrams.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SEIN LETZTES RENNEN (Deutschland 2013, Regie: Kilian Riedhof)

sein letztes rennen

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Dieter Hallervorden spielt Paul Averhoff, einen rüstigen Renter, der in den 50er Jahren ein Sportstar im Bereich des Langstreckenlaufs gewesen ist und sich nun, da seine Frau Margot (Tatja Seibt) pflegebedürftig wird, damit abfinden soll, seinen Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen, nutzlose Kastanienmännchen zu basteln und Lieder zu singen. Paul rebelliert, packt seine alten Sportsachen aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren, an dem er unbedingt teilnehmen will. Während sich ein Großteil seiner Mitbewohner von seiner Energie anstecken lässt, sind der Heimleitung Pauls Aktivitäten ein Dorn im Auge, da es immer schwieriger wird, die Insassen unter Kontrolle zu halten…

Es fällt mir in gewisser Weise schwer, SEIN LETZTES RENNEN adäquat zu beurteilen. Nach Sichtung dieses Films bin ich mir jedoch sicher, dass ich mir Schweigers HONIG IM KOPF – dem ja auch eine Pflegethematik zugrundeliegt – sicher niemals freiwillig ansehen werde. Denn auch wenn die Grundaussage von Riedhofs Film sicher zu begrüßen ist – auch im hohen Alter nicht aufzugeben, Respekt einzufordern, seine Ziele und Träume zu verwirklichen versuchen -, der Film ausgesprochen berührend inszeniert ist, eine gelungene Balance zwischen Humor und Tragik aufweisen kann, in nicht wenigen Sequenzen – vor allem wegen Hallervordens Leistung – mitten ins Herz geht und alles in allem ungemein unterhaltsam geraten ist, so muss an dieser Stelle doch auch kritisch angemerkt werden dürfen, dass die ganze Ausgangssituation des Films hanebüchen wirkt. Hallervorden und seine Frau sind nun wirklich nicht in einer Verfassung, in der sie in ein Pflegeheim müssten – keiner der beiden dürfte in der Realität eine Pflegestufe erhalten – und dürften finanziell auch so gut gestellt sein, dass es eine Leichtigkeit sein sollte, die erforderliche Pflege der Frau durch eine Pflegefachkraft zuhause durchführen zu lassen. Zudem ist in meinen Augen die Darstellung des Heimalltags extrem unglaubwürdig geraten und dieser Heimalltag im Film wird wie ich finde auch zu Unrecht dämonisiert. In dem Heim im Film wird sich – wenn auch mit scheinbar stupiden und wenig anspruchsvollen Aktionen wie dem Basteln und den Gesangsstunden – doch gut um die Insassen gekümmert, sie werden offensichtlich gut versorgt und dieses versuchte “unter Kontrolle halten“ der Bewohner von Seiten der Organe der Heimleitung dürfte wohl sicher nicht aus Boshaftigkeit erfolgen. Ich habe nun wirklich keine Ahnung, wie es im typischen Pflegeheim so zugeht (aus diesem Grund auch meine Probleme mit einer fairen Beurteilung des Films), wohlbekannte Stichworte wie Pflegenotstand lassen aber eher darauf schließen, dass der Notstand im Heim des Films kein echter Notstand ist, sondern eher ein Jammern auf hohem Niveau darstellt. Ich denke mal, dass es nicht wenige pflegebedürftige Menschen gibt, die froh wären, in einem Heim wie in SEIN LETZTES RENNEN unterkommen zu können. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fällt es mir schwer, SEIN LETZTES RENNEN tatsächlich als guten Film zu bezeichnen. Seinen hohen Unterhaltungswert möchte ich ihm aber sicher nicht absprechen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE (USA 1971, Regie: Ray Dennis Steckler)

the mad love life of a hot vampire

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

Ein seltsam exaltierter Graf Dracula mit einem buckligen Diener entsendet weibliche Vampire mit dem Auftrag, ihm Blut zu besorgen. Ein Auftrag, der auf nicht ganz jugendfreie Art und Weise erledigt wird. Gleichzeitig tüftelt ein gewisser Van Helsing einen Plan aus, um den Fürsten der Dunkelheit in die ewigen Jagdgründe zu schicken…

Schon bevor eine gewisse Linda Lovelace mit einem bestimmten Organ an einer falschen Stelle des Körpers im Jahr 1972 für Aufsehen sorgte, pornographische Filme plötzlich die großen Kinos bevölkerten und der sogenannte “porn chic“ den Mainstream eroberte, gab es im tiefsten Untergrund Filmemacher, die dem sensationshungrigen Publikum genau das lieferten, wonach es nach dem endgültigen Fall der über Jahrzehnte geltenden Zensurvorschriften regelrechte gierte: explizit dargestellten Sex auf der Leinwand, zumeist eingebettet in eine hauchdünne Handlung. Eine Handlung, die im Fall von THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ganz besonders obskur geraten ist. Gut 50 Minuten dauert der Spuk den Regisseur Ray Dennis Steckler seinem Publikum hier vorsetzt und dieser Spuk ist garniert mit schrecklich untalentierten Darstellern, außerordentlich tristen Settings und Sexszenen, die wirklich meilenweit davon entfernt sind, auch nur annähernd als an- oder gar erregend durchgehen zu können.

Ein Werk wie THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ist aus heutiger Sicht vor allem aus filmhistorischen Gesichtspunkten interessant, als Zeuge einer längst vergangenen Zeit, als Beispiel für tiefsten filmischen Underground, im vorliegenden Fall aus Las Vegas stammend. Als Filmfan darf man sich glücklich schätzen, dass auch solche obskuren Filme wie dieser hier von Independent-Labels wie Vinegar Syndrome geborgen, restauriert und für die Nachwelt erhalten werden.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE VANISHING (USA 1993, Regie: George Sluizer)

the vanishing

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

THE VANISHING ist ein gutes Beispiel dafür, dass der allgemeine Remake-Wahn aus Hollywood, vor allem dieses von vielen als Unart bezeichnete Drehen von US-Remakes erfolgreicher, ausländischer Filme, keine neue Modeerscheinung ist, sondern so schon vor über 20 Jahren (und natürlich auch noch früher) praktiziert wurde. Besonders beliebt in Hollywood sind dann natürliche Regisseure wie George Sluizer, die sich dazu bereit erklären, ein US-Remake ihres eigenen Films zu drehen. Da steht man dann aus wirtschaftlicher Sicht gleich noch mal etwas sicherer da.

THE VANISHING erzählt die Geschichte von Jeff Harriman (Kiefer Sutherland), der über Jahre hinweg verzweifelt und verbissen nach seiner – während eines gemeinsamen Ausflugs bei einem Zwischenstopp an einer Raststelle – wie vom Erdboden verschwundenen Freundin Diane (Sandra Bullock) sucht und stellt das US-Remake der niederländisch-deutsch-französischen Co-Produktion SPOORLOOS (die ich zu meiner Schande immer noch nicht gesehen habe) aus dem Jahr 1988 dar. Sluizer inszeniert das Remake seines eigenen Films auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, die Spannung baut sich langsam und schleichend auf, der Mystery-Touch des Films sorgt immer wieder für eine unheimliche und bedrückende Atmosphäre und wenn man über das vielleicht etwas überkonstruierte Schlussdrittel hinwegsehen oder sich gar mit diesem anfreunden kann, wird man mit einem richtig guten Thriller belohnt. Kiefer Sutherland nimmt man die Rolle des leidenden und verzweifelten Freundes absolut ab, die Besessenheit, mit der er sich auf die Suche begibt, ist auch für den Zuschauer nur schwer zu ertragen, so sehr leidet man mit ihm mit. Und auf der Seite des Bösewichts bietet THE VANISHING mit Jeff Bridges einen fast schon widerwärtig überzeugenden Gegenpol zum verzweifelten Kiefer Sutherland, einen Mann, den man auch als Zuschauer nur von ganzem Herzen hassen kann. Und zwar über die komplette Laufzeit dieses auch heute noch ausgesprochen sehenswerten Thrillers.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SLITHER (USA 1973, Regie: Howard Zieff)

slither

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mittelpunkt von SLITHER ist der von James Caan gespielte Dick Kanipsia, der, soeben aus dem Gefängnis entlassen, gemeinsam mit einem ebenfalls entlassenen Mitinsassen auf dem Weg zu dessen Haus ist und sich – dort angekommen – in einem plötzlichen Kugelhagel wiederfindet. Noch bevor die Anfangscredits des Films zu Ende sind, hat Caan von seinem im Sterben liegenden Kameraden zwei Namen mit dem Hinweis genannt bekommen, die erste Person aufzusuchen, da sie ihm zu einem stattlichen Vermögen führen könne. Für Caans Charakter beginnt ein Road Trip der besonderen Art…

SLITHER ist eigentlich ein typischer Vertreter des Kinos der 70er Jahre, mit einem kantigen Typen in der Hauptrolle, der sich auf ein waghalsiges Abenteuer einlässt. Was ihn von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass in SLITHER irgendwie alles ein bisschen “over the top“ geraten ist. Sowohl die verschiedenen Charaktere als auch der Verlauf der Handlung ist leicht überzeichnet, der Hang zum Absurden und Skurrilen ist allgegenwärtig und diese Mischung aus komischen und spannenden Momenten, die Zieff seinem Film verpasst hat, macht ihn ziemlich unwiderstehlich. Allein diese komplett irre Bingo-Sequenz (!!!) ist einfach zum Schreien, das Finale ist an Absurdität fast nicht zu überbieten und der tolle Alex Rocco hat eine kleine Rolle abbekommen und stielt in seinen wenigen Momenten wieder mal allen anderen die Schau. Das alles ist dann auch noch so komplett tiefenentspannt und cool inszeniert, dass Freunde des 70er-Jahre-Kinos die komplette Sichtung dieses Films sicher mit einem fetten Grinsen im Gesicht begleiten dürften.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 2 (USA 2012, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Meinen zuvor geschriebenen Text zur ersten Staffel könnte ich an dieser Stelle auch per Copy & Paste einsetzen, denn viel mehr, als ich bereits zu Staffel 1 geschrieben habe, gibt es auch zur zweiten Staffel nicht anzumerken. Die Anzahl der Charaktere nimmt zu, GAME OF THRONES wird handlungstechnisch scheinbar komplizierter, da man erst mal die Übersicht darüber behalten muss, wer nun wohin gehört, mit wem in irgendeiner Weise paktiert oder sonst liiert ist. Diese scheinbare Kompliziertheit dürfte natürlich in erster Linie der Romanvorlage geschuldet sein, den Machern aber auch ganz vorzüglich in die Karten spielen, da ihre Serie so darüber hinwegtäuschen kann, worum es in erster Linie geht: natürlich wieder um Sex und Gewalt und um überbordende Schauwerte. Inszeniert sind die 10 Episoden der zweiten Staffel erneut ausgesprochen spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich, der von Peter Dinklage gespielte Tyrion Lannister könnte sich mit seiner unnachahmlichen Art bald zum persönlichen Liebling entwickeln, Sibel Kekilli ist ein echter Hingucker in der Rolle der Shae und die Sache mit den Babydrachen find ich persönlich mindestens genauso geil wie diese Armee der Untoten, die im Cliffhanger zum Staffelende aufgelaufen ist. Das ist schon eine Serie, die das Zeug dazu hat, süchtig zu machen und die sich qualitativ bisher auf einem durchweg sehr guten Niveau befindet.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE (USA 2015, Regie: Christopher Landon)

scouts guide to the zombie apocalypse

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mal wieder was aus dem Funsplatter-Bereich. Und sonderlich viel gibt es zu Langdons Film eigentlich gar nicht zu sagen. Der Zielgruppe dürfte er gefallen und für alle, die sich für so einen Kram mittlerweile viel zu alt fühlen, bleibt ja immer noch der bemitleidenswerte Blick auf die sogenannten Gorebauern, die sich mit so einem vermeintlichen Schund wie diesem hier unterhalten lassen können. Dieser kleine Splatterfreak, der ich schon immer war und der ich wohl auch immer bleiben werde, hatte auf jeden Fall richtig viel Spaß mit dem Film.

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE sieht verdammt gut aus. Er sieht aus wie ein richtiger Film und nicht wie eine dieser Billigproduktionen der berühmt-berüchtigten Asylum-Schmiede, für die man den Film schon allein aufgrund seines Titels halten könnte. Eine großartige Story darf man sich hier natürlich nicht erwarten, im Endeffekt geht es um drei Pfadfinder, die sich ausgesprochen erfolgreich gegen eine ausgebrochene Zombie-Epidemie zur Wehr setzen. Aber mal ernsthaft, wer verlangt von einem Film wie diesem hier auch schon eine ausgeklügelte Geschichte? Langdon inszeniert seinen Splatterspaß mit viel Tempo, vielen netten Einfällen, vielen coolen Effekten und einer ausgewogenen Mischung aus spannenden, komischen und absurden Momenten. Ich mochte den Film und möchte ihn Gleichgesinnten unbedingt weiterempfehlen.  Vielleicht im Double Feature mit Fleischers ZOMBIELAND aus dem Jahr 2009. Viel Spaß dabei!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE D TRAIN (Großbritannien / USA 2015, Regie: Andrew Mogel / Jarrad Paul)

the d train

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Jack Black spielt Dan Landsman, einen Typen, der – obwohl verheiratet und Vater zweier Kinder – das Loser-Image aus Highschool-Zeiten nie abstreifen konnte. Nun möchte er anlässlich des 20. Jahrestages des Highschool-Abschlusses ein Klassentreffen organisieren, um endlich anerkannt zu werden, um sein Ego zu stärken, um den Stempel des Verlierers endgültig loszuwerden, hat aber das Problem, dass keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden sich dazu bereit erklärt, zum Treffen zu erscheinen. Als er eines Abends in einem Werbespot den von James Marsden gespielten Oliver Lawless entdeckt, der ebenfalls die betroffene Abschlussklasse besucht hat, hält er diesen für einen großen Filmstar und ist davon überzeugt, dass mit Lawless als Zugpferd auch die übrigen Schulkollegen von einst am Treffen teilnehmen werden. Mit fanatischem Einsatz setzt er alles daran, Lawless zur Teilnahme zu bewegen…

Mit Filmen mit Jack Black in der Hauptrolle kann man eigentlich nie viel verkehrt machen. Meistens taugen sie als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, ohne je ernsthaft in den Verdacht zu geraten, allzu großen Anspruch bieten zu wollen. Die beiden Regisseure Andrew Mogel und Jarrad Paul wären gut beraten gewesen, hätten sie diese Tradition mit THE D TRAIN einfach fortgesetzt. Aber irgendwie mag THE D TRAIN nicht so richtig funktionieren. Weil er sich irgendwie selbst zu ernst nimmt und dabei in Belanglosigkeit zu versinken droht. THE D TRAIN fehlt es an Witz, an Tempo, an Einfallsreichtum. Er ist erschreckend bieder, schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, dass man als Zuschauer auch nur ansatzweise so was wie Interesse oder gar Begeisterung für ihn empfinden könnte, plätschert ohne echte Höhepunkte so vor sich hin und ist so etwas wie das filmische Äquivalent zur Hintergrundmusik in einer Bar. Zwar mitunter ganz nett anzusehen, aber irgendwie ohne eigene Identität und dafür stattdessen mit der Gewissheit ausgestattet, dass er kurz nach der Sichtung wieder in Vergessenheit geraten wird. Einer dieser Filme, die man zum Totschlagen der Zeit schon mal in den Player schieben kann. Mehr aber nicht.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

8 Kurzkommentare (April 2016)

HOUSE OF WAX (USA 1953, Regie: André De Toth)

house of wax

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

 Dass Remakes oder Reboots kein gänzlich neuartiges Phänomen darstellen, sondern eher etwas, das es schon immer in der Filmgeschichte gab, lässt sich am Beispiel von HOUSE OF WAX aus dem Jahr 1953 gut darstellen. Beim Film von Regisseur André De Toth handelt es sich nämlich um ein Remake des Films MYSTERY OF THE WAX MUSEUM aus dem Jahr 1933 von Regisseur Michael Curtiz, in dem der Betreiber eines Wachsmuseums von seinem Geschäftspartner betrogen und dem eigentlich sicheren Flammentod überlassen wurde, das gelegte Feuer jedoch wie durch ein Wunder und schrecklich entstellt überlebte und daraufhin ein neues Wachsfigurenkabinett der ganz besonderen Art eröffnete. In die im Original von Lionel Atwill gespielte Rolle des Brandopfers schlüpft im Remake nun Vincent Price und der liefert eine wahrlich beeindruckende Vorstellung als gefährlicher Verrückter ab. Dazu gesellen sich ganz wundervolle Kulissen, eine angenehme Gruselatmosphäre im Gothic-Horror-Stil und ein enorm spannendes und packendes Finale, welches  dem geneigten Zuschauer auch heute, über ein halbes Jahrhundert nach Erstaufführung, noch den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

L’ULTIMO CACCIATORE (Italien 1980, Regie: Antonio Margheriti)

l'ultimo cacciatore

(Fassung: DVD, Dark Sky Films, USA)

Regisseur Antonio Margheriti schickt seinen Hauptdarsteller David Warbeck in L’ULTIMO CACCIATORE zu Zeiten des Vietnamkriegs auf eine gefährliche Mission – es gilt, einen tief im Feindgebiet gelegenen Propagandaradiosender der Vietnamesen auszuschalten – und mit diesem den Zuschauer auf eine Reise mitten in den Wahnsinn des Krieges.

