Final Thoughts of May

THE SLAMS (USA 1973, Regie: Jonathan Kaplan)

the slams

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Jim Brown ist Curtis X. Hook, der soeben den Mob um stattliche 1,5 Mio Dollar erleichtert und das erbeutete Geld sicher versteckt hat und nun wegen einer eigentlichen Lappalie im Knast landet. Seine Zeit dort würde er eigentlich locker absitzen, dumm nur, dass ihm sowohl die Beklauten und auch korrupte Staatsdiener, die von der Sache Wind bekommen haben, das Leben zur Hölle machen möchten, um ihm das Versteck der Beute zu entlocken. Als Hook auch noch mitbekommt, dass sein Versteck in wenigen Tagen abgerissen werden soll und das Geld dann für immer verloren sein dürfte, entschließt er sich dazu, einen Ausbruchsversuch zu wagen…

Für Regisseur Jonathan Kaplan, der einst unter Roger Corman seine ersten Schritte als Regisseur unternahm, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einige größere Erfolge verzeichnen konnte – u.a. drehte er das Oscar-prämierte Vergewaltigungsdrama THE ACCUSED mit Jodie Foster in der Hauptrolle – und mittlerweile beim TV gelandet ist, war THE SLAMS damals die dritte Regiearbeit und stellte einen weiteren Versuch eines größeren Hollywood-Studios – hier: MGM – dar, unter seinem Banner auf den damals so erfolgreichen Blaxploitation-Zug aufzuspringen. Und die Zutaten passen durchaus: Hauptdarsteller Jim Brown bringt die nötige Coolness eines echten Blaxploitation-Helden mit, der Film geizt nicht mit Gewalt und präsentiert in ein paar außerhalb des Gefängnisses spielenden Szenen natürlich auch die obligatorischen, nackten Damenbrüste. Etwas problematisch ist das Setting im Gefängnis, da sich bis zur Planung und Durchführung der Flucht – die übrigens mit einigen netten Ideen und Wendungen überraschen kann – im räumlich arg begrenzten Gefängnis-Setting doch etwas Längen einschleichen, man sich als Zuschauer natürlich nur wenig Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfigur machen muss und echte Spannung erst im Finale aufkommen kann.

Für Freunde des Kinos der 70er Jahre im Allgemeinen und für Fans des Exploitationfilms im Speziellen gibt’s für THE SLAMS natürlich trotzdem eine Empfehlung. Allein schon wegen der kantigen Typen, die diesen Film bevölkern, wegen dieses unnachahmlichen 70er-Jahre-Looks und vor allem auch wegen dieser wundervollen Atmosphäre, die praktisch alle guten Genreproduktionen aus der damaligen Zeit für Fans so unwiderstehlich macht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN (USA 1991, Regie: Simon Wincer)

harley davidson and the marlboro man

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Mickey Rourke und Don Johnson spielen die beiden Titelfiguren Harley (Rourke) und Marlboro (Johnson), zwei waschechte Haudegen, die – weil sie gerade nichts anderes zu tun haben – einen Geldtransporter überfallen um ihre Lieblingskneipe vor der Schließung zu retten. Doch statt Geld erbeuten sie Drogen und deren Besitzer sind darüber nicht gerade erfreut…

Wenn man HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN halbwegs objektiv betrachten möchte, muss man sicher eingestehen, dass Simon Wincer hier einen ziemlichen Schmarrn fabriziert hat. Die Ausgangssituation und der komplette Handlungsverlauf des Films sind absolut hanebüchen und nicht wirklich dazu geeignete, Argumente für ein Gelingen des Films ins Feld zu führen. Wincers Film lebt einzig und allein von seinen beiden Hauptdarstellern, die – wie es sich für ein Buddy Movie gehört – die zwischen ihnen ständig schwelenden Konflikte auf möglichst alberne und coole Art untereinander austragen, nie um einen Spruch verlegen sind und ein paar hübsch fotografierte Actionsequenzen zu bewältigen haben. Man merkt Wincers Film an, dass er in einer Zeit entstanden ist, in dem das humorbefreite Actionkino der 80er Jahre langsam aber sicher durch Filme abgelöst werden sollte, in denen Action und Gewalt nur noch mit Humor und dummen Sprüchen einhergingen.

Ich selbst habe HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und muss gestehen, dass ich den Film – wohl vor allem aus nostalgischen Gründen, aber auch weil ich finde, dass Rourke und Johnson in diese Rollen passen wie die Faust aufs Auge und herrlich miteinander (dis-)harmonieren – auch heute noch sehr gerne mag. Dass er Menschen, die ihn jetzt, im Jahr 2016, zum ersten Mal in ihrem Leben sehen, auf irgendeine Art und Weise noch ansprechen könnte, möchte ich jedoch stark anzweifeln.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SHOOT TO KILL (USA 1988, Regie: Roger Spottiswoode)

shoot to kill

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

In SHOOT TO KILL bzw. DEADLY PURSUIT (so der internationale englische Titel, der die Handlung des Films im Gegensatz zum US-Originaltitel kurz und knapp auf den Punkt bringt) jagen Sidney Poitier als FBI-Agent und Tom Berenger als Bergführer einen gefährlichen Killer (Clancy Brown) durch unwirtliche Gebirge nahe der kanadischen Grenze und liefern sich einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der skrupellose Verbrecher hat Berengers Filmfreundin Kirstie Alley in seiner Gewalt und es steht zu befürchten, dass er sie nicht mit dem Leben davonkommen lassen wird, sobald er sich in Sicherheit wiegt…

Ich habe das Anfang des Monats schon in meinem Text zu MIDNIGHT RUN angemerkt und kann es auch hier einfach nur wiederholen: schade, dass solche Filme nicht mehr gedreht werden. Ohne großartige Exposition ist man sofort drin in Spottiswoodes Film, der – aufs wesentliche herunter gebrochen – zwar nicht viel mehr als eine simple Jagd/Flucht-Story anzubieten hat, es aber ohne Probleme versteht, den Zuschauer für sich einzunehmen. Die Einführung und Charakterisierung der Figuren erfolgt praktisch nebenbei und ist doch so gelungen, dass man sofort eine Bindung zu den handelnden Personen aufbaut. Sofort hofft und bangt man mit den Protagonisten und mindestens ebenso schnell verteufelt man den Bösewicht. SHOOT TO KILL ist jetzt vielleicht kein kompletter Über-Film geworden (dazu haben sich im Mittelteil etwas zu viele Längen eingeschlichen und die Szene mit der schnell ausgegrabenen Höhle im Schnee strapazierte die Glaubwürdigkeit des Films doch sehr und war mir einfach etwas “too much“), aber er liefert spannende, schnörkellose und unaufgeregte Unterhaltung vor teils extrem atemberaubender Kulisse. Wer ein Herz für das Kino der 80er Jahre hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LANTANA (Australien / Deutschland 2001, Regie: Ray Lawrence)

lantana

(Fassung: DVD, Universal, Großbritannien)

Regisseur Ray Lawrence konfrontiert den Zuschauer in LANTANA mit verschiedenen Paaren, die alle ihre Beziehungsprobleme haben und die – ohne es unbedingt auf Anhieb zu ahnen – alle in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen. Und dann geht es auch noch um eine wie vom Erdboden verschwundene Frau. Bis es soweit ist, dauert es jedoch relativ lange, und das ist vielleicht auch die eine große Schwäche dieses Films, der vielleicht etwas zielgerichteter inszeniert hätte werden müssen und den man – würde man allein die schauspielerischen Leistungen bewerten – als Zuschauer eigentlich gerne als hervorragenden Film weiterempfehlen würde.

Vielleicht ist das auch einfach nur mal wieder ein Jammern auf hohem Niveau, aber für meinen Geschmack hat sich Regisseur Ray Lawrence einfach etwas zu viel Zeit gelassen um seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln, um seine Figurenkonstellationen zu positionieren und um seine Zuschauer mit vagen Hinweisen hinters Licht zu führen um so auch die Spannung des Films hochzuhalten. Wenn man sich vorher nicht die Inhaltsangabe durchgelesen hat – was eigentlich immer von Vorteil ist – kann man tatsächlich nie so richtig einschätzen, in welche Richtung sich LANTANA letztendlich entwickeln wird. Das Problem dabei ist, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl einfach nicht mehr losbekommt, dass das, was man hier zu sehen kriegt, nur wenig zielgerichtet zu sein scheint. So gut mir die schauspielerischen Leistungen auch gefallen haben und so sehr ich mich von dem leichten Mystery-Touch des Films gefangen nehmen lassen wollte, am Ende des Films – wenn sich dann mehr oder weniger doch alles wieder in Wohlgefallen aufzulösen scheint – reift bei mir als Zuschauer auch die Erkenntnis, dass der Aufwand, den Regisseur Lawrence in den ersten 2/3 des Films betrieben hat, ein weitaus besseres Schlussdrittel verdient hätte und eine nüchterne Aufwand/Ertrag-Rechnung hier wohl nicht gerade positiv ausfallen würde. Gut und sehenswert ist LANTANA natürlich dennoch. Wie schon geschrieben, Gejammer auf hohem Niveau.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MO’ BETTER BLUES (USA 1990, Regie: Spike Lee)

mo' better blues

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Denzel Washington ist Bleek Gilliam, ein überaus talentierter Jazztrompeter, der mit seinen Bandkollegen (u.a. Wesley Snipes und Giancarlo Esposito) Abend für Abend in einem angesagten Club das Publikum begeistert. Musik ist Bleeks Leben, ihr ordnet er alles unter und übersieht dabei fast, die diversen Pulverfässer, die um ihn herum jederzeit hochzugehen drohen: da wäre sein von Snipes gespielter Saxophonist Shadow, der endlich für seine Auftritte angemessen entlohnt werden möchte und ernsthafte Planungen anstrebt, die Band zu verlassen, da wäre sein Freund und Manager Giant (Spike Lee), den seine Wettsucht in den Ruin getrieben hat und der Schulden bei Menschen angehäuft hat, bei denen man besser keine Schulden haben sollte, und da wären nicht zuletzt seine Beziehungen zu zwei verschiedenen Frauen, zur Lehrerin Indigo (Joie Lee) und zur Sängerin Clarke (Cynda Williams), die sich immer komplizierter organisieren lassen…

Einmal mehr kreiert Regisseur Spike Lee mit MO’ BETTER BLUES einen Mikrokosmos voller Emotionen, im vorliegenden Fall jedoch einen Mikrokosmos in den es sich als Zuschauer etwas leichter und unbekümmerter eintauchen lässt als in die seiner unmittelbaren Vorgänger- und Nachfolgefilme DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER. Obwohl in MO’ BETTER BLUES neben den vielen komischen Momenten auch jede Menge tragische Augenblicke vorkommen, ist das hier ein Film, der für seine Zuschauer mit seiner ruhigen Art, seiner einladenden Farbgebung, seiner beruhigenden, teils traumhaften Atmosphäre und seiner mitreißenden Musik eine Art Wohlfühloase generiert, in der man sich – bildlich gesprochen – nur zu gerne niederlässt um in ihr zu verweilen. MO’ BETTER BLUES ist einer dieser Filme, in die man mit spielerischer Leichtigkeit versinken kann, über deren manchmal etwas schrullige Art – insbesondere in den Szenen mit Spike Lee – man nur zu gerne schmunzeln möchte und von denen man mit einem mehr als positiven Gefühl in den Abspann entlassen wird. Und dann ist MO’ BETTER BLUES natürlich so ganz nebenbei eine Liebeserklärung an die Kunst der Musik.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 3 (USA 2013, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Der Kampf um Thronfolgen, diverse Schlachten, das Paktieren und Intrigieren (angeblich) Verbündeter, die versuchte Flucht vor Feinden, usw., usf. – dies alles geht nun in die dritte Runde und dies alles ist auch in dieser dritten Runde ungemein unterhaltsam und wegen der einfach nicht weniger werden wollenden Schauwerte auch ausgesprochen nett anzusehen.

Aber auch wenn mir GAME OF THRONES noch immer außerordentlich gut gefällt, muss ich doch anmerken, dass die Serie für mich persönlich nicht so funktioniert wie sie wohl – wenn man den Hype berücksichtigt, der schon seit Jahren um sie gemacht wird – für den Großteil der Zuschauer funktionieren dürfte. Ich gebe zu, ich lasse mich von GAME OF THRONES ausschließlich berieseln, der Verlauf der Handlung ist mir dabei ziemlich egal und ich verspüre keinerlei Motivation, wirklich jeden dieser unzähligen Nebencharaktere seinem Clan zuzuordnen oder mir einen Überblick zu verschaffen wer nun aus welchem Grund gegen wen kämpft, mit wem paktiert und auf was auch immer irgendwelche Ansprüche erhebt und ich finde es ehrlich gesagt richtig bewundernswert, dass sich die Vielzahl der Zuschauer wohl offensichtlich tatsächlich für diese in meinen Augen ziemlich aufgeblasene Handlung begeistern kann, in Gedanken Stammbäume erstellt und es schafft, so etwas wie Sympathien für einzelne Charaktere aufzubauen und mit diesen mitzufiebern.

