Hallihallo an alle! :)
Nur schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. Außerdem würde ich mich über eine kleine Spende sehr freuen: http://ko-fi.com/A61177Q :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 12: Spurlos
Aufgeregt erzählte der einheimische Junge seinem Vater und ein paar anderen Männern, was er gesehen hatte. Für die Meisten der Touristen klang es natürlich wie Kauderwelsch, da sie die Sprache der Einheimischen nicht verstehen konnten. Ebenso erging es Marie, doch bei Reiga sah das anders aus. Dank seiner neuentdeckten Fähigkeit verstand er jedes Wort und Marie konnte an seinem Gesicht erkennen, dass ihm nicht gefiel, was er da hörte. „Was ist los, Reiga?“, fragte sie besorgt. Der erklärte schließlich: „Der Junge erzählt seinem Vater, dass er Wölfe gesehen hat und versucht ihm gerade davon zu überzeugen, dass es nicht gelogen ist.“ Marie sah nochmal zu den Männern rüber. Sie schienen dem Jungen irgendwann dann doch zu glauben und wirkten ziemlich glücklich.
Der Vater lief ins Haus und kam danach mit einer alten Flinte wieder raus. Einer der anderen Männer redete direkt auf ihn ein, was in Reiga etwas Erleichterung aufkeimen ließ. „Was sagen sie?“, hakte Marie neugierig nach. Reiga antwortete: „Der andere Mann rät dem Vater die Flinte nicht zu benutzen, weil sie sowieso nicht mehr richtig funktioniert und es damit zu gefährlich wäre. Der Vater argumentiert aber, dass es die einzige Schusswaffe ist, die sie haben.“ Als der Vater jedoch nachdenklich zum Militärzelt rüber sah, stellten sich bei Reiga die Nackenhaare auf. „Der wird doch nicht…“, murmelt er vor sich hin, doch bevor Reiga den Satz beenden konnte, war der Vater bereits zu einem der Soldaten gelaufen.
Kurz diskutierten die Beiden, aber dann prüfte der Soldat das Magazin seiner Waffe und nickte anschließend. „Verdammter Mist“, meckerte Reiga genervt, nahm sich dabei Maries Hand und zog sie hinter eines der Häuser. Da zurzeit alle ihre Aufmerksamkeit den Einheimischen widmeten, bemerkte es auch niemand, wie Reiga und Marie verschwanden. Hinter dem Haus konzentrierte Reiga sich direkt auf seine magischen Künste. Es dauerte nur wenige Sekunden bis er genügend Energie gesammelt hatte und schließlich den Schutzschild-Zauber erneut wirkte. Der weiße Schild bildete eine kleine Kuppel über Marie und ihm. Marie ließ ihn einfach in Ruhe machen, da sie sich denken konnte, was er vorhatte. Kurz darauf zog er sich seinen Rucksack und den Mantel aus, hielt beides in seinen Händen und begann sich zu verwandeln.
Der Schutzschild hob wenige Sekunden später etwas vom Boden ab, da er sich an die Größe des Wolfsmenschen anpassen musste. Als Reiga kräftig durch seine Wolfsnase schnaubte, bekam Marie eine Gänsehaut. „Egal wie oft man das sieht, es ist einfach nur unglaublich“, murmelte sie etwas erstaunt. Reiga gab ihr wortlos seine Sachen und nahm sie danach auf den Arm. „Halt alles gut fest. Wir müssen uns beeilen“, erklärte er auf ihren fragenden Blick. Marie nickte nur und machte sich bereit. Reiga sprang mit einem Satz über eines der Häuser und rannte direkt in Richtung des Teiches. Außer einem kurzen Windzug bemerkten die übrigen Menschen davon nichts, da sie dank des Schutzschildes Reiga und Marie weder sehen noch hören konnten.
