Eines Tages kommt ein Wanderer des Weges daher. Er sei auf dem Weg nach Russland, um dort Geschäfte zu machen. Was ich im raten könne, will er von mir wissen.
Um eine Antwort bin ich nicht verlegen – sie ist sofort parat. Viel zu oft hatte ich in jungen Jahren überlegt, wieso es gesetzmäßig scheint, dass auch die aller-aller-beste westliche Idee in einem östlichen Umfeld zum Scheitern verurteilt ist.
Ein Fremder sollte sich dem Thema behutsam nähern, Schritt vor Schritt. Hier sind die ersten drei Räte:
1. Lies die Klassiker!
Puschkin zum Beispiel:
“… wozu brauchst du Dokumente? Dafür gibt es Gesetze. Darin besteht ja die Macht, dass man jedem ohne jedes Recht sein Gut wegnehmen kann.” (aus “Dubrowskij”)
2. Interessiere dich für russische Helden!
Dem große Kombinierer – «великий комбинатор» – , dem ideenreichen Kämpfer für monetäre Zeichen – «идейный борец за денежные знаки» – , der darüber hinaus vierhundert relativ ehrliche Methoden kennt, “Geld abzuführen” – знавший «четыреста сравнительно честных способов отъёма (увода) денег» – setzt man derzeit Denkmale in Russland.
Und in der Ukraine benennt man sogar Plätze nach ihm:
3. Wisse, worüber dein Gegenüber lacht!
Über russische Komödien zum Beispiel:
“Russische Bärenjagd” – ein dortzulanden sehr populäres Filmchen aus der Jelzin-Zeit, welches im russischen und ukrainischen TV häufig wiederholt wird. Worin einfältige Amerikaner nach Russland reisen, weil sie glauben, hier Bären jagen zu können. Wofür sie immer und immer wieder in Dollar bezahlen, wären der gesamten Handlung nach Strich und Faden abgezockt werden und zum Schluss nur einen Zirkusbären zu sehen bekommen.
Besagter Wanderer hört aufmerksam zu und ahnt bereits jetzt, dass es möglicherweise einfacher ist, angestautes Kapital einfach so zu verbrennen. Das geht schneller mit gleichem Ergebnis.