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Hallihallo an alle! :)

Willkommen zum 15. Kapitel. Mit dem letzten Kapitel hatte ich meine Leser zu einem kleinen Spiel aufgerufen. In Kapitel 14 war nämlich ein Hinweis auf etwas versteckt. Worauf solltet ihr versuchen rauszufinden. Einer von euch hat sich tatsächlich die Mühe gemacht und es versucht. Allerdings hatte er nicht zu 100% recht. Hier nun die Auflösung:

Der Hinweis: Nach ein paar Sekunden sprach Alos weiter: „Lass mich dir eine Frage stellen. Was glaubst du, was in nächster Zeit geschieht?“ Reiga sah zu ihm auf und antwortete: „Keine Ahnung. Wahrscheinlich werde ich erstmal das Schwert suchen, danach die Aschkoog bekämpfen und vorausgesetzt ich gewinne, dann werde ich wohl die Wölfe auf einen anderen Planeten bringen.“ Der Drache nickte und konterte dabei: „Und dann? Nehmen wir an, dass alles geschieht in den nächsten 100 Monden, was machst du dann in 200 Monden? Es stimmt, dass es noch unzählige Wege gibt dich zu vernichten, aber was, wenn du am Leben bleibst?“ „Keine Ahnung. Worauf willst du hinaus?“, fragte Reiga.

Ja… was dann? Nun die Antwort ist ebenfalls im Kapitel enthalten. Wenn die Welt des goldenen Mondes mit Band 3 beendet ist und Reiga seine Bestimmung erfüllt hat, nun… was dann? Wenn dieser Punkt gekommen ist, dann mache ich mich an einen Zusatzband. Oder man könnte auch Mini-Fortsetzung sagen. In dieser Fortsetzung wird sich Reiga einer neuen Herausforderung stellen und zwar der, um die ihn Alos gebeten hat: Die Aufzucht der 12 Drachen. Die von euch, die das interessiert, können sich also schon mal darauf freuen. Natürlich wird das noch etwas dauern, aber schreiben werde ich es auf jeden Fall. Nur der Tod selbst könnte mich davon abhalten. ^^

Naja… so viel dazu. Hier schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen.

Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann das einmalig hier machen: https://ko-fi.com/meisterfuchs

Genug der Umschweife, hier nun das 15. Kapitel!

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3


Kapitel 15: Feuer und Flamme

„Das ist also Drachenfeuer?“, hakte Thomas geschockt nach, während er wie alle anderen die bunte Flamme über Reigas Hand bestaunte. „Warum leuchtet es in so vielen Farben?“, erkundigte sich Marie neugierig. Der alte Drache erklärte: „Auf Grund der hohen Konzentration werden die jeweiligen Quellen, aus denen der Anwender die Energie gesammelt hat, durch Farben sichtbar. Weiß ist positive und schwarz negative Energie. Diese Beiden sind die Einzigen, die stets zusammen auftreten und abhängig von einander sind. Grün ist die Energie der Natur und der Pflanzen. Hellblau entsteht aus der Luft und dem Himmel, dunkelblau kommt vom Wasser. Gelb ist die Energie der Sonne und überwiegt meist den anderen Quellen, da sie am einfachsten zu sammeln ist. Braun kommt von der Erde und jeglichem Gestein und den Mineralien darin. Rot ist die Energie der Emotionen aller Lebewesen, während lila die Lebenskraft selbst ist.“

Kiba fügte mit ein: „Daher ist auch der Saft der Nova-Früchte lilafarben. Er besteht fast vollkommen aus Lebensenergie. Deswegen verlängert der regelmäßige Verzerr der Früchte das Leben.“ Nickend sprach der Drache: „Es gibt noch unzählige weitere Quellen, aber das waren soweit die Größten und Wichtigsten davon.“ Nicht nur Marie war fasziniert von all dem. Auch Thomas, Reiga und die übrigen Wölfe fanden das Ganze ungemein interessant. Natürlich wussten die Wölfe ein paar grundlegende Dinge, aber um solch detailliertes Wissen über die Energien bemühten sich sonst nur die Tiranen und die Nihama. Ein einfacher Rudelwolf hatte für gewöhnlich andere Dinge, die er wissen musste. Nach ein paar Sekunden kam Reiga eine Idee. Er musste es einfach mal ausprobieren, streckte seinen Arm ganz aus und richtete dabei seine Handfläche auf die Höhlenwand rechts neben ihnen.

