Ein weiterer Kessel Buntes

MONA LISA (Großbritannien 1986, Regie: Neil Jordan)

mona lisa

(Fassung: Blu-ray, Arrow, Großbritannien)

Beim einflussreichen Gangster Mortwell (Michael Caine) tritt der gerade aus dem Gefängnis entlassene George (Bob Hoskins) einen Job als Chauffeur an und fährt die Edelprostituierte Simone (Cathy Tyson) von einem Kunden zum nächsten. Schon bald beginnt George, für seinen attraktiven Fahrgast Gefühle zu entwickeln und als diese ihn schließlich bittet, ihr bei der Suche nach einer vermissten Freundin zu helfen, bekommt George ein ernsthaftes Loyalitätsproblem…

Neil Jordan erzählt die Geschichte von George und Simone auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, nimmt sich viel Zeit, seine Charaktere und Figuren zu entwickeln und taucht seine Story in teils einzigartig schöne Bilder. Die Atmosphäre von MONA LISA kann man vielleicht am besten als Mischung aus verträumt-melancholisch und verrucht beschreiben, das durchaus vorhandene Sleaze-Potential, welches diese Zwischenwelt, in der Jordans Film spielt, nun mal so mit sich bringt, verleiht MONA LISA immer wieder einen Hauch des Verbotenen, wobei der Film dabei nie in komplett schmierige Gefilde abzudriften droht. Dreh- und Angelpunkt des Gelingens des Films ist jedoch Bob Hoskins in der Rolle des Chauffeurs. Wird er in den ersten Szenen zunächst noch als jähzorniger Unsympath eingeführt, gelingt es ihm durch sein überzeugendes Spiel mit zunehmender Laufzeit immer mehr, den Zuschauer für sich zu gewinnen und ihn dazu zu bringen, ihn als Identifikationsfigur, mit der es sich lohnt, mitzufiebern, vollkommen zu akzeptieren.

MONA LISA ist einer dieser Filme, die einen als Zuschauer schleichend in ihren Bann ziehen, bei denen man irgendwann zu merken beginnt, dass man sich einfach nicht mehr von ihnen lösen kann, die einen um den sprichwörtlichen Finger wickeln und bei denen das Einsetzen des Abspanns durchaus Ernüchterung auslöst, da man gerne noch mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SUDDEN DEATH (USA 1995, Regie: Peter Hyams)

sudden death

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Während des letzten und entscheidenden Spiels des Stanley-Cup-Finales der NHL nimmt eine Gruppe von Terroristen, angeführt von Powers Boothe in der Rolle des Joshua Foss, den US-Vizepräsidenten (Raymond J. Barry) als Geisel und droht damit, das komplette Eishockey-Stadion in die Luft zu jagen, wenn ihre finanziellen Forderungen nicht erfüllt werden. Während die Zuschauer gar nichts von der Bedrohung mitbekommen, nimmt der Feuerinspektor Darren McCord (Jean-Claude Van Damme) den einsamen Kampf gegen die Schwerverbrecher auf und hat dafür auch persönliche Gründe. Sein Sohn und seine Tochter befinden sich im Stadion und letztere ist in die Hände der Terroristen geraten…

Ein abgeschlossener Raum, eine terroristische Bedrohung, ein Mann, der persönlich betroffen ist und den Kampf aufnimmt – nachdem Steven Seagal bereits 3 Jahre zuvor in UNDER SIEGE seine eigene DIE HARD-Variante auf einem Schiff auf die Leinwände bringen durfte, ist es nun Jean-Claude Van Damme, der in die Bruce-Willis-Rolle schlüpft und es unter der Regie von Peter Hyams mit Terroristen in einem Eishockeystadion zu tun bekommt.

SUDDEN DEATH entstand damals am Höhepunkt der Karriere von Jean-Claude Van Damme, bereits kurze Zeit später sollte es mit dessen Erfolgen langsam bergab gehen, bis er sich schließlich – wie so viele seiner Kollegen, allen voran natürlich Steven Seagal – in der DTV-Hölle wiederfinden sollte. Bei mir persönlich löst das Wiedersehen mit einem Film wie diesem hier – nach gut 20 Jahren – vor allem ein Gefühl der Wehmut aus. Natürlich ist SUDDEN DEATH kein Kandidat für irgendwelche Filmpreise, aber er ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben und wurde damals ganz offensichtlich mit einem Budget ausgestattet welches den Machern erlaubte, einen Film für die große Leinwand zu drehen. Er ist spannend inszeniert, seine Pro- und Antagonisten erzeugen beim Zuschauer Emotionen (vor allem Powers Boothe ist toll als diabolischer Bösewicht), die Action-Highlights sind innerhalb des Handlungsverlaufs perfekt platziert und über fehlende Härten kann man sich als Fan des Actionfilms nun wahrlich auch nicht beklagen. Heute, im Jahr 2016, könnte ein Film wie SUDDEN DEATH nicht mehr fürs Kino gedreht werden. Er wäre zu unspektakulär, viel zu klein für die große Leinwand. Filme wie dieser finden heutzutage nur noch im DTV-Bereich statt, was man ihnen oftmals aufgrund des fehlenden Budgets und mitunter auch des fehlenden Talents (hinter und vor der Kamera) deutlich ansieht. Ein Umstand, den ich persönlich ausgesprochen bedauerlich finde. Ich vermisse Filme wie SUDDEN DEATH in der aktuellen Kinolandschaft, sehr sogar.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK II (USA 2002, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black ii

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg von MEN IN BLACK kam 5 Jahre später diese Fortsetzung in die Kinos, die sich natürlich sämtlichen Sequel-Regeln unterwarf. Alles ist etwas größer, phantastischer, spektakulärer und witziger geraten als im Vorgänger, die Bedrohung für die Menschheit ist noch ein Stück bedrohlicher und das von Will Smith und Tommy Lee Jones gebildete Duo – letzterer muss aufgrund der akuten Gefahr sogar aus dem wohlverdienten Ruhestand zurückgeholt werden – ist natürlich noch schlagfertiger als im Film zuvor.

Und doch trifft auch meine schon bei MEN IN BLACK gewonnene Erkenntnis hier zu. Im Vergleich zu dem Bombast, den das moderne Blockbusterkino so zu bieten hat, kommt auch MEN IN BLACK II erfreulich klein und bescheiden daher. Die Nettolaufzeit von MEN IN BLACK II dauert gerade mal 80 Minuten – in mancher aktuellen Comicverfilmung würde man sich wünschen, in den ersten 80 der insgesamt 160 Minuten passiere überhaupt mal etwas -, die Geschichte wird ohne große Schnörkel erzählt und ist in ihrer Einfachheit und Eingängigkeit ungemein unterhaltsam, witzig und einfach nur sympathisch. Blockbusterkino aus einer mittlerweile längst vergangenen Zeit, das auf mich persönlich aber auch heute noch eine riesige Faszination ausübt. Das ist einfach richtig gute Unterhaltung, die Barry Sonnenfeld und sein Team hier präsentieren, mit vielen tollen Ideen und einem wunderbaren Hauptdarstellergespann. Lediglich die CGI-Effekte haben die letzten 14 Jahre an technischer Entwicklung nicht ganz so gut überstanden. Das ist allerdings ein Makel, der leicht zu verkraften ist.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SPY (USA 2015, Regie: Paul Feig)

spy

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um eine globale Katastrophe zu verhindern muss in SPY die CIA-Analystin Susan Cooper (Melissa McCarthy) ihren sicheren Schreibtischjob verlassen und stattdessen einen gefährlichen Undercover-Auftrag übernehmen – für den sie eigentlich gar nicht geeignet ist…

Nach BRIDESMAIDS und THE HEAT ist SPY nun schon der dritte Film, in dem Regisseur Paul Feig mit Hauptdarstellerin Melissa McCarthy zusammenarbeitet und diese Zusammenarbeit ist wie schon in den beiden Filmen zuvor ausgesprochen ansehnlich geraten. SPY geht von Anfang bis zum Ende als lupenreine James-Bond-Persiflage durch, präsentiert schon während der obligatorischen Anfangscreditsequenz mit dem Song “Who Can You Trust“ von Ivy Levan so ganz nebenbei einen der besten “Bond“-Songs der letzten Jahre, konzentriert sich in den folgenden 2 Stunden darauf, das Bond-Konzept auf ebenso unterhaltsame wie respektlose Art und Weise durch den Kakao zu ziehen und ist darüber hinaus sogar noch durchaus spannend geraten. Über Melissa McCarthy kann ich mich immer wieder regelrecht kranklachen – als Agentin wider Willen ist sie einmal mehr eine absolute Schau – und auch ihre beiden Co-Stars Jason Statham und Jude Law überzeugen mit großem komödiantischen Talent und einem feinen Gespür für immer wieder gelungenem Timing. Man merkt SPY regelrecht an, dass die Beteiligten beim Dreh dieses Films verdammt viel Spaß gehabt haben dürften und dieser Spaß überträgt sich über weite Strecken eins-zu-eins auf den Zuschauer. Lediglich die Laufzeit des Films ist mit 130 Minuten in der Extended Fassung doch etwas arg üppig ausgefallen und so kommt man nicht umhin, anmerken zu müssen, dass sich immer wieder kleinere Längen einzuschleichen drohen und der Film mitunter etwas auf der Stelle zu treten scheint. Dem positiven Gesamteindruck kann diese kleinere Schwäche jedoch kaum Schaden zufügen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 9 (USA 2013 /2014, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 In der neunten und letzten Staffel lernt der von Josh Radnor gespielte Ted Mosby nun endlich die Mutter seiner künftigen Kinder kennen. Die Erzählzeit der Staffel beschränkt sich – bis auf die letzte Doppelfolge – dabei auf einen extrem übersichtlichen Rahmen, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, begleitet man die Freunde erstmals nicht durch ein komplettes Jahr. Staffel 9 schließt unmittelbar an das Ende der vorherigen Staffel an und spielt sich gänzlich wenige Tage vor der Hochzeit von Barney (Neil Patrick Harris) und Robin (Cobie Smulders) ab.

Wie schon der Vorgängerstaffel ist auch dieser finalen Season deutlich anzumerken, dass den kreativen Köpfen hinter HOW I MET YOUR MOTHER langsam aber sicher die Ideen ausgegangen sind. Es gibt einige Füllerepisoden, die gerade mal unterhaltsam geraten sind und denen man anmerkt, dass sie nur gedreht wurden, um am Ende des Tages wieder auf 24 Folgen zu kommen. Glücklicherweise sind die guten Folgen immer noch in der Überzahl und so ein, zwei echte Highlight-Episoden sind auch wieder vorhanden. So bringen Carter Bays und Craig Thomas ihre Serie zumindest zu einem halbwegs würdigen Ende.

An der finalen Doppelfolge dürften sich die Geister ziemlich scheiden. Hier rast der Zuschauer regelrecht durch die Zukunft der verschiedenen Protagonisten, hakt einzelne Stationen in deren Leben ab und landet letztendlich im Jahr 2030, in dem er Zeuge wird, wie Ted Mosby seine Geschichte beendet. Sehr gut hat mir dabei gefallen, wie es den Machern gelungen ist, in diesen 40 Minuten aufzuzeigen, wie fragil Lebenspläne aussehen können, wie sich Freundschaften zu verlieren drohen, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagt, wie die Unbeschwertheit der 20er und frühen 30er Jahre im Leben eines Menschen irgendwann durch den Ernst des Lebens und den Alterungsprozess verloren geht. Richtig ärgerlich an dieser letzten Episode ist tatsächlich dieser finale Twist, den es einfach nicht gebraucht hätte und der auch extrem unglaubwürdig rüberkommt. Auf der DVD ist auch eine alternative Version dieser Episode enthalten, die ohne diesen Twist auskommt und die Serie so zu einem viel schöneren Ende führt. Vielleicht hätten die Macher ihre Serie einfach mit dieser Fassung offiziell beenden sollen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

JURASSIC PARK (USA 1993, Regie: Steven Spielberg)

jurassic park

(Fassung: DVD, Universal/Columbia TriStar, Deutschland)

Der Mega-Blockbuster aus dem Jahr 1993. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie man schon Monate vor Kinostart durch verschiedene Teaser im Kino extrem angefixt wurde, einem die Werbung vor dem Film am Tag des Deutschlandstarts fast schon unerträglich lang vorkam und die arme Eisverkäuferin (die Älteren unter uns werden sich an diese alte Gepflogenheit in den Kinos noch erinnern) unter lauten Buhrufen aus dem Saal gejagt wurde. Wirklich jeder wollte endlich die Dinosaurier auf der Leinwand und dieses Erlebnis sollte nicht noch von diversen Eiskäufen hinausgezögert werden. Als die Dinos dann nach gut 20 Minuten ihren ersten Auftritt hatten, war das schon einer dieser Kinomomente, die einfach nur Gänsehaut verbreiten.

