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Freitag, 27. März 2026

Der letzte Verrat der Boleyns - Philippa Gregory

Mord, Intrigen und Machtspiele am Tudor-Hof 

Im Harper Collins Verlag erscheint der historische Roman Der letzte Verrat der Boleyns von Philippa Gregory.

Philippa Gregory entführt ihre Leser an den Hof von Heinrich VIII., wo wir Intrigen, brutale Hinrichtungen und politische Ränkespiele erleben. Die Vorgänge erfahren wir von Jane Boleyn, geborene Jane Parker, die als Schwägerin von Anne Boleyn und Cousine von Catherine Howard ihnen als Hofdame diente. Beide Frauen waren Ehefrauen von Heinrich VIII. und wurden hingerichtet.

 


Als Hofdame und Vertraute der Königin war Jane nahe dran an den neuesten Informationen und das Geschehen bei Hofe. Sie war loyal und doch zwiegespalten, schliesslich erlebte sie die Machtkämpfe aus nächster Nähe mit und war unweigerlich im Ränkespiel aus Intrigen und Verrat gefangen. Im Roman spielt sie eine entscheidende Rolle, in der ihre Aussagen zwei Königinnen fallen lassen. Denn auch sie war den Erwartungen bei Hofe unterworfen und musste sich jedes Wort überlegen, das ihr persönliches Überleben sicherte. Wer dem König gegenüber in Ungnade fiel, verlor sein Leben. Heinrich VIII. war ein selbstsüchtiger Tyrann, der zahlreiche unschuldige Menschen auf dem Gewissen hat. 

Der gesamte Roman ist durchdrungen von der gefährlichen Atmosphäre am Tudorhof. Wir erleben rauschende Feste mit üppigen Banketts, versteckte Liebschaften,  geschickt eingefädelte politische Allianzen und einen König, der mit dem Altern nicht klarkommt, in seiner widerwärtigen Art über Leben und Tod entscheidet und keine Gnade kennt. 

Die Figuren bekommen kaum ein erkennbares Gesicht, ihr Innenleben wird nicht offen durchleuchtet, aber in den Dialogen und im Verhalten sichtbar. Es geht um Geltungssucht, Ehrgeiz und die Dekadenz des Adels. Beim Lesen kann man sich ein eigenes Bild machen von der Zeit, in der Loyalität zum König gefordert wurde, obwohl man ihn wegen seiner Brutalität eher abgelehnt hat. Wer dem König diente brauchte viel Ehrgeiz und Intelligenz, um die gefährliche Nähe zur Macht zu überleben.

"Der letzte Verrat der Boleyns" ist ein packender Roman über die Tudor-Zeit und die Intrigen am Hofe.  

***Herzlichen Dank an den Harper Collins Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


  

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Rabenthron - Rebecca Gablé

Solider Roman, aber leider nicht so fesselnd wie erhofft!

Der historische Roman "Rabenthron" von Rebecca Gablé erscheint im Lübbe Verlag, es ist der dritte Teil der Helmsby Reihe und spielt zeitlich vor "Das zweite Königreich". 
 
London liegt in Trümmern, König Ethelred konnte sein Reich nicht gegen die Angriffe der Wikinger schützen. Ælfric of Helmsby hat seinen kleinen Sohn an seiner Seite und reist gegen den Willen seines Onkels mit dem dänischen Gefangenen Hakon an den englischen Königshof. Ælfric wird ein Unterstützer der englischen Königin Emma, die alles tut, was in ihrer Macht liegt, um die politischen Geschicke Englands in friedliche Bahnen zu lenken. 
 


 
  
Rebecca Gablé entführt ihre Leser in ein Kapitel der englischen Geschichte zwischen 1013 und 1041 als England sich im Krieg mit Dänemark befand. Sie erzählt die Geschichte von Ælfric of Helmsby und Königin Emma, wechselt Jahre später zu Pendra, Ælfrics Sohn. Dabei wechseln die Schauplätze zwischen England und der Normandie und der Kampf um die britische Krone wird mit brutalen, kriegerischen Handlungen, Intrigen und Ränkeschmieden geführt. Die verschiedenen Sichtweisen und Absichten werden sichtbar gemacht und so erlebt man die Figuren in einem steten Kampfgetümmel oder bei ihren Gelagen und anderen Vorhaben. Dadurch ergibt sich ein guter Überblick über die einzelnen Geschehnisse vor dem authentischen recherchierten historischen Hintergrund. 
 
Der Schreibstil ist lebendig, die Dialoge passend zur Zeit mit rüdem Tonfall und die männlichen Charaktere werden häufig übergriffig, was ebenfalls gang und gäbe waren. 
 
Wie gewohnt kommen in der Geschichte zahlreiche Charaktere vor, man muss sich schon ein wenig einlesen, um alle Personen gut einordnen zu können. Das beigefügte Personenregister ist da sehr hilfreich. Mich persönlich hat Pendras Entwicklung vom kleinen Jungen zum erwachsenen Mann besonders interessiert. Gut gezeichnet fand ich auch die intelligene Emma  mit vielen Facetten, ihre plötzliche Hinwendung zu Knut ging mir zu schnell und einfach konfliktlos. Bei ihrer Person hatte ich auf mehr Widerstand gehofft.  
Die historischen Abläufe und die Verknüpfung mit den Figuren werden von Rebecca Gablé gewohnt versiert in der Handlung verwoben und man fühlt die Atmosphäre und die Lebensumstände der Zeit aus nächster Nähe. 
 
Als Fan der Reihe habe ich mit auf diesen Roman gefreut und war sehr gespannt auf eine weitere packende Handlung rund um die Ära der Helmsbys. 
Aber leider konnte der Funke nicht ganz überspringen, ich habe mich über einen längeren Zeitraum in einzelnen Etappen durch den Roman gelesen und fand viele Szenen langatmig und austauschbar. Der Erzählstil ist wie gewohnt flüssig und gut lesbar, die Handlung ist abwechslungsreich und die Figuren sind vielseitig, aber teilweise wirken sie recht oberflächlich. Was mif aber am meisten gefehlt hat war ein Held, mit dem ich mitfiebern konnte, der mich mit Spannung durch die Geschichte getragen hätte und dem ich in einem Lesefluss gefolgt wäre. Leider konnte Ælfric diese Rolle nur bedingt einnehmen und so haben mich die einzelnen Kämpfe, Intrigen bei Hofe und verschiedenen Nebenhandlungen nicht so packen können wir erhofft. 
 
Alles in allem ein gut erzählter und authentisch recherchierter Roman, der die Machtkämpfe um den englischen Thron zwischen England und Dänemark sichtbar macht. 


