Hallo ihr Lieben!
Willkommen zum sechsten Teil der Kommission von KyanHyena über seinen Charakter Mike, der in einer Welt lebt, die nach den Digirittern der ersten und zweiten Generation entstanden ist.
Leider habe ich vor kurzem meinen Job verloren, sodass ich nun etwas mehr Zeit zum Schreiben habe. Für euch ist das sicherlich eine freudige Nachricht, da ihr mit mehr Lesestoff rechnen könnt, für mich natürlich aber ein zweischneidiges Schwert. Natürlich freut es mich auch wieder etwas mehr schreiben zu können, aber nun ja, ohne Job lebt es sich ziemlich scheiße. Bis ich einen neuen gefunden habe, bin ich leider auch jede Unterstützung angewiesen. Falls ihr also ein paar Euros irgendwie rumliegen habt, würde ich mich über eine kleine Spende freuen! https://ko-fi.com/meisterfuchs
Hier noch kurz das übliche Blabla: Warnung: In dieser Story wird mindestens ein Fußfetisch vorkommen. Falls euch dies nicht gefällt, müsst ihr es überlesen oder gar nicht beginnen. Diese Entscheidung ist euch überlassen. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann mal hier reinschauen: https://ko-fi.com/meisterfuchs
Wer wissen will, wie das neue Digivice aussieht, kann mal bei meinen Bildern reinschauen. :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 6: Das Wunder der Digitation
Isabell und ich sahen erstaunt zum Digiei rüber, dass einige Meter vor uns auf dem Boden lag. So richtig fassen konnten wir das Geschehene irgendwie nicht. Es dauerte bestimmt ein oder zwei Minuten bevor wir endlich alles verarbeitet hatten und ich begeistert rief: „Gewonnen! Wir haben gewonnen!“ Kyubimon drehte sich verwundert zu mir um und lächelte erfreut. „Und du bist digitiert!“, fügte ich hinzu und lief dabei zu Isabell rüber. „Ja, offensichtlich“, gab sie nur zurück. Ich begutachtete sie fasziniert. Kyubimon war zwar ein vierbeiniges Tierdigimon, aber dennoch musste ich hochschauen, um ihr in die Augen sehen zu können. Isabell war in dieser Form locker einen halben Meter größer als ich. Meine Schulterhöhe war gerade mal so hoch wie ihr Rücken. „Ich fass es nicht. Ich wusste, dass Kyubimon groß sind, aber wenn man erstmal neben einem steht, ist das echt was anderes“, erklärte ich erstaunt und lief dabei einmal um Isabell herum.
Als ich wieder bei ihrem gelben Fuchskopf vorne ankam, fragte ich neugierig: „Und? Wie geht es dir? Wie hat es sich angefühlt doch nochmal zu digitieren?“ Isabell atmete tief durch. „Ich fühle mich - mächtig. Es ist kein Vergleich zum Rookielevel. Die Digitation war ein bisschen unangenehm, aber auch irgendwie, keine Ahnung, irgendwie richtig. Es fühlte sich richtig an. Ein Digimon ist wohl fürs digitieren bestimmt. Ich hatte das schon wieder vergessen. Was mich allerdings jetzt mehr interessiert ist, wie konnte ich überhaupt digitieren?“ Mike holte das Digivice aus seiner Hosentasche und hielt es Isabell vor die Nase: „Damit. Wir sind Digiritter!“ Isabell senkte etwas ihren großen Fuchskopf und sah es sich genauer an: „Tatsächlich, das ist ein Digivice, aber das meinte ich nicht. Ich habe menschliche DNA. Es ist extrem selten, dass ein humanoides Digimon über das Rookielevel hinaus nochmal digitiert.“
Bevor ich etwas darauf antworten konnte, kam aus den Gebüschen links von uns plötzlich eine halbe Armee an Polizisten. Alle samt mit ihren Gewehren im Anschlag und in voller Montur. Sie umstellten uns, als wären wir gerade bei einem Bankraub erwischt worden. Ich nahm direkt die Hände hoch, als gute 15 bis 20 Maschinengewehre auf Isabell und mich gerichtet wurden. „Wow, wartet mal, Jungs. Wir sind hier nicht die Bösen“, stammelte ich überrascht. Ein paar Sekunden später hörten wir: „Waffen runter! Das sind die Zivilisten!“ Die Stimme kam mir direkt bekannt vor. Ich drehte mich erleichtert um und sah dort meinen Vater mit seinem Partner WereGarurumon aus dem Wald kommen. „Hallo Papa!“, rief ich und nahm dabei die Hände runter. Die Polizisten um uns herum senkten die Waffen und machten etwas Platz.
„Was ist hier passiert? Wo ist das bösartige Digimon? Und wer ist das neben dir?“, fragte mein Vater etwas verärgert. „Es war Devimon. Wir haben ihn aber besiegt. Sein Digiei liegt da drüben auf dem Boden. Und das hier ist Kyubimon, wie man sieht“, antwortete ich ohne Umschweife. Kyubimon neben mir fügte hinzu: „Mein Name ist Isabell Ziegler.“ Officer Garu sah uns ziemlich geschockt an. Er hatte es wohl schon begriffen. Mein Vater wusste allerdings nicht, dass Isabell normalerweise ein humanoides Renamon war und ging nicht weiter darauf ein. Dafür aber sein Partner: „Wie konntest du digitieren?“ Mein Vater wurde daraufhin hellhörig. Ich antwortete für Isabell: „Daran bin irgendwie ich schuld, würde ich sagen.“
Bevor die beiden Polizisten nachfragen konnten, kam ein andere Polizist angelaufen und berichtete: „Sir, wir haben das humanoide Gazimon in Gewahrsam genommen. Sie passt auf die Beschreibung des kleinen Mädchens und scheint bewusstlos zu sein.“ „Sehr gut, führt sie ab“, konterte mein Vater schnell und wollte sich dann wieder uns widmen, aber der Polizist fügte noch hinzu: „Sehr wohl, allerdings trägt sie einen schwarzen Ring.“ Mein Vater und Officer Garu schienen nicht gerade glücklich darüber zu sein. Genervt folgten sie dem Polizisten zu Steffanie, die mit Handschellen gefesselt noch auf dem Boden lag. Mein Vater kniete sich kurz neben ihr hin und streifte das graue Fell an ihrem Hals zurück, bis der schwarze Ring darunter sichtbar wurde.
„So ein Mist, das ist nicht gut. Okay, verschärfter Gewahrsam mit dauerhafter Überwachung. Gebt sofort Bescheid, dass ein Digiritter kommen muss. Den Ring bekommen wir nur mit dem Digivice eines Digiritters ab“, erklärte mein Vater. „Darf ich mal?“, fragte ich grinsend und kniete mich dabei neben meinem Vater hin. „Was ist?“, fragte er, doch da zückte ich schon mein Digivice und hielt es an den schwarzen Ring. Mein Digivice fing an zu leuchten, was den schwarzen Ring irgendwie vibrieren und zittern ließ. Kurz darauf zersprang er und löste sich auf. Meinem Vater klappte das Kinn runter. „Woher hast du das Digivice?!“, fragte er geschockt. Ich erhob mich wieder und sah Kyubimon lächelnd an, die mit mir hergelaufen war. „WIR haben es bekommen, cool oder“, erwiderte ich nur und kraulte dabei Isabell durch das weiße Fell an ihrem Hals, was sie sehr zu genießen schien.
