The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

the-proposition

Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 02

TRAINWRECK (Japan / USA 2015, Regie: Judd Apatow)

trainwreck

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Der aktuellste Eintrag im Judd-Apatow-Universum rund um mal mehr und mal weniger funktionierende Beziehungsmodelle hört auf den Namen TRAINWRECK und wurde von Judd Apatow, der sonst ja auch oft nur als Produzent oder Drehbuchautor auftritt, sogar höchstpersönlich inszeniert. Im Mittelpunkt des Films steht eine Reporterin für ein Männermagazin, gespielt von Amy Schumer, die von ihrem nicht gerade treuen Vater geprägt wurde, vom herkömmlichen Familienkonzept nicht unbedingt überzeugt ist und sich lieber ständig mit One Night Stands vergnügt – bis sie schließlich bei den Recherchen zu einem neuen Artikel einen Sportarzt kennenlernt und sich tatsächlich in ihn verliebt, was schließlich vor allem dazu führt, dass sich der zuvor durchaus anarchisch angelegte TRAINWRECK in eine weitere, formelhafte RomCom verwandelt.

Die Grundidee des Films mit dem Vertauschen typischer Rollenklischees fand ich eigentlich ziemlich gut. Normalerweise sind es ja immer die Männer, die in solchen Filmen gezähmt werden müssen, hier läuft die Sache netterweise genau andersrum ab. Funktioniert hat TRAINWRECK für mich dennoch nicht, was in erster Linie an Hauptdarstellerin Amy Schumer lag, die bei mir als Zuschauer einfach nur unsympathisch und uninteressant  rüberkam. Ihr Charakter war mir über die komplette Laufzeit – und die ist Apatow-typisch mal wieder sehr lang ausgefallen und hat die 2-Stunden-Marke überschritten – einfach nur egal, was schließlich dazu führte, dass sich TRAINWRECK zog wie ein Kaugummi. Normalerweise mag ich die Filme aus dem Apatow-Universum ja immer sehr gerne, da in TRAINWRECK allerdings auch die Anzahl der gelungenen Gags eher im unterem Bereich anzusiedeln ist und der Film wirklich nur über ein paar wenige tolle Szenen verfügt, ist das hier tatsächlich der erste Apatow-Film, von dessen Sichtung ich eher abraten würde. TRAINWRECK hat mich doch ziemlich enttäuscht zurückgelassen.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

TREES LOUNGE (USA 1996, Regie: Steve Buscemi)

trees lounge

(Fassung: DVD, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Steve Buscemi, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller agierte, spielt in TREES LOUNGE den arbeitslosen Mechaniker Tommy, der aus verschiedenen Gründen sein Leben einfach nicht mehr auf die Reihe bekommt, mit seinen diversen Schicksalen hadert und einen Großteil seines Tages in der titelgebenden Kneipe bzw. Bar verbringt.

TREES LOUNGE ist eine dieser kleinen Indie-Produktionen, die mit relativ wenig Geld (das Budget des Films lag laut IMDB bei ca. 1,3 Mio Dollar) und dafür umso mehr Herzblut entstanden zu sein scheinen und die den Zuschauer mit den Schicksalen möglichst skurriler und obskurer Gestalten konfrontieren. Bei mir treffen Filme wie dieser sehr häufig ins Schwarze. Ich liebe es, in diese von Alkohol durchtränkten und mit Zigarettenqualm durchsetzten Mikrokosmen einzutauchen, den diversen Kneipenpropheten zu lauschen und diesen liebenswerten Losern einfach beim Nichtstun zuzusehen. TREES LOUNGE ist ein Paradebeispiel für Filme dieser Art und so dürfte es niemanden wirklich erstaunen, dass ich mich auch in der Welt von Buscemis Film außerordentlich gern aufgehalten habe und diesen Film hiermit allen, die ein großes Herz für kleine Filme haben dringend weiterempfehlen möchte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

황해 | HWANGHAE (aka The Yellow Sea, Hongkong / Südkorea / USA 2010, Regie: Na Hong-jin)

hwanghae

(Fassung: Blu-ray, Eureka, Großbritannien)

 Regisseur Na Hong-jin erzählt die Geschichte des von Ha Jung-woo gespielten Taxifahrers Gu-nam, der in der hauptsächlich von Koreanern besiedelten Stadt Yanji im Grenzgebiet von China, Russland und Nordkorea versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Seine Frau hat sich schon vor einiger Zeit nach Südkorea abgesetzt, seitdem wartet Gu-nam darauf, dass sie ihm Geld zukommen lässt, damit er die wegen seiner Spielsucht mittlerweile in exorbitanter Höhe entstandenen Schulden irgendwie abzahlen kann. Als er eines Tages die Möglichkeit bekommt, sich mit der Erledigung eines bestimmten Auftrags all seiner Schulden zu entledigen, nimmt er diesen an. Doch die Aufgabe hat es in sich: Gu-nam soll nach Südkorea reisen und dort einen ihm unbekannten Mann töten…

Nachdem Regisseur Na Hong-jin seine Charaktere vorgestellt und in Stellung gebracht hat, erzählt er seinen Film zunächst auf ausgesprochen ruhige Art und Weise im Stile eines klassischen Heist Movies – nur dass der Überfall hier eben ein Auftragsmord ist – weiter. Er lässt seinen Protagonisten die Gegend auskundschaften, lässt ihn die Gewohnheiten seines Opfers lernen und ihn schließlich zur Tat schreiten, wobei während dieser Phase des Films die Spannungsschraube von Minute zu Minute immer mehr angezogen wird. Nach der Tat verwandelt sich 황해 | HWANGHAE sehr schnell in ein packendes Jagd/Flucht-Szenario und einen teils äußerst derben Rachefilm, der spätestens zu diesem Zeitpunkt auch all die Zuschauer fesseln dürfte, denen die Inszenierung der ersten Filmhälfte vielleicht etwas zu ruhig geraten war. Wenn man an 황해 | HWANGHAE überhaupt etwas aussetzen möchte, dann vielleicht tatsächlich das, dass der Film mit einer Laufzeit von rund 140 Minuten einen Tick zu lang geraten ist. Hin und wieder schleichen sich ein paar wenige Längen ein, die den guten Gesamteindruck jedoch nicht wirklich schmälern können.

Ansonsten bleibt nach Sichtung dieses Films vor allem die Erkenntnis übrig, dass es im internationalen Kino – abseits der typischen Hollywood-Blockbuster-Unterhaltung – für aufgeschlossene Filmfreunde tatsächlich so unendlich viel zu entdecken gibt, dass man als Filmfan wohl 10 Leben zur Verfügung haben müsste, um seiner Leidenschaft ausgiebig nachgehen zu können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (aka Branded to Kill, Japan 1967, Regie: Seijun Suzuki)

koroshi no rakuin

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Seijun Suzuki erzählt in seinem Gangstermelodram die Geschichte des Auftragsmörders Gorô Hanada (Jô Shishido), momentan die Nr. 3 im inoffiziellen Killer-Ranking der Verbrecherkartelle, der seinen aktuellen Auftrag versaut, da ihm Gefühle zu einer Frau in die Quere kommen. Fortan steht er auf der Abschussliste seiner Auftraggeber und muss sich schon bald mit der unbekannten Nr. 1 (Kôji Nanbara) auseinandersetzen, der Hanada endgültig aus dem Weg räumen soll…

Seijun Suzuki taucht seine Geschichte in Schwarz/Weiß-Bilder, die sein Kameramann Kazue Nagatsuka in wirklich betörender Schönheit abgelichtet hat und in die man sich als Zuschauer am besten einfach hineinfallen lässt. Wer eine herkömmliche Erzählstruktur erwartet, dürfte von Suzukis Film wohl eher enttäuscht werden. 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN ist über weite Strecken maximal seltsam, verbreitet eine ganz eigene Atmosphäre, ist voll skurriler Erotik aufgeladen (die höchste sexuelle Erfüllung findet die Hauptfigur beispielsweise, wenn sie an kochendem Reis schnüffeln darf) und mitunter auch etwas sperrig und alles andere als leicht zugängig. Aber all das ist auch ungemein faszinierend geraten und wer es schafft, sich auf den Film einzulassen, wird mit einem wahrlich beeindruckenden Werk belohnt. Nur Mut, in England gibt es Suzukis Film von Arrow Video in einer wundervoll aufgemachten Blu-ray-Edition käuflich zu erwerben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA (aka Trapped in Lust, Japan 1973, Regie: Atsushi Yamatoya)

aiyoku no wana

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Atsushi Yamatoya zeichnete für das Drehbuch des erst kurz zuvor gesehenen 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (mit-)verantwortlich und hat mit 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA eine Erotik- bzw. Exploitation-Variante von Suzukis Film gedreht. Auch hier geht es um einen hochrangingen Auftragskiller der bei einem höchst komplizierten Auftrag die notwendige Professionalität vermissen lässt und dadurch selbst auf einer Todesliste landet. Doch während Suzukis Original in betörend schönen Bildern schwelgte, eine sexuell aufgeladene Atmosphäre transportierte und den Zuschauer trotz seiner teils sperrigen Art komplett in seinen Bann zu ziehen vermochte, ist dieses Quasi-Remake eher etwas plump geraten. Ja, auch dieser Film hier hat seine höchst skurrilen Momente zu bieten – insbesondere die Sache mit dem Killer und der Puppe – und das Finale von 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist auch ein ziemlicher Knaller geworden, die über weite Strecken jedoch nicht unbedingt erotischen oder überhaupt in irgendeiner Weise ästhetischen Softsexsequenzen des Films torpedieren sein Gelingen jedoch in höchstem Maße. Schauwerte allein reichen am Ende des Tages halt doch nicht aus, man muss auch wissen, wie man sie in Szene setzt und das ist Atsushi Yamatoya leider nicht wirklich gelungen. 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist jetzt sicher kein Totalausfall, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste (es sei denn, man hat es sich auf die Fahne geschrieben, im Lauf seines Lebens möglichst alle erhältlichen Exploitation-Flicks aus Japan sichten zu wollen).

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

LIVING IN OBLIVION (USA 1995, Regie: Tom DiCillo)

living in oblivion

(Fassung: Blu-ray, Shout! Factory, USA)

 Regisseur Tom DiCillo nimmt seine Zuschauer in LIVING IN OBLIVION mit an das Set einer Independent- bzw. Low-Budget-Produktion und führt ihm auf ebenso lustige wie bissige Art und Weise vor Augen, mit welchen Problemchen und Problemen unabhängige Filmemacher so zu kämpfen haben. Komplizierte Diven, untalentierte Stars und technischen Pannen machen die Drehs diverser Szenen zu einer Tortur für alle Beteiligten, wobei der Zuschauer während der Erstsichtung des Films nie sicher sein kann, ob hier nun nur einer Traumsequenz oder tatsächlich der filmischen Wirklichkeit beiwohnt.

LIVING IN OBLIVION wirkt dabei ungemein real und authentisch, Steve Buscemi ist in der Rolle des genervten Regisseurs einfach großartig, aber auch Catherine Keener, James Le Gros und Peter Dinklage als nicht gerade unkomplizierte Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie. Tom DiCillo hat mit LIVING IN OBLIVION einen ungemein lustigen und faszinierenden Film gedreht, eine Liebeserklärung des Independent-Kinos an sich selbst, einen dieser Filme, die einen als Zuschauer sofort in ihren Bann ziehen und mit ihrer liebevollen und auch durchaus eigenwilligen Art einfach nicht mehr loslassen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

MAN WANTED (USA 1932, Regie: William Dieterle)

man wanted

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mit MAN WANTED habe ich mal wieder einen meiner beliebten und eigentlich viel zu seltenen Ausflüge in die Pre-Code-Ära von Hollywood unternommen, in der Filmemacher noch nicht dem ab Mitte der 30er Jahre für gut 3 Jahrzehnte geltenden Zensurbestimmungen unterworfen waren und in der Filme gedreht wurden, die auch noch aus heutiger Sicht – und insbesondere im Hinblick auf ihren Entstehungszeitpunkt – einfach nur ungemein modern, erfrischend und lebendig wirken. Angestaubt ist hier wirklich überhaupt nichts.

In MAN WANTED geht es um die erfolgreiche Karrierefrau Lois Ames (Kay Francis), die mit dem von David Manners gespielten Thomas Sherman einen neuen Assistenten anheuert, der sich nach kurzer Zeit in seine mit einem windigen Playboy (gespielt von Kenneth Thomson) verheiratete Chefin verliebt. Regisseur William Dieterle erzählt die Geschichte dieser Liebe, die eigentlich nicht sein darf, auf ungemein rasante Art und Weise. Das schwache Geschlecht sind hier eindeutig die Männer, sei es nun der vergnügungssüchtige Ehemann an der Seite der starken Frau oder eben der verliebte Angestellte unter der mehr als dominanten Chefin. Überzeugende schauspielerische Leistungen, ein mit geschliffenen Dialogen nur so gespicktes Drehbuch und diese glaubwürdige Darstellung der Umkehr traditioneller Geschlechterrollen machen MAN WANTED zu einem dieser weiteren kleineren Filme aus der damaligen Zeit, die auch heute noch perfekt funktionieren und vor denen man wegen ihrer modernen Einstellung und Botschaft nur anerkennend den Hut ziehen kann.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

8 Kurzkommentare (April 2016)

HOUSE OF WAX (USA 1953, Regie: André De Toth)

house of wax

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

 Dass Remakes oder Reboots kein gänzlich neuartiges Phänomen darstellen, sondern eher etwas, das es schon immer in der Filmgeschichte gab, lässt sich am Beispiel von HOUSE OF WAX aus dem Jahr 1953 gut darstellen. Beim Film von Regisseur André De Toth handelt es sich nämlich um ein Remake des Films MYSTERY OF THE WAX MUSEUM aus dem Jahr 1933 von Regisseur Michael Curtiz, in dem der Betreiber eines Wachsmuseums von seinem Geschäftspartner betrogen und dem eigentlich sicheren Flammentod überlassen wurde, das gelegte Feuer jedoch wie durch ein Wunder und schrecklich entstellt überlebte und daraufhin ein neues Wachsfigurenkabinett der ganz besonderen Art eröffnete. In die im Original von Lionel Atwill gespielte Rolle des Brandopfers schlüpft im Remake nun Vincent Price und der liefert eine wahrlich beeindruckende Vorstellung als gefährlicher Verrückter ab. Dazu gesellen sich ganz wundervolle Kulissen, eine angenehme Gruselatmosphäre im Gothic-Horror-Stil und ein enorm spannendes und packendes Finale, welches  dem geneigten Zuschauer auch heute, über ein halbes Jahrhundert nach Erstaufführung, noch den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

L’ULTIMO CACCIATORE (Italien 1980, Regie: Antonio Margheriti)

l'ultimo cacciatore

(Fassung: DVD, Dark Sky Films, USA)

Regisseur Antonio Margheriti schickt seinen Hauptdarsteller David Warbeck in L’ULTIMO CACCIATORE zu Zeiten des Vietnamkriegs auf eine gefährliche Mission – es gilt, einen tief im Feindgebiet gelegenen Propagandaradiosender der Vietnamesen auszuschalten – und mit diesem den Zuschauer auf eine Reise mitten in den Wahnsinn des Krieges.