Reiga konnte auf zwei Beinen zwar nicht ganz so schnell rennen, wie auf vier, aber dennoch reichte es. Wegen des Schildes bekamen sie nicht mal Gegenwind zu spüren, so konnte Marie die Augen offenhalten, musste jedoch zugeben, dass sie dennoch nichts erkennen konnte. „Wahnsinn“, stellte sie erstaunt fest und sah die Umgebung an sich vorbeiflitzen. Etwa 20 Minuten später kamen sie bereits beim Lager an. Reiga löste den Schutzschild auf, lies ihn allerdings als Kugel aus Licht weiter über sich schweben. So musste er ihn nachher nur reaktivieren und nicht komplett neu wirken. Thomas und die sechs Wölfe, die rundherum um das Lagerfeuer saßen, erschraken sich ziemlich, als der Wolfsmensch nur wenige Schritte von ihnen entfernt plötzlich auftauchte.
„Gott, Reiga! Eine kleine Warnung vorher wäre sehr nett gewesen“, meckerte Rika, da Reiga hinter ihr aufgetaucht war. „Ja sorry, wir hatten es eilig“, antwortete Marie, während Reiga sie absetzte und sich dabei bereits zurückverwandelte. „Ein Junge aus dem Dorf hat einige Wölfe gesehen und es natürlich allen erzählt. Die Einheimischen haben sich dazu entschlossen das Rudel zu erlegen. Schließlich bedeutet es eine Menge Fell und Fleisch für diese Menschen und außerdem haben sie Angst um ihr Vieh. Sie haben sogar das Militär um Hilfe gebeten. Ich glaube zwar nicht, dass sie die Hubschrauber benutzen werden, aber leider sind sie auch zu Fuß eine zu große Bedrohung für uns“, erwiderte Reiga auf die verwunderten Blicke seines Rudels.
„Das ist natürlich dann nicht so gut. Wir hatten die Witterung eines Menschen war genommen, konnten ihn allerdings nicht sehen. Vorsichtshalber sind wir dennoch wieder ein Stück zurück zum Portalteich gelaufen“, erwiderte Kiba schließlich. Reiga sah sich etwas um. Das war tatsächlich nicht der Platz, wo er sie gestern zurückgelassen hatte. Nickend erklärte er: „Okay, gut gemacht. Ich möchte, dass sich jeder von euch bereitmacht. Wenn alle soweit sind, laufen wir zum Dorf.“ Natürlich sah sein Rudel ihn nun ziemlich überrascht an. „Warum das denn? Sollten wir nicht besser zurück zum Teich laufen, bis sie die Suche nach uns aufgegeben haben?“, fragte Nita, die jüngste Wölfin des Rudels.
Nachdem Reiga seinen Mantel wieder angezogen hatte, nahm er Marie seinen Rucksack ab und erklärte dabei: „Wir wissen nicht wie weit sie sich bei dieser Suche vom Dorf entfernen oder wie lange sie suchen. Ich glaube, die Einheimischen kennen den Teich und wissen, dass er eine der wenigen Wasserquellen in der Gegend ist. Sie könnten dort erst recht nach uns suchen. Das Risiko will ich nicht eingehen. Außerdem werden wir das Dorf natürlich nicht betreten und ich aktiviere zusätzlich den Schutzschild. Sie werden uns also nicht bemerken und vom Dorf aus laufen wir direkt weiter zur Höhle. Bis dahin sollte es dunkel sein. Wenn alle schlafen, schleichen wir uns in die Höhle.“ „Klinkt vernünftig“, erwiderte Thomas. „Ja ein guter Plan“, fügte Rika mit ein.
Als auch die übrigen Wölfe zustimmend nickten, machte sich jeder für die Abreise bereit. Einige gingen schnell nochmal pinkeln, Thomas musste ein paar Dinge in seinen Rucksack zurückräumen und Reiga löschte das Feuer, verteilte die Steine in der Gegend und bedeckte die Asche großzügig mit Sand und Dreck. Er wollte sicherstellen, dass nichts auf ihre Anwesenheit hindeutete. Falls die Dorfbewohner wirklich bis hierherkamen, sollten sie keine Anzeichen von anderen Menschen finden. Besonders die Soldaten könnte das unnötig beunruhigen. Schließlich waren die einzigen Menschen in dieser Gegend die Dorfbewohner und die Touristen, die alle mit denselben Bussen über dieselbe Strecke kamen und gingen.