„Mein Sohn, ein Digiritter. Na, das darfst DU deiner Mutter irgendwie schonend beibringen“, lachte mein Vater auf. Nachdem ich den Ring entfernt hatte, trugen zwei Polizisten Steffanie weg und ein anderer nahm sich das Digiei. Meinem Vater und Officer Garu erzählten Isabell und ich währenddessen alles, was geschehen war. Meinem Vater schien das Ganze aber nicht sehr zu erfreuen: „Devimon sind definitiv nicht stark genug, um schwarze Ringe zu erzeugen. Dazu kommt noch, dass der Ring sich hätte auflösen müssen, wenn er wirklich von Devimon erschaffen worden wäre. Er war aber noch da. Also muss ein anderes Digimon, das mindestens auf dem Ultralevel ist, ihm die Ringe gegeben haben.“
Officer Garu stimmte dem zu, wandte sich dann aber Isabell zu: „Du bist das erste humanoide Digimon, dass mit einem Digiritter ein Team bildet und auch noch dadurch digitieren kann. Das wird sich wie ein Lauffeuer verbreiten und eine Menge Schlagzeilen machen. Macht euch auf einiges gefasst.“ Kyubimon erwiderte nickend: „Wir sind davon genauso überrascht, aber auch dankbar. Wäre ich nicht digitiert, wären wir sicherlich inzwischen tot.“ WereGarurumon lief kurz einmal um Kyubimon herum und stellte erstaunt fest: „Das stimmt, aber mich fasziniert es dennoch sehr. Besonders, da du scheinbar keine menschliche DNA mehr besitzt.“ Isabell und ich sahen ihn geschockt an als Officer Garu wieder bei uns ankam. Mein Vater fügte hinzu: „Ja scheint so. Diese Kyubimon-Form ist jedenfalls die reine Digimon-Form. Es gibt keinerlei Anzeichen für menschlichen Einfluss.“
Mir kam plötzlich was ganz anderes in den Sinn: „Isabell, wieso bist du eigentlich noch auf dem Champion-Level? Solltest du nicht zurück digitieren?“ Sie sah mich erstaunt an. Daran hatte sie wohl selbst noch gar nicht gedacht. „Ja schon, oder? Aber wie? Ich weiß nicht, muss ich irgendwas dafür machen?“, fragte sie verwundert und sah dabei Officer Garu an. Der große Wolf schüttelte jedoch den Kopf: „Ich weiß nur, dass Digitationen durch das Digivice nicht dauerhaft sind. Du solltest nach deinem Sieg also eigentlich wieder aufs Rookielevel digitieren können. Aber ob du dafür was Bestimmtes machen musst, weiß ich nicht. Mit dieser Art Digitation kennen sich nur die Partner-Digimon von Digirittern aus.“
„Also müssen wir wohl erst mit einem anderen Digiritter sprechen?“, erkundigte sich Isabell etwas genervt. „Ach quatsch, so schwer sollte das nicht sein. Versuch dich doch einfach mal zu entspannen. Beruhig dich, schließ die Augen und lass einfach los“, konterte ich direkt und sah dabei Isabell an. Sie nickte nur und setzte meinen Vorschlag um. So richtig funktionierten wollte das aber dennoch nicht. Kyubimon blieb Kyubimon. „Hmm. Vielleicht war die Digitation wegen deiner früheren humanoiden Form doch dauerhaft - oder lief zumindest etwas komplizierter ab als sonst“, fügte mein Vater mit ein. Isabell schien davon nicht sehr begeistert. Da ich ihr natürlich irgendwie helfen wollte, sah ich mir mein Digivice an.
Wenn es für eine Digitation auf ein höheres Level sorgen konnte, dann ja vielleicht auch für ein niedrigeres Level. Ich drückte ein bisschen auf den Knöpfen rum, aber als ich den oberen dunklen Knopf in der Mitte des kleinen Kreises mit den Pfeiltasten drückte, leuchtete das kleine Display hell auf und über dem Digivice erschien ein holografisches Bild, bestehend aus vielen verschiedenen Kreisen und Digimon-Symbolen. Ganz groß in der Mitte war Kyubimon abgebildet. Ihre Daten wurden rundherum angezeigt: „Kyubimon. Level: Champion; Typus: Datei; Art: Magisches Tierdigimon; Gruppe: Naturgeister; Attacke: Neunköpfige Flamme; 2. Attacke: Feuerkugel.“
Wirklich weiter half mir das gerade nicht, aber kurz darauf drückte ich in dem kleinen runden Feld mal die Pfeiltasten. Mit der Pfeiltaste nach rechts, verschwanden Kyubimon's Daten und stattdessen erschien nur ein graues Bild in der Mitte. Außerdem war die Anzeige der einzelnen Daten immer leer. Nur beim Level stand schon Ultralevel. Hier würde wohl später alles über Taomon stehen. Logischerweise drückte ich nun mal die Pfeiltaste nach links. Beim ersten Mal erschien wieder Kyubimon, beim zweiten Mal nun Renamon. „Interessant“, murmelte ich vor mich hin, mein Vater meinte jedoch nur: „Du kannst damit auch später noch rumspielen, jetzt sollten wir langsam mal nachhause gehen. Das Gebiet wurde bereits nach weiteren bösartigen Digimon durchsucht und gescannt, aber scheinbar war Devimon doch alleine.“
Ich beachtete meinen Vater nicht wirklich und drückte testweise alle Knöpfe durch. Die vier runden blauen bewirkten nichts weiter. Der obere dunkle Knopf ließ das Holo-Bild erscheinen und wieder verschwinden. Als ich jedoch den dunklen unteren Knopf drückte, leuchtete mein Digivice plötzlich auf. Das Licht ging irgendwie auf Kyubimon über und schließlich leuchtete ihr ganzer Körper. Wir sahen erstaunt dabei zu, wie der weiße Fuchskörper langsam zusammenschrumpfte und es kurz darauf bei einer aufrechtstehenden Figur endete. Das Licht erlosch und Renamon sah uns erstaunt an. Erfreut begutachtete sie sich selbst, doch die Freude hielt nicht lange an. Etwas enttäuscht und genervt, starrte sie ihre großen Renamon-Pfoten an. Jeweils mit drei großen Fingern mit scharfen Krallen und samt lilafarbenem Armschutz, anstatt zweier menschlichen Hände und dünnen Armen. Auch ihre Füße waren wieder die eines einfachen Renamon. Keine Spuren menschlicher DNA.
„Damit hat sich das Klavierspielen wohl erledigt und meine Schuhe kann ich nun auch wegschmeißen“, meckerte sie genervt. „Die Digitation hat tatsächlich die menschliche DNA überschrieben“, stellte Officer Garu fest. Ich bemerkte sofort, wie sehr das Isabell zu schaffen machte. Irgendwie musste ich ihr helfen. Ich widmete mich nochmal dem Digivice und drückte diesmal die Pfeiltaste nach unten. Interessanterweise blieb es bei den üblichen Renamon-Daten, aber das Bild von ihr in der Mitte änderte sich dafür und neben dem Namen stand in Klammern: Hybride-Form. Ich grinste zufrieden und drückte erneut den unteren dunklen Knopf. Noch einmal leuchtete mein Digivice und danach Renamon. Diesmal änderte sich an ihre Figur aber nicht viel. Nur an den Stellen, worauf es ankam. Als das Licht nur zwei Sekunden später wieder erlosch, hatte Isabell ihre humanoide Digimon-Gestallt wieder. Menschliche Hände und Füße, dünnere Arme und Beine und natürlich ragten unter ihrem weißen flauschigen Brustfell zwei wohlgeformte Brüste hervor.
Während mein Vater und ich etwas Rot im Gesicht wurden, freute sich Isabell begeistert über ihren Körper. Es dauerte ein paar Sekunden bis sie begriffen hatte, dass sie splitterfasernackt vor uns stand. Mal abgesehen von ihrem typischen Fell, dass natürlich nicht alles komplett bedeckte. „Zumindest wissen wir jetzt, dass das Digivice auch deine Formen beeinflussen kann. Wird sicherlich noch praktisch sein“, erwiderte ich grinsend und zog mir dabei mein T-Shirt aus, was Isabell sich direkt um ihre Hüfte band. Mein Vater gab ihr kurz darauf seine Polizei-Jacke, womit sie sich oben rum bedeckte. „Ja, das ist schon sehr interessant. Ich frage mich nur, wozu das gut sein soll“, gab Isabell zurück.
Während wir zusammen uns auf den Weg nachhause machten, erklärte Officer Garu: „Nun, wenn du später mit Mike als Digiritter-Team arbeiten willst, wäre die reine Digimon-Form in Kämpfen sicherlich besser. Die menschlichen Arme und Beine sind sehr zerbrechlich. In der reinen Renamon-Form kannst du diese sehr viel mehr belasten. Das mindert das Verletzungsrisiko ganz erheblich.“ „Damit hat er Recht“, stimmte mein Vater ihm zu. Isabell und ich nickten nur und machten uns dabei so unsere Gedanken. Ein Digiritter-Team? Wir? Wie schnell sich das Leben in einem Moment so sehr verändern kann. Egal wie lange ich das Digivice in meiner Hand anstarrte, ich rechnete dennoch jeden Moment damit, dass ich aufwachte und alles nur ein Traum war.
Glücklicherweise kamen wir schließlich aus dem Wald, durchquerten den Sportplatz und liefen bis zu unserem Haus, ohne dass ich in meinem Bett aufwachte. Auch, als mir meine Mutter eine Standpauke hielt und völlig ausflippte, als ich ihr das Digivice zeigte, ich wachte nicht auf. Es war kein Traum. Es war real. Isabel und ich, wir waren ein Team. Ein Digiritter-Team. Mein Vater brachte Isabell noch nachhause und fuhr mit Officer Garu zurück aufs Revier, um einen Bericht über den ganzen Vorfall zu schreiben. Da es schon ziemlich spät war, ging ich nach dem Duschen direkt ins Bett und so langsam spürte ich auch die Nebenwirkungen des Kampfes. Ein paar blaue Flecke, hier und da einige Schürfwunden und so ziemlich jeder Muskel tat mir weh.
Während ich im Bett lag, sah ich mir eine ganze Weile lang die Holo-Bilder von Renamon und Kyubimon an. Unfassbar. Ich – ein Digiritter. Irgendwann war ich dann doch müde genug und schlief ein. Zum Glück begann am nächsten Tag unser wohlverdientes Wochenende und wir mussten nach dem kleinen Abenteuer und der sehr kurzen Nacht nicht in die Schule. Ich lag noch im Bett, als meine Mutter an die Tür klopfte und zu mir ins Zimmer kam. Sie zog den Rollladen meines Fensters hoch und weckte mich auf ihre sanfte Art und Weise mit den Worten: „Mike! Aufstehen! Es ist schon elf Uhr. Los jetzt! Raus aus den Federn. Du setzt sonst noch Schimmel an!“ Ich zog mir die Decke über den Kopf und jammerte: „Noch fünf Minuten.“ Meine Mutter wirkte dem sehr drastisch entgegen und zog die Decke mit einem Ruck einfach weg.