Das italienische Kino ist natürlich auch dafür bekannt, sich von erfolgreichen US-Produktionen “inspirieren“ zu lassen und zu versuchen, die Erfolge der großen Vorbilder durch kostengünstige Filme, die in die gleiche Kerbe schlagen, zu wiederholen. L’ULTIMO CACCIATORE ist bspw. ganz deutlich von Coppolas APOCALYPSE NOW inspiriert und wurde auf den Philippinen sogar in den Original-Kulissen gedreht, die von Coppolas Erfolgsfilm übrig geblieben waren. Allein diese Settings verleihen L’ULTIMO CACCIATORE eine gewisse Klasse, die er aufgrund seines sicher nicht ausufernd großen Budgets sonst vielleicht nicht unbedingt erreicht hätte. Der zweite große Hauptgewinn des Films ist Hauptdarsteller David Warbeck, der ganz hervorragend in die Rolle des sich immer weiter ins Herz des Wahnsinns vorkämpfenden Soldaten passt und den Zuschauer mit einer nicht gerade einfachen Identifikationsfigur konfrontiert. Für Freunde deftiger Exploitation ist Margheritis Film ein echtes Fest. L’ULTIMO CACCIATORE kommt wie ein verrückter Abenteuerspielplatz daher, ist teils unglaublich brutal, verfügt über praktisch keinerlei Leerlauf und verfällt spätestens ab der Sequenz, in der Warbeck und seine Gefährten zum von anderen US-Soldaten ausgebauten Höhlensystem gelangen, komplett dem Wahnsinn. Wer hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Vietnam erwartet, dürfte wohl ziemlich enttäuscht werden. Wer dagegen Lust auf explosive Action im Gewand eines Kriegsfilms hat, kommt voll auf seine Kosten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE STEWARDESSES (USA 1969, Regie: Al Silliman Jr.)

the stewardesses

(Fassung: DVD, Shout! Factory, USA)

Als Ende der 60er Jahre die strengen Zensurvorschriften in den USA – insbesondere auch was die Darstellung von Nacktheit innerhalb eines sexuellen Kontexts anbelangte – endgültig der Vergangenheit angehören sollten, kamen Filme wie THE STEWARDESSES auf den Markt, die dem Zuschauer nun endlich das bieten konnten, was Jahrzehnte zuvor noch verboten war. Und der Erfolg gab ihnen recht. THE STEWARDESSES ist – man mag es kaum glauben – tatsächlich einer der profitabelsten Filme, die je gedreht wurden. Kosten von ca. 100.000 US-Dollar standen weltweite Einnahmen gegenüber, die sich laut IMDB irgendwo zwischen 25 und 30 Mio. US-Dollar bewegten.

So etwas wie eine Handlung such man hier vergebens. Regisseur Al Silliman Jr. konfrontiert den Zuschauer lediglich mit den Freizeitaktivitäten von ein paar Flugbegleiterinnen, die lediglich mit einem wirklich hauchdünnen roten Faden miteinander verbunden sind. Das Hauptanliegen von THE STEWARDESSES ist es, dem Zuschauer möglichst viele Schauwerte zu präsentieren und diese Agenda setzt der Film konsequent um. Nackte Haut, herrlich obskure Kameraeinstellungen (der Film kam damals in 3D in die Kinos), ein psychedelischer Soundtrack und eine Atmosphäre, die einen ständigen Rauschzustand zu simulieren versucht, machen THE STEWARDESSES auch heute noch zu einem großen Vergnügen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE (USA / Vereinigte Arabische Emirate 2011, Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor)

ghost rider - spirit of vengeance

(Fassung: Blu-ray 3D, Universum, Deutschland)

Seit in GHOST RIDER aus dem Jahr 2007 seine Seele an den Teufel verkaufte, fährt der ehemalige Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) als feuriges Skelett auf seinem Motorrad umher um die Drecksarbeit des Leibhaftigen zu erledigen. Als er vom undurchschaubaren Moreau (Idris Elba) die Chance bekommt, von diesem Schicksal für immer befreit zu werden, willigt er in den ihm gestellten Auftrag ein, einen kleinen Jungen (Fergus Riordan) zu beschützen, nicht ahnend, mit wem er sich durch die Annahme dieses Auftrags tatsächlich anlegt…

Über GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE wurde damals – ähnlich wie schon über den Vorgänger zuvor – ein regelrechter Kübel an Spott und Häme ausgeschüttet und erwartet man von dieser Fortsetzung so etwas wie einen “herkömmlichen“ bzw. “normalen“ Film, kann ich diese harschen Reaktionen im Ansatz sogar verstehen, auch wenn ich selbst gänzlich anderer Meinung bin. Wer diesen Film der beiden Chaos-Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor – die zuvor ja schon mit CRANK, CRANK: HIGH VOLTAGE und GAMER deutlich aufgezeigt hatten, was von ihnen zu erwarten ist – auch nur im Ansatz ernst nehmen sollte, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen. GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist einfach nur hoffnungslos überzeichnet, pfeift auf jegliche Art von Konventionen und geht von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltungstechnisch einfach nur noch durch die Decke. Gut, manche CGI-Effekte sehen etwas schäbig aus, diese Schwäche wird vom enorm hohen Unterhaltungsfaktor des Films aber locker wettgemacht. In GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE gibt es keine Verschnaufpausen, Nicolas Cage spielt sich in einen regelrechten Wahn und erhebt sein gottgegebenes Talent zum Overacting spätestens mit diesem Film zur absoluten Kunstform. Filmschulen sollten sich ernsthaft überlegen, Klassen und Workshops für diese Art des Schauspiels anzubieten. Es wäre schade, wenn sie irgendwann verloren ginge.

Ich habe keine Ahnung, warum GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE so geworden ist, wie er nun mal ist. An welchem Punkt im Produktionsprozess und aus welchen Gründen Neveldine und Taylor sich dazu entschieden haben, jetzt einfach nur noch die sprichwörtlich Sau rauszulassen, aber ich finde es einfach herrlich, wie die beiden Regisseure hier ganz offensichtlich mit Absicht und vollem Risiko die Erwartungshaltung des Publikums untergraben, diesem den gestreckten Stinkefinger entgegenstrecken und ihren Film mit Vollgas einfach gegen die Wand fahren. In einer Zeit, in der gerade im Blockbusterbereich, ja wirklich nichts mehr dem Zufall überlassen wird, ist es regelrecht wohltuend, zu sehen, dass ein Film wie GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE – auch noch aus dem Hause Marvel – tatsächlich noch das Licht der Leinwände erblicken kann.

Neveldine und Taylor haben vielleicht keinen guten, aber dafür einen enorm unterhaltsamen Film gedreht, der bei mir als Filmsammler das dringende Bedürfnis weckt, die Sammlung auf schnellstem Weg mit allen noch fehlenden Nicolas-Cage-Filmen zu ergänzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE INTERNSHIP (USA 2013, Regie: Shawn Levy)

the internship

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), 20th Century Fox)

Nachdem die beiden Kumpels Vince Vaughn und Owen Wilson ihre Jobs als Uhrenvertreter verloren haben und feststellen müssen, dass sie in der modernen Arbeitswelt zum alten Eisen gehören zu scheinen, entscheiden sie sich für ein radikales Experiment. Sie ergattern je einen der begehrten Praktikumsplätze beim Internetriesen Google und erhoffen so, sich für eine feste Anstellung qualifizieren können. Doch die Aufgabe ist schwierig und die weitaus jüngere Konkurrenz scheint ihnen in allen Belangen weit überlegen zu sein…

Regisseur Shawn Levy ist in erster Linie für harmlose Familienunterhaltung der Marke NIGHT AT THE MUSEUM bekannt und so ist es keine große Überraschung, dass auch THE INTERNSHIP eher zur Kategorie der leichten und anspruchslosen Unterhaltung zu zählen ist. Der Film steckt natürlich voller Klischees – der typische Kampf David gegen Goliath, hier im Wettstreit um die begehrten Arbeitsplätze, die Tatsache, dass die jungen Wilden von den erfahrenen Alten immer noch etwas lernen können (und natürlich umgekehrt) -, die Botschaft, die Levy vermitteln will, nämlich nie aufzugeben und immer zu versuchen, die Möglichkeiten, die sich einen bieten, zu nutzen, könnte nicht einfacher gestrickt sein, der Verlauf der Handlung ist komplett vorhersehbar und was an THE INTERNSHIP noch am meisten verwundert ist die Tatsache, dass Google seinen großen Namen geliehen und seine Zentrale ein paar Tage lang sogar für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat und dennoch keine Probleme damit gehabt zu haben scheint, hier doch als ziemlich chaotischer und durchgeknallter Kindergarten dargestellt zu werden. Hauptsache, das Logo ist immer im Bild.

Auf seine ganz eigene Art und Weise habe ich THE INTERNSHIP – vielleicht sogar wegen seiner Vorhersehbarkeit, seiner einfach gestrickten Handlung und seiner simplen Botschaft – jedoch als ungemein angenehmen und sympathischen Film empfunden. Vince Vaughn und Owen Wilson harmonieren ganz vorzüglich miteinander, viele Gags sind gelungen, die Gastauftritte von John Goodman und Will Ferrell sind der Knaller und Rose Byrne als Love Interest ist ein echter Hingucker. Ein kleiner, feiner Film, der – das Manko fast aller Komödien der letzten Jahre – eigentlich nur mit seiner etwas zu langen Laufzeit von gut 2 Stunden zu kämpfen hat, über weite Strecken aber gar nicht mehr will und gar nicht mehr macht als seinen Zuschauern unbeschwerte Unterhaltung zu liefern. Schön.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WΔZ (Großbritannien 2007, Regie: Tom Shankland)

w delta z

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Das Cover der deutschen DVD zeigt eine ausgesprochen unappetitlich zugerichtet Hand in Großaufnahme und rückt Shanklands Films somit automatisch in die Ecke von SAW und Konsorten. Eine Ecke, in die WΔZ jedoch nicht wirklich reingehört. Der Film hat zwar teils wirklich fast unerträgliche Härten zu bieten, lebt aber nicht von deren Zurschaustellung, sondern allein von der Spannung, die er langsam aufbaut und der ungemein dichten Atmosphäre, die er kreiert.

WΔZ erinnert mehr an Filme wie THE SILENCE OF THE LAMBS oder SE7EN und handelt von den beiden Polizisten Eddie Argo (Stellan Skarsgård) und Helen Westcott (Melissa George), die in einer unheimlichen Mordserie ermitteln. Schon bald wird klar, dass der gesuchte Serienkiller aus Rache handelt und auch die Identität des Mörders ist nicht sonderlich lange ein Geheimnis. Seine Spannung zieht WΔZ also nicht aus der Frage, wer der Täter ist, sondern wie er zur Strecke gebracht werden kann.

Regisseur Tom Shankland wirft den Zuschauer auf der Jagd nach dem Killer mitten hinein ins Geschehen. Der fast ausschließlich mit – oft wackliger – Handkamera gedrehte Film entwickelt dabei schon sehr schnell eine Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. Das ist ebenso faszinierend wie herausfordernd, WΔZ gehört definitiv zu der Sorte von Film, die man sich nicht mal so kurz nebenbei zur Entspannung anschaut, sondern die einem als Zuschauer doch einiges abverlangt. Mich persönlich hat Shanklands Film extrem positiv überrascht und ich möchte an dieser Stelle eine klare Empfehlung für WΔZ aussprechen. Das ist richtig gutes Horror- bzw. Thrillerkino, das Shankland hier abgeliefert hat.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS (Frankreich 2008, Regie: Dany Boon)

bienvenue chez les ch'tis

(Fassung: DVD, Prokino, Deutschland)

Um seine Ehe zu retten bemüht sich der leitende Postangestellte Philippe Abrams (Kad Merad) verzweifelt um eine Versetzung an die französische Riviera-Küste und versucht dies schließlich auch mit unlauteren Mitteln zu erreichen indem er eine nicht vorhandene Behinderung vortäuscht. Als der Beschiss auffliegt, wird Abrams in den hohen Norden strafversetzt, in eine Region, in die niemand freiwillig gehen möchte…

Wenn man wie ich in der nördlichsten Ecke von Bayern wohnt und arbeitet und es einen dorthin auch nur wahlweise verschlagen hat, kommt man nicht umhin, BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS über die komplette Laufzeit mit einem dicken Grinsen zu betrachten. So wie der von Kad Merad einfach nur herrlich interpretierte Philippe Abrams zunächst reagiert, dürfte in Bayern wohl jeder Beamte oder Angestellte reagieren, der plötzlich von seinem Arbeitgeber damit konfrontiert wird, dass er von bspw. München nach Hof versetzt wird. Und ähnlich wie Philippe im Film dürften dann auch diese Zwangsversetzten sehr schnell realisieren, dass es dort, wo es sie nun hinverschlagen hat, bei näherer Betrachtung gar nicht mal so übel ist.

