The Last of March and the First of April

SUPERNATURAL: SEASON 2 (USA 2006 / 2007, Idee: Eric Kripke)

supernatural - season 2

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In diesem Jahr startet die mittlerweile 12. Staffel von SUPERNATURAL im US-Fernsehen. Eine Serie, die es auf so eine extrem lange Laufzeit bringt, muss irgendwas verdammt richtig machen. Ansonsten hätten sich die Fans schon lange abgewendet. Hat man wie ich nun gerade mal die ersten beiden Staffeln gesichtet, muss man sich allerdings zwangsläufig die Frage stellen, wann es denn endlich so weit sein wird, dass SUPERNATURAL die Kurve kriegt und sich zum echten Serienhit entwickelt. Die wie schon die Auftaktstaffel ist auch Season 2 bestenfalls als unterhaltsam zu bezeichnen und über die komplette Distanz von 22 Episoden mitunter eine arg zähe Angelegenheit.

Als Zuschauer begleitet man erneut die beiden Brüder Sam (Jared Padalecki) und Dean Winchester (Jensen Ackles) auf ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten, die sie immer wieder an teils abgelegene Orte bringt, an denen es irgendwelche Dämonen, Geister oder sonstige Wesen der Unterwelt zu bekämpfen und zu besiegen gibt. Erneut ist jede Folge in sich abgeschlossen, jede Folge hält sich an einen fest vorgegebenen Handlungsverlauf und ein roter Faden, der alle Folgen der Staffel miteinander verbindet, ist zwar vorhanden, aber nur so hauchdünn, dass man nun nicht gerade behaupten könnte, SUPERNATURAL würde durch eine übergeordnete Rahmenhandlung großartig Spannung verbreiten.

Als wirklich sehenswert und gut würde ich gerade mal die ersten drei Folgen der Staffel bezeichnen wollen, danach geht es qualitativ leider merklich bergab und knapp die Hälfte aller Episoden haben sich nicht einmal das Prädikat “unterhaltsam“ verdient, welches sich die komplette Staffel bei Zusammenzählen der Bewertungen der einzelnen Folgen im Durchschnitt gerade noch knapp erkämpft hat. SUPERNATURAL: SEASON 2 plätschert ohne große Höhepunkte so vor sich hin, tut niemandem dabei ernsthaft weh und dürfte auch niemanden zu großen Begeisterungsstürmen hinreißen. Ich bin echt gespannt, ab welcher Staffel es mit dieser Serie qualitativ bergauf gehen wird. Diese Spannung werde ich allerdings noch eine ganze Weile aufrecht erhalten. Fürs Erste stelle ich SUPERNATURAL wieder zurück ins Regal. Hab momentan keinen Lust mehr auf den Kram.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

INSIDE OUT (USA 2015, Regie: Pete Docter / Ronnie Del Carmen)

inside out

(Fassung: Blu-ray 3D, Disney, Deutschland)

In INSIDE OUT katapultieren die beiden Regisseure Pete Docter und Ronnie Del Carmen mitten in das Gehirn der kleinen Riley, welches als riesengroße Schaltzentrale daherkommt, in der die Hauptemotionen Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut – animationsfilmgerecht als putzige Figuren dargestellt – irgendwie versuchen, die geänderte Lebenssituation zu verarbeiten, in der sich Riley nach einem Umzug nach San Francisco befindet..

Sieht man mal über die pädagogisch eher suboptimale Message des Films hinweg – INSIDE OUT bietet für Kinder natürlich eine herrliche Ausrede, den verschiedenen Stimmungen vollkommen freien Lauf zu lassen, sind ja bei plötzlichen Stimmungsschwankungen ganz offensichtlich, wie uns der Film lehrt, höhere Kräfte am Werk -, so kann man guten Gewissens feststellen, dass das, was Docter und sein Co-Regisseur Del Carmen hier präsentieren, schon einen riesigen Spaß für Jung und Alt darstellen dürfte. INSIDE OUT steckt voller witziger und charmanter Ideen, sprüht regelrecht vor Einfallsreichtum, ist toll animiert und ungemein kurzweilig und unterhaltsam erzählt. Und diese kurze Sequenz, in der INSIDE OUT auch mal einen kleinen Ausflug in die Schaltzentralen der Eltern der kindlichen Hauptfigur unternimmt, trifft so exakt ins Schwarze und ist so ungemein komisch, dass man sich als erwachsener Zuschauer eine Fortsetzung wünschen würde, in der dann tatsächlich das Gehirn erwachsener Menschen im Mittelpunkt steht. Die könnte diesen Film hier dann wahrscheinlich sogar noch toppen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

THE LOST WORLD: JURASSIC PARK (USA 1997, Regie: Steven Spielberg)

the lost world - jurassic park

(Fassung: DVD, Columbia TriStar/Universal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg von JURASSIC PARK musste natürlich eine Fortsetzung her. Steven Spielberg selbst inszenierte 4 Jahre später diesen Nachfolger, ohne Sam Neill und Laura Dern, dafür erneut mit Jeff Goldblum, dieses Mal auch in der Hauptrolle, der es erneut mit Dinosauriern zu tun bekommt, weil der für den im Vorgänger gescheiterten Vergnügungspark verantwortliche John Hammond (Richard Attenborough) ausgerechnet die abenteuerlustige Freundin (Julianne Moore) des von Goldblum gespielten Chaostheoretikers Ian Malcolm auf eine Insel voller Dinos geschickt hat, um dokumentieren zu lassen, wie sich diese nunmehr ohne menschlichen Einfluss entwickeln…