Nur widerwillig erhob ich mich, wischte mir durch das verschlafene Gesicht und meckerte: „Nicht mal in Ruhe ausschlafen kann man hier.“ Ich sah mit meinen verpennten Augen auf meinen Nachttisch und erblickte dort das Digivice. Alle Erinnerungen kamen auf einen Schlag zurück. Keine Sekunde später war ich hellwach. Der Tag versprach unglaublich zu werden. Mein erster Tag als Digiritter. Sofort sprang ich aus dem Bett und rannte meine Mutter auf dem Weg zu meinem Kleiderschrank fast um. „Mach langsam. Schön, dass du wach bist, aber leg dich nicht gleich wieder hin, indem du über deine eigenen Füße fällst“, sprach sie und ging dabei aus meinem Zimmer. Ich rief nur zurück: „Jaja.“
Nachdem ich mir schnell ein T-Shirt und eine kurze Hose samt Gürtel angezogen hatte, stürmte ich noch ins Bad, um mich frisch zu machen. Danach griff ich mir das Digivice, hängte es an meinen Gürtel und sah auf mein Handy. „53 Nachrichten?! Was zum Teufel?!“, stellte ich geschockt fest und ging sie nacheinander durch. Die Meisten waren von meinen Klassenkameraden: Stimmt das, dass du ein Digiritter geworden bist? Ist das echt wahr, du bist ein Digiritter? Und so weiter. „Wie konnte sich das so schnell rumsprechen?“, fragte ich mich erstaunt und drückte die Meisten einfach weg, da ich natürlich nicht alle einzeln beantworten wollte. Unter all diesen Fragen war jedoch auch eine Nachricht von Isabell: „Hi Mike. Wollen wir uns treffen? Es gibt viel zu bereden.“ Ich antwortete ihr, dass ich gleich rüberkommen könnte. Während ich danach in der Küche eine Schüssel Cornflakes aß, kam auch irgendwann ihre Antwort: „Okay.“
Nachdem Frühstück lief ich also zu Isabell rüber und klingelte. Zum Glück machte sie mir auch direkt auf und nicht ihre Eltern. Das hätte sonst sicherlich peinlich werden können. Sie rief ihrer Mutter schnell noch zu, dass sie nun weg sei und schloss danach die Haustür hinter sich, ohne auf eine Antwort zu warten. „Alles klar?“, fragte ich nur knapp. Die Renamon-Dame sagte nickend: „Ja, wir können los. Wollen wir zum Sportplatz laufen?“ Ich nickte wortlos und schon machten wir uns auf den Weg. Ein paar Schritte lang herrschte irgendwie ein peinliches Schweigen. Keiner traute sich das anzusprechen, was eigentlich unumgänglich war.
Als wir auf halbem Weg waren und den Sportplatz schon sahen, brach es aus Isabell heraus: „Ich will mit dir die Digiwelt bereisen!“ Ich blieb stehen und sah sie geschockt an. Hastig führte die Renamon-Dame das fort: „Ich meine, wir sind jetzt ein Digiritter-Team. Wir können dadurch ohne Aufsicht oder Reiseführer in die Digiwelt. Der Staat würde uns sogar alle Kosten dafür bezahlen. Ich meine, für die wären wir eine große Hilfe in Zukunft und sobald wir das Megalevel beherrschen, haben wir ausgesorgt. Neben unseren Pflichten als Digiritter hätten wir völlig freie Hand. Wir könnten machen, was wir wollen. Ich könnte Pianistin werden, ohne mir Sorgen um Geld machen zu müssen und du hast sicherlich auch einen Traum, den du dann problemlos umsetzen kannst.“
„Die Digiwelt bereisen“, erwiderte ich darauf. Isabell sah mich verwundert an, worauf ich erklärte: „Mein Traum ist es die Digiwelt zu bereisen. Also ja, natürlich bin ich dabei.“ Die Renamon-Dame fiel mir überglücklich um den Hals. „Wunderbar! Das wird so viel Spaß machen. Ein Abenteuer nach dem anderen und es gibt so viel zu entdecken“, schwärmte sie begeistert. Während wir weiter zum Sportplatz liefen, fragte ich: „Aber dafür müssen wir auch viele Kämpfe bestreiten. Das Megalevel bekommen wir nicht einfach geschenkt, es wird lange dauern und viel Arbeit und Training kosten. Kommst du damit klar? Ich meine, du magst es doch eigentlich nicht zu kämpfen.“ Wir setzten uns auf eine der Tribünen am Spielfeldrand und dabei erklärte Isabell: „Ja, das ist mir schon klar, aber dieser Kampf mit Devimon. Es war irgendwie anders, als ich es mir vorgestellt habe.“
„Wieso anders? Das war doch eigentlich ein normaler Digimon-Kampf“, erwiderte ich verwirrt. „Ja, aber es ging nicht um bedeutungslose Streitereien oder irgendwelchen Blödsinn. Es war nicht so, wie in der Schule. Irgendeiner schubste jemanden und der schubst zurück und daraus wird ein Kampf. Oder das mit Gazimon in der Toilette. Es ging nicht um Kinderkram. Wir haben gekämpft, um meine kleine Schwester zu retten und zu überleben. Devimon wollte uns alle töten. Wir mussten ihn besiegen, um ihn aufzuhalten. Verstehst du, was ich meine?“ Ich nickte natürlich. Mir war schnell klar, worauf sie hinauswollte und ich konnte es nachvollziehen.
Sie fügte jedoch noch hinzu: „Außerdem ist etwas passiert, als ich digitiert bin. Es fühlte sich so richtig an, so vorherbestimmt. Digimon sind zum Kämpfen geboren. Nicht alle, aber die meisten. Und ich – ich bin ein Renamon. Wir sind eigentlich sehr kampffreudige Digimon. Wir kämpfen gerne und sind darin Naturtalente. Versteh mich nicht falsch, ich würde mich auch jetzt nicht wegen Kleinkram prügeln, aber so ein Digimon-Kampf, um zu überleben oder stärker zu werden, darüber denke ich inzwischen anders. Ich würde keinen provozieren oder darauf bestehen, aber wahrscheinlich auch nicht mehr ablehnen. Es ist schwer zu erklären.“
„Schon gut, ich verstehe schon. Es stimmt, eine Digitation kann viel verändern. Nicht nur dein Äußeres oder deine Kräfte. Mein Großvater ist ein ExVeemon. Er sagte mir mal, dass er sich fast vollkommen geändert hatte, als er zu ExVeemon digitiert ist. Besonders geistig. Er hat danach vieles aus einem anderen Winkel betrachtet, vieles anders beurteilt und noch mehr ganz anders wahrgenommen. Es war, als wäre er plötzlich ein ganz anderer“, sagte ich und versuchte dabei Isabell auch etwas zu beruhigen. Sie schien durch das Ganze ein bisschen überfordert. Für mich hatte sich nicht viel geändert, aber sie – ihr ganzer Körper könnte plötzlich ein völlig anderer sein. Daran musste sie sich wohl erst gewöhnen.
