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Gark Tuk, Blazlin der Feuerklauen. Vor ein paar Wochen war er noch der Sohn einer einfachen Bauernfamilie nahe der Nordgrenze der Sengenden Wüste, doch nun war er ein Soldat im Dienste der Feuerklauen. Dieses Schicksal teilten viele seiner Kameraden, welche zum Teil Freunde aus seinem Dorf waren. Sie alle waren zwar genauso wie er für den Krieg ausgebildet, dachten aber nicht, dass sie wirklich eingesetzt werden würden.

Falsch gedacht. Sein gesamtes Dorf wurde eingezogen, um im dritten Krieg der Großstämme der Blazkul zu kämpfen und zu sterben. Die Blazlin waren keinesfalls ängstlich oder verzweifelt, nein! Sie dienen mit Freude den Blazkul als fähige Soldaten. Nicht aber Gark, der lieber weiterhin Acker gepflügt und Vieh gehütet hätte, als in Rüstung und mit einem Speer bewaffnet durch die Wüste zu maschieren.

Dies tat er aber auch nicht. Er marschierte zwar, aber nicht über die gewohnten Dünen unter dem glühenden Blick der Sonne. Stattdessen marschierte er durch die kalten Talwälder der Aezrikka Zule, denn die Einheit zu der er gehörte ist abkommandiert worden, um einen Fluss in dem riesigen Gebirge zu sicher. Einen Fluss! Waren die Arme des Lebens innerhalb der Wüste denn nicht genug? Wozu braucht man einen ihrer Ausläufer im Gebirge? Ganz einfach, erklärte ihm sein Anführer: Der Fluss geht bis in den Regenwald der Rizkul und das Holz aus diesem Regenwald ist kriegswichtig und wird mithilfe des Flusses direkt zu den Feuerklauen transportiert.

So war Gark nun auf seinem Wachposten, angespannt. Sie hatten in letzter Zeit mehr und mehr Aezkul gesehen, die in Bronze gepackt waren. Späher, Milizen, Garnisonen. Sie griffen nie an, aber sie hielte sie unter Beobachtung. Gark hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine Schlacht geschlagen und er hoffte, dass sich dies nicht ändern würde. Seine Kameraden dachten anders. Hätte der Blazkul Schlachtlenker nicht befohlen, die Aezkul in Ruhe zulassen, dann hätten seine Kameraden schon lange versucht sie mit ihren Armbrüsten und Bögen zu treffen. Das die Aezkul sich immer außer Reichweite befanden, wäre ihnen egal.

Nicht nur stand Gark auf einem Wachturm an dem Fluss, es war auch der einzige Wachturm weit und breit. Es war der wahrscheinlichst kleinste Außenposten entlang des gesamten Ufers und ausgerechnet Gark und drei seiner Kameraden mussten dort Wache schieben. Er verstand sich eigentlich ganz gut mit Turk, Zakar und Glozk, aber ab und zu spotteten sie über ihn, weil er sich so feige verhielt.

Gark wünschte, dass wenn er auch nicht nach Hause könnte, dass er doch wenigstens in einem größeren Lager dienen dürfte. Einem Lager mit Wällen und Speerkatapulten, anstelle von einem einsamen Wachturm aus Holz.

Alles Wünschen half natürlich nicht. Also stand er immer wieder auf dem Turm und blickte sich um. Bäume soweit das Auge reicht. Der Talwald war zwar nicht die Wüste, aber dennoch schön anzusehen. Ihm gefiel der Wald sogar und das kältere Wetter störte ihn nicht sonderlich. Regen war sogar eine ziemlich interessante Erfahrung und ersparte einem die Körperpflege. Der Wald wäre natürlich noch schöner, müsste man sich nicht Sorgen machen, dass Aezkul in ihm lauern könnten. Wenigstens waren es keine Rizkul über die Gark sich hier hätte Sorgen machen müssen. Die Berichte, die man aus dem Regenwald bekam, waren grausig. Erst vor ungefähr einem Monat, zu dem Zeitpunkt, wurde fast ein gesamter Kriegstrupp der Blazkul und der zugehörige Trupp Arbeiter vernichtet. Ihr Anführer galt zwar noch als verschollen, wurde aber bereits für Tot erklärt.