Für mich funktioniert GAME OF THRONES nur als perfektes “eye candy“, als Musterbeispiel für Exploitation im aufwändigen Gewand – als das funktioniert die Serie aber auch wirklich richtig, richtig gut. Ich freue mich schon auf die vierte Staffel.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HIGH SCHOOL BIG SHOT (USA 1959, Regie: Joel Rapp)

high school big shot

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

 Ein kleiner No-Budget-Beitrag aus dem Bereich des zum damaligen Entstehungszeitpunkt überaus beliebten Subgenre des Juvenile-Delinquent-Films. In HIGH SCHOOL BIG SHOT dreht sich alles um den Musterschüler Marv (Tom Pittman), der sich eines Tages ernsthafte Hoffnungen macht, bei Betty (Virginia Aldridge), der beliebtesten (und scheinbar auch einzigen) Schülerin seiner Schule zu landen und dafür sogar bereit ist, einen kriminellen Pfad einzuschlagen…

Man könnte sich nun natürlich mit Leichtigkeit über HIGH SCHOOL BIG SHOT lustig machen. Bspw. über seine tristen Settings, seine hölzernen Darsteller oder seine überkonstruierte Handlung. Regisseur Joel Rapp hat seinen Film ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget mit nicht unbedingt hochtalentierten Schauspielern in ein paar Hinterzimmern gedreht. So wird bspw. die Highschool lediglich von einem Lehrer und einer Handvoll Schülern bevölkert – letztere sehen zum Großteil viel zu alt für ihre Rollen aus -, irgend ein geschäftiges Treiben auf Straßen oder in Bars, in die der Film kurze Ausflüge unternimmt, findet praktisch nicht statt und irgendwie wirkt HIGH SCHOOL BIG SHOT auf krude Art und Weise etwas leblos. Und doch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Lanze für den Film brechen, denn bei näherer Betrachtung der – zugegebenermaßen etwas arg abenteuerlichen – Handlung fällt doch auf, Regisseur und Drehbuchautor Joel Rapp es auf wundersame Weise geschafft hat, in einen Film, der gerade mal 60 Minuten dauert, schier unendlich viel hineinzustecken. HIGH SCHOOL BIG SHOT ist Coming-of-Age-Geschichte, Love Story, Familiendrama, Kriminalfilm und Heist Movie in einem und wird durch diese ziemlich verrückte Mischung – und natürlich auch wegen seiner ausgesprochen kurzen Laufzeit – zu keinem Zeitpunkt langweilig und zaubert dem geneigten Zuschauer das eine oder andere fette Grinsen während der Sichtung ins Gesicht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ARMED AND DANGEROUS (USA 1986, Regie: Mark L. Lester)

armed and dangerous

(Fassung: DVD, Sony, Großbritannien)

Zwischen Kultfilmen wie CLASS OF 1984, COMMANDO und EXTREME JUSTICE, die ja allesamt eher etwas heftigere Kost zu bieten hatten, drehte Regisseur Mark L. Lester diese kleine Action-Komödie mit John Candy und Eugene Levy in den Hauptrollen. Candy spielt einen gescheiterten Polizisten, Levy einen ebenfalls gescheiterten Rechtsanwalt. Die beiden Protagonisten lernen sich in ARMED AND DANGEROUS bei einer Security-Firma kennen, bei der sie untergekommen sind, sorgen zunächst für viel Chaos, kommen schließlich einer waschechten Verschwörung auf die Spur und retten am Ende natürlich den Tag.

ARMED AND DANGEROUS erinnert vom Ansatz zunächst stark an die in den 80er Jahren ausgesprochen beliebte und erfolgreiche POLICE ACADEMY-Reihe – ein ganzer Haufen von chaotischen Typen, die alle einen Job ausüben möchten, für den sie offensichtlich nicht geeignet sind, werden nach lustigen Trainingssequenzen auf die Menschheit losgelassen -, die, als Lesters Film startete, bereits 3 Filme umfasste, wendet sich dann aber sehr schnell seinen beiden Protagonisten und der aufzudeckenden Verschwörung zu und erinnert im weiteren Verlauf dann doch eher an ein Buddy-Movie. Lester inszeniert seinen Film unheimlich rasant, hat einige verdammt witzige Sequenzen zu bieten, bemüht sich so gut es eben geht um Spannung und beendet seine gut 80 Minuten dauernde Geschichte schließlich in einer äußert hübsch anzusehenden Verfolgungsjagd. Das größte Plus des Films ist jedoch seine grandiose Besetzung. Neben den beiden Stars und Meg Ryan, die so etwas wie die weibliche Hauptrolle abbekommen hat, geben sich bis in die kleinsten Nebenrollen aus unzähligen (Genre-)Produktionen bekannte Gesichter die sprichwörtliche Klinke in die Hand. U.a. sind Robert Loggia, Brion James, Don Stroud, Steve Railsback, Tony Burton und Tommy ‚Tiny‘ Lister mit von der Partie (um nur mal ein paar Namen zu nennen) und in einer Mini-Sequenz habe ich sogar den großartigen David Hess entdecken können. ARMED AND DANGEROUS ist schon allein aufgrund seiner Besetzung unbedingt sehenswert und sei hiermit jedem 80er-Jahre-Afficionado zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

KNOCK KNOCK (Chile / USA 2015, Regie: Eli Roth)

knock knock

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Keanu Reeves spielt den Architekten Evan, der eigentlich ein Wochenende mit seiner Familie am Strand verbringen sollte, wegen dringend zu erledigender Arbeiten aber stattdessen alleine zuhause geblieben ist – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als zwei junge und vollkommen durchnässte Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas) vor seiner Tür stehen und um Hilfe bitten. Evan lässt sie herein und begeht damit den Fehler seines Lebens. Von der Exaltiertheit und Freizügigkeit seiner beiden Gäste komplett überfordert, lässt er sich auf ein sexuelles Abenteuer ein und erwacht schließlich in einem Albtraum…

Mal wieder ein Beispiel des allseits beliebten Terror- bzw. Home-Invasion-Films, nur dass Regisseur Eli Roth, der auch am Drehbuch mitarbeitete, die Genrekonventionen mit KNOCK KNOCK umkehrt und komplett auf den Kopf stellt. Sind die Eindringline normalerweise männlichen Geschlechts und die Opfer in solchen Filmen vornehmlich weiblich, ist es hier ein scheinbar starker Mann, der gegen die Waffen des vermeintlich schwächeren Geschlechts einfach nicht ankommen mag. Als Zuschauer möchte man dem von Reeves gespielten Evan regelrecht zurufen, dass er sich doch endlich mal effektiv zur Wehr setzen solle, muss aber hilflos mit ansehen, wie dieser gegen seine immer mehr in den Wahnsinn abzudriften scheinenden Gegnerinnen einfach keinerlei Chance zur Gegenwehr bekommt.

Warum dieser in meinen Augen ungemein spannende und als Terror- bzw. Horrorfilm auch verdammt effektive Film beim Publikum komplett durchgefallen zu sein scheint – in der IMDB kommt KNOCK KNOCK momentan auf eine durchschnittliche Punktzahl von gerade mal 4.9/10 – mag sich mir nicht wirklich ergründen. Vielleicht war KNOCK KNOCK seinem Zielpublikum ja einfach zu unangenehm. Unbeschwerte Unterhaltung sieht definitiv anders aus, aber das war ja noch nie die Sache von Eli Roth. Und das ist auch gut so.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Third Thoughts of May

300: RISE OF AN EMPIRE (USA 2014, Regie: Noam Murro)

300 - rise of an empire

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

 Eines muss man Regisseur Noam Murro schon lassen: es zu schaffen, den eh schon ziemlich doofen und qualitativ minderwertigen Vorgänger von Zack Snyder an Dummheit zu über- und an Qualität noch mal deutlich zu unterbieten, ist auch eine Leistung. Hut ab!

In 300: RISE OF AN EMPIRE metzeln sich Griechen und Perser gegenseitig ab. Über sehr lange und sehr schnell sehr ermüdende 100 Minuten. In Zeitlupe, nur in Zeitlupe, mit grässlichen CGI-Blutfontänen und hoffnungslos überzeichneter Brutalität. So etwas wie Spannung, Timing oder Rhythmus gibt es in Murros Film nicht. 300: RISE OF AN EMPIRE ist einfach nur stupide und nervig. Die komplett überstilisierten Bilder mit ihrer ach so tollen Farbgebung sollen dem Film wohl einen besonders tollen Look verleihen, tragen letztendlich aber nur dazu bei, dass 300: RISE OF AN EMPIRE nicht nur inhaltlich beschissen ist, sondern auch noch beschissen aussieht. Nerviger als die ständigen Zeitlupen, die schrecklichen Farben und die miesen Effekte sind nur noch diese ständige durchs Bild flirrenden Funken, Staubkörner und sonstigen Partikel, die wohl den 3D-Effekt unterstützen sollen, einem als Zuschauer aber so dermaßen auf die Nerven gehen, dass man vor Wut am liebsten den Fernseher eintreten würde. Und dann noch dieser unerträgliche Score von Junkie XL und diese an Dummheit kaum zu überbietenden Mono- und Dialogzeilen, welche die Figurenschablonen ständig absondern. Ein Wunder, dass meine Ohren nicht zu bluten angefangen haben. Es gibt wirklich nicht ansatzweise etwas Positives von 300: RISE OF AN EMPIRE zu berichten. Ich habe wirklich schon verdammt lange keinen so miesen und beschissenen Film mehr gesehen wie diesen hier.

Bleibt am Ende nur die Frage, wie sich die an und für sich tolle Eva Green in diese Katastrophe verirrt hat. Sie steht bzw. sitzt mit finsterer Miene in der Gegend rum, muss Blödsinn aufsagen und in der Mitte des Films ihre blanken Brüste in die Kamera halten. Vielleicht hatte sie ja zuvor eine Wette verloren und musste deswegen hier mitwirken. Eine andere Erklärung gibt es eigentlich nicht.

Bewertung: Unerträglich! – 1/10

 

 

PERFECT SENSE (Dänemark / Großbritannien / Irland / Schweden 2011, Regie: David Mackenzie)

perfect sense

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Eine rätselhafte Krankheit bereitet auch der Forscherin Susan (Eva Green) Kopfzerbrechen. Nach zuerst heftigen Gefühlsausbrüchen verlieren Menschen weltweit ihren Geruchssinn und diese Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Und der Geruchssinn soll nicht der einzige Sinn bleiben, der den Menschen im weiteren Verlauf des Films verloren gehen soll…

Diese kurze Zusammenfassung gibt nur scheinbar die Handlung des Films wieder, denn die Sache mit der Epidemie bildet im Endeffekt lediglich den Rahmen für die Geschichte, die Regisseur David Mackenzie mit PERFECT SENSE eigentlich erzählt. Es ist eine typische Liebesgeschichte, es geht in erster Linie um die schon genannte Susan, die nach Ausbruch der Epidemie zufällig den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) kennenlernt und sich nach anfänglichem Zögern auf ihn einlässt. Lässt man die Rahmenhandlung außen vor, verläuft die Geschichte zwischen Susan und Michael exakt so, wie sie schon hunderttausendmal erzählt worden ist. Zwei Menschen verlieben sich, trennen sich zunächst wieder, nur um am Ende doch zusammenzufinden.