„Hast du es Linda schon erzählt?“, erkundigte ich mich neugierig, um ein bisschen die Stimmung aufzulockern. „Ja, gestern Abend schon. Ich musste einfach mit ihr darüber reden“, gestand Isabell fast schon ängstlich, als ob ich deswegen jetzt verärgert wäre. Natürlich sprach ich direkt beruhigend: „Schon okay, nur das erklärt wenigstens die ganzen Nachrichten, die ich bekommen habe.“ Die Renamon-Dame sah mich verwundert an, woraufhin ich mein Handy zückte und es ihr zeigte. „Oh man, dieses Plappermaul. Ich glaube, ich bin am Montag krank“, meckerte sie genervt, doch ich konterte lachend: „Na dann werden sie dich am Dienstag ausfragen. Da müssen wir nun leider durch. Officer Garu hat uns doch gestern schon davor gewarnt.“ Die Renamon-Dame neben mir sah genervt zum Himmel und sagte: „Ja, ist wohl so.“
Nach ein paar schweigsamen Sekunden beendete ich die Stille mit etwas, dass mir noch auf dem Herzen lag: „Ich danke dir übrigens, Renamon. Du hast mir gestern das Leben gerettet, als du Devimons Attacke abgefangen hast.“ Isabell sah mich lächelnd an und erwiderte: „Na dann sind wir wohl quitt. Schließlich hast du mir auch das Leben gerettet. Wärst du nicht aufgetaucht, hätte Devimon meine kleine Schwester und mich getötet. Und Steffanie sicherlich auch.“ „Stimmt. Damit bin ich wohl jetzt ein Held“, verkündete ich grinsend und streichelte damit mein Ego. Die Renamon-Dame schubste mich und meckerte lachend: „Natürlich. Ein großer Held bist du und so bescheiden noch dazu.“
Wir lachten noch etwas darüber, aber nach ein paar wenigen Minuten musste Isabell auch noch was loswerden: „Danke übrigens für deine gute Führung während dem Kampf mit Devimon.“ Ich fragte verwirrt: „Was genau meinst du?“ Die Renamon-Dame neben mir erklärte: „Nachdem ich digitiert war, hast du mir Anweisungen gegeben, als hättest du schon hunderte solcher Digimon-Kämpfe mitgemacht. Woher wusstest du, was ich wann tun sollte?“ Ich verstand, was sie meinte und antwortete: „Wirklich mitgemacht habe ich Digimon-Kämpfe natürlich noch nicht, aber hunderte angesehen habe ich mir mindestens schon. Besonders die Digiritter-Kämpfe schau ich mir immer an, wenn sie im Fernsehen übertragen werden und als du digitiert bist, habe ich irgendwie instinktiv gehandelt. Ich habe es eigentlich gar nicht wie Anweisungen wahrgenommen. Es war, als würde ich vor dem Fernseher sitzen und die nächsten Schritte des Digiritters erahnen.“
„Ach so, naja es scheint auf jeden Fall lehrreich gewesen zu sein. Ich war irgendwie erleichtert, als du die Führung übernommen hast, so zu sagen. Durch den nahen Tod und die Digitation gleich darauf, war ich ziemlich verunsichert. Es ist nicht leicht, sich mal eben in einem neuen Körper zurechtzufinden und dann direkt mit einem starken Gegner zu kämpfen. Es war dadurch recht schwer den Überblick zu behalten“, erläuterte Isabell mir das Ganze und da kam mir auch gleich mal eine Idee: „Hast du Lust dich ein bisschen mehr an deine neuen Körper zu gewöhnen?“ Sie sah mich verwundert an, daher fügte ich hinzu „Ich lasse dich digitieren. Du kannst hier ein bisschen rumlaufen und wir können vielleicht auch Linda besuchen. Die will deine neue Form bestimmt sehen. Wenn wir wirklich das Megalevel irgendwann beherrschen wollen, dann schadet es nicht so früh wie möglich mit dem Training anzufangen.“
Isabell murmelte: „Hmm das stimmt.“ Sie sah nach ein paar Sekunden zu mir rüber und nickte lächelnd: „Ist keine schlechte Idee.“ Ich schaute mich kurz um. Es war zum Glück gerade niemand in der Nähe, daher sagte ich: „Okay, dann zieh dich aus. Ich lass dich digitieren, wenn du bereit bist.“ Und wieder kam von ihr ein verwunderter Blick. „Na, willst du, dass deine Klamotten wieder zerrissen werden?“ Sie verstand was ich meinte und sah sich auch nochmal genau um, danach zog sie sich das T-Shirt und den BH aus. Ich zückte derweil das Digivice von meinem Gürtel und betätigte die Tasten, bis das Holo-Bild von Kyubimon erschien. „Ich bin soweit“, hörte ich schließlich von ihr, doch als sie mich mit dem Holo-Bild sah, meinte sie: „Müsste das nicht auch ohne gehen? Ich meine, bei der letzten Digitation musstest du auch nicht erst die Liste durchblättern.“
„Das stimmt. Okay, probieren wir es ohne“, entgegnete ich und deaktivierte wieder die Digidatenbank. Ich erhob mich von der Tribüne, richtete die Vorderseite des Digivice auf Isabell und verkündete: „Los geht's. Renamon digitiere!“ Sie schloss die Augen und streckte dabei die Brust ein bisschen raus, um sich wohl dem Licht des Digivices entgegenzustellen, nur leider gab es einen Haken daran. Das Digivice leuchtete nicht. Nicht mal ansatzweise. Nach ein paar Sekunden öffnete sie vorsichtig eines ihrer Augen und bemerkte: „Ich spüre nichts. Passiert irgendwas?“ Ein äußerst peinlicher Moment. Zum Glück war niemand außer uns in der Nähe. „Nö, scheinbar nicht. Wie's aussieht, müssen wir erstmal die Champion-Level-Digitation lernen zu beherrschen, bevor wir auf das Megalevel hoffen können“, stellte ich etwas genervt fest.
„Versuchen wir's über die Datenbank des Digivice. Wenn das auch nicht geht, müssen wir uns wohl etwas anderes einfallen lassen“, erwiderte ich auf ihren enttäuschten Blick und rief dabei wieder das Holo-Bild von Kyubimon auf. „Bereit?“, erkundigte ich mich, doch sie nickte nur wortlos und schloss wieder die Augen. Ich drückte den unteren dunklen Knopf in der Mitte des Digivice und betete gleichzeitig im Geiste. Das Digivice leuchtete auf und fing an zu vibrieren. Meine Gebete wurden erhört. Erfreut richtete ich die Vorderseite wieder auf Isabell und aus dem kleinen Display schoss ein weißer Lichtstrahl. Renamon wurde erfüllt von dem Licht. Sie öffnete ruckartig die Augen, während die Kraft des Digivice ihren Körper flutete und schließlich geschah es: Renamon digitiert zu – Kyubimon!
Begeistert streckte ich die Arme dem Himmel entgegen und rief: „Na geht doch!“ „So ungewohnt“, meinte Isabell dennoch, atmete einige Male tief durch und fügte hinzu: „Das Laufen auf vier Beinen fühlt sich merkwürdig an.“ Dabei ging sie ein paar Schritte und rannte danach einige Runden um das Fußballfeld. „Du wirst dich schon noch dran gewöhnen. Training ist alles, was du erstmal brauchst. Das Megalevel wird uns nicht geschenkt, wir müssen uns das erarbeiten und das hier sind die ersten Schritte dazu, wortwörtlich“, versuchte ich ihre Skepsis etwas zu zerstreuen. Nach etwa zehn Minuten, in denen Isabell auf dem Sportplatz hin und her gerannt und herumgesprungen war, hatte sie sich wohl doch recht schnell an ihren neuen Körper gewöhnt.
„Ich glaube, so langsam habe ich den Dreh raus“, berichtete Isabell mir stolz und kam dabei wieder zu mir zur Tribüne gelaufen. „Natürlich. Alles eine Frage der Zeit und des Willens. Ich werde meinen Vater darum bitten, dass uns WereGarurumon morgen mal besucht. Dann kann er uns vielleicht ein paar Tipps geben, wie wir dich erstmal trainieren. Und keine Angst, du musst das nicht allein machen. Soweit es mir möglich ist, trainiere und kämpfe ich mit dir. Wir sind ein Team, wir schaffen das nur zusammen. Einverstanden?“ Ich reichte ihr dabei die offene Hand. Kyubimon legte ihre riesige blaubrennende Pfote auf meine Hand und antwortete: „Ja, einverstanden. Zusammen. Als Partner?“ „Als Partner“, gab ich nickend zurück. Ich drehte mich daraufhin um und sammelte erstmal Isabells Klamotten ein. Während dessen nuschelte Kyubimon etwas vor sich hin: „U-u-nd vie-lei-cht m-mehr?“
Ich sammelte gerade ihren zweiten Schuh ein, richtete mich wieder auf und fragte: „Was? Hast du was gesagt?“ Isabell schüttelte den Kopf und meinte: „Ich sagte, vergiss nicht meinen Slip.“ „Ach so, wo ist der denn?“, hakte ich nach und sah mich verwundert um. „Direkt hinter dir, du stehst fast drauf“, gab Kyubimon zurück. Ich drehte mich um und entdeckte ihn. Nur ein paar Zentimeter, dann wäre ich wirklich draufgetreten. Ich hob die dünne rosafarbene Mädchenunterhose hoch und musste ein bisschen grinsen. Mit meinen Zeigefingern spannte ich ihn etwas und zeigte ihr die Vorderseite. Darauf war ein kleiner Renamon-Kopf abgebildet. Ich grinste Isabell entgegen, doch die wiederum lief rot unter ihrem gelben Fell an und jammerte etwas beschämt: „Lach nicht. Ich weiß, ist nicht sehr sexy, aber den hat mir meine Oma geschenkt. Kann ich also nicht einfach wegwerfen.“
Ich schüttelte lächelnd den Kopf und konterte: „Alles gut und ich lache gar nicht. Ob sexy oder nicht, ist doch egal. Ich finde es nur sehr süß.“ „Jaja, mach ma hinne. Wir wollten noch Linda besuchen, schon vergessen?“, meckerte Kyubimon frech. Ich schnappte mir noch schnell ihren BH und tat dabei vornehm: „Ich eile schon, meine Königin.“ Wir liefen zusammen über den Sportplatz und danach auf die Straße. „Ich hole zuhause schnell meinen Rucksack, da können wir deine Klamotten reintun. Sieht sonst bescheuert aus, wenn ich die so mit mir rumtrage“, erklärte ich kurzerhand und öffnete ein paar Minuten später schon unsere Haustür. Isabell entschied sich dazu solange draußen zu warten. Glücklicherweise lag noch mein zweiter Rucksack im Eingangsbereich, sodass ich den Fragen meiner Mutter ausweichen konnte, indem ich schnell wieder verschwand.