Hoffentlich wird niemand ihn für Tot erklären müssen, dachte Gark mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck, als er wieder einmal an den Bericht dachte. Das von Säure zersetzte Fleisch, die mit Giftpfeilen gespickten Leichen... der Berichterstatter war nicht zimperlich, wenn es darum ging, die Überbleibsel der vorgefundenen Schlacht möglichst detailreich zu beschreiben.

Wenn man so etwas hörte, war man um einiges froher in einem schönen Tal zu sein, als im tödlichem Regenwald.

Aber natürlich musste wieder etwas geschehen, damit selbst hier im Land der friedlichen Aezkul, in einem idyllischem Tal Gark Angst und Bange werden muss – es wurden Flammenschwingen gesichtet. Flammenschwingen waren einer der vielen Feinden der Feuerklauen in diesem Krieg. Und sie waren in diesem Gebirge, ganz in der Nähe. Aber warum bloß?, dachte Gark. Was wollen diese geflügelten Barbaren in den Zule? Nahe dem Fluss? Glozk, der mit ihm auf dem Wachturm stand, hatte auf diese Fragen eine Antwort. Ist doch klar! Die wollen verhindern, dass wir an das Holz kommen.. und außerdem hassen die Flammenschwingen sowieso die Aezkul. Also schlagen sie ja zwei Feinde mit einer Klappe!

Aufgrund der Sichtungen wurden mehrere Trupps der Artillerie damit beauftragt, Hinterhalte vorzubereiten, um die Späher der Flammenschwingen loszuwerden. Gark und seine drei Kameraden waren damit beauftragt, für genau diese Hinterhalte Beobachter zu spielen und sie per Hornsignal auf feindliche Späher aufmerksam zu machen.

Mehrere Tage lang wurde nicht ein feindlicher Späher gesichtet, selbst die Aezkul schienen sich nicht mehr um die Feuerklauen zu kümmern, oder vielleicht hatten sie die Artillerie bemerkt? Gark wusste es nicht.

Es schien als sollte dieser Befehl doch ruhig werden. Einfach auf einem Turm stehen, den Ausblick genießen und Zeit mit Kameraden totschlagen indem man trinkt, würfelt oder irgendwelche Brettspiele spielt. Bis eines Tages...


„FLAMMENSCHWINGEN!!!“, brüllte Glozk mit ganzer Stimme vom Wachturm. Es riss Gark und Turk aus dem Schlaf, sie hatten die Nacht davor Wachschicht gehabt, und schreckte sie aus ihren Betten. Turk stand sofort auf und fiel dabei fast über seine Stiefel! Er zog sich prompt seine Lederrüstung und besagte Stiefel an,danach griff er nach seiner Armbrust.

Gark saß noch wie erstarrt in seinem Bett. „Hallo? Gark? Beweg dich! Feinde wurden gesichtet! Zieh dir deine Rüstung an!“ Turk nahm kurzerhand Garks Speer von der Wand und warf die Stangenwaffe zu ihm. Gark rechnete damit nicht und der Stab traf ihn am Kopf. Wenigstens weckte ihn das aus seiner Starre.

„Ich komm ja schon! Hoffentlich sind es nur Späher..“ Gark stand auf und zog sich seine Rüstung an, während Turk bereits die Treppe zur Turmplattform hoch rannte. Für einen Moment dachte Gark darüber nach, nicht zu folgen, aber er verwarf den Gedanken wieder. So etwas unehrenhaftes wollte er nicht tun. Er machte sich also so schnell wie möglich fertig und bewegte sich, während er noch seinen rechten Stiefel zuband, nach oben.

Dort standen Glozk, Turk und Zakar bereits, ihre Hände auf die Holzzinnen gestützt und sahen gen Himmel. Gark schluckte, denn dort waren wirklich Flammenschwingen! Man konnte sie ganz klar an ihren Flügel erkennen. Sie waren größer als die Schwingen der anderen Blazkularten und hatten eine andere Farbe als der Rest des Körpers, teilten sich aber ihre Farbe mit anderen Mustern, die auf den fliegenden Spähern zu sehen waren.

