Current Track: Blabb
KEYBOARD SHORTCUTS

Die Schatten des fünften Königreichs (2/2)


(c) Larc



Verloren in Gedanken hing der Blick des grauen Lungs auf der ersten Seite seines Journals, das er einst begann, als die Expedition in die neue Welt aufbrach. Seit der Fertigstellung der Torfeste als Außenposten und Operationsbasis am südlichen Pass des Tals,waren zwei Jahre vergangen und die Expedition konnte sich seither der Erkundung der neuen Welt widmen. Die Einheimischen nannten diesen Ort das Sicheltal. Fruchtbares, teils bewaldetes Land mit üppiger und vielfältiger Vegetation. Idyllisch und abgelegen, war es umgeben von einem Felswall, dessen ungewöhnliche Form wohl namensgebend gewesen. Ein Fluss hatte sich im Laufe der Zeit seinen Weg durch das Felsmassiv gebahnt und versorgte das Tal mit seinem kristallklaren, lebensspendenden Wasser.

Einst vor langer Zeit durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden, war dieses Stück Land, dessen Zugang zu Fuß einzig der Pass im Süden war, seinen Bewohnern eine natürliche Festung geworden. Kein Wunder also, dass hier einst Wesen ansiedelten, die Schutz vor natürlichen Feinden suchten und diesen im Schoße des Berggrates fanden, bis die Monster aus dem See kamen.


Der Archivar schien gedanklich in der Vergangenheit zu verharren. Die sich senkende Sonne, die durch das Burgfenster drang, tauchte seinen Raum in ein rötliches Licht Ein bescheiden eingerichtetes Zimmer mit kalten Steinwänden, prall gefüllten Bücherregalen und einem Bett. Allerhand seltsam anmutender Gerätschaften und geöffnete Folianten, Schriftstücke und Bücher lagen chaotisch verteilt und ausgebreitet auf dem halbrunden Tisch vor ihm, der an die Form der Außenwand angepasst war.

Der Raum wirkte wie das Heim eines Drachens, der sich dem Streben nach Wissen und Weisheit verschrieben hatte, wie Viele der östlichen Art. Das Durcheinander seines Arbeitsplatzes über das er wohl möglich einzig und allein die Übersicht besaß, stand im Kontrast zu dem ansonsten rustikalen, aber penibel ordentlich gehaltenen Zimmer.

Tao brütete über seinen persönlichen Aufzeichnungen und ließ nachdenklich die beschriebenen Seiten seines Tagebuchs über die ledrige Fingerkuppe streichen, bevor er es schloss und zur Seite legte. Eine Schande, dass die faszinierenden Bewohner dieser Welt zunächst Bekanntschaft mit den weniger vorzeigbaren Individuen seiner Art machen mussten. Kein Wunder also, dass sie auch der Expedition des Ordens zunächst mit Vorbehalt und Furcht begegneten. Selbst nach der Sicherung des Tals durch Fengars Garde, dauerte es seine Zeit, bis sie erste Kontakte zu den Ureinwohnern der Region knüpfen konnten. Er erinnerte sich an die verlassenen und teils zerstörten Siedlungen, die ihre Truppen beim Erkunden des Tals vorfanden. Die Sicheltaler wogen sich in ihrem Heim in Sicherheit und schienen nicht auf die Bedrohung, die einst dem See entstieg,vorbereitet, gewesen zu sein. Aus Furcht vor jenen „Dämonen“ hatten sie sich lange in einem notdürftig eingerichteten Exil nahe des äußeren Grates versteckt. Glücklicherweise bevorzugten viele der verbannten Übergänger wärmere Klimazonen und zogen in den Süden, doch ihre Ankunft hatte Spuren hinterlassen.