Den Regeln der Fortsetzung folgend bietet THE LOST WORLD: JURASSIC PARK natürlich noch mehr Dino-Action als der Vorgänger, verkommt so aber leider auch relativ schnell zur bloßen Nummernrevue. Diesen Zauber und diese Magie, die von JURASSIC PARK noch ausging, kann der Nachfolger praktisch nie vermitteln. Was Spielberg hier jedoch erneut gelingt, sind famose Suspense-Sequenzen – allein diese Szene mit dem Angriff der beiden T-Rex und dem über dem Abgrund baumelnden Anhänger bietet Spannung pur und rechtfertigt schon allein die Sichtung des Films – und das Kunststück, dass dem Zuschauer innerhalb der gebotenen Jahrmarktsattraktionen die handelnden Figuren nicht irgendwann egal werden, sondern er bis zum Ende mit diesen gemeinsam hoffen und bangen kann. Alles in allem also eine gelungene Fortsetzung, die ich persönlich komischerweise tatsächlich erst jetzt zum allerersten Mal gesehen habe.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

JURASSIC PARK III (USA 2001, Regie: Joe Johnston)

jurassic park iii

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Vier weitere Jahre sind seit THE LOST WORLD: JURASSIC PARK ins Land gezogen und bei den Universal Studios dachten sie wohl, es sei an der Zeit für mehr Dino-Action. JURASSIC PARK III erblickte die Leinwände, Steven Spielberg wirkte nur noch als ausführender Produzent mit, für den Regiestuhl wurde stattdessen Joe Johnston verpflichtet, der sich zuvor mit THE ROCKETEER und JUMANJI einen Namen gemacht hatte. Und Sam Neill kehrt als Hauptdarsteller zurück, der mit einem Täuschungsmanöver von William H. Macy zur Dino-Insel gelockt wird. Dessen Sohn ist nämlich bei einem Paragliding-Unfall über der Insel abgestürzt und soll nun gerettet werden…

Puh, fehlt THE LOST WORLD: JURASSIC PARK im Vergleich zu JURASSIC PARK „nur“ der Zauber und die Magie, geht JURASSIC PARK III im Vergleich zum unmittelbaren Vorgänger nun auch noch die Spannung ab. Johnstons Film bietet dafür Dino-Action am laufenden Band, bombardiert den Zuschauer mit katastrophalen Vorkommnissen und lässt diesem kaum Zeit zum Atmen. Das wird alles sehr schnell sehr ermüdend und die gerade mal 90-minütige Laufzeit kommt einem schier unendlich vor. Als Zuschauer eine Bindung zu den handelnden Personen aufzubauen ist praktisch unmöglich, die Dinos sind erschreckend schlecht animiert (insbesondere im Vergleich zum 8 Jahre älteren Ausgangsfilm) und so manche Dino-Sequenz ist einfach nur komplett bescheuert geraten. Es ist fast schon erschreckend, wie belanglos der bis dato teuerste Film der Reihe doch geworden ist. Und noch erschreckender bzw. extrem erstaunlich ist es, dass dieser Film, in den 93 Mio. Dollar investiert wurden (20 Mio. mehr als beim zweiten und 30 Mio. mehr als beim Auftaktfilm) sogar noch fast das doppelte seiner Produktionskosten wieder eingespielt hat und nicht einfach nur gnadenlos gefloppt ist. Es hätte mich nicht gewundert.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE) (USA 2014, Regie: Alejandro González Iñárritu)

birdman or (the unexpected virtue of ignorance)

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

BIRDMAN – den kompletten Filmtitel einmal in der Überschrift zu nennen, muss genügen – erzählt die Geschichte des einst kommerziell erfolgreichen Schauspielers Riggan Thomson (Michael Keaton), der, um an alte Erfolge anzuknüpfen, nun versucht, mit einem Bühnenstück am Broadway sein Glück zu machen, bei dem er sowohl die Hauptrolle bekleidet als auch den Job als Regisseur und Drehbuchautor übernimmt. Doch während der Vorbereitungen auf die große Premiere hat Riggan nicht nur mit seinem Alter Ego zu kämpfen, sondern auch mit den Meriten des Starschauspielers Mike Shiner (Edward Norton), der kurzfristig für die zweite männliche Hauptrolle einspringt, da der dafür vorgesehene Schauspieler von einem herunterfallenden Scheinwerfer schwer verletzt wurde und nun ausfällt…

