Russische Lösungen

„Wenn eines deiner Räder plötzlich platzt, was machst du dann?“

„Ich rufe den ADAC. Warum?“

„Und was machst du, wenn eines deiner Räder platzt und der ADAC noch nicht erfunden ist?“

„Ich seufze erst einmal lang und ausgiebig, öffne anschließend den Kofferraum, nehme Werkzeug und das Reserverad …“

„Und was machst du, wenn eines deiner Räder platzt, der ADAC noch nicht erfunden ist und du kein Reserverad hast?“

Diesen gestrigen Dialog gibt es auch als Witz. Meines Wissens soll ein angehender Kapitän in der Kapitänsprüfung sagen was er machen würde, wenn bei hoher See das Ruder bricht, später das Ersatzruder, dann auch noch das Ersatz-Ersatzruder und schließlich das Ersatz-Ersatz-Ersatz-UNDSOWEITER-Ruder.

Die Pointe dieses Witzes wird mit der Frage „woher nehmen Sie bloß all die Ruder her?“ eingeleitet und lautet: „daher, woher Sie all Ihre Stürme genommen haben“.

Was auch mit Ersatzfallschirmen funktioniert. Oder mit Hosenträgern.

Jedenfalls sollte ich gestern lernen, dass man ein defektes Autorad auch mit Wasser und russischer Seife (Anmerkung: russische Seife aus Sowjetzeiten!) reparieren kann.

Die zugehörige Überlegung: Woher nimmt man im Jahre 2014 Seife aus der sowjetischen Stagnationsperiode ohne zuvor ein Museum überfallen zu haben?

Ich lerne: TIPPS überleben Zeit und Raum.

Der Folgenkettenfluch

Ich halte allen Aktionismus geheim, aktioniere aber trotzdem. WEIL ICH NICHT IMMER GEFRAGT WERDEN WILL.

Angeschrieben-abgelehnt-abgehakt – fertig aus – damit komme ich recht gut zurecht. Normalerweise. Oder bis vorhin, als Lara mich fragte.

„Willst du nicht wieder einmal was tun?“

Der olle Rechner ist kaputt – mistverfluchter.

Ansonsten komme ich immer mit allem zurecht, es sei denn – wie im Augenblick – dass die Zylinderkopfdichtung ausgetauscht werden muss. DRINGENST. Was im Schnitt 600,00 Euro kostet. Oder die Rechnung für die Waschmaschine ist demnächst fällig und Lara findet just in dieser Situation ein Urlaubsschnäppchen – 6 Tage Athen für Fastumsonst,

Ich kriege bereits Gänsehaut, wenn sie mit iPad in der Hand über den Flur kommt

„Aber du hast es versprochen!“

Das hatte ich wohl.

Weil ich mir diesmal total sicher war, dass es klappt.

Das Beischlafgleichnis

„…und warum sagst du den Leuten nicht gleich, dass es ihnen nichts bringt?“

Lara staunt und ich erkläre gleichgültig:

„Weil ich in der Regel nicht nach Ergebnis bezahlt werde, sondern nach Aufwand.“

Wie Beischlaf mit Kondom: Jede einzelne Bewegung macht die Bettgenossen zwar glücklich, doch das Ergebnis – der eigentliche Erfolg oder der ursprüngliche Sinn der Handlung – ist von vornherein ausgeschlossen. Die typisch-männliche After-Sex-Frage „wie war ich?“ ließe sich frühestens nach 9 Monaten beantworten, aber DAS wiederum will man(n) nicht wissen.

„Machs gut, Mark!“

„Jeff. – Ich heiße Jeff!“

Jedenfalls gehe ich derzeit zu Hinz, telefoniere mit Kunz und kassiere dabei hier und dort „für die Mühe“, wohl wissend, dass alles einfach nur „Chernja“* ist. „Glück ist was glücklich macht“, sage ich mir und verdränge damit mein schlechtes Gewissen.

—————–

*“Chernja“ ist eine unübersetzbare russische Redewendung, mit dem deutschen „Schnulli“ vergleichbar, doch stets in viel weiträumiger Konnotation stehend.

Nachträgliche Misserfolgsfolgen

Das prognostizierte Szenario war – eigentlich – total putzig: Ich unterschreibe einen Arbeitsvertrag und kaufe mir noch bevor die Tinte trocknet einen richtigen Rechner. Dann rasch nach Hause – malte ich mir aus – auspacken, Stecker rein, WLAN, Internetz und seufze Mir erleichtert zu:

„Das war aber ganz schön knapp, was?“

Wie in einer Karikatur von Arthur Epperlein, in welcher ein Fahrschulauto in hohem Tempo, zur Hälfte von einem Zug gerammt durch die Zeichnung zischt und der Fahrschüler ebendiesen Satz – „Das war aber ganz schön knapp, was?“ – in einer Sprechblase zu stehen hat.