Über 20 Jahre später nun ein erneutes Wiedersehen mit JURASSIC PARK (zuletzt dürfte ich den Film im Jahr 2001 auf DVD gesehen haben) und die damit verbundene Erkenntnis, dass Spielbergs Film die lange Zeit mehr als gut überstanden hat, auch heute noch ausgesprochen faszinierend wirkt und dem Zuschauer genau das bietet, was der sich von so einem Mega-Blockbuster erwartet: spektakuläre, geradlinige und spannende Unterhaltung, mit Figuren, die mehr sind als bloße Abziehbildchen, sondern Charaktere, für die man als Zuschauer Gefühle entwickeln kann, mit mitreißenden Suspense-Szenen (das erste Auftauchen des T-Rex, die Raptoren in der Küche, usw.) und mit Effekten, die auch heute noch richtig, richtig gut aussehen.

Ähnlich wie die beiden kurz zuvor gesehenen MEN IN BLACK-Filme gehört auch JURASSIC PARK zu einer Gattung des Blockbusterkinos, die mittlerweile komplett ausgestorben zu sein scheint. Ich bin gespannt, ob die aktuelleren Fortsetzungen dieser beiden Reihen, die ich mir demnächst ansehen werde, vielleicht ein kleines bisschen dieser alten Blockbustermagie entfachen können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 1 (USA 2013, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In der ersten Staffel von HOUSE OF CARDS lernt der Zuschauer den Kongressabgeordneten Francis Underwood (Kevin Spacey) kennen, der sich große Hoffnungen auf den Außenministerposten unter dem neuen US-Präsidenten Garrett Walker (Michael Gill) gemacht hatte, von diesem jedoch abgekanzelt wurde. Der einflussreiche Underwood entspinnt ein Netz aus Intrigen und Korruption um am Ende des Tages doch irgendwie seinen Fuß in die Tür des Weißen Hauses zu bekommen…

Wow, normalerweise bin ich bei diese extrem gehypten Serien ja immer etwas skeptisch (nicht zuletzt seit der für mich ernüchternden und enttäuschenden Seherfahrung mit BREAKING BAD), aber bei HOUSE OF CARDS kann man dem ganzen Hype tatsächlich Glauben schenken. Die aus dem gleichnamigen Roman des Autoren Michael Dobbs und der auf diesem basierenden Miniserie der britischen BBC entwickelte Vision von Beau Willimon ist tatsächlich von der ersten bis zur letzten Minute spannend, packend und entwickelt ein enormes Suchtpotential. Die insgesamt 13 Episoden dieser ersten Staffel fliegen regelrecht an einem vorbei, die immer neuen Intrigen, die sich der von Kevin Spacey einfach nur grandios verkörperte Underwood ausdenkt, um an seine Ziele zu kommen, lassen einen immer wieder sprachlos zurück und wenn am Ende klar ist, dass Underwood sein erstes Etappenziel erreicht haben wird, kann man es kaum erwarten, zu erfahren, wie es denn wohl weitergehen wird, ob die sich auf seinen Fersen befindliche Reporterin es schaffen wird, sein Konstrukt aus Lug und Trug aufzudecken, oder ob er dieses Netz weiter spinnen kann, ohne dass er selbst irgendeinen Schaden davonträgt.

Neben Kevin Spacey als Underwood brillieren insbesondere Robin Wright als dessen Ehefrau Claire und Kate Mara als Reporterin Zoe Barnes und als Regisseure der ersten Staffel erschaffen u.a. David Fincher, James Foley, Joel Schumacher und Carl Franklin eine politische Landschaft am Abgrund, ohne jegliche Moral, die trotz der vielen schier unfassbaren Wendungen, die einem als Zuschauer hier aufgetischt werden, so verdammt authentisch und glaubwürdig wirkt, dass man es eigentlich nur als erschreckend bezeichnen kann.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

ALOHA (USA 2015, Regie: Cameron Crowe)

aloha

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 In ALOHA dreht sich alles um den ehemaligen Militärberater Brian Gilcrest (Bradley Cooper), der nach langen Jahren nach Hawaii zurückkehrt um den Start eines Waffensatelliten zu überwachen und dort fast zwangsläufig auf seine alte Liebe Tracy (Rachel McAdams) trifft, für die Gilcrest noch immer Gefühle hegt. Das Militär vor Ort stellt ihm in der attraktiven Allison Ng (Emma Stone) eine Art Wachhund an die Seite, für die Gilcrest schon nach kurzer Zeit auch ernsthafte Gefühle zu entwickeln scheint. Hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen fällt es dabei ziemlich schwer, den eigentlichen Job zu erledigen…

Ok, ALOHA sieht phantastisch gut aus, was natürlich in erster Linie der traumhaften Kulisse von Hawaii geschuldet ist, versucht den Zuschauer zudem mit einer wirklich federleicht erzählten Geschichte einzulullen und über seine komplette Laufzeit eine Atmosphäre zu entwickeln, die den Zuschauer in so etwas wie Wellness- oder Urlaubsstimmung versetzen soll. Das ist ja alles durchaus hübsch und nett anzusehen, bei näherer Betrachtung verpuffen die billigen Taschenspielertricks, die zum Einlullen des Zuschauers angewendet werden, aber wie heiße Luft. ALOHA ist erschreckend leer und – insbesondere vor dem Hintergrund, dass dieser Film von dem Regisseur inszeniert wurde, der für einen meiner absoluten Lieblingsfilme (ALMOST FAMOUS) verantwortlich zeichnete – weit davon entfernt, als sehenswert oder auch nur ansatzweise gut bzw. unterhaltsam bezeichnet zu werden. Gerettet wird der Film letztendlich von der namhaften Besetzung (neben Bradley Cooper, Rachel McAdams und Emma Stone sind auch noch Bill Murray und Alec Baldwin mit von der Partie), der wirklich tollen Kameraarbeit von Eric Gautier, dem guten Soundtrack von Jónsi & Alex und dem einen oder anderen witzigen Moment, der sich in die inhaltliche Leere eingeschlichen hat.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

02/2016 – Sichtungen 10-18

THE CONDEMNED (USA 2007, Regie: Scott Wiper)

the condemned

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

 In THE CONDEMNED kauft ein ebenso skrupelloser wie schwerreicher TV-Produzent (Robert Mammone) aus diversen Gefängnissen insgesamt 10 zum Tode verurteilte Verbrecher (u.a. Steve Austin, Vinnie Jones) frei, verfrachtet diese auf eine einsam gelegene Insel, zwingt sie, sich gegenseitig selbst auszuradieren und überträgt das fragwürdige Spektakel per Livestream im Internet. Dem Überlebenden der Todeskandidaten winkt ein Leben in Freiheit…

THE CONDEMNED wurde von WWE Films produziert – WWE steht für World Wrestling Entertainment -, einer Produktionsgesellschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, diverse Superstars des Wrestling auf die große Leinwand zu bringen. Diesen Fakt sollte man bei der Sichtung des Films im Hinterkopf behalten, insbesondere wenn man auch nur einen Hauch von Anspruch erwartet. THE CONDEMNED steht in der Tradition des guten, alten Menschenjagd-Films, von denen es im Lauf der Filmgeschichte ja schon einige gegeben hat. Anders als die meisten Vertreter dieses Subgenres verlegt Scott Wiper die Handlung seines Films jedoch nicht in eine dystopische Gesellschaft der (nicht allzu) fernen Zukunft, sondern ins Hier und Jetzt und zeichnet den momentanen Zustand der Welt als komplett pervertiert und verdorben (womit er ja nicht unbedingt falsch liegt).

THE CONDEMNED hat dabei – wie so viele andere Filme dieses Subgenres – natürlich das Problem, dass er das, was er da anprangert und verurteilt, dem Zuschauer vor der Leinwand bzw. vor dem heimischen Fernseher natürlich auch auf möglichst spektakuläre Weise servieren will und sich aus diesem Grund durchaus kritische Stimmen gefallen lassen und sich mit dem Vorwurf der Verlogenheit auseinandersetzen muss. Es ist dieser schmale Grat zwischen selbstzweckhafter Exploitation und aufrichtiger Medienkritik auf dem es zu wandeln gilt und das gelingt THE CONDEMNED – insbesondere unter der Berücksichtigung, dass sich da nicht unbedingt ein Ensemble talentierter Charakterdarsteller vor der Kamera eingefunden hat – über weite Strecken des Films durchaus passabel. Regisseur Scott Wiper spart sich ironische Distanz zum Geschehen auf der Leinwand und erzählt seine Geschichte praktisch ohne jeglichen Anflug von Humor. Das macht das Gezeigte für den Zuschauer über weite Strecken ziemlich unangenehm und davon, als unbeschwerte Unterhaltung bezeichnet werden zu können, ist THE CONDEMNED doch ziemlich weit entfernt. Vielleicht hätte man sich einige geschmackliche Entgleisungen sparen können (insbesondere diese peinliche Rede am Ende des Films) und vielleicht ist dieser finale Gut-gegen-Böse-Konflikt etwas zu naiv geraten, insgesamt betrachtet hat mich THE CONDEMNED aber durchaus positiv überrascht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEADPOOL (Kanada / USA 2016, Regie: Tim Miller)

deadpool

(Fassung: Central-Kino Hof, O-Ton-Vorführung)

Ryan Reynolds spielt den ehemaligen Elitesoldaten und jetzigen Söldner Wade, der sich – um eine tödliche Krebserkrankung zu besiegen – auf ein medizinisches Experiment der extremeren Art einlässt und sich schon bald in der Rolle eines Versuchskaninchens wiederfindet. Doch die Behandlungsmethoden zeigen Wirkung und aus Wade wird Deadpool – ein unter einer Persönlichkeitsstörung leidender und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Superheld der etwas anderen Art…

Ob DEADPOOL der Comicvorlage nun gerecht wird kann und will ich nicht beurteilen, denn dazu müsste ich die Vorlage kennen. Das sollen andere entscheiden, Aussagen aus meinem Freundeskreis ist aber durchaus zu entnehmen, dass Miller mit seiner Verfilmung den Comic adäquat umgesetzt hat. Innerhalb der unzähligen Superheldenfilme, die in den letzten Jahren so in die Kinos gekommen sind, ragt DEADPOOL definitiv hervor. Ob er nun eher positiv oder eher negativ hervorragt, ist am Ende des Tages wohl reine Geschmackssache. DEADPOOL hat sicher das Potential, dass man sich an ihm reiben kann. Ich denke, hier dürfte es kein sonderlich breites Meinungsspektrum geben. Die einen werden begeistert sein, die anderen werden ihn hassen.