  • Gablé, Rebecca - Das Lächeln der Fortuna1
  • Gablé, Rebecca - Die Hüter der Rose 2
  • Gablé, Rebecca - Das Spiel der Könige 3
  • Gablé, Rebecca - Der dunkle Thron 4
  • Gablé, Rebecca - Der Palast der Meere5
  • Gablé, Rebecca - Teufelskrone 6
  • Gablé, Rebecca - Die Siedler von Catan
  • Gablé, Rebecca - Das zweite Königreich
  • Gab, Rebecca - Der König der purpurnen Stadt
  • Gablé, Rebecca - Rabenthron 

  • Freitag, 17. Mai 2024

    Das Mörderarchiv - Kristen Perrin

    Dem eigenen Mörder zeitlebens auf der Spur

    Der Krimi "Das Mörderarchiv" von Kristen Perrin erscheint bei Rowohlt Polaris.

    Annie Adams ist Krimiautorin und erhält eine Einladung vom Notar ihrer exzentrischen Großtante Frances, die auf ihrem Landsitz in Castle Knoll/Dorset wohnt. Diese Tante hat Annie nie kennengelernt und ist sehr gespannt auf das Treffen. Doch dazu kommt es gar nicht, denn Tante Frances wird ermordet, dieses Schicksal hat ihr im Alter von 17 Jahren eine Wahrsagerin prophezeit und Frances hat ihr Leben lang ein Archiv mit möglichen Tätern erstellt. In ihrem vorsorglich verfassten Testament vererbt sie ihren Besitz demjenigen, der ihren Mord aufklärt. Annie stürzt sich in die Ermittlungen und kommt einigen Geheimnissen auf die Spur.



    Das Buch hat mich sofort mit dieser originellen Idee der Mordaufklärung gefesselt und ich bin schnell eingetaucht in das schön beschriebene Setting rund um das englische Herrenhaus.

    Kristen Perrin hat einen leichten, schön beschreibenden und unterhaltsamen Erzählstil, mit dem sie eine typisch britische Atmosphäre erschafft, die mir richtig gut gefallen hat. Die Story spielt auf zwei Zeitebenen und beleuchtet Frances Leben ab 1966 anhand eines Tagebuchs und in der Gegenwart begleiten wir Annie auf der Mördersuche. Es stellt sich die Frage, wer hatte einen Grund, Frances zu ermorden?

    Anfänglich erschien es mir etwas merkwürdig, dass Tante Frances zeitlebens an die Weissagung ihrer Ermordung geglaubt hat. Doch die Tatsache, dass auch andere vorhergesagte Dinge wahr wurden, bestärkten Frances wohl in diesem Glauben. Nach ihrem Tod versucht Annie, den Tod aufzuklären und auch mehr über ihre Tante herauszufinden. Aber auch zwei weitere Personen haben die Chance auf das gesamte Erbe, wenn sie den Täter ermitteln. Annie nutzt das von Frances erstellte Mörderarchiv, das wichtige Angaben über mögliche Täter enthält. Darunter befinden sich alte Freunde aus Frances Jugend, Anverwandte und Dorfbewohner, die Anzahl ist groß, was das Mitraten etwas schwierig macht.  

    Ganz wunderbar ist der Autorin das Setting gelungen, sie erschafft damit eine richtige britische Krimiatmosphäre. Es werden viele unterschiedliche und teilweise recht skurrile Charaktere eingeführt, weshalb ich mir ein übersichtliches Personenregister gewünscht hätte. Nach und nach erkennt man, wie und in welcher Beziehung die Personen zu Frances gestanden haben und es zeigen sich mehrere Hinweise auf mögliche Motive, das Buch entwickelt sich zu einem echten Whodunit-Krimi.

    Die Grundidee mit der Mord-Weissagung finde ich sehr originell und ich habe auch die Erzählweise genossen. Die Spannung ist allerdings nicht so präsent und eher unterschwellig, doch es gibt immer wieder Momente, in denen man weitere Übergriffe vermutet oder eine Kurzschlusshandlung des Mörders erwartet, diese kleinen Gruseleffekte steigern die Lesespannung.

    Annie wirkt anfangs recht naiv, aber sie beweist einen kühlen Kopf und bringt mit ihrem logischen Verstand Licht ins Dunkel der vielen kleinen Hinweise. Sie ist die Sympathiefigur im Buch und ich habe sie gerne begleitet. Die Nebenfiguren konnte ich im Laufe der Handlung auch näher kennen lernen, ich wurde dennoch mit der Auflösung überrascht. 

    "Das Mörderarchiv" ist eine gute Krimiunterhaltung mit britischem Flair und einer interessanten Grundidee, die mir gut gefallen hat und ich freue mich schon auf den nächsten Band der Reihe. 
         
     

    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Dienstag, 5. Dezember 2023

    Der Donnerstagsmordclub 4 - Richard Osman

    Mutige Seniorengruppe ermittelt im Drogenmilieu

     
    "Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt" ist der vierte Band der Reihe von Autor Richard Osman, der im List Verlag erscheint. 
     
    In der südenglischen Seniorenresidenz Coopers Chase genießen die vier rüstigen Freunde Elisabeth, Joyce, Ron und Ibrahim ihren Lebensabend. Ihr Hobby ist die Aufklärung von Kriminalfällen und als der Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar getötet wurde, der ein Freund von Elizabeths Mann Steven war, startet der "Donnerstagsmordclub" die Suche nach dem Täter. Aus Polizeikreisen erhalten sie ebenfalls Informationen, denn ihre Freunde Chris und Donna halten viel von der Detektivarbeit des Clubs. Leider hängt ein Drogenfund mit dem Fall zusammen und so geraten die Senioren in ein Nest von Kriminellen. 
     

    Nachdem ich alle Vorbände gelesen habe, war die Wiedersehensfreude mit den Senioren groß. Sie sind mir mit ihren Schicksalen, Eigenarten und besonderen Fähigkeiten regelrecht ans Herz gewachsen. Nun geht es in diesem Band aber nicht nur kriminell zu, es wird auch tiefgründig und berührend, denn das Thema Demenz bekommt im Buch Raum. Es ist Stephen, der mit dieser Krankheit geschlagen ist und Elizabeth muss sich dieser Schwierigkeit stellen. Diese Problematik nimmt mich auch als Leserin mit und ich habe mir so meine Gedanken dazu gemacht.

    Die Krimihandlung führt ins Milieu von Heroinhändlern, damit sind die Probleme schon hoch gestapelt. Denn können sich Senioren mit diesen Kriminellen anlegen? Doch die Truppe ist angstfrei und hat die Mordaufklärung im Blick. Gleichzeitig helfen sie aber auch Mervyn, der sich in eine  Tatiana verliebt hat und finanziell ausgenutzt wird.