Als endlich alle bereit waren, aktivierte Reiga nochmal den Schutzschild und ließ ihn etwas wachsen, sodass es unter der Kuppel für alle genügend Platz gab. „Warum jetzt schon?“, hakte Marie verwundert nach, worauf Reiga nur knapp antwortete: „Nur zur Sicherheit. Sie könnten Ferngläser haben.“ Ohne weitere Worte machten sie sich auf den Weg, liefen jedoch erst etwas weiter an den Rand des Tals, um nicht direkt den Weg der Menschen zu kreuzen. Während Marie, Thomas und die Wölfe mal wieder beeindruckt davon waren, wie viel Reiga über sowas nachdachte und auf was er alles achtete, ging dem die ganze Zeit etwas durch den Kopf. Er hatte etwas vergessen. Etwas Wichtiges und das wurmte ihn, doch er kam einfach nicht drauf, was es war.
Immer wieder ging er im Kopf alle Schritte durch. Die Feuerstelle hatten sie beseitig, der Schild schützte sie vor den Ferngläsern und sie gingen nicht in der Mitte des Tals, um den Dorfbewohnern nicht geradewegs in die Arme zu laufen. Reiga sah beim Nachdenken vor sich auf den Boden. Kiba, Nita und Marie liefen vor ihm. Als sein Blick auf den Füßen von Marie hängen blieb, kam ihm langsam etwas in den Sinn. Er sah auf die Hinterpfoten von Nita, die neben Marie lief und schließlich auf den Boden unter ihnen. An den Stellen, wo der Boden nicht mit kleinen Steinen bedeckt war, hinterließ die Wölfin natürlich Pfotenabdrücke. Reiga ging ein Licht auf. Das war es, was er vergessen hatte. Ihre Fußspuren. Er sah hinter sich. Aris, Tiger, Honi, Rika und Thomas liefen dort und hinter ihnen entdeckte Reiga eine lange und dicke Spur aus Pfotenabdrücken im Dreck und Sand.
„So ein Mist. Ich wusste, dass ich was vergessen habe“, stellte Reiga genervt fest. Auf die verwunderten Blicke erklärte er: „Unsere Fußspuren. Da sie ein Wolfsrudel jagen, werden sie sicherlich nach Spuren suchen.“ Alle samt sahen sie hinter sich. „Naja, aber wirklich viel werden sie nicht finden. Es gibt nur wenige Stellen mit weichem Boden“, konterte Thomas ungläubig. „Es reichen schon ein paar Abdrücke alle paar Meter, um uns zu folgen“, erwiderte Marie direkt darauf. „Wenn wir versuchen nur auf den Steinen zu laufen, verlieren wir zu viel Zeit. Die Sonne ist schon ziemlich weit. Ich glaube nicht, dass wir das Dorf heute noch erreichen, wenn wir nicht deutlich schneller vorankommen“, warf Kiba nun mit ein.
Reiga sah nach der Sonne. Sie neigte sich tatsächlich schon so langsam dem Horizont zu und bisher hatten sie noch nicht mal die Hälfte des Weges zum Dorf geschafft. Dazu kam noch der Fußmarsch bis zur Höhle, der auch nochmal einiges an Zeit verschlang. Entweder sie kamen irgendwie schneller voran oder sie schafften es nicht mehr in dieser Nacht die Höhle zu betreten. Eigentlich störte es Reiga nicht, wenn sie nochmal eine Nacht drauf warten mussten, aber andererseits schienen die Dorfbewohner sehr versessen darauf zu sein, die Wölfe zu finden. Je länger er mit seinem Rudel also hier in der Gegend umher wanderte, desto höher war die Gefahr vielleicht doch noch entdeckt zu werden und dieses Risiko wollte er unter allen Umständen so gering wie möglich halten.
