The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

Mad Max: Fury Road / Non-Stop / Entourage: Season 8 / A Free Soul / Wall Street: Money Never Sleeps / Miami Vice: Season 5 / Verbrechen nach Schulschluss / Begin Again / Haywire

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 3

Der letzte Sammeleintrag zu den in Mai gesehenen Filmen und TV-Serien:

MAD MAX: FURY ROAD (Australien/USA 2015, Regie: George Miller)

mad max fury road

(Fassung: Originalversion, 2D, Central Kino, Hof)

Ich gehe, weil ich mir schon seit Jahren Filme ausschließlich im Originalton anschaue, in Deutschland praktisch nicht mehr ins Kino. Wenn dann sogar hier im beschaulichen Hof alle heilige Zeiten mal ein Film im Originalton gezeigt wird und man das große Glück hat, dass es sich dabei auch noch um MAD MAX: FURY ROAD handelt, muss man das natürlich ausnützen. Zwar nur in 2D und auf einer der kleineren Leinwände, aber immerhin.
Nach knapp 30 Jahren schickt Regisseur George Miller seine Titelfigur, die hier von Tom Hardy gespielt wird, wieder auf eine irrsinnige Reise durch die postapokalyptische Welt. Wobei die Hauptfigur hier nicht komplett im Zentrum des Geschehens steht, es geht in erster Linie um die von Charlize Theron gespielte Furiosa, welche die fünf Frauen eines grausamen Warlords (Hugh Keays-Byrne) befreit hat und sich nun auf der Flucht ins gelobte Land befindet, den Warlord und unzählige seiner Schergen im Schlepptau. Max selbst gerät eher zufällig in dieses ganze Schlamassel, hilft aber natürlich, am Ende doch den Tag zu retten.
Das relativ simple Jagd/Flucht-Szenario inszeniert George Miller in einer Art und Weise, als ob es kein Morgen mehr gäbe. MAD MAX: FURY ROAD ist schlichtweg atemberaubend, drückt einen regelrecht in den Kinosessel und lässt einen die Augen überlaufen. Was Miller hier in einer perfekten Mischung aus handgemachten und computergenerierten Effekten auf die Leinwand gezaubert hat, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Mich persönlich hat MAD MAX: FURY ROAD komplett überrollt und platt gewalzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren einen visuell so ausgereiften und beeindruckenden Blockbuster gesehen zu haben wie diesen hier. Allein diese Sandsturmsequenz – der pure Wahnsinn. Ich kann meine Begeisterung nur schwer in Worte fassen und möchte einfach nur jedem, der ein Faible für Actionfilme hat, anraten, sich diesen Film im Kino anzusehen. Es ist der Hammer, der pure Wahnsinn.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk /potentieller Lieblingsfilm!

NON-STOP (Frankreich/Großbritannien/USA 2014, Regie: Jaume Collet-Serra)

non-stop

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Liam Neeson hat sich ja in den letzten Jahren zu einem echten Actionhelden auf der Leinwand entwickelt. In NON-STOP spielt er einen Air Marshall, der während eines Langstreckenfluges von einem Unbekannten erpresst wird. Dieser fordert die stolze Summe von $ 150 Mio. und droht damit, alle 20 Minuten ein Menschenleben innerhalb des Flugzeugs zu opfern, wenn das Geld nicht überwiesen wird…
Man muss sich schon vollkommen auf den teils obskur konstruierten Plotverlauf einlassen können, um mit NON-STOP seinen Spaß zu haben. Teilweise ist das, was Regisseur Jaume Collet-Serra seinen Zuschauern bietet, doch etwas arg abenteuerlich ausgefallen. Und auch über die extrem klischeehaft gezeichneten Charaktere sollte man wohlwollend hinwegsehen können. Gelingt dies, kann man sich von NON-STOP ziemlich gut unterhalten lassen. Der Film ist, so klischeehaft und konstruiert er auch sein und wirken mag, über weite Strecken tatsächlich verdammt spannend ausgefallen und vergeht – dem Thema des Films angemessen – sprichwörtlich “wie im Flug“.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ENTOURAGE: SEASON 8 (USA 2011, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