    Wie gewohnt blitzt immer etwas englischer Humor auf, die Senioren wissen sich und ihre Fähigkeiten gegenseitig zu nehmen und werden im Umgang mit Kriminellen, immer angstloser und gewitzter. Was weite Strecken im Buch so aussieht wie ein gemütlicher Rentnerausflug mit ein paar Befragungen, entpuppt sich schließlich als raffiniert eingefädelter Plan, der grandios aufgeht und mich zufrieden das Buch zuschlagen ließ.

    Dieser Krimi sorgt für spannende, humorvolle, unterhaltsame und emotionale Momente und damit für kurzweilige Lesefreude.



    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

    Dienstag, 3. Oktober 2023

    Der späte Ruhm der Mrs. Quinn - Olivia Ford

    Eine wunderschöne Wohlfühlstory über Liebe, Träume und Backleidenschaft

    Im DTV erscheint Olivia Fords Debüt "Der späte Ruhm der Mrs. Quinn". 
     
    Jennifer Quinn ist 77 Jahre alt und genießt mit ihrem Ehemann Bernard ein ruhiges Leben in ihrer englischen Heimat, bald steht ihre diamantene Hochzeit an. Jennifer backt leidenschaftlich gern und liebt es, zu sämtlichen Feiern und Treffen ihre Backwerke nach alten Familienrezepten beizusteuern. Der Alltag verläuft ohne große Aufregungen, die Ehe ist kinderlos und deshalb möchte Jennifer der Nachwelt noch etwas Besonderes hinterlassen und etwas wagen. Sie bewirbt sich heimlich für eine beliebte TV-Backshow und erfüllt sich damit einen großen Traum. Allerdings verheimlicht sie ihr Vorhaben ihrem Mann. Und dann kommt durch ihre Teilnahme auch noch ihr lang gehütetes Geheimnis ans Licht. Kann das gut gehen und wird ihr Traum sie glücklich machen? 
     
     


     
    Olivia Fords Erzählstil erscheint ruhig und wunderschön bildhaft, es ist ein Wohlfühlroman, der sich sehr angenehm lesen lässt. Ich bin von der atmosphärisch geschilderten Handlung gefesselt eingetaucht und konnte mir während des Lesens gut vorstellen wie Mrs. Quinn in ihrer Küche wirbelt, Teig knetet, ausrollt und wie geschickt ihr die Bäckerei geschickt von der Hand geht und ihre Backergebnisse duftend auf dem Tisch stehen. 
     
    Die Ausarbeitung der Charaktere ist Olivia Ford sehr bezaubernd gelungen, Jennifer und Bernard sind liebenswerte Menschen, die man sofort gern hat und deren tiefe Liebe zueinander spürbar durch die Buchseiten blitzt. Mir hat die Backshow und Jennifers Heimlichkeiten, um ihre Teilnahme vor Bernard zu vertuschen, sehr gefallen. Jennifers Emotionen werden absolut spürbar gezeigt, man erlebt ihre Selbstzweifel, ihre Trauer um einen schlimmen Verlust und die Aufregung den Anforderungen der Backshow zu genügen. Nebenbei möchte sie Bernard nicht aufregen und hofft, dass er ihren großen Traum unterstützt.

    Zwischen der aktuellen Handlung gibt es Rückblenden, die auf berührende Weise nach und nach beschreiben, welches Geheimnis Jennifer umgibt. Es ist spannend zu beobachten, wie sich ein Kapitel in Jennifers Leben am Ende schliesst und ein neues beginnt.  

    Dieser Roman ist voller Backleidenschaft und durch die Figuren emotional berührend. Er ist voller Atmosphäre und Gefühle, angefüllt mit kleinen Gesten des liebenden Paares und absolut herzerwärmend mit der Story um das verborgene Geheimnis. Er zeichnet ein Bild vom Alter, von Liebe, Verlust und Hoffnung und sorgt mit den beschriebenen Einblicken in Jennifers Gedanken und Gefühlswelt für ein wärmendes Gefühl beim Lesen. Die Botschaft ist für mich, träume nicht nur, sondern setze deine Träume in die Wirklichkeit um und erfülle sie dir, ehe es zu spät ist.

    Meine absolute Leseempfehlung für kühle Herbstabende mit einer gefühlvollen Story und viel Liebe fürs Backen!
     
     
    ***Herzlichen Dank an DTV und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

     

    Samstag, 1. April 2023

    Trudy - Crysta Winter

    Ein atmosphärisch dichter Dartmoor Krimi!

     
    In der Krimi Edition Ruhenmühle erscheint "Trudy", der dritte Fall des Detektivs Achille Perrot von Crysta Winter.
     
    Achille Perrot und Inspector Jeff reisen zu einer Auszeit ins sagenumwobene Dartmoor, dort wollen sie Jeffs Tante Trudy besuchen. Doch obwohl Jeff ihren Besuch angekündigt hat, ist das Haus im Dartmoor dunkel und verlassen und es erwartet sie niemand. Was ist hier geschehen? Im Geräteschuppen entdecken sie ein altes Motorrad, eine Ariel aus dem Baujahr 1928, die sogar vollgetankt ist. Damit reisen die Freunde in den benachbarten Pub „Black Bird“ in Moretonhillshire, wo sie auf ein Bett und eine warme Mahlzeit hoffen.
     

     

    Bei diesem Krimi taucht man in die mystische Welt des Dartmoors ein, die Menschen sind alle etwas skurril und Achille und Jeff versuchen, Tante Trudys Verschwinden aufzuklären. Die Ariel, die ihnen als Fortbewegungsmittel gute Dienste leistet, gehört Trudys Mann Kelton, der vor zwei Jahren gestoben ist. Aber warum ist das Motorrad vollgetankt? Ist Tante Trudy noch damit gefahren? 
    Die Freunde nehmen im Pub „Black Bird“ ein Zimmer. Merkwürdigerweise befindet sich auf einmal in Perrots Koffer ein Gegenstand, den jemand hinein gelegt hat, eine Rabenfeder. Das macht die Sache geheimnisvoll und sorgt für Gruselstimmung, die auch im weiteren Verlauf der Handlung für Verwirrung und irreale Stimmung sorgt. 
     
    Für Fans von Agatha Christie und ihrem Hercule Poirot ist dieser mysteriöse Krimi genau das passende Buch. Denn Crysta Winter lässt in "Trudy" niemand geringeren als den Enkel von Hercule Poirot, Achille Perrot agieren. Der taucht ganz in alter englischer Manier in einen spannenden Fall ein und sorgt mit seiner gediegenen Sprache für ein Flair im Stil der Viktorianischen Zeit Poirots. 