Kiba sah zu seinem Leitwolf rauf. Man konnte in Reigas Gesicht erkennen, dass er verzweifelt nach einer guten Lösung suchte. Da der Wolf sein Versprechen einhalten wollte, ihm immer hilfreich zur Seite zu stehen, überlegte er ebenfalls und kam auf eine Idee: „Fliegen wäre eine gute Lösung. Kannst du irgendeinen Flugzauber, Reiga?“ Dieser sah erstaunt zu seinem felligen Freund runter. Es dauerte ein paar Sekunden bis Reiga begriffen hatte, worauf Kiba hinauswollte. „Das ist eine verdammt gute Idee, aber leider nein. Ich kenne keine Flugzauber“, verneinte er schließlich die Frage. Alle samt schienen sie etwas enttäuscht. Besonders aber Thomas, da er sich natürlich schon auf den Flug gefreut hatte.
Marie kam kurz darauf eine Alternative in den Sinn: „Und was wäre, wenn du den Schutzzauber etwas abwandelst? Füg der Kuppel einen Boden hinzu, auf dem wir stehen können und lass sie abheben. Ginge das?“ „Hmmm…“, gab Reiga von sich, ließ sich das Ganze durch den Kopf gehen und überlegte, wie er den Zauber derart umgestalten könnte. „Theoretisch müsste das möglich sein. Den Boden kann ich auf jeden Fall hinzufügen, das ist kein Problem. Sodass wir drauf laufen können, ist auch machbar. Dafür mach ich den Schild einfach grundsätzlich für alle Lebewesen undurchdringbar. Nur das mit dem Fliegen ist der schwierige Teil. Außerdem verbraucht der Schutzzauber an sich schon eine Menge Kraft. Es könnte schwer werden ihn auch noch beim Fliegen aufrecht zu erhalten.“
Nach einer kleinen Weile hatte er sich genügen Gedanken gemacht. „Probieren geht über Studieren“, stellte er schließlich fest und suchte das Tal vor ihnen soweit er konnte nach Menschen ab. Da er niemanden entdecken konnte, schickte Reiga alle anderen aus dem Schutzschild raus: „Okay, ich probiere es einfach mal, aber ihr geht alle raus. Falls ich abstürze, bin es dann wenigstens nur ich.“ Ohne Widerworte verließ sein Rudel mit samt den beiden Menschen die Kuppel und gemeinsam gingen sie einige Schritte noch bei Seite. Da sie Reiga weder sehen noch hören konnten, widmeten sie sich einander und nutzten die Gelegenheit für eine Pause.
Währenddessen konzentrierte sich Reiga auf seinen Zauber. Eigentlich hatte er kaum Ahnung von dem, was er da machte, aber generell ging es bei Magie wohl nur darum seinen Willen durchzusetzen. Wenn er sich also auf etwas Bestimmtes fixierte und sein Wille stark genug war, dann sorgten seine magischen Kräfte irgendwie dafür, dass es funktionierte. Zumindest waren das seine bisherigen Erfahrungen und die wenigen Informationen, die er versehentlich aus den Erinnerungen der drei Nihama entnommen hatte, untermauerten seine Theorie diesbezüglich. Reiga schloss die Augen, legte seine Handflächen vor sich aneinander, als wolle er beten und ließ in seinen Gedanken den Wunsch nach einem Boden für die Kuppel aufkeimen.
Aus dem Wunsch wurde eine Bitte und aus der Bitte schließlich ein Befehl. Sein eiserner Wille lenkte die magische Energie in seinem Körper und formte den Zauber so um, wie er es haben wollte. Der weiße Schleier aus Licht breitete sich über dem Boden innerhalb der Kuppel aus und bildete eine glatte Schicht. Reigas Füße wurden kurz daraufhin angehoben, als er den Schild zusätzlich für alle Lebewesen undurchdringbar machte. Nachdem er seine Augen geöffnet hatte, folgte der letzte Teil. Mit festem Blick starrte er den Boden unter dem Schutzschild an und befahl dem Zauber sich von ihm zu entfernen. Langsam hob die Kuppel vom Boden ab. Reiga spürte, dass das Fliegen deutlich mehr Kraft kostete, als der Schutzschild selber.