Bevor einer fragen konnte, ließ Reiga eine gewaltige Menge an Energie in das Drachenfeuer strömen und entfachte damit einen ein Meter dicken Feuerstrahl, der blitzschnell auf die Felswand der Höhle zuraste und diese kurz darauf traf. Das bunte Feuer prallte jedoch nicht davon ab. Reiga stoppte direkt den Zufluss an Energie und ließ das Feuer vor seiner Hand versiegen. Daraufhin verschwand auch der dicke Strahl und alle Anwesenden sahen zur Höhlenwand rüber. „Wow…“, kam nur von Thomas. Erstaunt entdeckten sie ein Loch in der massiven Felswand. Der Strahl war problemlos hindurchgeglitten und hatte einen langen rotglühenden Tunnel erzeugt, an dessen Wänden geschmolzenes Gestein runterfloss. „Wie durch weiche Butter…“, stellte Reiga geschockt fest. 

Alos erklärte: „Korrekt und das gilt für alle Materialien im Universum. Selbst die mächtigsten Zauber können diesen Flammen nicht standhalten. Es gibt nur eine Sache, die ihnen widerstehen kann.“ Marie sah erstaunt zum Drachen auf. Reiga hingegen betrachtete nochmal kurz den Feuerrubin und konterte dabei: „Lass mich raten – das Schwert oder?“ Alos nickte kurz und antwortete: „Das Schwert der Unendlichkeit, das aus den drei heiligen Schätzen oder genauer gesagt, aus den Überresten des Schöpfers selbst, hergestellt wurde, ist das Einzige im Universum, was dem Drachenfeuer standhalten kann.“ „Das muss ein unglaubliches Schwert sein. Ich kann es kaum noch erwarten, es zu sehen“, stellte Thomas begeistert fest.

„Ich verstehe nicht, wie ein so mächtiger Gegenstand einfach verloren gehen kann. Ich meine, wenn es wirklich so viel Macht beinhaltet, dann muss es doch irgendwie erkennbar oder zumindest spürbar sein. Eine solch gewaltige Quelle an Energie muss man doch irgendwie ausfindig machen können“, erwiderte Marie plötzlich und sah dabei fragend zum Drachen auf. Alos verstand natürlich worauf sie hinauswollte und antwortete nickend: „Da hast du eigentlich recht, aber das ist beim Schwert der Unendlichkeit etwas komplizierter. Normalerweise sind magische Quellen in der Tat „spürbar“ für einen geübten Magier und je stärker die Quelle, desto leichter ist es sie aufzuspüren. Das Schwert strahlt jedoch eine ganz andere Art von Energie aus, als alles was du kennst oder dir vorstellen kannst.“

„Wie meinst du das?“, fragte Marie neugierig. Der Drache erklärte: „Die Macht des Schwertes ist mit keiner natürlichen oder unnatürlichen Quelle vergleichbar. Sie ist einzigartig. Es ist die Macht des Schöpfers selbst. Es ist göttliche Energie. Die reinste Form von Energie, die es gibt. Tausendfach höher konzentriert als das Drachenfeuer. Nichts ist dieser Kraft ebenwürdig.“ Etwas überrumpelt konterte Marie: „Macht es das dann nicht einfacher es zu finden, wenn diese Kraft so einzigartig ist?“ Alos entgegnete: „Weißt du denn wie sich Göttlichkeit anfühlt? Weißt du, wonach du suchen müsstest?“ Nun konnte sie nichts mehr darauf antworten. Nach ein paar schweigsamen Sekunden meinte Reiga: „Die Prophezeiung hat mich also hierhergeführt, sodass du mir das Amulett geben kannst. Das ist mir zwar eine große Hilfe, aber dem Schwert bin ich dadurch wohl nicht nähergekommen.“