Ich legte die Klamotten etwas zusammen und danach erst in den Rucksack, damit sie nicht zu sehr knitterten. Als alles verstaut war, schnallte ich mir den Rucksack auf den Rücken und lief zurück zu Isabell. Sie senkte ihren Rücken ab, sodass ich aufsteigen konnte und schon ging es los. Entlang unserer Bus-Route folgten wir der Straße. „Ich bin dir hoffentlich nicht zu schwer, oder?“, erkundigte ich mich nach ein paar Minuten. Kyubimon flitzte recht schnell die scheinbar endlose Landstraße entlang, während sie direkt widersprach: „Nein keine Sorge, ich bemerke den Unterschied kaum.“ „Okay, mach aber nicht zu schnell. Wir haben es nicht eilig“, sagte ich noch, bevor ich mich wieder darauf konzentrierte nicht runterzufallen.
Es dauerte eine kleine Weile bis wir endlich in belebteres Gebiet kamen und schließlich die Stadt erreichten. Viele Blicke ernteten wir natürlich. Manche versuchten sogar Fotos oder Filme zu machen, während wir an ihnen vorbeihuschten, aber Isabell war dafür zu schnell. Zumindest meistens. Leider mussten wir uns natürlich an die Verkehrsregeln halten und konnten nicht einfach über eine Kreuzung mit roter Ampel rennen. Es war zwar eher selten, dass jemand auf einem größeren Digimon umherritt, aber wenn, dann galten in diesem Fall die gleichen Regeln wie für Autofahrer. Die meisten Digimon, die dafür die richtige Größe hatten, ließen sich nur nicht gerne als Taxi abstempeln. Dazu kam noch, dass die wirklich großen Digimon sich ungern in Städte wagten. Zu leicht ging dabei was zu Bruch, wenn die Straßen doch mal etwas enger wurden.
Nach einer guten halben Stunde erreichten wir schließlich unsere Schule. Von hier aus waren es nur noch wenige Minuten Fußweg zu Lindas Haus. Dank Kyubimon hatten wir diese Strecke in nur knappen zwei Minuten auch hinter uns. Isabell senkte sich wieder etwas ab, damit ich leichter von ihrem Rücken steigen konnte. Ich bemerkte jedoch gleich, dass sie schon schwerer atmete und sichtlich erschöpft schien. „Alles okay?“, hakte ich besorgt nach. Sie hechelte direkt: „Ja - alles - gut. Mir geht's - gut. Ich muss nur – kurz durchatmen.“ Diesmal lief ich mit Isabell zusammen den kleinen Vorgartenweg entlang und klingelte schließlich an der Haustür. Während wir auf das Öffnen der Haustür warteten, fing plötzlich das Digivice an meinem Gürtel an zu blinken und zu piepen.
Ich nahm es in die Hand, um nachzusehen, doch da hörte es auch schon wieder auf. Im selben Moment leuchtete Kyubimon neben mir auf und begann zu schrumpfen. Als die Haustür endlich aufging, stand neben mir nur noch ein nacktes Renamon. Diesmal in ihrer Hybriden-Form. Wichtiger war in dem Moment jedoch, dass wir bereits in das geschockte Drachendigimon-Gesicht von Lindas Vater schauten. Eine schier endloserscheinende Zeit lang, starrten wir uns nur gegenseitig wortlos an. In Wirklichkeit waren es gerade mal zwei Sekunden bevor mein Digivice erneut anfing zu blinken und zu piepen. Das löste uns glücklicherweise auch aus der Starre.
Während Isabell schnell ihre Brüste und ihren Intimbereich mit den Händen verdeckte und ziemlich rot anlief, nahm ich mir mein Digivice. Ohne, dass ich groß etwas tun musste, erschien plötzlich das Holo-Bild, diesmal allerdings nicht von Renamon oder Kyubimon. Überrascht las ich einfach die einzelnen Daten vor: „Paildramon - Hybride-Form. Level: Ultra; Typus: Datei; Art: Drachendigimon; Gruppe: Naturgeister; Attacke: Desperadoraketen; 2. Attacke: Stichbohrer; Besonderheit: Anteil menschlicher DNA 44,3%.“ Ich schaute überrascht auf und entdeckte nun die Ähnlichkeit mit Paildramon, aber ohne seine Rüstung und Waffen und stattdessen in einfacher Kleidung, war es schwer ihn auf Anhieb als solches noch zu erkennen.
Ich bemerkte auch direkt den leicht verärgerten, aber auch schockierten Blick von Lindas Vater. „Verzeihung. Mein Name ist Mike Reilers und das neben mir ist Isabell Ziegler. Wir wollten eigentlich Linda besuchen, ist sie daheim?“, fragte ich etwas holprig. „Du bist der neue Digiritter – und Isabell ist dein Partnerdigimon? Ich könnte schwören, sie hat sich gerade zurück digitiert, als ich die Tür aufgemacht habe“, bemerkte er erstaunt. Bevor ich etwas antworten konnte, tat es die Renamon-Dame neben mir: „Ja, das stimmt und so gerne ich die frische Luft auch genieße, die gerade durch mein Fell weht, aber ich stehe hier unbekleidet und ihre Nachbarn fangen an Fotos zu machen. Darf ich bitte reinkommen, Herr Keller?“
Lindas Vater lachte kurz auf und trat zur Seite. „Ja natürlich. Kommt rein“, sagte er noch, doch da war Isabell schon an ihm vorbeigehuscht und hatte mich mitgeschleift. Während sie sich schnell das nötigste an Kleidung aus dem Rucksack holte und anzog, rief Herr Keller laut die Treppe hoch: „Linda, komm mal runter! Dein Klassenkamerad, von dem du mir erzählt hast, ist mit Isabell da!“ Wir hörten deutlich das Stampfen von schnellen Schritten im oberen Stockwerk und keine zwei Sekunden später kam die blaue Flamedramon-Dame auch schon die Treppe runtergestürmt – splitterfasernackt. „Mike! Isabell! Ich wollte euch gerade schreiben, ob wir uns treffen können. Ich will alles wissen!“, stammelte sie aufgeregt. Bevor Isabell oder ich etwas antworten konnten, meckerte Lindas Vater los: „Herr Gott, Kind! Zieh dir erstmal was an! Die laufen dir schon nicht weg.“ Kopfschüttelnd scheuchte er seine Tochter wieder die Treppe hoch, die nur jammerte: „Ja ich geh ja schon.“
Als Linda wieder oben war, nuschelte ihr Vater immer noch kopfschüttelnd: „Keinerlei Schamgefühl hat dieses Kind, genau wie ihre Mutter.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn das war mir an Linda natürlich auch schon aufgefallen. Die Renamon-Dame neben mir streifte sich noch schnell ihr weißes T-Shirt über den Kopf und richtete etwas ihr Fell, bevor sie den Rucksack auf meinem Rücken wieder verschloss und sich uns zuwandte. „Es ist sehr überraschend, dass ein Hybride zum Partnerdigimon geworden ist. Muss sich merkwürdig angefühlt haben doch nochmal zu digitieren, oder?“, erkundigte sich Herr Keller neugierig. Da er dabei Isabell anschaute und diese Frage natürlich an sie gerichtet war, hielt ich mich raus und ließ sie antworten: „Ja, das stimmt schon irgendwie. Es ist schwer zu beschreiben. Beim ersten Mal hatte ich am Anfang keine Zeit mich mit meinen Gefühlen zu befassen, weil wir mitten in einem Kampf mit Devimon steckten, aber nach dem Kampf bemerkte ich es dann schon. Es fühlte sich irgendwie richtig an, aber auch sehr ungewohnt.“
„Ja, ich erinnere mich auch an meine letzte Digitation zu Paildramon. Ich war gerade 20 geworden, aber anders als bei dir, war es bei mir eine Digitation durch Training und aus eigener Stärke. Es fühlte sich sehr unangenehm am Anfang an. Ich habe lange gebraucht, mich daran zu gewöhnen“, erwiderte Lindas Vater. „Macht es einen großen Unterschied weswegen ein Digimon digitiert?“, fragte ich neugierig. „Ja allerdings. Die temporäre Digitation durch das Digivice ist etwas ganz anderes. Es ist eine Digitation auf der Basis von geliehener Kraft. Der Körper von Isabell ist eigentlich von sich aus nicht bereit dafür, aber das Digivice erfüllt sie dennoch mit so viel Kraft, dass eine Digitation möglich wird. Ist dann diese Kraft aufgebraucht, digitiert sie aufs Rookielevel zurück“, erklärte er und wir hörten natürlich gespannt zu. Diese paar Sätze waren interessanter für mich, als der ganze Schulunterricht der letzten Woche.