Das italienische Kino ist natürlich auch dafür bekannt, sich von erfolgreichen US-Produktionen “inspirieren“ zu lassen und zu versuchen, die Erfolge der großen Vorbilder durch kostengünstige Filme, die in die gleiche Kerbe schlagen, zu wiederholen. L’ULTIMO CACCIATORE ist bspw. ganz deutlich von Coppolas APOCALYPSE NOW inspiriert und wurde auf den Philippinen sogar in den Original-Kulissen gedreht, die von Coppolas Erfolgsfilm übrig geblieben waren. Allein diese Settings verleihen L’ULTIMO CACCIATORE eine gewisse Klasse, die er aufgrund seines sicher nicht ausufernd großen Budgets sonst vielleicht nicht unbedingt erreicht hätte. Der zweite große Hauptgewinn des Films ist Hauptdarsteller David Warbeck, der ganz hervorragend in die Rolle des sich immer weiter ins Herz des Wahnsinns vorkämpfenden Soldaten passt und den Zuschauer mit einer nicht gerade einfachen Identifikationsfigur konfrontiert. Für Freunde deftiger Exploitation ist Margheritis Film ein echtes Fest. L’ULTIMO CACCIATORE kommt wie ein verrückter Abenteuerspielplatz daher, ist teils unglaublich brutal, verfügt über praktisch keinerlei Leerlauf und verfällt spätestens ab der Sequenz, in der Warbeck und seine Gefährten zum von anderen US-Soldaten ausgebauten Höhlensystem gelangen, komplett dem Wahnsinn. Wer hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Vietnam erwartet, dürfte wohl ziemlich enttäuscht werden. Wer dagegen Lust auf explosive Action im Gewand eines Kriegsfilms hat, kommt voll auf seine Kosten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE STEWARDESSES (USA 1969, Regie: Al Silliman Jr.)

the stewardesses

(Fassung: DVD, Shout! Factory, USA)

Als Ende der 60er Jahre die strengen Zensurvorschriften in den USA – insbesondere auch was die Darstellung von Nacktheit innerhalb eines sexuellen Kontexts anbelangte – endgültig der Vergangenheit angehören sollten, kamen Filme wie THE STEWARDESSES auf den Markt, die dem Zuschauer nun endlich das bieten konnten, was Jahrzehnte zuvor noch verboten war. Und der Erfolg gab ihnen recht. THE STEWARDESSES ist – man mag es kaum glauben – tatsächlich einer der profitabelsten Filme, die je gedreht wurden. Kosten von ca. 100.000 US-Dollar standen weltweite Einnahmen gegenüber, die sich laut IMDB irgendwo zwischen 25 und 30 Mio. US-Dollar bewegten.

So etwas wie eine Handlung such man hier vergebens. Regisseur Al Silliman Jr. konfrontiert den Zuschauer lediglich mit den Freizeitaktivitäten von ein paar Flugbegleiterinnen, die lediglich mit einem wirklich hauchdünnen roten Faden miteinander verbunden sind. Das Hauptanliegen von THE STEWARDESSES ist es, dem Zuschauer möglichst viele Schauwerte zu präsentieren und diese Agenda setzt der Film konsequent um. Nackte Haut, herrlich obskure Kameraeinstellungen (der Film kam damals in 3D in die Kinos), ein psychedelischer Soundtrack und eine Atmosphäre, die einen ständigen Rauschzustand zu simulieren versucht, machen THE STEWARDESSES auch heute noch zu einem großen Vergnügen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE (USA / Vereinigte Arabische Emirate 2011, Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor)

ghost rider - spirit of vengeance

(Fassung: Blu-ray 3D, Universum, Deutschland)

Seit in GHOST RIDER aus dem Jahr 2007 seine Seele an den Teufel verkaufte, fährt der ehemalige Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) als feuriges Skelett auf seinem Motorrad umher um die Drecksarbeit des Leibhaftigen zu erledigen. Als er vom undurchschaubaren Moreau (Idris Elba) die Chance bekommt, von diesem Schicksal für immer befreit zu werden, willigt er in den ihm gestellten Auftrag ein, einen kleinen Jungen (Fergus Riordan) zu beschützen, nicht ahnend, mit wem er sich durch die Annahme dieses Auftrags tatsächlich anlegt…

Über GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE wurde damals – ähnlich wie schon über den Vorgänger zuvor – ein regelrechter Kübel an Spott und Häme ausgeschüttet und erwartet man von dieser Fortsetzung so etwas wie einen “herkömmlichen“ bzw. “normalen“ Film, kann ich diese harschen Reaktionen im Ansatz sogar verstehen, auch wenn ich selbst gänzlich anderer Meinung bin. Wer diesen Film der beiden Chaos-Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor – die zuvor ja schon mit CRANK, CRANK: HIGH VOLTAGE und GAMER deutlich aufgezeigt hatten, was von ihnen zu erwarten ist – auch nur im Ansatz ernst nehmen sollte, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen. GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist einfach nur hoffnungslos überzeichnet, pfeift auf jegliche Art von Konventionen und geht von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltungstechnisch einfach nur noch durch die Decke. Gut, manche CGI-Effekte sehen etwas schäbig aus, diese Schwäche wird vom enorm hohen Unterhaltungsfaktor des Films aber locker wettgemacht. In GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE gibt es keine Verschnaufpausen, Nicolas Cage spielt sich in einen regelrechten Wahn und erhebt sein gottgegebenes Talent zum Overacting spätestens mit diesem Film zur absoluten Kunstform. Filmschulen sollten sich ernsthaft überlegen, Klassen und Workshops für diese Art des Schauspiels anzubieten. Es wäre schade, wenn sie irgendwann verloren ginge.

Ich habe keine Ahnung, warum GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE so geworden ist, wie er nun mal ist. An welchem Punkt im Produktionsprozess und aus welchen Gründen Neveldine und Taylor sich dazu entschieden haben, jetzt einfach nur noch die sprichwörtlich Sau rauszulassen, aber ich finde es einfach herrlich, wie die beiden Regisseure hier ganz offensichtlich mit Absicht und vollem Risiko die Erwartungshaltung des Publikums untergraben, diesem den gestreckten Stinkefinger entgegenstrecken und ihren Film mit Vollgas einfach gegen die Wand fahren. In einer Zeit, in der gerade im Blockbusterbereich, ja wirklich nichts mehr dem Zufall überlassen wird, ist es regelrecht wohltuend, zu sehen, dass ein Film wie GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE – auch noch aus dem Hause Marvel – tatsächlich noch das Licht der Leinwände erblicken kann.

Neveldine und Taylor haben vielleicht keinen guten, aber dafür einen enorm unterhaltsamen Film gedreht, der bei mir als Filmsammler das dringende Bedürfnis weckt, die Sammlung auf schnellstem Weg mit allen noch fehlenden Nicolas-Cage-Filmen zu ergänzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE INTERNSHIP (USA 2013, Regie: Shawn Levy)

the internship

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), 20th Century Fox)

Nachdem die beiden Kumpels Vince Vaughn und Owen Wilson ihre Jobs als Uhrenvertreter verloren haben und feststellen müssen, dass sie in der modernen Arbeitswelt zum alten Eisen gehören zu scheinen, entscheiden sie sich für ein radikales Experiment. Sie ergattern je einen der begehrten Praktikumsplätze beim Internetriesen Google und erhoffen so, sich für eine feste Anstellung qualifizieren können. Doch die Aufgabe ist schwierig und die weitaus jüngere Konkurrenz scheint ihnen in allen Belangen weit überlegen zu sein…

Regisseur Shawn Levy ist in erster Linie für harmlose Familienunterhaltung der Marke NIGHT AT THE MUSEUM bekannt und so ist es keine große Überraschung, dass auch THE INTERNSHIP eher zur Kategorie der leichten und anspruchslosen Unterhaltung zu zählen ist. Der Film steckt natürlich voller Klischees – der typische Kampf David gegen Goliath, hier im Wettstreit um die begehrten Arbeitsplätze, die Tatsache, dass die jungen Wilden von den erfahrenen Alten immer noch etwas lernen können (und natürlich umgekehrt) -, die Botschaft, die Levy vermitteln will, nämlich nie aufzugeben und immer zu versuchen, die Möglichkeiten, die sich einen bieten, zu nutzen, könnte nicht einfacher gestrickt sein, der Verlauf der Handlung ist komplett vorhersehbar und was an THE INTERNSHIP noch am meisten verwundert ist die Tatsache, dass Google seinen großen Namen geliehen und seine Zentrale ein paar Tage lang sogar für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat und dennoch keine Probleme damit gehabt zu haben scheint, hier doch als ziemlich chaotischer und durchgeknallter Kindergarten dargestellt zu werden. Hauptsache, das Logo ist immer im Bild.

Auf seine ganz eigene Art und Weise habe ich THE INTERNSHIP – vielleicht sogar wegen seiner Vorhersehbarkeit, seiner einfach gestrickten Handlung und seiner simplen Botschaft – jedoch als ungemein angenehmen und sympathischen Film empfunden. Vince Vaughn und Owen Wilson harmonieren ganz vorzüglich miteinander, viele Gags sind gelungen, die Gastauftritte von John Goodman und Will Ferrell sind der Knaller und Rose Byrne als Love Interest ist ein echter Hingucker. Ein kleiner, feiner Film, der – das Manko fast aller Komödien der letzten Jahre – eigentlich nur mit seiner etwas zu langen Laufzeit von gut 2 Stunden zu kämpfen hat, über weite Strecken aber gar nicht mehr will und gar nicht mehr macht als seinen Zuschauern unbeschwerte Unterhaltung zu liefern. Schön.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WΔZ (Großbritannien 2007, Regie: Tom Shankland)

w delta z

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Das Cover der deutschen DVD zeigt eine ausgesprochen unappetitlich zugerichtet Hand in Großaufnahme und rückt Shanklands Films somit automatisch in die Ecke von SAW und Konsorten. Eine Ecke, in die WΔZ jedoch nicht wirklich reingehört. Der Film hat zwar teils wirklich fast unerträgliche Härten zu bieten, lebt aber nicht von deren Zurschaustellung, sondern allein von der Spannung, die er langsam aufbaut und der ungemein dichten Atmosphäre, die er kreiert.

WΔZ erinnert mehr an Filme wie THE SILENCE OF THE LAMBS oder SE7EN und handelt von den beiden Polizisten Eddie Argo (Stellan Skarsgård) und Helen Westcott (Melissa George), die in einer unheimlichen Mordserie ermitteln. Schon bald wird klar, dass der gesuchte Serienkiller aus Rache handelt und auch die Identität des Mörders ist nicht sonderlich lange ein Geheimnis. Seine Spannung zieht WΔZ also nicht aus der Frage, wer der Täter ist, sondern wie er zur Strecke gebracht werden kann.

Regisseur Tom Shankland wirft den Zuschauer auf der Jagd nach dem Killer mitten hinein ins Geschehen. Der fast ausschließlich mit – oft wackliger – Handkamera gedrehte Film entwickelt dabei schon sehr schnell eine Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. Das ist ebenso faszinierend wie herausfordernd, WΔZ gehört definitiv zu der Sorte von Film, die man sich nicht mal so kurz nebenbei zur Entspannung anschaut, sondern die einem als Zuschauer doch einiges abverlangt. Mich persönlich hat Shanklands Film extrem positiv überrascht und ich möchte an dieser Stelle eine klare Empfehlung für WΔZ aussprechen. Das ist richtig gutes Horror- bzw. Thrillerkino, das Shankland hier abgeliefert hat.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS (Frankreich 2008, Regie: Dany Boon)

bienvenue chez les ch'tis

(Fassung: DVD, Prokino, Deutschland)

Um seine Ehe zu retten bemüht sich der leitende Postangestellte Philippe Abrams (Kad Merad) verzweifelt um eine Versetzung an die französische Riviera-Küste und versucht dies schließlich auch mit unlauteren Mitteln zu erreichen indem er eine nicht vorhandene Behinderung vortäuscht. Als der Beschiss auffliegt, wird Abrams in den hohen Norden strafversetzt, in eine Region, in die niemand freiwillig gehen möchte…

Wenn man wie ich in der nördlichsten Ecke von Bayern wohnt und arbeitet und es einen dorthin auch nur wahlweise verschlagen hat, kommt man nicht umhin, BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS über die komplette Laufzeit mit einem dicken Grinsen zu betrachten. So wie der von Kad Merad einfach nur herrlich interpretierte Philippe Abrams zunächst reagiert, dürfte in Bayern wohl jeder Beamte oder Angestellte reagieren, der plötzlich von seinem Arbeitgeber damit konfrontiert wird, dass er von bspw. München nach Hof versetzt wird. Und ähnlich wie Philippe im Film dürften dann auch diese Zwangsversetzten sehr schnell realisieren, dass es dort, wo es sie nun hinverschlagen hat, bei näherer Betrachtung gar nicht mal so übel ist.

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS spielt natürlich mit und lebt in erster Linie von seinen Klischees die er verwendet, in denen aber sicher jede Menge Wahrheit stecken dürfte. Regisseur Dany Boon, selbst aus dem französischen Norden stammend, hat mit diesem Film so etwas wie eine Liebeserklärung an seine Heimat  und an die vielleicht etwas rauen, dafür aber umso ehrlicheren Typen, die diese vom Rest der Nation so unattraktive Landschaft bevölkern, gedreht und zeigt auf ungemein liebenswerte und sympathische Art und Weise die Vorzüge dieser Landschaft und ihrer Einwohner auf. Dass BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS darüber hinaus auch noch ungemein witzig, kurzweilig und unterhaltsam geraten ist, wirkt sich natürlich auch nicht negativ auf die Qualität des Films aus.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass man diesen Film wohl nur dann in seiner ganzen Pracht und seinem ganzen Witz genießen kann, wenn man die französische Sprache perfekt beherrscht. BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS funktioniert über weite Strecken über die Sprache, spielt mit Dialekten und lässt sich so natürlich nicht adäquat synchronisieren oder untertiteln. Da mir Synchronfassungen schon seit langer Zeit ein Graus sind, habe ich mir Boons Film mit deutschen Untertiteln angesehen, konnte so zwar über die Untertitel auch “nur“ die deutsche Synchronisation mitlesen, kam aber zumindest in den Genuss der Originalstimmen der Schauspieler.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE LAST AIRBENDER (USA 2010, Regie: M. Night Shyamalan)

the last airbender

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

Mit THE LAST AIRBENDER entführt Regisseur M. Night Shyamalan den Zuschauer in eine mystische Fantasy-Welt, in der es ein kleiner Junge mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Hand hat, schon seit Jahrzehnten schwelende Konflikte zu beenden und das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Völkern wieder herzustellen…

Konnte ich seinen vorherigen Filmen, von denen ja insbesondere LADY IN THE WATER und THE HAPPENING nicht gerade mit Lob überhäuft worden sind, bisher allesamt noch etwas abgewinnen, hat mich M. Night Shyamalan mit THE LAST AIRBENDER als bisher treuen Zuschauer nun auch verloren (was ihm jedoch definitiv vollkommen egal sein kann und dürfte). Gut, Shyamalans Fantasy-Welt sieht stellenweise atemberaubend gut aus und aus rein visuellen Gesichtspunkten ist THE LAST AIRBENDER auf jeden Fall ein echter Hingucker und diese visuelle Kraft des Films ist es dann auch, die ihn noch halbwegs sehenswert macht. Ansonsten ist hier leider nicht viel geboten. Die Story ist mir zu sehr auf ein kindliches Publikum zugeschnitten und plätschert ohne große Höhepunkte so unmotiviert vor sich hin, dass sich wahrscheinlich sogar das anvisierte Zielpublikum dabei langweilen dürfte. Dazu gesellen sich wahrlich unfassbar hölzern agierende Darsteller und ein vollkommen sinnloser Cliffhanger, der an der Zurechnungsfähigkeit der Produzenten bei Paramount zweifeln lässt. Haben die echt nicht erkannt, dass mit diesem Film zum Auftakt definitiv kein Franchise entwickelt werden kann?

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

Ein weiterer Kessel Buntes

MONA LISA (Großbritannien 1986, Regie: Neil Jordan)

mona lisa

(Fassung: Blu-ray, Arrow, Großbritannien)

Beim einflussreichen Gangster Mortwell (Michael Caine) tritt der gerade aus dem Gefängnis entlassene George (Bob Hoskins) einen Job als Chauffeur an und fährt die Edelprostituierte Simone (Cathy Tyson) von einem Kunden zum nächsten. Schon bald beginnt George, für seinen attraktiven Fahrgast Gefühle zu entwickeln und als diese ihn schließlich bittet, ihr bei der Suche nach einer vermissten Freundin zu helfen, bekommt George ein ernsthaftes Loyalitätsproblem…

Neil Jordan erzählt die Geschichte von George und Simone auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, nimmt sich viel Zeit, seine Charaktere und Figuren zu entwickeln und taucht seine Story in teils einzigartig schöne Bilder. Die Atmosphäre von MONA LISA kann man vielleicht am besten als Mischung aus verträumt-melancholisch und verrucht beschreiben, das durchaus vorhandene Sleaze-Potential, welches diese Zwischenwelt, in der Jordans Film spielt, nun mal so mit sich bringt, verleiht MONA LISA immer wieder einen Hauch des Verbotenen, wobei der Film dabei nie in komplett schmierige Gefilde abzudriften droht. Dreh- und Angelpunkt des Gelingens des Films ist jedoch Bob Hoskins in der Rolle des Chauffeurs. Wird er in den ersten Szenen zunächst noch als jähzorniger Unsympath eingeführt, gelingt es ihm durch sein überzeugendes Spiel mit zunehmender Laufzeit immer mehr, den Zuschauer für sich zu gewinnen und ihn dazu zu bringen, ihn als Identifikationsfigur, mit der es sich lohnt, mitzufiebern, vollkommen zu akzeptieren.

