Ich sehne mich danach
durch die bevölkerten Straßen
ihres mächtigen Londons zu streifen,
mitten durch den Sturm der Menschheit,
ihr Leben zu teilen, ihre Veränderungen,
ihren Tod – alles, was sie ausmacht.
– Bram Stoker, Dracula (1897; Graf Dracula zu Jonathan Harker)
Sein Sie mir willkommen, ehrenwerte Mitglieder unserer Gesellschaft. Wenn Sie Zugriff auf diese Dokumente erhalten, dann bedeutet dies, dass Sie zu den angesehensten und – was noch viel wichtiger ist – vertrauenswürdigsten Mitgliedern unserer uralten Gemeinschaft gehören, welche sich bereits seit dem Mittelalter dafür einsetzt, die Menschheit vor den Einflüssen nichtmenschlicher Wesenheiten zu schützen und ihr die Möglichkeit der Selbstbestimmung ihres Schicksals zu erhalten.
Seit Jahrhunderten bekämpfen die Mitglieder unserer Gemeinschaft diese nichtmenschlichen Wesen oder unterstützen die wenigen Menschen, welche trotz unserer gegenteiligen Bemühungen von deren Existenz erfahren und ihrerseits den Kampf aufgenommen haben. Einige der größten Erfolge jedoch haben nicht unsere eigenen Leute erzielt, sondern zwei Gruppen von Personen, welche im ausgehenden 18. Jahrhundert in London zusammenfanden. Als unser Zirkel ihrer gewahr wurde, waren sie bereits in einigen Dingen außerordentlich erfolgreich und unsere Beobachter mußten sich bemühen, ein bekanntwerden ihrer Erlebnisse zu verhindern. So gelang es beispielsweise erst im letzten Moment vor einer Veröffentlichung, dem Anwalt Sir Emery Dryden sowie seinem Herausgeber Walter Fielding die sogenannten „Dryden-Manuskripte“ abzunehmen, eine umfangreiche Sammlung von Aufzeichnungen über die Aktivitäten einer Gruppe von Personen um die recht angesehene Journalistin Meggy Alison Midland. Vom Sommer 1860 an gelang es dieser Gruppe mit einer Mischung an brillanter Ermittlungsarbeit und der nötigen Härte, den diversen auf der Erde tätigen unmenschlichen Wesenheiten Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
Die Aufzeichnungen über ihre Erlebnisse hatten die Mitglieder dieser Gruppierung Sir Dryden mit der Maßgabe ausgehändigt, sie geeigneten Personen zugänglich zu machen, sollte er ein Jahr nichts von ihnen hören.
Die „Dryden-Manuskripte“ haben unter der Zeit stark gelitten und so ist es mir bis zum heutigen Tag lediglich gelungen, einen Teil dieser bemerkenswerten Unterlagen zu restaurieren und in eine für die Veröffentlichung in diesem Kreis geeignete Form zu bringen. Wie Sie, ehrenwerte Mitglieder, feststellen werden, haben die Mitglieder dieser anhand ihres Treffpunktes „Golden-Lion-Gruppe“ genannten Ansammlung von Individuen unterschiedlichster sozialer Herkunft in den fast fünf Jahren ihres Wirkens einen bemerkenswert tiefen Einblick in einige Hintergründe erhalten, die lieber verborgen bleiben sollten. Ich habe nur minimale Änderungen an den Texten vorgenommen und enthalte Ihnen auch das Vorwort Walter Fieldings nicht vor, welches zeigt wie nahe wir der Katastrophe eines öffentlichen bekanntwerdens gewisser Details standen, für welche die Menschheit selbst heute, mehr als 100 Jahre später, nicht reif genug ist.