Die Drachen nannten die hier dominierenden Gattungen der Region Donnerläufer. Eine Gemeinschaft aus Wesen, deren Lebensgrundlage auf Grund der pflanzlichen Ernährung die Landwirtschaft war. Der Überbegriff wurde vom Geräusch inspiriert, das ihre Hufen erzeugten, wenn sie auf festen, steinernen Boden trafen. In ihrer Mitte fanden sich auch kleinere Arten, die in der Lebensgemeinschaft im Tal Schutz vor natürlichen Feinden fanden. Obwohl die Expedition noch kaum einen winzigen Bruchteil dieser Welt erkundet hatte, war Tao fasziniert von der Vielfalt des Lebens, die sie bereits hier vorfanden. Es dauerte seine Zeit, bis die Einheimischen genug Vertrauen zu jenen Drachen finden konnten, die mit guten Absichten in diese Welt kamen. Nur zögerlich wagten sie sich zurück in ihre Heime, doch mittlerweile akzeptierten sie die Anwesenheit ihrer neuen Talwächter und trieben sogar Handel mit ihnen. Man fand geschickte Handwerker unter ihnen. Seit der Frühphase ihrer Entwicklung, schienen sie den Nachteil von weniger vorhandenen, natürlichen Waffen, wie scharfe Zähne und Krallen, mit Werkzeugen und Schaffenskraft auszugleichen. Der Fakt das Fengars Schwester So'Rah, die ebenfalls in gehobener Position der Befehlskette der Garde diente, eine maßgefertigte Rüstung eines Einheimischen trug, grämte den knurrigen General und er erwähnte oft spöttisch, dass sie diese Wahl einst bereuen würde. In ihren Augen jedoch zeugten die Produkte der Schmiedekunst des Flügelhengstes, den man Shaorsaidean oder kurz Saorsa nannte, von höchster Qualität und sie ließ sich nicht von seinen mürrischen Zweifeln darin beirren.


Die Sicheltaler ehrten keine Götter. Viel mehr war es das Land, die Erde und die Welt an sich, der sie ergeben waren. Tao traf einst sogar einen Bürger, der predigte, dass eine höhere Kraft in jeglichem Leben wohnt, die alles miteinander verband. Sei es organisch oder pflanzlich. Alles schien laut seiner Auffassung im ewigen Kreislauf miteinander verwoben. Tao versuchte sich an den Namen des schwarzen Donnerläufers mit Geweih zu erinnern. Dyr? Er machte so viele, neue Bekanntschaften unter den Ansässigen, dass es ihm schwer fiel, alle Namen zu behalten.


Die flexible Wirbelsäule erlaubte es ihm, seinen schlanken, drahtigen Körper weit nach vorne zu neigen. Strähnen seiner langen, weißen Mähne, die sich in einem Kamm sein Rückrat bis zur Spitze des Schwanzes hin erstreckte, hingen in sein Gesicht. Nachdenklich strich er sich das Kinn und seine Finger spielten mit den bartähnlichen Auswüchsen, während seine kobaltblauen Augen gedankenverloren einen Punkt in der Ferne zu fokussieren schienen. Dann schweifte sein Blick über all die Schriftstücke und Bücher auf seinem Arbeitsplatz. Es war ihm eine Freude, den Bibliothekar des Sicheltals, der auf den Namen Fiete hörte, kennengelernt zu haben. Schnell sah er im ansässigen Verwahrer der Schriften einen vollwertigen Kollegen seines Fachs und genoss jede ausschweifende Konversation und Austausch mit dem belesenen Esel. Das Wissen der Ortsansässigen über die einheimische Flora und Fauna war beachtlich und eine willkommene Hilfe für die Expedition, um sich in der für sie fremden Welt zurechtzufinden. Beschämend, dass so manch Niederschrift verloren ging, als Fietes Haus bei einem Angriff weit vor Ankunft des Ordens beschädigt wurde.


Tao straffte stöhnend den Rücken und streckte sich. Er musste die Bücher durchstöbern, um seine persönlichen Aufzeichnungen zu erweitern und zu ergänzen, bevor er diese zurück in das Dorf brachte. Der Lung ließ die Finger knacken und überblickte den Berg an Arbeit, der vor ihm lag, bevor er eifrig damit begann, sich durch Lehrbücher diverser Themen zu arbeiten und sich dabei kategorisch sortiert Notizen zu machen. Die Zeit verrann wie im Fluge. Bald wich das rötliche Licht der Abendsonne den immer länger werdenden Schatten und er musste ein paar Kerzen entzünden, um fortfahren zu können. Der Teekessel über der ebenso entflammten Feuerstelle des Kamins, sang sein schrilles Lied. Gedankenverloren wollte er diesen an sich nehmen und brannte sich dabei die Finger. Hastig auf der Suche nach einem Hilfmittel, packte er einen dünnen Lappen aus Leintuch und faltete diesen, damit er mit der anderen Hand die heiße Kanne greifen konnte.