Als er schließlich einige Meter hoch in der Luft schwebte, ließ er die Kuppel nach vorn gleiten. Überraschenderweise bekam Reiga ziemlich schnell ein Gefühl dafür. Je mehr Energie er in die Bewegung steckte, desto schneller wurde er. Natürlich machte es ihm Spaß. Grinsend raste er mit der Kuppel durch die Luft, flog mal höher mal tiefer und flog sogar mal über die Bergkette links vom Tal hinweg und genoss die Aussicht auf die bergige Landschaft des Himalaya. „Cool“, gab er nur von sich und betrachtete die weite Sicht. In diesem Moment vergas er alles. Seine Aufgabe. Seine Lasten. Sein Schicksal. Für etwa zwei Minuten schwebte er einfach nur über den Bergen und bewunderte die Schönheit dieser Welt.
Als ihm wieder klar wurde, dass Menschen auf dem Weg zu ihnen waren und sein Rudel in Gefahr geraten konnte, beendete er seine Flugübungen und begab sich zu den Anderen zurück. Nachdem er die Kuppel neben ihnen anständig geparkt hatte, hob er seine rechte Hand und ließ im Schild eine Öffnung entstehen. „Bitte alle einsteigen!“, rief er seinen Freunden zu, die ihn daraufhin erst bemerken konnten. Verwundert entdeckten sie ihn mit erhobener Hand, sahen aber, aus ihrer Sicht, nur einen Teil von ihm. Der Rest wurde vom Schutzschild verdeckt. Aufgeregt lief Thomas direkt auf ihn zu und betrat als erster die Kuppel. Die Anderen folgten ihm kurz darauf auch. Während Kiba problemlos ebenfalls die Kuppel betreten konnte, prallten Rika und Marie, die neben ihm gelaufen waren, an der Außenwand des Schildes ab.
„Aua! Was war das denn jetzt?“, meckerten die Beiden im Chor. Grinsend antwortete Reiga: „Sorry, ich mach den Eingang etwas größer.“ Daraufhin ließ er das Loch an den Seiten wachsen, sodass mehrere gleichzeitig eintreten konnten. Als alle in der Kuppel waren, nahm er seine Hand runter und legte wieder die Handinnenflächen vor sich aneinander. Nachdem sich das Loch geschlossen hatte, sah er sich kurz um, dass auch alle da waren und verkündete: „Okay. Macht euch auf was gefasst. Die Aussicht ist nämlich der Wahnsinn.“ Reiga sah wieder runter auf den Boden und befahl dem Zauber die Kuppel abheben zu lassen, doch etwas stimmte nicht. Es ging nicht. Ohne groß darüber nachzudenken, legte er zusätzliche Kraft rein und fixierte seinen Willen noch mehr.
Als die Kuppel sich endlich vom Boden löste und etwa 15 Zentimeter hoch in der Luft schwebte, durchfuhr Reiga ein geradezu lähmendes Gefühl. Entsetzt riss er die Augen auf, rang nach Luft und konnte sich plötzlich nicht mehr auf den Beinen halten. Während er stöhnend nach vorn fiel, löste sich die Kuppel auf und der Zauber verlor seine Wirkung. Dadurch fielen Thomas, Marie und die Wölfe natürlich wieder auf den Boden, aber da es nur wenige Zentimeter waren, landeten alle problemlos auf ihren Füßen. Überrascht waren sie davon dennoch. „Was zum…? Reiga? Was ist mit dir?“, fragte Thomas verwundert und half ihm dabei wieder hoch. Auch die Anderen sahen ihn sofort sorgenvoll an. „Wahnsinn…“, murmelte er nur und hechelte, als ob er einen Marathon gelaufen wäre.