MEIN OLLER RECHNER IST INZWISCHEN VOM ZUG ÜBERROLLT. Abgeschmiert und „PUTT GEGINGT“.

„Schade um die toten Postings“, denke ich nun und zitiere im Nachtrag Volker Braun, indem ich den großen Philosophen aus den Zusammenhängen reiße:

Ach ich …

„… habe die Zukunft, die sich meldete,
Nicht zur Welt gebracht“.

Das Lutherfilm-Gleichnis

In einem Lutherfilm aus dem Jahre 2003 bekommt Friedrich der III. von Sachsen für seine noch zu leistenden Dienste vom Papst eine künstliche Rose geschenkt. Ein Geschenk, welches er artig annimmt.

Wenig später, als der Bote bereits auf dem Heimritt Richtung Rom, sagt Sir Peter Ustinov mit dem allertraurigsten Blick in die Kamera:

“Es ist doch beschämend, mit wie wenig man in Rom glaubt, mich bestechen zu können”.

Oder so ähnlich.

* * *

Jedenfalls hat sich das mit dem Job erledigt, der nämlich darin bestehen sollte, dass ich mir mein Geld selbst verdiene, indem ich auf Provisionsbasis “Spenden” einwerbe. Ein kriminelles Steuersparmodell zum “gegenseitigen Vorteil”, bei dem der Staat, sollte er blöde sein, benachteiligt wird. Die Provision werde mir aus einer gewissen “schwarzen Buchhaltung” zur Verfügung gestellt, die es mir wiederum – weil natürlich niemand nichts weiß ~ pscht! – ermögliche, gewisse staatliche Zuwendungen, wie Wohngeld zum Beispiel, zusätzlich in Anspruch nehmen zu können.

Wie seinerzeit Friedrich der Weise bedankte ich mich artig.

Bin ja auch dankbar, denn so kann ich die Vokabel “Chuzpe” am besten lernen. Und zwar “Chuzpe” in der Urfassung – die Grenzen von Höflichkeit und Anstand sind überschritten. Und große Vorfreude gehabt zu haben, ist unbezahlbar.

Alkoholindoxikation

An Tagen wie diesen … ho – jeh – jemmer-jammer – ALLERDINGS ~ *kurz nachgedacht* ~ ALSO FRÜHER WAR ES SCHLIMMER! DEFINITIV.

Früher als nämlich in Kneipen viel geraucht wurde, früher, als man selbst noch rauchte und daher in gleicher Situation am “Day After” sich selbst roch. Als Stinker sozusagen. Und: Was für ein Glück, dass wir inzwischen keinen Schnaps dazu trinken!

* * *

Zerschnarchter Mund, trocken total. Ich begebe mich zum Kühlschrank, finde die gestern von mir hierin präventiv deponierte Büchse Bier, derweil mein Unterbewusstsein den obligatorischen Gottesbeweis

– die Existenz von Bier beweist: Es gibt einen Gott! –

liefert. Und nach dem ersten Zug der labenden Flüssigkeit – Ahhh! – ergänzend dazu die Frohe Botschaft.

– die Existenz von Bier beweist: Gott liebt uns! –

* * *

Jedenfalls war Christi Himmelfahrt. Wir kehrten ein und lieferten uns hierzu belangloses Gesprächs-Zeugs. Nach drei Bier erklärte ich meinem geschiedenen Kumpel die Menopause, was nachlassende endokrine Funktion der Eierstücke für das innerfamiliäre Zusammenleben bedeutet und nach dem achten Bier rezitierten wir gemeinsam, dabei blöde lachend, den “Hasen im Rausch” …

“… geradezu in Strömen floss der Wein
Die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.”

… und stritten uns, ob es “den Löwen her!” heißt oder “das Löwenheer” heißt. Wobei ich mich entweder durchsetzen konnte oder nicht.

Triebgesteuerte Kaufsucht

“Irgendwie brauch-ich des”, dachte ich beim Durchblättern des Werbeheftchens, ging extra deswegen zu Tchibo, kaufte mir 5 bunte “Kabelmanager” für 4,95 Euro und stelle fest, DASS ICH DEN KICKIFAX NICHT BRAUCHE, nie brauchte und niemals brauchen werde.