    Auch die vielen Köstlichkeiten wie der Walnuss-Carot-Kuchen, Lemon Cake, Pfefferminzlikör und eine Tasse wunderbaren Earl Grey Tees, sorgen für eine typisch englische kulinarische Ebene, die passend zur Stimmung der Krimis beiträgt. Die Handlung lebt von einer sehr bildhaften, atmosphärisch dunklen Ausgestaltung der Schauplätze und Vorgänge und nimmt den Leser mit auf eine fast schon magische Reise ins Dartmoor. Dabei bekommt der Fall immer mehr mysteriöse Beigaben, die für Verwirrung sorgen. Die Personen haben mich gut unterhalten und es hat mir auch Freude bereitet, in diese dunkle Welt des Moores einzutauchen, die Spur der Schlüssel mit zu verfolgen und am Ende überrascht zu werden mit einer Wendung, die ich nun wirklich nicht erwartet hätte. 
     
    Bei diesem Buch ist das Spannungslevel nicht so entscheidend, es hält sich durchgängig auf einem mittleren Level, aber durch die stimmungsvolle Szenerie, ein paar Wendungen und einige merkwürdige Accessoires wird man an die Untersuchung gefesselt und durch den gediegenen Erzählstil auch sehr gut unterhalten. Manche Vorgänge werden für meinen Geschmack etwas zu auserzählt, aber damit hält sich Crysta Winter sehr an die spezielle Wirkung, die man aus den Geschichten von Agatha Christies Büchern kennt. Sie präsentiert uns eine Story, die uns Land und Leute mit reichlich  mystischem Touch vorstellt. "Trudy" kann man wunderbar mit einer Tasse Earl Grey genießen, es ist ein typisch englisch anmutendes Leseerlebnis. 

    Ein atmosphärisch dichter Dartmoor Krimi, der mit einem mysteriösen Fall zu unterhalten weiß!

    ***Vielen Dank an die Autorin für dieses Leseexemplar!***
     



    Samstag, 9. Juli 2022

    Die geheimen Gärten von England - Heidi Howcroft

    Traumhaft schöne Gartenparadiese zum Anschauen und Träumen
     
    "Die geheimen Gärten von England" von Heidi Howcroft und Fotografin Marianne Majerus erscheint als aktualisierte Sonderausgabe 2022 im Bassermann Verlag

    England ist für seine wunderbaren Gartengestaltungen bekannt, neben den bekannten Gärten gibt es viele geheime Paradiese, die es ebenfalls wert sind, besucht zu werden. Heidi Howcroft und Marianne Majerus stellen 25 verschiedene englische Gärten vor, die unterschiedliche Gestaltungsvarianten aufweisen.
    Darunter befinden sich historisch angelegte Gärten, Country- oder Cottage-Gärten, kleine Oasen in der Stadt, Gärten mit Wasserläufen oder Seen, private Rückzugsorte und den Garten, in dem Queen Elizabeth ihre erste Kindheit verbrachte.  
     

     
    Als Landschaftsarchitektin verfügt die Autorin über das nötige Fachwissen und stellt uns in ihren interessanten Texten die Gärten und ihre Anlage näher vor. Sie beschreibt die Arten und Farben der Pflanzen, erklärt die Schwierigkeiten der Inhaber, die ihre Anlage ihnen abfordert, zeigt wie geschickt geplant wird und stellt auch die Fehler in der Pflanzenwahl vor, wenn der Standort andere Voraussetzungen besitzt als die Flora es sich wünscht.
     
    Begleitet werden die Texte durch eindrucksvolle Bilder, sie zeigen bekannte und unbekannte Paradiese und lassen den Betrachter eintauchen in ein pures Gartenglück, welches für wunderbare Inspiration und dem Wunsch nach genau solchen Gärten sorgt. Die Mischung der Ansichten wechselt von romantisch über modern, blumenreich bis zu altem Baumbestand oder idyllischem Sitzplatz am See. Die Fotos sind vielfältig, traumhaft schön und voller englischem Charme. 
     



     



    Die Ansichten zeigen Jane Austen Gärten, Cottage- oder Rosengärten, Wassergärten und Landschaftsgärten, die mit der Weite der Natur spielen oder nach bestimmten Achsen ausgerichtet sind. Alle Gartenformen haben ihren eigenen speziellen Reiz und ihren bestimmten charakteristischen Bewuchs, der den besonderen Eindruck ausmacht. Die Schönheit der Natur wird sichtbar gemacht, indem bestimmte Anlagen geplant, gepflanzt und umgesetzt werden. Eine Kunst, für die die Briten weithin bekannt sind und dessen wunderschöne Beispiele man in diesem Bildband bewundern kann.

    Englands Gärten sind romantisch, verwunschen, vielfältig und inspirierend und dieses Buch lässt seine Betrachter an genau dieser faszinierenden Schönheit teilhaben. Ein Buch zum Versinken und Innehalten, aber auch zum Nachschlagen und Informieren über die jeweiligen Pflanzen und vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Traumbuch für Gartenträume!
     
    ***Herzlichen Dank an den Bassermann Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***



    Mittwoch, 22. Juni 2022

    Die Liebenden von Bloomsbury – Stefanie H. Martin

    Interessanter Einblick in das Leben von Virginia Woolf

    Der Roman "Die Liebenden von Bloomsbury – Virginia und die neue Zeit" von Stefanie H. Martin ist der Auftakt der Bloomsbury-Saga, die im Aufbau Taschenbuchverlag erscheint. 

    London, 1903: Virgina Woolf gründet mit ihrer künstlerisch begabten Schwester Vanessa und ihren Brüdern eine Wohngemeinschaft in Bloomsbury. Virginia möchte nur eines, schreiben und damit neue Wege begehen. Aber in der Gesellschaft ihrer Zeit erwartete man von ihr, dass sie heiratet und nicht als ledige Frau ein Leben in Freiheit führt. In der Bloomsbury Group konnte sie sich in Diskussionen über Literatur, Wissenschaft und Kunst mit Intellektuellen austauschen und so weiter entwickeln.
    Virginia Woolf gilt als Ikone der literarischen Moderne und trat für ein gesellschaftliche Veränderungen, insbesondere das Frauenrecht und ein selbstbestimmtes Leben der Frauen ein.
     

      
    Die Bloomsbury Group, benannt nach einem Stadtteil Londons, umfasste einen Kreis von Literaten und Intellektuellen, die sich dem freien Denken hingaben und gegen die bestehenden gesellschaftlichen Vorstellungen auflehnten, den Imperialismus und die Tabuisierung der Sexualität hinterfragten. Zu dieser Gruppe gehörten berühmte Personen wie Lytton Strachey, der Maler Duncan Grant, der Ökonom John Maynard Keynes und auch Virginia Woolf.
     
    Dieser Roman ist der Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe, er beschreib die Anfänge der Bloomsbury Group zwischen 1903 bis 1909. Wir erleben an Virginias Seite die Gründung der Gruppe, nehmen teil an Gesprächen und Diskussionen und erleben eine Frau, die ihr Leben dem Schreiben widmen möchte und mit dem gesellschaftlichen Zwang einer Heirat hadert. Die weltoffene Ansicht des Zirkels eröffnete ihr freigeistige Eindrücke, die sich in ihren Essays widerspiegeln.