MONA LISA ist einer dieser Filme, die einen als Zuschauer schleichend in ihren Bann ziehen, bei denen man irgendwann zu merken beginnt, dass man sich einfach nicht mehr von ihnen lösen kann, die einen um den sprichwörtlichen Finger wickeln und bei denen das Einsetzen des Abspanns durchaus Ernüchterung auslöst, da man gerne noch mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SUDDEN DEATH (USA 1995, Regie: Peter Hyams)

sudden death

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Während des letzten und entscheidenden Spiels des Stanley-Cup-Finales der NHL nimmt eine Gruppe von Terroristen, angeführt von Powers Boothe in der Rolle des Joshua Foss, den US-Vizepräsidenten (Raymond J. Barry) als Geisel und droht damit, das komplette Eishockey-Stadion in die Luft zu jagen, wenn ihre finanziellen Forderungen nicht erfüllt werden. Während die Zuschauer gar nichts von der Bedrohung mitbekommen, nimmt der Feuerinspektor Darren McCord (Jean-Claude Van Damme) den einsamen Kampf gegen die Schwerverbrecher auf und hat dafür auch persönliche Gründe. Sein Sohn und seine Tochter befinden sich im Stadion und letztere ist in die Hände der Terroristen geraten…

Ein abgeschlossener Raum, eine terroristische Bedrohung, ein Mann, der persönlich betroffen ist und den Kampf aufnimmt – nachdem Steven Seagal bereits 3 Jahre zuvor in UNDER SIEGE seine eigene DIE HARD-Variante auf einem Schiff auf die Leinwände bringen durfte, ist es nun Jean-Claude Van Damme, der in die Bruce-Willis-Rolle schlüpft und es unter der Regie von Peter Hyams mit Terroristen in einem Eishockeystadion zu tun bekommt.

SUDDEN DEATH entstand damals am Höhepunkt der Karriere von Jean-Claude Van Damme, bereits kurze Zeit später sollte es mit dessen Erfolgen langsam bergab gehen, bis er sich schließlich – wie so viele seiner Kollegen, allen voran natürlich Steven Seagal – in der DTV-Hölle wiederfinden sollte. Bei mir persönlich löst das Wiedersehen mit einem Film wie diesem hier – nach gut 20 Jahren – vor allem ein Gefühl der Wehmut aus. Natürlich ist SUDDEN DEATH kein Kandidat für irgendwelche Filmpreise, aber er ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben und wurde damals ganz offensichtlich mit einem Budget ausgestattet welches den Machern erlaubte, einen Film für die große Leinwand zu drehen. Er ist spannend inszeniert, seine Pro- und Antagonisten erzeugen beim Zuschauer Emotionen (vor allem Powers Boothe ist toll als diabolischer Bösewicht), die Action-Highlights sind innerhalb des Handlungsverlaufs perfekt platziert und über fehlende Härten kann man sich als Fan des Actionfilms nun wahrlich auch nicht beklagen. Heute, im Jahr 2016, könnte ein Film wie SUDDEN DEATH nicht mehr fürs Kino gedreht werden. Er wäre zu unspektakulär, viel zu klein für die große Leinwand. Filme wie dieser finden heutzutage nur noch im DTV-Bereich statt, was man ihnen oftmals aufgrund des fehlenden Budgets und mitunter auch des fehlenden Talents (hinter und vor der Kamera) deutlich ansieht. Ein Umstand, den ich persönlich ausgesprochen bedauerlich finde. Ich vermisse Filme wie SUDDEN DEATH in der aktuellen Kinolandschaft, sehr sogar.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK II (USA 2002, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black ii

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg von MEN IN BLACK kam 5 Jahre später diese Fortsetzung in die Kinos, die sich natürlich sämtlichen Sequel-Regeln unterwarf. Alles ist etwas größer, phantastischer, spektakulärer und witziger geraten als im Vorgänger, die Bedrohung für die Menschheit ist noch ein Stück bedrohlicher und das von Will Smith und Tommy Lee Jones gebildete Duo – letzterer muss aufgrund der akuten Gefahr sogar aus dem wohlverdienten Ruhestand zurückgeholt werden – ist natürlich noch schlagfertiger als im Film zuvor.

Und doch trifft auch meine schon bei MEN IN BLACK gewonnene Erkenntnis hier zu. Im Vergleich zu dem Bombast, den das moderne Blockbusterkino so zu bieten hat, kommt auch MEN IN BLACK II erfreulich klein und bescheiden daher. Die Nettolaufzeit von MEN IN BLACK II dauert gerade mal 80 Minuten – in mancher aktuellen Comicverfilmung würde man sich wünschen, in den ersten 80 der insgesamt 160 Minuten passiere überhaupt mal etwas -, die Geschichte wird ohne große Schnörkel erzählt und ist in ihrer Einfachheit und Eingängigkeit ungemein unterhaltsam, witzig und einfach nur sympathisch. Blockbusterkino aus einer mittlerweile längst vergangenen Zeit, das auf mich persönlich aber auch heute noch eine riesige Faszination ausübt. Das ist einfach richtig gute Unterhaltung, die Barry Sonnenfeld und sein Team hier präsentieren, mit vielen tollen Ideen und einem wunderbaren Hauptdarstellergespann. Lediglich die CGI-Effekte haben die letzten 14 Jahre an technischer Entwicklung nicht ganz so gut überstanden. Das ist allerdings ein Makel, der leicht zu verkraften ist.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SPY (USA 2015, Regie: Paul Feig)

spy

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um eine globale Katastrophe zu verhindern muss in SPY die CIA-Analystin Susan Cooper (Melissa McCarthy) ihren sicheren Schreibtischjob verlassen und stattdessen einen gefährlichen Undercover-Auftrag übernehmen – für den sie eigentlich gar nicht geeignet ist…

Nach BRIDESMAIDS und THE HEAT ist SPY nun schon der dritte Film, in dem Regisseur Paul Feig mit Hauptdarstellerin Melissa McCarthy zusammenarbeitet und diese Zusammenarbeit ist wie schon in den beiden Filmen zuvor ausgesprochen ansehnlich geraten. SPY geht von Anfang bis zum Ende als lupenreine James-Bond-Persiflage durch, präsentiert schon während der obligatorischen Anfangscreditsequenz mit dem Song “Who Can You Trust“ von Ivy Levan so ganz nebenbei einen der besten “Bond“-Songs der letzten Jahre, konzentriert sich in den folgenden 2 Stunden darauf, das Bond-Konzept auf ebenso unterhaltsame wie respektlose Art und Weise durch den Kakao zu ziehen und ist darüber hinaus sogar noch durchaus spannend geraten. Über Melissa McCarthy kann ich mich immer wieder regelrecht kranklachen – als Agentin wider Willen ist sie einmal mehr eine absolute Schau – und auch ihre beiden Co-Stars Jason Statham und Jude Law überzeugen mit großem komödiantischen Talent und einem feinen Gespür für immer wieder gelungenem Timing. Man merkt SPY regelrecht an, dass die Beteiligten beim Dreh dieses Films verdammt viel Spaß gehabt haben dürften und dieser Spaß überträgt sich über weite Strecken eins-zu-eins auf den Zuschauer. Lediglich die Laufzeit des Films ist mit 130 Minuten in der Extended Fassung doch etwas arg üppig ausgefallen und so kommt man nicht umhin, anmerken zu müssen, dass sich immer wieder kleinere Längen einzuschleichen drohen und der Film mitunter etwas auf der Stelle zu treten scheint. Dem positiven Gesamteindruck kann diese kleinere Schwäche jedoch kaum Schaden zufügen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 9 (USA 2013 /2014, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 In der neunten und letzten Staffel lernt der von Josh Radnor gespielte Ted Mosby nun endlich die Mutter seiner künftigen Kinder kennen. Die Erzählzeit der Staffel beschränkt sich – bis auf die letzte Doppelfolge – dabei auf einen extrem übersichtlichen Rahmen, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, begleitet man die Freunde erstmals nicht durch ein komplettes Jahr. Staffel 9 schließt unmittelbar an das Ende der vorherigen Staffel an und spielt sich gänzlich wenige Tage vor der Hochzeit von Barney (Neil Patrick Harris) und Robin (Cobie Smulders) ab.

Wie schon der Vorgängerstaffel ist auch dieser finalen Season deutlich anzumerken, dass den kreativen Köpfen hinter HOW I MET YOUR MOTHER langsam aber sicher die Ideen ausgegangen sind. Es gibt einige Füllerepisoden, die gerade mal unterhaltsam geraten sind und denen man anmerkt, dass sie nur gedreht wurden, um am Ende des Tages wieder auf 24 Folgen zu kommen. Glücklicherweise sind die guten Folgen immer noch in der Überzahl und so ein, zwei echte Highlight-Episoden sind auch wieder vorhanden. So bringen Carter Bays und Craig Thomas ihre Serie zumindest zu einem halbwegs würdigen Ende.

An der finalen Doppelfolge dürften sich die Geister ziemlich scheiden. Hier rast der Zuschauer regelrecht durch die Zukunft der verschiedenen Protagonisten, hakt einzelne Stationen in deren Leben ab und landet letztendlich im Jahr 2030, in dem er Zeuge wird, wie Ted Mosby seine Geschichte beendet. Sehr gut hat mir dabei gefallen, wie es den Machern gelungen ist, in diesen 40 Minuten aufzuzeigen, wie fragil Lebenspläne aussehen können, wie sich Freundschaften zu verlieren drohen, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagt, wie die Unbeschwertheit der 20er und frühen 30er Jahre im Leben eines Menschen irgendwann durch den Ernst des Lebens und den Alterungsprozess verloren geht. Richtig ärgerlich an dieser letzten Episode ist tatsächlich dieser finale Twist, den es einfach nicht gebraucht hätte und der auch extrem unglaubwürdig rüberkommt. Auf der DVD ist auch eine alternative Version dieser Episode enthalten, die ohne diesen Twist auskommt und die Serie so zu einem viel schöneren Ende führt. Vielleicht hätten die Macher ihre Serie einfach mit dieser Fassung offiziell beenden sollen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

JURASSIC PARK (USA 1993, Regie: Steven Spielberg)

jurassic park

(Fassung: DVD, Universal/Columbia TriStar, Deutschland)

Der Mega-Blockbuster aus dem Jahr 1993. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie man schon Monate vor Kinostart durch verschiedene Teaser im Kino extrem angefixt wurde, einem die Werbung vor dem Film am Tag des Deutschlandstarts fast schon unerträglich lang vorkam und die arme Eisverkäuferin (die Älteren unter uns werden sich an diese alte Gepflogenheit in den Kinos noch erinnern) unter lauten Buhrufen aus dem Saal gejagt wurde. Wirklich jeder wollte endlich die Dinosaurier auf der Leinwand und dieses Erlebnis sollte nicht noch von diversen Eiskäufen hinausgezögert werden. Als die Dinos dann nach gut 20 Minuten ihren ersten Auftritt hatten, war das schon einer dieser Kinomomente, die einfach nur Gänsehaut verbreiten.

Über 20 Jahre später nun ein erneutes Wiedersehen mit JURASSIC PARK (zuletzt dürfte ich den Film im Jahr 2001 auf DVD gesehen haben) und die damit verbundene Erkenntnis, dass Spielbergs Film die lange Zeit mehr als gut überstanden hat, auch heute noch ausgesprochen faszinierend wirkt und dem Zuschauer genau das bietet, was der sich von so einem Mega-Blockbuster erwartet: spektakuläre, geradlinige und spannende Unterhaltung, mit Figuren, die mehr sind als bloße Abziehbildchen, sondern Charaktere, für die man als Zuschauer Gefühle entwickeln kann, mit mitreißenden Suspense-Szenen (das erste Auftauchen des T-Rex, die Raptoren in der Küche, usw.) und mit Effekten, die auch heute noch richtig, richtig gut aussehen.

Ähnlich wie die beiden kurz zuvor gesehenen MEN IN BLACK-Filme gehört auch JURASSIC PARK zu einer Gattung des Blockbusterkinos, die mittlerweile komplett ausgestorben zu sein scheint. Ich bin gespannt, ob die aktuelleren Fortsetzungen dieser beiden Reihen, die ich mir demnächst ansehen werde, vielleicht ein kleines bisschen dieser alten Blockbustermagie entfachen können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 1 (USA 2013, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In der ersten Staffel von HOUSE OF CARDS lernt der Zuschauer den Kongressabgeordneten Francis Underwood (Kevin Spacey) kennen, der sich große Hoffnungen auf den Außenministerposten unter dem neuen US-Präsidenten Garrett Walker (Michael Gill) gemacht hatte, von diesem jedoch abgekanzelt wurde. Der einflussreiche Underwood entspinnt ein Netz aus Intrigen und Korruption um am Ende des Tages doch irgendwie seinen Fuß in die Tür des Weißen Hauses zu bekommen…

Wow, normalerweise bin ich bei diese extrem gehypten Serien ja immer etwas skeptisch (nicht zuletzt seit der für mich ernüchternden und enttäuschenden Seherfahrung mit BREAKING BAD), aber bei HOUSE OF CARDS kann man dem ganzen Hype tatsächlich Glauben schenken. Die aus dem gleichnamigen Roman des Autoren Michael Dobbs und der auf diesem basierenden Miniserie der britischen BBC entwickelte Vision von Beau Willimon ist tatsächlich von der ersten bis zur letzten Minute spannend, packend und entwickelt ein enormes Suchtpotential. Die insgesamt 13 Episoden dieser ersten Staffel fliegen regelrecht an einem vorbei, die immer neuen Intrigen, die sich der von Kevin Spacey einfach nur grandios verkörperte Underwood ausdenkt, um an seine Ziele zu kommen, lassen einen immer wieder sprachlos zurück und wenn am Ende klar ist, dass Underwood sein erstes Etappenziel erreicht haben wird, kann man es kaum erwarten, zu erfahren, wie es denn wohl weitergehen wird, ob die sich auf seinen Fersen befindliche Reporterin es schaffen wird, sein Konstrukt aus Lug und Trug aufzudecken, oder ob er dieses Netz weiter spinnen kann, ohne dass er selbst irgendeinen Schaden davonträgt.

Neben Kevin Spacey als Underwood brillieren insbesondere Robin Wright als dessen Ehefrau Claire und Kate Mara als Reporterin Zoe Barnes und als Regisseure der ersten Staffel erschaffen u.a. David Fincher, James Foley, Joel Schumacher und Carl Franklin eine politische Landschaft am Abgrund, ohne jegliche Moral, die trotz der vielen schier unfassbaren Wendungen, die einem als Zuschauer hier aufgetischt werden, so verdammt authentisch und glaubwürdig wirkt, dass man es eigentlich nur als erschreckend bezeichnen kann.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

ALOHA (USA 2015, Regie: Cameron Crowe)

aloha

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 In ALOHA dreht sich alles um den ehemaligen Militärberater Brian Gilcrest (Bradley Cooper), der nach langen Jahren nach Hawaii zurückkehrt um den Start eines Waffensatelliten zu überwachen und dort fast zwangsläufig auf seine alte Liebe Tracy (Rachel McAdams) trifft, für die Gilcrest noch immer Gefühle hegt. Das Militär vor Ort stellt ihm in der attraktiven Allison Ng (Emma Stone) eine Art Wachhund an die Seite, für die Gilcrest schon nach kurzer Zeit auch ernsthafte Gefühle zu entwickeln scheint. Hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen fällt es dabei ziemlich schwer, den eigentlichen Job zu erledigen…

Ok, ALOHA sieht phantastisch gut aus, was natürlich in erster Linie der traumhaften Kulisse von Hawaii geschuldet ist, versucht den Zuschauer zudem mit einer wirklich federleicht erzählten Geschichte einzulullen und über seine komplette Laufzeit eine Atmosphäre zu entwickeln, die den Zuschauer in so etwas wie Wellness- oder Urlaubsstimmung versetzen soll. Das ist ja alles durchaus hübsch und nett anzusehen, bei näherer Betrachtung verpuffen die billigen Taschenspielertricks, die zum Einlullen des Zuschauers angewendet werden, aber wie heiße Luft. ALOHA ist erschreckend leer und – insbesondere vor dem Hintergrund, dass dieser Film von dem Regisseur inszeniert wurde, der für einen meiner absoluten Lieblingsfilme (ALMOST FAMOUS) verantwortlich zeichnete – weit davon entfernt, als sehenswert oder auch nur ansatzweise gut bzw. unterhaltsam bezeichnet zu werden. Gerettet wird der Film letztendlich von der namhaften Besetzung (neben Bradley Cooper, Rachel McAdams und Emma Stone sind auch noch Bill Murray und Alec Baldwin mit von der Partie), der wirklich tollen Kameraarbeit von Eric Gautier, dem guten Soundtrack von Jónsi & Alex und dem einen oder anderen witzigen Moment, der sich in die inhaltliche Leere eingeschlichen hat.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