„Nur drei Stück. Wahrscheinlich ein Spähtrupp. Schaut! Sie haben uns gesehen! Sie kommen genau auf uns zu!“ Zakars Worte waren voller Aufregung. Man konnte hören, dass er sich nicht fürchtete und sich darauf freute, einen Kampf zumindest zu sehen, denn allein würden die vier Soldaten niemals gewinnen, selbst mit Armbrüsten und Bögen nicht. Glozk und Turk hatten ihre Armbrüste bereits geladen, während Zakar einen Pfeil auf der Sehne liegen hatte.

Gark fürchtete sich, denn Zakar hatte recht. Ihre Feinde hatten sie wirklich gesehen und flogen mit großer Geschwindigkeit auf sie zu!

„Gib den Artilleristen ihr Signal, Turk! Los! Blass in das Horn!“, drängte ihn Glozk.

Turk nahm ein Kriegshorn aus einer Holzkiste und holte tief Luft, dann blies er hinein. Das Signal ertönte durch das gesamte Tal. Die Flammenschwingen hielten inne als sie realisierten, dass sie entweder in eine Falle geflogen sind, oder dass die Turmbesatzung zumindest Verstärkung gerufen hat. Ihr Zögern war ihr Tot.

Man konnte das laute Krachen der Sehnen der Speerkatapulte bis zum Turm hören und mit einem lauten Sirren flogen dunkle Striche durch den Himmel. Die Späher konnten nicht mehr ausweichen und die Flügelreißerbolzen trafen die verletzliche Flügelmembranen und riss sie in Stücke. Die Flammenschwingen fielen aus dem Himmel und schlugen um sich, als würden sie versuchen die Luft selbst zu greifen.Sie schrien laut und schrill, als sie dem Boden entgegen trudelten.

Man konnte Bäume knacken hören, als sie ins Dickicht einschlugen.

„Hah! Die sollten tot sein.. oder?“, fragte Gark unsicher.

„Wahrscheinlich. Aber wir sollte sicher gehen, dass sie auch wirklich tot sind. Ich kann einen von ihnen bis hier hin schreien hören..“ Glozk hatte recht. Mindestens einer der Flammenschwingen hatte überlebt und schrie sich nun die Lunge aus dem Leib. Diese schmerzerfüllten Klagelaute zertrümmerten Garks Sicherheit. „Sollten andere Feinde ihn hören, kommen sie vielleicht zur Hilfe und sollten wir Pech haben, könnten das mehr Kul sein als unsere Kollegen in den Büschen Bolzen haben! Wir wissen nicht wie viele Flammenschwingen sich hier verbergen. Also los. Machen wir uns marschbereit!“

Turk und Zakar nickten zustimmend und liefen die Treppe runter, um sich bereit zu machen.

„A-Aber Glozk, das kannst du doch nicht ernst meinen?! Du willst nicht wirklich einen Blazkul jagen, oder?“ Angst schwang klar in Garks Stimme mit.

„Ach Gark du Feigling! Es wird doch keine Jagd.. der ist eh schon fast tot. Den piksen wir einmal, dann hält der sein Maul. Und jetzt beweg dich endlich!“ Glozk gab ihm einen beherzten Schubs, der Gark fast die Treppe fallend hinunterschickte. Er fing sich jedoch und rannte nach unten. Glozk war zwar nicht der Anführer der kleinen Truppe, wurde aber als solcher respektiert. Im Gegensatz zu den anderen, hatte er nämlich schon gekämpft.

Nach wenigen Minuten standen die vier Blazlin marschbereit vor ihrem Turm.

„Seht ihr den Berg dort vorne? Die Flammenschwinge ist irgendwo davor abgestürzt. Ich habe es auf unserer Karte markiert. Seht ihr? Genau dort!“ Glozk zeigte mit einer seiner Klauen auf die Karte. Es waren auch noch zwei weitere Orte mit einem schwarzen X markiert. „Hier sollten die anderen abgestürzt sein, da ihre Positionen auf dem Weg liegen, werden wir dort zuerst vorbeischauen, bevor wir dem Schreihals das Maul stopfen.“

Zakar und Turk nickten, Gark schluckte.