„Deswegen bin ich eben auch einfach so zurück digitiert, obwohl du es im Digivice gar nicht eingegeben hattest“, meinte Isabell plötzlich, was ich nur nickend bestätigen musste. Wir hatten noch viel zu lernen und wir spürten beide, dass Lindas Vater uns wahrscheinlich einiges erzählen konnte. „Sie kennen sich gut aus mit dem Thema, oder?“, hakte ich nochmal nach. Herr Keller nickte nur, worauf ich hinzufügte: „Wir haben vorhin versucht die Digitation nochmal so auszulösen, wie im Kampf mit Devimon, aber das hat nicht funktioniert. Ich musste es manuell im Digivice auswählen. Wissen sie vielleicht warum?“ Lindas Vater sah nochmal die Treppe hoch, von seiner Tochter noch keine Spur, daher meinte er: „Linda scheint wohl ein paar Minuten zu brauchen, also können wir uns auch ins Wohnzimmer setzen und reden. Kommt mit.“
Bereitwillig folgten wir dem stattlichen Drachendigimon ins Wohnzimmer und setzten uns, als er uns das Sofa anbot. Er selbst nahm in seinem Fernsehsessel Platz und fing an zu erzählen: „Linda hat mir schon von eurem Kampf berichtet, daher gehe ich davon aus, dass die erste Digitation zu Kyubimon durch die Lebensgefahr ausgelöst wurde, also aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Natürlich hat das Digivice in dem Moment dennoch die nötige Kraft dazu geliefert, aber der Auslöser selbst war die Gefahr. Einen solchen Impuls zur Digitation könnt ihr natürlich nicht sofort nach Belieben nutzen. Ihr werdet das vielleicht irgendwann lernen, aber bis es soweit ist, reicht auch die manuelle Nutzung des Digivice. Dafür hat es immerhin diese Funktionen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht wusste, dass es den menschlichen Anteil eines Hybriden in eine Prozentzahl fassen kann. Ich war davon überrascht, wie leicht es mich scannen konnte.“
Ich nahm mir das Digivice von meinem Gürtel, öffnete mit dem oberen dunklen Knopf die Digidatenbank und schon erschien auch das Holo-Bild von Paildramon mit samt seinen Daten. „Ach ja, da stehts: Anteil menschlicher DNA 44,3%“, sprach ich und sah mir dabei das Bild von Paildramon in der Mitte nochmal kurz an. „Sehr interessant. Was wird dir denn bei Isabell angezeigt“, erkundigte sich Lindas Vater plötzlich. Verwundert sah ich auf, drückte aber daraufhin die Pfeiltaste nach rechts, um Renamons Daten aufzurufen. „Hmm. Nichts. Keine Angaben zum DNA-Anteil.“ Isabell lehnte sich ein bisschen zu mir rüber und wandte ein: „Waren da für mich nicht zwei Einträge drin? Einmal mit und einmal ohne DNA?“
Ich erinnerte mich wieder daran und drückte die Pfeiltaste nach unten. Wieder erschien das menschlichere Bild von Renamon. „Richtig, wir können das mit dem Digivice ja auch beeinflussen. Okay, Renamon Hybride-Form – Anteil menschlicher DNA 37,9%“, antwortete ich auf den fragenden Blick von Herr Keller, aber damit verschwand sein Blick nicht. Als er bemerkte, dass ich nicht weiter drauf einging, hakte er nach: „Ihr könnt was noch mit dem Digivice beeinflussen? Den DNA-Anteil?“ Diesmal antwortete Isabell: „Als ich gestern mit Hilfe des Digivices zurück digitiert bin, hatte ich plötzlich den Körper eines einfachen Renamons, also ohne jegliche menschliche DNA. Mike hat dann im Digivice die zweite Datenseite gefunden und beim Drücken des unteren dunklen Knopfes wechselte ich plötzlich wieder in die Hybride-Form.“
„Ich habe noch nie davon gehört, dass das Digivice ein Digimon zwischen den Formen wechseln lassen kann“, wandte Lindas Vater geschockt ein, doch da musste ich nun einwerfen: „Ich schon. Das Imperialdramon der alten Digiritter konnte doch auch zwischen tierischer und menschlicher Form wechseln.“ Leider korrigierte er mich direkt: „Das stimmt, aber das kann jedes Imperialdramon lernen. Es nennt sich Modus-Digitation. Das hat nichts mit dem Digivice zu tun und außerdem ist die menschliche Form von Imperialdramon nur eine andere Digimon-Form. Es erhält dadurch keine menschliche DNA.“ Nun musste Isabell noch was mit einbringen: „Ich bin das erste humanoide Digimon mit einem Digiritter als Partner, oder? Dann konnte doch niemand vorher von dieser Eigenschaft des Digivices wissen. Es ist einfach etwas Neues.“
Dem musste Herr Keller zustimmen: „Ja scheint so. Ich hätte auf jeden Fall schon davon gehört, wenn das schon mal vorgekommen wäre. Ich bin von Beruf Genetiker und untersuche schon lange die humane und digitale Biologie und wie sich diese verbunden haben. Auch die unzähligen Möglichkeiten der Digitation habe ich mal studiert. Deswegen kann ich euch das auch so detailliert erklären, aber diese Form, zu der ihr in der Lage seid, ist definitiv neu. Um ehrlich zu sein interessiert es mich sehr. Wärt ihr so freundlich, es mir mal vorzuführen?“ Die Renamon-Dame neben mir schaute mich fragend an. Ich entgegnete ihrem Blick mit den Worten: „Das ist deine Entscheidung - ist schließlich auch dein Körper.“ Isabell überlegte ein paar Sekunden, nickte aber danach doch und erhob sich vom Sofa. Während sie sich schnell ihre Klamotten wieder auszog, wählte ich im Digivice ihren Eintrag ohne menschlichen Anteil aus.
Als sie soweit war, drückte ich den Bestätigungsknopf. Sofort fing mein Digivice an zu leuchten und keine Sekunde später auch Isabell. Lindas Vater beobachtete das Ganze aufmerksam, doch viel gab es natürlich nicht zu sehen. Das weiße Licht, dass ihren Körper bedeckte, änderte nur wenig an ihren Konturen. Arme und Beine wurden dicker, die Hände und Füße veränderten ein bisschen ihre Form und ihre Brust flachte etwas ab. Mehr erkannte man nicht und viel mehr geschah äußerlich auch nicht. Innerlich verschwanden sicherlich vor allem die menschlichen Fortpflanzungsorgane und ihr Skelett passte sich den Beinen und Armen an. Mehr konnte ich mit meinem begrenzten Wissen nicht erahnen. Nach nur wenigen Sekunden erlosch das Licht auch schon wieder und Isabell stand als einfaches Renamon ohne den menschlichen DNA-Anteil im Wohnzimmer.
„Sehr interessant. Das hat ihr tatsächlich die reine Digimonform zurückgegeben. Wenn man das auf andere Personen ausweiten könnte, könnte man vermenschlichten Digimon wieder ihren ursprünglichen Körper zurückgeben“, stellte er fasziniert fest, doch nun widersprach ihm Isabell: „Das hier bin ich aber nicht. Es fühlt sich für mich eher unnatürlich an. Als hätte man ein Teil aus mir rausgeschnitten.“ Herr Keller lachte kurz auf und erklärte: „Das kann ich mir gut vorstellen, dass du das so empfindest, aber keine Angst. Es wurde natürlich nichts rausgeschnitten. Nein, dazu ist das Digivice mit Sicherheit nicht fähig. Die menschliche DNA ist auf jeden Fall noch in deinem Körper vorhanden, sie wurde nur deaktiviert. Die notwendige Technologie, um die DNA eines Menschen vom digitalen Code des Digimon zu trennen, ist noch nicht erfunden worden.“
Als er unsere verwirrten Gesichter bemerkte, versuchte er es nochmal anders zu erklären: „Okay. Hmmm, nehmen wir mal Paildramon als Beispiel. Ich bin von ExVeemon zu Paildramon regulär digitiert, aber es ist auch möglich per Fusions-Digitation, oder auch DNA-Digitation genannt, zu Paildramon zu werden. Dabei digitieren ExVeemon und Stingmon gemeinsam und verbinden sich. Allerdings ist eine solche Digitation nie dauerhaft und irgendwann trennen sie sich wieder. Das können sie nur, weil sich ihre Körper nicht auf zellulärer Ebene verbinden, ihr Datencode vermischt sich nicht. Auch wenn sie sich in dem Moment einen Körper teilen, sind sie immer noch zwei verschiedene Individuen. Das ist in etwa so, als würdet ihr ein paar rote und blaue Bälle in einen Korb werfen. Es bleiben trotzdem immer noch rote und blaue Bälle, die man einfach wieder sortieren kann. Würden sie sich richtig verbinden, würden lilafarbene Bälle entstehen, die man mit den derzeitigen Möglichkeiten nicht wieder in rote und blaue trennen könnte. Die menschliche DNA und der Datencode der Digimon wurden jedoch so verbunden, dass lilafarbene Bälle entstanden sind, sozusagen. Selbst das Digivice kann das nicht rückgängig machen, also mach dir keine Sorgen, Isabell. Auch wenn es sich merkwürdig anfühlt, du bleibst du.“
Die Renamon-Dame neben mir sprach nickend: „Ja, ich glaube ich verstehe, was sie meinen.“ „Wirklich? Ich habe nur verstanden, dass mein Vater gerne mit Bällen spielt“, hörten wir plötzlich eine bekannte Stimme sagen und sahen zum linken Wohnzimmereingang rüber, der in den Eingangsbereich des Hauses führte. Dort stand Linda mit verschränken Armen an die Wand gelehnt und mittlerweile bekleidet mit einer kurzen Jeanshose und einem orangefarbenen T-Shirt mit einem roten Stern drauf. „Das war natürlich wieder mal klar, aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf. Irgendwann verstehst du es auch noch“, bekräftigte er sein Bestreben und fügte hinzu: „Ich weiß genau, dass du es verstehen könntest, wenn du nur wollen würdest.“ Mit diesen Worten erhob sich Lindas Vater aus seinem Sessel und ging in die Küche. „Möchte jemand was zu trinken?“, fragte er dabei. Linda setzte sich schnell in seinen Sessel und antwortete für uns mit: „Dreimal Cola bitte!“ Da Isabell wieder ihren humanoiden Körper zurückhaben wollte, wählte ich entsprechend im Digivice das aus und sorgte per Knopfdruck für ihre Umwandlung. Nachdem sie sich angezogen hatte, setzte sie sich wieder neben mir auf das Sofa.