„Ich hätte nicht gedacht, dass es mich dermaßen viel Kraft kostet uns alle fliegen zu lassen. Darauf war ich nicht vorbereitet“, erklärte er und klopfte sich dabei etwas Dreck von der Hose. „Also wird aus der Superaussicht wohl doch nichts oder?“, hakte Rika enttäuscht nach. „Geht's wieder?“, fragte dagegen Kiba besorgt. Reiga nickte seinem felligen Freund kurz zu, antwortete auf Rikas Frage aber: „Doch, ich denke schon. Ich muss mich nur darauf vorbereiten und genügend Energie sammeln. Ich brauche erstmal eine kleine Pause. Ich werde auch sicherheitshalber nicht zu hochfliegen. Dieser Fehlversuch hat leider meine Konzentration zunichtegemacht und den Schutzzauber aufgehoben.“
„Nimm dir dafür Zeit. Wir wollen natürlich möglichst ohne Schrammen in der Höhle ankommen und du solltest dich auch nicht zu sehr verausgaben. Wenn irgendwas passiert, hast du vielleicht nicht mehr genug Kraft, um zu kämpfen“, wandte Rika ein, was Kiba direkt bestätigte: „Ja, damit hat sie recht. Außerdem kann es gefährlich werden, wenn du durch deinen Körper zu viel magische Energie fließen lässt. Magischer Schaden ist anders als normale Verletzungen. Deine Heilkräfte werden dafür länger brauchen und es kann für uns auch gefährlich werden.“ Verwundert fragte Reiga: „Wie meinst du das? Wieso kann es für euch gefährlich werden?“ Nachdem sich Kiba neben Reiga gesetzt hatte, erklärte er: „Ich bin kein Nihama, daher weiß ich darüber nicht sehr viel. Was mir bekannt ist, ist zum Beispiel ein Vergleich: Magische Energie ist wie Feuer. Sie kann nützlich sein, aber wenn du zu viel davon erzeugst und es nicht mehr kontrollieren kannst, wird es dich und alles in deiner Umgebung zerstören.“
„Hmmm. Das werde ich mir merken. Danke“, gab Reiga darauf nur zurück, denn das bestätigte nur seinen Wunsch sich von einem der Nihama schnellstmöglich unterrichten zu lassen. Für den Moment musste er sich jedoch auf seine eigenen Erfahrungen verlassen. Sehr viel Zeit hatte er sowieso nicht, denn die Menschen konnten jederzeit auftauchen. Er ging davon aus, dass sie die Suche gestartet hatten, kurz nachdem er mit Marie das Dorf verlassen hatte. Wenn sie dazu auch noch direkt in ihre Richtung liefen, wovon er ebenfalls ausging, dann sollten sie so langsam in den Sichtbereich eines Fernglases kommen. Das Risiko entdeckt zu werden, wuchs also mit jeder Sekunde. Nachdem Reiga noch einige Male tief durchgeatmet und seinen Körper und Geist zu Ruhe gebracht hatte, konzentrierte er sich auf den Schutzschild, denn der war erstmal am Wichtigsten.
Als er die nötige Energie zusammen hatte, fing er an die Worte in der alten Sprache aufzusagen und erzeugte vor sich die kleine Kugel aus Licht. Danach ließ er sie wieder über sich aufsteigen und formte die Kuppel aus einem weißen Schleier gleich mit dem Boden dazu. Damit war die Gefahr, entdeckt zu werden, vorerst gebannt. Obwohl der Schild bereits etwas an seiner Kraft zerrte, konnte Reiga dennoch nebenbei langsam etwas magische Energie ansammeln. Mit geschlossenen Augen saß er im Schneidersitz auf dem steinigen Boden, umringt von seinem Rudel und den beiden menschlichen Mitgliedern davon und konzentrierte sich darauf die nötigen Kräfte für den Flug in seinem Innern zu speichern.
Nach etwa zehn Minuten war Reiga schließlich bereit. Inzwischen saßen auch alle anderen, daher entschied er sich dazu auch einfach sitzen zu bleiben. Nur vor ihm sollte keiner sitzen, damit er freie Sicht hatte, deswegen bat er Tiger und Aris darum sich umzusetzen. Als alle soweit waren, konzentrierte sich Reiga auf das Abheben und langsam stieg die Kuppel Zentimeter für Zentimeter höher. Für Thomas, Marie und die Wölfe ein kaum bemerkbarer Unterschied, für Reiga jedoch deutlich spürbar. Als sie endlich die zwei Meter Marke erreicht hatten, musste Reiga erstmal durchatmen. Er konnte noch immer nicht glauben, wie sehr das Fliegen an seinen Kräften zerrte.