In der achten und letzten Staffel von ENTOURAGE richtet sich der Fokus mehr und mehr auf die titelgebende Gefolgschaft von Vincent Chase (Adrian Grenier), von denen sich letztendlich jeder ein eigenes Standbein aufbauen kann. Und es geht um den von Jeremy Piven gespielten Ari Gold, der sich praktisch am Abgrund befindet und alles versucht, um seine Ehe zu retten…
Serienschöpfer Doug Ellin bringt ENTOURAGE in leider nur acht Episoden, die mal wieder wie im Flug vergangen sind, zu einem ausgesprochen schönen Ende. Als Zuschauer kann man sich insbesondere von dieser letzten Staffel ganz wunderbar treiben lassen und hat diese acht Folgen auch Zeit, sich auf den Abschied von die liebgewonnen Charakteren und ihren ganzen Macken, Schwächen und Stärken vorzubereiten. Es ist nur konsequent, dass die letzte Szene der Serie – nach dem Abspann – Jeremy Piven und seinem Ari Gold gehört. Er war der heimliche Star von ENTOURAGE, ich bin mir nicht sicher, ob die Serie ohne ihn auch so extrem gut funktioniert hätte.
Was Doug Ellin, seine Crew und seine Schauspieler mit ENTOURAGE erschaffen haben war definitiv überlebensgroßes Fernsehen. Eine der besten Serien, die ich persönlich je gesehen habe. Umso schöner, dass in Kürze der Kinofilm zur Serie anlaufen wird. So war diese letzte Episode glücklicherweise kein Abschied für immer.

A FREE SOUL (USA 1931, Regie: Clarence Brown)

a free soul

(Fassung: DVD, Warner, USA)

In A FREE SOUL geht es um Jan Ashe (Norma Shearer), eine junge und selbstbewusste Frau, die sich von niemandem etwas vorschreiben lassen will. Durch ihren Vater (Lionel Barrymore), einen alkoholkranken Anwalt, lernt sie den Gangster Ace Wilfong (Clark Gable) kennen – es entwickelt sich eine Liaison, die letztendlich in einer Katastrophe endet…
Mal wieder ein Film aus der Ära vor dem Production-Code, der Filmemacher in den USA wenige Jahre später in ihren Möglichkeiten stark beschränken sollte. Wie so viele andere Beispiele aus dieser Zeit überzeugt A FREE SOUL vor allem durch die erfreulich moderne und emanzipierte Zeichnung der weiblichen Hauptrolle. Die von Norma Shearer einfach nur famos gespielte Jan Ashe weiß genau, was sie will und ist nicht bereit, großartige Kompromisse einzugehen. Das müssen sowohl ihr Vater und ihr Freund (Leslie Howard), dessen Heiratsantrag sie ausschlägt, als auch der Gangster Ace, der glaubt, hier eine gehorsame Gespielin erobert zu haben, auf teils drastische Art und Weise erkennen.
Die für einen solchen Film relativ üppige Laufzeit von knapp über 90 Minuten (normalerweise wurde Geschichten dieser Art Anfang der 30er Jahre in maximal 75-80 Minuten erzählt) vergeht wie im Flug und es ist mir persönlich immer wieder eine Freude, mir Produktionen aus dieser Zeit anzusehen und mich von ihrer Frische, ihrem Mut und ihrem Tempo einnehmen zu lassen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS (USA 2010, Regie: Oliver Stone)