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS spielt natürlich mit und lebt in erster Linie von seinen Klischees die er verwendet, in denen aber sicher jede Menge Wahrheit stecken dürfte. Regisseur Dany Boon, selbst aus dem französischen Norden stammend, hat mit diesem Film so etwas wie eine Liebeserklärung an seine Heimat  und an die vielleicht etwas rauen, dafür aber umso ehrlicheren Typen, die diese vom Rest der Nation so unattraktive Landschaft bevölkern, gedreht und zeigt auf ungemein liebenswerte und sympathische Art und Weise die Vorzüge dieser Landschaft und ihrer Einwohner auf. Dass BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS darüber hinaus auch noch ungemein witzig, kurzweilig und unterhaltsam geraten ist, wirkt sich natürlich auch nicht negativ auf die Qualität des Films aus.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass man diesen Film wohl nur dann in seiner ganzen Pracht und seinem ganzen Witz genießen kann, wenn man die französische Sprache perfekt beherrscht. BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS funktioniert über weite Strecken über die Sprache, spielt mit Dialekten und lässt sich so natürlich nicht adäquat synchronisieren oder untertiteln. Da mir Synchronfassungen schon seit langer Zeit ein Graus sind, habe ich mir Boons Film mit deutschen Untertiteln angesehen, konnte so zwar über die Untertitel auch “nur“ die deutsche Synchronisation mitlesen, kam aber zumindest in den Genuss der Originalstimmen der Schauspieler.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE LAST AIRBENDER (USA 2010, Regie: M. Night Shyamalan)

the last airbender

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

Mit THE LAST AIRBENDER entführt Regisseur M. Night Shyamalan den Zuschauer in eine mystische Fantasy-Welt, in der es ein kleiner Junge mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Hand hat, schon seit Jahrzehnten schwelende Konflikte zu beenden und das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Völkern wieder herzustellen…

Konnte ich seinen vorherigen Filmen, von denen ja insbesondere LADY IN THE WATER und THE HAPPENING nicht gerade mit Lob überhäuft worden sind, bisher allesamt noch etwas abgewinnen, hat mich M. Night Shyamalan mit THE LAST AIRBENDER als bisher treuen Zuschauer nun auch verloren (was ihm jedoch definitiv vollkommen egal sein kann und dürfte). Gut, Shyamalans Fantasy-Welt sieht stellenweise atemberaubend gut aus und aus rein visuellen Gesichtspunkten ist THE LAST AIRBENDER auf jeden Fall ein echter Hingucker und diese visuelle Kraft des Films ist es dann auch, die ihn noch halbwegs sehenswert macht. Ansonsten ist hier leider nicht viel geboten. Die Story ist mir zu sehr auf ein kindliches Publikum zugeschnitten und plätschert ohne große Höhepunkte so unmotiviert vor sich hin, dass sich wahrscheinlich sogar das anvisierte Zielpublikum dabei langweilen dürfte. Dazu gesellen sich wahrlich unfassbar hölzern agierende Darsteller und ein vollkommen sinnloser Cliffhanger, der an der Zurechnungsfähigkeit der Produzenten bei Paramount zweifeln lässt. Haben die echt nicht erkannt, dass mit diesem Film zum Auftakt definitiv kein Franchise entwickelt werden kann?

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

Noch ein Kessel Buntes

SPARTAN (Deutschland / USA 2004, Regie: David Mamet)

spartan

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Laura Newton (Kristen Bell), die Tochter des US-Präsidenten, ist spurlos verschwunden und Val Kilmer als Spezialagent Robert Scott soll alle Hebel in Bewegung setzen, um die junge Frau wieder aufzufinden. Doch auf seiner Suche gerät er plötzlich in Störfeuer aus eigenen Reihen…

Regisseur und Drehbuchautor David Mamet erzählt mit SPARTAN eine eigentlich ziemlich typische Agentengeschichte, die man so oder so ähnlich sicher schon viele Male gesehen hat. Warum mir nun gerade SPARTAN so ausgesprochen gut gefallen hat, kann ich mir selbst nicht erklären. Auf den ersten Blick unterscheidet sich Mamets Film nicht sonderlich von anderen Genrebeiträgen. Vielleicht lag es an Val Kilmer, der doch ausgesprochen überzeugend als kompromissloser Agent in Erscheinung tritt und hier so etwas wie einen zweiten Frühling zu erleben scheint. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass es David Mamet trotz aller Vorhersehbarkeit der Geschichte dennoch gelungen ist, über weite Streckung des Films Spannung und Gänsehaut zu erzeugen und der Film über ein nahezu perfektes Timing zwischen ruhigen, dramatischen und actionreichen Sequenzen verfügt. Vielleicht lag es auch am Mitwirken von Ed O’Neill und William H. Macy in  Nebenrollen, über deren Auftritte man sich immer wieder freuen konnte und bei denen man sich durchaus etwas mehr Screentime gewünscht hätte. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass SPARTAN in der Masse solcher Filme dann doch qualitativ etwas heraussticht und einfach ein ziemlich toller Film geworden ist.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCHUTZENGEL (Deutschland 2012, Regie: Til Schweiger)

schutzengel

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Die Teenagerin Nina (Luna Schweiger) wird Zeuge, wie ein Hotelangestellter vom einflussreichen Waffenmagnaten Thomas Backer (Heiner Lauterbach) – zwar versehentlich, aber doch eiskalt – ermordet wird. Backer versucht die Tat als Notwehr zu verkaufen, die Zeugin muss er dafür jedoch loswerden. Auftritt Max Fischer (Til Schweiger), ein absoluter Spezialist, der alles daran setzt, Nina zu beschützen und am Leben zu halten und dabei gegen Störfeuer aus den eigenen Reihen ankämpfen muss…

Im Abspann gedenkt Til Schweiger dem großen Tony Scott, der sich im August 2012 das Leben nahm und dessen Art des Actionkinos Schweiger wohl gerne nachgeeifert hätte. Könnte Scott sehen, was Schweiger aus seinem Vorbild gemacht hat, er würde sich im Grabe umdrehen. SCHUTZENGEL ist der verzweifelte Versuch, großes Actionkino nach Hollywood-Vorbild auch in Deutschland zu verwirklichen. So ehrbar dieses Vorhaben auch sein mag, so ernüchternd ist das Ergebnis ausgefallen. Gut, man muss neidlos anerkennen, dass SCHUTZENGEL stellenweise tatsächlich richtig gut aussieht. Aber halt nur stellenweise und kratzt man ein bisschen an der schönen Oberfläche, fällt der ganze Lack gleich ab. Schweiger umgibt sich zwar mit großer Prominenz aus Film und Fernsehen, mehr als Statistenrollen bleiben für die meisten der mitwirkenden Schauspieler jedoch nicht übrig. Nur ein kleines Beispiel: Antoine Monot Jr., der mich vor kurzem noch in WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER absolut überzeugt hat, wird sogar in den Anfangscredits aufgeführt, hat im Film letztendlich nur Screentime von gut 1 Minute. Sorry, das ist einfach nur lächerlich. SCHUTZENGEL fungiert einzig und allein als Spielplatz für Til Schweiger und seine Tochter Luna, die hier beide eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass schauspielerisches Talent innerhalb der Familie nicht unbedingt vorhanden ist. Man könnte auch sagen, dass das Spiel von Vater und Tochter fast nicht zu ertragen ist und vor allem die vorgetragenen Dialoge bestens dazu geeignet sind, Fremdscham beim verzweifelten Zuschauer auszulösen. Dann die Actionszenen, die auf den ersten Blick zwar durchaus ansprechend und spektakulär in Szene gesetzt zu sein scheinen, bei näherer Betrachtung aber vor allem daran leiden, dass sie komplett chaotisch und unübersichtlich inszeniert sind. Als Zuschauer weiß man nie, wer jetzt nun aus welcher Deckung heraus auf wen schießt und diese komplett anarchische Inszenierung des Raums führt letztendlich auch dazu, dass einem das Treiben auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm gänzlich am Arsch vorbeigeht. So etwas wie Spannung oder Atmosphäre kommt während der epischen Laufzeit von gut 130 Minuten eigentlich nie auf. Einziger Lichtblick in SCHUTZENGEL ist Moritz Bleibtreu, der zwar auch keine allzu große Rolle abbekommen hat, in den wenigen Szenen, in denen er mitwirkt, aber alles versucht, den Film irgendwie zu retten und letztendlich auch der einzige Grund ist, weswegen man SCHUTZENGEL nun nicht als komplett beschissene Vollkatastrophe bezeichnen muss.

Til Schweiger, der ja nun nicht wirklich dafür bekannt ist, selbstkritisch sein zu können, hat in Interviews angemerkt, dass – da SCHUTZENGEL wohl kein allzu großer Erfolg gewesen ist – Actionkino aus Deutschland einfach nicht funktioniert. Ich behaupte, es würde eventuell funktionieren, wenn es sich um gutes Actionkino handeln würde. SCHUTZENGEL scheitert an einer Mischung aus Unvermögen und Größenwahn und erweist dem Genrekino in Deutschland einen Bärendienst. Denn wenn es selbst die heilige Kuh Schweiger nicht gebacken kriegt, Action im Kino zu etablieren, dann werden auch ähnliche Projekte talentierterer Filmemacher nicht mehr finanziert. Es ist ein Teufelskreis und eine Ironie des Schicksals, dass Schweiger als Schauspieler ja gerade Action ganz gut kann. Allerdings nicht, wenn er Dialoge von sich geben muss. Dann scheitert er wie hier. Ich will mir eigentlich seit Jahren mal wieder KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR ansehen, den ich für den mit großen Abstand besten Schweiger-Film halte und den ich damals geliebt habe. Nach der Sichtung von SCHUTZENGEL und dem Wissen, dass Schweiger auch in diesem Film mehrere Dialogpassagen zu meistern hat, habe ich jedoch Angst vor einem Wiedersehen. Das wahre Talent von Til Schweiger scheinen bisher insbesondere Antoine Fuqua und Quentin Tarantino erkannt zu haben, die ihn in THE REPLACEMENT KILLERS und INGLOURIOUS BASTERDS in Rollen besetzten, in denen er grimmig schauen, rumballern und in erster Linie seinen Mund halten musste.

Bewertung: Mies (mit ein paar wenigen Momenten)! – 3/10

 

 

THE BEES (Mexiko / USA 1978, Regie: Alfredo Zacarías)

the bees

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Während eine Gruppe von Wissenschaftlern in den USA verzweifelt versucht, eine hochaggressive und extrem gefährliche Bienenart aus Südamerika zu zähmen und in Nutztiere zu verwandeln, nehmen skrupellose Geschäftsleute die Gefahr, die von den Bienen ausgeht, nicht ernst und siedeln diese in Amerika an, da ausgerechnet diese Art einen wertvollen Rohstoff für Kosmetikprodukte liefert. Schon bald ziehen mordende Bienenschwärme durch die Vereinigten Staaten…

Halleluja, THE BEES ist auf seine ganz eigene Art und Weise einfach nur herrlich. Die Grundaussage des Films ist identisch mit denen unzähliger Genrekollegen aus dem Tier- und Ökohorrorbereich und lautet natürlich, die Natur nicht weiter auszubeuten, da diese sonst gnadenlos zurückschlagen wird. So begrüßenswert die Agenda des Films auch ist, die zu vermittelnde Botschaft hat das Problem, dass sie von einem Film vermittelt werden soll, der wirklich extrem unsinnig geraten ist (schon die ganze Ausgangssituation ist einfach nur komplett hanebüchen). THE BEES verfügt über keinerlei Spannung, keinen klassischen Handlungsstrang, der sich in irgendeiner Weise entwickeln würde, sondern lediglich um eine Aneinanderreihung verschiedener Szenen, die durch Taten handelnder Personen miteinander verbunden werden, die man bei kritischer Betrachtung einfach nur als bescheuert bezeichnen kann. In THE BEES ergibt wirklich gar nichts einen Sinn.

Für Fans obskurerer Filme ist Zacarías’ Genrebeitrag aber gleich aus mehreren Gründen einen Blick wert. Wegen dieser unglaublichen Selbstverständlichkeit und Ernsthaftigkeit, mit der noch der größte Unfug vermittelt werden soll, und durch die THE BEES einen herrlich naiven Charme entwickelt, dem man sich als B-Movie-Fan nur schwer entziehen kann und will. Wegen der herrlichen Stock-Footage-Sequenzen (bspw. der Flugzeugabsturz), die immer wieder eingebaut wurden, um diesem kleinen Film so etwas wie Größe zu verleihen. Und natürlich wegen der Besetzung, die mit John Saxon, Angel Tompkins und John Carradine mindestens drei B-Movie-Urgesteine aufweisen kann, denen man als Fan immer wieder gerne bei der Arbeit zusieht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

SMITHEREENS (USA 1982, Regie: Susan Seidelman)

smithereens

(Fassung: DVD, Blue Underground, USA)

Regisseurin Susan Seidelman erzählt in SMITHEREENS die Geschichte der aus Jersey stammenden Wren (Susan Berman), die auf Biegen und Brechen versucht, in der Musikszene von New York Fuß zu fassen. Doch ohne Geld, ohne Bleibe und ohne Perspektive fällt das durchaus schwer. Ihre große Hoffnung setzt sie in den Musiker Eric (Richard Hell), mit dem sie sich am liebsten nach Kalifornien absetzen würde. Doch Eric hat – im Gegensatz zu dem in einem Van lebenden Paul (Brad Rijn) – nicht wirklich Interesse an Wren und nutzt diese stattdessen für seine Zwecke schamlos aus…

Susan Seidelman zeichnet das über weite Strecken durchaus ernüchternde Bild einer Generation bzw. Jugendkultur, in der sich jeder Einzelne eine Strategie zurechtgelegt hat, um irgendwie zu überleben. Und diese Strategie besteht in erster Linie darin, zuerst an sich selbst zu denken. So wie Wren bspw. von Eric ausgenutzt wird, nutzt sie wiederum den gutmütigen Paul aus, im Endeffekt um ihn sich warm zu halten, sollte der Plan mit Eric wider Erwarten für sie doch nicht aufgehen. Und als Zuschauer wird einem relativ schnell klar, dass SMITHEREENS für keine der Hauptfiguren ein wirklich zufriedenstellendes Ende bereit halten dürfte.