    Stefanie H. Martin stellt in ihrer Romanbiografie Virginia Woolf in den Mittelpunkt. Wir erleben die historischen Ereignisse der Zeit, tauchen in Virginias Gedanken und Gefühle ein und spüren, wie sehr ihr die Schriftstellerei am Herzen liegt. Sie ist ein Vorbild ihrer Zeit, in der es Frauen nicht vergönnt war, ihre Leidenschaft frei auszuleben. 

    Von der sprachlichen Seite her ist dieser Roman ein Genuß, die Ausarbeitung ist der Autorin sehr zeitbeschreibend gelungen, man fühlt sich durch die poetischen Formulierungen und die besonderen Diskussionen und Briefwechsel förmlich in diese Epoche zurückversetzt. Es gelingt Stefanie H. Martin auf interessante und zeitbeschreibende Weise das private Leben der vielseitigen Persönlichkeit Virginias und ihrer Zeitgenossen zu begleiten und mehr über ihre Ambitionen zur Frauenbewegung zu erfahren. Dabei steht die anschauliche Charakterisierung der Figuren besonders im Fokus. Virginia wirkt ehrgeizig, dabei aber auch etwas unsicher und fragil. Ihre enge Beziehung zu Vanessa macht klar, wie sehr sie eine Bezugsperson suchte und brauchte.

    Wer sich in den Literatursalons traf, hatte nicht nur Intellekt, er hatte auch das finanzielle Polster, um hier zu diskutieren und gedanklichen Austausch zu pflegen. Dabei ging es besonders offen auch um Sexualtität, einige der Bloomsburries waren Homosexuelle. 

    Diese sprachlich gelungene Ausarbeitung über Virginia Woolfs Leben ist für mich ein interessanter Einblick, der mit den gezeigten Zeitgenossen ein klares Bild der Bloomsbury Group und der viktorianischen Zeit abbildet. 


    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***


    Dienstag, 8. Februar 2022

    Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar - Robert Thorogood

    Miss Marples heimliche Töchter 

    Der Kriminalroman "Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar" von Robert Thorogood erscheint im KiWi Verlag

    Dieser Krimi liefert ein originelles Clübchen an Ermittlerinnen, die durch eine Zufallsbeobachtung überhaupt erst in den Fall involviert werden. Neugierig und interessiert verfolgen sie die Spuren, die vermeintlich in die Kunstszene führt. 


     

    Mrs Judith Potts ist 77, liebenswert skurril, lebt in einem großen Herrenhaus und liebt es, abends einen Whisky zu trinken und nackt in der Themse zu schwimmen. Bei so einer Gelegenheit hört sie einen Schrei und anschließenden Schuß im Garten ihres Nachbarn. Die Polizei vermutet Selbstmord, aber Judith ist anderer Meinung und sofort dabei, Erkundigungen einzuholen. Dabei bekommt sie schnell Hilfe von Becks, die perfekte Hausfrau und Ehefrau des Pfarrers, die mit ihrem umgänglichen Wesen stets Wogen glätten kann. Und die Hundefrau Suzie mit ihrem speziellen Kleidungsstil ist die unkonventionelle Ergänzung des Trios. Auf Seiten der Kripo ermittelt die Polizistin Tanika, die scheinbar erkennt, mit welchem intelligenten Ermittlungstrupp sie es hier zu tun hat und scheinbar toleriert, wie die Frauen hier mitmischen.

    Ein flüssiger Schreibstil führt durch die bildhaft beschriebenen Szenen, die Ausarbeitung der charakteristischen Besonderheiten der drei Protagonistinnen werden ausführlich dargestellt, sodaß man die Frauen gut vor Augen hat und ihren persönlichen Typ und ihre Eigenarten einschätzen kann. Immer wieder werden Einzelheiten der Frauen preisgegeben, die allmählich auch ihr persönliches Leben näher beleuchten. 

    Der Fall hat es in sich, denn es wird nicht schnell ersichtlich, worauf es dem Täter überhaupt ankommt. Immer wieder sorgen die Erlebnisse des Trios für Schmunzelmomente und man freut sich diebisch, wie sie trotz ihres Alters an Informationen und Beweisstücke kommen.

    Mit ihren Nachforschungen katapultieren sich die Ermittlungen die Seniorinnen mehrfach in prekäre Situationen, die ihnen gewieftes Handeln und intelligentes Auftreten abverlangt. Sie verfügen über genügend Lebenserfahrung, um sich in jeder noch so schwierigen Situation zu behaupten, sie wachsen zusammen, können sich aufeinander verlassen und schaffen es, die einzelnen Puzzleteile zusammen zu tragen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. 

    Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die die Ermittlung vorantreiben, der entscheidende Hinweis ist gleichzeitig auch ein gefährliches Unterfangen, denn der Mörder könnte seine Verfolgerinnen kennen. Zwischendurch gibt es etwas langatmige Szenen, die dem Krimi die nötige Ruhe verleihen. Trotzdem ist ein mittelmäßig Grundspannung vorhanden, die zum Ende hin noch einmal ansteigt.

     

    Ich habe mich mit den originellen Seniorinnen über ihren Zusammenhalt im "Marlow Murder Club" gefreut und hoffe auf weitere Fälle, die in ihrer englischen Heimat stattfinden werden. Ein unterhaltsamer und durch die Figuren auch origineller Krimi nach englischem Strickmuster.

     ***Herzlichen Dank an Vorablesen und den KiWi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Montag, 25. Oktober 2021

    Ein Cottage in Cornwall - Elisabeth Kabatek

    Eine schöne Herbstlektüre  

     

    Der Roman "Ein Cottage in Cornwall" von Elisabeth Kabatek erscheint im Droemer Verlag.

    Die 50-jährige Schwäbin Margarete zieht für ihre große Liebe Chris nach Cornwall. Obwohl das ihr großer Traum ist, muss sie sich erst eingewöhnen und ihre Mutter und die Noch-Frau von Chris mischen sich auch noch in Maggies Leben ein. Außerdem ist das Landleben auf dem Hof ja doch etwas anderes als ihr bisheriges Leben in einer Großstadt. Wird sie hier glücklich werden?  



    Bei diesem witzig geschriebenen Roman konnte ich gut eintauchen in das neue Leben von Maggie. Ich habe mit ihr gelitten und gelacht, ihre Sorgen verstanden und mit ihr gehofft, dass sich alles zum Guten wendet.