Nachdem er sich an die Folgen der Höhe halbwegs gewöhnt hatte, nutzte er etwas Kraft, um die Kuppel in Bewegung zu setzen. Anfangs flogen sie gerade mal in Schrittgeschwindigkeit, doch Reiga stellte fest, dass er sich recht schnell an den hohen Energieverbrauch anpassen konnte. Er war sich jedoch sicher, dass er das ohne seine Unsterblichkeit keines Falls ohne Training geschafft hätte. Nach etwa 20 Minuten konnte Reiga die Kuppel mit einer vernünftigen Geschwindigkeit vorantreiben, sodass sie die verlorene Zeit locker aufholen konnten. Nach weiteren zehn Minuten musste Reiga nochmal etwas an Höhe gewinnen, denn in der Ferne erkannte er Menschen. Vier der Männer aus dem Dorf liefen mit einem vollbewaffneten Soldaten auf sie zu. Zwei der Dorfbewohner zogen zudem einen alten Holzkarren hinter sich her.
Reiga und den Anderen war klar, dass sie darauf wohl die erlegten Tiere transportieren wollten. „Sorry Freunde, aber diesmal geht ihr leer aus!“, rief Thomas lachend, während sie über den Köpfen der fünf Männer langsam hinwegflogen. „Damit sind wir die schon mal los. In der entgegengesetzten Richtung werden sie sicherlich nicht nach uns suchen. Immerhin ist das Tal von Bergketten eingeschlossen, daher werden sie sich sicher sein, dass wir nicht an ihnen unbemerkt hätten vorbeikommen können“, stellte Rika erleichtert fest. Reiga konterte jedoch: „Das mag sein, ja, aber leider sind sie nicht die einzige Gefahr. Bei der Höhle sind ebenfalls Wachen postiert und die Touristen wuseln da auch rum. Wir können auf den Schutzschild also vorerst nicht verzichten.“
Während einige aus seinem Rudel die Aussicht genossen, musste Reiga sich voll und ganz auf seinen Zauber konzentrieren. Nachdem sie nämlich das Dorf erreicht hatten und den Weg zur Höhle angetreten waren, musste er seine Flugkünste unter Beweis stellen. Hier und da galt es mal hohen Bäumen auszuweichen oder eine Schlucht zu überqueren. Reiga stellte zudem fest, dass ein Zauber, der vom Boden abstoßen sollte, sich auf einmal als deutlich schwieriger erwies, wenn der Boden plötzlich um 500 Meter tiefergelegt war. Die erste Schlucht überwand er mit Geschwindigkeit, da sie noch relativ schmal war. Mit der Zweiten hatte er jedoch nicht so viel Glück. Diese war nämlich gute 300 Meter breit und dazu noch weit aus tiefer.
Reiga konnte sich an die alte Hängebrücke gut erinnern. Marie hatte sich strikt geweigert diese zu betreten. Er musste sie schließlich Huckepack nehmen und rüber tragen. Sie war allerdings nicht die Einzige gewesen. Einige andere aus ihrer Gruppe waren ebenfalls nicht schwindelfrei oder wie sie es sagten: Nicht Lebensmüde. Er kam schließlich auf die Idee sich auf die Brücke zu konzentrieren, anstatt auf den Boden, um so die Schlucht überqueren zu können. Nach einer guten halben Stunde und damit kurz vor Sonnenuntergang kamen sie endlich an der Höhle an. „Was ein Glück, dass die Höhle nicht in der Nähe des Gipfels ist“, stellte Reiga erleichtert fest, während er die Kuppel sanft im Wald in einiger Entfernung zum Lager landete. Nachdem er kurz durchgeatmet hatte, wandelte er den Schutzzauber so ab, dass sie wieder durch den Schild hindurch laufen konnten.
„Verehrte Gäste, wir haben unser Ziel erreicht. Ich danke ihnen, dass sie mit ReigaAir geflogen sind und freue mich darauf sie bei unserem Rückflug begrüßen zu dürfen. Ich hoffe sie hatten einen angenehmen Flug. Bitte achten sie beim Verlassen des Schildes darauf, nicht irgendwelchen Feinden in die Arme zu laufen, da sie ihnen sonst Feuer unter dem Hintern machen werden. Sollte ihnen doch etwas zustoßen, schreien sie bitte ganz laut um Hilfe. Ihre Anfrage wird dann schnellstmöglich bearbeitet. Damit verabschiede ich mich und wünsche ihnen noch einen schönen Abend“, sprach Reiga mit elegant gespielter Stimme, als ob er das schon tausende Male gesagt hätte.