Als Herr Keller mit vier Gläsern und einer Colaflasche zurück ins Wohnzimmer kam, scheuchte er seine Tochter aus dem Sessel, stellte alles auf den Tisch und schenkte uns etwas ein. Dadurch ließ sich Linda aber nicht von ihren Fragen ablenken: „Erzählt mir alles nochmal genau. Wie war der Kampf? Warum ausgerechnet Devimon? Woher ist das Digivice gekommen? Wie hat sich die Digitation angefühlt? Und wieso bist du auch noch Kyubimon geworden? Es hätte doch auch Youkomon oder ein anderes Champion-Level-Digimon sein können.“ Die Flamedramon-Dame nahm dabei neben mir Platz und sah uns wartend an. Wo sollten wir anfangen? Ich überließ Isabell erstmal das Wort und ließ sie das Ganze aus ihrer Sicht erzählen. Von dem Moment als ich auf der Lichtung dazugekommen war, berichtete ich dann erstmal weiter. So wechselten wir uns gelegentlich ab oder fügten Details beim Anderen hinzu. Auch Lindas Vater hörte sich das gespannt mit an.
Nach etwa einer halben Stunde hatten wir endlich alles soweit erzählt. Zumindest mit genügend Einzelheiten, sodass sich Linda halbwegs zufriedengab. Eine Sache blieb aber offen und das erwähnte sie kurz darauf erneut: „Es wundert mich dennoch, dass du ausgerechnet Kyubimon geworden bist. Die ideale Digitation ist normalerweise nicht so einfach zu erreichen.“ Hier musste Herr Keller sich nun mit einbringen: „Mit dem Digivice schon. Die Digimonpartner der Digiritter digitieren immer dem idealen Digitationsweg entlang.“ Natürlich konnten Isabell und ich da nicht mehr mithalten. Sie fragte, bevor ich es konnte: „Was meinen sie mit idealem Digitationsweg? Davon habe ich noch nie gehört.“ „Ich auch nicht“, fügte ich mit dazu. Linda lehnte sich im Sofa zurück und murmelte genervt: „Und los geht's.“ „Sie haben doch danach gefragt“, meckerte Herr Keller direkt beleidigt, aber mehr wie ein: „Jaja“, kam von ihr nicht zurück.
Als wir Linda daraufhin natürlich fragend ansahen, antwortete sie: „Ihr habt ihm praktisch die Erlaubnis gegeben euch zu foltern. Selbst schuld. Das wird wieder ein ewiglanger Vortrag.“ „Ich mach es kurz“, meinte ihr Vater, aber Linda konterte nur, während sie ihr Handy zückte: „Dann werde ich das ganze Wochenende freiwillig für die Schule lernen.“ Da ihm darauf nun kein Spruch mehr einfiel, wandte er sich an uns: „Der ideale Digitationsweg beschreibt den Weg der bestmöglichen Digitation eines Digimon. Natürlich sind eigentlich alle Digitationen okay und haben ihr recht zu existieren, aber da sie so unterschiedlich sind, haben sie nun mal auch alle Vor- und Nachteile. Durch die unzähligen Möglichkeiten der Digitation, gibt es dementsprechend auch unzählige Möglichkeiten wozu ein Digimon digitieren kann.
Vom Rookielevel aus kann fast jedes Digimon nahezu alles werden. Dazu sind nur entweder Hilfsmittel oder bestimmte Umstände nötig. Ein Beispiel: Isabell ist ein Renamon. Ihre Vorstufen sind Reremon und Viximon. Vom Rookielevel aus kann sie aber in 10 bis 20 verschiedene Champion-Level-Digimon digitieren. Kyubimon und Youkomon sind nur zwei davon. In der Digiwelt gibt es eine große Wandtafel, genannt den Stein des Ursprungs. Dort sind alle Digimonarten in einer großen Gitterstruktur dargestellt. Als die Digimon entstanden sind, gab es natürlich viel weniger Arten und jedes Digimon hatte nur eine mögliche Digitation. Eine mögliche weitere Form. Diese ursprünglichen Digitationswege der Digimon sind das, was wir heute als idealen Digitationsweg bezeichnen. Also im Falle von Isabell wäre ihr ursprünglicher, ihr idealer Weg von Renamon aus dann Kyubimon, Taomon und schließlich Sakuyamon als Megalevel. Das Digivice holt in dem Digimon das Bestmögliche raus und befähigt es dadurch zur bestmöglichen Digitation. Zumindest solange der Mensch, der es benutzt auch das bestmögliche in seinem Digimonpartner sieht.“
„Das ist sehr interessant“, erwiderte Isabell fasziniert und natürlich ging es mir nicht anders. Eine Frage kam mir allerdings in den Sinn: „Was ist denn nötig, damit Isabell weiter digitiert und zu Sakuyamon wird?“ Herr Keller antwortete knapp: „Keine Ahnung.“ Auf meinen erstaunten Blick erklärte er: „Wie schon gesagt, ist die Digitation mit dem Digivice etwas völlig anderes. Ich bin zu Paildramon digitiert, weil ich viel trainiert habe und stärker geworden bin. Warum genau Paildramon aus mir geworden ist, weiß ich auch nicht. Bei Linda und ihrer Schwester haben wir darauf geachtet, dass sie nicht zu viele Muskeln aufbauen und haben stattdessen Schnelligkeit und Reflexe geschult, damit sie nicht zu ExVeemon digitieren. Wie ihr euch denken könnt, sind weibliche ExVeemon nicht gerade beliebt. Leichter wäre es natürlich gewesen, wenn sie einfach das Digiamor-Ei des Mutes berührt hätten, aber das gibt es nur in der Digiwelt und ist nicht so leicht zu finden.
Zum Glück sind aber die meisten Digitationen auch ohne Hilfsmittel erreichbar. Wir haben Leonie und Linda gelehrt was Mut ist und haben sie oft in der Nähe von offenem Feuer spielen lassen, damit sie die Wärme der Flammen aufnehmen können. Natürlich nur, wenn wir auch dabei waren, aber das reichte aus. Letzten Endes wissen wir es nicht genau, was alles nötig ist, um welche Digitation auszulösen. Beim Digivice ist es noch schwieriger. Natürlich hilft es, wenn der Partner in Gefahr gerät, aber das ist keine Garantie. Ihr müsst trotz des Digivices dafür trainieren und stärker werden, denn selbst wenn ihr ohne Training ein höheres Level erreichen würdet, könnte Isabell es nicht kontrollieren oder lange halten. Dann passiert euch dasselbe wie vorhin vor unserer Haustür. Sie digitiert ohne Vorwarnung zurück. Wenn euch das mitten in einem Kampf auf Leben und Tod passiert, wars das.“
Isabell und ich überlegten. Linda meckerte derweil: „Und schon ist die Stimmung im Arsch. Super gemacht. Die Zwei haben gerade erst das Champion-Level entdeckt und du redest schon von Kämpfen auf Leben und Tod.“ „Sie müssen wissen, worauf sie sich einlassen. Wenn sie wirklich stärker werden wollen, müssen sie irgendwann in die Digiwelt gehen und dort gibt es nicht nur Kämpfe zum Spaß. Viele Digimon werden versuchen sie zu töten, besonders, wenn sie bösartigen Digimon wie Devimon begegnen“, antwortete ihr Vater nüchtern und fügte ein paar Sekunden später noch hinzu: „Und du achte etwas mehr auf deine Wortwahl, junge Dame.“ Nach etwa zwei Minuten des peinlichen Schweigens fragte ich: „Waren sie schonmal in der Digiwelt?“
Herr Keller trank einen Schluck Cola aus seinem Glas und antwortete: „Natürlich. Man kann die Digitationen nicht studieren, ohne mindestens einmal in die Digiwelt gegangen zu sein.“ Bevor ich jedoch nachfragen konnte, klingelte plötzlich Lindas Handy. „Es ist Jenny“, sagte die Flamedramon-Dame neben mir und nahm den Anruf an. Nach einem kurzen Gespräch, widmete sie sich mir und Isabell und fragte: „Habt ihr Lust bei Jenny die Hausaufgaben zu machen?“ Isabell und ich kommunizierten nur knapp zwei Sekunden lang per Augenkontakt und jeder von uns wusste, was der andere dachte. Wir hatten kaum etwas auf. Das dauerte vielleicht zehn Minuten und war sicherlich nicht extra den Aufwand wert. Es konnte also nur ein Vorwand für etwas anderes sein und Linda musste es so umschreiben, weil ihr Vater mithörte. Die Renamon-Dame und ich nickten nur wortlos und fragten uns im Geiste, was Linda und Jenny schon wieder vorhatten.