    Elisabeth Kabatek hat einen bildhaften und eingängigen Schreibstil, sie hat ihre Figuren vielfältig gezeichnet, mit Ecken und Kanten, nicht alle kommen sympathisch daher. Dadurch wirken sie sehr lebensnah und bringen auf unterhaltsame Art Glück und Leid, Ärger und Gefühle mit sich. Am liebsten habe ich Maggie und Chris begleitet, sie haben einige Hürden zu meistern, doch gemeinsam sind sie dazu in der Lage. Wenn da nicht die zickige Ex-Frau wäre. 

    Das Buch wird wechselweise aus der Sicht von Margarete und der Expunkerin Lori erzählt und so erlebt man gleich zwei Frauenschicksale in einem Buch. Das klappt hier sehr gut, denn beide haben viel miteinander zu tun und wenn man Loris Vergangenheit erfährt, erkennt man, was sie alles schon erlebt hat. Wer die englische Tea-Time kennt, wird besonders die Szenen in Loris Küche bei Tee und Scones mit Wohlgefühl miterleben. Ich habe mich für Lori gefreut, dass sich nun Liam kennengelernt hat. Denn bisher konnte nie ein Mann in ihrem Leben Platz finden. 

    Das gezeigte Setting in Cornwall sorgt für eine schöne Atmosphäre und man sehnt sich beim Lesen dorthin. Überhaupt haben die Einbindung von schwäbischer Mundart, die gezeigten Mentalitätsunterschiede zwischen Engländern und Deutschen und das Landleben auf dem Bio-Hof mit viel Humor für gute Unterhaltung gesorgt. Solche Romane sind genau richtig für dunkle Herbsttage, wo man sich mit einer Tasse Tee aufs Sofa zurückzieht. Übrigens gibt es ein landestypisches Rezept zu Gemüsepasteten (Cornish Pasty) es im Anhang und die Autorin erklärt im Nachwort weshalb diese Pasteten so gut in die Gegend passen.

    Mir machte die Geschichte eines bewusst: Wenn sich im Leben auch so manche Hoffnung zerschlägt, sollte man doch nie aufhören an sein Glück zu glauben und fest darum zu kämpfen.

    Auch wenn ich mich wiederhole, dieser Roman passt perfekt in die Herbstzeit. Mit Cornish Pasty und einer Tasse Tee ist hier unterhaltsame Lesezeit garantiert.  

     

    ***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Montag, 7. Dezember 2020

    Mord nach Strich und Faden - Frances Brody

    Sehr langatmig und konnte mich leider nicht überzeugen

    Der Krimi "Mord nach Strich und Faden" von Frances Brody erscheint im Bastei Lübbe Verlag.

    Kate Shackleton ist 31 Jahre alt und Kriegswitwe. Sie hat einen detektivischen Spürsinn und liebt Rätsel. Das mysteriöse Verschwinden des Vaters ihrer Bekannten lässt ihr keine Ruhe und sie beginnt in dem Dorf Bridgestead in Yorkshire mit ihren Nachforschungen. Dort leitete der Verschwundene eine Weberei. Die Dorfbewohner scheinen nicht sonderlich daran interessiert zu sein, diesen Fall aufzuklären. Kate merkt, dass hier etwas nicht stimmt. Aber sie scheint in ein Wespennest gestochen zu haben, denn irgend jemand hat nun Kate auf dem Schirm und geht scheinbar über Leichen.



    Dieser traditionelle Krimi spielt im England der Zwanziger Jahre in einem kleinen Dorf namens Bridgestead. In dieser Zeit liefen die englischen Webereien unter Hochbetrieb, es war eine der Haupteinnahmequellen des Landes. Sehr interessant finde ich die eingestreuten Informationen über die Verarbeitung und das Färben von Wolle. Aber auch die Kleidungsstile und die englische Lebensweise werden bildhaft genau geschildert.
    Kate sucht nach Tabita Braithwaites Vater, der seit über 6 Jahren vermisst wird, er verschwand nach einem missglückten Suizidversuch aus einer Klinik. Der ehemalige Polizist Mr. Sykes hilt Kate bei der Suche nach Joshua Braithwaite in Bridgestead. Merkwürdig ist auch, dass Tabitas Mutter scheinbar kein großes Interesse an dem Verbleib ihres Mannes hat. Steckt sie vielleicht dahinter?

    Es geschehen weitere Morde an Mitarbeitern der Weberei, Sykes übernimmt die Befragung an den Orten, die Kate als Frau damals noch nicht betreten durfte. 

    Vom Erzählstil her lässt sich der Krimi gut lesen, es geht aber häufig sehr ins Detail, was mich in einem Krimi eher stört. Die Charaktere sind sehr zahlreich und irgendwie leblos, sie bleiben mir nicht sonderlich in Erinnerung. Die Befragungen gehen ins Detail und sind sehr umfangreich, leider aber einfach nur nüchtern und sachlich und deshalb kam für mich auch kaum Spannung auf. Kate macht den Eindruck einer jungen Miss Marple, sie lässt sich nicht abwimmeln, beobachtet genau und stellt viele Fragen. Sehr sympathisch wurde sie mir allerdings nicht.

    Dieser Krimi sorgt mit seinem Zeitgeist für historische Atmosphäre und das Ambiente der Webereien macht einen interessanten Eindruck. Die Spurensuche ist zwar unterhaltsam, leider aber zu umfangreich und auch die Spannung blieb hinter meiner Erwartung zurück.  2,5 Sterne, die ich allerdings nicht aufrunden möchte.

     



    Samstag, 21. November 2020

    Teatime mit Lilibet - Wendy Holden

    Ein unterhaltsamer Blick in die Jugendzeit der Queen 

    Erziehung im Buckingham Palace

    Der Roman "Teatime mit Lilibet" von Wendy Holden erscheint im List Verlag.  

    England, 1932: Die 22-jährige schottische Erzieherin Marion Crawford wird als Lehrerin von Prinzessin Elisabeth und ihrer Schwester Margaret im englischen Königshaus angestellt. Hinter den Schlossmauern stellt sie fest, wie weltfremd und abgeschottet die Mädchen aufwachsen. Sie möchte das ändern und ihnen auch das Alltagsleben der Bevölkerung näher bringen. Besonders Lilibet wächst Marion ans Herz. Marion eröffnet den Prinzessinnen den Blick auf das öffentliche Leben der Briten, sie gehen ins Kino und zu Woolworth’s. Genauso wie Marion die zukünftige Queen "formen" kann,  so verändert sich auch ihr eigenes Leben gewaltig und sie nimmt eine Rolle ein, aus der es kein Zurück gibt. 