„Herein!“, sagte er, während er noch immer die verbrannten Finger schüttelte und leise im Flüsterton Schimpfworte in einer alten Sprache ausstieß. Er hörte das leise Knarren der Tür und drehte sich vorsichtig um, um nichts der heißen Flüssigkeit zu verschütten. Gekleidet in einem weißen Kimono mit roten Rändern am Saum, die mit mystisch anmutenden Schriftzeichen bestickt waren, stand er da mit der der Kanne in der linken Hand. Seine Lippen formten ein Lächeln, als er seine Gästin erkannte, die aus dem Schatten des Ganges heraus, den Kopf zum Türspalt hinein streckte.


„Meister Tao? Ich wusste nicht, dass du noch in deine Arbeit vertieft bist.“, sagte die Drachin, während ihr Blick durch den Raum schweifte und beiläufig den Tisch voller Unterlagen wahrnahm.

„Nun, es gibt eine Zeit zu arbeiten, eine Zeit für Tee und...“, das Lächeln schwand von seinem Gesicht, als die Hitze durch das dünne Tuch drang, mit dem er den Griff hielt.

„... und eine Zeit, die Kanne abzustellen.“, sagte er, während er zum Tisch eilte und das Gefäß hinstellte. „Möchtest du eine Tasse, Taira?“, fragte er ohne auch nur kurz inne zu halten, bevor er sich auf dem Weg zu einem der Regale machte, um Tassen zu holen, als würde er die Antwort bereits kennen. Tairas Nüstern zuckten, als sie den aromatischen Duft wahrnahm.


„Wer könnte zur traditionellen Mischung aus deiner Heimat nein sagen?“, sagte sie mit ihrer weichen und warmen Stimme und trat dann langsam ein. Er hingegen kehrte zurück und schob die Unterlagen grob beiseite, um Platz zu schaffen. Er holte noch schnell einen zweiten Schemel heran und winkte sie herbei. Ihr Gang wirkte stolz und aufrecht, beinahe einstudiert und formell, was durch die schwarze, taillierte Robe des Ordens mit dem rot aufgestickten Phönix als Wappentier auf der Front, noch verstärkt wurde.


Trotz ihrem unscheinbaren Äußeren mit ihren erdbraunen Schuppen und den chremefarbenen Flügelhäuten, lag eine galante Würde und innere Ruhe in ihrer Ausstrahlung der westlichen Drachin. Ihre Augen hingegen schienen eine eigene Sprache zu sprechen. Nervosität, Besorgnis und Sehnsucht nach Rast lag in ihrem Blick. Mimikfältchen in ihrem Gesicht allein zeugten von ihrem fortgeschrittenen Alter und der Erfahrung, der sonst unermüdlich wirkenden Stimme des Ordens.

„Allein der Duft beruhigt das Gemüt und weckt neue Lebensgeister. Ein heißer Schluck ist genau das Richtige nach einem Tag wie diesem.“ seufzte sie erschöpft und nahm Platz.

„Verzeih die Unordnung! Scheint so, als ob wir alle kaum Zeit zur Langeweile finden in diesen Tagen. Ein Glück, dass Angehörige deines Volkes es schafften, meine Setzlinge der Teepflanze hier zu kultivieren.“, merkte er an, während er einschenkte und dabei ohne Aufzusehen seinen Daumen zweigte.

„Grau und nicht Grün! Ohne meinen Tee, hätte ich längst resigniert! Gibt es etwas, dass ich für dich tun kann?“, sagte er mit einem Lächeln der Vorfreude auf dem Gesicht und nahm ihr gegenüber Platz. Geduldig ließ er ihr wie gewohnt ihre zwei Löffel der Zimtmischung nehmen, der er stets eine winzige Prise eines seltenen Gewürzes aus seiner Heimat beimischte, wenn er Besuch empfing.


„Falls du kein Pulver, das die Angst vor Veränderung bezwingt zur Hand hast, bin ich damit zufrieden.“

Sie hob ihre Tasse und nahm einen kleinen Schluck.