DEADPOOL ist auf größtmögliche Provokation – innerhalb der engen Grenzen des Blockbusterkinos – getrimmt, lotet diese Grenzen genüsslich aus und versucht auch immer wieder, diese zu überschreiten. Die Grenzüberschreitungen werden dann aber auch immer wieder ironisch gebrochen. DEADPOOL ist fast schon bemüht durchgeknallt und überdreht und das ständige Durchbrechen der Vierten Wand und dieses mehr als aufdringliche Spot-the-Reference-Gehabe führen letztendlich auch dazu, dass man DEADPOOL eigentlich nie so richtig ernst nehmen kann. Würde man diese unzähligen Tabubrüche, die hier begangen werden, mal genauer betrachten, würde man wohl zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass da Genrefilmer vor über 40 Jahren weitaus provokantere Sachen in die Kinos gebracht haben als das, was Miller hier abliefert. DEADPOOL funktioniert so vor allem als ultimative Nerdfantasie und als Ansammlung skurriler Schauwerte. Und als solche funktioniert er tatsächlich ganz vorzüglich. Denn wenn man sich auf DEADPOOL mit all seinem Imponiergehabe, all seinem Gepose und all seinem Radau einlässt – und das ist mir glücklicherweise gelungen – wird man mit einem verdammt unterhaltsamen Stück Film belohnt, welches – auch wenn hier weitaus mehr Schein als Sein am Werk ist – innerhalb des typischen Superhelden-Mainstream-Kinos als fast schon einzigartig bezeichnen werden kann. Für einen Blockbuster ist DEADPOOL tatsächlich maximal asozial geraten und es ist ein Wunder, dass dieser Film von einem Major-Studio wie 20th Century Fox in die Kinos gebracht wurde. Bei Disney, welche ja einen Großteil des Marvel-Franchises fürs Kino verwerten, hätte der Film in dieser Form sicher nie die Lichter der Leinwände erblickt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

LOVE (Belgien / Frankreich 2015, Regie: Gaspar Noé)

love

(Fassung: Blu-ray 3D, Alamode Film, Deutschland)

Eine Nachricht auf seiner Mailbox am Neujahrsmorgen schickt den verkaterten Murphy (Karl Glusman), einen in Paris lebenden Amerikaner, auf einen Erinnerungstrip in die eigene Vergangenheit und Regisseur Gaspar Noé lässt uns als Zuschauer daran teilhaben. Wir werden Zeuge, wie Murphy einst die ebenso attraktive wie instabile Electra (Aomi Muyock) kennenlernte, welche die Liebe seines Lebens werden sollte und die er aus Dummheit gehen ließ. Nun sitzt er da, mit einem kleinen Kind und einer anderen Frau (Klara Kristin), die er nicht liebt und sein Leiden über die verlorene Liebe seines Lebens ist auch für den Zuschauer fast körperlich spürbar. LOVE ist ein Film, der mitten ins Herz trifft, einen packt und einfach nicht mehr loslässt. Das Spiel der verschiedenen Darsteller ist so natürlich, so realistisch, so authentisch, so unglaublich explizit und direkt, dass man als Zuschauer das Gefühl bekommt, man würde irgendwo als heimlicher Beobachter in der Ecke sitzen und keinen fiktiven Figuren aus einem Film zusehen, sondern tatsächlich reale Menschen beobachten.

LOVE fordert einen als Zuschauer. Wegen seiner Explizitheit, seiner Tabulosigkeit und wegen dieses bereits erwähnten, ungemein intensiven Spiels von insbesondere Karl Glusman und Aomi Muyock. Aber so verstörend und herausfordernd LOVE stellenweise auch sein mag, er ist in allererster Linie eine hocherotische und einfach nur wunderschöne Liebeserklärung an die Liebe und das Leben. Er ist gerade wegen des dramatischen Schicksals von Murphy und Electra eine regelrechte Aufforderung an den Zuschauer, nicht dieselben Fehler zu begehen wie die beiden, sondern sich bewusst zu machen, welch unbezahlbarer Schatz dieses Finden der “wahren“ Liebe doch ist. Jeder hat es selbst in der Hand, diesen Schatz festzuhalten und nicht leichtfertig wieder aufzugeben.

Bewertung: Meisterwerk! – 10/10

 

 

WHIPLASH (USA 2014, Regie: Damien Chazelle)

whiplash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

WHIPLASH scheint ja tatsächlich zum erlauchten Kreis der Filme zu gehören, die man als Zuschauer laut herrschender Meinung gefälligst meisterlich, zumindest aber hervorragend zu finden hat. In den Top 250 der IMDB belegt er momentan den 44. Platz, es gab Oscar-Nominierungen als bester Film und für das beste, adaptierte Drehbuch und u.a. eine Oscar-Auszeichnung für J.K. Simmons als bester Nebendarsteller.

Erzählt wird die Geschichte eines talentierten, jungen Musikschülers – gespielt von Miles Teller -, der von seinem Lehrer (J.K. Simmons) gequält, tyrannisiert und an sämtliche Belastungsgrenzen getrieben wird, bis er schließlich daran zu zerbrechen droht.

Zu behaupten, WHIPLASH sei ein guter Film, fällt definitiv nicht schwer. Dazu spielt J.K. Simmons diesen tyrannischen, ja fast schon diabolischen Lehrer, einfach viel zu gut und es macht als Zuschauer zu viel Spaß, diesem etwas anderen Bösewicht bei seinem fiesen Treiben zuzusehen. Sonderlich viel mehr hat WHIPLASH meines Erachtens jedoch nicht zu bieten. Die ganze Geschichte ist viel zu vorhersehbar und klischeehaft in ihrem Verlauf und so etwas wie eine echte Bindung zu den handelnden Personen konnte ich während des ganzen Films nicht aufbauen. WHIPLASH hat mich als Zuschauer nicht wirklich berührt, er hat mich in der Rolle des stillen Beobachters in der Ecke sitzen lassen. Ich persönlich war – nach diesen unzähligen positiven und euphorischen Stimmen zum Film – fast ein bisschen enttäuscht, bin vielleicht auch an der eigenen Erwartungshaltung gescheitert. Aber zumindest dieses Drumsolo, mit dem Chazelle seinen Film beendet, ist tatsächlich so intensiv, atemberaubend und grandios wie überall beschrieben.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOR LOVE OF THE GAME (USA 1999, Regie: Sam Raimi)

for love of the game

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 Kevin Costner spielt den alternden Baseball-Star Billy Chapel, der sein Leben lang für die Detroit Tigers angetreten ist und nicht wenige Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt hat. Nun ist er im Spätherbst seiner Karriere angelangt und muss – nachdem er erfahren hat, dass die Tigers den Besitzer wechseln und er zur neuen Saison verkauft werden soll – eine Entscheidung treffen, wie es mit seiner Karriere und seinem Leben weitergehen soll…

Innerhalb der Regiekarriere von Sam Raimi sticht FOR LOVE OF THE GAME deutlich hervor. Nicht aufgrund seines etwa großen Erfolges, vielmehr war eher das Gegenteil der Fall. Schenkt man der IMDB Glauben, spielte FOR LOVE OF THE GAME nicht mal die Hälfte seines Budgets von rund 80 Mio. US-Dollar wieder ein und muss dann doch eher als großer Flop verbucht werden. Nein, dieser Film sticht aus Raimis Filmographie so hervor, da er der einzige Film ist, den Raimi bis heute außerhalb des Genres des (weitläufigen) phantastischen Films gedreht hat. Raimi hat sich hier an einer Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und Sportfilm versucht und ist dabei so richtig baden gegangen. Weshalb nun gerade dieser Film bei Kritik und Publikum so dermaßen durchfiel, kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich erklären. Wenn man einem Subgenre klischeehafte Charaktere und vorhersehbare Handlungsverläufe verzeiht, dann ist es doch eigentlich das Genre des Sportfilms. Denn das lebt ja gerade von seinen Klischees, davon, dass am Ende der große Erfolg steht, der den Sieg holt, der ihn sich verdient hat, die richtigen Entscheidungen getroffen werden – mögen sie noch so klischeehaft und vorhersehbar sein. Dies alles gibt es auch in FOR LOVE OF THE GAME für den Zuschauer zu sehen und wenn man sich auf den Film einlässt und entsprechend nachsichtig mit ihm ist, dann kann man meines Erachtens durchaus von ihm mitgerissen werden. Ich fand beispielsweise, dass gerade der von Kevin Costner gespielte Billy Chapel in seiner Unentschlossenheit, seiner Melancholie aufgrund des nahenden Karriereendes durchaus überzeugend und glaubwürdig gezeichnet wurde. Man nimmt dem Mann ab, dass er zwischen der Liebe zum Spiel und seiner Liebe zu der von Kelly Preston gespielten Jane Aubrey hin- und hergerissen ist und hofft mit ihm, dass er die für ihn richtige Entscheidung finden möge. Und auch das Stilmittel, die Geschichte immer wieder auch in Rückblenden zu erzählen, hat mir gerade bei dieser Geschichte ausgesprochen gut gefallen.

Für mich persönlich ist es bei der Beurteilung eines Films wichtig, dass er mich in irgendeiner Weise berührt hat. Und das ist Raimi mit seinem Flop FOR LOVE OF THE GAME weitaus besser gelungen als beispielsweise Damien Chazelle mit dem unmittelbar zuvor angesehenen und vom Publikum und Kritik hochgelobten WHIPLASH. Am Ende des Tages ist wohl doch alles nur eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich ja bekanntlich schlecht streiten. Auch wenn es mitunter verdammt viel Spaß macht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SAN ANDREAS (USA 2015, Regie: Brad Peyton)

san andreas

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

In Kalifornien bebt die Erde und Dwayne Johnson versucht als Pilot eines Rettungshubschraubers seine Tochter und seine Ex-Frau aus der Naturkatastrophe zu retten…

SAN ANDREAS gehört zum Genre des guten, alten Katastrophenfilms und überzeugt natürlich in erster Linie durch seine Schauwerte und weniger durch eine besonders ausgeklügelte und innovative Handlung. Inmitten der Katastrophe gibt es das standardisierte Familienmelodram, an dessen Ende natürlich die Rettung und Wiedervereinigung der zuvor – nicht nur durch die Katastrophe – getrennten Familie steht. So darf man sich als Zuschauer bei SAN ANDREAS also in erster Linie entspannt zurücklehnen und sich von den Schauwerten begeistern lassen. Und die haben es tatsächlich in sich. Peytons Film ist visuell – auch aufgrund seiner guten 3D-Effekte – wirklich mehr als ansprechend geraten und die spektakulären Effekte, bei denen einem als Zuschauer das eine oder andere Mal der Mund vor Erstaunen und Begeisterung offen steht, werden durch ein mehr als druckvolles Sounddesign ergänzt, was letztendlich dazu führt, dass es in rein technischer Hinsicht an SAN ANDREAS aber mal rein gar nichts auszusetzen geben dürfte. Ganz wunderbares Popcornkino – nicht mehr und auch nicht weniger.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

BECKS LETZTER SOMMER (Deutschland 2015, Regie: Frieder Wittich)

becks letzter sommer

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Christian Ulmen spielt den Lehrer Robert Beck, der einst eine vielversprechende Karriere als Musiker aufgab um lieber einen sicheren Job als Staatsbeamter anzutreten. Nun ist Beck Mitte 30, frustriert von Privatleben und Job und hadert zudem mit den vergebenen Chancen seiner Vergangenheit. Als er in einem seiner Schüler (Nahuel Pérez Biscayart) großes musikalisches Talent entdeckt, versucht er, diesem einen Plattenvertrag zu verschaffen und erhofft sich dadurch, auch selbst aus dem ungeliebten Hamsterrad des Beamtentums aussteigen zu können und es doch noch zu einer Karriere im Musikbusiness zu bringen…

Wittichs Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Benedict Wells, der angeblich beim Schreiben des Buchs und der Entwicklung der Figur des Robert Beck an Christian Ulmen gedacht hat (dummerweise finde ich die Quelle für diese Behauptung gerade nicht, bin mir aber sicher, dass mehrmals gelesen zu haben). Und tatsächlich kann man sich niemanden anders als Christian Ulmen in der Rolle dieses streitbaren Verlierers feststellen, der die Förderung seines Schülers nicht nur aus barmherzigem Samaritertum, sondern vor allem auch aus egoistischen Gründen vorantreibt. Da Ulmen diesen Charakter aber spielt wie Ulmen solche Charaktere nun mal zu spielen pflegt, kann man sich als Zuschauer – der sich vielleicht selbst gerade in Becks Alter befindet oder dieses bereits vor ein paar Jahren überschritten hat und diese Situationen kennt, in denen man sich gerade in diesem Alter Gedanken darüber macht, ob man nicht irgendwelche Chancen in seinem Leben unbedacht hat liegen lassen – ganz vorzüglich in den von Ulmen gespielten Beck hineinversetzen, ihn stellenweise verstehen, Empathie und durchaus auch Sympathie für ihn empfinden. Regisseur Frieder Wittich ist mit BECKS LETZTER SOMMER insbesondere in der ersten Hälfte eine witzige, wunderbar melancholische und auch bewegende Loser-Ballade gelungen, von der man sich als Zuschauer ganz vorzüglich treiben lassen kann. Das Problem von Wittichs Film – und das dürfte der Vorlage geschuldet sein – ist dann die zweite Hälfte, in der BECKS LETZER SOMMER zum Road Movie mutiert, in der er etwas die Orientierung zu verlieren scheint und auch viel seiner Glaubwürdigkeit aus der ersten Hälfte des Films wieder einbüßt. Die macht dann leider aus einem anfangs noch sehr guten Film am Ende doch einen “nur“ guten Film.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CLOUDS OF SILS MARIA (Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014, Regie: Olivier Assayas)

clouds of sils maria

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

Mit dem Theaterstück “Maloja Snake“ und dem gleichnamigen darauffolgenden Film schaffte die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) einst den großen Durchbruch in der Rolle einer blutjungen Verführerin, die ihre Vorgesetzte in ein Verhältnis verwickelt. Nun, 20 Jahre später, möchte ein erfolgreicher Jungregisseur (Lars Eidinger) das Stück mit der Starschauspielerin erneut auf die Bühnen bringen. Nun soll sie verständlicherweise jedoch die Rolle der älteren Verführten bekleiden, ihr Part von damals geht an die skandalumwitterte Jungschauspielerin Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz). Nach anfänglichem Zögern sagt Maria zu und begibt sich mit ihrer persönlichen Assistentin, der weitaus jüngeren Valentine (Kristen Stewart), in die einsame Schweizer Bergwelt, um sich dort auf ihre Rolle vorzubereiten…

CLOUDS OF SILS MARIA funktioniert in erster Linie als Metafilm, denn im Endeffekt spielen sich Juliette Binoche und Chloë Grace Moretz selbst. Wie ihre Maria Enders muss auch Juliette Binoche in ihrer echten Karriere damit leben, dass die wirklich attraktiven Rollen an weitaus jüngere Schauspielerinnen vergeben werden, so wie sie einst selbst als Jungschauspielerin den älteren Kolleginnen begehrte Parts vor der Nase wegschnappte. Regisseur und Drehbuchautor Olivier Assayas hat mit CLOUDS OF SILS MARIA einen Film über das Älterwerden, über Generationenkonflikte und über Würde gedreht, der bestens dazu geeignet ist, auch beim Zuschauer diverse Prozesse des Nachdenkens anzustoßen.