    Wendy Holdens "Teatime mit Lilibet" ist ein unterhaltsamer historischer Roman, der auf der Grundlage von Marion Crawfords Buch "Little Princesses" beruht. Wir dürfen im Buckingham Palace Mäuschen spielen und erleben den Alltag bei den Windsors. In diesem fiktiven Roman zeigt sich, dass sich die Erziehung der Töchter im Hause des Herzogs von York, der spätere King George VI., hinter den Schlossmauern abspielte. Die Töchter gingen nicht auf öffentliche Schulen, hatten keine Spielkameraden und lebten ziemlich isoliert. Die Lehrerin und Gouvernante Marion Crawford, genannt "Crawfie", versuchte, die Ausbildung der Prinzessinnen möglichst lebensnah zu gestalteten. Man kann sich gut vorstellen, dass einige Vorgänge wirklich so abliefen. Einblicke in das Zeremoniell und in das Familienleben sind erfrischend unterhaltsam und man erlebt die Queen in einer Zeit, als sie noch unbedarft und ohne die Bürde der Königskrone einfach Kind sein durfte.

    Die Protagonistin Marion, "Crawfie", war über 16 Jahre lang die Gouvernante von Elisabeth und Margaret. In dieser Zeit hat sie auf eine eigene Familie verzichtet, sich dem strengen Protokoll untergeordnet und ihr Leben ihrer Rolle gewidmet. Ihre Kinder waren diese beiden Zöglinge, von denen sie besonders Lilibet ins Herz geschlossen hatte. Crawfie ist eine verantwortungsvolle Person, liebevoll und doch mit Strenge kümmert sie sich um die Kinder und erweitert deren Horizont um ein Beträchtliches. Sie erscheint selbstlos, verzichtet auf eigene Kinder und verliert über die Jahre ihrer Aufgabe ihre eigenen Träume. Die Veröffentlichung von "The little Princesses" sorgte dann für einen Bruch mit ihren Arbeitgebern, eiskalt und abweisend wurde nie wieder von Crawfie gesprochen, trotz ihrer liebevollen jahrelangen Zuwendung zu den Mädchen.

    Dieser Roman zeigt keine Heile-Welt der Royals, er zeigt die dekadente Lebensweise des Adels, die in einer Zeit als einige Untertanen nicht einmal Strom hatten, ein Leben im Luxus führten. Es ist der lobenswerte Einfluss dieser Erzieherin, die Elisabeth den Blick in die bürgerliche Welt gewährt und damit sicherlich ihren Horizont sinnvoll erweitert hat. Das ausgesprochene Interesse der Queen an Menschen, Dingen und Tieren hat Crawfie sicherlich mit geprägt. 

    Besonders interessant war für mich die Begegnung mit Wallis Simpson und die Ausgestaltung der Krönungsfeierlichkeiten King George VI., aber auch das Kennenlernen von Prinz Philipp. 

    Sprachlich gesehen gelingt es der Autorin sehr abwechslungsreich, mit bildhaften Beschreibungen und mit den nötigen Nuancen die Stimmungen der Charaktere, der Ereignisse und besonders das Zeremoniell gut darzustellen. Die verschiedenen Episoden werden mit historischen Daten unterfüttert, so hat man einen guten Überblick über das Zeitgeschehen und die Ereignisse.

    Was mir von diesem Buch in Erinnerung bleiben wird, ist die Tatsache, das die Dienste bei Hofe lediglich Arbeitscharakter haben, absolute Verschwiegenheit erwartet wird, keine emotionale Nähe von der Familie zurückkommt und auch keine Dankbarkeit für lange, vertrauensvolle Mitarbeiterinnen zu erwarten ist. Marion Crawford war eine Arbeitskraft unter vielen, ein Singleleben war nicht ihr Wunschdenken, aber lange Zeit von den Royals schlicht und ergreifend vorausgesetzt. 

    Als unterhaltsame Lektüre mit Blick auf die Jugendzeit der Queen öffnet dieser Roman den Blick hinter die Schloßmauern des Buckingham Palace und zeigt das strenge Regiment und Zeremoniell der Monarchie.   

     

    ***Herzlichen Dank an Vorablesen und den List Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 




    Montag, 24. September 2018

    Das wunderbare Wollparadies - Manuela Inusa

    Dieser Roman ist wieder ein echtes Wohlfühlbuch. 


    Die Romanreihe aus der Valerie Lane von Manuela Inusa geht weiter. Der vierte Band trägt den Titel "Das wunderbare Wollparadies" und erscheint ebenfalls im Blanvalet Verlag.

    Es ist Dezember in der Valerie Lane. Dort betreibt Susan mit viel Freude ihr persönliches Wollparadies, sie wohnt mit ihrem Hund Terry über ihrem Laden. In der Zeit vor Weihnachten hat sie reichlich zu tun, sie strickt und häkelt für ihre Kundschaft und außerdem verschenkt sie Unmengen an Schals und Handschuhen an Bedürftige. Denn die Weihnachtszeit ist eine Zeit, in der sie immer wieder schmerzlich an den größten Verlust ihres Lebens erinnert wird. Die liebenswürdige Charlotte kommt da als Aushilfe wie gerufen und Susan lernt dadurch auch einen netten Mann kennen. Sollte die Liebe wieder in ihr Leben einziehen?


    Mit der Forsetzung dieser Reihe geht es weiter mit den liebgewonnenen Charakteren aus der Valerie Lane, wir lernen in diesem Band Susan näher kennen. Bisher war auch sie stets bei den gemütlichen Mittwochtreffen dabei, wo die Freundinnen gemeinsam handarbeiten und sich austauschen, wenn Laurie ihre besonderen Tees ausschenkt und Keira mit ihren köstlichen Pralinen überrascht.  

    Der Winter hält Einzug in der Valerie Lane, der Verkauf von Wolle und Selbstgestricktem läuft gut und man fühlt selbst eine wohlige Wärme beim Lesen der Geschichte. Denn Susan hat ein großes Herz, hilft Bedürftigen, spendet und bringt sich ein, wo sie nur kann. So gibt sie auch Charlotte eine berufliche Chance, sie möchte endlich die Trennung von ihrem Mann hinter sich bringen und braucht dazu ein Einkommen, um ihre Kinder versorgen zu können.  

    Dieser Roman versprüht neben etwas Romantik und weihnachtlicher Stimmung einen besonderen Charme, der gut in diese Zeit passt. Hier geht es um Hilfsbedürftige, die sich in Suppenküchen aufwärmen und versorgen und um Menschen, die für die Sicherung ihrer Existenz wieder beruflich Fuss fassen müssen. 
    Susan ist ein ausgesprochener Gutmensch, man gewinnt sie einfach lieb. Ihre Vergangenheit birgt ein trauriges Ereignis, das ihr auch heute noch stark zusetzt. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen, sieht ihren kleinen Wollladen als glückliche Fügung an und wird im Verlauf der Geschichte auch offener für eine neue Beziehung. Dabei geht es nicht ohne Probleme und Susans Geheimnis sorgt für traurige Momente, dennoch gibt es ein glückliches Ende. 