„Mehr und mehr kleine Gruppen an Leuten der umliegenden Regionen ziehen hier her in den Norden. Verschiedene Arten und verschiedene Meinungen. Alle suchen nach Sicherheit und viele bringen nicht erfreuliche Geschichten aus der Heimat. Die Sicheltaler stehen manch Jägervolk ebenso skeptisch und verängstigt gegenüber wie einst uns, bis wir unsere guten Absichten bewiesen haben.“


„Unsere Befestigung mag an der Südgrenze des Tals liegen, aber das Land dahinter ist nicht das unsere. Sicher werden die Einheimischen entscheiden wollen, wen sie willkommen heißen und wen nicht.“, sagte Tao und begann mehrere Löffel der Mischung in seine Tasse zu schaufeln, ohne interessiert lauschend den Blick abzuwenden.

Taira nahm einen großen Schluck aus der Tasse. „Versuche Verhandlungen zu unterstützen, in denen die Seite, der du zu helfen gedenkst, dich für ein Monster hält. Ich wünschte wir könnten mehr tun, aber uns sind die Hände gebunden. Die Einheimischen führen das Wort. Wir sind auch nur Gäste auf ihrem Land und es schmerzt, Einwanderer zu sehen, die bei erstem Sichtkontakt mit uns Kehrt machen.“


Der Lung hätte gerne weiter nachgehakt, doch wirkte Taira, als würde sie einen Themenwechsel benötigen, um zur Ruhe zu kommen. Die ihrer Art, die ihnen zuvor in diese Welt gekommen waren, schienen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Er wusste um die Situation südlich ihrer Befestigung. Manche der Reisenden kampierten dort und hatten ihre Lager so weit wie möglich voneinander aufgeschlagen. Es schien schwierig, eine Übersicht über die Verhältnisse, die sich über Jahrhunderte zwischen ihren Arten entwickelt hatten zu gewinnen. Zumindest schienen manche die neutrale Position des Ordens wahrgenommen zu haben und bemühten sich zu bleiben und sich auf Gespräche einzulassen. Ebenso hatte er vom derzeit akutesten Problem gehört, das den General veranlasste, seine Truppe zu mobilisieren.


Im Versuch, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, sagte er: „Wie geht es meinem früheren Schüler Amahr? Seit er Anwärter der Phönixgarde ist und unter So'Rah dient, habe ich ihn kaum noch gesehen.“

Taira senkte den Kopf und stellte die Tasse aus der Hand.

„Die Schwester des Generals hat ihn gemeinsam mit anderen jungen Kriegern der Mission zugeteilt. Er war so euphorisch, die Chance zu erhalten, sich unter Fengars Augen zu beweisen.“

Ein unruhiger Unterton lag in ihrer Stimme und Tao überkam das Gefühl, das Gespräch vom Regen in die Traufe geführt zu haben.

„Du musst krank sein vor Sorge. Verzeih!“, merkte er verständnisvoll an.

„Seit er klein ist, redet er von nichts Anderem als von den alten Helden des Ordens. Ich hätte mir für ihn eine andere Zukunft gewünscht, aber das ist, was er möchte.“, seufzte die Erddrachin mit gesenktem Blick, den sie langsam hob um nach Momenten des Schweigens anzufügen:

„Ich mag den Weg nicht, den er als Erwachsener einschlug, aber ich glaube, der Dienst ist wichtig für seinen Werdegang.“


Nachdenklich nippte der Lung an seiner Tasse. Taira hatte stets ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme anderer Teilnehmer der Mission. Sie selbst sprach allerdings höchst selten über Dinge, die sie innerlich bewegten. Nun war ihr erwachsener Zögling Teil des Trupps, der gegen die Basiliskenplage unweit im Südwesten, die für die gesamte Region zur Bedrohung werden könnte. Späher fanden eine ziellos umherirrende Gruppe von Frauen und Kindern eines Volkes, das sich selbst Mondsänger nannte. Erschöpft und ausgemergelt berichteten sie von reptilischen Wesen, die vor zwei Jahrzehnten in ihre Heimat kamen. Wohl eine Gruppe von Verbannten. Sie schienen freundlich, lehrten ihrem Volk viele Dinge und auf Grund der weißen Hautfarbe hielten religiöse Fanatiker ihre Anführerin für einen Avatar der Mondgöttin. Sie nisteten sich in ihrem Mondtempel ein und begannen, sich rasch zu vermehren. Die Mondsänger erzählten von fürchterlichen Machenschaften und Teilen ihres Volkes, die der Herrin trotz allem blind als Jünger folgten. Ebenso erwähnten sie den Widerstand, der sich im Verborgenen gegen die falsche Göttin auflehnte.