BIRDMAN war der große Gewinner der letztjährigen Oscarverleihung, konnte 4 der begehrten Trophäen einsacken (Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera) und wurde mit guten Kritiken überhäuft. Ja, in Hollywood lieben sie solche Geschichten. Geschichten, die mit dem ach so schweren Schicksal des Schauspielers erzählen, der doch vornehmlich anspruchsvolle Kost abliefern möchte, beim unangenehmen Pöbel aber nur dann Erfolg hat, wenn er niveaulose Hauptrollen in Superheldenverfilmungen übernimmt. Puh, da hat uns doofen Zuschauern Alejandro González Iñárritu mit BIRDMAN aber mal so richtig einen vor den Latz geknallt. Jetzt haben wir beim nächsten Blockbuster, der uns blendend unterhält, sicherlich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und schauen von nun an nur noch Filme wie BIRDMAN an, die Hollywood wohl für so etwas wie anspruchsvolles Kunstkino zu halten scheint. Gut, ausgerechnet Michael Keaton in der Hauptrolle des hadernden Schauspielers zu besetzen war ein kluger Schachzug, dieses Zugeständnis muss man Iñárritu machen, bildet BIRDMAN letztendlich ja ein Schicksal ab, dass dem von Keaton selbst nicht ganz unähnlich ist. Nachdem er den Batman in den beiden Burton-Filmen Anfang der 90er Jahre gespielt hatte, ging es mit seiner Karriere eher ab- als aufwärts. Aber im Endeffekt ist das, was Iñárritu hier abliefert, nur jämmerlicher Schein, ein aufgeblähtes Nichts, ein Film, der mich zu keiner Sekunde seiner Laufzeit auch nur ansatzweise für seine Geschichte interessieren konnte. Dieses (vorgetäuschte) Stilmittel, BIRDMAN sei nur in einem Take gedreht (es gibt tatsächlich nur sehr wenige sichtbare Schnitte innerhalb des Films) und die daraus resultierende Tatsache, dass die Handkamera ständig am Arsch der handelnden Personen hängt, mag vielleicht auf den ersten Blick eindrucksvoll erscheinen, ist am Ende des Tages aber Beleg dafür, dass hier kein großer Regisseur, sondern in erster Linie ein großer Täuscher am Werk gewesen ist. Dieses Stilmittel – das in der vorliegenden Umsetzung übrigens extrem schnell extrem zu nerven beginnt – soll ganz offensichtlich über die Leere und Bedeutungslosigkeit der Geschichte hinwegtäuschen, dient in keiner Weise der Handlung und wirkt einfach nur selbstzweckhaft. Ich will BIRDMAN jetzt nicht komplett verreißen, dafür spielen Keaton, Norton und insbesondere auch die tolle Emma Stone in diesem großen Nichts einfach zu gut und retten Iñárritus Film schließlich auch davor, zum kompletten Ärgernis zu werden, aber das, was dem Zuschauer hier präsentiert wird, ist kein Film, sondern die Demonstration eines hochnäsigen Regisseurs, der sich anscheinend für den größten seines Fachs zu halten scheint. Ich habe selten einen unsympathischeren und dekadenteren Film gesehen als diesen hier. Und soll ich jetzt noch etwas über den unfassbar nervtötenden Drum Score von Antonio Sanchez schreiben? Ich lass es einfach.

Bewertung: Mies (mit wenigen guten Momenten)! – 3/10

 

 

 

MAN UP (Frankreich / Großbritannien 2015, Regie: Ben Palmer)

man up

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Großbritannien)

Nancy (Lake Bell) ist Mitte 30, Single, und hat die Hoffnung, doch noch irgendwann den Mann fürs Leben zu finden eigentlich schon fast aufgegeben. Bis sie eines Tages nach London reist um an der Feier des 40. Hochzeitstages ihrer Eltern teilzunehmen und dort am Londoner Hauptbahnhof auf Jack (Simon Pegg) trifft, der Nancy verwechselt und für sein Blind Date hält. Nancy packt die Gelegenheit am Schopf und lässt sich auf eine aufregende Reise in die Nacht ein…

Wie es sich für eine echte RomCom gehört, muss auch MAN UP die typischen Stadien innerhalb des vorgegebenen Handlungsverlaufs abhaken. Auf das Kennenlernen folgt das Verlieben, darauf die Trennung aufgrund eines dummen Fehlers/Missverständnisses/usw. und am Ende natürlich die herbeigesehnte Wiedervereinigung. Und wie es sich für eine echte RomCom gehört, ist auch in MAN UP ausschließlich der Weg zum vorbestimmten Ende das Ziel und nicht dieses vorbestimmte Ende selbst. Und dieser Weg ist hier doch um einiges lustiger und unterhaltsamer geraten als in der stereotypen Durchschnitts-RomCom. Der besondere Reiz an diesem Weg ist die Tatsache, dass sich die Haupthandlung von MAN UP im Endeffekt auf einen einzigen Abend bzw. eine einzige Nacht beschränkt und die vorgenannten Eckpunkte des Handlungsverlaufs somit in Windeseile erreicht werden müssen. MAN UP ist ungemein rasant inszeniert, die Chemie der beiden Hauptdarsteller Simon Pegg und Lake Bell passt ausgesprochen gut, die vorhandenen Gags funktionieren zu größten Teilen und die diversen abstrusen Situationen, in die das Paar immer wieder gerät, wirken in ihrer teils hoffnungslosen Überzeichnung schon fast wieder glaubwürdig. MAN UP ragt qualitativ deutlich aus dem mittlerweile schon ausgesprochen unübersichtlich gewordenen Genre der romantischen Komödie heraus und sei an dieser Stelle ausdrücklich zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

AMERICAN FLYERS (USA 1985, Regie: John Badham)

american flyers

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Regisseur John Badham erzählt die Geschichte zweier Brüder (Kevin Costner und David Marshall Grant), die durch die gemeinsame Teilnahme an einem höllischen Radrennen nach Jahren der Trennung versuchen, ihre Familie wieder zu einen.