Seine Faszination zieht Assayas’ Film vor allem aus dem ganz vorzüglichem Spiel seiner drei weiblichen Hauptdarstellerinnen (wobei man die Rolle von Chloë Grace Moretz auch als Nebenrolle bezeichnen könnte, ist sie doch deutlich kleiner als die von Binoche und Stewart), insbesondere aus dem Zusammenspiel zwischen Juliette Binoche und Kristen Stewart, die sich wirklich perfekt ergänzen und dieses Aufeinanderprallen verschiedener Generationen unheimlich authentisch und witzig rüberbringen. Es ist eine Freude den Dialogen der beiden zu lauschen und sie dabei zu beobachten, wie sich aus den Proben für das Theaterstück immer wieder interessante Streitgespräche und Diskussionen entwickeln. Vor allem die Leistung von Kristen Stewart kann man gar nicht hoch genug in den Himmel loben. Sie gibt hier die wahrscheinlich beste Vorstellung ihrer bisherigen Karriere und ich muss gestehen, dass ich ihr einen solchen Auftritt nicht wirklich zugetraut hätte.

CLOUDS OF SILS MARIA ist intelligent, dramatisch, witzig, regt zum Nachdenken an und begeistert zudem mit dieser einfach nur beeindruckenden Naturkulisse der Schweizer Bergwelt, die auch dazu führt, dass sich über CLOUDS OF SILS MARIA stellenweise eine leicht mystisch angehauchte Stimmung legt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 8 (USA 2012 /2013, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 Auch in der mittlerweile achten und vorletzten Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER versuchen die Macher den in den beiden vorherigen Staffeln eingeschlagenen Weg weiterzugehen und sich in den einzelnen Episoden mehr auf das große Ganze und weniger auf von der Rahmenhandlung unabhängige Folgen zu konzentrieren. Das gelingt über weite Strecken zwar ganz gut, qualitativ muss man im direkten Vergleich zu den sehr guten Staffeln Nr. 6 und 7 aber doch einige Abstriche in Kauf nehmen. Man merkt der Serie an, dass im achten Jahr nun doch so langsam die Ideen auszugehen scheinen. Viele Gags wiederholen sich, die eine oder andere Füller-Episode hat sich auch eingeschlichen und insgesamt betrachtet ist HOW I MET YOUR MOTHER einfach nicht mehr so extrem lustig wie in den Jahren zuvor. Die besten Gags gehen – wie gewohnt – erneut auf das Konto von Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney Stinson und er ist dann auch hauptverantwortlich dafür, dass sich HOW I MET YOUR MOTHER im Laufe der 24 Episoden dieser achten Staffel zumindest auf einem guten Level einpendelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

September 2015: 10 Kurzkommentare

BRICK MANSIONS (Frankreich/Kanada 2014, Regie: Camille Delamarre)

brick mansions

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universum, Deutschland)

BRICK MANSIONS ist ein für den englischsprachigen Markt gedrehtes Remake des französischen Films BANLIEUE 13 aus dem Jahr 2004, in dem in einen an Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK erinnernden Plot ein Cop an der Seite eines aufrechten Gangsters in einem von Mauern umgebenen Ghetto im Paris der nahen Zukunft dem gefährlichen Herrscher über das Ghetto das Handwerk legen und eine Bombe entschärfen sollte.

Für Drehbuch und Produktion des Originals zeichnete Luc Besson verantwortlich, der nun auch dieses Remake produzierte und mit David Belle einen der Hauptdarsteller des Originals hier seine Rolle als aufrechter Gangster wiederholen ließ. Als Bösewicht ist Wu-Tang-Clan-Mastermind RZA zu sehen, den Cop spielt Paul Walker in seinem letzten, vollständig abgedrehten Film.

BRICK MANSIONS ist ein Paradebeispiel für komplett überstilisierte Action, ein Plot ist zwar vorhanden, dieser fungiert aber lediglich als Vorwand um möglichst viele atemberaubende Actionszenen und Schauwerte miteinander zu verbinden. Praktisch alles in BRICK MANSIONS ist auf den größtmöglichen Schlüsselreiz, den spektakulärsten Schauwert und die aufwendigste Actionsequenz hin ausgerichtet und die Stilmittel, welche Regisseur Camille Delamarre wählt – treibender Soundtrack, schnelle Schnitte, Zeitlupensequenzen – sind natürlich bestens dazu geeignet, dieses Vorhaben über die komplette Laufzeit von gut 100 Minuten (im von mir gesehenen Extended Cut) durchzuziehen. BRICK MANSIONS sieht größtenteils tatsächlich richtig toll aus und insbesondere die zahlreich vorhandenen Parkour-Sequenzen sind der absolute Knaller, über die komplette Laufzeit gesehen machten sich bei mir als Zuschauer aber doch Ermüdungserscheinungen bemerkbar und dieses komplette Abhandensein einer gewissen Substanz wirkte sich alles andere als positiv auf das Filmerlebnis aus.

Ich habe keine Ahnung, wie BRICK MANSIONS auf Leute wirkt, die das französische Original, welches im Gegensatz zum Remake ziemlich gute Kritiken bekommen hat, kennen; wahrscheinlich dürfte ihr Urteil ziemlich vernichtend ausfallen. Ich bin froh, dass ich das Original noch nicht kenne und das Remake nun zuerst gesehen habe, kann ich so Delamarres Film doch unvoreingenommen und aufgrund seines nicht wegzuleugnenden Unterhaltungswertes weitaus wohlwollender beurteilen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ARMORED (USA 2009, Regie: Nimród Antal)

armored

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Die Geschichte eines eigentlich todsicheren Plans – und wie dieser durch einen dummen Zufall in die Binsen geht. In ARMORED will eine Gruppe von Sicherheitsleuten den eigenen Geldtransport ausrauben, eine scheinbar unkomplizierte Sache, die sich jedoch sehr schnell verkompliziert.

Nimród Antal hat seinen Film als Mischung aus Heist Movie und Belagerungsthriller angelegt, der insbesondere in der zweiten Hälfte, nachdem das Geld in einem abgelegenen Fabrikgelände eigentlich sicher verstaut werden sollte, auch aufgrund dieses Settings im Fabrikgelände, stark an Walter Hills TRESPASS erinnert. Denn einer der Kollegen versucht dann halt doch, das Richtige zu tun und verschanzt sich in einem der beiden Geldtransporter, die anderen versuchen verzweifelt, in den gepanzerten Wagen hineinzukommen – halt ganz so wie einst die Gangmitglieder in Hills TRESPASS versucht hatten, Zugriff auf zwei in einem alten Fabrikgebäude verschanzte Feuerwehrmänner zu bekommen. Was Antal mit ARMORED leider nicht so richtig gelingen mag, ist, sein klaustrophobisches Setting zu nutzen und die Spannungsschraube mit zunehmender Laufzeit immer mehr anzuziehen. Irgendwann im letzten Drittel geht ARMORED doch ziemlich die Luft aus, großartige Spannungsmomente sind nicht mehr zu verzeichnen und wie die ganze Geschichte verlaufen wird, ist – auch wegen der teils arg klischeehaften Zeichnung der verschiedenen Charaktere – sowieso schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt innerhalb des Films vorhersehbar. Am Ende des Tages bleibt ein Film übrig, den man sich gerne mal ansehen kann – schon allein wegen seiner illustren Besetzung mit u.a. Matt Dillon, Jean Reno, Laurence Fishburne und Fred Ward -, aber sicher nicht unbedingt ansehen muss.

Persönliche Bewertung: Ok!

WILD CARD (USA 2015, Regie: Simon West)

wild card

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Aus dem ursprünglichen Gedanken, nur in ganz kurzen Worten ein paar Eindrücke zu gesehenen Filmen niederzuschreiben, sind dann doch immer wieder etwas längere Texte geworden.

Für WILD CARD kehre ich zum ursprünglichen Gedanken zurück. Denn Wests Film kann so gut wie gar nichts. WILD CARD zieht sich wie Kaugummi, ist langweilig ohne Ende und lediglich ein paar inmitten der ganzen Trost- und Bedeutungslosigkeit untergebrachte und nett anzusehende Kampfchoreographien retten WILD CARD am Ende des Tages davor, als absolutes Ärgernis bezeichnet zu werden. Und mehr Worte gibt es dann auch gar nicht zu verlieren. Kurzkommentar Ende.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)

THE PURGE: ANARCHY (Frankreich/USA 2014, Regie: James DeMonaco)

the purge - anarchy

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco entführt den Zuschauer ein zweites Mal in eine dystopische Zukunft der USA, in der an einer Nacht im Jahr über einen Zeitraum von 12 Stunden alle Verbrechen legal sind – incl. Mord.

Zeichnete sich der ein Jahr zuvor entstandene THE PURGE noch durch eine unheimliche Atmosphäre und die Tatsache aus, dass er das immer wieder mal gern gesehene Home-Invasion-Motiv mit einem aus klassischen Western bestens bekannten Belagerungsszenario auf durchaus spannende Art und Weise kreuzte, verlegt James DeMonaco in seiner Fortsetzung die Szenerie nun in die verlassenen Straßen einer Großstadt, in der eine Handvoll Menschen sich durch ein typisches Jagd/Flucht-Szenario kämpfen muss. Was Spannung und Atmosphäre anbelangt kommt THE PURGE: ANARCHY nicht wirklich an den Vorgänger heran. Dafür punktet der Film mit ein paar netten Actionsequenzen und ein paar doch ziemlich derben “What the Fuck!?!“-Momenten, die DeMonaco innerhalb des Plotverlaufs seiner satirischen Abrechnung mit dem amerikanischen Waffenfetischismus geschickt platziert hat. So wirklich überzeugen oder begeistern kann der Film aber trotzdem zu eigentlich keinem Zeitpunkt.

Persönliche Bewertung: Naja!

THIRD PERSON (Belgien / Deutschland /Frankreich / Großbritannien / USA 2013, Regie: Paul Haggis)

third person

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Paul Haggis zeichnete einst für Regie und Drehbuch von CRASH verantwortlich, dem – für mich persönlich – vielleicht besten Ensemble-Film des noch relativ jungen Jahrtausends. Entsprechend gespannt war ich natürlich auf THIRD PERSON, in dem Haggis als Regisseur und Drehbuchautor erneut verschiedene Geschichten erzählt. Geschichten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen und sich letztendlich doch nach und nach zusammenfügen.

Es geht um eine junge Frau (Mila Kunis), die in New York um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft, einen Autor (Liam Neeson), der in einem Pariser Hotel sein neuestes Buch schreibt und  eine Art Industriespion (Adrien Brody), der in Rom versucht, einer jungen Frau zu helfen, damit diese ihr Kind wieder in die Arme schließen kann.

Anders als der ganz vorzüglich konstruierte CRASH überzeugt THIRD PERSON weniger aufgrund seiner Handlung, sondern viel mehr mit der Atmosphäre, die er erzeugt und mit den technischen Mitteln, mit denen er umgesetzt ist. Denn die Handlung ist hier eigentlich nur Nebensache und wen die Stimmung des Films einfach nicht packt und wer sich auch nicht von der ausgefeilten Schnitttechnik, die Haggis und sein Film Editor Jo Francis hier präsentieren, begeistern lässt, der wird wohl nicht sonderlich viel Spaß mit diesem Film haben und wird wahrscheinlich auch vom doch etwas arg billigen Ende des Films maßlos enttäuscht sein.