Und wäre diese Geschichte in das eingebettet, in das solche Geschichten normalerweise eingebettet sind, nämlich in eine romantische Komödienhandlung, PERFECT SENSE wäre nur ein weiterer Film von vielen. Aber genau das ist hier eben nicht der Fall und genau das macht Mackenzies Film auch so ungemein faszinierend, anders und abwechslungsreich und diese komplett simple Botschaft, die PERFECT SENSE mitzuteilen hat, nämlich dass wahre Liebe auch die größten Hindernisse überwindet, Katastrophen übersteht und am Ende als einziges bestehen bleibt, in Verbindung mit dieser apokalyptischen Stimmung, die der Film aufgrund seiner Rahmenhandlung immer wieder erzeugt, führt letztendlich dazu, dass das hier ein Film geworden ist, der einen als Zuschauer mitten ins Herz trifft. Toll auch die Chemie zwischen Eva Green und Ewan McGregor, denen man diese Liebesgeschichte jederzeit abnimmt und die hier als Paar wirklich perfekt zusammenpassen. Und dann dieses ebenso traurige wie wunderschöne und magische Ende. Gänsehaut!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

NEW GIRL: SEASON 4 (USA 2014 / 2015, Idee: Elizabeth Meriwether)

new girl - season 4

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Großbritannien)

Zooey Deschanel behauptet sich in der Rolle der Lehrerin Jess Day nun schon im vierten Jahr in ihrer Männer-WG und auch wenn bei NEW GIRL in dieser mittlerweile vierten Season erste Abnutzungserscheinungen deutlich zu erkennen sind, macht es noch immer Spaß, sich mit der von Elizabeth Meriwether erdachten Sitcom die Zeit zu vertreiben. Das liegt natürlich in allererster Linie an der Hauptdarstellerin, die es mit ihrer herrlich schrulligen und wunderbar nerdigen Art einfach drauf hat, einen als Zuschauer zu verzaubern und dazu zu bringen, milde lächelnd über einige schwächere Episoden hinwegzusehen. Und solange die Serie noch so Knallerfolgen wie „Background Check“ aus dem Ärmel zaubert, in der der von Lamorne Morris gespielte Winston als Teil seiner Polizeiausbildung eine Prüfung seiner privaten Lebensumstände über sich ergehen lassen muss und diese wegen seiner chaotischen Mitbewohner fast in einem Fiasko zu enden droht, gibt es von meiner Seite aus an NEW GIRL schon mal rein gar nichts auszusetzen. Ich mag die Serie einfach und freue mich schon auf die im Herbst anstehende Heimkinoveröffentlichung von Staffel Nr. 5.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 3 (USA 2015, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Nach dieser letzten Folge der dritten Staffel bin ich persönlich schon sehr gespannt, wie es in Staffel Nr. 4 weitergehen wird. Allerdings weniger, was die Handlung angeht, obwohl der Cliffhanger am Ende schon als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden muss, sondern mehr, was die Qualität angeht. Ich bin gespannt, ob es den Machern gelingt, zu alter Stärke zurückzufinden, was insbesondere in den letzten drei Episoden der dritten Staffel angedeutet wurde, oder ob die Luft aus HOUSE OF CARDS tatsächlich schon draußen ist, wie die ersten beiden Drittel dieser Season 3 vermuten lassen könnten.

Der von Kevin Spacey gespielte Frank Underwood ist nun im Amt des US-Präsidenten angekommen und muss sich damit auseinandersetzen, dass er selbst nun zur Zielscheibe seiner politischen Gegner wird, jeder seiner Schritte und jede seiner Handlungen mit Argusaugen beobachtet wird und es nicht wenige, (welt-)politische Probleme zu lösen gibt.

Natürlich ist auch diese Staffel in schauspielerischer Hinsicht über jeden Zweifel erhaben, problematisch ist einfach der Handlungsverlauf. Das politische Alltagsgeschäft und die Angriffe von Underwoods politischen Gegnern auf seine Person wirkten auf mich weitaus weniger faszinierend als die in den beiden Auftaktstaffeln von der Hauptfigur gespannten Netze aus Lügen und Intrigen, die dazu führten, dass diese sich nun im Sessel des US-Präsidenten niederlassen kann. Über weite Strecken wirkte HOUSE OF CARDS in dieser Season auf mich bemüht, extrem konstruiert und innerhalb dieser Konstruiertheit (gibt es dieses Wort überhaupt?) auch erstmals wenig glaubwürdig. Hatte man in den beiden wirklich hervorragenden Staffeln zuvor nach jeder Folge das dringende Bedürfnis, sich auch die nächste Episode nach anzuziehen, ist den Machern rund um Beau Willimon dieses Suchtpotential nun fast vollkommen abhanden gekommen. Erst die letzten paar Folgen üben wieder eine ähnliche Faszination aus wie die beiden Auftaktstaffeln und machen Hoffnung, dass es mit Staffel 4 tatsächlich wieder aufwärts gehen könnte. Vielleicht ist die nächste Staffel dann ja wieder hervorragend und nicht “nur“ gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HITMAN: AGENT 47 (Deutschland / Großbritannien / USA 2015, Regie: Aleksander Bach)

hitman - agent 47_01

hitman - agent 47_02

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Nach HITMAN von Regisseur Xavier Gens aus dem Jahr 2007 ist HITMAN: AGENT 47 von Aleksander Bach nun der zweite Versuch, die beliebte Videospielreihe für die große Leinwand zu adaptieren. Und so wirklich gelungen ist auch dieser Film hier nicht. HITMAN: AGENT 47 hat zwar den besseren Hauptdarsteller zu bieten – im Gegensatz zu Timothy Olyphant passt Rupert Friend wirklich ganz vorzüglich in die Rolle des ebenso schweigsamen wie eiskalten Killers -, ganz spontan würde ich jetzt aber einfach mal behaupten wollen, dass mir Gens’ Version damals einen Tick besser gefallen hat, weil ich ihn einfach als visuell eindrucksvoller in Erinnerung habe.

Auf der Habenseite von HITMAN: AGENT 47 stehen neben seinem Hauptdarsteller vor allem die Atmosphäre des Films, die durchaus an die aus den Videospielen erinnert, und der ebenfalls an ein Videospiel erinnernde Aufbau der Handlung. Nicht wirklich gut gelungen ist Bach der ganze Look des Films, was natürlich am für heutige Verhältnisse relativ schmalen Budget von 35 Mio. Dollar liegen dürfte. HITMAN: AGENT 47 sieht streckenweise extrem billig und schäbig aus, der ständige Einsatz von Zeitlupen um in den Actionsequenzen so etwas wie Dynamik zu erzeugen fängt sehr schnell an zu nerven und so manche Idee innerhalb des Handlungsverlaufs erschien mir persönlich einfach zu konstruiert und zu unglaubwürdig, insbesondere natürlich der von Zachary Quinto gespielte und praktisch unzerstörbare John Smith. Das war dann doch etwas zu viel abgedrehte Science Fiction.

Einen gewissen Unterhaltungswert möchte ich HITMAN: AGENT 47 natürlich keineswegs absprechen und als kurzweiliger Zeitvertreib ist auch diese Videospielverfilmung sicher zu gebrauchen. Vielleicht gelingt ja irgendwann mal in einem dritten Anlauf eine wirklich geglückte Filmversion der Spielreihe. Das Potential für großes Spektakel ist in den Vorlagen definitiv vorhanden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE F WORD (Irland / Kanada 2013, Regie: Michael Dowse)

the f word

(Fassung: Blu-ray, Entertainment One, Großbritannien)

Der von Daniel Radcliffe gespielte Wallace hatte nach seiner letzten, großen Enttäuschung erst mal die Schnauze von Beziehungen voll und sich aus dem gesellschaftlichen Leben nahezu zurückgezogen. Als er auf einer Party die von Zoe Kazan gespielte Chantry kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf in die junge Frau, sieht sich aber schon schnell mit einem offensichtlich unlösbaren Problem konfrontiert: Chantry ist in einer festen Beziehung und möchte von Wallace nur eine ehrliche Freundschaft und keinen Deut mehr…

Wer aufgrund der vorstehend skizzierten Ausgangssituation nun laut aufschreit, dass Wallace und Chantry am Ende des Films doch sowieso zueinander finden werden und aus Freundschaft dann doch Liebe werden wird, hat natürlich vollkommen recht. THE F WORD – der nach seiner Premiere auf den Filmfestspielen in Toronto übrigens teilweise unter dem Alternativtitel WHAT IF in die Kinos gebracht wurde (nur zur Info, falls sich jemand über den Title Screen dieses Beitrags wundern sollte) – ist eine romantische Komödie und bei denen steht in den allermeisten Fällen das Ende ebenso fest wie die zwingend vorhandenen Eckpunkte des Handlungsverlaufs (das Kennenlernen, das Trennen aufgrund eines Missverständnisses oder sonstiger widriger Umstände und das Wiederfinden zum Schluss). Wie bei seinen unzähligen Genrekollegen ist auch hier mal wieder der Weg das Ziel und der ist hier mit einer der Gründe, weswegen THE F WORD zumindest leicht aus der unübersichtlichen Durchschnittsware des Genres hervorsticht. Dowse hat seinen Film ungemein kurzweilig, witzig (der Fenstersturz beispielsweise!!!) und abwechslungsreich inszeniert und mit Charakteren bevölkert, die – und das ist der andere Pluspunkt des Films – jetzt nicht unbedingt diesen typischen Klischees des Genres entsprechen. Daniel Radcliffe und Zoe Kazan kommen beide als stinknormale Menschen rüber und sind meilenweit davon entfernt, dem sonst so standardisierten Ken-und-Barby-Ideal solcher Filme zu entsprechen, was am Ende des Tages natürlich dazu führt, dass man sie als Identifikationsfiguren und Sympathieträger gerne annimmt und einem die von ihnen gespielten Charaktere nicht schon von der ersten Minute an komplett egal sind. Wer ein Herz für RomComs hat, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WHILE WE’RE YOUNG (USA 2014, Regie: Noah Baumbach)

while we're young

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ben Stiller und Naomi Watts spielen in WHILE WE’RE YOUNG ein verheiratetes, kinderloses Paar Anfang 40, welches sich damit auseinandersetzen muss, dass all ihre Freunde mittlerweile Eltern geworden sind, bei diesen logischerweise der Nachwuchs im Mittelpunkt steht und die Zeit spontaner Unternehmungen im Freundeskreis endgültig vorbei zu sein scheint. Als der von Stiller gespielte Josh eines Tages den gut 20 Jahre jüngeren Jamie (Adam Driver) und dessen Frau Darby (Amanda Seyfried) kennenlernt und die beiden seiner Frau Cornelia vorstellt, entwickelt sich zwischen den beiden Paaren mit hohem Altersunterschied eine Freundschaft, die auch in das routinierte Leben von Josh und Cornelia wieder Abwechslung und Spannung zu bringen verspricht…

Ein Film dieser Art kommt natürlich nicht ohne gewisse Klischees aus, anders würde die teils überspitzte Darstellung mancher Alltagssituation einfach nicht funktionieren. Das Problem, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach jedoch zu kämpfen hat ist die Tatsache, dass er insbesondere das von Adam Driver und Amanda Seyfried gespielte Ehepaar Mitte Zwanzig teilweise so übertrieben darstellt, dass dieses nicht mehr wirklich glaubwürdig und authentisch wirkt. Es sind vor allem kleine Details, die da sauer aufstoßen. Die riesige Plattensammlung in der Wohnung von Jamie und Darby ist in diesem Alter schon leicht übertrieben, dass Menschen, wie die beiden es sind, sich abgenudelte Videokassetten in den VHS-Player schieben, wenn sie sich Filme ansehen wollen, wirkt jedoch schon fast grotesk lächerlich. Da sollten die jüngeren Charaktere einfach zu unangepasst, zu cool und zu hip gestaltet werden und das ist Baumbach streckenweise einfach nicht geglückt.

Was Baumbach hingegen richtig gut gelungen ist, ist in meinen Augen die Zeichnung der von Stiller und Watts gespielten Charaktere und der Umgang mit diesen. Auch wenn sich die beiden immer wieder in ihren Bemühungen mit ihren weitaus jüngeren Freunden mitzuhalten – insbesondere vor ihren gleichaltrigen Freunden von früher – fast der Lächerlichkeit preiszugeben drohen, nimmt Baumbach seine Charaktere ernst, macht sich nie über sie lustig und lacht mit ihnen und nicht über sie. Wenn man wie ich selbst Anfang 40 ist und natürlich auch selbst nicht wahrhaben will, dass der Zahn der Zeit unnachgiebig an einem nagt und man sich gefühlt für maximal Mitte Zwanzig hält, kommt man nicht umhin, sich in so mancher Szene des Films wiederzuerkennen und diese mit einem wissenden Lächeln zu kommentieren, nur um sich mit einer gewissen Melancholie im Herzen einzugestehen, dass die eigene Jugend schon (viel) zu lange vorbei ist. Aus dem Blickfeld der “älteren“ Generation betrachtet ist WHILE WE’RE YOUNG in meinen Augen unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RICKI AND THE FLASH (USA 2015, Regie: Jonathan Demme)

ricki and the flash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Meryl Streep spielt Ricki, die Sängerin einer Coverband, die einst den Traum von der großen Musikerkarriere träumte und wegen dieses Traums ihre Familie verlor. Ihr Ex-Mann Pete (Kevin Kline) ist wieder verheiratet, zu ihren drei Kindern hat sie keinen Kontakt und die Karriere als Musikerin verlief alles andere als wünschenswert. Ricki absolviert mit ihrer Band Auftritte in der örtlichen Kneipe, sitzt am Supermarkt an der Kasse, ist mit ihrem Bandkollegen Greg (Rick Springfield) liiert und ansonsten ständig pleite. Als sich eines Tages ihr Ex-Mann bei ihr meldet und sie bittet, wegen der gemeinsamen Tochter (Mamie Gummer), die gerade von ihrem Mann verlassen wurde und in tiefste Depressionen versunken ist, zu ihm zu kommen, kratzt Ricki ihr letztes Geld für ein Flugticket zusammen und hofft auf diese Weise, den einen oder anderen Fehler aus der Vergangenheit wieder gerade rücken zu können…

RICKI AND THE FLASH ist wahrscheinlich nicht viel mehr als formelhaftes und stets vorhersehbares Kino, welchem man aufgrund seiner ausgewogenen Balance aus dramatischen, komischen und ans Herz gehenden Momenten sicher guten Gewissens diesen abgedroschenen Stempel des “Wohlfühl-Kinos“ aufdrücken kann. Jonathan Demme hat da einen Film gedreht, der wirklich niemandem in irgendeiner Weise weh tun wird, der in keinster Weise dazu geeignet ist, irgendwelche Kontroversen auszulösen und den man sicherlich alles andere als innovativ bezeichnen kann. Das einzig wirklich überraschende an RICKI AND THE FLASH ist die Tatsache, dass er so, wie er ist, ganz vorzüglich funktioniert, dass er einen als Zuschauer trotz seiner Vorhersehbarkeit und Formelhaftigkeit tatsächlich berührt und von mir an dieser Stelle guten Gewissens weiterempfohlen werden kann. Vielleicht liegt es ja an Meryl Streep, die auch in dieser für sie vollkommen untypischen Rolle zu überzeugen weiß und einen als Zuschauer mit ihrer Performance komplett überrascht (natürlich ist einen bewusst, dass die gute Frau so ziemlich alles und jeden spielen kann, aber diese authentische Darstellung einer gescheiterten Rocksängerin hätte ich ihr nicht zugetraut). Vielleicht liegt es auch an der großen und natürlich ganz persönlichen und rein subjektiven Freude, einen alten Helden wie Rick Springfield mal wieder zu sehen – sein 85er-Album “Tao“ mit dem Überhit “Celebrate Youth“ lief in meiner Jugendzeit in Dauerrotation auf dem heimischen Schallplattenspieler -, vielleicht liegt es aber auch schlicht und einfach an der Tatsache, dass Jonathan Demme mit RICKI AND THE FLASH einfach nur einen richtig, richtig guten Film gedreht hat. Geheimtipp!