AMERICAN FLYERS ist eine Mischung aus Sportfilm und Familiendrama, welche exakt die unzähligen Klischees aufbietet, welche man sich aufgrund der Mini-Inhaltsangabe im ersten Satz dieses Textes so ausmalen könnte. Es gibt mit Kevin Costner den Bruder, der sich einst abgewendet hat und nun wieder zurückkehrt. Es gibt eine schwere Krankheit, die zusätzlich Dramatik ins Geschehen bringt. Und es gibt natürlich dieses gemeinschaftliche Sportereignis (incl. des fiesen Gegenspielers), welches bestens dazu geeignet ist, die Protagonisten an ihre Grenzen gehen zu lassen um im ach so unerwarteten Erfolg die Familie schließlich wieder zu vereinigen.

Wenn man einem Genre solche Klischees verzeihen kann, dann ist es allerdings das Genre des Sportfilms. Hier lässt man sich immer wieder gerne und bereitwillig anstecken und überrumpeln, hier ertappt man sich jedes Mal aufs Neue und stellt fest, dass man hofft und bangt, wo es doch eigentlich gar nichts zu hoffen und zu bangen gibt, weil das Ende der Geschichte in 99% aller Fälle doch sowieso von vornherein schon feststeht. Und doch bekommt man immer und immer wieder bei solchen Filmen eine Gänsehaut in diesen entscheidenden Szenen, in denen es ums Ganze geht, um den sportlichen Erfolg oder die (eh nicht stattfindende) Niederlage. AMERICAN FLYERS macht mit seinen enorm packend und spektakulär inszenierten Radrennsequenzen da keine Ausnahme. Auch John Badham gelingt es – wie vielen seiner Kollegen zuvor – mit Leichtigkeit, den Zuschauer für sich einzunehmen und Spannung zu erzeugen, wo doch eigentlich gar keine Spannung existieren dürfte. Davor kann man auch gerne mal seinen imaginären Hut ziehen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK 3 (USA 2012, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black 3

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Barry Sonnenfeld kehrt mit MEN IN BLACK 3 – stolze 10 Jahre nach dem unmittelbaren Vorgänger – erneut zu der geheimen Spezialeinheit zurück, welche das bunte Treiben der zahlreichen Außerirdischen auf der Erde überwacht und legt einen Film vor, der sich qualitativ vor den beiden ersten Teilen sicher nicht verstecken muss.

Aufgrund des Verlaufs des Plots – Will Smith als Agent J muss ins Jahr 1969 zurückreisen um zu verhindern, dass sein Partner K (Tommy Lee Jones / Josh Brolin) von einem besonders gefährlichen Alien getötet, die Geschichte dadurch entscheidend verändert wird und die Erde in der Gegenwart vor der Auslöschung steht – hat Tommy Lee Jones zwar nur eine etwas größere Nebenrolle abbekommen und taucht letztendlich nur im ersten Drittel und ganz am Ende des Films auf, sein Fehlen wird aber durch das Mitwirken von Josh Brolin, der den jungen K im Jahr 1969 spielt, locker wettgemacht und wurden die ersten beiden Filme zu großen Teilen auch durch diese Chemie zwischen Will Smith und Tommy Lee Jones getragen, so trägt MEN IN BLACK 3 nun stattdessen eben die Chemie zwischen Will Smith und Josh Brolin. Sehr schön auch zu sehen, dass Barry Sonnenfeld dem Stil der beiden Vorgänger treu geblieben ist und sich nicht den Gepflogenheiten des modernen Blockbusterkinos angepasst hat. MEN IN BLACK 3 kommt schon fast nostalgisch daher, mit seiner wieder mal ziemlich geradlinigen Geschichte (trotz Zeitreisethematik), seiner erneut übersichtlichen Laufzeit (der Film ist mit etwas über 100 Minuten gerade mal gut 20 Minuten länger als die beiden Vorgänger und so immer noch meilenweit von den Laufzeiten moderner Blockbuster entfernt, die ja gerne mal 2,5 Stunden oder noch länger dauern) und seinen unkomplizierten Helden, die keine gebrochenen Figuren sein müssen, um den Zuschauer zu erreichen. MEN IN BLACK 3 bietet kurzweiligen Spaß, ist witzig und actionreich und läuft, was die diversen Alien-Effekte angeht, vor Kreativität mal wieder regelrecht über.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