wall street money never sleeps

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

23 Jahre nach WALL STREET hat Regisseur Oliver Stone – wohl auch als Reaktion auf die Entwicklungen innerhalb der Finanzmärkte in den Jahren zuvor – diese Fortsetzung gedreht, in der Shia LaBeouf den jungen Investmentbanker Jake Moore spielt, der mit der Tochter (Carey Mulligan) von dem mittlerweile wieder aus dem Gefängnis entlassenen Gordon Gecko (Michael Douglas) liiert ist und der Geckos Manipulationskünsten zum Opfer fällt, da dieser hofft, über Moore wieder Kontakt zu seiner Tochter bekommen zu können.
WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS sieht toll aus, ist großartig besetzt und überzeugend gespielt – Michael Douglas ist erneut über jeden Zweifel erhaben, Eli Wallach ist in seiner letzten Rolle zu sehen, Josh Brolin gibt einen herrlich schmierigen Fiesling und dem Gastauftritt von Charlie Sheen als Bud Fox kann man ein gewisses Gänsehautpotential sicher auch nicht absprechen -, so wirklich gepackt hat mich diese Fortsetzung allerdings nicht. WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS fehlt einfach der Biss des Vorgängers, die Faszination, die dieser auf mich als Zuschauer ausgeübt hat, ist hier nur in ganz wenigen Momenten vorhanden. Ein schlechter Film ist diese Fortsetzung natürlich trotzdem, aber halt auch kein wirklich guter.

Persönliche Bewertung: Ok!

MIAMI VICE: SEASON 5 (USA 1988-1989; Idee: Anthony Yerkovich)

miami vice

(Fassung: DVD, Universal, USA)

Die letzten 21 Episoden der Kultserie aus den 80er Jahren. Und ja, wenn diese allerletzte, spielfilmlange Episode der Serie langsam auf ihr Ende zusteuert und kurz vor und auch während des Abspanns diverse Szenen zurückliegender Episoden und Staffeln eingeblendet werden, macht sich schon so etwas wie Wehmut breit und man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es nun keine neuen Fälle vor Crockett und Tubbs mehr zu bearbeiten geben soll. Aber diese Wehmut darf – nüchtern betrachtet – natürlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende von MIAMI VICE zwingend erforderlich gewesen ist, um die Serie positiv im Gedächtnis behalten zu können. In dieser fünften Staffel, das merkt man überdeutlich, ist die Luft einfach raus. Es gibt zwar keine qualitativen Ausreißer mehr nach unten (wie in der Staffel zuvor), die einzelnen Folgen sind aber bestenfalls als solide und gut zu bezeichnen, auf echte Highlights wartet man vergebens und die Tatsache, dass in sehr vielen Episoden einzelne Hauptpersonen überhaupt nicht oder nur kurz auftauchen – vor allem Don Johnson macht sich verdammt rar in dieser Staffel – hat sich auch nicht unbedingt positiv auf das Seherlebnis ausgewirkt. Und dann ist auch noch der Start in die Staffel – mit dem Auflösen des Cliffhangers aus Season Nr. 4 und der Amnesie von Crockett – komplett misslungen. Hanebüchener kann man einen Plot gar nicht entwickeln. Es ist etwas schade, dass MIAMI VICE in den letzten beiden Staffeln so extrem abgebaut hat. So bleiben die ersten drei Staffeln als ganz vorzüglich und großartig, die letzten beiden Staffeln als solide und durchwachsen und die komplette Serie in der Gesamtbetrachtung als sehr gut in Erinnerung.

VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (Deutschland 1959, Regie: Alfred Vohrer)

verbrechen nach schulschluss

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Mischung aus Juvenile-Delinquent-Drama und Kriminalfilm aus deutschen Landen. Regisseur Alfred Vohrer zeichnet ein lebhaftes Bild des jungen Rebellen Fabian König (Christian Wolff), der wegen einer Nichtigkeit von der Schule fliegt, anschließend eine kriminelle Jugendbande gründet und schließlich zwischen zwei Frauen gerät, was ihm zum Verhängnis werden soll. Ich hatte – insbesondere aufgrund des Erscheinungsjahres – erwartet, dass VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS in der Tradition der diversen “scare movies“ aus den USA stehen dürfte, Filme, die gesellschaftliche Missstände (insbesondere innerhalb jugendlicher Subkulturen) mit erhobenem Zeigefinger anprangern und pflegen, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Zwar gibt es auch in VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS die einfache Botschaft, dass sich Verbrechen am Ende doch nicht auszahlen, den erhobenen Zeigefinger lässt Vohrer jedoch weg. VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS wirkt rein gar nicht angestaubt oder altbacken, sondern ist vielmehr erstaunlich unbeschwert, spannend, wendungsreich und in gewisser Weise auch rasant inszeniert und bietet so herrlich kurzweilige Genreunterhaltung. Und diese (Party-)Szenen, die die Jugendlichen unter sich zeigen, sind so toll inszeniert, dass man sich am liebsten in den Film hineinbeamen möchte, nur, um sich in eine Ecke zu setzen und die diversen Protagonisten zu beobachten.