    Wir erleben den wunderschönen Weihnachtsmarkt in der Valerie Lane, erhalten auch ein paar weihnachtlich anmutende Rezepte und erfahren wie es den Freundinnen inzwischen ergangen ist. Laurie erwartet ihr erstes Kind und entwickelt Nestbautriebe, sie und Barry haben sich im ersten Band gefunden und auch Keira und Ruby sind glücklich mit ihren Partnern.

    Ich konnte wieder mit den Freundinnen gemeinsam in ihre Straße abtauchen und habe mich dort schon etwas in weihnachtlicher Vorfreude gefühlt. Diese Romanreihe sorgt mit ihrem Wohlfühleffekt für unterhaltsame Lesezeit und passt wunderbar als weihnachtlicher Stimmungsmacher.

    Einen kleinen Kritikpunkt muss ich dennoch aufführen. Es ist schön, wie hier Wohltätigkeit mit vollen Händen verschenkt wird, das macht auch den Leser zufrieden. Realistisch betrachtet wird ein Handarbeitsladen aber kaum genügend Geld abwerfen, um Spenden und eine zusätzliche Arbeitskraft finanzierbar zu machen.
     
    Auch dieses Mal hat mir Manuela Inusas neuer Roman wieder gut gefallen und ich wurde einfach gut unterhalten.
     
    "Das wunderbare Wollpradies" ist wieder ein echtes Wohlfühlbuch, macht Lust auf ein neues Strickzeug und lässt Weihnachten näher rücken. Hier wird jetzt schon winterliche Vorfreude verbreitet. 


    ***Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Blanvalet Verlag und an das Bloggerportal!***




    Sonntag, 27. Mai 2018

    Das Spiel der Könige - Rebecca Gablé

    Die Rosenkriege in England: Fesselnd und lehrreich erzählt 


    "Das Spiel der Könige" ist der dritte Roman aus der Waringham-Reihe von Rebecca Gablé. Er erschien 2008 im Bastei Lübbe Verlag.

    England 1455: Der Bruderkrieg zwischen Lancaster und York um den englischen Thron macht den achtzehnjährigen Julian unverhofft zum Earl of Waringham. Als mit Edward IV. der erste König des Hauses York die Krone erringt, brechen für Julian schwere Zeiten an. Obwohl er ahnt, dass Edward seinem Land ein guter König sein könnte, schließt er sich dem lancastrianischen Widerstand unter der entthronten Königin Marguerite an, denn sie hat ihre ganz eigenen Methoden, sich seiner Vasallentreue zu versichern. Und die Tatsache, dass seine Zwillingsschwester eine gesuchte Verbrecherin ist, macht Julian verwundbar. (Klappentext) 




    Im dritten Band der Reihe werden Blanche und Julian of Waringham, die Kinder von John of Waringham, die Protagonisten. England hat eine schwere Zeit zu überstehen, es geht um den 30-jährigen Rosenkrieg. 

    Rebecca Gablé verknüpft ihre Geschichte um die fiktive Adelsfamilie der Waringhams geschickt mit den wahren historischen Gegebenheiten und baut eine interessante Handlung auf, bei der man die Geschichte aus nächster Nähe mitverfolgen kann. 
    Der geistig angeschlagenen Henry VI., für den seine französische Frau die Regierungsgeschäfte führt, bietet keine große Angriffsfläche und im Gerangel um die Königskrone kommt das Haus York mit Richard Plantagenet an die Macht. Julian wird Earl und ist damit dem König unterworfen, er kämpft mit seinem walisischen Verbündeten Jasper Tudor für den letzten Lancaster, den jungen Henry Tudor. Es bricht ein grausamer Krieg aus, der legendäre englische Bruderkrieg mit der roten Rose des Hauses Lancaster und der weißen Rose für das Haus York. England wird gespalten und die Geschwister Blanche und Julian geraten zwischen die Fronten. 

    Julian steht fest zu seiner Meinung, doch er zweifelt mehrfach und sieht auch die grausamen Folgen im Falle eines Widerstands. Es wird gemordet und getötet, nur für die Krone.
     
    Seine Schwester Blanche hat ebenfalls ein schwieriges Schicksal an der Seite ihres gewalttätigen  Ehemanns, der bereits zwei Gemahlinnen auf dem Gewissen hat. Blanche entkommt ihrem Mann und hinterlässt ihre Spuren an seinem Körper, sie flieht und lebt heimlich mit Jasper Tudor, der Bruder des Königs, zusammen. Doch die Rache ihres Mannes verfolgt sie wie ein Damoklesschwert. 


    Die Waringhams haben in diesem Band keinen leichten Stand, es geht ständig an ihre Existenz und um ihr Leben. Damit bekommt man einen authentischen Eindruck über die Grausamkeiten dieses Rosenkrieges, bei dem besonders die Bevölkerung zu leiden hatte. 



    Die Charaktere zeichnet Rebecca Gablé gewohnt lebendig und ausdrucksstark, was besonders bei der Figur des Julian deutlich wird. Seine innere Zerrissenheit und sein Verantwortungsbewusstsein für seine Leute und Freunde erlebt man betroffen mit. Aber auch Blanches Schicksal lässt mich als Leser mit ihr bangen und hoffen.
     

    In dieser Zeit sind die Namen Henry, Richard und Edward häufig mehrfach vergeben und es ist schwierig sie auseinander zu halten. Die Autorin gibt einigen Spitznamen, aber man muss schon aufmerksam lesen und gegebenenfalls im Stammbaum oder der Personenliste im Anhang des Buches nachschlagen.  

    Das Buch zieht den Leser in seinen Bann, jedoch kann sich die Handlung durch die historischen Ereignisse nicht ungezwungen und frei entfalten. Stets gibt es Ränkespiele, Kriegsgetümmel und Machtkämpfe, die den Ablauf etwas gezwungener wirken lassen. 


    Rebecca Gablé ist für mich eine der besten Autorinnnen von mittelalterlichen historischen Romanen. Sie kann Geschichte fesselnd und lehrreich erzählen und haucht ihren Figuren Leben ein. Dieser Roman zeigt die grausamen Rosenkriege mit all ihren Intrigen und Kämpfen und den Folgen für die Bevölkerung. 





    Weitere Romane der Autorin:
  • Gablé, Rebecca - Das Lächeln der Fortuna1
  • Gablé, Rebecca - Die Hüter der Rose 2
  • Gablé, Rebecca - Das Spiel der Könige 3
  • Gablé, Rebecca - Der dunkle Thron 4
  • Gablé, Rebecca - Der Palast der Meere5
  • Gablé, Rebecca - Teufelskrone 6
  • Gablé, Rebecca - Die Siedler von Catan
  • Gablé, Rebecca - Das zweite Königreich
  • Gab, Rebecca - Der König der purpurnen Stadt
  • Gablé, Rebecca - Rabenthron