MILLENNIUM DEL 5 & 6: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES (Deutschland/Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_1

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_2

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Der Abschluss der MILLENNIUM-Trilogie wurde erneut von Daniel Alfredson inszeniert, der auch schon für den Mittelteil verantwortlich zeichnete. Das macht auch Sinn, denn FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN und LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES sind im Endeffekt untrennbar miteinander verbunden, dieser Film hier könnte ohne den Vorgänger gar nicht existieren, würde ohne die Kenntnis der Ereignisse aus dem zweiten Teil gar keinen Sinn machen. Hier zeigt sich auch gut, dass das gewählte Format der TV-Mini-Serie praktisch alternativlos ist, die Entscheidung, FLICKAN und LUFTSLOTTET auch in gekürzten Fassungen – der Kinofassung des dritten Teil fehlen auch wieder gut 40 Minuten – ins Kino zu bringen, einzig und allein aus (durchaus verständlichen) finanziellen Gründen getroffen wurde, weil die Kinoversion des Auftaktfilms (der als einziger wirklich eigenständig funktioniert) damals so erfolgreich gewesen ist.

LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES schließt direkt an den Vorgänger an und beschäftigt sich nun intensiv mit der bis in höchste Kreise reichenden Verschwörung, die in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN angedeutet wurde. Alfredsons Film hat dabei wieder mit demselben “Manko“ zu kämpfen wie der zweite Teil, nämlich der Tatsache, dass die beiden Hauptcharaktere aufgrund der literarischen Vorlage zu viel nebeneinander und zu wenig miteinander agieren, was letztendlich dazu führt, dass sich dieser Film qualitativ auf einem Level mit dem Vorgänger befindet und ebenso wie der Vorgänger nicht ganz an die große Klasse des Auftaktfilms heranreichen kann.

Fesselnd, spannend und enorm kurzweilig (die 3 Stunden Laufzeit vergehen einmal mehr wie im Flug) ist natürlich auch dieser Abschluss der Trilogie geraten, insbesondere das Schlussdrittel, mit seinen großartigen Szenen im Gerichtssaal, konnte mich als Fan von Justizthrillern und Gerichtsfilmen absolut begeistern.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 6 (USA 2013, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In der sechsten Staffel von TRUE BLOOD steht nun der – über weite Strecken reichlich unspektakuläre – Krieg zwischen Menschen und Vampiren ins Haus, neben all dem anderen Kram, den Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und sonstige Fabelwesen so ausgesetzt sind.

Die von Alan Ball erfundene Serie hat sich in dieser vorletzten Staffel mittlerweile auf einem soliden Niveau eingependelt und lebt praktisch ausschließlich von einer Handvoll Nebencharaktere und der reichlich abstrusen Handlung, die teilweise so unfassbar bescheuert konstruiert zu sein scheint, dass man den Machern schon wieder einen gewissen Respekt zollen muss, die Serie in dieser Form auf das Publikum loszulassen. Absolutes Highlight sind die letzten beiden Episoden, in denen sich ein „What the Fuck!?!“-Moment an den nächsten reiht und die dafür sorgen, dass man die gesamte Staffel wohl weitaus wohlwollender beurteilt, als sie es eigentlich verdient hätte. Vom Glanz der Anfangszeit der Serie, ihrer teils herausragenden Qualität, ist nicht sonderlich viel übrig geblieben. Am Ende des Tages sind es tatsächlich die weiter oben schon genannten Nebencharaktere – insbesondere Chris Bauer als Andy Bellefleur, Kristin Bauer van Straten als Pam De Beaufort, Ryan Kwanten als Jason Stackhouse und Anna Camp als Sarah Newlin -, die der Serie allesamt ihren Stempel aufdrücken und dafür sorgen, dass TRUE BLOOD trotz aller offensichtlicher Schwächen doch irgendwie interessant und sehenswert bleibt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

ENTOURAGE (USA 2015, Regie: Doug Ellin)

entourage movie

(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

 

Die gleichnamige TV-Serie habe ich in der ersten Jahreshälfte regelrecht verschlungen. Nun hat Serienerfinder Doug Ellin eine Kinoversion von ENTOURAGE nachgelegt, bei der er auch selbst gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.

Im Kinofilm hat es sich Vince (Adrian Grenier) nun in den Kopf gesetzt, bei einem großen Projekt neben der Hauptrolle auch gleich noch Regie zu führen und Ari Gold (Jeremy Piven), mittlerweile an der Spitze eines großen Studios angelangt, hat die zweifelhafte Ehre, den Film zu realisieren. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten weigert sich Vince, den Film zu zeigen und fordert mehr Geld, um noch gewisse Feinjustierungen vornehmen zu können, was Ari fast in den Wahnsinn treibt, denn sein texanischer Geldgeber (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn (Haley Joel Osment) sind von der Idee, weitere Millionen in ein Projekt zu pumpen, welches sie noch nicht mal ansatzweise zu Gesicht bekommen haben, nicht gerade begeistert…