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

Second Thoughts of May

BANKLADY (Deutschland 2013, Regie: Christian Alvart)

banklady

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Mit BANKLADY erzählt Regisseur Christian Alvart die zwar auf wahren Begebenheit beruhende, aber dennoch ziemlich unglaubliche Geschichte der Gisela Werler, einem waschechten Mauerblümchen, welches sich im Hamburg der frühen 60er Jahre in den falschen Mann verliebt, zur Bankräuberin wird und insgesamt 19 Banken in und um Hamburg überfällt. Das Leben schreibt dann halt doch die tollsten Geschichten.

Gespielt wird die Hauptfigur von der tollen Nadeshda Brennicke, die ich schon immer gerne gesehen habe und die im Lauf ihrer Karriere in meinen Augen leider viel zu wenig Hauptrollen abbekommen hat. Die Verwandlung in das unscheinbare Mauerblümchen gelingt ihr spielend und die Darstellung dieser unsicheren, leichtgläubigen und – wie sich am Ende herausstellt – auch von ihrem Partner und Komplizen komplett hintergangenen Frau kommt ungemein authentisch rüber. Es ist überhaupt diese Authentizität, die BANKLADY neben den überzeugenden Schauspielerleistungen – auch Charly Hübner in der Rolle des skrupellosen Mittäters spielt richtig klasse – so sehenswert macht. Als Zuschauer fühlt man sich regelrecht in diese frühen 60er Jahre zurückversetzt. Die Stimmung die BANKLADY mit seiner über weite Strecken ruhigen und unaufgeregten Inszenierung ausstrahlt, die Settings, die Kostüme – all das fügt sich zu einem ausgesprochen gelungenen Ganzen zusammen. Vielleicht schleichen sich hier und da mal etwas zu viele Längen ein und sicher ist Alvarts Films jetzt kein kompletter Überflieger, aber er ist ein überzeugendes Beispiel für gutes Kino aus Deutschland fernab des üblichen Komödien- und Betroffenheitskrams.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SEIN LETZTES RENNEN (Deutschland 2013, Regie: Kilian Riedhof)

sein letztes rennen

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Dieter Hallervorden spielt Paul Averhoff, einen rüstigen Renter, der in den 50er Jahren ein Sportstar im Bereich des Langstreckenlaufs gewesen ist und sich nun, da seine Frau Margot (Tatja Seibt) pflegebedürftig wird, damit abfinden soll, seinen Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen, nutzlose Kastanienmännchen zu basteln und Lieder zu singen. Paul rebelliert, packt seine alten Sportsachen aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren, an dem er unbedingt teilnehmen will. Während sich ein Großteil seiner Mitbewohner von seiner Energie anstecken lässt, sind der Heimleitung Pauls Aktivitäten ein Dorn im Auge, da es immer schwieriger wird, die Insassen unter Kontrolle zu halten…

Es fällt mir in gewisser Weise schwer, SEIN LETZTES RENNEN adäquat zu beurteilen. Nach Sichtung dieses Films bin ich mir jedoch sicher, dass ich mir Schweigers HONIG IM KOPF – dem ja auch eine Pflegethematik zugrundeliegt – sicher niemals freiwillig ansehen werde. Denn auch wenn die Grundaussage von Riedhofs Film sicher zu begrüßen ist – auch im hohen Alter nicht aufzugeben, Respekt einzufordern, seine Ziele und Träume zu verwirklichen versuchen -, der Film ausgesprochen berührend inszeniert ist, eine gelungene Balance zwischen Humor und Tragik aufweisen kann, in nicht wenigen Sequenzen – vor allem wegen Hallervordens Leistung – mitten ins Herz geht und alles in allem ungemein unterhaltsam geraten ist, so muss an dieser Stelle doch auch kritisch angemerkt werden dürfen, dass die ganze Ausgangssituation des Films hanebüchen wirkt. Hallervorden und seine Frau sind nun wirklich nicht in einer Verfassung, in der sie in ein Pflegeheim müssten – keiner der beiden dürfte in der Realität eine Pflegestufe erhalten – und dürften finanziell auch so gut gestellt sein, dass es eine Leichtigkeit sein sollte, die erforderliche Pflege der Frau durch eine Pflegefachkraft zuhause durchführen zu lassen. Zudem ist in meinen Augen die Darstellung des Heimalltags extrem unglaubwürdig geraten und dieser Heimalltag im Film wird wie ich finde auch zu Unrecht dämonisiert. In dem Heim im Film wird sich – wenn auch mit scheinbar stupiden und wenig anspruchsvollen Aktionen wie dem Basteln und den Gesangsstunden – doch gut um die Insassen gekümmert, sie werden offensichtlich gut versorgt und dieses versuchte “unter Kontrolle halten“ der Bewohner von Seiten der Organe der Heimleitung dürfte wohl sicher nicht aus Boshaftigkeit erfolgen. Ich habe nun wirklich keine Ahnung, wie es im typischen Pflegeheim so zugeht (aus diesem Grund auch meine Probleme mit einer fairen Beurteilung des Films), wohlbekannte Stichworte wie Pflegenotstand lassen aber eher darauf schließen, dass der Notstand im Heim des Films kein echter Notstand ist, sondern eher ein Jammern auf hohem Niveau darstellt. Ich denke mal, dass es nicht wenige pflegebedürftige Menschen gibt, die froh wären, in einem Heim wie in SEIN LETZTES RENNEN unterkommen zu können. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fällt es mir schwer, SEIN LETZTES RENNEN tatsächlich als guten Film zu bezeichnen. Seinen hohen Unterhaltungswert möchte ich ihm aber sicher nicht absprechen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE (USA 1971, Regie: Ray Dennis Steckler)

the mad love life of a hot vampire

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

Ein seltsam exaltierter Graf Dracula mit einem buckligen Diener entsendet weibliche Vampire mit dem Auftrag, ihm Blut zu besorgen. Ein Auftrag, der auf nicht ganz jugendfreie Art und Weise erledigt wird. Gleichzeitig tüftelt ein gewisser Van Helsing einen Plan aus, um den Fürsten der Dunkelheit in die ewigen Jagdgründe zu schicken…

Schon bevor eine gewisse Linda Lovelace mit einem bestimmten Organ an einer falschen Stelle des Körpers im Jahr 1972 für Aufsehen sorgte, pornographische Filme plötzlich die großen Kinos bevölkerten und der sogenannte “porn chic“ den Mainstream eroberte, gab es im tiefsten Untergrund Filmemacher, die dem sensationshungrigen Publikum genau das lieferten, wonach es nach dem endgültigen Fall der über Jahrzehnte geltenden Zensurvorschriften regelrechte gierte: explizit dargestellten Sex auf der Leinwand, zumeist eingebettet in eine hauchdünne Handlung. Eine Handlung, die im Fall von THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ganz besonders obskur geraten ist. Gut 50 Minuten dauert der Spuk den Regisseur Ray Dennis Steckler seinem Publikum hier vorsetzt und dieser Spuk ist garniert mit schrecklich untalentierten Darstellern, außerordentlich tristen Settings und Sexszenen, die wirklich meilenweit davon entfernt sind, auch nur annähernd als an- oder gar erregend durchgehen zu können.

Ein Werk wie THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ist aus heutiger Sicht vor allem aus filmhistorischen Gesichtspunkten interessant, als Zeuge einer längst vergangenen Zeit, als Beispiel für tiefsten filmischen Underground, im vorliegenden Fall aus Las Vegas stammend. Als Filmfan darf man sich glücklich schätzen, dass auch solche obskuren Filme wie dieser hier von Independent-Labels wie Vinegar Syndrome geborgen, restauriert und für die Nachwelt erhalten werden.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE VANISHING (USA 1993, Regie: George Sluizer)

the vanishing

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

THE VANISHING ist ein gutes Beispiel dafür, dass der allgemeine Remake-Wahn aus Hollywood, vor allem dieses von vielen als Unart bezeichnete Drehen von US-Remakes erfolgreicher, ausländischer Filme, keine neue Modeerscheinung ist, sondern so schon vor über 20 Jahren (und natürlich auch noch früher) praktiziert wurde. Besonders beliebt in Hollywood sind dann natürliche Regisseure wie George Sluizer, die sich dazu bereit erklären, ein US-Remake ihres eigenen Films zu drehen. Da steht man dann aus wirtschaftlicher Sicht gleich noch mal etwas sicherer da.

THE VANISHING erzählt die Geschichte von Jeff Harriman (Kiefer Sutherland), der über Jahre hinweg verzweifelt und verbissen nach seiner – während eines gemeinsamen Ausflugs bei einem Zwischenstopp an einer Raststelle – wie vom Erdboden verschwundenen Freundin Diane (Sandra Bullock) sucht und stellt das US-Remake der niederländisch-deutsch-französischen Co-Produktion SPOORLOOS (die ich zu meiner Schande immer noch nicht gesehen habe) aus dem Jahr 1988 dar. Sluizer inszeniert das Remake seines eigenen Films auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, die Spannung baut sich langsam und schleichend auf, der Mystery-Touch des Films sorgt immer wieder für eine unheimliche und bedrückende Atmosphäre und wenn man über das vielleicht etwas überkonstruierte Schlussdrittel hinwegsehen oder sich gar mit diesem anfreunden kann, wird man mit einem richtig guten Thriller belohnt. Kiefer Sutherland nimmt man die Rolle des leidenden und verzweifelten Freundes absolut ab, die Besessenheit, mit der er sich auf die Suche begibt, ist auch für den Zuschauer nur schwer zu ertragen, so sehr leidet man mit ihm mit. Und auf der Seite des Bösewichts bietet THE VANISHING mit Jeff Bridges einen fast schon widerwärtig überzeugenden Gegenpol zum verzweifelten Kiefer Sutherland, einen Mann, den man auch als Zuschauer nur von ganzem Herzen hassen kann. Und zwar über die komplette Laufzeit dieses auch heute noch ausgesprochen sehenswerten Thrillers.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SLITHER (USA 1973, Regie: Howard Zieff)

slither

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mittelpunkt von SLITHER ist der von James Caan gespielte Dick Kanipsia, der, soeben aus dem Gefängnis entlassen, gemeinsam mit einem ebenfalls entlassenen Mitinsassen auf dem Weg zu dessen Haus ist und sich – dort angekommen – in einem plötzlichen Kugelhagel wiederfindet. Noch bevor die Anfangscredits des Films zu Ende sind, hat Caan von seinem im Sterben liegenden Kameraden zwei Namen mit dem Hinweis genannt bekommen, die erste Person aufzusuchen, da sie ihm zu einem stattlichen Vermögen führen könne. Für Caans Charakter beginnt ein Road Trip der besonderen Art…