Ich persönlich mochte THIRD PERSON sehr gerne. Weil er wie ein langer, ruhiger Fluss unaufgeregt am Zuschauer vorbeizieht, weil er so wunderbar melancholisch und atmosphärisch geraten ist, weil er mit Schauspielern und Schauspielerinnen wie Liam Neeson, Adrien Brody, James Franco, Mila Kunis, Kim Basinger, Maria Bello und Olivia Wilde ganz vorzüglich besetzt ist, weil er diese Grenzen zwischen Fiktion und Realität und zwischen Raum und Zeit (wer ganz genau hinsieht, dürfte ziemlich schnell ahnen, wie das alles ausgehen wird) immer wieder aufhebt, weil mich die bereits weiter oben genannte Schnitttechnik absolut fasziniert hat und weil mir Filme, die Kim Basinger mit an Bord haben, schon aus Prinzip gefallen.

Persönliche Bewertung: Gut!

VEHICLE 19 (USA 2013, Regie: Mukunda Michael Dewil)

vehicle 19

(Fassung: Blu-ray, StudioCanal, Deutschland)

Ich mag ja Filme, in denen die Protagonisten durch einen dummen Zufall in einen Schlamassel geraten, aus dem sie einfach nicht mehr herauskommen wollen. Auch VEHICLE 19 ist einer dieser Filme. Hier erhält Paul Walker kurz nach seiner Ankunft in Südafrika den falschen Leihwagen und muss schon bald feststellen, dass er einen blinden Passagier im Kofferraum hat und von der Polizei gejagt wird.

VEHICLE 19 ist insbesondere in der ersten Hälfte ziemlich spannend geraten und überzeugt durch einen leichten Mystery-Touch. Die Spannung und auch die Atmosphäre werden jedoch in der zweiten Filmhälfte zugunsten wenig spektakulärer Actionsequenzen geopfert und insbesondere im letzten Drittel verflacht Dewils Film dann doch zunehmend. Definitiv kein Film, über den man größere Worte verlieren müsste. VEHICLE 19 eignet sich vor allem als netter Zeitvertreib, wenn man sich ohne großartige Ansprüche einfach mal 90 Minuten lang berieseln lassen will.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

A LEAGUE OF THEIR OWN (USA 1992, Regie: Penny Marshall)

a league of their own

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Regisseurin Penny Marshall erzählt mit A LEAGUE OF THEIR OWN die Geschichten einer Frauen-Baseball-Mannschaft, die in den 40er Jahren zusammengestellt wurde, um in der eigens gegründeten Frauen-Baseball-Profiliga ihr Glück zu versuchen.

A LEAGUE OF THEIR OWN ist natürlich typisches Award-Material (der Film war dann zumindest auch für 2 Golden Globes nominiert), ein Film, der darauf abzielt, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, nirgendwo anzuecken und mit einer Mischung aus komischen und dramatischen Momenten zumindest vorzutäuschen so etwas wie anspruchsvolle Unterhaltung zu liefern. Ein Film ohne großartige Ecken und Kanten (lediglich ein paar böse Spitzen sind in diversen Dialogen versteckt), eigentlich verabscheuenswert, aber dann kriegen sie es halt doch hin, mich als Zuschauer so sehr zu manipulieren, dass ich eigentlich gar kein böses Wort über A LEAGUE OF THEIR OWN verlieren möchte. Weil diese Mischung aus Komik, Dramatik und Kitsch wirklich ganz vorzüglich unterhält, weil Geena Davis in der Rolle der Starspielerin Dottie Hinson großartig aufspielt, weil Tom Hanks als ständig betrunkener und motzender Trainer eine echte Schau ist, weil dieses entscheidende Spiel am Ende nicht dem typischen Sportfilmklischee entspricht und weil auch ich nicht verleugnen kann, dass ich mich, als ganz zum Schluss die ersten Klänge des Madonna-Hits „This Used to Be My Playground“ einsetzten, gegen die aufkommende Gänsehaut einfach nicht mehr wehren konnte. A LEAGUE OF THEIR OWN ist auf seine eigene Art dann doch ziemlich toll und diese „There’s no crying in baseball“-Sequenz ist tatsächlich eine dieser Szenen für die Ewigkeit.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ROCKY BALBOA (USA 2006, Regie: Sylvester Stallone)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

16 Jahre nach ROCKY V kam mit ROCKY BALBOA der sechste Teil der Reihe rund um den aus Philadelphia stammenden Boxer in die Kinos. Stallone selbst übernahm – wie schon beim 2., 3. und 4. Film – die Regie und verfasste auch das Drehbuch und führte die Reihe so zu einem versöhnlichen (vorläufigen) Ende (mit dem Spin-Off CREED, in dem der von Stallone gespielte Rocky dann als Trainer zu sehen sein wird, steht ja schon der nächste Film in den Startlöchern).

Was mir besonders gut an diesem Film hier gefallen hat ist die Tatsache, dass hier wieder der Mensch Rocky im Mittelpunkt steht und sich Stallone wieder mehr auf die Charaktere und ihre Geschichte konzentriert hat. Der Titelheld ist in die Jahre gekommen, seine große Liebe Adrian ist schon vor längerer Zeit einem Krebsleiden erlegen, sein Sohn Robert (Milo Ventimiglia) hält immer mehr Abstand zu seinem übergroßen Vater und die einzige Konstante in Rockys Leben ist sein Schwager Paulie (Burt Young). Der ehemalige Champion trauert alten Zeit nach, erzählt in seinem italienischen Restaurant von seinen früheren Kämpfen und lebt mehr in der Vergangenheit als im Hier und Jetzt. Als er die Gelegenheit erhält, noch ein letztes Mal in den Ring zu steigen, nimmt er diese Chance war – insbesondere um endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen und in der Hoffnung, endlich wieder nach vorne blicken zu können.

ROCKY BALBOA ist ein ausgesprochen schöner Film geworden, gewährt dem Zuschauer einen melancholisch-verträumten Rückblick auf diese 30 Jahre, die diese Filmfigur ihn begleitet hat und bereitet dem Titelhelden einen mehr als würdevollen Abgang. Ein Film, der Gänsehaut verursacht. Hoffentlich macht sich Stallone mit CREED dieses wundervolle Vermächtnis nicht wieder kaputt.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE SHIELD: SEASON 4 (USA 2005, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Nach drei wirklich herausragenden Staffeln erlaubt sich THE SHIELD mit dieser vierten Season nun eine erste Auszeit. Was Shawn Ryan und sein Team vor und hinter der Kamera hier abgeliefert haben, hat mir zwar immer noch richtig gut gefallen (die im Durchschnitt doch ziemlich schlechten Bewertungen, die praktisch jede einzelne Episode dieser Staffel in der IMDB erhalten hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen), es ist aber definitiv nicht wegzuleugnen, dass Season 4 im direkten Vergleich zu den drei Staffeln zuvor qualitativ deutlich abfällt. Schauspielerisch und stilistisch ist zwar alles beim Alten geblieben, aber irgendwie mag der in dieser Staffel erzählte Main Plot von der ersten Folge an einfach nicht richtig in Schwung kommen. THE SHIELD tröpfelt über fast 10 Episoden in dieser Season einfach nur so vor sich hin, weist teilweise deutliche Längen auf und an glorreiche THE SHIELD-Zeiten können im Endeffekt erst die letzten paar Episoden erinnern. Die machen dann jedoch auch Hoffnung, dass es in der nächsten Staffel qualitativ wieder aufwärts geht und ich persönlich Season Nr. 5 wieder mit „hervorragend“ und nicht nur mit „gut“ bewerten kann.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 6 (USA 2010/2011, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In den fünf Staffeln zuvor war – so zumindest mein Empfinden – die von Carter Bays und Craig Thomas erdachte Serie mehr eine Aneinanderreihung von einzelnen, in sich abgeschlossenen Episoden, die durch einen losen Handlungsstrang miteinander verbunden waren.

In Staffel Nr. 6 scheint nun erstmals die episodenübergreifende Handlung im Vordergrund zu stehen, die über die bisherigen Staffeln natürlich ausgesprochen lieb gewonnenen Charaktere entwickeln sich weiter, die Serie ist nicht mehr ganz so abhängig von dem von Neil Patrick Harris wieder genial gespielten Barney Stinson und erstmals scheint tatsächlich das große Ganze im Mittelpunkt zu stehen und weniger der schnelle Gag für zwischendurch. Es gibt sogar immer wieder mal nachdenklichere Momente in den einzelnen Episoden und diese neue Ausrichtung tut HOW I MET YOUR MOTHER richtig gut. Mir persönlich hat diese Staffel insgesamt betrachtet bisher am besten gefallen. Wer jetzt Angst hat, dass unter der größeren Konzentration auf den Plot die Gagdichte leiden würde, den kann ich getrost beruhigen. Auch diese Staffel sorgt für so einige Lachanfälle – mein persönliches Highlight: die Folge „Oh Honey“, in der Ted (Josh Radnor) realisiert, dass er sich tatsächlich in Zoey (Jennifer Morrison) verliebt hat und Marshall (Jason Segel) davon in Häppchen am Telefon erfährt – und in Sachen Wortwitz macht den Autoren der Serie sowieso niemand was vor. Freue mich schon auf Staffel Nr. 7.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 3

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (Deutschland/Frankreich 1967, Regie: José Bénazéraf)

st. pauli zwischen nacht und morgen

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Liebesgeschichte mit leicht erotischem Touch, Milieustudie, Kriminalfilm – ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN ist all das und eventuell noch viel mehr, es ist einer dieser Filme, die man nur schwer zu fassen bekommt und noch viel schwerer in Worte fassen kann. Dabei ist die Handlung relativ einfach gestrickt und geradlinig erzählt – den Interpol-Agenten Helmut Schmidt (Helmut Förnbacher) führen Ermittlungen in einer Rauschgiftsache aus der Schweiz nach St. Pauli, wo er die Stripperin Arlette (Eva Christian) kennenlernt und sich in sie verliebt; durch sie und sein mutiges Verhalten während eines Raubüberfalls gelingt es ihm, sich in die Bande von Nachtclubbesitzer Bernie (Rolf Eden) einzuschleusen, der sein Interesse an Drogengeschäften mittlerweile verloren zu haben scheint und stattdessen den Überfall auf einen Geldtransporter plant; mehr und mehr erliegt Schmidt den Verführungen des Verbrechens -, es ist wahrscheinlich die Art der Erzählweise, die Regisseur José Bénazéraf gewählt hat und die ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN so seltsam erscheinen lässt. Viele Sequenzen scheinen einfach nur ohne großartige Bindung nebeneinander zu stehen, die Kamera wackelt hin und wieder wie in einem Amateurfilm, Gegenstände und Menschen werden plötzlich rangezoomt, sind in einem Moment scharf und im nächsten Moment wieder unscharf zu sehen und einen gewissen surrealen Touch kann man dem Film sicher nicht absprechen. Als Zuschauer verfolgt man das Geschehen wie durch einen Schleier, die Atmosphäre des Films gleicht oft einem auf den ersten Blick planlos wirkenden, bei konzentrierterer Betrachtung aber doch irgendwie Sinn ergebenden Traum. Ein sehr seltsamer, aber auch ausgesprochen faszinierender Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE DEVIL RIDES OUT (Großbritannien 1968, Regie: Terence Fisher)

the devil rides out

(Fassung: DVD, Anolis, Deutschland)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, mehr als souverän inszeniert von Terence Fisher, einem der Stammregisseure der britischen Schmiede für Kultfilme. In THE DEVIL RIDES OUT heftet sich der von Christopher Lee gespielte Duc de Richleau an die Fersen des fiesen Mocata (Charles Gray, der 3 Jahre später den Bond-Bösewicht Blofeld in DIAMONDS ARE FOREVER spielen sollte), dem Anführer einer gefährlichen Satanssekte, der es auf die Seele eines Freunds von Richleau abgesehen hat.