Persönliche Bewertung: Gut!

BEGIN AGAIN (USA 2013, Regie: John Carney)

begin again

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg seines Low-Budgets-Werks ONCE (den ich mir Anfang des Monats angesehen hatte) verschlug es den irischen Regisseur John Carney in die USA, wo er BEGIN AGAIN drehen durfte. Einen Film mit deutlich höherem Budget, zwei namhaften Hauptdarstellern (Keira Knightley und Mark Ruffalo) und New York als heimlichen Star.
Carney bleibt auch in BEGIN AGAIN dem Thema Musik treu. Der Film dreht sich um einen verzweifelten Musikagenten (Ruffalo), der auf der Suche nach einem neuen Star eher zufällig auf die Sängerin und Songwriterin Gretta (Knightley) trifft und versucht, dieser einen Plattenvertrag zu verschaffen. Doch sein Plattenlabel, bei dem er kurz vorher die Segel geschmissen hatte, hat kein Interesse an einer Verpflichtung und aus Geldmangel entsteht die aberwitzige Idee, eine Demo-CD nicht in einem Studio, sondern an verschiedenen Orten New Yorks aufzunehmen, mit dem Sound der Stadt im Hintergrund.
BEGIN AGAIN ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön bezeichnen kann. Die Chemie zwischen Ruffalo und Knightley stimmt, die Guerilla-Aufnahmesessions in den Straßen von New Yorks verursachen Gänsehaut und der bei einem Film wie diesen fast zwangsweise vorhandene Kitschfaktor wird dabei glücklicherweise relativ niedrig gehalten. Sehr schön auch zu sehen, dass der Plot – was die “Beziehung“ der beiden Hauptfiguren angeht – eben nicht diese typischen Verlauf nimmt. In 99 von 100 ähnlichen Filmen würden die Sängerin und der Produzent am Ende des Tages als Liebespaar in den Abspann entlassen werden und sich der ganze Film darauf konzentrieren, dass sich zwischen den beiden Protagonisten eine Liebesbeziehung entwickelt. Carney konzentriert sich stattdessen auf die Musik und legt BEGIN AGAIN als Liebeserklärung an die Alternative- & Indieszene an und hat ganz nebenbei noch einen der schönsten New-York-Filme der letzten Jahre gedreht. Der “deutsche“ Titel von BEGIN AGAIN stellt die Fragen “Can a Song Save Your Life?“ – nach Sichtung von BEGIN AGAIN darf man diese gerne mit Ja beantworten.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

HAYWIRE (Irland/USA 2011, Regie: Steven Soderbergh)

haywire

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

HAYWIRE oder: Action Goes Arthouse. Regisseur Steven Soderbergh, der nun wahrlich nicht als Spezialist in Sachen Actionkino bekannt ist, schnappt sich mit Gina Carano eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin für die Hauptrolle und lässt diese in einem typischen Racheplot mit Jagd/Flucht-Szenario auf Stars wie Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Channing Tatum, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz und Bill Paxton treffen (wobei jetzt nicht alle der vorgenannten Schauspieler im Filme auf der Seite der Bösen stehen). Seinen eigentlich relativ simplen Plot erzählt Soderbergh verschachtelt, in Rückblenden und teils atemberaubend schönen Bildern. Die Kampfchoreographien sind exzellent und die Kampf- und Actionszenen kommen immer wieder unerwartet aus dem Nichts und zeichnen sich nicht durch übertriebenen Schnickschnack sondern eher durch staubtrockene Härte aus. Von den zahlreichen Fights ist insbesondere der am Strand im letzten Drittel des Films hervorzuheben, der einfach nur wunderschön in Szene gesetzt ist.
HAYWIRE ist auf seine Art und Weise schon ziemlich toll, aber irgendwie wurde ich während der Sichtung das Gefühl nicht los, dass diesem Film doch irgendetwas fehlt. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber so richtig begeistert hat mich Soderberghs Ausflug ins Actiongenre dann doch nicht. Kann mir aber gut vorstellen, dass HAYWIRE das Potential hat, nach weiteren Sichtungen noch zu wachsen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Hansel & Gretel: Witch Hunters / Entourage: Season 4 / Once / Magic in the Moonlight / Public Enemies / Entourage: Season 5 / The Terminal / The Longest Yard / Entourage: Season 6