SLITHER ist eigentlich ein typischer Vertreter des Kinos der 70er Jahre, mit einem kantigen Typen in der Hauptrolle, der sich auf ein waghalsiges Abenteuer einlässt. Was ihn von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass in SLITHER irgendwie alles ein bisschen “over the top“ geraten ist. Sowohl die verschiedenen Charaktere als auch der Verlauf der Handlung ist leicht überzeichnet, der Hang zum Absurden und Skurrilen ist allgegenwärtig und diese Mischung aus komischen und spannenden Momenten, die Zieff seinem Film verpasst hat, macht ihn ziemlich unwiderstehlich. Allein diese komplett irre Bingo-Sequenz (!!!) ist einfach zum Schreien, das Finale ist an Absurdität fast nicht zu überbieten und der tolle Alex Rocco hat eine kleine Rolle abbekommen und stielt in seinen wenigen Momenten wieder mal allen anderen die Schau. Das alles ist dann auch noch so komplett tiefenentspannt und cool inszeniert, dass Freunde des 70er-Jahre-Kinos die komplette Sichtung dieses Films sicher mit einem fetten Grinsen im Gesicht begleiten dürften.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 2 (USA 2012, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Meinen zuvor geschriebenen Text zur ersten Staffel könnte ich an dieser Stelle auch per Copy & Paste einsetzen, denn viel mehr, als ich bereits zu Staffel 1 geschrieben habe, gibt es auch zur zweiten Staffel nicht anzumerken. Die Anzahl der Charaktere nimmt zu, GAME OF THRONES wird handlungstechnisch scheinbar komplizierter, da man erst mal die Übersicht darüber behalten muss, wer nun wohin gehört, mit wem in irgendeiner Weise paktiert oder sonst liiert ist. Diese scheinbare Kompliziertheit dürfte natürlich in erster Linie der Romanvorlage geschuldet sein, den Machern aber auch ganz vorzüglich in die Karten spielen, da ihre Serie so darüber hinwegtäuschen kann, worum es in erster Linie geht: natürlich wieder um Sex und Gewalt und um überbordende Schauwerte. Inszeniert sind die 10 Episoden der zweiten Staffel erneut ausgesprochen spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich, der von Peter Dinklage gespielte Tyrion Lannister könnte sich mit seiner unnachahmlichen Art bald zum persönlichen Liebling entwickeln, Sibel Kekilli ist ein echter Hingucker in der Rolle der Shae und die Sache mit den Babydrachen find ich persönlich mindestens genauso geil wie diese Armee der Untoten, die im Cliffhanger zum Staffelende aufgelaufen ist. Das ist schon eine Serie, die das Zeug dazu hat, süchtig zu machen und die sich qualitativ bisher auf einem durchweg sehr guten Niveau befindet.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE (USA 2015, Regie: Christopher Landon)

scouts guide to the zombie apocalypse

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mal wieder was aus dem Funsplatter-Bereich. Und sonderlich viel gibt es zu Langdons Film eigentlich gar nicht zu sagen. Der Zielgruppe dürfte er gefallen und für alle, die sich für so einen Kram mittlerweile viel zu alt fühlen, bleibt ja immer noch der bemitleidenswerte Blick auf die sogenannten Gorebauern, die sich mit so einem vermeintlichen Schund wie diesem hier unterhalten lassen können. Dieser kleine Splatterfreak, der ich schon immer war und der ich wohl auch immer bleiben werde, hatte auf jeden Fall richtig viel Spaß mit dem Film.

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE sieht verdammt gut aus. Er sieht aus wie ein richtiger Film und nicht wie eine dieser Billigproduktionen der berühmt-berüchtigten Asylum-Schmiede, für die man den Film schon allein aufgrund seines Titels halten könnte. Eine großartige Story darf man sich hier natürlich nicht erwarten, im Endeffekt geht es um drei Pfadfinder, die sich ausgesprochen erfolgreich gegen eine ausgebrochene Zombie-Epidemie zur Wehr setzen. Aber mal ernsthaft, wer verlangt von einem Film wie diesem hier auch schon eine ausgeklügelte Geschichte? Langdon inszeniert seinen Splatterspaß mit viel Tempo, vielen netten Einfällen, vielen coolen Effekten und einer ausgewogenen Mischung aus spannenden, komischen und absurden Momenten. Ich mochte den Film und möchte ihn Gleichgesinnten unbedingt weiterempfehlen.  Vielleicht im Double Feature mit Fleischers ZOMBIELAND aus dem Jahr 2009. Viel Spaß dabei!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE D TRAIN (Großbritannien / USA 2015, Regie: Andrew Mogel / Jarrad Paul)

the d train

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Jack Black spielt Dan Landsman, einen Typen, der – obwohl verheiratet und Vater zweier Kinder – das Loser-Image aus Highschool-Zeiten nie abstreifen konnte. Nun möchte er anlässlich des 20. Jahrestages des Highschool-Abschlusses ein Klassentreffen organisieren, um endlich anerkannt zu werden, um sein Ego zu stärken, um den Stempel des Verlierers endgültig loszuwerden, hat aber das Problem, dass keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden sich dazu bereit erklärt, zum Treffen zu erscheinen. Als er eines Abends in einem Werbespot den von James Marsden gespielten Oliver Lawless entdeckt, der ebenfalls die betroffene Abschlussklasse besucht hat, hält er diesen für einen großen Filmstar und ist davon überzeugt, dass mit Lawless als Zugpferd auch die übrigen Schulkollegen von einst am Treffen teilnehmen werden. Mit fanatischem Einsatz setzt er alles daran, Lawless zur Teilnahme zu bewegen…

Mit Filmen mit Jack Black in der Hauptrolle kann man eigentlich nie viel verkehrt machen. Meistens taugen sie als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, ohne je ernsthaft in den Verdacht zu geraten, allzu großen Anspruch bieten zu wollen. Die beiden Regisseure Andrew Mogel und Jarrad Paul wären gut beraten gewesen, hätten sie diese Tradition mit THE D TRAIN einfach fortgesetzt. Aber irgendwie mag THE D TRAIN nicht so richtig funktionieren. Weil er sich irgendwie selbst zu ernst nimmt und dabei in Belanglosigkeit zu versinken droht. THE D TRAIN fehlt es an Witz, an Tempo, an Einfallsreichtum. Er ist erschreckend bieder, schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, dass man als Zuschauer auch nur ansatzweise so was wie Interesse oder gar Begeisterung für ihn empfinden könnte, plätschert ohne echte Höhepunkte so vor sich hin und ist so etwas wie das filmische Äquivalent zur Hintergrundmusik in einer Bar. Zwar mitunter ganz nett anzusehen, aber irgendwie ohne eigene Identität und dafür stattdessen mit der Gewissheit ausgestattet, dass er kurz nach der Sichtung wieder in Vergessenheit geraten wird. Einer dieser Filme, die man zum Totschlagen der Zeit schon mal in den Player schieben kann. Mehr aber nicht.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

First Thoughts of May

MIDNIGHT RUN (USA 1988, Regie: Martin Brest)

midnight run

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Kopfgeldjäger Jack Walsh (Robert De Niro) könnte mit einem letzten Auftrag, der ihm 100.000 Dollar einbringen soll, für immer aussorgen. Die Aufgabe scheint nicht allzu schwer zu sein. Innerhalb von 5 Tagen soll er den Buchhalter Jonathan Mardukas (Charles Grodin), der die Mafia um ein mehr als stattlichen Betrag erleichtert und das Geld für wohltätige Zwecke gespendet hat, aufspüren und nach L.A. bringen. Doch der vermeintliche Routinejob entpuppt sich als schwerer Brocken, denn Walsh findet sich schnell im Kreuzfeuer zwischen dem FBI, der Mafia und einem konkurrierenden Kopfgeldjäger wieder…

Die Feststellung, dass Filme wie MIDNIGHT RUN heutzutage einfach nicht mehr gedreht werden, mag meinetwegen von Kulturpessimismus und Melancholie geprägt sein und gerne als überflüssige Phrase abgetan werden, sie entsprechend aber halt leider auch der Wirklichkeit.

Regisseur Martin Brest, der 4 Jahre zuvor den tollen BEVERLY HILLS COP inszeniert hatte, schickt seinen Star Robert De Niro in ein ungemein kurzweiliges und unterhaltsames Jagd/Flucht-Szenario, welches sich insbesondere durch die wunderbare Chemie auszeichnet, die De Niro und Grodin im Verlauf der Handlung entwickeln. Es macht riesigen Spaß, diesen beiden Typen dabei zuzusehen, wie sie immer wieder versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, nur um letztendlich feststellen zu müssen, dass sie sich, hätten sie nicht von Anfang an gegeneinander gearbeitet, eine Menge Ärger und Stress hätten ersparen können. Als Zuschauer hätte man dann natürlich einen Film mit weitaus weniger Action, weitaus weniger Witz, weitaus weniger Wendungen und weitaus weniger Charme zu sehen bekommen als diesen hier. Für Freunde des Action- und Komödienkinos der 80er Jahre möchte ich MIDNIGHT RUN sogar als Pflichtprogramm bezeichnen. Toll!

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WECHSELZEITEN – AUF DEM WEG ZUM ERSTEN TRIATHLON (Deutschland 2014, Regie: Guido Weihermüller)

wechselzeiten - auf dem weg zum ersten triathlon

(Fassung: DVD, Close Distance Productions, Deutschland)

Meine Frau, selbst begeisterte Hobby-Triathletin, war von dieser Dokumentation jetzt nicht unbedingt angetan und auch ich stelle mir die Frage, was Regisseur Guido Weihermüller mit seinem Film überhaupt bezwecken wollte, welches Publikum er erreichen wollte, um was es ihm mit WECHSELZEITEN – AUF DEM WEG ZUM ERSTEN TRIATHLON überhaupt gegangen ist. Der Sport selbst kann es nicht gewesen sein. WECHSELZEITEN ist weder dazu geeignet, überzeugte Sportmuffel zum Umdenken zu bewegen, noch hält er irgendwelche Erkenntnisse für Sportler bereit, die aus dieser Dokumentation für sich selbst etwas mitnehmen können. Weihermüller begleitet mit WECHSELZEITEN vier Frauen, die sich – aus verschiedenen Gründen – dazu entscheiden, zum ersten Mal in ihrem Leben am renommierten Hamburg-Triathlon teilzunehmen, versucht dabei, deren Beweggründe offenzulegen, gewährt Einblicke in die Trainingsvorbereitung und zeigt zum Schluss auch Bilder vom Wettkampf selbst. Im Mittelpunkt des Films stehen dabei die Egos der vier Teilnehmerinnen, die dem Zuschauer jedoch ziemlich egal sein dürften und die Tatsache, dass mindestens zwei der vier Damen auch noch komplett unsympathisch und nervig rüberkommen (die alleinerziehende Mutter und die von ihrem Luxus gelangweilte Hoteliers-Gattin) und einer dieser beiden darüber hinaus eine exorbitant hohe Aufmerksamkeit von Weihermüller geschenkt wird, trägt nun auch nicht wirklich viel dazu bei, dass man als Zuschauer während der Sichtung dieses Films in Begeisterungsstürme ausbrechen könnte. Und spätestens während des Wettkampfs, als gezeigt wird, wie in der Wechselzone der Lippenstift nachgezogen wird, disqualifiziert sich WECHSELZEITEN als ernstzunehmende Sportdokumentation fast vollkommen.

Weihermüllers Film ist nicht viel mehr als eine auf spielfilmlänge gestreckte Doku-Soap eines beliebigen Privatsenders. Schade drum.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

PRAXIS DR. HASENBEIN! (Deutschland 1997, Regie: Helge Schneider)

praxis dr, hasenbein!

(Fassung: DVD, Senator/EuroVideo, Deutschland)

Bei Filmen von und mit Helge Schneider kann es wohl wirklich nur zwei Meinungen geben. Auf der einen Seite die Fans, die bei Schneiders Albernheiten regelmäßig vor lauter Lachen in der Ecke liegen, auf der anderen Seite die Menschen, die mit dieser Art von Humor rein gar nichts anfangen können und schon bei Nennung des Namens panisch die Flucht ergreifen.