Kiba war anderer Meinung: „Nein, so würde ich es jetzt nicht sehen. Natürlich haben wir das Schwert noch nicht gefunden, aber ich denke, jeder Schritt bringt uns näher heran, egal wohin wir gehen. Wir müssen einfach etwas mehr Geduld haben und den Weg weitergehen. Auch mit dem Buch der Prophezeiungen gibt es nun mal keine Abkürzungen zum Ziel.“ Reiga grinste seinem felligen Freund entgegen. „Kleiner Klugscheißer du…“, lachte er und wuschelte Kiba dabei durch sein Kopffell. „Sagt gerade der Richtige“, gab der Wolf mit den zwei goldenen Ohrringen nur zurück. Nach ein paar Minuten ergriff Alos nochmal das Wort: „Ich muss leider zugeben, dass deine menschliche Begleiterin keinen schlechten Gedanken damit hatte, das Schwert anhand seiner magischen Aura aufzuspüren.“

„Sagtest du gerade nicht, dass das unmöglich ist, solange man nicht weiß, wie sich die göttliche Energie anfühlt?“, hakte Marie noch etwas beleidigt nach. Der Drache brummte direkt: „Ja, das sagte ich und das ist auch richtig so. Ich wüsste allerdings wer vielleicht noch weiß, wie sich die Macht des Schwertes anfühlt.“ Reiga sah wieder zu Alos auf und fragte: „Und wer?“ Der antwortete nur: „Die Füchse. Sie sind zwar nicht sehr stark, aber dafür ist ihr Wissen unübertroffen. Vieles von dem, was ich weiß, habe ich von ihnen gelernt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das Schwert aufspüren könnten.“ Reiga stöhnte genervt: „Na super…“ Auf den verwunderten Blick von Alos, erklärte Kiba: „Die Füchse haben schon vor einer ganzen Weile diese Welt verlassen und sind auf ihren Heimatplaneten zurückgekehrt.“

„WIE BITTE?“, brüllte der Drache geschockt, sodass sogar die Höhle kurz zu beben begann. Als sich alles wieder etwas beruhigt hatte, fragte er nochmal nach: „Das ist doch wohl ein Scherz oder?“ Kiba schüttelte nur den Kopf. Alos fing sofort an zu meckern: „Das glaube ich einfach nicht! Es mag sein, dass die kleinen Rotpelze keine geborenen Kämpfer sind, aber mit Sicherheit dürfte ihnen klar sein, dass der Lougarou nicht auf ihre Hilfe verzichten kann. Nein, das kann einfach nicht sein. So etwas Dummes würden sie nicht grundlos machen und feige sind sie auf keinen Fall! Du, Wolf! Erzähl mir alles! Was ist passiert? Warum sind sie gegangen?“ Der grimmige Drache sah daraufhin Kiba fordernd an und wartete auf dessen Antwort.

„Ehrlich gesagt, ist mir der genaue Grund dafür nicht bekannt, da ich zu diesem Zeitpunkt in Gefangenschaft war. Ich weiß nur, dass es wohl einige Meinungsverschiedenheiten zwischen unserem Rat der Meister und den Füchsen gegeben haben soll. Das führte dann zu einem Streit und das schließlich dazu, dass die Füchse den Planeten verlassen haben. Es tut mir leid, aber mehr kann ich dir dazu nicht sagen“, sprach Kiba schließlich und Alos schien davon wenig begeistert zu sein. Ein kurzes tiefes Grollen erfüllte die Höhle, während der Drache versuchte seine Wut zu bremsen. Obwohl auch zwischenzeitlich mal etwas Rauch aus seinen Nüstern stieg, schaffte Alos es dennoch sich zu beherrschen.