THE DEVIL RIDES OUT gehört zu den Geheimtipps und Fanfavoriten innerhalb des großen Filmstocks der Hammer Studios. Zur Zeit seiner Entstehung war er innerhalb des Horrorbereichs der Studioproduktionen so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung, kam er doch zwischen verschiedenen Teilen der damals populären, klassischen Horrorreihen rund um Dracula, Frankenstein und die Mumie heraus. THE DEVIL RIDES OUT sorgt so für eine gewisse Abwechslung unter den typischen Hammer-Gruslern und überzeugt mit einer durchaus rasanten Inszenierung, moderneren Settings und einigen – auch heute noch ausgesprochen nett anzusehenden (z.B. die Spinnenszene) – Schauwerten. Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen und wer auch nur ein kleines Faible für Horrorfilme mit okkultem Bezug hat, dürfte seine wahre Freude an THE DEVIL RIDES OUT haben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (Großbritannien/USA 1989, Regie: Tim Burton)

batman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burtons Version von BATMAN gefällt mir persönlich dann halt doch mit Abstand am besten. Das Set Design ist schlichtweg atemberaubend, die ganze Atmosphäre des Films ist einfach nur skurril und Jack Nicholson als Joker ist unfassbar gut und zeigt eine Darbietung, die alle Grenzen des gesunden Menschverstands zu sprengen scheint. Ich liebe diese unzähligen, irrsinnigen Einfälle, die Burton dem Zuschauer präsentiert. Ich liebe den makabren Humor des Films, den düsteren Gothik-Look von Gotham City, den Score von Danny Elfman mit den Songs von Prince und die anbetungswürdige Kim Basinger in der Rolle der Vicky Vale.

Ich habe keine Ahnung, ob Burton der Vorlage großartig gerecht wird, mit den Comics habe ich mich nie wirklich intensiv beschäftigt, und es könnte mir auch gar nicht egaler sein. Für Comic-Puristen, die sich über Burtons Umsetzung gerne echauffieren können, gibt es ja noch Nolans DARK KNIGHT-Trilogie, die diesem Film hier in meinen Augen aber auch nicht nur im Ansatz das Wasser reichen kann. BATMAN ist groß, übermenschlich groß!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

BATMAN RETURNS (Großbritannien/USA 1992, Regie: Tim Burton)

batman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

3 Jahre nach dem Erfolg von BATMAN legte Regisseur Tim Burton dieses Sequel nach. Den üblichen Sequel-Regeln folgend, funktioniert BATMAN RETURNS nach dem “Höher, schneller, weiter“-Prinzip, welches ja in nur wenigen Fällen aufgeht. BATMAN RETURNS ist einer der Glücksfälle, bei dem es perfekt funktioniert. Vom Stil her bleibt Burton dem Vorgänger treu. Die düstere Gothik-Atmosphäre, die atemberaubenden Settings, die unzähligen skurrilen Einfälle, die in jeder Sequenz auszumachende Liebe zum Detail, der makabre Humor – alles was den Vorgänger so sehenswert gemacht hat, ist in BATMAN RETURNS in verstärkter und intensivierter Form vorhanden und führt dazu, dass man diesen Film einfach nur als visuellen Augenschmaus bezeichnen kann. Im direkten Vergleich zum Vorgänger muss man Abstriche lediglich im Hinblick auf den Bösewicht machen. Diese Anmerkung soll jedoch keineswegs die Leistung von Danny DeVito schmälern, der einen grandiosen Gegenspieler abgibt und seinen Pinguin innerhalb der Schnittmenge zwischen abgrundtief bösen Psychopathen und bemitleidenswerten Außenseiter famos verkörpert, sie soll vielmehr darauf hinweisen, dass Jack Nicholson im Vorgänger nicht viel weniger als eine Jahrhundert-Performance hingelegt hat und unmöglich adäquat zu ersetzen gewesen ist. Bereits BATMAN war übermenschlich groß und unbeschreiblich gut, BATMAN RETURNS ist in meinen Augen sogar minimal besser. Nicht viel, aber ein klitzekleines bisschen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

SIEBEN TAGE FRIST (Deutschland 1969, Regie: Alfred Vohrer)

sieben tage frist

(Fassung: DVD, Filmjuwelen, Deutschland)

In einem Internat in Norddeutschland verschwindet der Schüler Kurrat (Arthur Richelmann) spurlos, pikanterweise kurze Zeit nachdem er von seinem Lehrer Fromm (Konrad Georg) unberechtigterweise eine Ohrfeige bekommen hatte. Um kein Aufsehen zu erregen, versuchen die Internatsverantwortlichen – allen voran der Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) – das Verschwinden des Jungen auf eigene Faust aufzuklären. Als jedoch plötzlich die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) aus der See gefischt wird, schaltet sich die Polizei in Form von Inspektor Klevenow (Horst Tappert) doch ein und beginnt ihre Ermittlungen im und rund um das Internat…

Was sich jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie ein typischer und nicht sonderlich aufregender Krimi lesen mag, ist tatsächlich ein ausgesprochen ausgeklügeltes und wendungsreiches Kriminaldrama, welches den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und ihm am Ende schließlich eine Auflösung präsentiert, bei der einem erst mal die Sprache wegbleibt. SIEBEN TAGE FRIST ist ungemein spannend, atmosphärisch dicht und einfach nur großartig besetzt. Horst Tappert gibt schon einen Vorgeschmack auf seine spätere Rolle als Stephan Derrick, der von Joachim Fuchsberger gespielte Hendriks erinnert hin und wieder an seine Ermittlerrollen in den Edgar-Wallace-Filmen, Konrad Georg als Fromm ist überragend gut und die diversen Darsteller der Jugendlichen sind perfekt gecastet.

Es scheint sich zu lohnen, in den Tiefen der deutschen Kinogeschichte nach noch unbekannten Perlen zu suchen. SIEBEN TAGE FRIST – den wahrscheinlich so gut wie kein Mensch kennt (in der IMDB kommt Vohrers Film gerade mal auf 63 Bewertungen) – ist nicht viel weniger als ein Glücksfall von einem Film.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

BATMAN FOREVER (Großbritannien/USA 1995, Regie: Joel Schumacher)

batman forever

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burton räumte den Regiestuhl und war hier nur noch als Produzent tätig. Mit Joel Schumacher als Regisseur kommt der Zirkus in die Stadt. Und nicht nur in Form des Artisten Dick Grayson (Chris O’Donnell), der hier im Verlauf des Films als Robin an Batmans (nicht mehr Michael Keaton, sondern nun Val Kilmer) Seite gegen die beiden Bösewichter des Films, Two-Face (Tommy Lee Jones) und den Riddler (Jim Carrey), kämpfen soll. BATMAN FOREVER ist eine kunterbunte Kirmesveranstaltung. Von Burtons Vision aus den ersten beiden Teilen ist im Endeffekt nur noch der düstere Look von Gotham City übrig – und selbst der wird durch viele bunte Farben aufgeweicht. BATMAN FOREVER krankt vor allem an seinen beiden Bösewichtern, die an den Joker und den Pinguin aus den ersten beiden Filmen nicht ansatzweise herankommen und deren Charakteren es einfach an Tiefe fehlt (was war der Joker doch für ein abgrundtief böser und erschreckender Fiesling und was war der Pinguin doch für eine zutiefst traurige Gestalt); beide bleiben – trotz vieler bunter Farben, viel Krawall und Tohuwabohu, doch relativ blass. Was für die Schurken gilt, gilt leider auch für die weibliche Hauptrolle. Nicole Kidman, hier noch nicht als Botoxbomber unterwegs, darf nicht sonderlich viel mehr tun als hübsch auszusehen. Kein Vergleich zu Kim Basinger aus BATMAN oder Michelle Pfeiffer aus BATMAN RETURNS.

Gegenüber Burtons Großtaten muss man hier also schon verdammt viele Abstriche machen und rein objektiv betrachtet ist BATMAN FOREVER doch ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie ein guter Film zu sein. Aber so etwas wie Objektivität kann ich beim Ansehen von Filmen sowieso nie aufbringen und ich muss gestehen, dass ich BATMAN FOREVER trotz all seiner offensichtlichen Schwächen irgendwie sehr gerne mag, insbesondere, weil der Unterhaltungsfaktor dieses Films in meinen Augen schon verdammt hoch ausgefallen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET (aka Thirsty for Love, Sex and Murder, Türkei 1972, Regie: Mehmet Aslan)

aska susayanlar seks ve cinayet

(Fassung: DVD, Onar Films, Griechenland)

Ein Killer mit einer Rasierklinge, weibliche Opfer, Blut, nackte Haut, Intrigen, Ereignisse, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen, Ehebruch, Gier – all das sind die Zutaten von Mehmet Aslans knapp 60-minütigem AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET, einem lupenreinen Giallo, wie ihn auch so mancher italienische Regisseur nicht viel besser hätte hinkriegen können, auf dessen Handlung – das muss man dann bei aller Sympathie aber doch eingestehen – Drehbuchautor Aykut Düz jetzt nicht wirklich das alleinige Urheberrecht anmelden kann, denn im Endeffekt handelt es sich bei Aslans Film um eine Variation des Sergio-Martino-Klassikers LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH. Aber wer will sich darüber beschweren, wenn dann so ein Film dabei herauskommt. Und vor allem, wenn man sieht, was Aslan hier mit – ganz offensichtlich – verdammt wenig Kohle auf die Leinwand gezaubert hat. Das fehlende Budget macht Aslan mit ganz viel Atmosphäre und Schauwerten wieder wett, die (geklaute) Handlung seines Films ist wendungsreich und rast regelrecht am Zuschauer vorbei und Zeit zum Durchschnaufen gönnt Aslan seinem Publikum nicht. Und dann dieser komplett irrsinnige – natürlich mal wieder “geliehene“ – Score, der den Zuschauer von der Tonspur regelrecht entgegen schreit und verdammt viel zur Wirkung dieser Sleazegranate beiträgt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HORROR EXPRESS (Großbritannien/Spanien 1972, Regie: Eugenio Martín)

horror express

(Fassung: DVD, CCI, Deutschland)

Christopher Lee spielt den Anthropologie-Professor Saxton, der ein im Eis eingefrorenes Wesen entdeckt, dieses birgt und eingeschlossen in einer riesigen Kiste im Transsibirien-Express zu weiteren Forschungszwecken nach England bringen will. Als der sich ebenfalls im Zug befindliche Dr. Wells (Peter Cushing) unbedingt herausfinden will, was sich in der geheimen Kiste befindet, wird das Wesen versehentlich befreit…

Lee und Cushing in Hochform, gepaart mit einem Regisseur, der ganz genau weiß, was er tun muss, um sein Zielpublikum glücklich zu machen. HORROR EXPRESS steckt voller toller Sachen. Es gibt einen außerirdischen Affenmenschen, gruselig entstellte Mordopfer, blutige Autopsien, einen verrückten Mönch (großartig: Alberto de Mendoza) und im Finale sogar eine von Telly Savalas angeführte Zombie-Armee.

Das Zug-Setting ist toll – gibt es Menschen da draußen, die Filmen, die in Zügen spielen, tatsächlich gar nichts abgewinnen können (ich kann es nicht glauben)? -, Schauwerte sind, wie oben schon angeführt, mehr als reichlich vorhanden und die teils herrlich trashigen Dialoge, in denen wissenschaftliche Erklärungen für die schrecklichen Ereignisse während der Zugfahrt gesucht werden, tragen zudem viel zum unwiderstehlichen Charme des Films bei.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 5 (USA 2009-2010, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In der fünften Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER müssen sich Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) damit auseinandersetzen, dass sie sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben scheinen und schließlich schon bald mit der Konsequenz leben, dass sie für eine gemeinsame Beziehung einfach nicht gemacht sind. Gleichzeitig versuchen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) weiterhin, die Tücken des Ehelebens zu meistern und Ted (Josh Radnor) ist noch immer auf der Suche nach der Mutter seiner beiden zukünftigen Kinder…

Die beiden Serienerfinder Carter Bays und Craig Thomas halten HOW I MET YOUR MOTHER auch in der mittlerweile fünften Staffel auf einem guten bis sehr guten Niveau. Die einzelnen, jeweils für sich abgeschlossenen Episoden, werden durch lose Handlungsfäden miteinander verknüpft und den fünf Freunden wird es ermöglicht, sich auch in dieser fünften Staffel stetig weiterzuentwickeln. Der Star dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, der den Großteil der Lacher auf seiner Seite hat und der hier neben seiner sonstigen Souveränität auch vermehrt Schwächen zeigen darf. Ein Fakt, der den zynischen Womanizer zeitweise schon fast sympathisch erscheinen lässt. Highlight der Staffel: die Episode GIRLS VS. SUITS, die in einem famosen Musical-Finale endet und in der sich Barney zwischen seinen geliebten Anzügen und der Eroberung einer Frau entscheiden muss, die für Anzugträger rein gar nichts übrig hat.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Deutschland/Frankreich 1974, Regie: Alfred Vohrer)

die antwort kennt nur der wind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ich hatte mir vor mittlerweile doch schon etwas längerer Zeit mal die erste Simmel-Verfilmung UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN angesehen und war damals doch ziemlich überrascht, welch bizarrer Film das im Endeffekt doch gewesen ist. Der ursprüngliche Plan war damals, mir auch die weiteren Simmel-Filme anzusehen und dieser Plan soll nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden.