In PRAXIS DR. HASENBEIN! spielt Helge zur Vorkriegszeit den Arzt Dr. Angelika Hasenbein, hat in seiner Praxis ein eher beschauliches Leben, schaut ab und zu mal im Tabakwarenladen um die Ecke vorbei, beobachtet seinen Sohn Peterchen (Peter Berling) beim Ballspielen und überlegt sich, ob er die Einladung zum anstehenden Geburtstag der Waisenhausleiterin Tante Uschi (Andreas Kunze) annehmen soll oder nicht. Wer hier so etwas wie eine herkömmliche Geschichte mit einem klassischen Handlungs- bzw. Spannungsaufbau erwartet, wird logischerweise bitter enttäuscht werden. Ich selbst würde mich nun nicht unbedingt zu den begeisterten Helge-Fans zählen, wohl aber zu seinen Sympathisanten, die einen Film wie PRAXIS DR. HASENBEIN! mit einem dicken Grinsen im Gesicht ansehen und sich von der vorgetragenen Kunst der Infantilität verzaubern lassen. Ich mag diesen liebevollen Dilettantismus von Schneiders Filmen, diese Liebe zum Detail, die in ihnen steckt, diese wunderbar skurrilen Figuren, die sie bevölkern und diesen herrlich schrägen Humor, mit denen sie ausgestattet sind. PRAXIS DR. HASENBEIN! ist ein Film, der, wenn man sich auf ihn einlassen kann und will, sicher mit jeder Sichtung besser werden dürfte und in dem es wohl noch unzählige kleine Details zu entdecken gibt die einem bei der Erstsichtung verborgen geblieben sind. Ich habe ihn erst jetzt zum ersten Mal gesehen und mochte ihn wirklich sehr. Und jetzt geh ich mal in den nächsten Tabakwarenladen, rieche an den Zigarren, kaufe mir eine Moped 2000, einen Block und eine Überraschungstüte für den Herrn.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IL FALCO E LA COLOMBA (Italien 1981, Regie: Fabrizio Lori)

il falco e la colomba

(Fassung: DVD, FilmArt, Deutschland)

Fabio Testi spielt den jungen und aufstrebenden Politiker Michele Alemani, der nach einem Anschlag von einer mysteriösen Unbekannten (Lara Wendel) vor dem Verbluten gerettet wird. Alemani spürt seine Retterin, ein heroinabhängiges Model, auf, verliebt sich in sie, verlässt seine Frau und versucht diese Liebe gegen alle Widerstände durchzusetzen…

Regisseur Fabrizio Lori liefert mit seinem IL FALCO E LA COLOMBA einen späten Beitrag zum – vor allem in den 70er Jahren – ausgesprochen populären, gesellschaftskritischen Kino aus Italien ab. In seinem Drama um eine verpönte Liebschaft geht es letztendlich um politische Klüngeleien, den Kampf gegen verlogene Moralvorschriften und veraltete, gesellschaftliche Normen. Mich als Zuschauer hat Lori mit seinem Film jedoch nicht wirklich erreicht. IL FALCO E LA COLOMBA ist sicher nicht schlecht, wirkt aber über seine komplette Laufzeit einfach zu bemüht und auch zu konstruiert, um nachhaltig im Gedächtnis bleiben zu können.

Noch eine kurze Anmerkung zur deutschen DVD, denn die Tatsache, dass ich den Film in seiner deutschen Synchronfassung ansehen musste, war dem Filmgenuss auch nicht gerade zuträglich. So lobenswert die Arbeit kleiner Label wie FilmArt prinzipiell auch ist, wenn der italienische O-Ton vorhanden ist und auf dem Backcover Untertitel angegeben werden, dann sollten diese auch für den ganzen Film verfügbar sein und nicht nur für eine kurze Szene, die in der alten deutschen Fassung gefehlt hat und aus diesem Grund damals nicht mitsynchronisiert wurde.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE PRIZE (USA 1963, Regie: Mark Robson)

the prize

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Paul Newman spielt den dem Alkohol nicht gerade abgeneigten Schriftsteller Andrew Craig, der, obwohl nicht mehr sonderlich erfolgreich, den Literaturnobelpreis erhalten soll. Eher abgeneigt und in erster Linie wegen des Preisgeldes von 50.000 Dollar begibt er sich nach Stockholm zur Preisverleihung und gerät dort mitten hinein in einen Komplott rund um den Physiker Dr. Stratman (Edward G. Robinson), der ebenfalls mit einem Nobelpreis ausgezeichnet werden soll…

Ich habe THE PRIZE vor einer halben Ewigkeit mal im Fernsehen gesehen, damals als ausgesprochen gelungen empfunden und war nun lange Jahre auf der Suche nach diesem Film. Nun hab ich ihn dank der Warner Archive Collection aus den USA endlich in die Finger bekommen mich erneut – sicher auch mit einem Hauch nostalgischer Verklärung – von ihm verzaubern lassen können. Regisseur Mark Robson legt seinen Film als ebenso humorvolle wie wendungsreiche und spannende Murder-Mystery an und in seinen besten Momenten erinnert der Film – was Stimmung und Atmosphäre angeht – an die großen Klassiker der damaligen Zeit, an Filme wie bspw. Hitchcocks NORTH BY NORTHWEST (um nur mal einen zu nennen). THE PRIZE begeistert mit seiner unaufgeregten, federleichten Inszenierung, mit seiner tollen Besetzung und mit diesem unverwechselbaren Stil, der das klassische Hollywoodkino vor allem in den 50er und 60er Jahren auszeichnete. Paul Newman ist als ständig angetrunkener Schriftsteller – vor allem im Zusammenspiel mit der tollen Elke Sommer – schlicht grandios und Edward G. Robinson als undurchsichtiger Physiker einfach herrlich mysteriös. Als Zuschauer sitzt man gebannt vor dem Bildschirm, lässt sich immer wieder von den verschiedenen Wendungen überraschen, hofft und bangt mit den diversen Protagonisten und bekommt – nachdem der Film zu Ende ist – einfach nur riesengroße Lust, sich in der nächsten Zeit ein bisschen intensiver diesem klassischen Hollywoodkino zu widmen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 1 (USA 2011, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Irgendwann will man halt auch mal mitreden können. Ich glaube, dass in den letzten 10 Jahren keine einzige Serie so einen extremen Hype und so eine durchgehende Begeisterung bei den Zuschauern ausgelöst hat wie GAME OF THRONES. Nach Sichtung der ersten Staffel kann ich diese uneingeschränkte Hysterie um die Serie zwar nicht unbedingt teilen, aber schon ganz gut nachvollziehen. Denn auch wenn GAME OF THRONES zumindest in dieser ersten Staffel vielleicht (noch) nicht dieses höchstanspruchsvolle Serienkunstwerk ist, als was es gerne dargestellt wird, so muss man den Machern rund um David Benioff und D.B. Weiss, welche die zugrundeliegende Romanreihe des Schriftstellers George R.R. Martin in bewegte Bilder verwandelt haben, doch das große Kompliment machen, hier eine Serie erschaffen zu haben, die über einen immens hohen Unterhaltungswert verfügt und durchaus dazu geeignet ist, beim Zuschauer ein gewisses Suchtverhalten hervorzurufen. Auch ich habe nicht allzu lange gebraucht, um mir diese 10 Folgen der ersten Staffel anzusehen.

Benioff und Weiss konfrontieren ihr Publikum mit Schauwerten in Hülle und Fülle, GAME OF THRONES läuft vor Sex und Gewalt fast über und ist im Endeffekt Big-Budget-Exploitation in Reinform. Dass die Serie mit all ihren Schauwerten nicht irgendwann ermüdend wird und noch ein bisschen mehr zu bieten hat als Blut und Titten liegt insbesondere an der guten Figurenentwicklung und Charakterzeichnung der handelnden Personen (und das sind jede Menge), an den diversen Verbindungen, die diese miteinander haben und an der Tatsache, dass trotz der großen Anzahl von Pro- und Antagonisten jedem von diesen genügend Zeit und Raum eingeräumt wird um als Zuschauer entsprechende Sym- und Antipathien zu entwickeln. So bleibt GAME OF THRONES immer spannend, immer interessant, immer überraschend und immer außerordentlich unterhaltsam. Ich bin schon auf die noch folgenden Staffeln gespannt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SPECTRE (Großbritannien / USA 2015, Regie: Sam Mendes)

spectre

(Fassung: Blu-ray, MGM/20th Century Fox, Deutschland)

Um das nachfolgende Gemotze zu relativieren und das abschließende Bewertungsurteil zu erklären, möchte ich vorab anmerken, dass SPECTRE sicher ein guter Actionfilm geworden ist und sich die am Ende dieses Kurzeintrags stehende Bewertung auch einzig und allein auf diese Tatsache bezieht. Ob ihn das gleichzeitig auch zu einem guten Bondfilm macht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe da so meine Zweifel und die beginnen schon damit, dass man SPECTRE – noch mehr als seine beiden Vorgänger – nicht mehr als separaten Film betrachten kann. Ähnlich wie bei den ganzen Superheldenfilmen von Marvel und DC wurde bzw. wird mit den Craig-Bonds ein eigenes Universum aufgebaut, in der man zwingend alle Filme kennen muss, um dann auch wirklich irgendwann das große Ganze zu erkennen. Ich sehne mir die Zeiten zurück, in denen man sich einst vollkommen unbedarft als allerersten Bond bspw. GOLDFINGER ansehen konnte und es für das Verständnis nicht erforderlich gewesen ist, die Vorgänger bereits zu kennen. Ich habe mir – pflichtbewusst wie ich bin und weil mir bewusst gewesen ist, dass es für das Verständnis von SPECTRE hilfreich sein dürfte – vor SPECTRE auch noch mal die drei bisherigen Craig-Bonds angesehen, spare mir zu diesen Filmen aber neue Texte, da ich zu alten Filmforen-Zeiten bereits zu CASINO ROYALE hier, zu QUANTUM OF SOLACE hier und zu SKYFALL hier etwas geschrieben habe, möchte zu diesen Texten jedoch kurz anmerken, dass insbesondere SKYFALL die Zweitsichtung nicht sonderlich gut überstanden hat und die Euphorie, die aus meinem alten Text vielleicht noch herauszulesen ist, einer gewissen Ernüchterung weichen musste.

Nun aber zu SPECTRE, dem vierten und hoffentlich letzten Craig-Bond, der die mit CASINO ROYALE angefangene Geschichte zu einem zumindest zufriedenstellenden Abschluss bringt. Was man dem Film unbedingt zugutehalten muss, sind seine wirklich famosen Actionsequenzen, die – auch was das Sounddesign angeht – perfekt choreographiert und über weite Strecken nicht weniger als atemberaubend sind. Toll auch wieder Ben Whishaw als Q, erfreulich auch wieder die Tatsache, dass durch kleine Reminiszenzen an alte Filme der Bondreihe – insbesondere aus der Connery-Ära – in manchen Momenten des Films tatsächlich so etwas wie echtes Bondfeeling aufkommen konnte. In diesen Szenen offenbart sich aber auch wieder einmal die ganz große Schwäche der Bondfilme mit Daniel Craig, und die ist – das ist nach Sichtung aller vier Filme hintereinander einfach meine Meinung – der Hauptdarsteller bzw. die Art, wie Bond hier angelegt ist. Denn in diesen Szenen, in denen der Geist der klassischen Filme beschworen wird, wirkt Craig einfach nur bemüht, unbeholfen und unglaubwürdig, diese Szenen passen nicht zu diesem modernen James Bond und hier offenbart sich letztendlich auch das Dilemma, in dem die Macher mittlerweile zu stecken scheinen. Sie haben Bond neu erfunden, können und wollen sich aber dennoch nicht von der Vergangenheit trennen, da sie erkannt haben, dass dieser neue Bond nicht mehr zur über Jahrzehnte etablierten “Marke Bond“ passt und auch irgendeinen anderen Namen tragen könnte. Dann wird in aller Verzweiflung auf Altbewährtes gesetzt, die titelgebende Organisation wird wieder ausgegraben und auch Blofeld wird als Bonds Gegenspieler reaktiviert. Und mit dessen Besetzung haben sie dem Film wahrlich keinen Gefallen getan. An dieser Stelle könnte man jetzt darüber motzen, dass Bonds Gegenspieler viel zu wenig Screentime abbekommen hat, aufgrund der Tatsache, dass Blofeld von Christoph Waltz gespielt wird, kann man dafür nur dankbar sein. Waltz agiert mal wieder auf Autopilot, kopiert zum gefühlten tausendsten Mal seine Hans-Landa-Rolle (die natürlich einzig und allein in INGLOURIOUS BASTERDS großartig gewesen ist) und darf sich somit rühmen, der wohl mit Abstand schlechteste aller Bond-Bösewichte gewesen zu sein. Was Waltz hier abliefert ist in meinen Augen nur noch traurig und gruselig.

Ich könnte mich jetzt noch darüber ereifern, dass man die tolle Monica Bellucci in diesem Film hier komplett verheizt hat, lasse das aber einfach sein und versuche SPECTRE vielleicht einfach nur noch als Actionfilm und nicht mehr als Bondfilm zu sehen. Als Actionfilm ist er nämlich durchaus zu gebrauchen und auch sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CREED (USA 2015, Regie: Ryan Coogler)

creed

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Als ich mir im Sommer letzten Jahres mal wieder die Rocky-Filme angesehen habe, hatte ich nach dem tollen ROCKY BALBOA, der die Reihe eigentlich zu einem mehr als würdigen Abschluss brachte, durchaus Bedenken, ob CREED, der als weiterer Film bereits in den Startlöchern stand, tatsächlich funktionieren könne. Nach der jetzigen Sichtung von CREED bleibt mir im Endeffekt gar nicht viel mehr als zu sagen, dass diese Bedenken komplett unbegründet gewesen sind. CREED ist einfach großartig und hat mir mindestens genauso gut gefallen wie der unmittelbare Vorgänger ROCKY BALBOA.