Linda gab derweil Bescheid, dass wir kamen und legte danach auf. Sie warf ihrem Vater einen unbeschreiblichen Blick zu. Ihn traf das volle Programm. Schmollmund, Kulleraugen und mit zarter Stimme fragte sie: „Wärst du so lieb und fährst uns zu Jenny?“ Der arme Kerl. Ich konnte regelrecht sehen, wie es ihn überwältigte. Das war sowas von unfair und sicherlich verstieß es gegen jede Form von zivilisierter Kriegsführung. Ich hatte irgendwie Mitleid mit ihm. Er allein gegen drei Weiber in seinem eigenen Haus und dann nutzten die auch noch solche Waffen. Er konnte natürlich nicht anders und erfüllte ihr den Wunsch: „Na schön, ich fahr euch.“ Das hätte bei meinem Vater nicht funktioniert. Nun ja, ich muss gestehen, ich habe es allerdings auch noch nie versucht. Könnte mein Vater sicherlich falsch verstehen, wenn ich versuche ihm solche Augen zu machen. Ihr versteht bestimmt, was ich meine.
Nachdem unser Fahrservice abgesichert war, entschieden wir uns dazu gleich zu Jenny zu fahren. Schließlich ging es bereits auf 14 Uhr zu und allzu lange würden wir vielleicht nicht bleiben können. Um den Schein zu wahren lief Linda schnell in ihr Zimmer und holte ihre Schulsachen, auch zu Isabell und mir fuhren wir erst nachhause, damit wir unser Zeug holen konnten. Erst danach chauffierte er uns zu Jenny. Diese wohnte gar nicht so weit weg von Linda und immer noch im Nobelviertel der Stadt. Ein ebenso großes, wie schönes Haus nannte die Familie von Jenny ihr Eigen. Während Isabell und ich ausstiegen, gab Herr Keller seiner Tochter nochmal die Grundregeln zu hören: „Keinen Blödsinn anstellen, nicht die Einrichtung anzünden, nicht zu viel Alkohol trinken und ruf an, wenn es später als neun Uhr wird. Verstanden?“
Die Flamedramon-Dame stieg aus dem Auto und meckerte: „Wir machen nur unsere Hausaufgaben zusammen.“ Der Vater konterte direkt: „Natürlich und ich bin die Prinzessin von Groß-England.“ „Das Diadem würde dir nicht stehen“, gab Linda nur zurück und ließ dabei schon die Beifahrertür zufallen. Inzwischen waren Isabell und ich bereits den kleinen Vorgartenweg entlanggegangen und hatten geklingelt. Jennys Mutter, eine schlanke und recht ansehnliche Gatomon-Dame machte gerade die Tür auf, als Linda bei uns ankam. Während wir sie begrüßten, erschien Jenny plötzlich hinter ihr und bat uns reinzukommen: „Da seid ihr ja. Kommt mit. Im Esszimmer steht schon alles bereit.“ Wir folgten unserer Klassenkameradin einfach und hörten ihre Mutter die Tür hinter uns schließen.
Wir liefen durch den Hausflur, am Wohnzimmer vorbei und kamen danach ins Esszimmer. Durch die drei großen Fenster des Erkers kam viel Sonnenlicht rein, was den ganzen Raum sehr hell und offen wirken ließ. Auf dem großen Eichenesstisch hatte Jenny bereits einige Flaschen mit Cola, Fanta, Wasser und Orangensaft und vier Gläser gestellt. Dazu gab es drei Schüsseln mit Knabberzeug und Plätzchen. Isabell und ich sahen uns verwundert an. Das wirkte tatsächlich so, als ob wir nur Hausaufgaben machen sollten, aber dazu hatten wir eigentlich nicht genug zu machen. Nachdem wir uns an den Tisch gesetzt hatten und unser Schulzeug gerade rausholten, kam Jennys Mutter nochmal zu uns und fragte: „Habt ihr alles? Soll ich euch noch etwas bringen?“ „Nein, wir haben alles, danke“, erwiderte Jenny direkt. Die Gatomon-Dame nickte nur zufrieden und trabte davon.
Ich konnte nicht mehr, ich musste fragen: „Wir haben doch gar nicht so viel Hausaufgaben. Lohnt sich der Aufwand hier überhaupt?“ Jenny sah schnell nach, ob ihre Mutter schon aus dem Zimmer war und atmete erleichtert auf, als sie feststellte, dass sie wohl schon weitgenug weg war. Danach wandte sie sich mir zu, kam etwas näher und flüsterte: „Nein, natürlich nicht, aber das soll meine Mutter denken, also sag das nicht nochmal. Sie verschwindet in einer halben Stunde, dann haben wir das Haus für uns. Bis dahin müssen wir ihr vorspielen, dass wir hier wirklich nur Hausaufgaben machen wollen.“ „Warum denn das?“, erkundigte sich Isabell verwundert und nahm mir dabei die Worte aus dem Mund. Jenny flüsterte: „Weil sie uns sonst niemals allein lassen würde.“ „Warum nicht?“, hakte ich nach. Diesmal gab uns Linda flüsternd eine Antwort: „Weil ihre Mutter übertrieben vorsichtig ist und sie immer noch wie ein kleines Kind von allem fernhalten und behüten will.“ „Bis letztes Jahr hatte ich noch eine Babysitterin“, fügte Jenny mit hinzu, was mich doch ziemlich überzeugte.
„Was sagt denn dein Vater dazu? Oder ist der auch so drauf?“, wollte ich wissen, aber Jenny erwiderte nur: „Keine Ahnung, hab ihn nie kennengelernt. Meine Mutter hat ihn rausgeworfen, als ich zwei Jahre alt war und er zum Alki wurde.“ Wir verstummten alle, als wir hörten, dass sich jemand von der Küche aus näherte und widmeten uns schnell wieder unserem Schulzeug. Aus den Augenwinkeln konnten wir sehen, dass Jennys Mutter nur mal kurz ins Esszimmer schielte und danach einfach wieder ging. Die kontrollierte uns allen Ernstes?! Nun war ich wirklich überzeugt. Ohne viele Worte machten wir uns dran die Hausaufgaben so langsam wie möglich zu erledigen. Da es aber dennoch einfach zu wenig war, schrieben wir danach irgendwelche Sachen aus den Büchern ab und lösten ein paar einfache Matheaufgaben.
Erst nach guten 40 Minuten kam sie erneut zu uns ins Esszimmer und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich mach mich nun auf den Weg. Ich bin morgen gegen 17 Uhr wieder da. Herr Meisner von nebenan weiß Bescheid und schaut ab und zu nach dir. Er macht dir heut Abend auch was zu essen. Bau keinen Blödsinn und keine Partys. Verstanden?“ „Ja keine Angst, ich werde auch mal ohne dich klarkommen. Ich bin nicht mehr fünf Jahre alt“, meckerte Jenny direkt, aber ihre Mutter meinte nur: „Deswegen sag ich es.“ Die peinliche Stille, die sich daraufhin ein paar Sekunden lang einstellte, unterbrach die ältere Gatomon-Dame indem sie uns noch frohes Schaffen wünschte und schließlich ging. Nur wenige Minuten später hörten wir die Haustür zufallen. Jenny atmete erleichtert auf: „Na endlich.“
„Und was machen wir jetzt?“, erkundigte sich Isabell neugierig. Linda antwortete jedoch: „Erstmal noch nichts. Wir warten noch darauf, dass Herr Meisner hier auftaucht und danach können wir machen was wir wollen.“ Auf die verwunderten Blicke von Isabell und mir, erklärte Jenny: „Meine Mutter hat ihm mit Sicherheit aufgetragen eine halbe Stunde oder so zu warten und dann schon mal rüber zu kommen, um nach uns zu sehen. Sie geht nämlich davon aus, dass wir anfangen Party zu machen sobald sie zur Tür raus ist. Damit hätte sie sogar recht, aber mittlerweile wissen wir wie sie tickt.“ „Verstehe“, gab ich daraufhin nur zurück.
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox) & Mike by KyanHyena
Wer wissen will, wie das neue Digivice aussieht, kann mal bei meinen Bildern reinschauen. :D
zur not nem ich aber auch den sauren apfel wenn du mit ihr noch nicht weiter gekommen bist.
gruß der beklopte lese löwe