Mehr noch: Eine drahtig gebogene Büroklammer erfüllt den gleichen Job viel-viel besser.

Anyway: Für ein kleines Moment – als ich die hübsche Verpackung in der Hand hielt – spürte ich das Glück der Selbstbelohnung. Wie früher etwa, als Kind, wenn der Vater von einer Dienstreise “was” mitbrachte. Wie ein Hund der Lekkerlie bekommt (wofür diese Idioten sogar bereit sind, Unterwürfigkeit zu heucheln).

Jedenfalls ~~~ war ich wieder einmal, wie jede(r) andere auch.

Der leidende Geheimnisträger

Bereits 3 Uhr wachte ich auf. Schlaflos in Potsdam. Aufgeregt, wie damals vor Geburtstag und Weihnacht – „heute, Kinder, wird’s was geben …“ – denn heute, sagte man mir hinter vorgehaltener Hand, wird der große Chef ein Angebot machen.

Eine Information, die ich im Übrigen bereits seit einigen Tagen schweigend mit mir rum trage. Erstens weil ich von der Sippschaft nicht ständig gefragt werden möchte. Und zweitens, weil ich später die Enttäuschung – worst case szenario – für mich allein habe. Doch die Ruhe vor der Gewissheit eines Sturms ist furchtbar, wenn man sie schweigend ertragen muss.

Nur das Internet ist mein Freund – es behält zwar nichts für sich behält, FRAGT ABER WENIGSTENS NICHT NACH.

Derweil mein Postfach voll. Demnach suche man in der Ukraine händeringend Experten, lese ich. „Ob ich nicht noch einmal … ?“, will Lara wissen. Doch ich habe keinen Bock mehr auf Räuberhöhle. Bin zu erfahren und weiß nämlich ziemlich genau was ich will. Geborgenheit ist nämlich eine ästhetische Kategorie, nicht einfach nur Schönsprech.

Der Benennungszwang

Mit lauter jungen Deutschen – deren Alter so etwa „um die“ Vierzig 😉 – bin ich am Nordpol, eingeschlossen in einem Basislager, frierend, hungrig, derweil sich einer von denen wundert:

„Nirgendwo ist ein Schild. Woher soll man wissen, wo genau der Pol ist!“

Dann beschließt die am Nordpol eingeschlossene Gemeinde nach langer Diskussion, selbst ein Hinweisschild zu fertigen. Eines worauf steht: „HIER IST DER NORDPOL“. Doch man kann sich aber nicht darauf verständigen, in welcher Sprache das Schild sein soll, denn der Nordpol ist für alle da, die meisten Menschen sind Chinesen oder Inder doch niemand von denen, die anderen unbedingt den Weg weisen wollen, können Indisch oder Chinesisch.

Wie würde wohl ein Nordpol-Piktogramm aussehen?

Mitten in die Diskussion hinein, geht das Licht aus. Es zieht unangenehm bis auf Schnee und Eis plötzlich ein gelbes Riesenauto vorbei kommt. Ein solches, wie man es normalerweise benötigt, um den Regenwald zu holzen.

DER WECKER KLINGELT und ich bin wach.

„Wahnsinn“, denke ich wach werdend, „es gibt tatsächlich nur noch wenig Unbenanntes auf dieser Erde“.

Deutsches Grillen

Garten, Grill und Deutsche.

Wir sind eingeladen und Lara staunt:

„Es ist genau so viel Fleisch da, wie wir Personen sind!?“

WAS MACHEN DEUTSCHE EIGENTLICH IN SOLCHER SITUATION, WENN EIN GAST HUNGRIG IST UND DAHER ZWEI STÜCK FLEISCH ESSEN MÖCHTE? Oder – ergänzt mich mein Unterbewusstsein – wenn es jemanden schmecken sollte?

* * *

Garten, Grill und Deutsche.

Drei Personen sind weiblichen, die beiden anderen sind männlichen Geschlechts. Die ersten drei Stück Fleisch sind gerade fertig geworden.

Der Deutsche fragt:

„Wer bekommt nun zuerst?“

* * *

Garten, Grill und Deutsche.

Zwischen ihnen weilt eine Ukrainerin, welche ohne Widerstand zu leisten im Laufe des Festes erklärt bekommt, wie die Ukraine und Putin wirklich funktionieren und was der – „Wie heisst der nochmal? – Ach ja: der Janublunowisch, der Janukowitsch oder Soähnlich“ – alles falsch gemacht hat.

Und: was die Ukrainer eigentlich wählen sollten.

 

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