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 1

So, ich starte mit meinem ersten Sammelbeitrag kurzer Filmtexte. Ich werde immer zwischen 8 und 10 Texte in einem Beitrag zusammenfassen. Die Reihenfolge der Texte entspricht der Reihenfolge der Sichtungen. Here we go:

HANSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS (Deutschland/USA 2013, Regie: Tommy Wirkola)

hansel & gretel - witch hunters

(Fassung: Extended Cut, 2D-Version, Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Nach ihrem traumatischen Kindheitserlebnis im Hexenhaus ziehen die mittlerweile erwachsenen Geschwister Hansel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) mit dicken Wummen ausgestattet durch die Wälder und machen Jagd auf böse Hexen…
HANSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS ist natürlich komplett überzogener Blödsinn, erinnert an einen rein auf Krawall gebürsteten Comictrip, der sich ausschließlich über “Krawumm“-Sprechblasen definiert, und befeuert den Zuschauer logischerweise über die komplette Laufzeit mit irgendwelchen Effekten, Kämpfen und Actionsequenzen und – sehr zu meiner Freude – mit der einen oder anderen überraschend zeigefreudigen Splattereinlage. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass der ganze Unfug in gewissem Maße durchaus Spaß bereitet, aber selbst bei der relativ übersichtlichen Dauer von 90 Minuten (man muss ja noch dankbar sein, dass der Film nicht auf 2 Stunden und mehr gestreckt wurde) machen sich irgendwann Ermüdungserscheinungen breit und man ergibt sich regelrecht in sein Schicksal, lässt die Bilder nur noch auf sich niederprasseln und kann gar nicht mehr so genau definieren, was man sich da eigentlich ansieht.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam?!?

ENTOURAGE: SEASON 4 (USA 2007, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem Shootingstar Vincent Chase (Adrian Grenier) seine kompletten Ersparnisse geopfert hat, um sich sein Traumprojekt – die Verfilmung der Biographie von Pablo Escobar – zu erfüllen, heißt es nun, möglichst schnell einen Verleih für das ambitionierte Projekt zu finden und gleichzeitig eine neue Hauptrolle zu ergattern, damit das Luxusleben von Vincent und seiner Gefolgschaft auch weiter finanziert werden kann. Doch der exzentrische Regisseur Billy Walsh (Rhys Coiro), der sich den Final Cut am Film zugesichert hat, macht alle Pläne eines schnellen Verkaufs zunichte. Er reicht seinen Film bei Cannes ein und weigert sich, das fertige Werk vor der Welturaufführung interessierten Studios zu zeigen.
Wenn in einer chronologischen Auflistung der in einem Monat gesehenen Filme und Serien eine komplette Serienstaffel bereits an zweiter Stelle auftaucht, dann sagt schon allein diese Tatsache verdammt viel über die Qualität und das Suchtpotential dieser Serie aus. Silke und ich haben auch diese vierte, insgesamt 12 Episoden umfassende Staffel von ENTOURAGE regelrecht verschlungen. Das ist einfach nur ganz, ganz großes Fernsehen, was die Macher hier abliefern, welches den kompletten Irrsinn des Showgeschäfts auf – ich kann mich nur wiederholen – extrem glaubwürdige und überzeugende Art und Weise ins heimische Wohnzimmer bringt. Und auch wenn es vielleicht unfair ist, von den durch die Bank großartigen Schauspielern einen besonders herauszuheben, so muss ich doch sagen, dass es auch in dieser vierten Staffel einmal mehr Jeremy Piven in der Rolle des Agenten Ari Gold ist, der alle anderen überstrahlt und ohne den ENTOURAGE wahrscheinlich nicht so funktionieren würde, wie es letztendlich funktioniert. Großartig, einfach nur großartig!