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist der sechste von insgesamt acht Filmen, die zwischen 1971 und 1976 ins Kino gekommen sind und gleichzeitig der letzte, den Alfred Vohrer inszeniert hat. Es geht um den von Maurice Ronet gespielten Robert Lucas, einen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der Beweise dafür finden soll, dass der deutsche Bankier Hellmann, der vor Cannes gemeinsam mit seiner Luxusyacht in die Luft flog, nicht Opfer eines Mordanschlags wurde, sondern Selbstmord begangen hat. In diesem Fall müsste die stattliche Versicherungssume von 15 Millionen Mark nicht ausgezahlt werden. Lucas stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf jede Menge zwielichtige Personen, sondern auch auf zwei schöne Frauen (Karin Dor und Marthe Keller), die durchaus hilfreiche Informationen für ihn haben könnten. Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr lässt sich Lucas selbst auf ein gefährliches Spiel ein…

Vohrer inszeniert DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND als spannenden, wendungsreichen Thriller, der – und das dürfte definitiv der Vorlage geschuldet sein – jedoch nicht ohne eine kleine Portion Schmalz und Kitsch auskommt. Im Vergleich zu UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (soweit ich mich noch an ihn erinnern kann) ist DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND weit weniger bizarr ausgefallen und erinnert über weite Strecken an eine bessere TV-Produktion aus der damaligen Zeit und nicht unbedingt an einen Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Obwohl teilweise an Originalschauplätzen in Cannes und Nizza gedreht, kommt Vohrers Film – insbesondere was die potentiellen Schauwerte der Drehorte betrifft – ziemlich unspektakulär daher, was ihm allerdings nicht wirklich schadet, sondern sogar eher nützt. DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist stellenweise ziemlich düster ausgefallen und verbreitet über die komplette Laufzeit – auch unterstützt durch den Score von Komponist Erich Ferstl – eine extrem melancholische Grundstimmung, die ganz hervorragend zu den Ereignissen auf der Leinwand passt. Auch diese Simmel-Verfilmung hat mich mehr als positiv überrascht und mir im Endeffekt sogar besser gefallen als der o.g. UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN. Ich bin auf die anderen Filme der Reihe schon sehr gespannt.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROTE SONNE (Deutschland 1970, Regie: Rudolf Thome)

rote sonne

(Fassung: DVD, Galileo Medien, Deutschland)

In ROTE SONNE trennen sich vier WG-Bewohnerinnen (u.a. Uschi Obermaier) jeweils nach fünf Tagen auf ausgesprochen drastische Art und Weise von ihren männlichen Liebhabern – sie bringen sie einfach um. Als jedoch mit Thomas (Marquard Bohm) der Ex-Freund der von Uschi Obermaier gespielten Peggy vor der Tür steht, um Asyl bittet und sich zwischen ihm und Peggy plötzlich wieder etwas anzubandeln scheint, gerät das ungeschriebene Gesetz zum Umgang mit Männern schnell ins Wanken…

Ziemlich skurriler Film, den Regisseur Rudolf Thome da gedreht hat. So wirklich Zugang habe ich nicht zu ihm gefunden, fasziniert hat er mich in gewisser Weise trotzdem. ROTE SONNE ist phasenweise extrem witzig (wobei ich nicht ganz einschätzen kann, ob das aus heutiger Sicht nur so wirkt, oder auch damals schon lustig war), plätschert dann wieder einfach nur so vor sich hin und knallt dem Zuschauer dann unvermittelt Szenen vor den Latz, bei denen man seinen Augen kaum zu trauen vermag. ROTE SONNE ist in gleichem Maße sperrig und hochinteressant, insbesondere diese ständige Konfrontation zwischen dem Macho Thomas und den vier radikalen Feministinnen hat ihren Reiz, die Stilmittel, die Thome teilweise verwendet, sind aber durchaus gewöhnungsbedürftig. ROTE SONNE scheint nie “im Fluss“ zu sein, wirkt extrem sprunghaft und der fast gänzliche Verzicht auf einen extradiegetischen Score raubt dem Film zudem die Dynamik und lässt ihn sehr trocken erscheinen. Aber dann halt auch Uschi Obermaier, die tatsächlich der Inbegriff von “sexiness“ zu sein scheint und die ROTE SONNE unbedingt sehenswert macht. Oder die teils wunderschöne Kameraarbeit von Bernd Fiedler, die den Film in kunterbunten Farben von der Leinwand (bzw. dem heimischen Flatscreen) strahlen lässt. Irgendwie war ROTE SONNE schon ziemlich toll, irgendwie aber auch nicht…

Persönliche Bewertung: Gut!

UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (Deutschland 1970, Regie: Alfred Weidenmann)

unter den dächern von st. pauli

(Fassung: DVD, Lighthouse, Deutschland)

Wie es der Titel in gewisser Weise schon verrät, handelt es sich bei Weidenmanns Film um einen der in den späten 60er und frühen 70er Jahren so beliebten Sittenreißer, welche zwar durchaus auch in anderen deutschen Großstädten, am häufigsten jedoch im Hamburger Stadtteil St. Pauli angesiedelt waren.

Regisseur Weidenmann lässt in UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI verschiedene Charaktere in einem Zeitraum von gut 2 Tagen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel miteinander zu tun haben und deren Wege sich auch oft eher zufällig kreuzen. Weidenmann erzählt seine Geschichten in episodenhafter Struktur. Als Zuschauer verfolgt man bspw. einen Mann, der von Rache getrieben einem Gangsterboss nachstellt, einen besorgten Vater, der seine erst 17 Jahre alte Tochter davon abhalten will, in einem Stripclub aufzutreten, einen eifersüchtigen Ehemann, der es nicht mehr aushält, dass seine Frau der Star einer angesagten Sexshow ist, diese ermordet und auf seiner Flucht vor der Polizei eine Teenagerin als Geisel nimmt, einen Lehrer, der mit einer kurz vor dem Abitur stehenden Schulklasse einen Ausflug nach St. Pauli unternimmt und von seinen Schülern üble Streiche gespielt bekommt, einen Trunkenbold, der immer auf der Suche nach einem Gratisschnaps durch die Straßen zieht, usw.; die erzählten Episoden sind in gleichem Maße spannend, dramatisch und komisch und es ist vor allem diese Mischung, die UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI extrem kurzweilig und sehenswert macht. Und über fehlende Schauwerte kann man sich beim besten Willen auch nicht beklagen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Mad Max / Spider Baby or, The Maddest Story Ever Told / Mad Max 2 / Wall Street / Mad Max Beyond Thunderdome / How I Met Your Mother: Season 4 / Entourage: Season 7 / Foxcatcher / The Man with the Iron Fists 2

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 2

Weiter geht’s mit kurzen Texten zu den Film- und Seriensichtungen im Mai:

MAD MAX (Australien 1979, Regie: George Miller)

mad max

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Etwas über MAD MAX schreiben oder Eulen nach Athen tragen. Aus diesem Grund fasse ich mich extrem kurz. MAD MAX ist einer dieser ganz großen Kultklassiker des (Genre-)Kinos. Der Film, der Mel Gibson zum Star machte. Dystopie, Gewaltstudie, Rachephantasie. Roh, ungeschliffen, packend, trotz vieler ruhigerer Sequenzen eine unglaubliche Energie verbreitend. Ich hab ihn jetzt das erste Mal seit über 20 Jahren wieder gesehen und er hat nichts, aber wirklich rein gar nichts, von der Faszination, die er damals auf mich ausgeübt hat, eingebüßt. Ein Glücksfall von einem Film, gedreht für heutzutage fast schon lächerlich anmutende $ 650.000.

Persönliche Bewertung: Großartig!

SPIDER BABY OR, THE MADDEST STORY EVER TOLD (USA 1967, Regie: Jack Hill)

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(Fassung: Blu-ray, Arrow, Großbritannien)

Aufgrund eines genetischen Defekts entwickeln zwei Schwestern (Beverly Washburn und Jill Banner) und deren Bruder (Sid Haig) ein etwas arg absonderliches Verhalten. Abgeschottet in einem alten Anwesen kümmert sich ein alter Bediensteter (Lon Chaney Jr.) rührend um die Geschwister und entsorgt auch schon mal die eine oder andere Leiche, die auf deren Konto geht. Als eines Tages entfernte Verwandte anreisen um die Vormundschaft zugesprochen zu bekommen und letztendlich Ansprüche hinsichtlich des Hauses geltend zu machen, kommt es zur Katastrophe…
SPIDER BABY OR, THE MADDEST STORY EVER TOLD ist die erste Soloarbeit von Exploitationspezialist Jack Hill, dessen Filmographie als Regisseur zwar durch übersichtlich ausgefallen ist, dafür aber fast ausschließlich Granaten wie COFFY, FOXY BROWN, THE JEZEBELS oder THE SWINGING CHEERLEADERS enthält. Es ist wenig verwunderlich, dass auch sein Erstlingswerk nicht viel weniger ist als ein ausgesprochen eindrucksvoller Genrebeitrag. Hill kreiert von Anfang an eine ziemlich unheimliche und bedrohliche Atmosphäre und bricht diese immer wieder mit herrlich krudem und schwarzem Humor. Das Setting im alten Anwesen mit seinen spinnwebenverhangenen Räumen, dem unheimlichen Kellergeschoss und den verwinkelten Treppenaufgängen ist dabei schon die halbe Miete. Die andere Hälfte liefern die Darsteller, allen voran Sid Haig in der Rolle des Bruders, der in einem seiner ersten größeren Leinwandauftritte eine wahrlich erinnerungswürdige Vorstellung abgibt. Und dann dieses Finale, in dem wirklich gar keine Wünsche des geneigten Exploitationfans mehr offen bleiben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MAD MAX 2 (Australien 1981, Regie: George Miller)

mad max 2

(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

War in dem zwei Jahre zuvor entstandenen MAD MAX zumindest noch so etwas wie ein Hauch von Zivilisation vorhanden, ist diese in MAD MAX 2 nunmehr komplett kollabiert. In einer postnuklearen Welt ist Benzin das größte Gut und der fiese Lord Humungus hat es mit seiner brutalen Gefolgschaft auf den reichhaltigen Vorrat friedliebender Siedler abgesehen, die sich rund um ihren Rohstoff wie in einem Fort aus einem Western verschanzt haben und sich verzweifelt gegen die immer wiederkehrenden Angriffe der brutalen Barbaren verteidigen müssen. Mel Gibson rettet schließlich den Tag. Obwohl gegenüber dem Vorgänger mit dem knapp vierfachen Budget ausgestattet, muss man natürlich auch MAD MAX 2 eher als Low-Budget-Produktion begreifen und was George Miller da mit den $ 2 Mio. angestellt hat, die ihm zur Verfügung standen ist tatsächlich mehr als beeindruckend. MAD MAX 2 ist praktisch nur noch pure Energie, die Bilder von Kameramann Dean Semler brennen sich regelrecht in die Netzhaut ein und die Settings, die irrsinnigen Gefährte und die fetischisierten Kostüme der Bösewichte stellen so etwas wie die Blaupause für die Utensilien eines jeden Endzeitfilms dar. Die Verfolgungsjagden (insbesondere natürlich die im Finale), die diversen Stunts und die sonstigen Actionszenen sind einfach nur als wahnsinnig zu bezeichnen und lassen einen als Zuschauer mehr als einmal mit offenem Mund vor dem Bildschirm verharren.
Die herrschende Meinung bevorzugt diesen Film hier gegenüber dem Vorgänger. Auch ich schließe mich dieser an. MAD MAX war großartig, MAD MAX 2 ist phänomenal, ein Film jenseits von Gut und Böse, nicht weniger als ein Meisterwerk.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

