Frühlingsgefühle sind offenbar bei alternden Menschen andere als bei jüngeren.
Während wir Alten den Frühling früher als Anfang einer großen linearen Unendlichkeit empfanden, als Aufbruch sozusagen, empfinden wir nun die selbe Jahreszeit als Fixpunkt eines virtuellen Hula-Hoop-Reifens, der darüber hinaus auch noch kurz vorm Fallen schneller zu werden scheint.
Hula Hoop beschreibt des Alten Kalenderrunde, darin den Frühling als kleinstes gemeinsames Vielfaches gewisser Periodizitäten. Verbunden mit Gefühlen, die plötzlich an “damals” denken lassen.
„Is This the Way to Amarillo?“, „komm gib mir deine Hand, denn heute feiern wir“, „Micha-ehe-la, aha!“ – So trifft man sich immer wieder gern und hat dabei den komischen Musikgeschmack von 1972 im Ohr.
Die große Ur-Liebe ist heute guter Kumpel, glücklicherweise, wohl weil damals aus den ersten Gefühlen nichts wurde. Denn wäre was geworden, wären wir heute geschieden, könnten uns überhaupt nicht mehr leiden und würden uns nie mehr treffen wollen. Da also absolut “nichts” war, bleibt uns der Konjunktiv und viel ungelebtes Leben.
Lara ist überrascht. Wenn sich ein Russe mit seiner Schulfreundin trifft, ist er vorher total verschwiegen, hinterher ist – normalerweise – dessen Portemonnaie leer, der Kerl total verkatert und bleibt schweigend.
So ist es aber nicht bei mir. “Wir aßen Ente”, gab ich zu.
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Potsdam, 4:30 Uhr. Der Waage Display zeigt “77,6”.
“Verräterin!”, sage ich verächtlich, “blöde Kuh” und: “Ich will dich heute nicht mehr sehn!”
Komisch nur, dass man mehr zunehmen kann, als die Speise des Vortages wog.