SMITHEREENS lebt in erster Linie von seiner Stimmung und Atmosphäre, die immer einen leichten Hauch an Melancholie versprüht, sowie von dem für solche Filme einfach unbezahlbaren Zeit- und Lokalkolorit des New York der frühen 80er Jahre. Zu den handelnden Figuren eine echte Beziehung aufbauen zu können fällt dagegen relativ schwer. Dafür sind deren Taten und Entscheidungen im Verlauf des Plots zu oft einfach zu wenig nachvollziehbar. So bleibt man eher in der Rolle des stillen Beobachters, was zuweilen ja auch nicht die allerschlechteste Rolle ist, die man als Zuschauer einnahmen kann. Wer Filme wie SUBURBIA oder LADIES AND GENTLEMEN, THE FABULOUS STAINS mochte, kann auch bei SMITHEREENS gerne mal einen Blick riskieren. Seidelmans Film kommt zwar nicht ganz an die Qualität der beiden genannten Filme heran, sehenswert ist er in meinen Augen dennoch geraten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK (USA 1997, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Wow, MEN IN BLACK hat nun auch schon wieder knapp 20 Jahre auf dem Buckel und scheint – schaut man ihn sich heute an – tatsächlich aus einer komplett anderen Zeit zu kommen, einer Zeit, die weit länger als nur 20 Jahre zurückliegt. Im Jahr 1997 war Sonnenfelds Film um die beiden von Will Smith und Tommy Lee Jones gespielten Agenten einer geheimen Regierungsorganisation, die das Treiben diverser Aliens auf der Erde zu überwachen haben, ein absoluter Blockbuster, großes Popcorn-Kino, das bis heute zwei Fortsetzungen nach sich zog. Im Vergleich mit den insbesondere von Superhelden beherrschten Blockbustern aus der Gegenwart, kommt MEN IN BLACK – der übrigens auch auf einem Comic aus dem Hause Marvel basiert – fast wie ein kleines B-Movie daher. Hier gibt es keine epische Laufzeit von weit über 2 Stunden, keine gebrochenen Helden, keinen überbordenden Bombast, bei dem ganze Städte dem Erdboden gleich gemacht werden. Barry Sonnenfeld erzählt seine einfach gestrickte Geschichte in knackigen 90 Minuten, überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Action, komischen Elementen, obskuren Aliens und auch heute noch ausgesprochen hübsch anzusehenden Effekten und scheint als oberste Agenda auf dem Schirm zu haben, seinem Publikum eine möglichst unterhaltsame und unbeschwerte Zeit zu bereiten.

Mir hat MEN IN BLACK bei diesem Wiedersehen nach vielen Jahren wirklich ausgesprochen viel Spaß gemacht, ich fand ihn ungemein sympathisch und unterhaltsam und hatte ihn gar nicht als so gut in Erinnerung. Jetzt bin ich schon sehr auf die beiden Fortsetzungen gespannt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL (USA 1989, Regie: Arthur Hiller)

see no evil, hear no evil

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

In SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL bilden der blinde Wally (Richard Pryor) und der taube Dave (Gene Wilder) eine Zweckgemeinschaft der besonderen Art, die sich plötzlich damit auseinandersetzen muss, dass sie sich aufgrund der Verkettung ungünstiger Umstände auf der Flucht vor der Polizei und skrupellosen Gangstern befindet. Vor dem Kiosk, den Dave betreibt und in dem auch Wally arbeitet, wurde nämlich ein Buchhalter ermordet, der zuvor noch eine wertvolle Münze in einem Kästchen mit Kleingeld verstauen konnte. Zum Zeitpunkt der Tat hatte Dave dem Opfer dem Rücken zugedreht, folglich den Schuss nicht gehört und sich nichts dabei gedacht, als er sich kurze Zeit später umdrehte und lediglich eine Frau von hinten weglaufen sah. Der blinde Wally konnte den Schuss natürlich hören, die Täterin aber nicht sehen. Und da Wally beim Opfer auch noch Schulden hatte, geraten die beiden Protagonisten unter Mordverdacht, fliehen im weiteren Verlauf der Handlung aus der Polizeigewahrsam, versuchen ihre Unschuld zu beweisen und müssen sich mit den Mördern auseinandersetzen, die hinter der wertvollen Münze her sind…

Gut, die ganze Ausgangssituation des Films ist natürlich reichlich albern und es dürfte jedem klar sein, dass die Qualität von Hillers Krimi- und Actionkomödie weniger in einer ausgetüftelten Handlung, sondern mehr in einer einzigartigen Gagparade zu finden ist, die sich logischerweise aus der jeweiligen Behinderung der beiden Hauptfiguren und vor allem auch aus der Tatsache speist, dass die beiden Protagonisten einfach nicht bereit sind, sich ihre jeweilige Behinderung einzugestehen und zu ihr zu stehen. Das mag vielleicht alles nicht unbedingt politisch korrekt sein, ist aber dafür einfach nur lustig und stellenweise wirklich zum Schreien komisch. Ob das nun eher kleinere Sequenzen sind, wie die, in der der blinde Wally einen anderen Blinden über die Straße begleitet und diesen und sich selbst geradewegs in den Laderaum eines Lastwagen manövriert, oder ob es sich um größer angelegte Szenen wie die Flucht mit dem Polizeiwagen handelt, in der selbstredend der blinde Wally hinter dem Steuer landet und vom tauben Dave dirigiert wird.

SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL lebt von seinem ebenso schwarzen wie liebenswerten Humor und von seinen beiden Hauptdarstellern, die diesen einfach nur phänomenal rüberbringen. Vor allem Richard Pryor ist – ohne die tolle Leistung von Gene Wilder in irgendeiner Weise schmälern zu wollen – schlicht grandios und der Rolle und spielt den blinden Wally so unglaublich gut und überzeugend, dass man meinen könnte, Pryor selbst wäre blind. Dieser starre Blick, die Tatsache, dass er beim Spiel praktisch keine Mine verzieht, nie blinzelt – Pryors Leistung ist der pure Wahnsinn und der Hauptgarant dafür, dass SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL so fantastisch funktioniert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

THE PRINCIPAL (USA 1987, Regie: Christopher Cain)

the principal

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Durch den Erfolg von Lesters CLASS OF 1984 aus dem Jahr 1982 hatte in den Folgejahren das Subsubgenre des “Terror an der Highschool”-Films zwar nicht unbedingt Hochkonjunktur, aber doch Konjunktur. Die Versatzstücke dieser Filme waren immer dieselben. Es gab die Problemschule im Problembezirk, brutale Banden, die vornehmlich mit Drogen handelten und auch vor Mord nicht zurückschreckten, einzelne Schüler, die tatsächlich etwas lernen wollten, unter diesen Bedingungen aber keine Aussicht auf schulischen Erfolg hatten, den einen Lehrer, der sich gegen den Bandenterror auflehnte und natürlich mindestens einen Schüler auf der Seite der Bösen, der im Laufe des Films bekehrt werden und die Seiten wechseln sollte.

Von diesen vorgegebenen Regeln weicht auch THE PRINCIPAL von Regisseur Christopher Cain nicht. Hier wird James Belushi, der nun nicht gerade den Vorzeigelehrer gibt, von einer harmlosen Schule an die schlimmste Schule der Stadt strafversetzt und soll dort den Job als Direktor übernehmen. Schon bald kommt es zu ersten Konfrontationen mit den Gangstern, die die Schule beherrschen und zur Entscheidung des neuen Direktors, hier gründlich aufzuräumen, was – mit einigen Hochs und Tiefs versehen – am Ende des Tages natürlich gelingt. Was THE PRINCIPAL von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass Christopher Cain versucht, nicht zu sehr auf Exploitation zu setzen, sondern seine Geschichte eher ernsthaft und dramatisch aufzuziehen. Im Weg stehen ihm dabei allerdings der vorhersehbare und durch die Regeln des Genres vorgegebene Handlungsverlauf und die ziemliche klischeehafte Zeichnung der verschiedenen Charaktere. Auf der Habenseite stehen James Belushi, Louis Gossett Jr. und Rae Dawn Chong, durch deren Mitwirken hohe schauspielerische Qualität in den Film gebracht wird, eine ausgesprochen kurzweilig erzählte Geschichte und ein Finale, bei dem phasenweise sogar richtige Spannung aufkommt. Genrefans können gerne mal einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PRETTY PEACHES (USA 1978, Regie: Alex de Renzy)

pretty peaches

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Ein kleiner Ausflug in den Bereich der klassischen Erwachsenenunterhaltung. Aus einer Zeit, in der noch nicht jeder Vollidiot mit einer Videokamera irgendwelche holprigen Ferkeleien drehen und in entsprechenden Portalen jedermann zugänglich machen konnte. Von den frühen 70er Jahren bis Mitte der 80er Jahre waren das tatsächlich noch richtige Filme, die oftmals einen echten Kinostart bekamen und von Leuten gedreht wurden, die etwas von ihrem Handwerk verstanden. Eine 35mm-Filmkamera ist dann doch nicht ganz so leicht zu bedienen wie eine einfache Videokamera. Dementsprechend aufwendig sind Filme wie PRETTY PEACHES dann auch geraten und es ist beruhigend zu sehen, dass auch diese unterschlagensten der unterschlagenen Filme von engagierten Labels wie bspw. Vinegar Syndrome aus den USA mittlerweile mit der Sorgfalt behandelt werden, die sie verdient haben, einem aufwändigen Restaurierungsprozess unterliegen und so für die Nachwelt erhalten werden.

PRETTY PEACHES handelt von einer jungen Frau (Desiree Cousteau), die nach einem Verkehrsunfall einen Gedächtnisverlust erleidet und zwei zwielichtigen Typen (Joey Silvera und Ken Scudder) in die Hände fällt, die die missliche Lage der Verunglückten schamlos auszunutzen versuchen. Diese Ausgangssituation führt natürlich zu allerlei frivolen Situationen, die entsprechend explizit dargestellt werden. PRETTY PEACHES lotet definitiv diverse Grenzen aus, hat so einige Sequenzen an Bord, die verklemmten Personen die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte, ist vom Grundton dann aber auch wieder so charmant-naiv, locker und lustig geraten, dass die Sichtung dieses kleinen Hardcore-Klassikers von Anfang bis zum Ende ein einfach nur diebisches Vergnügen darstellt.

Bewertung: Gut! – 7/10

02/2016 – Sichtungen 10-18

THE CONDEMNED (USA 2007, Regie: Scott Wiper)

the condemned

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

 In THE CONDEMNED kauft ein ebenso skrupelloser wie schwerreicher TV-Produzent (Robert Mammone) aus diversen Gefängnissen insgesamt 10 zum Tode verurteilte Verbrecher (u.a. Steve Austin, Vinnie Jones) frei, verfrachtet diese auf eine einsam gelegene Insel, zwingt sie, sich gegenseitig selbst auszuradieren und überträgt das fragwürdige Spektakel per Livestream im Internet. Dem Überlebenden der Todeskandidaten winkt ein Leben in Freiheit…

THE CONDEMNED wurde von WWE Films produziert – WWE steht für World Wrestling Entertainment -, einer Produktionsgesellschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, diverse Superstars des Wrestling auf die große Leinwand zu bringen. Diesen Fakt sollte man bei der Sichtung des Films im Hinterkopf behalten, insbesondere wenn man auch nur einen Hauch von Anspruch erwartet. THE CONDEMNED steht in der Tradition des guten, alten Menschenjagd-Films, von denen es im Lauf der Filmgeschichte ja schon einige gegeben hat. Anders als die meisten Vertreter dieses Subgenres verlegt Scott Wiper die Handlung seines Films jedoch nicht in eine dystopische Gesellschaft der (nicht allzu) fernen Zukunft, sondern ins Hier und Jetzt und zeichnet den momentanen Zustand der Welt als komplett pervertiert und verdorben (womit er ja nicht unbedingt falsch liegt).