„Gut, dann vorwärts! Mir nach.“ Glozk ging mit entschiedenem Schritt voran und seine Kameraden folgten ihm, Speere und Schilde fest umklammert, während sie ihre Bögen und Armbrüste auf dem Rücken trugen und die Köcher vom Gürtel hingen. Gark hatte Wurfspeere mitgenommen und sich in einen großen Köcher auf den Rücken geschnallt. Er hatte die Kraft sie zu werfen, dies kam vom der anstrengenden Arbeit auf den Feldern. Er hat Wurfwaffen aber schon immer Bögen vorgezogen, auch in der Ausbildung.

Es dauerte mehr als eine Stunde, bis sie endlich in die Nähe des ersten Absturzortes kamen. Der Ort war gar nicht mal weit weg vom Turm, aber die Wälder der Zule sind unwegsam und die Blazlin mussten auch kleine Klippen hochklettern, bevor sie endlich am ersten Ziel ankamen.

Vorsichtig und auf einen Kampf vorbereitet näherten sie sich der Lichtung, die durch die Wucht des Aufpralls eines fast drei Meter großen Kul entstanden ist. Glozk und Turk gingen vorne weg mit erhobenen Speeren und Schilden. Die Schilde sahen aus wie Ovale, aus dessen Seiten jeweils ein Oval ausgeschnitten worden waren. Dies gab dem Träger Schutz und gleichzeitig ermöglichte es ihm, an seinem Schild vorbei zuzustechen. Zakar und Gark gingen hinter ihnen her, der eine mit einem Pfeil auf der Sehne, der andere mit einem Wurfspeer in der Klaue.

Glozk fing an zu lachen als er die Lichtung betrat. „Senkt die Waffen, der hier ist hin!“ Er zeigte auf den Kadaver des Kul. Er war auf einem Baum aufgespießt! Der Baum ging ihn in den Bauch, durch die Brust und aus dem oberem Rücken, zwischen den Schulterblättern, kam er wieder heraus. Blut lief in kleinen Bächen den Stamm hinab und verwandelte die Erde zu blutigem Schlamm. Die Flammenschwinge war auf jeden Fall tot und wurde nur von dem Stamm in einer aufrechten Position gehalten, als würde die Natur ihn als ihre Beute präsentieren. Nicht ein Laut, noch nicht mal ein Krächzen kam von dem aufgespießten Kul. Der Anblick brachte Gark zum Aufatmen, aber auch etwas zum würgen. Er hatte zwar schon Vieh geschlachtet, doch der Anblick des gepfählten Kul war was anderes. Zakar glotze ihn für einen Moment komisch an, bevor er den Kopf schüttelte. Blazkul und Blazlin sollten nicht bei dem Anblick von Leichen anfange zu würgen! Wenigstens sagte Zakar nichts zu den anderen.

„Tja, auf zum nächsten, würde ich sagen.“, befand Turk mit einem Schulterzucken. Bei diesen Worten wurde Gark ganz mulmig. Dieser Kul war zwar tot, aber ob das für den nächsten auch zu treffen wird? Und der übernächste ist auf jeden Fall am Leben. Er hatte keine Zeit für solche Gedanken, denn seine Kameraden machten sich bereits auf den Weg.

Der Marsch zum zweiten Ziel war wesentlich kürzer und mittlerweile hatten die zermürbenden, schmerzvollen Schreie der dritten Flammenschwinge endlich aufgehört.

„Vielleicht ist er ja schon tot? Dann können wir wieder zurück, oder Glozk?“, fragte Gark hoffnungsvoll.

„Vielleicht. Aber ich möchte lieber in der Lage sein die Frage nach seinem tot mit 'Sicher!' und nicht mit 'Vielleicht...' zu beantworten. Also beweg dich gefälligst, bevor ich dich vorwärts trete!“, gab Glozk sauer zurück.