Ein Kessel Buntes

SICARIO (USA 2015, Regie: Denis Villeneuve)

sicario

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Emily Blunt spielt die FBI-Agentin Kate Mercer, eigentlich Spezialisten für Geiselnahmen, die nach einem traumatischen Einsatz, in dem ein gefährliches Drogenkartell involviert war, gefragt wird, ob sie an einem Spezialeinsatz gegen dieses Kartell teilnehmen würde. Kate sagt zu und lernt schon bald eine ausgesprochen skrupellose Form der Verbrechensbekämpfung kennen, die von Matt Graver (Josh Brolin), dem Leiter des Einsatzes billigend in Kauf genommen wird, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei schreckt dieser auch nicht vor der Zusammenarbeit mit dem eiskalten Söldner Alejandro (Benicio Del Toro) zurück…

Nicht gerade leicht verdauliche Kost, die Regisseur Denis Villeneuve hier seinen Zuschauern auftischt. SICARIO ist schon fast aufreizend ruhig und bedächtig erzählt, erzeugt dabei aber eine so intensive Atmosphäre und ist so ungemein spannend geraten, dass einem als Zuschauer regelrecht der Atem wegbleibt. In extrem stylisher und ausgefeilter Optik konfrontiert Villeneuve den Zuschauer mit einer wahrlich erschreckenden Zwischenwelt, in der sämtliche Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschwimmen scheinen und jeder noch so abartige Zweck sämtliche Mittel heiligt. Die Geschichte, die Villeneuve erzählt, wird dabei ungemein glaubwürdig und authentisch rübergebracht, Emily Blunt ist schlicht grandios als hilf- und machtlose Agentin, die mit der Situation, in die sie sich letztendlich selbst gebracht hat, komplett überfordert ist, mit ihrem Latein sprichwörtlich am Ende zu sein scheint und sich dem Wahnsinn, der da vor ihren Augen abläuft, nur noch hilflos ergeben kann. Benicio Del Toro bietet als skrupelloser Söldner eine Leistung, die ich als einfach nur erschreckend realistisch bezeichnen möchte und die bestens dazu geeignet ist, diverse Albträume zu verursachen. Und dann diese unfassbaren Gewalteruptionen, die immer wieder unvermittelt über den Zuschauer hereinbrechen und die von Villeneuve ebenso effektiv wie nüchtern inszeniert worden sind. SICARIO ist definitiv einer dieser Filme, die im Gedächtnis bleiben werden.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

LET’S BE COPS (USA 2014, Regie: Luke Greenfield)

let's be cops

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Da sie die Einladung leicht fehlinterpretiert hatten, tauchen die beiden besten Freunde Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) als Polizisten verkleidet bei ihrem Klassentreffen auf und werden dort, auch der Tatsache geschuldet, dass sie seit ihrem Abschluss noch nicht sonderlich viel in ihrem Leben erreicht haben, schnell zum Gespött der Veranstaltung. Als sie schließlich frustriert nach Hause laufen, merken sie plötzlich, welche Vorteile so eine Polizeiuniform haben kann und entschließen sich dazu, diese Vorteile fortan für sich zu nutzen, erwartungsgemäß mit teils fatalen Folgen…

Ok, die ganze Ausgangssituation von LET’S BE COPS ist schon arg konstruiert und wenn man diese nicht einfach als gegeben hinnehmen kann, wird man wohl wenig Spaß mit Greenfields Komödie haben, die einfach darauf aufgebaut ist, dass es keinerlei Probleme macht, sich als Polizist zu verkleiden, sich ein echtes Polizeiauto auf eBay zu ersteigern, anschließend Streife zu fahren und tatsächlich damit durchzukommen. Lässt man sich jedoch auf LET’S BE COPS ein, wird man mit einem stellenweise wirklich schreiend komischen Film belohnt. Es gab nicht wenige Sequenzen, in denen ich Tränen vor lauter Lachen in den Augen hatte und es ist auch insbesondere die tolle Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Jake Johnson und Damon Wayans Jr. – die sich ja bestens aus der Sitcom NEW GIRL kennen -, die LET’S BE COPS zu einem riesengroßen Spaß werden lässt. Vielleicht hätten ein paar mehr Überraschungen im Handlungsverlauf dem Film gut getan (der Plot ist schon sehr vorhersehbar) und im letzten Drittel geht LET’S BE COPS auch merklich die Puste aus, insgesamt betrachtet hat mich Greenfields Komödie aber absolut positiv überrascht. Der Film ist tatsächlich weitaus besser als zuvor von mir erwartet.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RED DAWN (USA 2012, Regie: Dan Bradley)

red dawn

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Im Jahr 1984 ließ Regisseur John Milius russische Truppen in die USA einfallen und diese von einer Handvoll Jugendlicher (damals u.a. gespielt von Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Charlie Sheen, Lea Thompson und Jennifer Grey) in einem Guerillakrieg bekämpfen – der Film hörte auf den Titel RED DAWN und gehört bis heute zu den berüchtigtsten der berüchtigten Actionklopper aus den 80er Jahren.

Knapp 30 Jahre später bekam Milius’ Film dieses gleichnamige Remake spendiert, in dem es nun Truppen aus Nordkorea sind, die einen Angriff wagen und in dem sich nun erneut Jugendliche – die nun u.a. von Chris Hemsworth, Josh Hutcherson, Josh Peck und Adrianne Palicki gespielt werden – im Guerillakrieg versuchen. Die Ausgangslage, die bereits knapp 30 Jahre früher ziemlich hanebüchen war, aber thematisch zumindest in die damalige politische Landschaft passte (was dazu führt, dass Milius’ Original aufgrund seiner erzreaktionären Propaganda auch heute noch ziemlich verstörend rüberkommt), wirkt heute natürlich nur noch hirnrissig und führt am Ende des Tages auch dazu, dass man RED DAWN wirklich zu keiner Sekunde mehr ernst nehmen kann. Bradleys Film kann man nicht einmal mehr subversives Potential unterstellen, er wirkt einfach nur doof.

Diese extrem miesen Kritiken, die Bradley für RED DAWN eingesteckt hat, kann ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung aufgrund der überwiegend negativen Stimmen ja tatsächlich schon so extrem niedrig, dass ich gar nicht mehr wirklich enttäuscht werden konnte, reduziert man RED DAWN rein auf sein Unterhaltungspotential – und nichts anderes kann man in meinen Augen mit ihm anstellen – so kommt man sicher nicht umhin, zugeben zu müssen, dass dieses doch ziemlich hoch ausgefallen ist (mitunter auch etwas arg unfreiwillig). Es knallt und kracht ständig an allen Ecken und Enden, der auch in den Dialogen zur Schau getragene Patriotismus ist von entlarvender Dummheit, klischeehaft und immer wieder für einen Lacher gut und ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte mich bei diesem Blödsinn hier nicht doch königlich amüsiert.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE DOLL SQUAD (USA 1973, Regie: Ted V. Mikels)

the doll squad

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Ich hatte in meinem kurzen Text zu MISSION: KILLFAST anfangs des Jahres ja schon angemerkt, dass die Filme von Regisseur Ted V. Mikels im Bereich des Exploitationkinos immer noch eine Spur billiger zu sein scheinen als ihre ja oftmals auch nicht gerade kostspieligen Artverwandten. Das trifft auch auf THE DOLL SQUAD zu, in dem eine Gruppe von Spezialagentinnen einen größenwahnsinnigen Superverbrecher zu Fall bringen soll.

In THE DOLL SQUAD kultiviert Ted V. Mikels die unterhaltsame Langsamkeit, ein großer Teil der Laufzeit wird damit verbracht, dass Personen letztlich sinnlose Gespräche führen oder von Punkt A zu Punkt B gelangen, der Rest wird mit kostengünstigen Unglaublichkeiten befüllt, die vielleicht nicht immer überaus spektakulär geraten sind, dafür aber immer wieder die Grenzen hin zum schmierigen Sleaze genüsslich zu überschreiten versuchen. Ted V. Mikels ist einer dieser Exploitation-Regisseure, die versuchen, ihr Publikum über weite Strecken einzulullen und mit vereinzelten Höhepunkten bei Laune zu halten versuchen. Bei mir funktioniert das immer wieder ganz vorzüglich. Ich mag Mikels’ Filme einfach.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FOR Y’UR HEIGHT ONLY (Philippinen 1981, Regie: Eddie Nicart)

for y'ur height only

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Ähnlich wie in dem unmittelbar zuvor angesehenen THE DOLL SQUAD geht es auch in FOR Y’UR HEIGHT ONLY um eine gemeingefährliche Verbrecherorganisation, die von einem Agenten zur Strecke gebracht werden muss. In Nicarts Film reicht zum Stoppen der Gangster ein einziger Superagent, der wirklich alle Tricks drauf hat, um mit einem kompletten Syndikat spielend fertig zu werden – und das, obwohl er gerade mal 84 cm (!!!) groß ist! Hauptdarsteller Weng Weng ist damit – glaubt man der IMDB – der kleinste Schauspieler, der je in einem Action- oder Martial-Arts-Film die Hauptrolle übernommen hat und natürlich ist die “Größe“ des Stars in diesem schamlosen James-Bond-Rip-Off, in dem sogar der Score aus Variationen diverser Bond-Scores besteht, genau das Element, dass für den Unterhaltungswert des Films und die diversen Schauwerte herhalten muss.

FOR Y’UR HEIGHT ONLY gehört zu dieser Art von Filmen, die man einfach gesehen haben muss, um glauben zu können, dass sie tatsächlich existieren. Regisseur Eddie Nicart reiht hier eine Unglaublichkeit an die nächste und setzt seinen Film aus diversen Ereignissen zusammen, die letztendlich so etwas wie einen Plot ergeben sollen, was allerdings nicht wirklich gelingen mag. FOR Y’UR HEIGHT ONLY wirkt mitunter etwas gehetzt und episodenhaft und das gänzliche Fehlen etwas ruhigerer Passagen führt schließlich auch dazu, dass diese zusammengesetzten Zirkusnummern mit zunehmender Laufzeit doch ein kleines bisschen ermüdend wirken. Wer jedoch auch nur ein kleines Herz für etwas obskurere Filme haben sollte, kommt an FOR Y’UR HEIGHT ONLY definitiv nicht vorbei. Der Unterhaltungswert ist insgesamt betrachtet wirklich verdammt hoch.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

PIXELS (China / Kanada / USA 2015, Regie: Chris Columbus)

pixels

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Anfang der 80er Jahre wurde ein Video von einer Videospiel-Meisterschaft von der NASA ins All geschickt und erreichte dummerweise die falschen Adressaten. Aliens verstanden das Video als Kriegserklärung und nun, über 30 Jahre später, muss sich der US-Präsident (Kevin James) damit auseinandersetzen, dass die Erde von den angepissten Außerirdischen mit Kriegsmaschinen angegriffen wird, die alten Arcade-Spielen wie Pac-Man und Co. nachempfunden sind. Nun liegt es an einer kleinen Gruppe einst passionierter Arcade-Zocker (u.a. Adam Sandler und Peter Dinklage) die Welt zu retten…

Filme mit Adam Sandler und/oder Kevin James in der Hauptrolle genießen ja nicht wirklich den besten Ruf, werden gemeinhin als dumme und minderwertige Unterhaltung abgetan und fast allerorts belächelt. Ich persönlich habe ein Herz für die Filme dieser beiden Komiker, weil ich es prinzipiell sehr schön finde, welch positives Weltbild sie immer wieder zeichnen. Man mag dieses gezeichnete Weltbild gerne als naiv abtun, in den politischen Zeiten, in denen wir uns jedoch gerade befinden, halte ich es für absolut begrüßenswert, dass es Filme wie bspw. GROWN UPS und ZOOKEEPER gibt, die es einem erlauben, zumindest für 90 oder 120 Minuten ein bisschen Realitätsflucht zu betreiben.

Meine persönlichen Erwartungen an PIXELS waren – allein aufgrund seiner herrlich-absurden Grundidee – doch ziemlich hoch, konnten dieses Mal jedoch nicht ganz erfüllt werden. Vielleicht war Chris Columbus einfach nicht der richtige Regisseur für diesen Film, vielleicht wäre bei diesem Film Sandler-Spezialist Dennis Dugan die bessere Wahl gewesen. Zwar entdeckt man auch in PIXELS viele liebevoll zusammengestellte Details, das Zusammenspiel von Sandler und James bleibt jedoch erstaunlich blass, die Gags zünden nur bedingt und aufgrund der Ausgangssituation des Plots habe ich mir persönlich auch etwas mehr Spielfiguren-Action erhofft. Unterhaltsam ist PIXELS dennoch geraten und wer Filmen mit Adam Sandler und Kevin James in den Hauptrollen prinzipiell etwas abgewinnen kann, dürfte auch hier seinen Spaß haben. Vielleicht aber nicht ganz so viel Spaß wie mit den anderen Filmen der beiden Komiker.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM (aka The Good, the Bad, the Weird, Südkorea 2008, Regie: Kim Ji-woon)

joheunnom nabbeunnom isanghannom

(Fassung: Blu-ray, Splendid, Deutschland)

THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD – so lautet der internationale Titel des Films und allein aufgrund der Titelgebung dürften Filminteressierte sofort erkennen, dass es sich beim Film von Regisseur Kim Ji-woon in erster Linie um eine Variante des Italowestern-Klassikers IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (aka The Good, the Bad and the Ugly) handelt, weiter gefasst um eine Hommage an den Italowestern im Allgemeinen.

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM handelt von einer Schatzkarte, auf die es verschiedene Parteien abgesehen haben – insbesondere Jeong Woo-seong als Park Do-won in der Rolle von Clint Eastwood, Lee Byeong-heon als Park Chang-i in der Rolle des Bösen, die Lee Van Cleef in Leones Original bekleidete, und schließlich Song Kang-ho als Yoo Dae-goo, der dem von Eli Wallach im Leone-Film gespielten Tuco nachempfunden ist – und die von diesen erbittert gejagt wird.

Wie Regisseur Kim Ji-woon diese wilde Jagd bebildert und inszeniert ist schlicht atemberaubend. 좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM ist ein wilde Mischung aus Western und Eastern, mit großartig choreographierten Actionsequenzen, slapstickartigen Comedy-Einlagen, teils heftigen Gewaltausbrüchen und vielen, vielen Momenten, in denen sich Kim Ji-woon vor seinen Vorbildern respektvoll verneigt und in denen spürbar ist, mit wie viel Liebe und Herzblut dieser Film hier hergestellt wurde. Ich persönlich fand vor allem die Mischung aus komischen, spektakulären, ruhigen und brutalen Sequenzen sehr ausgewogen und gelungen und diese irrsinnige Verfolgungsjagd im letzten Drittel zu den Klängen des von Bennie Benjamin und Gloria Caldwell komponierten Songs “Don’t Let Me Be Missunderstood“ war mit das Beste, was ich in letzter Seite im Bereich des Actionkinos zu sehen bekommen habe.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

KNOWING (Australien / Großbritannien / USA 2009, Regie: Alex Proyas)

knowing

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nicolas Cage spielt John Koestler, einen alleinerziehenden und nach dem Tod seiner Frau vom Glauben abgefallenen Astrophysiker, dem zufällig ein 50 Jahre alter Zettel mit diversen Zahlenreihen in die Hände fällt. Als er sich daran macht, die Zahlenreihen näher zu untersuchen, stellt er fest, dass die Zahlen die Daten diverser Katastrophen incl. der exakten Opferzahlen und der Koordinaten des Unglücksortes darstellen. Da es sich bei den letzten enthaltenen Zahlen auf dem Zettel um Datumsangaben handelt, die nur wenige Tage nach dem Fund des Zettels liegen, beginnt für John ein Wettlauf gegen die Zeit…

Beim Ansehen von KNOWING sollte man nach Möglichkeit seine Gehirnzellen weitestgehend deaktivieren. Dann kann man sich von Cages berühmten Overacting, dem einen oder anderen miesen CGI-Effekt und einer – das muss man dem Film neidlos anerkennen – ungemein dichten und über weite Strecken auch durchaus unheimlichen Mystery-Atmosphäre und einem zumindest bis zum letzten Drittel des Films spannenden Plot ausgesprochen nett unterhalten lassen. Aber auch mit weitestgehend deaktivierter Gehirnaktivität dürfte man dann im letzten Drittel des Films erkennen, dass man es hier eigentlich mit religiösem Mumpitz der übelsten Sorte zu tun hat und KNOWING in erster Linie als Propagandafilm beliebiger religiöser Sekten zu gebrauchen ist und man sich insgeheim erhofft, man könnte es hier vielleicht auch einfach nur mit übertriebener Satire zu tun haben. Es steht jedoch zu befürchten, dass Proyas diesen Unsinn, den er hier verzapft ab, absolut ernst gemeint hat. Darauf ein dreifaches Halleluja. Wenigstens ist der Käse über weite Strecken extrem unterhaltsam geraten.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part I

THE MAN FROM U.N.C.L.E. (Großbritannien / USA 2015, Regie: Guy Ritchie)

the man from u.n.c.l.e.