ENTOURAGE ist reiner Fanservice, ein Geschenk für die Fans der Serie, alle anderen werden mit diesem Film mit ziemlich hoher Sicherheit gar nichts anfangen können. Doug Ellin hat ausnahmslos alle wichtigen Charaktere auch in den Film integriert, ENTOURAGE schließt an das Ende der Serie an und eine Kenntnis der diversen Macken der verschiedenen Charaktere ist zwingende Voraussetzung um auch mit dem Film seinen Spaß zu haben. Auf der Erzählebene unterscheidet sich die Kinoversion nicht groß von den einzelnen Staffeln und Episoden der Serie, sie besticht lediglich durch eine opulentere Optik und mehr “production values“, was aber nicht sonderlich tragisch ist, denn im Endeffekt bekommt man als Fan exakt das, was man sich erwarten und erhoffen konnte. Jeremy Piven läuft als Ari Gold erneut zur Hochform auf, der ganze Film ist mit Cameos diverser Stars – u.a. Mark Wahlberg (auf dessen Erlebnissen als Jungschauspieler in Hollywood die Serie ja basiert), Liam Neeson, Jon Favreau, David Faustino, George Takei, Mike Tyson, T.I., Gary Busey, Pharrell Williams, Jessica Alba, die sich alle selbst spielen – nur so gespickt, eine Vielzahl der Dialoge ist einmal mehr zum Niederknien respektlos und herrlich politisch unkorrekt und der Spaßfaktor, den ENTOURAGE verbreitet, ist exorbitant hoch. Einen Film wie diesen nennt man dann wohl „guilty pleasure“.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

THE FAULT IN OUR STARS (USA 2014, Regie: Josh Boone)

the fault in our stars

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 

In THE FAULT IN OUR STARS verliebt sich todkranke Hazel (Shailene Woodley) in den ebenfalls todkranken Gus (Ansel Elgort). Gemeinsam versuchen die beiden Teenager die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, zum Verwirklichen letzter Träume zu verwenden…

THE FAULT IN OUR STARS ist eine ebenso dramatische wie schöne Liebesgeschichte, ein Plädoyer für positives Denken, eine Liebeserklärung an das Leben, Lästermäuler dürfen Boones Film aber auch gerne als manipulativen Kitsch abkanzeln, der es versteht, beim Zuschauer die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um diesen immer wieder zu Tränen zu rühren. Ich hab mich bereitwillig und gerne auf Boones Manipulationen eingelassen. THE FAULT IN OUR STARS ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön, berührend, bewegend und mitten ins Herz treffend. Und ja, die eine oder andere Träne kann man sich am Ende tatsächlich nicht verkneifen. Ich steh dazu.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

A MOST WANTED MAN (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Anton Corbijn)

a most wanted man

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

 

In A MOST WANTED MAN gerät der russische Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg ins Visier diverser Geheimdienste. Während die meisten Beteiligten den potentiellen Islamisten gleich hinter Schloss und Riegel bringen möchten, will der mit seiner Einheit im Verborgenen agierende Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Karpov dazu benutzen, um an einen weitaus größeren Fisch heranzukommen. Gleichzeitig versucht die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) den unter Generalverdacht stehenden Flüchtling zu helfen…

A MOST WANTED MAN basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers John le Carré, der seit Anfang der 60er Jahre eine Vielzahl von Spionageromanen veröffentlicht hat und sich in A MOST WANTED MAN wieder einmal um die diversen Verstrickungen innerhalb der Geheimdienste – hier in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus – kümmert. Es geht um Vertrauen, Verrat, Loyalität und die Erkenntnis, dass am Ende des Tages alle Beteiligten nur Marionetten in einem großen Spiel zu sein scheinen.

Regisseur Anton Corbijn geht A MOST WANTED MAN extrem ruhig und bedächtig an, Spannung entwickelt sich fast ausschließlich aus den Dialogen und den schauspielerischen Leistungen, Momente, die auch nur im Ansatz mit dem Begriff “Action“ definiert werden könnten, sind praktisch gar nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man viel Geduld mit Corbijns Film, muss sich damit anfreunden können, dass hier nicht irgendwelche Schauwerte im Mittelpunkt stehen, sondern sich die Geschichte eigentlich ausschließlich aus den Gesprächen der verschiedenen Beteiligten heraus entwickelt. Wem dies gelingt, wird mit einer spannenden und atmosphärisch dichten Spionagegeschichte belohnt, die ihren Haupthandlungsort Hamburg perfekt als heimlichen Hauptdarsteller einsetzt und den tatsächlichen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seiner letzten großen Rolle vor seinem Tod im Februar letzten Jahres noch einmal in absoluter Hochform zeigt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

JUNGLE FEVER (USA 1991, Regie: Spike Lee)

jungle fever

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 

In JUNGLE FEVER lässt sich der schwarze Architekt Flipper Purify (Wesley Snipes) auf eine Affäre mit seiner neuen Kollegin, der Italienerin Angie Tucci (Annabella Sciorra) ein, was zu gewissen Irritationen – um es harmlos zu bezeichnen – im jeweiligen Umfeld führt…