„Nun gut. Daran kann man nichts mehr ändern, aber ich sage dir eins Lougarou. Ohne die Füchse sind deine Chancen auf einen Sieg geradezu ins Nichts gerutscht. Schließlich waren die Schlangendiener selbst für die vereinte Kraft aller drei Völker schon eine Herausforderung und auch wenn wir sie im letzten Kampf stark dezimiert hatten, ist ihre Anzahl sicherlich wieder enorm angestiegen. Selbst, wenn du den Sieg erringen solltest, wird das nicht ohne große Opfer geschehen. Die Mehrheit des grauen Volkes wird diesen Kampf nicht überleben“, brummte der Drache plötzlich, was Reiga natürlich nicht wirklich Mut machte. Bevor jemand etwas darauf antworten konnte, sprach Alos: „Verzeih mir, ich möchte dir damit nicht deine Hoffnungen zerschlagen, aber andererseits werde ich dich auch nicht belügen.“

Reiga atmete einmal tief durch. Danach wandte er sich wieder dem Drachen zu und antwortete: „Ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Ich weiß, dass meine Chancen nicht gutstehen, aber deswegen werde ich nicht aufgeben. Das kann ich ganz einfach nicht.“ Alos nickte zufrieden: „Das ist bewundernswert. Nur muss ich gestehen, dass ich nicht glaube, dass die Füchse wirklich einfach weggegangen sind. Ich zweifele nicht an deinen Worten, Wolf, aber dennoch würden die Rotpelze, die ich kenne, sowas nicht tun. Es ist einfach dumm. Sie würden genau wissen, dass wenn der Lougarou versagt, die Schlangendiener als nächstes sie angreifen würden. Deswegen wäre es dumm jetzt einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Die Chancen auf den Sieg wären deutlich höher, wenn Füchse und Wölfe zusammen kämpfen würden.“

„Das stimmt schon, aber wo sind sie dann? Ich meine, ein ganzes Volk kann sich doch nicht einfach unter irgendeinem Stein verstecken oder?“, warf Thomas nun mit ein. Der Drache sah ihn kurz verwundert an. Nach ein paar Sekunden kam ihm ein Gedanke. Erstaunt konterte Alos: „Ein ganzes Volk vielleicht nicht, aber ein Einzelner mit Sicherheit. Die Füchse mögen den Planeten verlassen haben, aber ich kann mir gut vorstellen, dass mindestens einer hiergeblieben ist. Dieser Eine könnte die Anderen benachrichtigen, wenn die Aschkoog eingetroffen sind.“ Kiba fügte direkt mit ein: „Außerdem würden die Aschkoog sicherlich denken, dass sie schon gewonnen hätten. Nur gegen die Wölfe kämpfen zu müssen, könnte sie in Sicherheit wiegen und dann tauchen plötzlich doch noch ein paar hunderttausend Füchse auf.“

Nickend sprach der Drache: „Stimmt. Natürlich können wir über ihre Absichten jetzt nur spekulieren, aber diese Theorie hört sich für mich schon eher nach den Rotpelzen an, als dass sie einfach dem Kampf ausweichen würden.“ „Apropos Kampf. Wie sieht es mit dir aus, Alos? Wirst du auch kämpfen?“, fragte Reiga neugierig. Der alte Drache sah verträumt zum Loch rüber, das Reiga mit dem Drachenfeuer gemacht hatte. Das geschmolzene Gestein war mittlerweile wieder erkaltet und dunkelbraun bis schwarz geworden. „Wie gerne würde ich noch einmal den Himmel erkunden, über die Welt hinwegfliegen und mein Feuer speien, doch dazu bin ich leider nicht mehr in der Lage. Ich war schon alt und schwach, als ich mich schlafengelegt habe und nun kann ich bereits spüren, wie sich meine Lebenskraft allmählich aufbraucht. Ich habe vielleicht noch einen halben Tag, dann werde ich meinen Nootau-roway durchführen und bei meinen Brüdern und Schwestern sein.“