In CREED lässt sich Sylvester Stallone als alternder Rocky dazu überreden, Adonis Johnson (Michael B. Jordan) – einen talentierten Nachwuchsboxer und auch gleichzeitig unehelichen Sohn seines alten Freundes und Konkurrenten Apollo Creed – zu trainieren und auf einen Titelkampf gegen den scheinbar unbezwingbaren Pretty Ricky Conlan (Tony Bellew) vorzubereiten. Ich bin mir sicher, dass wirklich alle Fans der Rocky-Reihe hier voll auf ihre Kosten kommen werden. Man merkt CREED in fast jeder Sekunde an, dass dieser Film mit sehr viel Liebe zu und Respekt vor den alten Filmen inszeniert worden ist. CREED ist zutiefst berührend, setzt sich direkt im Herz fest und hat mir in nicht wenigen Szenen die eine oder andere Träne in die Augen getrieben. Und dass die Boxkämpfe einfach nur packend und mitreißend inszeniert sind, muss ich wohl erst gar nicht groß erwähnen. Sylvester Stallone ist in dieser Rolle seines Lebens wirklich umwerfend gut und wenn man sich Michael B. Jordan als Adonis Johnson so ansieht, kann man die unzufriedenen Stimmen der schwarzen Schauspieler und Filmemacher anlässlich der letzten Oscar-Nominierungen jetzt noch mehr verstehen als zuvor. Jordan ist schlicht großartig in dieser Rolle und die Tatsache, dass er für diese Leistung nicht mal eine Oscar-Nominierung erhalten hat ist eine regelrechte Frechheit und nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Oscars nun schon seit einigen Jahren keinerlei Gütesiegel für die Qualität eines Films mehr darstellen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

The Remains of April

PADDINGTON (Frankreich / Großbritannien 2014, Regie: Paul King)

paddington

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Basierend auf einer Kinderbuchserie des britischen Autoren Michael Bond – der bereits in den 70er, 80er und 90er Jahren als Vorlage diverser Animations-TV-Serien diente – erzählt PADDINGTON die Geschichte eines kleinen, sprechenden Bären, der aus dem Dschungel Perus nach London kommt und dort eine Bleibe sucht. Glücklicherweise wird er bereits kurz nach seiner Ankunft am Bahnhof Paddington von Henry Brown (Hugh Bonneville) und seiner Familie aufgegriffen, die ihm eine vorübergehende Unterkunft zur Verfügung stellen. Schon schnell wird das Leben der Browns von Paddington, dem der Schauspieler Ben Whishaw seine Stimme leiht, ziemlich auf den Kopf gestellt…

Regisseur Paul King hat mit PADDINGTON tatsächlich einen Kinder- bzw. Familienfilm gedreht, bei dem die abgedroschene “Unterhaltung für die ganze Familie“-Floskel passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Solch durch und durch harmlose Geschichten wie die des kleinen Bären hier neigen ja oft dazu, das kindliche Zielpublikum zwar in ihren Bann zu ziehen, erwachsene Zuschauer, die sich das mit anschauen müssen, aber maßlos zu langweilen. Durch die Figur der fiesen Millicent, die von einer bestens aufgelegten Nicole Kidman herrlich gemein interpretiert wird, kommt in PADDINGTON Leben in die Bude, wobei es King schafft, seinen weiblichen Bösewicht so zu inszenieren, dass Kinder von ihm wohl keine Albträume bekommen dürften. Die Balance zwischen spannenden, dramatischen und lustigen Momenten – allein die Badezimmerszene ist zum Schreien komisch – ist Regisseur King ganz vorzüglich gelungen und so bietet PADDINGTON – und nun komme ich zu einer Variation  der obigen Floskel zurück – über die komplette Laufzeit ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung für Jung und Alt.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

DAWN OF THE PLANET OF THE APES (USA 2014, Regie: Matt Reeves)

dawn of the planet of the apes

(Fassung: Blu-ray 3D, 20th Century Fox, Deutschland)

 Die Vorgeschichte zum Sci-Fi-Klassiker PLANET OF THE APES, die Regisseur Rupert Wyatt mit RISE OF THE PLANET OF THE APES im Jahr 2011 bereits auf ausgesprochen sehenswerte Weise begonnen hat zu erzählen, wird von Regisseur Matt Reeves in dem drei Jahre später entstandenen DAWN OF THE PLANET OF THE APES nun fortgesetzt, jedoch ohne dabei qualitativ an den unmittelbaren Vorgänger heranzukommen.

Die vom Schimpansen Caesar (Andy Serkis) angeführten Affen haben sich in den Wäldern nun schon vor einigen Jahren eine Siedlung errichtet und kommen praktisch nicht mehr mit Menschen in Kontakt. Viel mehr gehen sie davon aus, dass die Menschheit das im Vorgänger freigesetzte Virus nicht überlebt hat. Weit gefehlt, im zerstörten San Francisco gibt es nicht wenige Überlebende und die sind dringend auf eine funktionierende Energieversorgung angewiesen. Hilfreich könnten dabei die Arbeiten an einem Staudamm sein, der sich jedoch unmittelbar in der Nähe der Affensiedlung befindet…

Das Problem von RISE OF THE PLANET OF THE APES ist, dass man diese Geschichte, die hier erzählt wird, auf die eine oder andere Weise schon unzählige Male gesehen hat. Wegen des Staudamms kommt es zu Konflikten, beiderseitiges Misstrauen schürt Hass und Kriegstreiber auf beiden Seiten versuchen, diese Situation für sich auszunutzen. RISE OF THE PLANET OF THE APES reiht Klischee an Klischee und wäre wirklich weit davon entfernt, als guter oder empfehlenswerter Film bezeichnet werden zu können, wenn er in visueller Hinsicht nicht wirklich alles richtig machen würde. Regisseur Reeves und seine Effekte-Crew ziehen hier wirklich alle Register ihres Könnens und man muss einfach neidlos anerkennen, dass RISE OF THE PLANET OF THE APES einfach phantastisch – streckenweise sogar atemberaubend – gut aussieht und man als Zuschauer ob der gebotenen Schauwerte während der Sichtung gar keine Zeit daran verschwenden mag, sich über den Inhalt des Gezeigten großartige Gedanken zu machen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PLANET OF THE APES (USA 1968, Regie: Franklin J. Schaffner)

planet of the apes

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Nach der Sichtung von DAWN OF THE PLANET OF THE APES am Abend zuvor verspürte ich große Lust, mir Schaffners Original aus dem Jahr 1968 nach vielen, vielen Jahren – zuletzt dürfte ich den Film als Jugendlicher im Fernsehen gesehen haben – mal wieder anzusehen. Diese letzte Einstellung, mit der Freiheitsstatue im Sand, hat sich natürlich für alle Zeiten ins Gehirn und in die Netzhaut eingebrannt. Das Ende von PLANET OF THE APES gehört zur Allgemeinbildung innerhalb der Pop-Kultur, selbst Leute, die den Film nie gesehen haben, dürften wissen, dass sich der von Charlton Heston gespielte Astronaut nach seinem Raum-Zeit-Sprung nicht etwa auf einem fremden Planeten, sondern tatsächlich auf der Erde befindet. Was für ein filmisches Glück wäre es, wenn man Filme wie diesen hier, komplett ohne Vorwissen, zum ersten Mal ansehen und sich vom Twist am Ende genauso überraschen lassen könnte wie das damalige Premierenpublikum. Es spricht natürlich für Schaffners Film, dass er auch mit Kenntnis dieses Twists und knapp 50 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch hervorragend funktioniert.

PLANET OF THE APES ist eine der ganz großen Dystopien der Filmgeschichte, herausgekommen in einer Zeit, in der das Kino – gerade im Bereich des Sci-Fi-Films – immer wieder die Finger in die diversen Wunden der Menschheit gelegt hat und die Zuschauer auf mitunter drastische Art und Weise zum Umdenken bringen wollte. So drastisch, so intelligent, so spannend und so ungemein unterhaltsam wie hier wurde den Zuschauern jedoch nur selten der Spiegel vorgehalten und die Botschaft die hinter PLANET OF THE APES steckt, die Religions- und Ideologiekritik, die Schaffner – bzw. Romanautor Pierre Boulle als Vorlagengeber – dem Zuschauer hier auftischt, hat leider bis zum heutigen Tage nichts an ihrer Aktualität verloren.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 2 (USA 2014, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Nachdem es der ebenso charismatische wie intrigante Kongressabgeordnete Francis Underwood (Kevin Spacey) zum Ende der ersten Staffel als Vizepräsident ins Weiße Haus geschafft hat, versucht er nun in der zweiten Staffel mit seinen Intrigen den Präsidenten zu stürzen…

Qualitativ steht diese zweite Season der Auftaktstaffel in so gut wie nichts nach. Die 13 Episoden umspannende Geschichte rund um den unwiderstehlichen Unsympathen lebt erneut von der glaubwürdigen Figurenzeichnung, der packenden Entwicklung des Plots und der erstklassigen Besetzung, der es spielerisch gelingt, diese ganzen, eigentlich unfassbaren Wendungen, welche die Geschichte so hervorbringt, als das realistischste und normalste der Welt erscheinen zu lassen.

Das einzige Problem dieser zweiten Season macht sich die Serie selbst, und zwar mit der Auftaktepisode. Die ist – was das Überschlagen von Ereignissen angeht – einfach so unfassbar und legt, insbesondere in Sachen Spannung, die qualitative Messlatte so extrem hoch, dass es den folgenden 12 Episoden eigentlich nie gelingt, diese erste Folge in irgendeiner Weise noch zu übertreffen. Aber das ist jetzt Jammer auf extrem hohem Niveau.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

JURASSIC WORLD (USA 2015, Regie: Colin Trevorrow)jurassic world

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

 Nach dem eher vergessenswerten JURASSIC PARK III dauerte es ganze 14 Jahre bis die von Steven Spielberg einst so erfolgreich gestartete Reihe wiederbelebt wurde. In JURASSIC WORLD wird der Zuschauer nun mit einem voll funktionsfähigen und von Tausenden zahlenden Besuchern bevölkerten Dino-Park konfrontiert, in dem ein genetisch verändertes und extrem aggressives Exemplar außer Kontrolle gerät. Und der von Steven Spielberg als ausführender Produzent betreute Film funktioniert tatsächlich richtig gut.

Regisseur Colin Trevorrow hat aus den Fehlern, die Joe Johnston beim Vorgänger unterlaufen sind, ganz offensichtlich seine Lehren gezogen und mit JURASSIC WORLD einen Film abgeliefert, der ganz eindeutig den Geist des Originals ausstrahlt und qualitativ in meinen Augen nicht sonderlich weit von diesem entfernt ist. Wie einst Spielberg in JURASSIC PARK konzentriert sich auch Trevorrow in JURASSIC WORLD in erster Linie auf seine handelnden Personen, ist darum bemüht, seine Charaktere zu entwickeln und lässt diese – nachdem dies geschehen ist – sodann in die brenzlige Situation geraten, um die sich der Film letztendlich dreht. JURASSIC WORLD zehrt vor allem von der Chemie, die sich zwischen den beiden Hauptdarstellern Chris Pratt und Bryce Dallas Howard langsam entwickelt und davon, dass Trevorrow diese so wichtige Balance zwischen ruhigen und spektakulären Momenten ganz vorzüglich gelungen ist. Die Action-Sequenzen sind auf der einen Seite so choreographiert und wohldosiert eingesetzt, dass man als Zuschauer nicht mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hat, bieten auf der anderen Seite aber auch so viel Spektakel und Schauwerte, dass man auch als Erwachsener immer wieder mit großen, staunenden (Kinder-)Augen das Geschehen auf dem heimischen TV verfolgt. Eine Fortsetzung bzw. ein Reboot, welches dem Original wirklich zur Ehre gereicht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

PROMETHEUS (Großbritannien / USA 2012, Regie: Ridley Scott)

prometheus

(Fassung: Blu-ray 3D, 20th Century Fox, Deutschland)

Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, u.a. begeben sich in PROMETHEUS Ende des 21. Jahrhunderts auf eine Reise in die Tiefen des Weltalls um dort auf einem fernen Planeten Antworten auf die ewige Frage nach der Entstehung der Menschheit zu suchen und – so hoffen natürlich alle Beteiligten – wenn möglich auch zu finden…
Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, sind die Kritiker damals nicht ganz so wohlwollend mit Scotts PROMETHEUS umgegangen. Obwohl Scott immer betont hatte, das PROMETHEUS lediglich im selben Universum wie die ALIEN-Filme spiele, deswegen aber nicht als direktes Prequel zu verstehen sei, dürften viele vielleicht doch enttäuscht gewesen sein, dass in PROMETHEUS (fast) keine Aliens vorkommen. Anders kann ich mir die durchwachsenen Stimmen zu Scotts Film ehrlich gesagt nicht erklären. Oder vielleicht war auch meine Erwartungshaltung aufgrund dieser Stimmen so niedrig, dass mich PROMETHEUS tatsächlich ohne jegliche Probleme für sich gewinnen konnte. Denn ich muss sagen, was Scott dem Zuschauer hier bietet, ist richtig gutes Science-Fiction-Kino. Vom Start weg hat mich insbesondere diese ganz vorzügliche Mystery-Atmosphäre begeistern können, die Scott aufbaut, die immer dichter wird und die im Zusammenspiel mit diesem philosophischen Unterbau der Handlung für nicht wenige Gänsehautmomente sorgt. Dazu gesellen sich dann noch diese wundervollen, auf Designs von H.R. Giger beruhenden Settings, eine sich stetig steigernde Spannung, der eine oder andere Schock-Effekt und eine tolle Besetzung und fertig ist ein Science-Fiction-Film, der weitaus besser ist als sein Ruf und von dem man sich – sofern man sich vorbehaltlos auf ihn einlässt – in meinen Augen nur begeistern lassen kann.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