Ähnlich wie in dem von mir vor wenigen Wochen angesehenen DO THE RIGHT THING beschäftigt sich Regisseur Spike Lee auch in JUNGLE FEVER mit dem Thema Alltagsrassismus, legt auf spielerische Art und Weise den Finger in die Wunde und hält seinem Publikum, egal welcher Hautfarbe, den Spiegel vor Augen. Für Flippers Frau (Lonette McKee) ist der Seitensprung ihres Mannes deshalb so schlimm, weil er mit einer weißen Frau erfolgt ist. Angies Vater (Frank Vincent) schlägt seine Tochter auf übelste Weise zusammen, als er von ihrer Affäre mit dem dunkelhäutigen Flipper erfährt, Flippers Vater (Ossie Davis) wiederum lädt seinen Sohn und Angie zum Essen ein, nur um die hellhäutige Italienerin wüst beschimpfen zu können. Die Botschaft von Spike Lee ist klar: Wenn die Menschen es nicht schaffen, zu erkennen, dass es vollkommen egal ist, welche Hautfarbe ihr Gegenüber hat, welcher Religion er angehört oder aus welchem Land er kommt, wird Rassismus immer existieren. Und leider ist diese Botschaft auch 24 Jahre nach Erscheinen dieses Films noch immer brandaktuell. Fuck Racism!!!

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

SATURDAY NIGHT FEVER (USA 1977, Regie: John Badham)

saturday night fever

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 

John Travolta ist Tony Manero, Sohn italienischer Einwanderer, mit einem reichlich aussichtslosen Leben in Brooklyn und dem großen Traum ausgestattet, aus diesem Leben auszubrechen und es zu etwas zu bringen. Unter der Woche für wenig Geld in einem Farbengeschäft arbeitend, stellen die Wochenenden in seiner Stammdiscothek die einsamen Highlights in Tonys Leben dar. Hier wird er auf der Tanzfläche zu einem anderen Menschen, zu dem seine Freunde und die übrigen Gäste der Discothek aufschauen. Und ein bald stattfindender Tanzwettbewerb scheint eine kleine Chance zu sein, tatsächlich ein besseres Leben leben zu können…

SATURDAY NIGHT FEVER hat damals einen kleinen Boom von Tanz- und Discofilmen entfacht und es sind dann auch in allererster Linie die wirklich atemberaubend choreographierten Sequenzen in der Discothek, die SATURDAY NIGHT FEVER so sehenswert machen. Gerade in Verbindung mit dem kongenialen Soundtrack der Bee Gees ist Badhams Film in diesen Szenen nicht viel weniger als ganz großes Kino. SATURDAY NIGHT FEVER lebt neben den Szenen in der Disco vor allem auch von seinem Hauptdarsteller. Travolta, damals für seine Leistung immerhin mit einer Oscar-Nominierung bedacht, spielt diesen Tony Manero absolut überzeugend, das, was man da zu sehen bekommt, wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Die Geschichte selbst, diese Story um den vermeintlichen Loser mit den großen Träumen, bleibt hinter Travoltas Leistung jedoch etwas zurück. Der Plot plätschert fast schon ziellos vor sich hin und es gibt keinen echten Spannungsbogen, der den Zuschauer einnehmen und fesseln könnte. Aber vielleicht passt gerade das ja auch ganz gut zu dem eher langweiligen Leben, welches Travoltas Manero außerhalb der Discothek zu leben hat.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

WISH I WAS HERE (USA 2014, Regie: Zach Braff)

wish i was here

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 

Die Zutaten von Filmen wie WISH I WAS HERE sind fast immer gleich: die Geschichte dreht sich um ziemlich wohlhabende Mittelständler mit “First World Problems“, es gibt mindestens einen schrulligen Haupt- oder Nebencharakter, es gibt mindestens einen tragischen Subplot, am Ende des Films gehen alle Sympathieträger gestärkt und mit neuen Erkenntnissen aus den ihnen zuvor gestellten Aufgaben hervor, die Grundstimmung des ganzen Films ist zudem leicht melancholisch angehaucht, die Kameramänner tauchen den Film in teils wunderschöne Bilder und von der Tonspur gibt es Alternative-Songs von Bands wie Coldplay oder The Shins.

In WISH I WAS HERE ist Zach Braff, der auch gleich Regie geführt hat, als erfolgloser Schauspieler zu sehen, der sich die teure Privatschule seiner beiden Kinder nicht mehr leisten kann, da sein Vater, der diese bisher finanziert hatte, das Geld für eine alternative Krebsbehandlung benötigt, und der Verdienst von Ehefrau Kate Hudson nicht auch noch zur Finanzierung einer Privatschule ausreicht. Braff versucht sich darin, seine Kinder zuhause zu unterrichten.