Reiga sah nur wortlos zu Kiba runter. Der Wolf erklärte: „Grob übersetzt: Flammendes Ende. Wenn es für einen Drachen Zeit ist zu sterben, verbrennt er seinen Körper durch sein eigenes Drachenfeuer. Es ist ihre Art dem Tod zu begegnen.“ Alos fügte auf Reigas erstaunten Blick hinzu: „Wir Drachen verbergen in unseren Körpern viele Geheimnisse über die Magie und das Drachenfeuer. Wir würden niemals zulassen, dass diese Geheimnisse in falsche Hände gelangen. Es gab Zeiten, da wurden wir deswegen gejagt und abgeschlachtet. Daher führte mein Volk die Tradition ein, dass ein Drache, der keinen Ausweg mehr sah oder seinem natürlichen Ende nahe war, sich in der Flamme seines Drachenfeuers verbrennen und so zu seinen Vorfahren zurückkehren sollte.“

Marie konterte geschockt: „Das ist ja schrecklich! Das muss doch ein qualvoller Tod sein?!“ Der Drache schüttelte kurz verneinend den Kopf und antwortete dabei: „Wir Drachen werden in Feuer gezeugt, mit Feuer geboren und unser ganzes Leben lang brennt das Drachenfeuer in uns. Eine Flamme kann uns daher keine Schmerzen bereiten, besonders nicht unsere eigene.“ Keiner sagte darauf etwas und keiner machte irgendein Geräusch. Ein grelles Licht schien jedoch plötzlich aus Reigas geöffnetem Mantel und beendete die peinliche Stille, die einige Sekunden lang geherrscht hatte. Als das Licht erloschen war, griff der Lougarou in seine Innentasche und holte das Buch raus. „Eine Prophezeiung? Jetzt?“, fragte Kiba erstaunt.

Alle widmeten sie neugierig ihre Aufmerksamkeit Reiga, der das Buch öffnete und die letzte beschriebene Seite aufschlug. „Tatsächlich. Hier ist ein neuer Text“, stellte er erstaunt fest. „Lies es bitte laut vor, Reiga“, erwiderte Thomas gespannt und nach einem kurzen Nicken fing Reiga an vorzulesen: „Wahrlich ich sage euch ein großer Schritt ist getan. Ein Freund wurde gefunden, eine neue Kraft hast du erhalten. Manch einer würde sagen, die Zeit hat sich gelohnt, doch wie viel Zeit ist vergangen? Für den, der sich freut, vergeht sie schnell. Für den, der wartet, nicht schnell genug. Was wäre, wenn sie so langsam vergeht, das sie fast schon steht, aber du bemerkst es nicht. Ist sie dann wirklich langsamer vergangen? Oh junger Lougarou, dein neuer Freund kennt die Antwort und wenn du sie und seine letzte Bitte gehört hast, dann kehre heim zu deinem Volk. Dort wartet bereits deine nächste Aufgabe und es tut mir leid, aber es wird eine der schwersten Prüfungen für dich sein. Zum Schluss ein Rat: Um die Wahrheit zu finden, ist mehr nötig als nur die Lügen zu erkennen. Nutze wie immer deinen Verstand, doch vergiss dabei nicht dein Herz. Klarheit kommt nur in Verbindung mit Ruhe, also überstürze nichts und besinne dich auf deinen Instinkt. Er kann dir hierbei von großem Nutzen sein.“

Reiga hob leicht den Kopf und sah wortlos nach vorn. Wieder herrschte ein Moment der Stille in der riesigen Höhle. Schließlich drehte sich der Lougarou zu seinem Rudel um und meinte: „Ich habe ein ganz mieses Gefühl.“ Kiba schaute zu Reiga rauf und fragte: „Da erwartet uns wohl eine Überraschung in den Mondhöhlen. Was könnte es sein? Hast du eine Ahnung?“ Ohne auf Kiba zu reagieren, wandte sich Reiga dem Drachen zu und fragte: „Was ist in der Prophezeiung damit gemeint, das Zeit nicht immer gleich vergeht? Und was ist das für eine letzte Bitte? Möchtest du mich um noch etwas bitten, als nur die Aufzucht der Drachen?“ Alos schnaubte einmal und stieß dabei etwas Rauch aus seinem Nüstern.