WALL STREET (USA 1987, Regie: Oliver Stone)

wall street

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Stones Epos über Geld, Macht und Gier rund um den charismatischen und unwiderstehlichen Menschenfänger Gordon Gecko (Michael Douglas) und dessen größten Fan, Bud Fox (Charlie Sheen), der so gerne seinem Idol nacheifern würde. Bis Fox jedoch erkennt, dass er sich auf einen Deal mit dem Teufel eingelassen hat, ist es fast schon zu spät für ihn. WALL STREET lebt natürlich in allererster Linie von seinen beiden großartigen Hauptdarstellern, die den Film zu einem echten Erlebnis machen. Vor allem Douglas spielt fast schon erschreckend gut und verleiht dem Schreckgespenst des skrupellosen Kapitalismus ein Gesicht. WALL STREET zieht in den Bann, ist packend inszeniert und hat auch heute, knapp 30 Jahre nach seinem Erscheinen, nichts von seiner Aktualität verloren und war bzw. ist in den letzten Jahren vielleicht sogar aktueller denn je. Auch für Regisseur Oliver Stone scheint gerade dieses Thema eine Herzensangelegenheit zu sein, hat er zu diesem Film hier doch im Jahr 2010 mit WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS erstmals in seiner Karriere eine echte Fortsetzung gedreht. Die wird dann baldmöglichst auch bei mir mal im Player rotieren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MAD MAX BEYOND THUNDERDOME (Australien 1985, Regie: George Miller/George Ogilvie)

mad max beyond thunderdome

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern stinkt der dritte Teil ganz gewaltig ab. Mel Gibson wird hier im barbarischen Bartertown erst von Tina Turner gelinkt, dann in die Wüste geschickt und dort schließlich von einer Gruppe Kinder und Jugendlicher gerettet, die von ihm ins gelobte Land geführt werden wollen. MAD MAX BEYOND THUNDERDOME fühlt sich eher an wie ein postnuklearer Abenteuerfilm und weitaus familientauglicher ausgefallen als die ersten beiden Teile. Am stärksten ist auch MAD MAX BEYOND THUNDERDOME in seinen Actionszenen. Leider gibt es davon nicht sonderlich viele zu bestaunen. Toll sind insbesondere der Kampf von Max in Bartertown gegen den Blaster und natürlich das Finale mit seinen letzten 20 Minuten, in denen endlich wieder echtes MAD MAX-Feeling aufkommt und die für so manche Schwäche zuvor entschädigen. Ich mochte MAD MAX BEYOND THUNDERDOME früher nie besonders, mittlerweile habe ich meinen Frieden mit ihm gemacht und mag ihn trotz aller Schwächen eigentlich ganz gerne (was vielleicht auch etwas damit zu tun haben mag, dass mir früher die schwierige Situation von Regisseur George Miller während des Drehs des Films nicht bekannt war und man mit diesem Wissen im Hinterkopf – Millers Freund Byron Kennedy, der die ersten beiden Teile produziert hatte und auch als Produzent für diesen Film vorgesehen war, kam anlässlich eines Location Scoutings für diesen Film bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben; Miller wollte den Film eigentlich gar nicht mehr drehen, doch die Produktion ließ sich nicht mehr stoppen; der trauernde Miller holte sich dann George Ogilvie als Co-Regisseur ins Boot und hatte wohl mehr mit seiner Trauer zu kämpfen als mit der Entstehung des Films selbst – den Film sicherlich unbewusst wohlwollender beurteilt).

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 4 (USA 2008-2009; Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

24 weitere Folgen, in denen es im Leben der 5 New Yorker Freunde Ted (Josh Radnor), Marshall (Jason Segel), Lily (Alyson Hannigan), Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) mal wieder drunter und drüber geht. Als Zuschauer begleiten wir sie bei Turbulenzen im Job, Turbulenzen innerhalb ihrer Freundschaft und natürlich bei Turbulenzen im Liebesleben. Bei letzteren steht einmal mehr der von Josh Radnor gespielte Ted im Mittelpunkt, aus dessen Sicht ja alle Ereignisse erzählt werden, und der nun noch 5 Staffeln Zeit hat, um die Mutter seiner beiden Kinder kennenzulernen. Heimlicher Star auch dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, auf dessen Konto die Mehrzahl der gelungenen Gags und Lacher geht und der dafür sorgt, dass man HOW I MET YOUR MOTHER einfach nur als extrem spaßige und kurzweilige Unterhaltung bezeichnen kann. Ohne ihn wäre diese Sitcom wohl nur halb so witzig. Meinen imaginären Hut möchte ich an dieser Stelle auch mal vor dem unglaublichen Wortwitz ziehen, mit dem die Dialoge gespickt sind und in dessen Genuss man tatsächlich nur dann kommen dürfte, wenn man sich HOW I MET YOUR MOTHER im Originalton ansieht. Da sind so unzählig viele Spielereien mit der englischen Sprache vorhanden, dass man diese wohl unmöglich adäquat übersetzen kann.
Zum Abschluss noch kurz ein paar Highlights dieser Season: Da hätten wir die Episode THE NAKED MAN, in der eine ziemlich eigenwillige Methode versucht wird, ein misslungenes Date doch noch zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Oder die Episode THE FRONT PORCH, in der Ted herausfindet, dass Lily seine bisherigen Beziehungen sabotiert hat – auch die mit Robin. Und natürlich die Episode MURTAUGH, in der Barney beweisen will, dass er für nichts zu alt ist und eine ganz spezielle Liste abarbeitet (allein die Piercing-Szene in dieser Folge ist Gold wert).

ENTOURAGE: SEASON 7 (USA 2010; Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

In der siebten Staffel von ENTOURAGE gerät Superstar Vincent Chase (Adrian Grenier) völlig außer Kontrolle, beginnt eine Affäre mit dem Pornostar Sasha Grey und begibt sich auf einen Drogentrip – und das alles während sich sein bester Freund und Manager E (Kevin Connolly) und sein Agent Ari Gold (Jeremy Piven) sich in Verhandlungen befinden um Vincent die Hauptrolle in einem Megablockbuster zu verschaffen. Unterdessen versuchen Turtle (Jerry Ferrara) und Johnny Drama (Kevin Dillon) weiter, sich von Vincents Geldhahn zu lösen und ihre eigene Karriere voranzutreiben. Und Ari Gold bekommt erstmals richtige Probleme wegen seiner ständigen Wutausbrüche…
Das Leben im Showbusiness ist ein ständiges Auf und Ab, ein wilder Ritt in einer nie enden wollenden Achterbahn. Das zeigt diese siebte Staffel überdeutlich auf. Während es insbesondere für E und Turtle ganz gut anläuft, scheint die Karriere von Johnny Drama fast in Trümmern zu liegen. Und auch die beiden Alpha-Tiere der Serie, nämlich Vincent und Ari, müssen sich damit auseinandersetzen, dass nicht alles immer nach ihrem Willen zu laufen scheint. Vincent verliebt sich in die (sich übrigens selbst spielende) HC-Darstellerin Sasha Grey, ist drauf und dran, seinen Verstand zu verlieren und setzt seine Karriere aufs Spiel. Und Ari hat definitiv den einen oder anderen Wutausbruch zu viel und muss dann hilflos zusehen, wie sein Leben in seine Einzelteile zu zerfallen droht. Auch für diese siebte Staffel gilt das, was ich schon zu den sechs Staffeln zuvor geschrieben hatte: sie ist famos gespielt, der Verlauf des Plots ist einmal mehr ausgesprochen glaubwürdig und realistisch geraten und es gibt nicht eine einzige Episode, die qualitativ abfallen würde. Der Promifaktor ist erneut verdammt hoch (Stars aus Film, Fernsehen, sowie der Sport- und Musikbranche geben sich praktisch die Klinke in die Hand) und wenn es überhaupt etwas auszusetzen gibt, dann ist lediglich die Tatsache, dass Staffel 7 leider nur 10 Folgen lang und somit viel zu kurz ausgefallen ist. Verdammt, macht diese Serie süchtig und ist die Serie großartig!

FOXCATCHER (USA 2014, Regie: Bennett Miller)

foxcatcher

(Fassung: Blu-ray, Entertainment One, Großbritannien)

Steve Carell spielt den exzentrischen Multimillionär John du Pont, der es sich in den Kopf gesetzt hat, ein privates Trainingszentrum für Ringer zu gründen und ein eigenes Ringerteam für die USA zu den Olympischen Sommerspielen 1988 nach Seoul zu entsenden. Um dies zu erreichen, macht er dem ehemaligen Olympiasieger Mark Schultz (Channing Tatum) das Angebot, für ihn anzutreten um um ihn herum ein Team zu formen. Schultz, der endlich aus dem Schatten seines älteren Bruders David (Mark Ruffalo) treten will, nimmt dieses Angebot begeistert an. Sein Gönner und Förderer erhofft sich indessen, über Mark auch David für sein Team gewinnen zu können.
FOXCATCHER basiert auf wahren Ereignissen, deren Handlungszeit – und wahrscheinlich auch Ablauf – aus dramaturgischen Gründen jedoch leicht verändert wurde. Während sich bspw. die zugrundeliegenden Ereignisse tatsächlich wohl in den 90er Jahren abspielten, wurde die Handlung für den Film ins Jahr 1987 verlegt. Millers Film pendelt irgendwo zwischen Biographie, Drama und Sportfilm, wobei er letzteres im Endeffekt am wenigsten ist. Ringen als Sport ist dann ja auch für einen Film nicht wirklich so einfach und mitreißend zu inszenieren. Und so ist FOXCATCHER in allererster Linie ein Film über Besessenheiten, Enttäuschungen und überhöhte Erwartungshaltungen, die letztendlich in der größtmöglichen Katastrophe enden. Gespielt ist das alles ganz vorzüglich, insbesondere Steve Carell, mit diesem irrsinnigen Make-Up ausgestattet, spielt einfach nur grandios (und wurde dafür auch mit einer Oscar-Nominierung bedacht), so wirklich fesseln konnte mich Millers Film jedoch nicht. FOXCATCHER fehlt dieses gewisse Etwas um den Zuschauer vollkommen für sich einzunehmen und braucht insbesondere in der ersten Stunde einfach viel zu lange um so richtig in Fahrt zu kommen. Miller ist hier sicher ein sehenswerter Film gelungen, uneingeschränkt weiterempfehlen würde ich ihn jedoch nicht unbedingt wollen.

Persönliche Bewertung: Ok!

THE MAN WITH THE IRON FISTS 2 (USA 2015, Regie: Roel Reiné)

the man with the iron fists 2

(Fassung: Blu-ray, Universal, Großbritannien)

US-Rapper Robert Diggs, besser bekannt unter seinem Pseudonym RZA, seines Zeichens Gründungsmitglied des legendären Wu-Tang Clan und begeisterter Fan von klassischen Martial-Arts-Filmen, hat sich im Jahr 2012 mit THE MAN WITH THE IRON FISTS wohl so etwas wie einen Kindheitstraum erfüllt. Als Regisseur, Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Komponist in Personalunion schuf er die ultimative Liebeserklärung an das Kino der Shaw Brothers und war damit zumindest erfolgreich genug, damit dieses Direct-to-Video-Sequel nachgeschoben werden konnte. RZA zeichnete erneut für die Titelrolle, das Drehbuch und die Musik verantwortlich und fungierte außerdem als ausführender Produzent. Nur auf dem Regiestuhl nahm er nicht mehr Platz, diesen Job übernahm Roel Reiné, einer der Spezialisten, wenn es um Direct-to-Video-Produktionen geht und in dessen Filmographie sich u.a. die beiden famosen DEATH RACE-Nachfolger befinden. Und Reiné macht seinen Job auch hier richtig gut. THE MAN WITH THE IRON FISTS 2 ist vielleicht nicht ganz so wahnsinnig und spektakulär ausgefallen wie der Vorgänger, wer mit diesem jedoch bereits seinen Spaß hatte, wird auch von der Fortsetzung nicht enttäuscht werden. Der Plot des Films gereicht den großen Vorbildern aus den 70er Jahren zur Ehre, auch THE MAN WITH THE IRON FISTS 2 ist eindeutig als liebevolle Verbeugung vor den Shaw Brothers zu erkennen und versprüht – insbesondere aufgrund seines einfach nur oberaffengeilen Soundtracks und Scores – in nicht wenigen Sequenzen eine ähnliche Atmosphäre wie die alten Klassiker. Geile Kampfchoreographien, ein paar nette Splattereffekte (mit dem CGI muss man halt einfach leben) und – ich erwähnte es schon – diese Musikspur zum Niederknien: THE MAN WITH THE IRON FISTS 2 rockt. Ganz gewaltig sogar.

Persönliche Bewertung: Gut!