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Als eine Verbrecherorganisation plant, eine Nuklearwaffe zu bauen, müssen die beiden verfeindeten Supermächte zwangsläufig zusammenarbeiten um eine weltweite Katastrophe zu verhindern. CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) und Illya Kuryakin (Armie Hammer) vom russischen KGB gehen die ihnen gestellte Aufgabe jedoch eher widerwillig an…

Regisseur Guy Ritchie hat mit THE MAN FROM U.N.C.L.E. eine Kinofassung der gleichnamigen TV-Serie aus den 60er Jahren vorgelegt, die den Zuschauer über gut 2 Stunden in eine beschwingte Stimmung versetzt und locker-flockig unterhält. Die Atmosphäre der 60er Jahre wurde dabei ziemlich gut getroffen, Cavill und Hammer als Partner wider Willen spielen sich bestens gelaunt gegenseitig die Gags zu, Score und Soundtrack sind ein Traum und Kameramann John Mathieson verwöhnt das Publikum mit extrem stylishen Bildern. Inmitten seines komplett gechillten und federleicht inszenierten Films hat Ritchie dann netterweise auch immer wieder die eine oder andere spektakuläre Actionsequenz platziert und so kann man THE MAN FROM U.N.C.L.E. eigentlich nur als ausgesprochen gelungenen Unterhaltungsfilm bezeichnen, dessen einzige Schwäche es ist, dass er bei manchen Gags schwarzen Humor mit purem Zynismus verwechselt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ANT-MAN (USA 2015, Regie: Peyton Reed)

ant-man

(Fassung: Blu-ray 3D, Marvel, Deutschland)

Mit dem titelgebenden Ameisenmann installieren die Marvel Studios einen weiteren Superhelden aus ihrem riesigen Comic- innerhalb ihres stetig wachsenden Filmuniversums. ANT-MAN ist der mittlerweile zehnte Film des Avengers-Franchises, der im Jahr 2008 mit IRON MAN gestartet wurde und ich muss zugeben, dass ich an den Film – insbesondere nach dem nicht sonderlich begeisternden AVENGERS: AGE OF ULTRON – wenige bis gar keine Erwartungen hatte. Alles deutete darauf hin, dass ANT-MAN auch nur ein weiterer Zwischenschritt sein könnte, eine weitere Vorbereitung auf das große Finale, welches dann in drei Jahren anstehen soll. Und ja, Reeds Film hat natürlich diese Elemente, die ihn innerhalb des großen Ganzen positionieren sollen, aber er ist dennoch erfrischend anders und stellt eine überraschende Abwechslung innerhalb des Avengers-Franchises dar.

Ich denke, es ist ein großer Vorteil, dass mit Regisseur Peyton Reed und den – neben Hauptdarsteller Paul Rudd und Joe Cornish – fürs Drehbuch mitverantwortlichen Edgar Wright und Adam McKay drei Männer für den kreativen Prozess verantwortlich zeichneten, die bisher insbesondere im Bereich der (romantischen) Komödie tätig waren, was natürlich auch auf Paul Rudd zutrifft, auf dessen Namen man vor diesem Film wohl am wenigsten gekommen wäre, wenn es um die Besetzung einer neuen Superheldenrolle ging. Dieser Komödien-Background hilft ANT-MAN ungemein, Reeds Film bietet eine herrlich kurzweilige Mischung aus spannenden und komischen Momenten und Paul Rudd ist in der Rolle des Losers Scott Lang, der zu seinen Superkräften kommt wie die Jungfrau zum Kind und überhaupt nicht weiß, wie er mit diesen umgehen soll, richtig, richtig gut und eignet sich so hervorragend als Sympathieträger und Identifikationsfigur. Ein weiterer, großer Vorteil von ANT-MAN ist es zudem, dass die Story, die hier erzählt wird, auch außerhalb des Franchises funktioniert. Man muss nicht zwingend alle anderen Filme gesehen haben, um seinen Spaß mit ANT-MAN haben zu können, Reeds Film macht nie den Anschein, als sei er nur ein weiterer Lückenfüller bis zum nächsten, großen Avengers-Mega-Event. Ich bin absolut positiv überrascht von ANT-MAN, von seinem Witz, seiner federleichten Inszenierung, seinem sympathischen Helden und – das soll an dieser Stelle auch noch erwähnt werden – von seiner visuellen Pracht. Die Visual-Effects-Abteilung hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet, ANT-MAN läuft über vor tollen Ideen und visuellen Gimmicks, und zwar ohne dabei Gefahr zu laufen, im typischen Blockbuster-Bombast zu versinken.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CRAZY HEART (USA 2009, Regie: Scott Cooper)

crazy heart

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Jeff Bridges ist Bad Blake, ein abgehalfterter Country-Star, der von besseren Zeiten träumt, seinen Lebensunterhalt durch Auftritte in Kneipen und Bars finanziert und das verdiente Geld sogleich in Alkohol reinvestiert. Als er bei einem seiner Auftritte die Reporterin Jean Craddock (Maggie Gyllenhaal) kennenlernt, die ihn um ein Interview bittet, scheint er durch diese Bekanntschaft, aus der sich langsam echte Zuneigung für die alleinerziehende Mutter entwickelt, endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen zu können…

Regisseur Scott Cooper hat mit dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans einen Film gedreht, der den Zuschauer mit auf eine Art Road Trip nimmt, auf eine Reise voller Musik, mit ebenso dramatischen und komischen Momenten und mit einem Jeff Bridges in Bestform, dem es mit seiner Darstellung des früheren Stars mit Leichtigkeit gelingt, dass man als Zuschauer eine Bindung zu seiner Figur aufbaut und sowohl Sympathie als auch Empathie für diese empfindet. Lediglich im Mittelteil hängt CRAZY HEART mal für eine Weile durch, da scheint es fast so, als habe Regisseur Scott Cooper etwas sein Ziel aus den Augen verloren, da wird man plötzlich mit dem einen oder anderen Klischee konfrontiert (bspw. dem Versuch von Blake, wieder mit seinem Sohn in Kontakt zu treten, den er seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat), das man sich vielleicht hätte sparen können. Schön ist auf jeden Fall, dass die vorhandenen und sicher auch nicht ganz zu vermeidenden Klischees in der Zeichnung der Charaktere und deren Handlungen auf lange Sicht eben nicht in den dann normalerweise unumgänglichen Handlungsverlaufsklischees münden, sondern dass Regisseur Cooper – was sicher auch der Vorlage geschuldet sein mag, die mir allerdings nicht bekannt ist – das Ende seines Films relativ offen hält und jeder für sich selbst entscheiden kann, wie es letztendlich mit Bridges Charakter weitergeht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TERMINATOR GENISYS (USA 2015, Regie: Alan Taylor)

terminator genisys

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

James Camerons dystopische Zukunftsvision THE TERMINATOR aus dem Jahr 1984 ist der Film, der mir am meisten bedeutet. Mein absoluter Lieblingsfilm, die ewige Nr. 1 in meiner persönlichen Bestenliste. Bereits Camerons sieben Jahre später in die Kinos gekommene Fortsetzung habe ich aufgrund der Änderung der Tonart der Geschichte – weg von der beunruhigenden Dystopie, hin zu der harmloseren Familienunterhaltung – mit all ihren Gags und Onelinern, die diese mit sich brachte, schon immer etwas kritisch gesehen, gleichwohl aber in mein Herz geschlossen, genau wie den von praktischen allen Fans so verhassten dritten Teil aus dem Jahr 2003, den ich – trotz sicher nicht wegzuleugnender Schwächen – für einfach nur grandios halte und für den ich jederzeit sämtlichen Lanzen dieser Welt brechen würde. Die eher schlechten Kritiken, die TERMINATOR GENISYS überall erhalten hat, konnten mich also wahrlich nicht abschrecken. Zu groß war die Vorfreude, endlich wieder einen neuen Terminator-Film mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle zu sehen. Jetzt, nach der Sichtung, stellt sich dann doch etwas Ernüchterung ein. Ich weiß nicht, was ich so recht halten soll, von dem Film. Er hat mir schon gefallen, aber halt nur “gut“ und nicht “sehr gut“ und echte Begeisterungsstürme konnte er zu keinem Zeitpunkt auslösen.

Die Idee der alternativen Zeitlinie fand ich – nach einem ersten Anfangsschock, schien es sich bei TERMINATOR GENISYS in den ersten paar Minuten doch fast schon um eine Parodie des ersten Teils zu handeln – prinzipiell ganz gut und bis auf ein paar nicht erklärbare Logikfehler auch schlüssig, überzeugend und abwechslungsreich umgesetzt. Die vorhandenen Actionszenen sind perfekt in die Handlung integriert, toll choreographiert und visuell beeindruckend gestaltet, die Effekte sind klasse und das Sound Design der pure Wahnsinn (und sollte in diesem Jahr unbedingt bei den Oscars berücksichtigt werden). Die eingestreuten Gags muss man mittlerweile halt einfach so hinnehmen und dem Film aus diesem Grund einen Strick zu drehen, halte ich für zu einfach. Was ich an TERMINATOR GENISYS einfach nur schrecklich fand, war die Besetzung der Rollen von John Connor, Sarah Connor und Kyle Reese, insbesondere Emilia Clarke passte rein gar nicht in diese Rolle und kam – obwohl sie sogar ein Jahr älter ist als Linda Hamilton es damals war – einfach viel zu jung rüber. Ihre Sarah Connor sah aus wie ein Teenager und nicht wie eine Frau Ende 20/Anfang 30 und wirkte in der Rolle nur wenig authentisch und eher unglaubwürdig. Und auch Jai Courtney als Kyle Reese und Jason Clarke als John Connor wurden ihren Vorbildern aus den ersten drei Filmen in keinster Weise gerecht. Rein besetzungstechnisch wurde hier bestenfalls TV-Format in einer 155-Mio-Dollar-Produktion platziert und das tut dem Film wirklich nicht sonderlich gut. Und die Stilisierung des von Arnie gespielten Terminators hin zur Vaterfigur, die von Sarah Connor dann auch ständig mit “Pops“ angesprochen wird, hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Aber ich will nicht zu viel motzen, eigentlich hat mir Taylors Films ja ganz gut gefallen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MINDSCAPE (Frankreich / Großbritannien / Spanien / USA 2013, Regie: Jorge Dorado)

mindscape

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

In MINDSCAPE bekommt es der Kriminalpsychologe John Washington (Mark Strong) – der über die Gabe verfügt, in die Erinnerungen seines Gegenübers eindringen zu können – mit dem Fall der 16-jährigen Anna Greene (Taissa Farmiga) zu tun. Mit Hilfe seiner Gabe soll Washington herausfinden, ob es sich bei dem im Hungerstreik befindlichen Mädchen nur um einen Teenager mit psychischen Problemen oder doch um eine gefährliche Soziopathin handelt. Doch während der Sitzungen kollidieren eigene Erinnerungen von Washington mit denen seiner Patientin und der Psychologe scheint langsam die Kontrolle zu verlieren…

Regisseur Jorge Dorado hat mit MINDSCAPE einen kleinen, ausgesprochen atmosphärischen Thriller gedreht, der mit seiner wendungsreichen und nicht zwingend vorhersehbaren Handlung (incl. Gänsehaut-Twist am Ende) für abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung sorgt und streckenweise eine verdammt unheimliche und beunruhigende Stimmung verbreitet. Der Schlüssel im Gelingen des Films liegt in Hauptdarstellerin Taissa Farmiga, die ihrer Anna eine fast schon mystische Aura verleiht und ihre Rolle so facettenreich spielt, dass man sie als Zuschauer genauso wenig zu greifen bekommt wie ihr Gegenüber im Film. Die von ihr gespielte Anna ist hochintelligent, begabt, unheimlich, unsicher, zerbrechlich, stark, arrogant, durchtrieben und skrupellos – und scheint dies alles irgendwie gleichzeitig zu sein. Normalerweise wäre MINDSCAPE jetzt kein Film, den man zwingend weiterempfehlen müsste, aufgrund Farmigas Leistung ist Dorados Mysterythriller jedoch unbedingt sehens- und empfehlenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

江山美人 | JIANG SHAN MEI REN (aka An Empress and the Warriors, China / Hongkong 2008, Regie: Ching Siu-Tung)

jiang shan mei ren

(Fassung: Blu-ray, Showbox Media Group, Großbritannien)

Nach dem gewaltsamen Tod des Herrschers ist es an dessen Tochter, der Prinzessin Yen (Kelly Chen), das entstandene Machtvakuum auszufüllen. Doch der für den Tod ihres Vaters verantwortliche und ebenfalls auf den Thron schielende Wu Ba (Guo Xiaodong) setzt alles daran, selbst die Macht zu ergreifen…

Freunde des asiatischen Kinos dürfte eine Handlung wie diese relativ bekannt vorkommen. Gerade in aus China und Hongkong stammenden Filmen sind solche Geschichten rund um Verrat, Intrigen, Ehre und Loyalität an antiken Kaiser- und Königshöfen ausgesprochen beliebt. 江山美人 | JIANG SHAN MEI REN ist dann auch nicht sonderlich mehr als ein weiterer, solider Genrebeitrag mit schönen Bildern und beeindruckend choreographierten Kampf- und Schlachtszenen. Was den Film von Ching Siu-Tung aus der Masse des Durchschnitts ein bisschen heraushebt, ist die eingeflochtene Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin und dem ehemaligen Krieger Duan Lan Quan (Leon Lai), der nun zurückgezogen und einsam in der Wildnis lebt und die Prinzessin nach einem missglückten Mordanschlag findet und gesund pflegt. Insbesondere die Sequenz mit dem selbst gebauten, frühen Model eines Heißluftballons, mit dem der Prinzessin der Traum vom Fliegen erfüllt wird, fand ich inmitten der ganzen Kampfsequenzen ausgesprochen schön und beruhigend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

MAGIC MIKE XXL (USA 2015, Regie: Gregory Jacobs)

magic mike xxl

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Auf Bitte seiner früheren Kollegen, die sich genau wie er es bereits getan hat, nun langsam aus dem Stripper-Geschäft verabschieden wollen, kehrt Channing Tatum als Magic Mike auf die Leinwand zurück. Denn der Abschied soll bei einer großen Stripper Convention stattfinden und Mike soll auf jeden Fall dabei sein. Die Freunde begeben sich auf einen Road Trip der besonderen Art…

Faszinierte Soderberghs MAGIC MIKE aus dem Jahr 2012 auch in erster Linie durch seine ganze eigene, in Teilen fast schon melancholische und schwermütige Atmosphäre, in welche die wundervollen Bilder und Choreographien eingetaucht waren, ist in Jacobs Film von dieser Schwere nicht viel zu spüren. MAGIC MIKE XXL verbreitet viel mehr allerbeste Laune, wirft einen liebenswürdigen, humorvollen und augenzwinkernden Blick auf seine Protagonisten, vermeidet jedoch, sich über sie lustig zu machen, sondern behandelt diese ernsthaft und respektvoll. MAGIC MIKE XXL ist ein durchweg positiver Film, in den man sich als Zuschauer regelrecht hineinfallen lassen kann. Mit Soderberghs Vorgänger hat er vor allem die visuelle Brillanz gemein – was wenig verwunderlich ist, denn Steven Soderbergh war hier nicht nur als ausführender Produzent mit an Bord, sondern zeichnete darüber hinaus auch für Kameraarbeit und Schnitt verantwortlich -, die MAGIC MIKE XXL streckenweise zu einem Fest für die Sinne werden lässt. Und auf seine Schauwerte, auf die Kraft von Soderberghs Kameraführung und den tollen Soundtrack kann sich Regisseur Jacobs ebenso verlassen wie auf seine Schauspieler, denen man richtig anzumerken scheint, was sie für einen Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Mir persönlich hat die Fortsetzung sogar noch einen kleinen Tick besser gefallen als der auch schon ziemlich tolle Vorgänger.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ST. VINCENT (USA 2014, Regie: Theodore Melfi)

st. vincent

(Fassung: Blu-ray, Polyband, Deutschland)

 Bill Murray ist Vincent, ein griesgrämiger Rentner, der raucht, trinkt, wegen seiner Spielsucht notorisch pleite und hochverschuldet ist und mit Ausnahme seiner Katze Felix und der Prostitutierten Daka (Naomi Watts) allen Lebewesen gegenüber erstmals misstrauisch und feindselig eingestellt zu sein scheint. Das ändert sich, als die alleinerziehende Maggie (Melissa McCarthy) mit ihrem 12-jährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher) ins Nachbarhaus zieht. Sieht Vincent in Oliver zunächst in erster Linie eine Einnahmequelle – da Maggie ständig Überstunden machen muss, benötigt sie einen Babysitter -, verändert der Umgang mit dem Jungen den alten Nörgler nach und nach immer mehr…

ST. VINCENT ist ein echter Glücksfall von einem Film, geht schon nach wenigen Minuten mitten ins Herz und setzt sich dort komplett fest. Aus der Masse dieser kleinen Independent-Produktionen, die in den letzten Jahren so als Gegenpol zum Big-Budget-Blockbuster-Kino entstanden sind, ragt ST. VINCENT deutlich hervor, auch wenn die Moral von der Geschichte natürlich nicht klischeehafter sein könnte und auch das Ende des Films sehr vorhersehbar geraten ist. ST. VINCENT lebt von seinen durch die Bank großartigen Schauspielern. Ob das nun Melissa McCarthy ist, die hier gekonnt gegen ihr Image der schrillen Schreckschraube anspielt, oder Naomi Watts in der Rolle der russischen Prostituierten oder natürlich Filmdebütant Jaeden Lieberher als Oliver, der es schafft, das Herz seines griesgrämigen Nachbarn zu erobern und damit sowohl dessen als auch sein Leben nachhaltig zu verändern. Aus all diesen großartigen Schauspielerleistungen sticht Bill Murray in der Rolle des Vincent jedoch noch mal deutlich hervor. Murray liefert hier eine der besten Darbietungen seiner Karriere ab und wäre in einer besseren Welt für seine Leistung wahrscheinlich mit Preisen überhäuft worden.

