Media Monday #761 – Woche 26 meines Sabbatjahres

Heute in genau zwei Monaten sitze ich zu dieser Uhrzeit im Flieger Richtung Singapur-Sydney (von dort aus fliege ich dann vier Tage später nach Christchurch). Bis Singapur sind es 11 Stunden 45 Minuten. Nach drei Stunden Aufenthalt in Singapur sind es dann nochmal 7 Std. 45 Min. bis Sydney. Wie viele Filme ich da gucken kann! 😮 😀 Und ihr könnt jetzt gucken, was ich so zum heutigen Media Monday zu sagen habe.

1. Wenn Wes Anderson einen Film dreht, sieht man dem Endprodukt das sofort an, ohne dass sein Name auf der Leinwand erscheinen muss. Ich liebe diesen Look und fühle mich in seinen Geschichten immer wohl, auch wenn die letzten Filme nicht alle so eingeschlagen haben, wie mein Lieblingsfilm von ihm: GRAND BUDAPEST HOTEL.

2. Es ist wirklich spektakulär, was für eine Anzahl an Oscar-Nominierungen SINNERS eingeheimst hat: 16. So viel hat noch kein anderer Film erhalten. Ich finde das voll berechtigt – aber auch ein wenig überraschend. Nicht jetzt, zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Nominierungen (da hat man ja schon bei anderen Awards gesehen, dass er gut im Rennen liegt), sondern prinzipiell, dass der Film so gut angekommen ist.

3. Es grenzt an eine Frechheit, dass Jesse Plemons nicht für den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in BUGONIA nominiert ist.

4. Emma Stone ist völlig zurecht für einen Oscar nominiert, denn ihre Schauspielleistung in BUGONIA ist mal wieder herausragend. Morgen werde ich dann vergleichen können, ob ich Jessie Buckley oder Emma Stone den Oscar wünsche.

5. Selbst Stephen Kings hervorragende Vorlage konnte den Film SALEM’S LOT (Gary Dauberman, 2024) nicht retten, denn leider wurden zu viele Plot-Bestandteile völlig unnötig geändert, und die im Buch so schnell und gut etablierte Chemie zwischen den Charakteren hat im Film nur kaum funktioniert. Es war der von mir am schlechtesten bewertete Film, den ich 2025 gesehen habe (1 von 5 Sternen), was allerdings schon auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich den Roman sehr mochte und deswegen besonders enttäuscht war.

6. Der Japanuary war im Januar auch wieder ein erfreulicher Begleiter. Wir lernen immer mehr über die japanische Kultur, von Bentoboxen bis Badehäusern, und verstehen so ein paar vereinzelte immer wiederkehrende Wörter. Mit denen kämen wir noch nicht allzu weit bei einer Japanreise, aber wir stellen fest, dass man in Japan offenbar sehr oft „aber“ sagt und „warum“ fragt. Naja, und natürlich „danke“ sagt. Beim Stepnwolf könnt ihr nachlesen, wie ihm so die ersten fünf Filme gefallen haben. Ich stimme da weitgehend mit ihm überein, manchmal liegen wir 0,5 Punkte auseinander.

7. Zuletzt habe ich die erste Woche in Neuseeland geplant, inkl. Übernachtungen, und das war wichtig, weil ich dann für den Anfang meiner Reise schon mal gerüstet bin und mir keine Sorgen machen muss. Ich werde nicht die ganzen sechs Wochen in Neuseeland akribisch durchplanen und im Voraus buchen (wozu habe ich einen Campervan), aber es hatte mich innerlich doch irgendwie gestresst, bis auf die ersten Tage in Christchurch und die erste Übernachtung auf einem Campingplatz nahe Edoras, ähm, also ich meine beim Mount Sunday, noch keine Anlaufstellen zu haben. Seitdem ich nun bis Oamaru alle Unterkünfte (vom teuren Holiday Park, 40 € für den Stellplatz, über einen sehr einfachen Campingplatz ohne Strom mitten im Aoraki/Mount Cook National Park für 10 € pro Nacht, bis hin zu einem einfachen Zimmer für gut 40 € in einer Privatunterkunft) gebucht habe, fühle ich mich viel freier und voller positiver Vorfreude (statt leicht ängstlicher Aufregung). Und was ich mir so in Sydney und Christchurch anschauen will, weiß ich auch so grob – bis hin zu einem Konzert im Konzertsaal des Sydney Opera House: Anna Lapwood performs Max Richter. 🙂

The Wolverine 2D (James Mangold, USA 2013)

Der Film beginnt mit einem Rückblick: 1945 war Logan alias The Wolverine (Hugh Jackman, der sich wieder enorme Muskelberge antrainiert hat) Gefangener in einem Kriegsgefangenenlager der Japaner bei Nagasaki. Minuten bevor die Atombombe auf die Stadt abgeworfen wird, lassen die japanischen Soldaten die POWs (Prisoners Of War) frei – der junge Soldat Yashida (Ken Yamamura) befreit auch Logan aus seiner besonderen „Zelle“ (eine Art Brunnen), was ihm der wiederum dankt, indem er ihm beim Abwurf der Bombe das Leben rettet. Diese Anfangssequenz mit dem Abwurf der Atombombe fand ich sehr gut gelungen.