Ich kann jeden verstehen, der mit Filmen wie diesem hier mittlerweile gar nichts mehr anfangen kann. Diese Nische kleiner Independent-Filme, aus der insbesondere Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends so tolle Sachen wie GARDEN STATE, ELIZABETHTOWN oder A LOVE SONG FOR BOBBY LONG hervorgekommen sind, scheint mittlerweile regelrecht geflutet zu werden und irgendwie kommt es einen so vor, als ob da wirklich gar nichts mehr Neues dabei ist, alles scheint man schon einmal gesehen zu haben. Die große Begeisterung, die ich damals für vorgenannte Titel aufbringen konnte, kann praktisch keiner der neueren Vertreter dieser Filme mehr hervorrufen. Auch WISH I WAS HERE macht da keine Ausnahme. Aber dennoch lösen auch Filme wie dieser hier immer noch etwas in mir aus. Ich fühle mich geborgen bei ihnen, kann in ihnen versinken, lasse mich bereitwillig und gerne von ihnen einlullen. Und solange Filme wie WISH I WAS HERE noch in dieser Form für mich funktionieren, werde ich sie mir weiterhin ansehen. Da reicht es mir auch, wenn ich sie „nur“ noch als gut und nicht mehr als herausragend empfinde.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

CINEMA PERVERSO – DIE WUNDERBARE UND KAPUTTE WELT DES BAHNHOFSKINOS (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)

cinema perverso

(Fassung: TV-Aufzeichnung, Free-TV, arteHD)

 

Eine Dokumentation über ein deutsches Phänomen, die bis in die 80er Jahre andauernde Bahnhofskinosubkultur. Was auf den ersten Blick wie ein vielversprechendes Projekt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ziemlich halbgare Angelegenheit. Wenn der gerade mal 60 Minuten dauernde Film vorbei ist, macht sich beim Zuschauer doch eher Enttäuschung und Ernüchterung breit. Das Hauptproblem des Films ist dabei in meinen Augen, dass Regisseur Oliver Schwehm wohl nicht so wirklich wusste, was er mit seiner Dokumentation eigentlich erzählen will. Wollte er nun – wie ich es eigentlich erwartet hätte – einen Film über das Phänomen Bahnhofskino an sich drehen? Oder wollte er – was in meinen Augen ziemlich überflüssig ist – nur einen Überblick über die Art von Filmen geben, die damals dort liefen? Schwehm kann sich weder für das eine noch für das andere so richtig entscheiden und für das theoretische Optimum, eine Vermischung beider Aspekte, steht ihm viel zu wenig Laufzeit zur Verfügung. So kratzt CINEMA PERVERSO lediglich ein bisschen an der Oberfläche, vermischt Filmausschnitte, Statements diverser Personen und Material aus dem Fotoarchiv miteinander und macht so niemanden wirklich glücklich. Vor allem die Auswahl der Rede und Antwort stehenden Personen ist mehr als unglücklich ausgefallen. Einzig die Aussagen und Statements des Herrn aus dem Filmarchiv, des Filmhändlers und von Regisseur Jörg Buttgereit sind interessant und fundiert, die Mitwirkung aller weiterer Beteiligten vor der Kamera ist nichts als plumpe Zeitverschwendung (und gerade das sollte man sich bei einem Film, der nur 60 Minuten läuft, doch einfach verkneifen). Weder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken noch Schauspielerin Mechthild Großmann können irgendwelche interessanten Erkenntnisse zum Thema liefern, Christian Anders und René Weller erzählen lediglich über ihre Filme – ersterer über DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, letzterer über MACHO MAN -, die damals auch in den Bahnhofskinos liefen und tätigen Aussagen, die vielleicht im Bonusmaterial entsprechender Heimkinoveröffentlichungen der beiden Filme gut aufgehoben wären, nicht aber in einer solchen Dokumentation. Schauspieler Ben Becker disqualifiziert sich spätestens in dem Moment, in dem er sich über Olsens BLUTIGER FREITAG lustig macht, komplett selbst und die Tatsache, dass der sogenannte Regisseur Uwe Boll hier überhaupt zu Wort kommen darf, ist in meinen Augen eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Films, der jemals in einem Bahnhofskino gelaufen ist. Am Ende von CINEMA PERVERSO steht für mich somit vor allem folgende Erkenntnis: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Persönliche Bewertung: Naja!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 7 (USA 2014, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In den letzten zehn Folgen von TRUE BLOOD ist nun endgültig die Luft raus. Es scheinen hier auch keine Regisseure mehr am Werk gewesen sein, sondern lediglich Abwickler. Die einst so furios gestartete Serie wird in der letzten Staffel abgewickelt wie ein in Insolvenz geratenes Unternehmen. Man merkt jeder einzelnen Folge irgendwie an, dass die Macher nur noch versucht haben, TRUE BLOOD ohne größere Kollateralschäden noch halbwegs vernünftig über die Zielgeraden zu bringen. Netterweise ist zumindest das auch einigermaßen geglückt. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wollen und behaupten, dass diese finale Staffel extrem mies ausgefallen wäre. Sie ist über weite Strecken unterhaltsam, lebt einmal mehr vor allem von ihren Nebencharakteren und bringt die Geschichte in den letzten zwei Folgen auch zu einem akzeptablen Ende. Denkt man jedoch zurück, welche herausragende Qualität TRUE BLOOD in den ersten drei Staffeln hatte, so ist die Entwicklung, die die Serie seit der 4. Staffel genommen hat, doch sehr enttäuschend und ernüchternd.

 

Persönliche Bewertung: Ok!