THE CONDEMNED hat dabei – wie so viele andere Filme dieses Subgenres – natürlich das Problem, dass er das, was er da anprangert und verurteilt, dem Zuschauer vor der Leinwand bzw. vor dem heimischen Fernseher natürlich auch auf möglichst spektakuläre Weise servieren will und sich aus diesem Grund durchaus kritische Stimmen gefallen lassen und sich mit dem Vorwurf der Verlogenheit auseinandersetzen muss. Es ist dieser schmale Grat zwischen selbstzweckhafter Exploitation und aufrichtiger Medienkritik auf dem es zu wandeln gilt und das gelingt THE CONDEMNED – insbesondere unter der Berücksichtigung, dass sich da nicht unbedingt ein Ensemble talentierter Charakterdarsteller vor der Kamera eingefunden hat – über weite Strecken des Films durchaus passabel. Regisseur Scott Wiper spart sich ironische Distanz zum Geschehen auf der Leinwand und erzählt seine Geschichte praktisch ohne jeglichen Anflug von Humor. Das macht das Gezeigte für den Zuschauer über weite Strecken ziemlich unangenehm und davon, als unbeschwerte Unterhaltung bezeichnet werden zu können, ist THE CONDEMNED doch ziemlich weit entfernt. Vielleicht hätte man sich einige geschmackliche Entgleisungen sparen können (insbesondere diese peinliche Rede am Ende des Films) und vielleicht ist dieser finale Gut-gegen-Böse-Konflikt etwas zu naiv geraten, insgesamt betrachtet hat mich THE CONDEMNED aber durchaus positiv überrascht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEADPOOL (Kanada / USA 2016, Regie: Tim Miller)

deadpool

(Fassung: Central-Kino Hof, O-Ton-Vorführung)

Ryan Reynolds spielt den ehemaligen Elitesoldaten und jetzigen Söldner Wade, der sich – um eine tödliche Krebserkrankung zu besiegen – auf ein medizinisches Experiment der extremeren Art einlässt und sich schon bald in der Rolle eines Versuchskaninchens wiederfindet. Doch die Behandlungsmethoden zeigen Wirkung und aus Wade wird Deadpool – ein unter einer Persönlichkeitsstörung leidender und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Superheld der etwas anderen Art…

Ob DEADPOOL der Comicvorlage nun gerecht wird kann und will ich nicht beurteilen, denn dazu müsste ich die Vorlage kennen. Das sollen andere entscheiden, Aussagen aus meinem Freundeskreis ist aber durchaus zu entnehmen, dass Miller mit seiner Verfilmung den Comic adäquat umgesetzt hat. Innerhalb der unzähligen Superheldenfilme, die in den letzten Jahren so in die Kinos gekommen sind, ragt DEADPOOL definitiv hervor. Ob er nun eher positiv oder eher negativ hervorragt, ist am Ende des Tages wohl reine Geschmackssache. DEADPOOL hat sicher das Potential, dass man sich an ihm reiben kann. Ich denke, hier dürfte es kein sonderlich breites Meinungsspektrum geben. Die einen werden begeistert sein, die anderen werden ihn hassen.

DEADPOOL ist auf größtmögliche Provokation – innerhalb der engen Grenzen des Blockbusterkinos – getrimmt, lotet diese Grenzen genüsslich aus und versucht auch immer wieder, diese zu überschreiten. Die Grenzüberschreitungen werden dann aber auch immer wieder ironisch gebrochen. DEADPOOL ist fast schon bemüht durchgeknallt und überdreht und das ständige Durchbrechen der Vierten Wand und dieses mehr als aufdringliche Spot-the-Reference-Gehabe führen letztendlich auch dazu, dass man DEADPOOL eigentlich nie so richtig ernst nehmen kann. Würde man diese unzähligen Tabubrüche, die hier begangen werden, mal genauer betrachten, würde man wohl zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass da Genrefilmer vor über 40 Jahren weitaus provokantere Sachen in die Kinos gebracht haben als das, was Miller hier abliefert. DEADPOOL funktioniert so vor allem als ultimative Nerdfantasie und als Ansammlung skurriler Schauwerte. Und als solche funktioniert er tatsächlich ganz vorzüglich. Denn wenn man sich auf DEADPOOL mit all seinem Imponiergehabe, all seinem Gepose und all seinem Radau einlässt – und das ist mir glücklicherweise gelungen – wird man mit einem verdammt unterhaltsamen Stück Film belohnt, welches – auch wenn hier weitaus mehr Schein als Sein am Werk ist – innerhalb des typischen Superhelden-Mainstream-Kinos als fast schon einzigartig bezeichnen werden kann. Für einen Blockbuster ist DEADPOOL tatsächlich maximal asozial geraten und es ist ein Wunder, dass dieser Film von einem Major-Studio wie 20th Century Fox in die Kinos gebracht wurde. Bei Disney, welche ja einen Großteil des Marvel-Franchises fürs Kino verwerten, hätte der Film in dieser Form sicher nie die Lichter der Leinwände erblickt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

LOVE (Belgien / Frankreich 2015, Regie: Gaspar Noé)

love

(Fassung: Blu-ray 3D, Alamode Film, Deutschland)

Eine Nachricht auf seiner Mailbox am Neujahrsmorgen schickt den verkaterten Murphy (Karl Glusman), einen in Paris lebenden Amerikaner, auf einen Erinnerungstrip in die eigene Vergangenheit und Regisseur Gaspar Noé lässt uns als Zuschauer daran teilhaben. Wir werden Zeuge, wie Murphy einst die ebenso attraktive wie instabile Electra (Aomi Muyock) kennenlernte, welche die Liebe seines Lebens werden sollte und die er aus Dummheit gehen ließ. Nun sitzt er da, mit einem kleinen Kind und einer anderen Frau (Klara Kristin), die er nicht liebt und sein Leiden über die verlorene Liebe seines Lebens ist auch für den Zuschauer fast körperlich spürbar. LOVE ist ein Film, der mitten ins Herz trifft, einen packt und einfach nicht mehr loslässt. Das Spiel der verschiedenen Darsteller ist so natürlich, so realistisch, so authentisch, so unglaublich explizit und direkt, dass man als Zuschauer das Gefühl bekommt, man würde irgendwo als heimlicher Beobachter in der Ecke sitzen und keinen fiktiven Figuren aus einem Film zusehen, sondern tatsächlich reale Menschen beobachten.

LOVE fordert einen als Zuschauer. Wegen seiner Explizitheit, seiner Tabulosigkeit und wegen dieses bereits erwähnten, ungemein intensiven Spiels von insbesondere Karl Glusman und Aomi Muyock. Aber so verstörend und herausfordernd LOVE stellenweise auch sein mag, er ist in allererster Linie eine hocherotische und einfach nur wunderschöne Liebeserklärung an die Liebe und das Leben. Er ist gerade wegen des dramatischen Schicksals von Murphy und Electra eine regelrechte Aufforderung an den Zuschauer, nicht dieselben Fehler zu begehen wie die beiden, sondern sich bewusst zu machen, welch unbezahlbarer Schatz dieses Finden der “wahren“ Liebe doch ist. Jeder hat es selbst in der Hand, diesen Schatz festzuhalten und nicht leichtfertig wieder aufzugeben.

Bewertung: Meisterwerk! – 10/10

 

 

WHIPLASH (USA 2014, Regie: Damien Chazelle)

whiplash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

WHIPLASH scheint ja tatsächlich zum erlauchten Kreis der Filme zu gehören, die man als Zuschauer laut herrschender Meinung gefälligst meisterlich, zumindest aber hervorragend zu finden hat. In den Top 250 der IMDB belegt er momentan den 44. Platz, es gab Oscar-Nominierungen als bester Film und für das beste, adaptierte Drehbuch und u.a. eine Oscar-Auszeichnung für J.K. Simmons als bester Nebendarsteller.

Erzählt wird die Geschichte eines talentierten, jungen Musikschülers – gespielt von Miles Teller -, der von seinem Lehrer (J.K. Simmons) gequält, tyrannisiert und an sämtliche Belastungsgrenzen getrieben wird, bis er schließlich daran zu zerbrechen droht.

Zu behaupten, WHIPLASH sei ein guter Film, fällt definitiv nicht schwer. Dazu spielt J.K. Simmons diesen tyrannischen, ja fast schon diabolischen Lehrer, einfach viel zu gut und es macht als Zuschauer zu viel Spaß, diesem etwas anderen Bösewicht bei seinem fiesen Treiben zuzusehen. Sonderlich viel mehr hat WHIPLASH meines Erachtens jedoch nicht zu bieten. Die ganze Geschichte ist viel zu vorhersehbar und klischeehaft in ihrem Verlauf und so etwas wie eine echte Bindung zu den handelnden Personen konnte ich während des ganzen Films nicht aufbauen. WHIPLASH hat mich als Zuschauer nicht wirklich berührt, er hat mich in der Rolle des stillen Beobachters in der Ecke sitzen lassen. Ich persönlich war – nach diesen unzähligen positiven und euphorischen Stimmen zum Film – fast ein bisschen enttäuscht, bin vielleicht auch an der eigenen Erwartungshaltung gescheitert. Aber zumindest dieses Drumsolo, mit dem Chazelle seinen Film beendet, ist tatsächlich so intensiv, atemberaubend und grandios wie überall beschrieben.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOR LOVE OF THE GAME (USA 1999, Regie: Sam Raimi)

for love of the game

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 Kevin Costner spielt den alternden Baseball-Star Billy Chapel, der sein Leben lang für die Detroit Tigers angetreten ist und nicht wenige Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt hat. Nun ist er im Spätherbst seiner Karriere angelangt und muss – nachdem er erfahren hat, dass die Tigers den Besitzer wechseln und er zur neuen Saison verkauft werden soll – eine Entscheidung treffen, wie es mit seiner Karriere und seinem Leben weitergehen soll…

Innerhalb der Regiekarriere von Sam Raimi sticht FOR LOVE OF THE GAME deutlich hervor. Nicht aufgrund seines etwa großen Erfolges, vielmehr war eher das Gegenteil der Fall. Schenkt man der IMDB Glauben, spielte FOR LOVE OF THE GAME nicht mal die Hälfte seines Budgets von rund 80 Mio. US-Dollar wieder ein und muss dann doch eher als großer Flop verbucht werden. Nein, dieser Film sticht aus Raimis Filmographie so hervor, da er der einzige Film ist, den Raimi bis heute außerhalb des Genres des (weitläufigen) phantastischen Films gedreht hat. Raimi hat sich hier an einer Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und Sportfilm versucht und ist dabei so richtig baden gegangen. Weshalb nun gerade dieser Film bei Kritik und Publikum so dermaßen durchfiel, kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich erklären. Wenn man einem Subgenre klischeehafte Charaktere und vorhersehbare Handlungsverläufe verzeiht, dann ist es doch eigentlich das Genre des Sportfilms. Denn das lebt ja gerade von seinen Klischees, davon, dass am Ende der große Erfolg steht, der den Sieg holt, der ihn sich verdient hat, die richtigen Entscheidungen getroffen werden – mögen sie noch so klischeehaft und vorhersehbar sein. Dies alles gibt es auch in FOR LOVE OF THE GAME für den Zuschauer zu sehen und wenn man sich auf den Film einlässt und entsprechend nachsichtig mit ihm ist, dann kann man meines Erachtens durchaus von ihm mitgerissen werden. Ich fand beispielsweise, dass gerade der von Kevin Costner gespielte Billy Chapel in seiner Unentschlossenheit, seiner Melancholie aufgrund des nahenden Karriereendes durchaus überzeugend und glaubwürdig gezeichnet wurde. Man nimmt dem Mann ab, dass er zwischen der Liebe zum Spiel und seiner Liebe zu der von Kelly Preston gespielten Jane Aubrey hin- und hergerissen ist und hofft mit ihm, dass er die für ihn richtige Entscheidung finden möge. Und auch das Stilmittel, die Geschichte immer wieder auch in Rückblenden zu erzählen, hat mir gerade bei dieser Geschichte ausgesprochen gut gefallen.

Für mich persönlich ist es bei der Beurteilung eines Films wichtig, dass er mich in irgendeiner Weise berührt hat. Und das ist Raimi mit seinem Flop FOR LOVE OF THE GAME weitaus besser gelungen als beispielsweise Damien Chazelle mit dem unmittelbar zuvor angesehenen und vom Publikum und Kritik hochgelobten WHIPLASH. Am Ende des Tages ist wohl doch alles nur eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich ja bekanntlich schlecht streiten. Auch wenn es mitunter verdammt viel Spaß macht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SAN ANDREAS (USA 2015, Regie: Brad Peyton)

san andreas

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

In Kalifornien bebt die Erde und Dwayne Johnson versucht als Pilot eines Rettungshubschraubers seine Tochter und seine Ex-Frau aus der Naturkatastrophe zu retten…

SAN ANDREAS gehört zum Genre des guten, alten Katastrophenfilms und überzeugt natürlich in erster Linie durch seine Schauwerte und weniger durch eine besonders ausgeklügelte und innovative Handlung. Inmitten der Katastrophe gibt es das standardisierte Familienmelodram, an dessen Ende natürlich die Rettung und Wiedervereinigung der zuvor – nicht nur durch die Katastrophe – getrennten Familie steht. So darf man sich als Zuschauer bei SAN ANDREAS also in erster Linie entspannt zurücklehnen und sich von den Schauwerten begeistern lassen. Und die haben es tatsächlich in sich. Peytons Film ist visuell – auch aufgrund seiner guten 3D-Effekte – wirklich mehr als ansprechend geraten und die spektakulären Effekte, bei denen einem als Zuschauer das eine oder andere Mal der Mund vor Erstaunen und Begeisterung offen steht, werden durch ein mehr als druckvolles Sounddesign ergänzt, was letztendlich dazu führt, dass es in rein technischer Hinsicht an SAN ANDREAS aber mal rein gar nichts auszusetzen geben dürfte. Ganz wunderbares Popcornkino – nicht mehr und auch nicht weniger.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

BECKS LETZTER SOMMER (Deutschland 2015, Regie: Frieder Wittich)

becks letzter sommer

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Christian Ulmen spielt den Lehrer Robert Beck, der einst eine vielversprechende Karriere als Musiker aufgab um lieber einen sicheren Job als Staatsbeamter anzutreten. Nun ist Beck Mitte 30, frustriert von Privatleben und Job und hadert zudem mit den vergebenen Chancen seiner Vergangenheit. Als er in einem seiner Schüler (Nahuel Pérez Biscayart) großes musikalisches Talent entdeckt, versucht er, diesem einen Plattenvertrag zu verschaffen und erhofft sich dadurch, auch selbst aus dem ungeliebten Hamsterrad des Beamtentums aussteigen zu können und es doch noch zu einer Karriere im Musikbusiness zu bringen…