ST. VINCENT ist komisch, tragisch, bewegend, berührend und sei hiermit jedem, der sich auch nur im Ansatz für diese kleinen aber feinen Feel-Good-Movies begeistern kann, dringend ans Herz gelegt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

THE SHIELD: SEASON 7 (USA 2008, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

 In diesen dreizehn Episoden der siebten und letzten Staffel von THE SHIELD versucht der von Michael Chiklis einmal mehr herausragend verkörperte Vic Mackey seine Karriere zu retten und seine Schäfchen endgültig ins Trockene zu bringen. Doch nicht alles läuft wie geplant und es entwickelt sich ein nervenaufreibendes Katz- und Mausspiel…

Das Lob, das ich in meinen bisherigen Einträgen zu THE SHIELD vergeben habe, kann ich auch für diese letzte Staffel nur wiederholen. 13 außerordentlich spannende Folgen erwarten den Zuschauer – und sie alle sind auf ein wirklich großartiges Ende hin konzipiert. Ich möchte mich jetzt gar nicht noch mal groß gebetsmühlenartig über die extrem hohe Qualität dieser Serie auslassen, über ihre tolle Machart im quasi halbdokumentarischen Stil, ihre großartigen Schauspieler, die diesen ganzen streitbaren Charakteren und Typen ein Gesicht verliehen haben, usw., usf.; THE SHIELD hält über sieben Staffeln ein wahrlich herausragendes Seherlebnis bereit und sei hiermit jedem Freund von TV-Serien nachhaltig empfohlen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

Jahresendspurt – 4. Teil

NEEDFUL THINGS (USA 1993, Regie: Fraser Clarke Heston)

needful things

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 In einer verschlafenen Kleinstadt eröffnet ein neuer Laden, dessen Inhaber – der mysteriöse Leland Gaunt (Max von Sydow) – für die ganz speziellen Wünsche eines jeden Bewohners der Stadt genau das Richtige zu führen scheint. Doch das Erfüllen besonderer Wünsche hat auch seinen Preis…

Nach einem Roman von Stephen King erzählt Regisseur Fraser Clarke Heston in NEEDFUL THINGS die klassische Geschichte von Menschen, die sich – hier ohne es zu ahnen – auf einen Deal mit dem Teufel einlassen. Der von Max von Sydow grandios gespielte Beelzebub entwickelt eine diebische Freude dabei, negative Charaktereigenschaften der Bürger – wie Gier, Neid und Missgunst – für sich zu nutzen um sein Teufelswerk zu vollbringen und die verschlafene Stadt so ins absolute Chaos zu stürzen. NEEDFUL THINGS ist ebenso spannend wie rasant erzählt, überzeugt mit teils tiefschwarzem, bitterbösem Humor und gehört auch aufgrund seiner tollen Besetzung – neben Max von Sydow spielen u.a. Ed Harris, Bonnie Bedelia, Amanda Plummer, J.T. Walsh und Don S. Davis mit – definitiv zu den besten Stephen-King-Verfilmungen, die je das Licht einer großen Leinwand erblickt haben.

Bewertung: Gut!

 

THE DEVIL-DOLL (USA 1936, Regie: Tod Browning)

the devil-doll

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Nach vielen Jahren Haft gelingt dem unschuldig verurteilten Pariser Bankier Paul Lavond (Lionel Barrymore) gemeinsam mit dem verrückten Wissenschaftler Marcel (Henry B. Walthall) die Flucht. In Marcels abgelegenem Haus findet er Unterschlupf und wird mit dessen Erfindung vertraut gemacht. Marcel hat ein Serum entwickelt, mit dem er Lebewesen auf Miniaturgröße verkleinern und diese sodann mit Gedankenkraft steuern kann. Regelrecht besessen davon, seine Forschungen weiterzuführen, erliegt Marcel nach den Strapazen der Flucht jedoch einem Herzinfarkt. Lavond begibt sich mit Marcels Witwe Malita (Rafaela Ottiano) daraufhin nach Paris, um sich Marcels Serum zu Nutzen zu machen und sich an all denen zu rächen, die ihn einst unschuldig ins Gefängnis brachten…

Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie ungemein schnörkellos, effektiv und ökonomisch diese B-Movies aus den 30er Jahren – nicht nur innerhalb des Gruselfilms, sondern auch in vielen anderen Genres – inszeniert waren. In Laufzeiten zwischen 60 und knapp 90 Minuten wurden da mitunter durchaus komplexe Handlungen untergebracht und diese dann mit einer Rasanz erzählt, dass man als Zuschauer – auch heute noch – einfach nur große Anerkennung für die damaligen Filmemacher aufbringen kann.

Auch THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning, dessen Name übrigens nicht mal in den Credits auftaucht, macht da keine Ausnahme. Browning vermischt verschiedene Genreelemente (THE DEVIL-DOLL ist Gruselfilm, Science-Fiction, Thriller und Familiendrama) zu einem großen Ganzen, packt alles in eine Laufzeit von gerade mal 76 Minuten und lässt den Zuschauer praktisch keine Zeit zum Durchschnaufen. Es gibt keinerlei Leerlauf in der wendungsreichen Geschichte – deren Ende dann übrigens auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie damalige Filmemacher versuchten, aus den streng auferlegten Regeln des Hays-Codes, doch noch das Beste rauszuholen – und ehe man sich versieht, ist THE DEVIL-DOLL leider auch schon wieder vorbei. Browning hat da einen schönen, stimmungsvollen Grusler gedreht, der auch heute noch funktioniert und dessen Effekte man – bedenkt man das Erscheinungsjahr – einfach nur als absoluten Hammer bezeichnen kann.

Bewertung: Gut!

 

RUNNER RUNNER (USA 2013, Regie: Brad Furman)

runner runner

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um sein Studium an der renommierten Princeton-University zu finanzieren, verdient sich Justin Timberlake als Student Richie Furst als eine Art Buchmacher für Online-Glücksspiele eine goldene Nase. Als ihm jedoch von der Universitätsleitung der Riegel vorgeschoben wird, ist die Finanzierung seines Studiums in Gefahr. Mit Mut zum Risiko setzt er sein ganzes Geld beim Online-Poker ein und verliert schließlich alles. Davon überzeugt, betrogen worden zu sein, reist er schließlich nach Costa Rica um Ivan Block (Ben Affleck), den schwerreichen Betreiber der Seite, zur Rede zu stellen, erliegt dort jedoch den Verlockungen von Blocks Luxusleben und lässt sich auf gefährliche Machenschaften mit dem charismatischen Menschenfänger ein…

Regisseur Brad Furman inszeniert seinen Thriller auf extrem ruhige Art und Weise und scheint sich weniger auf seine Geschichte und seine Schauspieler, sondern mehr auf seine visuelle Ästhetik und die entspannt-chillige Atmosphäre seines Films zu verlassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man RUNNER RUNNER überhaupt als Thriller bezeichnen kann, denn Furmans Film funktioniert tatsächlich weniger als Spannungskino im herkömmlichen Sinn, sondern praktisch ausschließlich aufgrund seiner ausgesprochen hübsch anzusehenden Bilder. So plätschert RUNNER RUNNER über gut 90 Minuten vor sich hin, lullt den Zuschauer von Minute zu Minute mehr ein und die einzige Spannung, für die er sorgt, ist die Entspannung, die sich bei mir mit zunehmender Laufzeit als Betrachter breitgemacht hat. Film als Hintergrundrauschen, zum Runterkommen nach einem stressigen Arbeitstag, zum Berieseln. Film an der Grenze zur absoluten Belanglosigkeit – aber immerhin nett anzusehen.

Bewertung: Ok!

 

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA (Deutschland 1970, Regie: Werner Jacobs)

was ist denn bloß - mit willi los grüß sie gott frau stirnima.

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen als gutmütiger Finanzbeamter Willi Winzig, der kurz vor seiner Pension gerne mal ein Auge zudrückt und dem kleinen Mann auf eigene Faust von seiner Steuerschuld betreibt. Als die Sache auffliegt, droht Willi einen Großteil seiner Pension zu verlieren. Sein Kollege und bester Freund Felix Klein (Ralf Wolter) hat die Lösung für das Problem: Willi solle doch einfach komplett verrücktspielen und sich so als unzurechnungsfähig erklären lassen. In all das Tohuwabohu gesellt sich außerdem noch Willis Nichte Helga (Stella Mooney), die von zuhause ausgerissen ist, bei Willi nun Unterschlupf sucht und ihre neugewonnene Freiheit dergestalt nutzt, dass sie sich immer wieder heimlich mit ihren großen Liebe, dem Musiker Frankie (Rex Gildo), zum gemeinsamen Stelldichein trifft…

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA ist ein typisches Produkt seiner Zeit, unterhält den Zuschauer mit maximal harmlosen und ungemein sympathischen Episödchen, die sich am Ende zu einem großen Ganzen vermischen. Rex Gildo darf ein paar Songs zum Besten geben und Heinz Erhardt und Ralf Wolter spielen sich die Gags gegenseitig zu. Natürlich lockt Jacobs’ Film heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor und die Tatsache, dass ein Film wie dieser das Publikum einst in Scharen in die Kinos locken konnte, mag aus heutiger Sicht ziemlich verwundern. Dass ich während der Sichtung des Films aber an einigen Stellen auch heute noch ein fettes Grinsen im Gesicht hatte, mag ich beim besten Willen nicht abstreiten. Das Schauspiel und der Wortwitz von Heinz Erhardt kann man in meinen Augen guten Gewissens als zeitlos bezeichnen. Erhardt schafft es mit Leichtigkeit, auch die größten Kalauer in einer Art zu präsentieren, dass man als Zuschauer regelrecht zum Lachen gezwungen wird.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

TATORT: GRENZGÄNGER (Deutschland 1981, Regie: Ilse Hofmann)

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(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

In seinem zweiten Auftritt als Horst Schimanski gefährdet Götz George aufgrund leichtsinnigen Handelns das Leben seines Kollegen Hollai (Günther Maria Halmer), der undercover arbeitet und dessen Deckung nun aufzufliegen droht. Auf eigene Faust holt Schimanski seinen alten Kumpel Hollai aus dem Untergrund und sorgt somit dafür, dass dieser wieder im normalen Polizeidienst tätig sein kann/darf/muss. Doch bald schon bekommt Schimanski Zweifel an Hollais Integrität…

GRENZGÄNGER greift das klassische Motiv des Undercover-Cops auf, der den Verlockungen des Verbrechens nicht länger widerstehen zu können scheint. Georges zweiter Auftritt ist somit weniger ein klassischer Kriminalfall, sondern eher ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel, in dem auch noch genügend Zeit bleibt, die im ersten Fall begonnene Charakterisierung der beiden Hauptfiguren Schimanski und Thanner (Eberhard Feik) fortzuführen. Echte Spannungssequenzen sind in GRENZGÄNGER rat gesät, Regisseurin Hofmann verlässt sich voll und ganz auf ihre Hauptdarsteller und die sind es letztendlich dann auch, die dafür sorgen, dass auch der zweite Fall aus Duisburg zu einem der sehenswerten Krimis innerhalb der TATORT-Reihe gehört. George und Feik harmonieren als ungleiche Partner einfach ganz vorzüglich miteinander und schüren beim Zuschauer eine große Vorfreude auf all die anderen Fälle, welche die beiden noch zu lösen bekommen werden. Interessant fand ich bei GRENZGÄNGER auch die Darstellung des Handlungsortes. Duisburg wird im Vergleich zum Vorgänger DUISBURG-RUHRORT, in dem die Stadt einem halb verfallenen Moloch glich, deutlich positiver und freundlicher gezeichnet und kommt auf ihre eigene Art und Weise ausgesprochen sympathisch rüber. Und vom Soundtrack gibt es Songs von Marius Müller-Westernhagen, die ganz wunderbar zur Atmosphäre des Films passen.

Bewertung: Gut!

 

INVASION OF THE BODY SNATCHERS (USA 1978, Regie: Philip Kaufman)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Bei meinen in umgedrehter Reihenfolge durchgeführten Sichtungen der Verfilmungen des Romans “The Body Snatchers“ von Jack Finney bin ich nun bei der zweiten Verfilmung angelangt, die Regisseur im Jahr 1978 realisiert hat. Hier ist es nun Donald Sutherland als Matthew Bennell, einem leitenden Angestellten des Gesundheitsamtes in San Francisco, der gemeinsam mit seiner Kollegin Elizabeth (Brooke Adams) der außerirdischen Invasion auf die Schliche kommt und mit allen Kräften versucht, diese zu verhindern.

Regisseur Philip Kaufman setzt verdammt viel auf die Karte “Stimmung und Atmosphäre“ und macht damit alles richtig. Das Grauen bricht langsam und ausweichlich über den Zuschauer herein und Kameramann Michael Chapman liefert entsprechend stimmungsvolle und furchterregende Bilder dazu ab. Diese Sequenz am Hafen beispielsweise, zu den Klängen von “Amazing Grace“, ist an Intensität kaum noch zu überbieten. Die Besetzung rund um Donald Sutherland – bestehend u.a. aus Brooke Adams, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright, Leonard Nimoy und Art Hindle – agiert hervorragend und so brennt auch auf schauspielerischer Seite nie etwas an. Und dann dieses für die 70er Jahre so typische Ende mit dieser letzten Einstellung von Donald Sutherland, die schon längst zum Kanon ikonischer Filmbilder gehören dürfte.

Ich bin nun schon auf die Ursprungsversion von Don Siegel – der hier übrigens einen Gastauftritt als Taxifahrer absolviert – gespannt, wage aber zu bezweifeln, dass Kaufmans Variante von Finneys Roman nochmals übertroffen werden kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DOCTOR X (USA 1932, Regie: Michael Curtiz)

doctor x

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Eine schreckliche Mordserie führt die Polizei direkt zum Forschungszentrum des Wissenschaftlers Dr. Xavier (Lionel Atwill). Entweder er oder einer seiner Forschungskollegen scheint für die Morde verantwortlich zu sein. Um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, bittet Dr. Xavier die Beamten um etwas Aufschub. Er möchte selbst herausfinden, wer der Täter in seinen Reihen ist. Gleichzeitig hat der Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) Wind davon bekommen, dass gegen Dr. Xavier ermittelt wird, und wittert eine große Story…

Ähnlich wie der ein paar Tage zuvor gesehene THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning ist auch DOCTOR X von Michael Curtiz ein Paradebeispiel des B-Movie-Gruslers aus den 30er Jahren. Gefilmt mit einem frühen Technicolor-Verfahren ist die mir vorliegende Farbfassung von DOCTOR X in schaurig-schöne Farben getaucht, die dem Film – ebenso wie das Setting in den Labors von Dr. Xavier mit ihrem ganzen Technikkram und den brodelnden Reagenzgläsern – eine wunderbare Gruselatmosphäre verleiht. Aufgelockert wird die spannende Suche nach dem Täter immer wieder durch Lee Tracy in der Rolle des Reporters, der hier ganz eindeutig als “comic relief“ besetzt ist und immer wieder für einige Lacher sorgt. So präsentiert DOCTOR X über die komplette Laufzeit eine ganz wunderbare Mischung aus spannenden, unheimlichen und komischen Momenten und sei hiermit jedem, der mit Filmen dieser Art auch nur ansatzweise etwas anfangen kann, dringendst ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut!

 

WHEELS OF FIRE (Philippinen/USA 1985, Regie: Cirio H. Santiago)

wheels of fire

(Fassung: Blu-ray, Code Red, USA)

 Wenn es jemand drauf hat, gelungene Rip-Offs zuvor erfolgreicher Kinofilme zu drehen bzw. drehen zu lassen, dann ist es Roger Corman. In seinem Auftrag wurde im Jahr 1985 auf den Philippinen von Stamm-Regisseur Cirio H. Santiago WHEELS OF FIRE gedreht, ein Film, der in einer post-apokalyptischen Welt spielt und ganz eindeutig als Rip-Off von MAD MAX 2 zu erkennen ist. Und Regisseur Santiago “delivers the goods“, sein Film ist vollgepackt mit Schauwerten, legt ein irres Tempo vor und begeistert mit geilen Wüsten-Settings, verrückten Klamotten, spektakulären Verfolgungsjagden in umgebauten Boliden, Schießereien, Prügeleien und einer gehörigen Portion Sleaze. WHEELS OF FIRE ist definitiv nichts für Feingeister, nichts für das Arthouse-Publikum mit dem Rotweinglas in der Hand und auch nichts für Leute, die sich von einem Film eine zumindest halbwegs vernünftige Geschichte erwarten. Fans des Exploitation-Kinos dürften bei WHEELS OF FIRE jedoch schon fast Freudentränen in den Augen haben. Verdammt, ist das Teil geil!

Bewertung: Sehr gut!

Jahresendspurt – 2. Teil

STAYING ALIVE (USA 1983, Regie: Sylvester Stallone)

staying alive

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Bei STAYING ALIVE handelt es sich um die Fortsetzung des kürzlich von mir angesehenen SATURDAY NIGHT FEVER. John Travolta ist erneut in der Rolle des Tony Manero zu sehen, der zwar mittlerweile nach Manhattan geschafft hat, sich seine Brötchen allerdings nur als Tanzlehrer und Bedienung verdient und bei diversen Castings als Tänzer eine Absage nach der anderen erhält. Doch eines Tages hat Manero Glück und ergattert eine Rolle in einer großen Show am Broadway und verliebt sich dabei in Laura (Finola Hughes), die Startänzerin des Stücks. Doch seine Gefühle treffen auf wenig Gegenliebe.