BOLT (USA 2008, Regie: Byron Howard / Chris Williams)

bolt

(Fassung: Blu-ray 3D, Disney, Deutschland)

Gemeinsam mit seinem Frauchen Penny (Miley Cyrus) erlebt der kleine Hund Bolt (John Travolta) die tollsten Abenteuer und rettet diese aufgrund seiner Superkräfte immer wieder aus größter Gefahr. Als eine Rettungsaktion jedoch nicht gelingt und Penny den Bösen in die Finger fällt, bricht Bolt aus seiner Behausung aus und versucht auf eigene Faust, Penny aus den Klauen der Bösewichter zu befreien. Was Bolt dabei jedoch nicht weiß, ist, dass für Penny keinerlei Gefahr droht, er in Wirklichkeit ein Schauspielhund ist, in einer Action-TV-Serie mitwirkt und nicht wirklich über Superkräfte verfügt. So muss er sich außerhalb des ihm bekannten TV-Sets plötzlich ohne große Fähigkeiten in der Realität behaupten…

Die Ausgangssituation von BOLT stellt so etwas wie die Disney-Variante von Weirs THE TRUMAN SHOW dar, in der Jim Carrey als Truman Burbank einst feststellen musste, dass sein ganzes Leben nur Teil einer Fernsehsendung ist und die wahre Welt da draußen ganz anders aussieht. So ergeht es auch dem von John Travolta gesprochenen Hund Bolt, der sich auf einen wilden Road Trip begibt, um sein geliebtes Frauchen Penny zu retten. Wie es für Road Movies üblich ist, ist auch hier der Weg das Ziel und wie es für Disney-Filme üblich ist, gibt es für das junge Zielpublikum dann auch noch eine ebenso positive wie einfach gestrickte Botschaft mit auf den Weg. Den Trip, den Bolt unternimmt, haben die beiden Regisseure Byron Howard und Chris Williams ausgesprochen spannend, lustig, actionreich und spektakulär in Szene gesetzt und so ist BOLT ein Film, der definitiv auch erwachsene Freunde von Animationsfilmen ansprechen dürfte. Schon die Auftaktsequenz, in der der Zuschauer, der sich nicht vorher über den Plot des Films informiert hat, selbst nicht weiß, dass er es hier mit einer Film-im-Film-Szene zu tun hat, ist in ihrer Dynamik, in ihrem visuellen Einfallsreichtum und in ihrer Rasanz ziemlich atemberaubend geraten und dieses erste Highlight soll im weiteren Verlauf des Films nicht das einzige bleiben. BOLT macht richtig viel Spaß und präsentiert neben gelungener Animations-Action auch so einige, irrsinnig komische Sequenzen, wobei für die Gags insbesondere die beiden Sidekicks von Bolt, die dieser während seines Trips kennenlernt und die ihn schließlich auf seiner Suche begleiten und sich mit ihm anfreunden, eine Katze und ein dicklicher, sich mit einer durchsichtigen Plastikkugel fortbewegender Hamster, verantwortlich zeichnen. Und wenn die Macher dann auch noch den für Disney so typischen Kitschfaktor im Finale des Films etwas minimiert hätten, man könnte für BOLT wirklich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE DROP (USA 2014, Regie: Michaël R. Roskam)

the drop

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Barkeeper Bob (Tom Hardy) arbeitet in einer Bar seines Cousins Marv (James Gandolfini) in New York, die dem organisierten Verbrechen als vorübergehender Lagerort von dreckigem Geld dient. Als die Bar eines Tages überfallen wird, bekommen Bob und Marv ein Problem…

THE DROP ist ein erfreulich ruhig erzählter Gangsterfilm, der in seiner unaufgeregten Art an das Genrekino der 70er Jahre erinnert. Als Zuschauer kann man sich von der Stimmung und Atmosphäre, die THE DROP ausstrahlt wunderbar treiben lassen und dabei tief in die verschiedenen Handlungsstränge, die Roskam miteinander verbindet – neben der Sache mit dem Überfall geht es für Bob auch noch um eine sich anbahnende Romanze, einen kleinen Hund und einen psychopathischen Stalker – eintauchen, nur um immer wieder durch heftige Spannungs- und Gewalteruptionen ausgesprochen unsanft geweckt zu werden.

Tom Hardy und Noomi Rapace, die als Hardys Love Interest zu sehen ist, spielen schlicht großartig und der tolle James Gandolfini, der im Juni 2013 verstarb, hinterlässt mit dem erst nach seinem Tod veröffentlichten THE DROP ein mehr als sehenswertes Vermächtnis. Ein ganz wunderbarer, kleiner Film, der an dieser Stelle wärmstens weiterempfohlen werden soll.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SEASON OF THE WITCH (USA 2011, Regie: Dominic Sena)

season of the witch

(Fassung: Blu-ray, Universum Film, Deutschland)

Angefixt von dem vor kurzem gesehenen GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE landete mit SEASON OF THE WITCH gleich der nächste Film mit Nicolas Cage in der Hauptrolle im heimischen Blu-ray-Player. Ich hätte es einfach sein lassen sollen.

Nicolas Cage und Ron Perlman spielen zwei vom ewigen Schlachtengetümmel müde Tempelritter, denen wegen Untreue ein Leben im Kerker droht und die sich mit einer letzten Mission der diversen Anklagepunkte, die gegen sie erhoben werden, entledigen und ein Leben in Freiheit leben können. Im tiefsten Mittelalter wütet die Pest durch das Land und die beiden Protagonisten sollen eine junge Frau, die der Hexerei verdächtigt und für die Seuche verantwortlich gemacht wird, von A nach B bringen, damit dieser dort ein fairer Prozess gemacht werden kann. Eine enorm eintönige und unbeholfene Reise durch seltsame Settings und gesäumt von miesen CGI-Effekten nimmt ihren Lauf…

SEASON OF THE WITCH ist ein Paradebeispiel für einen Film, den nicht mal mehr seine unfreiwillige Komik und das unfassbare Overacting von Nicolas Cage retten kann. Es ist nun wirklich nicht meine Art, mich über Filme lustig zu machen, aber was Regisseur Dominic Sena dem Zuschauer hier auftischt, hätte es tatsächlich verdient, auf dem nächsten Marktplatz ausgestellt und ausgelacht zu werden. Es ist ja nicht so, dass SEASON OF THE WITCH nicht auch seine Momente hätte, diese generieren sich jedoch in erster Linie aus zumeist unfreiwilliger Komik. Zum Beispiel aus dem zwischen Cage und Perlman den ganz Film über stattfindenden Wettkampf im doof dreinschauen (aus dem jedoch kein Sieger hervorgeht), aus der interessanten Wischmoppfrisur, die Cage am Anfang des Films auf seinem Kopf spazieren trägt, aus der unglaublichen Maske, die man dem armen Christopher Lee verpasst hat, der als an der Pest erkrankter Kardinal in einem Bett liegt und aussieht, als hätte man ihm eine verfaulte Kartoffel auf die Stirn geklebt, aus diesen unzähligen, tollen Dialogzeilen der Marke “We believe what we want to believe.“, “Honor is not a thing to be dismissed or forgotten.“ oder auch “We’re going to need more holy water.“, die allesamt mit einer Inbrunst vorgetragen werden, als gäbe es kein Morgen mehr, und natürlich aus dieser schier unübersichtlichen Anzahl von Sequenzen purer Suspense, wie bspw. der, in der Nicolas Cage mit seinem Pferd über eine wacklige Holzbrücke schreitet. SEASON OF THE WITCH ist ganz großes Kino, die Schauspieltruppe des Laientheaters in Rheda-Wiedenbrück hätte es nicht viel besser hinbekommen. Schon besser, aber nicht viel besser.

Bewertung: Mies (mit ein paar netten Momenten)! – 3/10

 

 

CLICK (USA 2006, Regie: Frank Coraci)

click

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Adam Sandler spielt den ständig gestressten Michael Newman, der sich abrackert um in seiner Firma als Partner anerkannt zu werden und dabei leider seine Familie viel zu sehr vernachlässigt. Als er eines Tages von dem mysteriösen Morty (Christopher Walken) eine magische Fernbedienung geschenkt bekommt, mit der er sein eigenes Leben kontrollieren kann, scheinen alle Probleme gelöst zu sein. Doch mit dem übermäßigen Einsatz der Fernbedienung kommt es für Michael erst richtig dicke…

CLICK reiht sich ganz wunderbar in die bisher noch recht übersichtliche Filmographie von Regisseur Frank Coraci ein, der vor diesem bereits mit Sandler bei THE WEDDING SINGER und THE WATERBOY zusammengearbeitet hatte und nach CLICK u.a. die beiden Kevin-James-Komödien HERE COMES THE BOOM und ZOOKEEPER sowie BLENDED (wieder mit Adam Sandler in der Hauptrolle) drehen sollte. Allesamt Filme, die ungemein liebenswürdig sind und in ihrer kompletten Harmlosigkeit einfach nur verdammt sympathisch rüberkommen. Auch CLICK erlaubt sich – bis auf ein paar herrliche Szenen mit gemäßigterem Gross-Out-Humor – praktisch keinerlei Ausbrüche, die dazu führen könnten, dass man diesem Film irgendeine böswillige Agenda unterstellen könnte. Was ihn aber – insbesondere von den anderen Sandler-Filmen Coracis doch unterscheidet – ist die Tatsache, dass dieser Film hier, wohl wegen seines phantastischen Plots, weniger eingängig wirkt als seine Gesinnungsgenossen. Mitunter schleichen sich in CLICK doch einige Längen ein, nicht alle Gags wollen zünden und stellenweise fand ich die Konsequenzen, die Sandler wegen der Fernbedienung ertragen muss, doch arg konstruiert und “unglaubwürdig“ (wenn man dieses letzte Wort vor dem Hintergrund der phantastischen Handlung des Films so benutzen darf). Toll war dagegen dieser doppelte Twist am Ende, da er das so Offensichtliche doch wieder ins Gegenteil verkehrt hat.

Für Freunde von Adam Sandler dürfte auch dieser nicht ganz so gute Film definitiv einen Blick wert sein, wer mit Sandler eh nix anfangen kann, sollte vielleicht gerade von diesem Film erst recht die Finger lassen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE WEDDING RINGER (USA 2015, Regie: Jeremy Garelick)

the wedding ringer

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Der gutmütige Doug Harris (Josh Gad) kann es noch immer nicht fassen, dass die ausgesprochen attraktive Gretchen (Kaley Cuoco) auf seinen Heiratsantrag mit Ja geantwortet hat. Doug ist ein absoluter Durchschnittstyp, hat keine Freunde und nun panische Angst, an seiner bald stattfindenden Hochzeit ohne Trauzeugen dastehen zu müssen. Damit dies nicht passiert, heuert er Jimmy Callahan (Kevin Hart) an, der sich als sein Trauzeuge ausgeben soll. Doch schon bald gerät die Lügengeschichte außer Kontrolle…

Ab in den Berieselungsmodus. THE WEDDING RINGER ist eine dieser mittlerweile schier unzähligen Komödien aus den USA, die irgendwie immer nach demselben Muster abzulaufen scheinen, bei denen einem während der Sichtung zu jeder Sekunde bewusst ist, dass das, was man sich gerade reinzieht, nicht sonderlich viel mit Qualitätskino zu tun hat sondern ausschließlich zum kurzweiligen Zeitvertreib geeignet ist. Allein die Ausgangssituation von THE WEDDING RINGER ist hanebüchener Blödsinn, der komplette Handlungsverlauf unglaubwürdig bis zum geht nicht mehr und die moralische Botschaft am Ende – Filme wie dieser benötigen neben dem ganzen Unfug, den sie präsentieren und der üblichen Portion Gross-Out-Humor (das Stichwort für diesen Film lautet Junggesellenabschied) natürlich auch immer eine moralische Botschaft – wirkt aufgesetzt und wie mit dem Holzhammer vorgetragen.

Warum mich persönlich Filme wie dieser hier immer wieder magisch anzuziehen scheinen kann ich mir mittlerweile selbst nicht mehr erklären. Am Ende des Tages ist es manchmal wahrscheinlich einfach nur angenehm, sich mit niveauloser Unterhaltung berieseln zu lassen. Ich mochte Garelicks Film trotz all seiner Schwächen die man ihm sicherlich vorwerfen könnte.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10