Gark nahm sich vor, ab jetzt einfach die Klappe zuhalten.

Was sie bei der zweiten Lichtung vorfanden, beunruhigte den gesamten Trupp.

„Er ist weg. Weg!“, sagte Zakar mit Entsetzen, während Gark schon vor Angst zitterte und sich umschaute. Vor ihnen lagen zwei Bäume, dessen aufeinander zeigende Seiten fast all ihre Äste verloren hatten während der Baum der einst zwischen ihnen Stand einfach entwurzelt worden ist. Überall war Blut, aber nicht genug um davon auszugehen, dass der Feind schwerverwundet durch den Wald hinkt und verbluten wird.

„Seine Flügel sind hin, also kann der soweit nicht sein. Vielleicht hat er sogar ein Bein gebrochen und kommt nur schleppend voran, dann könnten wir ihn finden.“, dachte Glozk lautstark.

„Oder vielleicht ist er hier irgendwo und stellt uns eine Falle! Wir sollten hier verschwinden!“, rief Gark, der es unglaublich fand, dass Glozk mit nur vier Blazlin einen Blazkul jagen will.

„Ach hab dich nicht so, Gark. Von dem ist doch kaum was übrig nach dem Sturz. Der wird einfach zu erlegen sein. Aber wo sollen wir anfange zu suchen? Kann einer von euch Spurenlesen?“, fragte Zakar in die Runde.

Die anderen schüttelten den Kopf. Es gab auch keine offensichtlichen Spure. Es schien als wäre die Flammenschwinge weggeschlichen ohne die Umwelt zu beschädigen.

„Also.. dann weiter zum dritten Absturzort. Ich gehe davon aus, dass der hier irgendwo verblutet. Wir werden ihn ohne einen richtigen Späher nicht finden können.“ Glozk zuckte mit den Schultern und seufzte enttäuscht, bevor er sich aufrappelte und auf den Weg machte. Gark, Turk und Zakar folgten ihm und waren viel wachsamer als zuvor. Gark zuckte bei dem kleinsten Geräusch zusammen, was seine Kameraden belustigte und zum schmunzeln brachte.

Der Weg zum dritten Ziel fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Eine in Todesangst gehüllte Hölle von Ewigkeit. Dort draußen könnte genau in diesem Moment ein Blazkul sein, der nur darauf wartet die vier Lin mit einem Feuerstoß zu rösten.

Sie kamen aber heil an. Nur wenige Meter vor ihnen fingen die Bäume an die Sicht auf den Absturzort freizugeben. In gewohnter Formation bewegten sie sich durch die Bäume und traten auf die kleine Lichtung.

Was sie sahen, war genau das, was sie erwartet hatten. Ein toter Blazkul der in seiner eigenen Blutlache liegt. Sein gesamter Körper war von dem Sturz übel zugerichtet, besonders seine Flügel haben gelitten. Sie waren völlige zerbrochen und hingen herab. Ein abgebrochener Baum hat seinen Bauch aufgerissen.

„Jap. Der ist ausgeblutet. Wahrscheinlich nicht mal mehr ein Tropfen drin!“ Glozk fing lautstark an zu lachen. Turk und Zakar stimmten mit ein.

„Aber seht! Andere Kul waren hier.. schaut! Pfotenabdrücke! Seltsam, es scheinen zwei Paar Pfoten zu sein. Die einen sind größer wie die anderen.“, bemerkte Gark mit unruhiger, zitternder Stimme, während er den Schlamm nahe der Leiche begutachtete.

„Vielleicht habe ein paar Aezkul Späher sich darüber erkundigt, ob wir auch wirklich die Schwinge getötet haben.“, vermutete Glozk, nachdem er endlich aufgehört hat, hämisch über den Tot der Flammenschwinge zulachen.

Turk nickte und sagte, während er den Spuren zum Rand der Lichtung folgte: „Wahrscheinlich. Aber was machen wir nun? Gehen wir zurück zum Turm? Oder suchen wir nach der anderen Schwi-“ Plötzlich sprang etwas aus dem Dickicht und begrub Turk unter sich. Mit einem lauten knacken gaben seine Rippen und viele andere Knochen in seinem Körper nach. Er war augenblicklich tot.