Zurück in der Gegenwart: Logan  hat sich in die Wildnis (Yukon) zurückgezogen und wird von (Alb-)Träumen von Jean Grey – die er in X-Men: The Last Stand töten musste – geplagt. Für ihn gibt es keinen Wolverine mehr; und er hat eigentlich keinen rechten Lebenswillen mehr. Es mag Zufall sein, aber irgendwie ähneln sich die Ausgangssituationen der jeweils letzten Fortsetzungen von Batman (The Dark Knight Rises), Iron Man (Teil 3) und jetzt X-Men (The Wolverine) schon sehr. Alle drei Hauptfiguren müssen mit einer traumatischen Erfahrung zurechtkommen (und können dies zunächst nicht recht). So weit, so nicht besonders originell…

Nun taucht die rothaarige Japanerin Yukio (Rila Fukushima) auf – die übrigens den Tod von Menschen vorhersehen kann – und nimmt ihn mit nach Tokyo, da Yashida (Haruhiko Yamanouchi), der Mann, dem Logan in Nagasaki das Leben gerettet hatte, im Sterben liegt und er ihn noch einmal sehen will. Klar, dass da mehr dahintersteckt: Yashida möchte sich bei Logan bedanken, indem er ihm die Last der Unsterblichkeit abnimmt, sodass Logan dann ein normales Leben führen kann – und sterben kann, während Yashida seinen Krebs heilen könnte und selbst unsterblich werden könnte. Er versucht es so zu verkaufen, als wenn sie dadurch dann sozusagen quitt wären, aber irgendwie ist es dem Zuschauer schnell klar, dass Yashida alles andere als selbstlos agiert.

Und das ist mein Hauptkritikpunkt am Plot des Films: Warum muss sich einer, dem (vom Wolverine) Gutes getan worden ist, dem ja sozusagen ohnehin schon ein Leben geschenkt worden ist, der „dunklen Seite der Macht“ zuwenden? Das hat für mich keine rechte Logik. Bei Iron Man 3 war es immerhin so, dass der Bösewicht dazu wurde, weil Tony Stark ihn erniedrigt hat, indem er ihn übelst versetzt hat. Aber hier?

Was mir allerdings gut gefallen hat, war die Verlagerung des Geschehens nach Japan. Ich mag ja auch japanische Filme und Kampfkunst, sodass mir die ganzen Kampfszenen, die nun folgten, sehr gut gefallen haben. Ach so, warum kommt es zu Kämpfen? Nun, am Tag der Beerdigung von Yashida versuchen Yakuza (japanische Mafia) dessen Enkeltochter Mariko (Tao Okamoto) zu entführen. Logan kann – nach vielen Kämpfen, u.a. auf einem fahrenden Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) – mit Mariko fliehen, stellt aber fest, dass seine Wunden nicht mehr heilen. Die „Ärztin“ von Yashida, die selbst eine Mutantin ist und sich Viper (Svetlana Khodchenkova) nennt (sie ist immun gegenüber toxischen Substanzen und kann sie deswegen in den Mund nehmen und versprühen oder durch ihre Zunge übertragen), hatte ihm offenbar etwas injiziert, das seine Heilungskräfte außer Kraft setzt.

Nun, es folgen dann noch weitere Kämpfe und einer zarten Liebesgeschichte zwischen Logan und Mariko (Chemie zwar vorhanden, aber ein wahnsinnsinger Altersunterschied!), bis es zum großen Showdown kommt – mit Viper und dem sog. Silver Samurai, eine Art überdimensionale Samurai-Rüstung, die aus Adamantium ist, demselben Metall, das in Wolverines Körper ist. Und wer steckt in der Rüstung? Surprise, surprise, es ist [SPOILER] natürlich Yashida, der von der Rüstung am Leben gehalten wird und nun auch noch das Adamantium aus Wolverines Körper saugt. Das war nun wirklich keine überraschende Wendung! Aber, wie schon oben gesagt, es war für mich einfach nicht logisch nachvollziehbar, warum sich Yashida so entwickelt hat.[/SPOILER]

Es gibt noch weitere Personen: Noburo (Brian Tee), den Verlobten von Mariko, den Ninja Harada (Will Yun Lee), den Jugendfreund von Mariko, und Marikos Vater Shingen (Hiroyuki Sanada). Einzig Harada macht noch eine Wandlung durch als er am Schluss erkennt, dass seine Auftraggeber Yashida und Viper nichts Gutes im Sinn haben.

Letztlich schafft es Logan noch, mit der Tatsache, dass er Jean Grey getötet hat, seinen Frieden zu machen, sodass er wieder bereit ist, ein „Soldat“ zu sein, wie er gegen Ende sagt.

Was mir gefallen hat:

  • der „Spielort“ Japan, inkl. Ninjas, Schwertkampf, und japanischer Dialoge mit Untertiteln (leider aber nicht ganz konsequent durchgezogen, einmal haben sich Noburo und Shingen ohne ersichtlichen Grund auf Englisch unterhalten)
  • Hugh Jackman als Wolverine – das passt einfach! Und er ist einfach wahnsinnig gut in Form (man sieht ihn oft oberkörperfrei :-)); wäre mir im richtigen Leben zwar zu viel, aber auf der Leinwand in dieser Rolle beeindruckend!
  • die japanischen Schaupielerinnen (beide Frauen ziemliche Newcomer, machen ihre Sache aber sehr gut) und Schaupieler
  • die Szene während des Abspanns, also: sitzen bleiben! Kommt aber nicht ganz am Schluss, sondern schon nach relativ kurzer Zeit.

Was ich weniger mochte:

  • die Darstellung der Viper – kann nicht sagen, ob’s am Drehbuch oder an der Schauspielerin lag – mir gefiel diese Figur einfach gar nicht als Gegenspielerin
  • die Wandlung von Yashida (s.o.)
  • die Vorhersehbarkeit
  • die mangelnde emotionale Tiefe: Was ich damit meine, ist, dass mich der Film nicht wirklich berührt hat.

Insgesamt eine durchaus unterhaltsame Comic-Verfilmung, die mich aber nicht vom Hocker gerissen hat.

6 von 10 Punkten.

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