Während Thomas und Marie natürlich kurz lachen mussten und sich über Reigas Ansage amüsierten, sahen die Wölfe ihn eher verwirrt an. Woher sollten sie auch die typischen Ansagen von Flugzeuggesellschaften kennen. Reiga bemerkte das allerdings nicht mehr. Erschöpft saß er auf dem Boden und ließ sich schließlich zurückfallen. Schwer atmend lag er auf dem mit Moos bewachsenen Boden und sah durch die Baumkronen zum Himmel rauf. Er konnte sich zwar halbwegs an den Verbrauch von Energie beim Fliegen gewöhnen, aber Kiba hatte dennoch recht. Dieser andauernde Fluss von magischer Energie, der dabei durch seinen Körper strömte, hinterließ Spuren.
Seine Muskeln brannten schlimmer als nach einem Marathon. Sein Körper war durch die Energie so aufgeheizt, dass er glaubte in einer Sauna zu sitzen und das obwohl es locker -10°C waren. Schnaubend lag Reiga auf dem Boden und sah zum Himmel rauf. Langsam kehrten seine Kräfte zurück und inzwischen war es für ihn kein Thema mehr den Schutzschild aufrecht zu erhalten. Das Bisschen an Energie, die der benötigte, war nichts im Vergleich zu diesem Flug. Etwa eine halbe Stunde später waren auch schon alle wieder da. Die Meisten von ihnen waren nur nochmal kurz pinkeln oder sich die Beine etwas vertreten.
Nachdem die Sonne untergegangen war, besprach Reiga nochmal alles mit seinem Rudel. Er erklärte ihnen ganz genau, welchen Plan er sich für das Schleichen in die Höhle ausgedacht hatte. Gegen viertel vor elf lief er dann erstmal alleine vor und prüfte die Lage. Um Punkt elf sollte die letzte Wachablösung für die Nacht stattfinden und die, die in der Höhle waren, fielen dann weg, da nachts nur der Eingang bewacht wurde. Von einem hohen Baum aus und mit einer kleinen Version des Schutzschildes getarnt, beobachtete Reiga das Lager. Wie er es am Abend zuvor in Erfahrung gebracht hatte, so wurden auch diesmal die Wachen pünktlich um elf abgelöst und die Zwei innerhalb der Höhle kamen raus. Zufrieden sah er auch, dass bereits einige der Touristen schlafen gingen.
Gegen viertel vor zwölf legte sich auch endlich der Letzte in eins der Zelte. Reiga formte seine Hände so, das zwischen ihnen ein Loch entstand und sah dadurch auf das Lager herab. Nachdem er seine Hände so platziert hatte, dass er sie alle darin sehen konnte, rezitierte er einige Worte in der alten Sprache: „Aschok goyathlay wis-ki gete helaku.“ Erfreut sah er wie ein silberner Staub aus dem Loch zwischen seinen Händen strömte und das gesamte Lager bedeckte. Kurz darauf gähnten die beiden Wachen vor dem Eingang der Höhle und sackten schließlich schnarchend zusammen. Zufrieden mit seiner Leistung lief er schnell zurück, um die Anderen zu holen und gemeinsam gingen sie im Schutz des Schildes durch das Lager. Der silberne Nebel hätte auch sie eingeschläfert, aber Reiga hatte daran gedacht den Schild luftdicht zu machen. So konnten sie nun problemlos die Höhle betreten, ohne vom Schlafzauber erfasst zu werden.
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)
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Liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
lg Nadeo
Ja, ich nutze das Diktierprogramm inzwischen überwiegend. Nur danach muss ich die Texte natürlich trotzdem selber nochmal überarbeiten. Es ist aber auf jeden Fall eine große Hilfe. Auch, wenn ich zugeben muss, dass es nicht für 18+ Texte geeignet ist. Wenn die Nachbarn große Ohren haben, können die leider mithören. XD
Grüße
Meister Fuchs