„VERDAMMT! Das muss der Zweite sein!“, brüllte Glozk wütend. „Tötet den Mistkerl! Für Turk!“ Mit diesem Kampfschrei auf den Lippen, stürmte er auf den Feind los. Besagter Feind schien zwar nicht auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Kraft zu sein, aber er war auf jeden Fall nicht schwach. Der Blazkul knurrte ihnen wild entgegen, eine wortlose Herausforderung. Seine Flügel waren komplette zerrissen und nutzlos, aber sein Körper hatte nur hier und da ein Schnitt oder ein paar gebrochene Schuppen.

Während Glozk auf den Feind zustürmte ließ Zakar einen Pfeil von der Sehne schnellen. Er fand sein Zeil und der Pfeil grub sich in die Schulter des Kul. Dies schien ihn jedoch nicht zu stören und er schnappte nach Glozk. Dieser sprang einen Schritt zurück und stieß seinerseits mit dem Speer zu, aber der Kul war zu schnell und zog seinen Hals und Kopf wieder zurück.

„Hast wohl kein Feuer mehr, was?!“, schrie ihm Glozk entgegen, während sie sich gegenüberstanden, bereit einander auszuweichen. Der Kul knurrte als Antwort und fletschte seine Zähne. Zakar schoss einen weiteren Pfeil ab und traf den vierbeinigen Feind in die Brust. Der Pfeil grub sich kaum in dicken Brustplatten und blieb gerade so stecken. Da fiel Gark aber auf – die Feuerblase der Flammenschwinge schien auszulaufen. Ein Loch klaffte in der Brust des geschuppten Wesens und eine ölige Flüssigkeit gemischt mit Blut tropfte heraus. Angst um den Feueratem mussten sie also wirklich nicht haben, daher stürmte Glozk also so vor.

„Mach was Gark!“, schrie Zakar zu ihm. Gark zitterte vor Angst, doch dann fasste er seinen ganzen Mut zusammen und begann Speere auf den Kul zu werfen, während Zakar seine Pfeile verschoss. Die Projektile vermochten nicht, den Kul zu töten, da sie nur seine Schultern und Brustplatten trafen, aber sie machten ihn sehr, sehr wütend. Er brüllte Glozk lautstark an, so laut, dass es den Veteranen zum schwanken brachte und er für einen Moment benommen war.

Seine Chance nutzend fegte der Kul den Lin mit einem Rückhandschlag seiner Klaue aus dem Weg und Sprang auf Zakar und Gark zu. Letzterer Sprang zur Seite weg, in den Blutschlamm, den die Leiche des dritten Kul umgab und blieb liegen.

Zakar hingegen schmiss seinen Bogen weg, als Glozk zu Boden geworfen wurde, und nahm seinen Speer vom Rücken. Er rammte das Ende in den Boden, in der Hoffnung der Kul springt ihm in die Spitze. Leider war die Flammenschwinge aber nicht so dumm. Sie hielt vor ihm innen und schmetterte den Speer aus Zakars Händen. Die Wucht des Schlags warf ihn in den Dreck. Er rollte sich auf seinen Rücken und zog sein Ersatzschwert, eine kurze Klingen die einen Blazkul höchstens als Zahnstocher dient.

„Lass meinen Kameraden in Ruhe!“, rief Glozk, der sich mittlerweile wieder aufgerichtet hatte. Sein Schild lag noch im Dreck, aber er umklammerte seinen Speer mit beiden Händen und stürmte auf den Feind zu. Dieser drehte sich um, aber zu spät. Glozk stieß die Speerspitze direkt in das rechte Hinterbein der Flammenschwinge, diese schrie auf und schnappte nach ihm – mit Erfolg. Der Kul griff Glozks Arm und riss ihn in die Luft, bevor er ihn mit einem schnellen Zucken seines Halses gegen einen Baum schleuderte. Dort sackte Glozk mit einem blutüberströmten Arm zusammen. Zakar versuchte in der Zeit aufzustehen, doch der Kul stampfte ihn einfach in den Boden. Knackend brachen das Genick und noch viele andere Knochen.

