Was verbindet Videogames und Musiktheater? Spielwelten in digitalen Spielen unterscheiden sich grundlegend von anderen traditionellen fiktiven Welten, wie sie in Film, Theater oder Literatur erscheinen. Sie sind räumliche Repräsentationen von Handlungs- und Aufführungsorten, die für die Spielerfahrung des Spielers und der Spielerin entworfen wurden und sich zwischen Fiktion, Handlungsrahmen und Spielsystem befinden. Digitale Spielwelten sind keine blossen Kopien der Realität, sondern haben ihre eigenen Regeln, die sie als solche definieren.
Spätestens seit der COVID-19-Pandemie sind Digitalitätsdebatten für die Bereiche der performativen Künste in aller Munde und nicht selten werden grosse Hoffnungen darauf gesetzt, dass Neue Medien und Digitalität neue Publika in Opernhäuser locken und insbesondere auch das elitäre und antiquierte Image aufbessern könnten. Damit wird Digitalität als eine Lösungsstrategie in aktuellen Krisendiskurs europäischer Theater und Musiktheater verhandelt. Eine der grössten ästhetischen Herausforderungen von digitalen Formaten scheint jedoch das Bedürfnis des Publikums von performativen Aufführungen nach der von Philip Auslander beschriebenen «Liveness» darzustellen.
Ob in Pong (1972), Fallout 3 (2008), Grand Theft Auto V (2013) oder in Schönbergs Erwartung (1924) als VR-Spiel (2024), in der Interaktion zwischen digitalem Erfahrungsraum und Spieler:in spielen Musik, Sound, Performanz und Aufführungsästhetik zentrale Rollen. Wir diskutieren sowohl digitale Spiele, als auch aktuelle Musiktheateraufführungen, die sich technisch und ästhetisch an Video-Games orientieren und fragen bei letzteren: Wie verändert sich der Aufführungsort und die Erfahrung einer Oper in der virtuellen Welt?
Der Kurs “Video Games MEET Musiktheater” dient einerseits als eine Einführung in die Ludomusikologie und Game Sound Studies, und wagt andererseits eine transdisziplinäre Annäherung an digitale und immersive Welten aus zwei Perspektiven: der Sicht der Game Studies und der Musiktheaterwissenschaft. Das Blog begleitet und ergänzt das Seminar. Die Studierenden werden als Leistungsnachweis Texte (Zusammenfassungen, Kommentare und Gedanken) verfassen, die auf dem Blog publiziert werden und das Seminar nachbereiten.