ONCE (Irland 2006, Regie: John Carney)

once

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Es gibt Filme, in die würde man sich während der Sichtung am liebsten hineinfallen lassen um ganz tief in ihnen zu versinken. Die in nur 2 Wochen abgedrehte, irische Low-Budget-Produktion ONCE des Regisseurs John Carney ist so ein Film. In ONCE geht es um einen an Liebeskummer leidenden Straßenmusiker (Glen Hansard), auf den eher zufällig eine alleinerziehende Blumenverkäuferin und Hobbypianistin (Markéta Irglová) aufmerksam wird. Eine Begegnung, die das Leben beider Protagonisten nachhaltig verändern soll.
ONCE ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön und magisch bezeichnen kann. Das tolle Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die großartigen Songs, diese perfekte Verbindung, die Bild und Musik miteinander eingehen. Kleines, großes Kino zum Wohlfühlen, ohne nervigen Kitsch und unnötigen Ballast. Wer ihn noch nicht kennt: anschauen, wohlfühlen, glücklich sein…

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MAGIC IN THE MOONLIGHT (Großbritannien/USA 2014, Regie: Woody Allen)

magic in the moonlight

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Lästermäuler können gerne konstatieren, dass Woody Allen seit Jahrzehnten immer und immer wieder ein und denselben Film dreht. Fans des “auteurs“ aus New York lieben ihn gerade aus diesem Grund. Auch in MAGIC IN THE MOONLIGHT dreht sich mal wieder alles um die Irrungen und Wirrungen der Liebe, verpackt in eine Geschichte rund um einen Zauberer (Colin Firth) und ein Medium (Emma Stone), angesiedelt Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Firth soll nachweisen, dass es sich bei Stone um eine Schwindlerin handelt, doch dieser Nachweis will und will ihm einfach nicht gelingen. Stattdessen kommen sich die beiden Protagonisten im Laufe der knapp 100 Minuten immer näher.
Ja, wo Woody Allen draufsteht ist halt einfach auch Woody Allen drin. Einen wirklich schlechten Film habe ich von Allen noch nicht gesehen, was den jüngeren Werken Allens jedoch immer mehr abgeht – absolute Glücksfälle wie MIDNIGHT IN PARIS mal ausgenommen -, ist diese Magie, die insbesondere seine New-York-Filme Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre auszeichnete. Zwar ist auch MAGIC IN THE MOONLIGHT ein guter Film, in den man ganz vorzüglich versinken kann, von der Qualität eines ANNIE HALL oder eines MANHATTAN ist er jedoch meilenweit entfernt. Sonderlich schlimm und tragisch finde ich persönlich das nicht. Solange am Ende des Tages noch Filme wie dieser hier dabei rumkommen, kann Allen gerne noch viele Jahre weiterdrehen. Gerne auch mal wieder vermehrt in New York.

Persönliche Bewertung: Gut!

PUBLIC ENEMIES (Japan/USA 2009, Regie: Michael Mann)