Gark lag im Dreck, besudelt mit blutigem Schlamm. Er hatte beobachtet, wie drei seiner Kameraden durch diese Kreatur starben und nun war er dran. Nein, so werde ich nicht sterben, nicht im Dreck! Dachte er sich und dann sah er etwas – Turks Armbrust! Langsam kroch er durch den Schlamm, um sich der Armbrust zu nähern, denn seine eigenen Waffen lagen irgendwo unter dem Dreck. Der Kul bemerkte die Bewegung nicht. Er leckte seine Wunden und streckte sich mit einem zufriedenen Knurren, aber dann betrachtete er seine Flügel mit einem Seufzen.

So unbemerkt sollte Gark aber nicht bleiben, denn der Kul drehte sich um! Wahrscheinlich erinnerte er sich, dass er vorhin noch vier und nicht nur drei Feinde hatte! Garks Herz schien in seiner Brust zu gefrieren als kalte Angst ihn packte. Mit einem lauten, tiefen Knurren sprang die Flammenschwinge auf ihn zu! Gark schüttelte sich und schrie aus purem Trotz oder eher blinder Verzweiflung: „Komm doch her!“ Er ging plötzlich auf allen Vieren als er versuchte sich aufzurichten, um schneller an die Armbrust zu kommen!

Kurz bevor er die Armbrust erreichen konnte hörte er ein lautes Krachen und spürte wie ihm für einen Augenblick etwas hart im Rücken traf. Er fiel vorwärts in den Schlamm, Fingerbreiten entfernt von der Armbrust. Der Kul war über ihm. „Du wirst dafür bluten, meine Flügel genommen zu haben, Feuerklaue.“, giftete ihn der Kul an. Seine Stimme war sehr rau und ein Krächzen lag in ihr. Gark nahm eine Hand voll Schlamm auf und schmiss sie direkt in die Augen des Kul, dieser schüttelte seinen Kopf verärgert, um die Augen frei zubekommen. Gark nutzte seine Zeit gut und warf seinen Körper ein Stück vorwärts, um die Armbrust in Reichweite seiner Klauen zu bringen. Er griff sie fest und zielte auf den Feind. Dieser brüllte wütend als seine Augen endlich frei waren und riss sein Maul auf, um den Blazlin zu verschlingen.

Als das Maul niederfuhr, feuerte Gark den Bolzen ab. Der Kul brach zusammen und seine Kiefer gruben sich um Gark in die Erde. Er atmete schwer, in Panik. Seine Augen waren geschlossen. Bin ich tot? Habe ich es geschafft? Als er seine Augen öffnete überkam ihn Freude. Hah! Ich lebe! Und du bist tot! Hah! Haha!

Er schlängelte sich aus dem Maul heraus und ging rückwärts von dem Kul weg, unsicher, ob er denn auch wirklich liegen bleibt. Dann entschied er sich, nach seinen Kameraden zu schauen. Nachdem er aber Turk, oder eher gesagt der fleischige Haufen der von ihm übrig geblieben ist, begutachtet hatte, wusste er, dass er nach Zakar gar nicht zu schauen brauchte. Vielleicht ist Glozk ja nur bewusstlos?

Diese Frage war schnell beantwortet. Denn Glozk winkte ihm vom Baum aus zu.

„Guter Schuss, Gark. Durchs Maul direkt ins Gehirn! Vielleicht taugst du ja doch was, heh.. Schade um Turk und Zakar. Waren gute Kämpfer.“ Glozk seufzte und schüttelte seinen Kopf. Er verzog sein Gesicht, als er aufstand. „Ahhhhh, mein Arm! Verdammt.“ Er grunzte vor Schmerzen und fing an, sich mithilfe eines Stück Stoffs von seiner Gürteltasche zu verbinden.

„Komm, Gark, lass uns Turks und Zakars hier verbrennen. Dann kehren wir zum Wachturm zurück, denn dieser Krieg ist noch lange, lange nicht vorbei..“