„Wie bereits gesagt, ich war schon sehr alt, als ich mich schlafengelegt habe. Dieser Tiefschlaf verlangsamt unsere Körperfunktionen soweit, dass wir kaum altern, aber stoppt es nicht vollkommen. Mit anderen Worten wir werden dadurch nicht unsterblich, sondern gewinnen nur etwas Zeit. Die übrigen Drachen und ich waren jedoch der Meinung, dass das vielleicht nicht reicht. Um sicherzustellen, dass ich dem letzten Lougarou noch begegnen kann, haben wir daher diese Höhle mit einem mächtigen Zauber belegt. Er verlangsamt den Fluss der Zeit hier drinnen ganz erheblich“, erklärte Alos, was auf einigen Gesichtern einen leicht geschockten Ausdruck auslöste. Zumindest bei denen, die verstanden hatten, was der Drache meinte.

Reiga fragte etwas genervt: „Wie viel? Wir sind nun fast eine Stunde hier. Wie viel Zeit ist währenddessen draußen vergangen? Ein Tag? Ein Monat? Oder sogar ein Jahr?“ Der Drache überlegte kurz, musste aber antworten: „Keine Ahnung. Wir haben den Zauber so mächtig wie möglich gemacht, um dieses Treffen zu garantieren. Allerdings kosten Zauber zur Manipulation der Zeit enorme Energie. Ich spüre bereits eine Weile, wie er an meiner Lebensenergie zerrt. Ebenso wie der Zauber, der die Lava zurückhält. Er ist nicht mehr so stark wie am Anfang, deswegen kann ich den Zeitunterschied nicht einschätzen. Tut mir leid. An den Zeitzauber habe ich gar nicht mehr gedacht. Es ist mir auch erst eingefallen, als es in der Prophezeiung angedeutet wurde.“

Nun schnaubte Reiga mal durch und erwiderte danach: „Wie auch immer. Lässt sich jetzt sowieso nicht mehr ändern. Was ist mit der letzten Bitte? Was ist damit gemeint?“ Alos drehte seinen Kopf zum großen Loch in der Felswand, das Reiga mit dem Drachenfeuer gemacht hatte und erklärte: „Das Drachenfeuer ist eine mächtige und sehr gefährliche Waffe. Es wird dir im Kampf gegen die Schlangendiener und später bei der Aufzucht der Drachen sehr nützlich sein, jedoch kann ich dir nicht gestatten es für immer zu behalten. Das Drachenfeuer gehört den Drachen und nur wir sollten darüber herrschen. Deswegen betrachte bitte den Feuerrubin und das Feuer darin als eine Leihgabe, die du eines Tages zurückgeben musst.“ Reiga nickte zustimmend und sprach: „Kann ich verstehen und ich gebe dir mein Wort darauf.“

Der Drache lächelte etwas, fügte jedoch hinzu: „Das habe ich erwartet und dafür danke ich dir. Das ist aber noch nicht alles. Wenn du die Drachen aufgezogen hast und der Meinung bist, dass sie geistig erwachsen genug sind, dann wähle bitte einen von ihnen aus. Wähle den, dem du am meisten vertraust und der dir geeignet dafür erscheint deinen Platz als Oberhaupt einzunehmen. Diesem Drachen, ob männlich oder weiblich ist egal, gibst du das Amulett. Er soll es verschlingen. Der Rubin wird sich in seinem Körper auflösen und damit zerstört. Viel wichtiger ist jedoch der Inhalt des Rubins. Wir baten die Füchse darum all unser Wissen, all unsere Traditionen, Legenden und Fähigkeiten in ihm einzuschließen. Wenn der Drache ihn gefressen hat, wird das ganze Wissen auf ihn übergehen und er kann es den Anderen beibringen. Erst dadurch kann mein Volk wirklich wiederauferstehen. Das ist meine letzte Bitte an dich.“

Reiga nickte nur erneut, bemerkte dabei jedoch etwas. Der Drache wirkte außer Atem. Schwer schnaubend sah ihn Alos an. „Keine Sorge. Ich werde dir auch diese Bitte erfüllen. Ich freue mich schon darauf“, erklärte Reiga auf den fast schon flehenden Blick des Drachen. Alos nickte kurz und sprach: „Ich danke dir, Lougarou, aber ich muss dich nun dazu drängen zu gehen. Der Zeitzauber ist bereits erloschen, aber dennoch schwindet meine Lebenskraft immer schneller. Ich kann den Schutzzauber über der Lava nicht mehr lange aufrechterhalten. Folgt den Steinweg hinter mir. Er führt zu einem kleinen Raum mit einem Portalteich. Der bringt euch direkt in die Mondhöhlen.“ Reiga und die Anderen sahen ihn kurz überrascht an.