Wittichs Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Benedict Wells, der angeblich beim Schreiben des Buchs und der Entwicklung der Figur des Robert Beck an Christian Ulmen gedacht hat (dummerweise finde ich die Quelle für diese Behauptung gerade nicht, bin mir aber sicher, dass mehrmals gelesen zu haben). Und tatsächlich kann man sich niemanden anders als Christian Ulmen in der Rolle dieses streitbaren Verlierers feststellen, der die Förderung seines Schülers nicht nur aus barmherzigem Samaritertum, sondern vor allem auch aus egoistischen Gründen vorantreibt. Da Ulmen diesen Charakter aber spielt wie Ulmen solche Charaktere nun mal zu spielen pflegt, kann man sich als Zuschauer – der sich vielleicht selbst gerade in Becks Alter befindet oder dieses bereits vor ein paar Jahren überschritten hat und diese Situationen kennt, in denen man sich gerade in diesem Alter Gedanken darüber macht, ob man nicht irgendwelche Chancen in seinem Leben unbedacht hat liegen lassen – ganz vorzüglich in den von Ulmen gespielten Beck hineinversetzen, ihn stellenweise verstehen, Empathie und durchaus auch Sympathie für ihn empfinden. Regisseur Frieder Wittich ist mit BECKS LETZTER SOMMER insbesondere in der ersten Hälfte eine witzige, wunderbar melancholische und auch bewegende Loser-Ballade gelungen, von der man sich als Zuschauer ganz vorzüglich treiben lassen kann. Das Problem von Wittichs Film – und das dürfte der Vorlage geschuldet sein – ist dann die zweite Hälfte, in der BECKS LETZER SOMMER zum Road Movie mutiert, in der er etwas die Orientierung zu verlieren scheint und auch viel seiner Glaubwürdigkeit aus der ersten Hälfte des Films wieder einbüßt. Die macht dann leider aus einem anfangs noch sehr guten Film am Ende doch einen “nur“ guten Film.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CLOUDS OF SILS MARIA (Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014, Regie: Olivier Assayas)

clouds of sils maria

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

Mit dem Theaterstück “Maloja Snake“ und dem gleichnamigen darauffolgenden Film schaffte die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) einst den großen Durchbruch in der Rolle einer blutjungen Verführerin, die ihre Vorgesetzte in ein Verhältnis verwickelt. Nun, 20 Jahre später, möchte ein erfolgreicher Jungregisseur (Lars Eidinger) das Stück mit der Starschauspielerin erneut auf die Bühnen bringen. Nun soll sie verständlicherweise jedoch die Rolle der älteren Verführten bekleiden, ihr Part von damals geht an die skandalumwitterte Jungschauspielerin Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz). Nach anfänglichem Zögern sagt Maria zu und begibt sich mit ihrer persönlichen Assistentin, der weitaus jüngeren Valentine (Kristen Stewart), in die einsame Schweizer Bergwelt, um sich dort auf ihre Rolle vorzubereiten…

CLOUDS OF SILS MARIA funktioniert in erster Linie als Metafilm, denn im Endeffekt spielen sich Juliette Binoche und Chloë Grace Moretz selbst. Wie ihre Maria Enders muss auch Juliette Binoche in ihrer echten Karriere damit leben, dass die wirklich attraktiven Rollen an weitaus jüngere Schauspielerinnen vergeben werden, so wie sie einst selbst als Jungschauspielerin den älteren Kolleginnen begehrte Parts vor der Nase wegschnappte. Regisseur und Drehbuchautor Olivier Assayas hat mit CLOUDS OF SILS MARIA einen Film über das Älterwerden, über Generationenkonflikte und über Würde gedreht, der bestens dazu geeignet ist, auch beim Zuschauer diverse Prozesse des Nachdenkens anzustoßen.

Seine Faszination zieht Assayas’ Film vor allem aus dem ganz vorzüglichem Spiel seiner drei weiblichen Hauptdarstellerinnen (wobei man die Rolle von Chloë Grace Moretz auch als Nebenrolle bezeichnen könnte, ist sie doch deutlich kleiner als die von Binoche und Stewart), insbesondere aus dem Zusammenspiel zwischen Juliette Binoche und Kristen Stewart, die sich wirklich perfekt ergänzen und dieses Aufeinanderprallen verschiedener Generationen unheimlich authentisch und witzig rüberbringen. Es ist eine Freude den Dialogen der beiden zu lauschen und sie dabei zu beobachten, wie sich aus den Proben für das Theaterstück immer wieder interessante Streitgespräche und Diskussionen entwickeln. Vor allem die Leistung von Kristen Stewart kann man gar nicht hoch genug in den Himmel loben. Sie gibt hier die wahrscheinlich beste Vorstellung ihrer bisherigen Karriere und ich muss gestehen, dass ich ihr einen solchen Auftritt nicht wirklich zugetraut hätte.

CLOUDS OF SILS MARIA ist intelligent, dramatisch, witzig, regt zum Nachdenken an und begeistert zudem mit dieser einfach nur beeindruckenden Naturkulisse der Schweizer Bergwelt, die auch dazu führt, dass sich über CLOUDS OF SILS MARIA stellenweise eine leicht mystisch angehauchte Stimmung legt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 8 (USA 2012 /2013, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

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(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 Auch in der mittlerweile achten und vorletzten Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER versuchen die Macher den in den beiden vorherigen Staffeln eingeschlagenen Weg weiterzugehen und sich in den einzelnen Episoden mehr auf das große Ganze und weniger auf von der Rahmenhandlung unabhängige Folgen zu konzentrieren. Das gelingt über weite Strecken zwar ganz gut, qualitativ muss man im direkten Vergleich zu den sehr guten Staffeln Nr. 6 und 7 aber doch einige Abstriche in Kauf nehmen. Man merkt der Serie an, dass im achten Jahr nun doch so langsam die Ideen auszugehen scheinen. Viele Gags wiederholen sich, die eine oder andere Füller-Episode hat sich auch eingeschlichen und insgesamt betrachtet ist HOW I MET YOUR MOTHER einfach nicht mehr so extrem lustig wie in den Jahren zuvor. Die besten Gags gehen – wie gewohnt – erneut auf das Konto von Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney Stinson und er ist dann auch hauptverantwortlich dafür, dass sich HOW I MET YOUR MOTHER im Laufe der 24 Episoden dieser achten Staffel zumindest auf einem guten Level einpendelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

damnation alley

(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

lucy

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

mission impossible - rogue nation

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

invictus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

joshû ori

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

der arzt von st. pauli

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

here comes the boom

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 1

SO EIN FLEGEL (Deutschland 1934, Regie: Robert A. Stemmle)

so ein flegel

(Fassung: DVD, DeAgostini, Deutschland)

Helmut Weiss’ DIE FEUERZANGENBOWLE aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle dürfte die wohl bekannteste Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinrich Spoerl aus dem Jahr 1933 sein. Es war allerdings nicht die erste Verfilmung des Buchs. Bereits im Jahr 1934 – ein Jahr nachdem das Buch herauskam – drehte Regisseur Robert A. Stemmle mit SO EIN FLEGEL einen Film, der ebenfalls auf dem Roman beruhte, diesen aber stark veränderte. Ist es im Buch und in der werkgetreueren Umsetzung von 1944 ein Schriftsteller, der sich „verjüngt“ noch mal auf die Schulbank setzt, erzählt SO EIN FLEGEL eine typische Verwechselungsgeschichte, in der zwei Brüder die Rollen tauschen (ein Autor für ein Theaterstück nimmt den Platz seines Bruders in der Schule ein und umgekehrt). Was beide Verfilmungen gemeinsam haben, ist die männliche Hauptrolle, denn auch in SO EIN FLEGEL ist Heinz Rühmann in der Pfeiffer-Rolle zu sehen, und zwar in einer echten Doppelrolle (im Finale gibt es einen für die damalige Zeit durchaus beeindruckenden Spezialeffekt, wenn plötzlich beide Brüder nebeneinander auf einer Bühne stehen).

Auffallend an Stemmles Film ist vor allem die Tatsache, dass so gut wie keine Exposition stattfindet und der Zuschauer sofort mitten ins Geschehen geworfen wird. Stemmle springt in schnellen Schritten zwischen beiden Brüdern hin und her und als Zuschauer muss man sich tatsächlich erst mal kurz sortieren, um überhaupt einzuordnen, was hier eigentlich gespielt wird. Der Aufbau der Handlung kann also im wahrsten Sinne des Wortes als sprunghaft bezeichnet werden. Ansonsten ist SO EIN FLEGEL vor allem ein gutes Beispiel für einen frühen Vertreter der Verwechslungskomödie und des Minigenres des Rollentauschfilms, in dem beide Protagonisten aus der jeweils fremden Rolle etwas für sich mitnehmen können und sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst. Aus heutiger Sicht ist SO EIN FLEGEL natürlich vor allem harmlos, wirkt auch durchaus etwas angestaubt und dürfte bei den meisten Zuschauern wahrscheinlich nicht viel mehr als ein müdes Gähnen hervorrufen. Nett anzusehen ist Stemmles Film trotzdem, insbesondere auch wegen einiger wirklich sehr schöner visueller Ideen und toller Kameraeinstellungen.

Persönliche Bewertung: Nett!

PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY (USA 1966, Regie: Barry Mahon)

prostitutes protective society

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In Barry Mahons Nudie-/Sexploitation-Film dreht sich alles um Madame Sue, die am New Yorker Times Square einen Prostituierten-Ring aufgebaut hat und sich nun damit auseinandersetzen muss, dass ein Gangstersyndikat in Form von Schutzgelderpressung ein Stück vom lukrativen Kuchen abhaben will. Als Madame Sue die Zahlungen verweigert, werden als Reaktion darauf zahlreiche Prostituierte umgebracht. Doch Madame Sue und ihre überlebenden Mädchen schlagen zurück…

Hört sich irgendwie sogar nach einem richtigen Handlungsstrang an, doch der Schein trügt. Die hier skizzierte Handlung ist zwar vorhanden und auch erkennbar, nimmt in dem gerade mal gut 60 Minuten langen Film allerdings eher eine Nebenrolle ein. „Auteur“ Barry Mahon – ich muss ihn einfach so bezeichnen, war er doch für Produktion, Drehbuch, Kamera und Regie des Films verantwortlich – liegt viel mehr daran, seinem Publikum im Jahr 1966 möglichst viel nackte Haut zu zeigen. Und da das damals aufgrund der strengen Zensurauflagen noch verpönt war und in keinstem Falle sexuell motiviert sein durfte, sieht man über lange Strecken des Films die Prostituierten oben ohne bzw. nur in Reizwäsche bekleidet zusammensitzen während sie sich über das weitere Vorgehen gegen die Schutzgelderpresser beraten. Oder man sieht sie nackt vor einem Spiegel im Bad stehen, oder unter der Dusche, oder, oder, oder…; die eigentliche Handlung des Films dürfte zusammengerechnet vielleicht 1/4 der Laufzeit ausmachen.

Es ist klar, dass sich ein Film wie PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY einer halbwegs objektiven Bewertung komplett entzieht. Nimmt man ihn als das, was er ist, nämlich ein weiterer Versuch, nackte Haut an den Zensoren vorbei auf die große Leinwand zu schmuggeln, dann muss man Schmuddelfilmer Mahon jedoch definitiv zugutehalten, dass er das richtig gut hingekriegt hat und es damals unzählige, weitaus kläglichere Versuche gegeben hat, Zuschauer wegen nackter Tatsachen in die Lichtspielhäuser zu locken. Das Ende ist – auch wenn es sich nur im Off abspielt – der Knaller, die Darstellerin der Madame Sue (wie auch immer sie heißen mag, als Darsteller sind in den Credits tatsächlich nur „Madame Sue and her Times Square Girls“ genannt) ist „kinda cute“ und diese unzähligen eingestreuten (Archiv-)Aufnahmen vom New Yorker Times Square aus der damaligen Zeit sind für Filmnostalgiker nicht viel weniger als unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Gut!

DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND (Deutschland 1972, Regie: Alfred Vohrer)

der stoff, aus dem die träume sind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Der für ein Revolverblatt tätige Reporter Walter Roland (Paul Neuhaus) soll – aufgrund jüngster Marktforschungsergebnisse – eine mehrteilige Sexreportage schreiben, fühlt sich allerdings zu größeren Taten berufen und erreicht bei seinem Chef zumindest einen kleinen Kompromiss. Wenn er sich bereit erklärt, nebenbei die Sexgeschichte zu machen, darf er sich gemeinsam mit seinem Fotografen Bertie Engelhardt (Herbert Fleischmann) auch seiner Wunschstory, einer Geschichte rund um tschechische Flüchtlinge, widmen. Doch die Recherchen im Flüchtlingsfall lassen Roland und Engelhardt schon bald zwischen die Fronten diverser Geheimdienste geraten…

In der Chronologie ihres Erscheinens ist DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND die dritte Simmel-Verfilmung der Münchner Roxy Film aus den frühen 70er Jahren. Regie führte auch hier Alfred Vohrer, vor der Kamera versammelte sich richtig viel Prominenz und den Ansatz, den Vohrer für seinen Film wählt, kann man fast schon als episch bezeichnen. DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND läuft über 130 Minuten (es gab wohl sogar eine weitere Kinofassung, die noch 10 Minuten länger gelaufen ist, diese scheint jedoch verschollen zu sein) und genau das ist auch das große Problem des Films. Nach einem noch durchaus spektakulären und vielversprechenden Beginn, verwandelt sich DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND leider ziemlich schnell in eine staubtrockene und ausgesprochen zähe Angelegenheit, durch die man sich als Zuschauer über weite Strecken regelrecht quälen muss. Für Abwechslung sorgen lediglich ein eigentlich unnötiger Subplot rund um eine ältere, verwirrte Flüchtlingshelferin, die sich im Stadium eines ständigen Deliriums befindet und deren Halluzinationen einfach nur als surreal bezeichnet werden können, sowie die Einrichtung und Ausstattung diverser (Wohn-)Räume, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass es so etwas tatsächlich mal gegeben hat.