public enemies

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Ich liebe die Filme von Michael Mann und ich liebe auch immer diese ganze spezielle Optik, die er seinen Filmen zu geben vermag. Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel und eine solche Ausnahme stellt leider PUBLIC ENEMIES dar. Denn der Einsatz von Hand- bzw. Wackelkamera und dieser extreme digitale Look des Films mögen irgendwie so gar nicht zur Geschichte rund um den von Johnny Depp gespielten John Dillinger – in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Staatsfeind Nr. 1 in den USA – passen. Diese Geschichte verlangt nach epischer Breite, nach klassischem Kinolook. Episch ist hier allerdings nur die Lauflänge von gut 140 Minuten, ansonsten bleibt Manns Biopic in wirklich jeder Hinsicht erstaunlich schwach. Die Figuren sind beispielsweise viel zu klischeehaft gezeichnet und als Zuschauer bleiben einem die handelnden Personen über die komplette Laufzeit schlichtweg egal. Irgendeine Bindung zu den Charakteren aufzubauen fällt immens schwer und für die Art und Weise wie Mann diese Geschichte erzählt, ist PUBLIC ENEMIES einfach viel zu lang geraten. Und dann ist die größte Schwäche des Films ausgerechnet auch noch das, was ansonsten mit die größte Stärke in Manns Filmen ist, nämlich die Optik. PUBLIC ENEMIES sieht einfach nur beschissen aus, manche Sequenzen scheinen fast aus einer während der Dreharbeiten entstandenen Behind-the-Scenes-Dokumentation entnommen, viel zu viele andere Szenen sehen aus als kämen sie unmittelbar aus einer beliebigen Vorabendserie eines Privatsenders. Wenn so die Zukunft des digitalen Kinos aussehen soll, bekomme ich bereits jetzt das kalte Grausen. Ach ja, die Soundabmischung war auch ne ziemliche Katastrophe (kann aber natürlich auch an der Blu-ray gelegen haben).

Persönliche Bewertung: Naja!

ENTOURAGE: SEASON 5 (USA 2008, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem sich Vincent Chase (Adrian Grenier) mit seinem Traumprojekt “Medellin“ einen fatalen Flop geleistet hat, ist er nicht nur pleite, sondern scheint für Hollywood komplett verbrannt zu sein. Kein Regisseur und kein Studio wollen mehr mit ihm zusammenarbeiten. Für seinen besten Kumpel und Manager E (Kevin Connolly) und seinen Agenten Ari (Jeremy Piven) kommt es einer regelrechten Sisyphosaufgabe gleich, für Vincent einen neuen Job zu ergattern…
Die mittlerweile fünfte Staffel von ENTOURAGE zeigt den Superstar zurück auf dem Boden der Tatsachen. Diverse Fehlentscheidungen haben dazu geführt, dass der von Adrian Grenier gespielte Vincent Chase innerhalb der Nahrungskette von Hollywood mittlerweile ziemlich weit unten angekommen ist und der erneute Weg an die Spitze scheint nicht nur steinig, sondern schier unmöglich zu sein. ENTOURAGE-Schöpfer Doug Ellin und sein Team bringen dem Zuschauer auch diese Schattenseiten des Showbiz auf extrem glaubwürdige, realistische und abermals verdammt unterhaltsame und kurzweilige Art und Weise näher. Auch die fünfte Staffel von ENTOURAGE erlaubt sich über die insgesamt 12 Episoden keinerlei Schwächen und befindet sich – wie schon die vier Staffeln zuvor – auf einem irrsinnig hohen Niveau. Und das Staffelfinale liefert dann auch nicht viel weniger als pures Gänsehautgefühl. Jeremy Piven als Ari Gold ist erneut der heimliche Star der Serie – alle Sequenzen mit ihm sind wortwörtlich nicht mit Gold aufzuwiegen. Einfach nur geil!

THE TERMINAL (USA 2004, Regie: Steven Spielberg)

the terminal

(Fassung: DVD, DreamWorks, Deutschland)

Das Leben schreibt die irrsten Storys. Inspiriert von der Geschichte des Mehran Karimi Nasseri, der 18 Jahre lang im Pariser Flughafen Charles de Gaulle lebte, schickt Regisseur Steven Spielberg den durch einen Putsch in seinem Heimatstaat staatenlos gewordenen Tom Hanks ins internationale Terminal des JFK-Flughafens in New York. Der von Hanks gespielte Viktor Navorski muss sich mit der Tatsache anfreunden, weder in die USA ein-, noch in seine Heimat ausreisen zu dürfen und richtet sich mit rudimentären Sprachkenntnissen und einer Engelsgeduld im Terminal des Flughafens häuslich ein, findet Freunde, einen Job und – natürlich muss es so kommen – nach knapp 2 Stunden Laufzeit schließlich doch ein Happy End.
Kitsch as Kitsch can – Spielberg inszeniert THE TERMINAL wahrlich zuckersüß, komplett harmlos und fast durchweg positiv (lediglich der von Stanley Tucci gespielte Chef der Einreisebehörde taugt als Unsympath). Man mag dem Film vorwerfen, dass ihm jegliche Ecken und Kanten fehlen, aber manchmal tut es auch einfach nur gut, sich einen Film wie diesen hier anzuschauen, sich von seiner positiven Grundstimmung verzaubern und berieseln zu lassen und sich einfach nur wohlzufühlen. THE TERMINAL ist schön – nicht mehr und auch nicht weniger.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE LONGEST YARD (USA 2005, Regie: Peter Segal)