Wahrscheinlich ist SATURDAY NIGHT FEVER der bessere Film, weil er insgesamt betrachtet einfach glaubwürdiger und authentischer wirkt, dafür ist STAYING ALIVE irgendwie eingängiger und kurzweiliger geraten als Badhams Vorgänger. Stallone hat mit STAYING ALIVE eine Mischung aus Tanzfilm und kitschiger Romanze gedreht, die – und das hat die Fortsetzung mit Badhams Film gemein – insbesondere von ihren teils spektakulären Tanzszenen (die Aufführung des Stücks am Ende ist schlichtweg der Hammer!) und John Travolta in der Hauptrolle lebt, der den Tony Manero einmal mehr ausgesprochen sympathisch (auch wenn man ihn für so manche Handlung ohrfeigen möchte) und authentisch rüberbringt. Es macht einfach Spaß, Tony und den anderen handelnden Personen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, in ihrem Leben zurechtzukommen und ihr Glück zu finden. Da stört es nicht sonderlich, dass man den Plot so oder so ähnlich schon unzählige Male vorher gesehen hat.

Und ganz am Ende – kurz vor den Endcredits – wenn sich der Kreis schließt, und Travolta in dem selben, unnachahmlichen Stil durch die Straßen New Yorks läuft, wie er es schon zu den Anfangscredits in SATURDAY NIGHT FEVER getan hat, weht durchaus ein Hauch von Magie durchs heimische Wohnzimmer.

Bewertung: Gut!

 

YOUNGBLOOD (USA 1986, Regie: Peter Markle)

youngblood

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Rob Lowe ist Dean Youngblood, ein talentierter, junger Eishockeyspieler, der gegen den Willen seines Vaters die heimische Farm verlässt um bei einem Team in der kanadischen Junior-League zu spielen. Dort will er auf sich aufmerksam machen und einen begehrten Profivertrag ergattern…

Wer aufgrund der kurzen Zusammenfassung des Inhalts nun der Meinung ist, YOUNGBLOOD könnte seinen Zuschauern durchaus das eine oder andere Klischee servieren, der irrt gewaltig. YOUNGBLOOD kommt nicht mit dem einen oder anderen Klischee um die Ecke, YOUNGBLOOD ist im Endeffekt das Klischee. Wenn man sich den Film so anschaut, muss man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass Regisseur und Drehbuchautor Peter Markle seine Geldgeber irgendwann beim Verfassen des Drehbuchs mal die Frage gestellt haben muss, wie viele Klischees er in seinem Drehbuch verwursten darf. Und diese Frage dürfte ganz eindeutig mit einem einzig Wort beantwortet worden sein: Alle!

Wir haben das junge Talent, das gegen den Willen seines Vaters das schützende Zuhause verlässt. Wir haben den großen Bruder, der einst selbst ein talentierter Eishockeyspieler war, aufgrund einer schweren Verletzung den Sport aber nicht mehr ausüben kann. Wir haben den fiesen Gegenspieler, dem von unserem Protagonisten der Platz im Team weggeschnappt wurde und der nun beim härtesten Konkurrenzteam anheuert und nur darauf wartet, sich zu rächen. Wir haben die typischen Initiationsriten innerhalb der Mannschaft. Wir haben das typische “Sich-Respekt-Erkämpfen“ bei den Teamkollegen. Wir haben die Lovestory zwischen dem Titelhelden und – natürlich – der Tochter des Coachs (der davon – auch natürlich – nicht gerade begeistert ist). Wir haben das traumatische Erlebnis, welches den Protagonisten alles hinwerfen lässt, um auf die heimische Farm zurückzukehren. Wir haben das entscheidende Spiel, zu dem der reumütige Youngblood dann doch wieder zum Team zurückkehrt, bei dem er vom Trainer aber erst mal auf der Bank gelassen wird, nur um dann doch eingewechselt zu werden, sich dem fiesen Gegenspieler zu stellen und den entscheidenden Treffer – 3 Sekunden vor Spielende (!!!) – zu erzielen. Natürlich vor den Augen des Vaters und des Bruders, die sich zum ersten Mal auf den Zuschauerrängen einfinden.

YOUNGBLOOD lässt wirklich gar nichts aus und das wirklich Verwunderliche an dem Film ist die Tatsache, dass er trotzdem funktioniert. Ich habe keine Ahnung warum, aber er funktioniert sogar ganz vorzüglich. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich mit ihm zu viele nostalgische Erinnerungen verbinde (YOUNGBLOOD ist einer dieser Filme, mit denen ich in den 80ern meine Jugendzeit verbracht habe), vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese ganzen Klischees irgendwie als das normalste der Welt präsentiert werden, so, als gäbe es gar keine andere Möglichkeit diese Geschichte zu erzählen. Und vielleicht liegt es auch daran, dass YOUNGBLOOD richtig gut besetzt ist. Rob Lowe ist super in der Titelrolle, George J. Finn als mieser Gegenspieler Racki ein Unsympath vor dem Herrn. Dazu überzeugt Patrick Swayze als alter Hase im Team auf ganzer Linie und Ed Lauter ist einfach nur herrlich in der Rolle des oft mürrischen Coachs. Und dann noch die einfach nur ungemein süße Cynthia Gibb als Youngbloods Love Interest Jessie. Wahrscheinlich ist es die Mischung aus allem, die dafür sorgt, dass YOUNGBLOOD auch knapp 30 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner damaligen Faszination eingebüßt hat. Mir gefällt diese Mischung aus Sportfilm, Coming-of-Age-Geschichte und Lovestory auch heute noch richtig gut.

Bewertung: Sehr gut!

 

MINIONS (USA 2015, Regie: Kyle Balda/Pierre Coffin)

minions

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

Nachdem sich die kleinen, gelben Helfer des Superkriminellen Gru in den beiden DESPICABLE ME-Filmen aus den Jahren 2010 und 2013 zu absoluten Publikumslieblingen entwickelt hatten, war klar, dass die produzierenden Universal-Studios diese sichere Geldquelle nicht versiegen lassen wollten und den gelben Sidekicks von Gru einen eigenen Film spendieren würden. Das fertige Produkt hört konsequenterweise auf den Namen MINIONS, funktioniert als Prequel zu DESPICABLE ME und erzählt die Vorgeschichte der titelgebenden Helden und wie diese schließlich in Gru ihren Meister fanden.

Und wenn man bedenkt, dass die sich im Endeffekt fast nur in unverständlichem Kauderwelsch artikulierenden Erdnussflips mit Augen ja nun nicht unbedingt dafür prädestiniert sind, alleine einen kompletten Film über 90 Minuten zu tragen, muss man doch eingestehen, dass MINIONS erstaunlich gut geworden ist und weitaus besser funktioniert, als ich das zuvor erwartet hätte. Die beiden Regisseure Balda und Coffin haben ihren Film ausgesprochen rasant inszeniert und mit einigen wirklich grandiosen Gags ausgestattet, bei denen Freunde des Animationsfilms voll auf ihre Kosten kommen dürften. Ich habe an vielen Stellen wirklich herzhaft gelacht und bin positiv überrascht vom Ergebnis. Wirklich enttäuschend sind eigentlich nur die 3D-Effekte geraten. Von einem Animationsfilm hätte ich gelungenere Effekte erwartet.

Bewertung: Gut!

 

BODY SNATCHERS (USA 1993, Regie: Abel Ferrara)

body snatchers

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Wie schon im Text zu THE INVASION angekündigt, schaue ich mir die “The Body Snatchers“-Verfilmungen in umgekehrter Reihenfolge an. Ich verspreche mir davon eine Steigerung von Film zu Film und natürlich ist es auch interessant zu sehen, wie die einzelnen Verfilmungen das Thema variieren. Gab es in THE INVASION zumindest noch die Chance gegen die Außerirdischen immun zu sein und Hoffnung auf ein Gegenmittel, welches den Übernahmeprozess durch die außerirdische Lebensform wieder rückgängig machen konnte, gibt es in Ferraras BODY SNATCHERS aus dem Jahr 1993 keinerlei Hoffnung. Einmal in der Gewalt der Außerirdischen, wird dem Wirtskörper sämtliche Lebensenergie entzogen bis nur noch ein paar Überreste übrig bleiben; parallel wird in ein perfekter, außerirdischer Klon des Wirtskörpers geboren, der fortan dessen Stellung einnimmt. Heilung gibt es hier nicht.

Ferraras Film ist deutlich kleiner als der 14 Jahre später in die Kinos gekommene THE INVASION, die Handlung spielt auf einer Militärbasis, von der aus die Außerirdischen im ganzen Land verteilt werden sollen und der Handlungsort ist im Gegensatz zu THE INVASION somit sehr eingeschränkt. Auch auf echte Starpower muss man als Zuschauer verzichten, am prominentesten dürfte wohl Forest Whitaker in einer Nebenrolle sein, der damals erst ein Jahr vor diesem Film mit seiner Hauptrolle in THE CRYING GAME einem größeren Publikum bekannt wurde. Aber diese Bescheidenheit, der Verzicht auf echte Stars, die Beschränkung der Handlung auf einen abgeschlossenen Raum, steht BODY SNATCHERS richtig gut zu Gesicht. Ferraras Film strahlt diese wunderbare B-Movie-Atmosphäre aus, ist spannend und rasant inszeniert und geizt auch nicht mit Schauwerten. Genrefans dürften definitiv ihren Spaß mit diesem Film haben.

Bewertung: Gut!

 

THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES (Neuseeland/USA 2014, Regie: Peter Jackson)

the hobbit - the battle of the five armies_1

the hobbit - the battle of the five armies_2

(Fassung: Blu-ray 3D Extended Cut, Warner, Deutschland)

 Jacksons letzter Ausflug nach Mittelerde endet in einem bombastischen Schlachtengemälde, welches aus rein technischer Sicht absolut begeisternd geraten ist. Der wuchtige Sound drückt einen regelrecht in die heimische Couch, die visuelle Kraft der Bilder ist überragend und die 3D-Effekte gehören wohl mit zu den besten, die ich je in einem Film gesehen habe. Wenn man sich selbst dabei ertappt, wie man sich auf der Couch vor heranfliegenden Pfeilen duckt, können die Macher nicht wirklich viel falsch gemacht haben. Würde man THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES rein aus technischer Sicht beurteilen, man müsste ihn wohl tatsächlich als Meisterwerk bezeichnen.

Leider (bzw. zum Glück) ist die technische Seite jedoch nicht alles und in all diesen anderen Kleinigkeiten, die einen Film halt auch noch irgendwie ausmachen (z.B. Handlung und Figurenzeichnung) offenbart der Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie ähnliche Schwächen wie die beiden Vorgänger und ist – da die eh schon viel zu dünne Buchvorlage für diesen letzten Film nun wirklich gar nichts mehr hergibt und die knapp 3-stündige Handlung sich somit praktisch ausschließlich mit der finalen Schlacht beschäftigt, was irgendwann doch etwas ermüdend wirkt – sogar von allen drei Filmen, die natürlich trotz aller offensichtlichen Schwächen meilenweit davon entfernt sind, auch nur ansatzweise als schlecht bezeichnet zu werden, tatsächlich sogar der schwächste Film geworden. Irgendwie ist es schade, dass es Jackson mit der THE HOBBIT-Trilogie nicht gelungen ist, einen ähnlichen Zauber zu entfachen wie mit seinen grandiosen THE LORD OF THE RINGS-Filmen. Da ist die eher überschaubare Handlung der Vorlage gar nicht mal so entscheidend, den THE HOBBIT-Filmen fehlt es einfach an echten Typen wie es sie in der THE LORD OF THE RINGS-Trilogie einfach zuhauf gab. Ohne echte Charakterköpfe wie es Aragorn oder Gimli gewesen sind, fehlt es einfach an Identifikationsfiguren und als Zuschauer lässt man sich zwar von der visuellen Kraft des Films begeistern, emotional gepackt wird man dadurch aber eher nicht. Es ist bezeichnend, dass die mit Abstand beste und magischste Szene des Films diese kurze Sequenz ganz am Ende ist, in der plötzlich wieder Ian Holm in der Rolle des nun gealterten Bilbo in seinem Zuhause zu sehen ist und Jackson zum Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie seinen Film exakt so enden lässt wie das Abenteuer in THE LORD OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING einst begann. Zumindest da, wenn auch nur kurz: Gänsehaut!

Bewertung: Gut!

 

YOU BETTER WATCH OUT (USA 1980, Regie: Lewis Jackson)

you better watch out

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

 So ganz ohne Filme mit Weihnachtsbezug geht’s in der Adventszeit ja dann auch nicht. Da mir gerade aber nicht der Sinn nach dem ganzen Besinnlichkeitsoverkill ist, hab ich mich für einen Weihnachtsfilm der etwas anderen Art entschieden.

YOU BETTER WATCH OUT handelt von Harry Stadling (Brandon Maggart), der einst als kleines Kind auf eher drastische Art und Weise erfahren musste, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt und von diesem Erlebnis auch über 30 Jahre später noch zutiefst traumatisiert ist. Das ganze Jahr über beobachtet Harry die Kinder in der Nachbarschaft, führt genau Buch darüber, wer von ihnen brav gewesen ist und wer nicht, und entscheidet für sich selbst, wer es letztendlich verdient hat, zu Weihnachten Geschenke zu erhalten. Als Weihnachtsmann verkleidet streift er in der Vorweihnachtszeit durch die Straßen, versucht die lieben Kinder mit Geschenken zu bedenken und legt dabei ein immer psychotischeres Verhalten an den Tag. Bis es am Weihnachtsabend schließlich zur Katastrophe kommt…

Regisseur Lewis Jackson hat mit YOU BETTER WATCH OUT eine Mischung aus Psychostudie und Horrorfilm gedreht. Sonderlich spannend geraten ist YOU BETTER WATCH OUT zwar nicht, dafür überzeugt Jacksons Film mit einem Hauptdarsteller, der diese Rolle des immer mehr dem Wahnsinn verfallenden Psychopathen aber mal richtig glaubwürdig interpretiert. Da gibt es schon einige Sequenzen, bei denen man als Zuschauer einfach nur noch dasitzt und mit offenem Mund auf den Fernseher starrt, sei es weil sie einfach nur absurd komisch (der klägliche Versuch, in ein Haus über den Schornstein einzusteigen) oder halt praktisch aus dem Nichts vollkommen “over the top“ (die Sequenz vor der Kirche, der wütende Mob mit den Fackeln) geraten sind.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DON’T OPEN TILL CHRISTMAS (Großbritannien 1984, Regie: Edmund Purdom)

don't open till christmas

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Vom tötenden Weihnachtsmann in YOU BETTER WATCH OUT hin zu getöteten Weihnachtsmännern in DON’T OPEN TILL CHRISTMAS, in dem ein irrer Killer in der Vorweihnachtszeit in London Jagd auf Weihnachtsmänner macht, diese auf verschiedenste Art und Weise ins Jenseits befördert und die ermittelnden Polizisten so vor eine schwierige Aufgabe stellt. Für Edmund Purdom, der in unzähligen – meist in Italien produzierten – Genrefilmen aus den 60er, 70er und 80er Jahren vor der Kamera stand und auch hier die Rolle des ermittelnden Inspektors übernommen hat, sollte DON’T OPEN TILL CHRISTMAS leider der einzige Ausflug ins Regiefach bleiben, was sehr schade ist, denn Purdoms Weihnachtsslasher ist rasant inszeniert, über weite Strecken durchaus spannend geraten, hat – für einen Slasher das sprichwörtliche A und O – eine ganze Reihe an “creative kills“ zu bieten und überschreitet genüsslich diverse Grenzen des guten Geschmacks. Sicher kein Film, den man sich am Heiligabend gemeinsam mit der Schwiegermutter ansehen sollte.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DIE KATZE (Deutschland 1988, Regie: Dominik Graf)

die katze

(Fassung: DVD, FAZ/EuroVideo, Deutschland)

Komplett gegen sein heißblütiges Schimanski-Image besetzt, brilliert Götz George in Grafs DIE KATZE als eiskalter und unterkühlter Gangster im feinen Zwirn, der aus einem Hotelzimmer heraus einen Bankraub samt Geiselnahme organisiert, den seine beiden Komplizen Heinz Hoenig und Ralf Richter ausführen.

DIE KATZE ist reinstes Genrekino, ungemein packend inszeniert, großartig besetzt und spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Mit zunehmender Laufzeit wird das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gangstern und der Polizei immer intensiver, wird der Plot, den Regisseur Dominik Graf erzählt, immer wendungsreicher, überraschender und spannender.

Schaut man sich DIE KATZE heute an, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, was in den letzten 25 Jahren eigentlich falsch gelaufen ist in der deutschen Filmproduktion, warum Filme wie dieser heutzutage praktisch nicht mehr gedreht werden. Es kann doch nicht sein, dass es für Filme wie DIE KATZE kein Publikum mehr geben soll. Das hier ist überlebensgroßes Kino, ein in allen Bereichen nahezu perfekter Film, der sauspannende und eingängige Unterhaltung bietet und schlicht grandios gespielt ist. Ich fasse es einfach nicht, dass das Publikum Filme dieser Art offensichtlich nicht mehr sehen will. Viel Spaß bei “Kokowääh 15“ und “Siebenohrelefanten“…

Bewertung: Meisterwerk!