Persönliche Bewertung: Naja!

DER NEUE HEISSE REPORT – WAS MÄNNER NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN (Deutschland 1971, Regie: Ernst Hofbauer)

der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 1 der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 2

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

In meinem Eintrag zu Boos’ KRANKENSCHWESTERN-REPORT im letzten Monat bin ich ja schon kurz auf die Welle der Report-Filme in den 70er Jahren eingegangen. Wie es der Titel schon verrät, ist auch Hofbauers Film ein Teil dieser Welle und dieser Beitrag hier stammt dann auch gleich vom Begründer der Welle selbst. Schließlich war es Hofbauer, der mit SCHULMÄDCHEN-REPORT – WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLCH HALTEN das ganze „Unheil“ ein Jahr vorher erst ausgelöst hat.

In dem vorliegenden Film geht es nun nicht mehr um Schulmädchen, die ihre Eltern schockieren, sondern um untreue Ehefrauen, die ihre Männer schockieren. In gewohnt mahnender Form klärt Hofbauer den – damals vielleicht noch schockierten, heute nur noch amüsierten – Zuschauer schonungslos über die grünen Witwen auf, Frauen, die mit ihren erfolgreichen Ehemännern in luxuriösen Wohnungen am Stadtrand leben, von ihren Männern aber nicht allzu viel haben, da sich diese zu sehr mit ihrer Arbeit und dem Bereitstellen der Luxusgüter beschäftigen. Die so vernachlässigten Damen fangen an, ihre Lust durch Seitensprünge zu stillen. Die diversen Episoden, die Hofbauer dem Zuschauer präsentiert, lassen praktisch keine Wünsche offen. Vom großen Drama (eine der Ehefrauen begeht bspw. einen Selbstmordversuch, weil sie das schlechte Gewissen plagt, eine andere wird in die Prostitution getrieben) bis zu debilem Klamauk (eine Dame mittleren Alters versucht, einen jungen Postboten zu verführen) ist alles dabei. Heute, über 40 Jahre später, kann man es tatsächlich kaum fassen, dass Filme wie dieser hier tatsächlich mal erfolgreich im Kino gelaufen sind, auch wenn ich persönlich das Unterhaltungspotential von solchen Filmen als einfach nur exorbitant hoch einschätze. Vor allem diese extrem nüchternen Off-Kommentare zu den gezeigten Szenen und die immer wieder eingefügten, gestellten Interviewsequenzen mit Passanten auf der Straße sind Gold wert und praktisch unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ASYLUM OF SATAN (USA 1972, Regie: William Girdler)

asylum of satan

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Die attraktive Lucina Martin (Carla Borelli) wacht morgens auf und muss feststellen, dass sie von dem Krankenhaus, in dem sie aufgrund eines leichten Zusammenbruchs untergebracht war, in eine dubiose Privatklinik verlegt wurde und nun von dem noch dubioseren Arzt Dr. Specter (Charles Kissinger) behandelt werden soll. Was Lucina am Anfang noch nicht wissen kann, ist, dass sie sich in den Händen eines Clans von Teufelsanbetern befindet und schon bald dem Leibhaftigen persönlich geopfert werden soll…

ASYLUM OF SATAN ist typische US-C-Movie-Ware aus den frühen 70er Jahren, einer dieser Filme, die wahrscheinlich vor allem aus dem Grund gedreht wurden, um in diversen Drive-In- und Grindhouse-Kinos als Rausschmeißer nach Mitternacht zu laufen. Es sind zwar ein paar ganz nette Ansätze vorhanden, insgesamt betrachtet fehlt es Girdlers Film jedoch vor allem an Spannung und „shock value“, was für einen dem Horrorgenre zuzuordnendem Film natürlich so etwas wie das Todesurteil darstellt. Nur in ganz wenigen Szenen kommt so etwas wie Atmosphäre auf und wenn es überhaupt etwas zu loben gibt, dann vielleicht den teilweise recht kruden Humor, der immer mal wieder zu Tage kommt und Hauptdarstellerin Carla Borelli, die jetzt zwar nicht unbedingt durch sonderlich viel Talent, dafür aber mit ihrer attraktiven Erscheinung zu überzeugen weiß. Die Szene, in der es zum Opferritual kommen soll, ist ganz nett gelungen und die Maske des Teufels wunderbar trashig und irrsinnig geraten. Man gibt sich bei solchen Filmen ja auch mit wenig zufrieden.

Persönliche Bewertung: Naja!

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER (USA 1978, Regie: Rene Martinez Jr.)

the six thousand dollar nigger

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist ein Film, den man allein schon wegen seines unglaublichen Plots in sein Herz schließen muss. Ich habe ja schon viele obskure Filme gesehen, aber der hier ist ganz besonders obskur ausgefallen. Es dreht sich um 2 Gangster, die einen Juwelendiebstahl begehen wollen. Dafür lassen sie sich von einem kleinwüchsigen Wissenschaftler ein Serum entwickeln, welches Superkräfte verleiht. Das Serum hat nur eine Nebenwirkung: Jeder Mensch, der es injiziert bekommt, stirbt eine Woche später. Da sie ihr investiertes Geld (nämlich die 6.000 Dollar aus dem Filmtitel) aber nicht einfach so abschreiben wollen, heuern sie einen Trunkenbold an, der sich das Serum injizieren  lassen soll um danach den Überfall zu begehen. Als der nach der begangenen Tat allerdings von den Nebenwirkungen erfährt, weigert er sich, die Diamanten rauszurücken. Er hätte verständlicherweise gerne eine Gegenmittel. Und einem mit Superkräften ausgestatteten Typen ist nur schwer beizukommen.

Und ja, THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist exakt so verrückt, wie sich das alles anhört. Natürlich ist das hier ein Film aus dem tiefsten Untergrund, ein Projekt, welches mit wenig Talent und noch weniger Budget durchgezogen wurde. Aber es ist auch ein Film, dem man einfach anmerkt, dass hier vor und hinter der Kamera Menschen mit Herzblut bei der Sache waren. Und das ist ein Pluspunkt, der praktisch nicht in Juwelen aufzuwiegen ist.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

A SWEET SICKNESS (USA 1968, Regie: Jon Martin)

a sweet sickness

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Sexploitation aus den 60er Jahren und doch ganz anders als der von mir wenige Tage zuvor gesehene PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY. Hatte Barry Mahon in seinem 1966 produzierten Film nämlich noch mit den Zensurauflagen des Hays Code zu kämpfen, konnte Regisseur Jon Martin nur 2 Jahre später aus dem Vollen schöpfen. Der Hays Code wurde im Jahr 1967 nämlich abgeschafft und endlich war es möglich, nackte Haut auch in Verbindung mit sexuellen Situationen auf der Leinwand zu zeigen. Verständlich, dass die auf den schnellen Dollar schielenden Macher solcher Billigfilme gerade Ende der 60er Jahre komplett am Rad drehten. Jon Martin hält sich mit so etwas wie einer Story gar nicht mehr groß auf, A SWEET SICKNESS ist eher im Stil der deutschen Report-Filme gedreht (jedoch ohne den episodenhaften Charakter) und beschäftigt sich mit einer jungen Frau (Vincence Wallace), die eigentlich von einer großen Filmkarriere in Hollywood träumt, jedoch auch ihre Rechnungen zahlen muss und aus diesem Grund von Agenten und Produzenten ausgebeutet wird, die nicht ihr Talent, sondern viel lieber ihre Brüste ins richtige Licht setzen wollen. So ist A SWEET SICKNESS vor allem eine relativ langweilige Abfolge von diversen Nacktszenen (in Badezimmern, Stripclubs und natürlich auch endlich – jedoch meistens vor allem inszenatorisch recht unbeholfen – in verschiedenen Betten), die von einem Sprecher aus dem Off immer wieder kommentiert werden (wohl um zumindest den Ansatz einer Handlung voranzutreiben).

A SWEET SICKNESS ist eigentlich kaum mehr goutierbar und es dürfte helfen, wenn man ihn wie ich an einem Tag ansieht, an dem einen die Hitze draußen schon fast um den Verstand bringt, man deliriös auf der Couch liegt und sich vom Geschehen auf der Mattscheibe einfach nur in entfernte Universen beamen lässt. Dann funktioniert auch ein Film wie A SWEET SICKNESS zumindest noch als filmhistorische Obskurität, die aber – wenn überhaupt – wohl nur wegen ihres offen zur Schau getragenen Zynismus im Gedächtnis bleiben wird. Denn die Träume der jungen Frau, die man während der gut 60-minütigen Laufzeit begleitet, „erfüllen“ sich am Ende des Tages dann halt doch nur in einem Film wie diesem hier.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 2

DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (Deutschland 1954, Regie: Kurt Hoffmann)

das fliegende klassenzimmer

(Fassung: DVD, DeAgostini, Deutschland)

Hoffmanns Film ist die erste von bis heute insgesamt drei Kinoverfilmungen des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner. DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER ist durchweg positiv, im Zentrum des Films stehen die Freundschaft verschiedener Schüler, ihre Loyalität und ihr Mut. Großartige Konflikte sind entweder erst gar nicht vorhanden, oder lösen sich relativ schnell in Wohlgefallen auf und auch für scheinbar gefährliche oder traurige Vorkommnisse wartet hinter der nächsten Ecke das sichere Happy End. Das kann man gerne kitschig finden, mir persönlich hat vor allem die glaubwürdige Zeichnung der kindlichen Protagonisten sehr gut gefallen. Es ist einfach schön zu sehen, wie sie in allen Situationen füreinander einstehen, immer zusammenhalten und in dem vertrauensvollen Lehrer Justus (Paul Dahlke) auch einen (von insgesamt zwei) Erwachsenen an ihrer Seite haben, der ihnen mit Verständnis begegnet und sie unterstützt. Zudem ist Hoffmanns Film ausgesprochen witzig ausgefallen, es gibt ein paar einfach nur urkomische Sequenzen und die Kommentare des Off-Erzählers sind oft mit fast schon staubtrockenem Humor vorgetragen.

Ein wirklich schöner Film, den ich allerdings zur falschen Jahreszeit gesehen habe. Als ich die DVD spontan aus dem Regal zog, war mir nicht bewusst, dass die Handlung von DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER in der Vorweihnachtszeit angesiedelt ist. Wenn dann am Ende plötzlich “Oh Tannenbaum“ ertönt, ist das Mitten im Juni schon etwas strange. 😀

Persönliche Bewertung: Gut!

WALK OF SHAME (USA 2014, Regie: Steven Brill)

walk of shame

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Der deutsche Titel “Mädelsabend“ klingt nach typischer Partykomödie und wird dem Film definitiv nicht gerecht. Ein Mädelsabend ist zwar der Ausgangspunkt des WALK OF SHAME, den Elizabeth Banks im Originaltitel des Films antreten muss, hat aber sonst nicht viel mit der Handlung zu tun. WALK OF SHAME steht eher in der Tradition von Filmen wie INTO THE NIGHT, AFTER HOURS, ADVENTURES IN BABYSITTING, DATE NIGHT oder auch RUN, in denen eine Person eigentlich nur von A nach B gelangen will und aufgrund widriger Umstände von einem Schlamassel in den nächsten schlittert.

In Brills Film ist es die von Elizabeth Banks gespielte Nachrichtensprecherin Meghan, die zuerst eine Absage für einen attraktiven Job bekommt, sich daraufhin hoffnungslos betrinkt und im Bett eines Fremden landet. Als sie mitten in der Nacht verkatert aufwacht und ihre Nachrichten abhört, erfährt sie, dass sie den Job doch bekommen könnte. Dafür muss sie allerdings am nächsten Tag topfit im TV-Studio erscheinen. Meghan macht sich sofort auf den Weg und scheint, um ihr Ziel erreichen zu können, die sämtlichen Kreise der Hölle durchschreiten zu müssen. Natürlich ist WALK OF SHAME extrem konstruiert und der eine oder andere Storyverlauf komplett hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen, sieht man darüber jedoch großzügig hinweg, kann man richtig viel Spaß mit Brills Film haben. WALK OF SHAME hat einige verdammt komische Sequenzen zu bieten, ist ausgesprochen kurzweilig geraten und sei an dieser Stelle jedem empfohlen, der einfach mal wieder Lust auf 90 vollkommen unbeschwerte Minuten netter Unterhaltung verspürt.

Persönliche Bewertung: Gut!

NOW YOU SEE ME (Frankreich/USA 2013, Regie: Louis Leterrier)

now you see me

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

In NOW YOU SEE ME rauben vier Magier (Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher und Dave Franco) am Ende ihrer Show auf spektakuläre Weise eine Bank aus ohne sich überhaupt in der Nähe dieser zu befinden und lassen auf ihre Zuschauer einen warmen Geldregen herunterprasseln. Die Behörden in Form von Mark Ruffalo und Mélanie Laurent heften sich an ihre Fersen und versuchen, die Zauberer dingfest zu machen.

NOW YOU SEE ME fordert vom Zuschauer verdammt viel Toleranz wenn es um Fragen wie Logik, Glaubwürdigkeit und insbesondere auch die Auflösung am Ende geht. Leterriers Film ist – passend zu seinem Thema – wie ein Zaubertrick: mehr Schein als Sein. NOW YOU SEE ME ist verdammt aufgeplustert, extrem konstruiert und wenn man sich auf die Geschichte nicht einlassen und sich in den Film regelrecht hineinfallen lassen kann, dürfte man wohl nicht allzu viel Spaß mit dem Gezeigten haben.