the longest yard

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Adam Sandler ist Ex-Football-Profi Paul Crewe, der, nachdem er sich eine wilde Verfolgungsjagd in einem “geklauten“ Wagen geliefert hat, im Knast landet und dort ein Häftlings-Football-Team zusammenstellen soll, welches gegen ein Team der Wärter anzutreten hat. Ihm zur Seite steht Burt Reynolds als Coach, der im Jahr 1974 selbst Paul Crewe gewesen ist, und zwar im gleichnamigen Klassiker von Regisseur Robert Aldrich.
Manchmal ist es ganz gut, wenn man das Original noch nicht kennt (ich möchte dieses Versäumnis möglichst schnell nachholen), denn dann kann man vollkommen unbelastet an das Remake rangehen. Regisseur Peter Segal, der mit Hauptdarsteller Adam Sandler zuvor bereits 50 FIRST DATES und ANGER MANAGEMENT gedreht hatte, zieht THE LONGEST YARD als Mischung aus Knast-, Sportfilm und Komödie auf und macht damit ziemlich viel richtig. Die Gags sitzen, die Action- und Sportsequenzen sind toll choreographiert und das finale Spiel ist – wie sich das für einen Sportfilm gehört – packend inszeniert und mit dem einen oder anderen Gänsehautmoment ausgestattet. Wirkliche Tiefe darf man von THE LONGEST YARD jedoch nicht erwarten, dafür ist Segals Film viel zu unbekümmert und unbeschwert geraten und auch potentiell dramatische Höhepunkte innerhalb des Handlungsverlaufs werden eher weggelächelt und hinterlassen bei den handelnden Personen keine echten Wunden oder Narben. Einem Film, der so herrlich kurzweilige Unterhaltung bietet wie dieser hier, verzeihe ich eine solche “Schwäche“ jedoch gerne.

Persönliche Bewertung: Gut!

ENTOURAGE: SEASON 6 (USA 2009, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem Vincent Chase (Adrian Grenier) am Ende der fünften Staffel das überraschende Angebot erhalten hat, in einem Film von Martin Scorsese die Hauptrolle zu übernehmen, ist er wieder zurück auf der Erfolgsspur und lebt in dieser mittlerweile sechsten Staffel von ENTOURAGE erst mal gechillt in den Tag hinein. Sein großer Bruder Johnny (Kevin Dillon) und seine beiden besten Freunde E (Kevin Connolly) und Turtle (Jerry Ferrara) beginnen gleichzeitig, sich etwas von ihrem “Unterstützer“ zu lösen und eigene Standbeine aufzubauen. Und Agent Ari Gold (Jeremy Piven) ist weiter der Macher im Hintergrund und das faszinierende Ekel, welches alles möglich zu machen scheint. In dieser sechsten Staffel rückt die Gefolgschaft rund um Vincent Chase mehr in den Vordergrund und diese Tatsache sorgt für verdammt viel Abwechslung und insbesondere auch dafür, dass die Serie auch im sechsten Jahr ihrer Ausstrahlung keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigt. Auch die insgesamt 12 Folgen dieser Staffel flogen regelrecht an mir vorbei und ich kann einfach nicht damit aufhören, mir ENTOURAGE anzusehen. Langsam hasse ich die Serie schon fast dafür, dass sie so unverschämt gut und großartig ist und ich praktisch überhaupt nicht mehr dazu komme, mir auch einmal einen Film anzusehen. 😉