Jahresendspurt – 1. Teil

THE GAMBLER (USA 2014, Regie: Rupert Wyatt)

the gambler

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mark Wahlberg ist Jim Bennett, ein spielsüchtiger Literaturprofessor, der aufgrund seines zwanghaften Verhaltens bei ausgesprochen zwielichtigen Gestalten mittlerweile einen beachtlichen Berg an Schulden angehäuft hat. Nun bleiben ihm sieben Tage, um die Beträge zurückzuzahlen…

Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum von THE GAMBLER des tschechischen Regisseurs Karel Reisz drehte Rupert Wyatt dieses gleichnamige Remake. Damals war James Caan in der Rolle eines süchtigen Literaturprofessors zu sehen, der sich im Lauf des Films aufgrund logisch eigentlich nicht nachvollziehbarer, emotional aber dennoch irgendwie verständlicher Handlungen immer tiefer in die sprichwörtliche Scheiße katapultierte. Diesen Part hat im Remake nun Mark Wahlberg übernommen und ähnlich wie Caan im Original gelingt es auch ihm, beim Zuschauer – trotz seines schwer gutzuheißenden Verhaltens – Sympathie und Empathie für seine Figur zu wecken. Die Namen der Hauptpersonen mögen verschieden sein – Caans Charakter im Original hieß einst Axel Freed – ihre Charaktere sind letztendlich identisch. Regisseur Rupert Wyatt orientiert sich in seiner Fassung insbesondere in der Art der Inszenierung sehr eng am Film von Reisz. THE GAMBLER ist ausgesprochen ruhig und unaufgeregt inszeniert, fließt wie ein ruhiger Fluss am Zuschauer vorbei und lädt diesen ein, sich – bildlich gesprochen – in ihn hineinzulegen und einfach treiben zu lassen. Soundtrack und Score tun – auch das ist eine Parallele zum Original – ihr übriges, um diese ganz eigene Atmosphäre zu kreieren, die den Zuschauer einfach nicht mehr loslassen will.

Aber THE GAMBLER 2014 ist nicht nur eine Eins-zu-eins-Kopie von THE GAMBLER 1974. Wyatt hat sich auf Handlungsebene durchaus Freiheiten herausgenommen und an Stellschrauben gedreht, ohne jedoch entscheidende Eckpunkt innerhalb der Handlung über den Haufen zu werfen. Was dem Remake fehlt, ist der raue, ungeschliffene Charakter des Originals, welches natürlich auch viel vom Zeit- und Lokalkolorit des New York der 70er Jahre profitierte. Das Remake kommt weitaus glattgebügelter, passt mit seiner Art aber auch irgendwie verdammt gut in die heutige Zeit. In meinen Augen hätte man Reisz’ Film wohl nicht viel besser ins neue Jahrtausend transportieren können als mit dieser Version hier.

Bewertung: Sehr gut!

 

THE INVASION (Australien/USA 2007, Regie: Oliver Hirschbiegel/James McTeigue)

the invasion

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

THE INVASION ist die bisher letzte von insgesamt vier Verfilmungen des Romans „The Body Snatchers“ von Jack Finney und markiert gleichzeitig das Hollywood-Debüt des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel, dessen ursprüngliche Version jedoch nie in die Kinos kam. Die produzierenden Warner Studios waren von Hirschbiegels Film nicht gerade begeistert, ließen die Wachowski-Brüder das Drehbuch umschreiben und verpflichteten V FOR VENDETTA-Regisseur James McTeigue für die Regie der neuen Szenen.

Ich hab die ersten drei Verfilmungen ehrlich gesagt nicht mehr wirklich im Gedächtnis. Die Sichtung ist einfach zu lange her. Dass es sich jedoch insbesondere bei den ersten beiden Filmen von Don Siegel aus dem Jahr 1956 und Philip Kaufman aus dem Jahr 1978 um unumstrittene Klassiker des Science-Fiction- und Horror-Genres handelt, dürfte wohl niemand ernsthaft anzweifeln. So ist es – insbesondere bei der Produktionsgeschichte – auch nicht sonderlich verwunderlich, dass THE INVASION qualitativ nicht wirklich das Zeug zum Klassiker hat. Was Hirschbiegel/McTeigue hier letztendlich abgeliefert haben, ist grundsolide Genreware, kurzweilig, spannend und in ein paar wenigen Szenen sogar durchaus beunruhigend und gruselig. Insgesamt betrachtet war THE INVASION sogar besser als ich erwartet hatte, was wohl auch damit zusammenhängen mag, dass ich nicht durch kurz vorher erfolgte Sichtungen der vorangegangenen Filme in meinem Urteil zu diesem Film beeinflusst wurde. Diese Sichtungen folgen nun nach und nach in der nächsten Szene. Ich werde mich in umgekehrter Reihenfolge bis zu Siegels Film aus dem Jahr 1956 vorarbeiten. Als nächstes steht somit Ferraras BODY SNATCHERS aus dem Jahr 1993 auf dem Programm.

Bewertung: Gut!

 

SKATEBOARD (USA 1978, Regie: George Gage)

skateboard

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Um irgendwie an Geld zu kommen und somit endliche seine Schulden bezahlen zu können, stellt der glücklose Hollywood-Agent Manny Bloom (Allen Garfield) ein Team von talentierten Skateboardern zusammen und tourt mit diesen durch Kalifornien. Bei Showveranstaltungen winken Beteiligungen an Eintrittsgeldern, bei Wettbewerben gar stattliche Preisgelder…

SKATEBOARD ist ein Relikt aus längst vergangenen Tagen, die damals vielleicht noch spektakulär anmutenden Skate-Sequenzen, welche die Massen begeistern sollten, wirken aus heutiger Sicht dann doch eher ernüchternd und trostlos und man reibt sich während der Sichtung des Films mehrmals verwundert die Augen und kann gar nicht glauben, dass es einst Menschen gegeben hat, die bereit waren, einen Film wie diesen tatsächlich zu finanzieren. Aber so war das in den 70er Jahren, einer Zeit, in der in der Filmindustrie scheinbar alles möglich war, sogar, dass ein Film wie SKATEBOARD von einem namhaften Studio wie Universal Pictures vertrieben wurde. So ist Gages Mischung aus Sportkomödie und Sportdrama, welches mit so ziemlich allen Rollen- und Handlungsklischees aufwartet, die man so befürchten könnte, aus heutiger Sicht in erster Linie ein interessantes Zeitzeugnis und durchaus dazu geeignet beim geneigten Zuschauer nostalgische Gefühle zu erzeugen. Diese Zeit des “Anything Goes“-Kinos ist leider längst vorbei.

Bewertung: Nett!

 

TATORT: DUISBURG-RUHRORT (Deutschland 1981, Regie: Hajo Gies)

tatort - duisburg-ruhrort_1

tatort - duisburg-ruhrort_2

(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

Vielleicht ist der im letzten Monat gesehene REIFEZEUGNIS ja tatsächlich der bekannteste Film innerhalb der TATORT-Reihe, der bekannteste Kommissar der Reihe ist mit Sicherheit der von Götz George verkörperte Horst Schimanski, der es innerhalb von 27 Filmen innerhalb der Reihe, 2 Kinoauftritten und einer eigenen Spin-Off-TV-Filmreihe, die mittlerweile auch schon 17 Filme umfasst, zu einem der absoluten Kultkommissare des deutschen Krimis geschafft hat.

DUISBURG-RUHRORT aus dem Jahr 1981 markiert den Beginn dieser Erfolgsstory. Schimanski und sein kongenialer Partner Thanner (Eberhard Feik) müssen hier den Mord an einem Mann aufklären, der erstochen im Duisburger Hafen gefunden wurde. Der Mordfall selbst und die Ermittlungen dazu sind in diesem ersten Auftritt von George allerdings nur Beiwerk. In DUISBURG-RUHRORT geht es vielmehr darum, die Charaktere einzuführen und den Zuschauer darauf vorzubereiten, was er in Zukunft von den Ermittlern aus Duisburg zu erwarten hat. So lernen wir Götz George als etwas raue und hochemotionale Rampensau kennen, die Gesetze gerne auch etwas beugt, um zum Ziel zu kommen, wir erleben Eberhard Feik als überkorrekten Partner, der den heißblütigen Schimanski immer wieder einfangen und vor Dummheiten bewahren muss und wir machen Bekanntschaft mit Ulrich Matschoss als väterlichen Vorgesetzten, der auch in Zukunft immer wieder alle Hände voll zu tun haben wird, um Schimanski in den Griff zu kriegen, bei seinem Ziehsohn jedoch auch mal Neune gerade sein lässt. Von den späteren Hauptfiguren fehlt im Auftaktfilm lediglich Chiem van Houweninge, der in der Rolle von Hänschen erst im dritten TATORT aus Duisburg zum Team stoßen wird.

Dass der sowieso nicht gerade spannende und mitreißende Fall, den es hier zu lösen gibt, innerhalb der ganzen Figureneinführung etwas in den Hintergrund gerät, ist nicht weiter tragisch. DUISBURG-RUHRORT ist ein guter und vielversprechender Auftaktfilm der George-Krimis und macht definitiv Lust auf mehr.

Zum Abschluss meines kleinen Textes möchte ich noch auf den durchaus interessanten Look des Films eingehen. Hajo Gies hat da nämlich alles andere als einen Werbefilm für die Stadt Duisburg gedreht und dieser extrem düstere und dreckige Look hat mich für eine TV-Produktion schon etwas verwundert zurückgelassen. DUISBURG-RUHRORT ist in dunklen, grauen und tristen Farbtönen gehalten und die teils katastrophale Qualität des alten TV-Masters, das hier ganz offensichtlich ohne jegliche Bearbeitung einfach auf DVD gepresst wurde, verstärkt diesen trostlosen Eindruck, den man aufgrund der gezeigten Bilder von Duisburg haben könnte, sogar noch. Ich bin schon sehr gespannt, in welchem Licht die Stadt in den kommenden Filmen zu sehen sein wird.

Bewertung: Gut!

 

THE SHIELD: SEASON 5 (USA 2006, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

 Nach drei wirklich hervorragenden Staffeln stellte die vierte Season von THE SHIELD ja doch so etwas wie einen Bruch dar und konnte bei weitem nicht an die extrem hohe Qualität der Vorgängerstaffeln anknüpfen. Mit Staffel Nummer 5 geht es qualitativ glücklicherweise wieder deutlich nach oben.

Das Strike Team rund um den von Michael Chiklis wieder einfach nur grandios gespielten Detective Vic Mackey gerät hier nun endgültig ins Visier der Abteilung für innere Angelegenheiten und bekommt mit dem mehr als ehrgeizigen Ermittler Kavanaugh (Forest Whitaker) einen Gegenspieler, der sich im Lauf der Staffel zur echten Gefahr für Mackey und seine Leute entwickelt.

Die fünfte Staffel zeichnet sich aus durch ein von Episode zu Episode immer intensiver und spannender werdendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mackey und Kavanaugh, welches sich vor dem ganz normalen Wahnsinn des alltäglichen Verbrechens abspielt, welches Mackey und seine Leute so nebenbei dann ja doch auch zu bekämpfen haben. Langweilig wird es in dieser fünften Staffel, die übrigens mit einem echten Knaller endet, also nicht und da inmitten der Auseinandersetzung zwischen Mackey und Kavanaugh auch immer noch genug Raum für die vielen übrigen Charaktere ist, die man nun schon über 5 Staffeln hinweg begleitet hat, ist auch für reichlich Abwechslung gesorgt und es besteht tatsächlich keinerlei Gefahr, dass THE SHIELD im Lauf der insgesamt 11 Episoden irgendwann mal eintönig werden könnte.

Bewertung: Sehr gut!

 

THE TWO FACES OF JANUARY (Frankreich/Großbritannien/USA 2014, Regie: Hossein Amini)

the two faces of january

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

THE TWO FACES OF JANUARY sieht richtig, richtig gut aus, ist mit einer ganz vorzüglichen Kameraarbeit von Marcel Zyskind gesegnet, versetzt den Zuschauer mit seinen teils wunderschönen Locations und Settings in eine träumerische Urlaubsatmosphäre und vermischt diese mit seinem über weite Strecken federleicht inszenierten Krimiplot, der zusätzlich mit der einen oder anderen Wendung ausgestattet ist, mit einem Hauch von Mystery. Was an der Oberfläche richtig gut aussieht und sich eigentlich auch ganz gut anfühlt, verliert seine Magie jedoch sehr schnell, wenn man etwas genauer hinsieht. Das eine große Problem von THE TWO FACES OF JANUARY ist, dass es dem Film einfach an Spannung fehlt, über weite Strecken plätschert Aminis Film nur so vor sich hin und Amini schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, den Zuschauer wirklich in seinen Bann zu ziehen. Das zweite große Problem sind die drei Hauptfiguren, die allesamt mehr als blass bleiben, einem als Zuschauer schlicht egal sind und zu denen man nur sehr schwer eine Bindung aufbauen kann. So bleibt am Ende des Tages ein zwar ausgesprochen nett anzusehender, irgendwie aber auch komplett belangloser Film übrig, der bei mir als Zuschauer wahrscheinlich schon innerhalb kürzester Zeit wieder in Vergessenheit geraten dürfte.

Bewertung: Nett!

 

TIN CUP (USA 1996, Regie: Ron Shelton)

tin cup

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In TIN CUP versucht der abgehalfterte Ex-Golf-Profi Roy McAvoy (Kevin Costner) die Qualifikation für die U.S. Open zu schaffen um dort seinen alten Rivalen David Simms (Don Johnson) zu besiegen und diesem ganz nebenbei auch noch die Freundin (Rene Russo) auszuspannen…

Puh, auch so ein Film nahe an der Belanglosigkeit. Regisseur Ron Shelton verwurstet unzählige Klischees des Sportfilms und der romantischen Komödie in seine knapp über 2-stündige Laufzeit und hätte er die Qualität seines Films nicht mit dem Mitwirken von Kevin Costner, Don Johnson, Rene Russo, Cheech Marin und diversen anderen, bekannten Gesichtern nicht halbwegs gesichert, TIN CUP wäre wohl fast nicht zu ertragen. Zumindest erspart uns Shelton die Peinlichkeit, seinen Helden auch noch das wichtigste Golfturnier des Jahres gewinnen zu lassen, aber natürlich verabschiedet er sich mit einer Aktion für die Ewigkeit und natürlich bekommt er am Ende die Frau. Bis es soweit ist, plätschert TIN CUP gemächlich vor sich hin, bietet ein paar hübsche Gags und versetzt den Zuschauer in einen Zustand, in dem man sich einfach nur noch harmlos berieseln lassen will. Jetzt, im Dezember, wenn es im Büro immer stressiger wird, ist ein Film wie TIN CUP vielleicht sogar das optimale Mittel zum Abschalten und Entspannen.

Bewertung: Nett!

 

A CHRISTMAS STORY (Kanada/USA 1983, Regie: Bob Clark)

a christmas story

(Fassung: Blu-ray, Warner, USA)

 Vor A CHRISTMAS STORY hat Regisseur Bob Clark u.a. den komplett verrückten Gender-Exploiter SHE-MAN: A STORY OF FIXATION, den Weihnachts-Slasher BLACK CHRISTMAS und die Kult-Teenie-Komödie PORKY’S samt deren Fortsetzung PORKY’S II: THE NEXT DAY gedreht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf scheint es offentlich zu sein, dass A CHRISTMAS STORY einfach kein typischer Familien-Weihnachtsfilm sein kann. Denn auch wenn der Grundton von A CHRISTMAS STORY durchaus als friedlich, versöhnlich und positiv bezeichnet werden kann, gewisse subversive Elemente (ganz deutlich zu sehen bspw. in der Sequenz mit dem Weihnachtsmann im Kaufhaus) hat Clark seinem Film dann doch verpasst.

A CHRISTMAS STORY spielt in den 40er Jahren und dreht sich um den kleinen Ralphie (Peter Billingsley), der sich zu Weihnachten nichts sehnlicher wünscht als ein Luftgewehr mit 200 Metern Reichweite, und seine Bemühungen, dieses Geschenk irgendwie zu bekommen. Doch die Chancen stehen denkbar schlecht, denn von jedem, den er mit seinem Herzenswunsch konfrontiert, bekommt er die immer gleiche Antwort, ein schlichtes “You’ll shoot your eye out.“.

Clark lässt diese Geschichte vom erwachsenen Ralphie Parker (Jean Shepherd, der auch die Romanvorlage zum Film lieferte) aus dem Off erzählen und entführt den Zuschauer mit dessen Hilfe in eine ebenso liebenswerte wie skurrile Welt. A CHRISTMAS STORY ist regelrecht vollgestopft mit teils slapstickhaftem, teils staubtrockenem und teils rabenschwarzem Humor und die herrlichen Off-Kommentare, die vom mittlerweile erwachsenen Ralphie zu seinem damaligen Dilemma zu hören sind, funktionieren als perfekte Ergänzung zu den Ereignissen, die man auf dem Bildschirm zu sehen bekommt. Für mich als Zuschauer hat A CHRISTMAS STORY, auch wenn ich erst jetzt zum ersten Mal gesehen habe, schon allein aufgrund der Tatsache funktioniert, dass er einen in gewisser Weise in die eigene Kindheit zurückversetzt. Jeder dürfte als Kind in den Wochen vor Weihnachten verzweifelt gehofft und gebangt haben, ob nicht vielleicht doch dieses eine bestimmte Geschenk unterm Weihnachtsbaum liegen könnte und so funktioniert der kleine Ralphie natürlich ganz vorzüglich als liebenswerte Identifikationsfigur, der man – obwohl man natürlich genau weiß, dass sein Herzenswunsch kein geeignetes Geschenk für ihn darstellt – einfach wünscht, dieses verflixte Luftgewehr zu Weihnachten zu bekommen.

Bewertung: Gut!