Mir persönlich hat NOW YOU SEE ME ziemlich gut gefallen. Ich mochte das vordergründige Spektakel, die spannende und wendungsreiche Handlung und empfand ihn als erfrischend abwechslungsreich im Vergleich zu den unzähligen 08/15-Thrillern, die sonst so produziert und auf das Publikum losgelassen werden.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 1 (USA 2002, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Nachdem die Serienerfahrung mit ENTOURAGE doch eher etwas lockerer Natur war, habe ich mir mit THE SHIELD nun eine ernsthaftere Serie vorgeknöpft, die sowieso schon viel zu lange ungesehen im Regal stand.

THE SHIELD ist eine dieser Serien, die mit Lob und Vorschusslorbeeren regelrecht überschüttet wurden und nach dieser ersten Staffel, nach diesen ersten dreizehn Episoden, scheint dies nun tatsächlich mal eine Serie zu sein, die ihrem mehr als guten Ruf absolut gerecht wird.

THE SHIELD steht in der Tradition alter Polizeifilme aus den 70er und 80er Jahren, die desillusionierte Polizisten in Problemgebieten mit oft fragwürdigen Methoden bei der Arbeit zeigten.

In THE SHIELD dreht sich alles um ein Polizeirevier in einem Problembezirk von Los Angeles, in dem eine von Det. Vic Mackey (Michael Chiklis) angeführte Spezialeinheit auf sehr eigenwillige Art und Weise das Verbrechen bekämpft und mit ihren Methoden dem für das Revier zuständigen Captain (Benito Martinez) ein Dorn im Auge ist. Nur zu gerne würde er Mackey und seine Truppe untergehen sehen, auf der anderen Seite benötigt er ihn und seine Methoden jedoch auch im Kampf gegen das Verbrechen.

Serienschöpfer Shawn Ryan konfrontiert den Zuschauer mit derbst schwerer Kost. THE SHIELD verweigert echte Identifikationsfiguren – der von Chiklis gespielte Hauptcharakter Mackey und seine Männer sind im Endeffekt Schwerverbrecher, die Drogengelder veruntreuen, illegale Drogen- und Waffengeschäfte tätigen und auch vor Folter und Mord nicht zurückschrecken (gleich in der Pilotfolge wird bspw. ein Kollege, der neu in das Strike Team aufgenommen wurde und als Spitzel für den von Martinez gespielten Captain tätig werden soll, bei einem Einsatz von Mackey eiskalt erschossen) -, kommt mit seinem halbdokumentarischen Stil (die Handkamera ist im Dauereinsatz und als Zuschauer ist man ständig mittendrin statt nur dabei) extrem glaubwürdig und realistisch rüber und lässt einen als Zuschauer immer und immer wieder fassungslos vor dem Bildschirm zurück. Die “What the Fuck“-Momente in THE SHIELD hört man irgendwann auf zu zählen. Ziemliches großes Fernsehen, ich bin schon sehr auf die nächsten Staffeln gespannt.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE BABADOOK (Australien/Kanada 2014, Regie: Jennifer Kent)

the babadook

(Fassung: Blu-ray, Icon, Großbritannien)

Was zunächst wie ein weiterer Vertreter des “Besessene Kinder“-Subgenres im Horrorbereich anmutet, entwickelt sich dann doch in eine andere Richtung und hält die eine oder andere Überraschung für den Zuschauer bereit. THE BABADOOK ist dabei ziemlich ruhig und behutsam erzählt. Regisseurin Jennifer Kent setzt zunächst auf einen eher langsamen Spannungsaufbau und weniger auf vordergründige Schocks (die soll es erst ziemlich zum Schluss geben), kreiert so eine Atmosphäre stetigen Unbehagens und konfrontiert den Zuschauer mit einem Film, bei dessen Sichtung man sich einfach nur unwohl fühlt. In jeder Nische dieses Haus, welches die alleinerziehende Amelia (Essie Davis) mit ihrem kleinen Sohn Samuel (toll: Noah Wiseman) bewohnt, scheint das Böse zu sitzen und es ist förmlich spürbar, dass es jederzeit unvermittelt herausbrechen könnte. THE BABADOOK ist sauspannend und wirklich kreuzunheimlich geraten und gehört definitiv zu den effektiveren Filmen, die innerhalb des Horrorgenres in den letzten Jahren so veröffentlicht worden sind. Von mir gibt’s ne klare Empfehlung für THE BABADOOK.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

SERENITY (USA 2005, Regie: Joss Whedon)

serenity

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Nachdem FIREFLY nach nur einer – und nicht einmal komplett – ausgestrahlten Staffel von Fox wieder aus dem Programm genommen wurde, entwickelte sich die Serie bei der Heimkinoauswertung zu einem echten Renner. Dies ermöglichte Serienschöpfer Joss Whedon wiederum, seine mit FIREFLY angefangene Geschichte doch noch zu Ende zu erzählen. Von Universal produziert, geben sich in SERENITY alle Hauptdarsteller aus FIREFLY die Ehre und stürzen sich gemeinsam in ein letztes, großes Abenteuer, welches viele offene Fragen aus der Serie beantwortet und Whedons Projekt zu einem sehr schönen Abschluss bringt. Ohne Kenntnis der Serie macht die Sichtung von SERENITY allerdings nur wenig Sinn, zu viele Informationen würden fehlen um alle Geschehnisse auch wirklich einordnen zu können. So ist SERENITY vor allem ein Geschenk an die Fans der Serie, ein ausgesprochen spannendes und actionreiches noch dazu, mit tollen Effekten, viel Witz, viel Drive und – das merkt man dem Film an – mit verdammt viel Herzblut und auch Liebe zum Detail inszeniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DEEPSTAR SIX (USA 1989, Regie: Sean S. Cunningham)

deep star six

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ein kleiner Trip in die eigene Vergangenheit. Ich mochte DEEPSTAR SIX früher sehr und habe ihn nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen. Und er funktioniert tatsächlich immer noch.

In DEEPSTAR SIX gerät ein Team von Forschern auf dem Meeresboden durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse in arge Bedrängnis und als die Männer und Frauen letztendlich merken, womit sie es hier zu tun haben – nämlich einem gefräßigen Unterwassermonster (das wunderbar trashig und herrlich schleimig geraten ist), welches sie durch die Freilegung eines Höhlensystems aus dem Tiefschlaf geholt haben – ist es praktisch schon zu spät. Das Monster selbst kommt erst im letzten Drittel zum Einsatz, zuvor kreiert Cunningham seine Spannung durch sein klaustrophobisches Unterwassersetting und fesselnde Rettungsversuchs-Sequenzen. DEEPSTAR SIX entwickelt sich auch in Abwesenheit des Monsters von Minute zu Minute immer mehr zu einem echten Nailbiter und entlädt seine Spannung schließlich in einem spektakulären Finale mit ein paar netten Splatter- und Ekeleffekten. Vielleicht ist da auch viel nostalgische Verklärung dabei, aber ich finde DEEPSTAR SIX auch heute noch ziemlich toll!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MÄDCHEN MIT GEWALT (Deutschland 1970, Regie: Roger Fritz)

mädchen mit gewalt

(Fassung: Blu-ray, Subkultur, Deutschland)

Die beiden besten Freunde Werner (Klaus Löwitsch) und Mike (Arthur Brauss) lieben es, in ihrem Auto durch München zu fahren, junge Frauen abzuschleppen, sich mit ihnen zu vergnügen und sich dann wieder davonzuschleichen. Als ihre neueste Eroberung Alice (Helga Anders), die sie auf der Kartrennbahn aufgegabelt haben und mit der sie ein nächtliches Bad in einer Kiesgrube nehmen wollen, sich ihnen jedoch nicht so bereitwillig hingibt, wie sie es gewohnt sind, wenden sie Gewalt an, nicht nur gegen ihr hilfloses Opfer, sondern auch gegen sich selbst…

Auf dem Original-Kinoplakat von MÄDCHEN MIT GEWALT steht geschrieben, dass dies “Der Film [ist], dem jedes Mittel recht ist, die Härte und Brutalität unserer Tage aufzuzeichnen.“ – eine klare Aussage, die man tatsächlich ernst nehmen kann. MÄDCHEN MIT GEWALT ist harter Tobak, ein radikaler, zutiefst beunruhigender Film, mit erschreckend überzeugenden schauspielerischen Leistungen (Klaus Löwitsch wurde für seine Darstellung des Werner mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet), der den Zuschauer wütend und ratlos zurück lässt. Regisseur Roger Fritz verweigert sowohl dem weiblichen Opfer als auch dem Zuschauer ein kathartisches Ende, die beiden Täter kommen im Endeffekt ungestraft davon und es steht zu befürchten, dass dies nicht ihr letzter, nächtlicher Ausflug mit weiblicher Begleitung gewesen sein dürfte. Die Aussage von Regisseur Fritz ist dabei eindeutig: das Leben ist kein Film, in dem der Böse am Ende seine gerechte Strafe bekommt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

KRANKENSCHWESTERN-REPORT (Deutschland 1972, Regie Walter Boos)

krankenschwestern-report

(Fassung: DVD, WVG Medien, Deutschland)

Als im Jahr 1970 SCHULMÄDCHEN-REPORT: WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN in den deutschen Kinos anlief, hätten sich die Macher wohl nicht in ihren kühnsten Träumen erhofft, welchen Erfolg sie mit dem Film einfahren sollten. Mit rund 7 Millionen (!!!) Kinozuschauern steht der Auftaktfilm der mit weltweit über 100 Millionen Zuschauern erfolgreichsten deutschen Filmreihe aller Zeiten noch immer – im Jahr 2015 – auf Platz 5 der erfolgreichsten deutschen Filme in Deutschland nach Zuschauerzahlen. Vor Filmen wie dem aktuellen Schweiger-Vehikel HONIG IM KOPF, vor GOOD BYE, LENIN!, DER BEWEGTE MANN und KEINOHRHASEN. Kein Wunder, dass Hofbauers Film eine regelrechte Welle von Sex- und Report-Filmen in Deutschland in den 70er Jahren auslöste, die die deutschen Kinos überfluten sollte. Ehemänner, Lehrmädchen, Hausfrauen, Stewardessen, Hostessen, Ostfriesen, Bademeister, Studentinnen und natürlich – für Filme dieser Art prädestiniert – Krankenschwestern, sie alle und noch viele mehr waren Teile knallharter Reportagen, die unter dem Deckmantel, (sexuelle) Missstände in Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten aufzuzeigen, die Zuschauer in die Kinos lockten und ihnen genau das präsentierten, was diese sehen wollten: eine Mischung aus Drama und Klamauk und natürlich viel nackte Haut.

KRANKENSCHWESTERN-REPORT von Regisseur Walter Boos ist mit seinem episodenhaften Aufbau, den gestellten Interviewsequenzen auf der Straße und dem todernsten Off-Kommentator ein Paradebeispiel dieses Subgenres des Erotikfilms (wobei diese Genrebezeichnung eigentlich gar nicht zutrifft, denn erotisch ist an Filmen wie diesem hier im Endeffekt rein gar nichts) und sorgte damals für einen echten Skandal. Wenn man dem Wikipedia-Artikel zum Film Glauben schenken darf, ging der hier portraitierte Berufsstand auf die Barrikaden, allein bei der Staatsanwaltschaft München gingen 3.200 Strafanzeigen von Krankenschwestern wegen Beleidigung ein und diese zog Boos’ Film daraufhin aus dem Verkehr und beschlagnahmte ihn. Erst ein Jahr später wurde KRANKENSCHWESTERN-REPORT unter Kürzungsauflagen wieder freigegeben.

Schaut man sich Filme wie diesen heute an, kann man gar nicht glauben, dass der hier gezeigte Unfug tatsächlich mal von Menschen so ernst genommen wurde, dass er sogar zum Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen werden konnte. KRANENSCHWESTERN-REPORT ist heute – vor allem wegen des grandiosen Off-Kommentars, der einen Knaller nach dem nächsten liefert – insbesondere als Partyfilm goutierbar und hat sowohl mich als auch meinen Mitseher das eine oder andere Mal laut loslachen lassen. In vorsichtigen Dosen genossen, bieten Filme wie KRANKENSCHWESTERN-REPORT nicht viel weniger als grandiose Unterhaltung. Herrlich!

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

MORTDECAI (Großbritannien/USA 2015, Regie: David Koepp)

mortdecai

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Die neueste Reinkarnation von Depps Jack-Sparrow-Rolle hört auf den Namen Charlie Mortdecai, ist ein über beide Ohren verschuldeter Kunsthändler/Teilzeitgauner und soll den Behörden in Gestalt von Ewan McGregor dabei behilflich sein, ein verschwundenes Gemälde wieder zu beschaffen.

MORTDECAI ist erneut ein Film, den Johnny Depp förmlich an sich reißt. Seine Clownsrolle macht ihm sichtlich Spaß und es ist durchweg unterhaltsam, ihm dabei zuzusehen, wie er sich durch diesen unbeschwerten Klamauk kaspert. MORTDECAI ist komplett albern, voller skurriler Momente, wahrlich federleicht inszeniert und in seinen besten Momenten erinnert Koepps Film – was Stimmung und Atmosphäre angeht – an die diversen Agenten- und Kriminalfilmparodien aus den 60er Jahren. In gewissem Maße macht ein Film wie MORTDECAI richtig Spaß, die Tatsache, dass sich Johnny Depp nun schon seit Jahren größtenteils selbst zu spielen scheint, stimmt aber auch ein bisschen traurig. Das wird von Film zu Film mehr Schein als Sein, wirkt gekünstelt, konstruiert und irgendwie seelenlos. So ist auch MORTDECAI nicht viel mehr als ein weiteres Johnny-Depp-Vehikel, nett anzusehen, aber am Ende des Tages mit wenig Substanz und noch weniger Potential, sich im Gedächtnis des Zuschauers auf längere Zeit festsetzen zu können.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!