„Es mag dich nicht sonderlich beruhigen, aber ich habe Amahr schon lange vor Beginn seiner militärischen Ausbildung ein paar Tricks gezeigt. Einst habe ich selbst eine Zeit lang die Kampfkunst trainiert, als ich noch jung war. Lange her..“, sagte Tao und unterlegte seine Worte mit charakteristischen Bewegungen seiner flach ausgebreiteten Pranken. Der ungläubige Blick, den sein offenbar misslungener Versuch der Aufheiterung nach sich zog, brachte ihn zum Schlucken. Als sein Lehrer hatte er die Veränderung des schwarzen Wyverns bemerkt, als sich dieser dem Erwachsenenalter näherte. Auch andere seiner Kameraden sprachen darüber und es gingen Gerüchte um. Die Ränder der Schuppen seiner Brust hatten einen metallischen Glanz bekommen. Früher verbarg er es unter Kleidung, heute unter seiner Brustplatte der Rüstung. Manche hatten es dennoch wahrgenommen. Neugier überkam ihn und er fügte verlegen hinzu:


„Es ist schwer ein junges, wildes Herz zu zähmen, das das Abenteuer sucht. Die wenigsten unserer Art sind mit Aufgaben wie den unseren glücklich. Er hat deine Prägung, aber er muss starke Vorfahren haben. Nie hast du den Namen, der einsamen Mutter erwähnt, von dem du ihn adoptiert hast.“

Er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, doch die Augen besaßen einen neugierigen Glanz. Sie schwieg nachdenklich und griff zur Tasse. Beide hoben ihr Getränk fast synchron an. Tao nahm einen Schluck. Taira hielt inne.

„Cyrill“, sagte sie leise. Tao musste die Pranke vor seine Nase halten, um einer Reaktion der Überraschung den Tee nicht zu verspritzen.

„Die Kaiserin? Ist das wahr?“, hustete er und rang nach Luft.Sie nickte nur und sah ihm die vielen Fragen an, die seinen Geist erfüllten. Zögerlich begann sie zu sprechen.

„Tao es ist eine lange Geschichte. Sie fühlte sich vernachlässigt von ihrem Gatten und machte einen Fehler. Ich war ihre Vertraute. Sie bat mich, sein Ei zu hüten aus Furcht vor dem Zorn des Kaisers.“ Ihre Stimme besaß einen emotionalen und traurigen Unterton.

„Ich fühlte mich so allein zu dieser Zeit... hatte meinen Partner Jahre zuvor an eine unheilbare Krankheit verloren und war nie selbst in der Lage, Leben zu gebären.“ Ihre Lippen bebten sanft. Tao stand auf um eine Hand auf ihre Schulter zu legen. Er beugte sich hinab und umarmte sie tröstend.

„Ich weiß nicht was seine Zukunft bringt, doch ich fühlte mich verantwortlich ihn vorzubereiten, ihn Werte zu lehren und ihn angemessen zu erziehen. Am Tag als wir uns trafen, wusste ich bereits, dass ich dazu Stahlhain verlassen musste, Irgendwann könnten sich Anzeichen seiner Herkunft zeigen. Außerdem wollte ich, dass er geprägt wird von guten Lehrmeistern.“


Tao richtete sich auf und fühlte sich geschmeichelt. Er nahm die Kanne und schenkte beide Tassen nach. Nie zuvor hatte sie sich so geöffnet und über ihre Vergangenheit gesprochen..

„Immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von anderen und selbst trägst du deine Last voller Würde. Ich setze noch eine Kanne auf. Lass es ruhig eine lange Nacht werden.“, sagte er stolz darauf, ihr Vertrauen zu genießen.