Der Drache wirkte auf einmal sehr verspannt und schien sich anzustrengen. „Okay und - es tut mir leid“, erwiderte Reiga noch, doch während sich Alos langsam auf seine alten Beine stellte, entgegnete er: „Das muss es nicht. Ich habe lange genug gelebt. Es ist Zeit zu brennen. Und jetzt geht. Bitte.“ Reiga nickte nur erneut und drehte sich zu seinem Rudel um: „Wir müssen gehen.“ Da ihn nur alle ziemlich überrumpelt ansahen, musste er nochmal mit etwas nachhelfen: „Na wird's bald! Bewegt eure Hintern! Oder wollt ihr lieber in der Lava schwimmen?“ Diesmal reagierten die Wölfe und auch seine beiden menschlichen Kameraden auf den Befehl und setzten sich in Bewegung.

Während sie sich von dem alten Drachen verabschiedeten, liefen sie um ihn herum und folgten dem steinernen Pfad zur gegenüberliegenden Felswand. Dort befand sich tatsächlich ein kleiner Durchgang, der zu einer weiteren Höhle führte. Im hinteren Teil dieser Höhle fanden sie auch den Portalteich, aus dem schon die kleinen weißen Lichter aufstiegen. Gerade als Reiga als Letzter am Durchgang angekommen war, drehte er sich nochmal zu Alos um. Der Drache schaute ihnen hinter her und rief: „Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt. Es wird hart werden, aber ich weiß, dass du es schaffen kannst, junger Lougarou!“ Reiga lächelte ihm dankend zu, winkte nochmal zum Abschied und ging danach ebenfalls weiter.

Alos zog mit seiner letzten Kraft die Luft in seine Lungen und spie einen großen Schwall seines Drachenfeuers aus. Die bunten Flammen entfernten sich jedoch nicht sehr weit von ihm, sondern drehten stattdessen um und kamen auf ihn zu. Langsam wanderten sie über sein Maul hinweg, bedeckten erst den Kopf, dann den Hals und flossen wie Seifenschaum über die schuppige Haut weiter, bis schließlich der ganze Drache umhüllt war. Nach nur wenigen Sekunden in denen diese riesige bunte Flamme brannte, erlosch sie auch schon wieder und von Alos war nicht mal mehr Asche übrig. Während gerade der vierte Wolf durch eines der Lichter verschwand, löste sich der Schutzschild über der Lava auf und unter lautem Brodeln stieg sie schnell die Höhlenwand rauf. Reiga hörte das natürlich und meckerte: „Schneller! Beeilt euch!“

Nachdem auch Rika und Kiba durch das Portal gelaufen waren, waren nur noch Thomas, Marie und Reiga übrig. Doch als Marie auf den kleinen Teich lief und sich den Lichtern näherte, kam die Lava bereits langsam in die Höhle geflossen. „Verdammt ist das heiß!“, jammerte Thomas erschrocken und machte dabei einen Satz nachvorne. „Das wird knapp“, stellte der Lougarou fest. Nachdem Marie verschwunden war, lief Thomas eilig zu den Lichtern, dicht gefolgt von Reiga. Während Thomas sich dank eines der Lichter auflöste, erreichte die rotglühende Lava den Rand des Teiches. Ein lautes Zischen erregte nochmal die Aufmerksamkeit des Lougarou, da das geschmolzene Gestein das Wasser sofort verdampfen ließ und sich die kleine Höhle dadurch in eine Sauna verwandelte. Gerade als nun auch auf Reiga eines der Lichter zukam, schoss jedoch plötzlich ein großer Schwall der Lava in die Höhle und flutete sie.

(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)

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