In den letzten Monaten bin ich um die Ehre (und die damit verbundene Pflicht 😉 ) eines Liebster Awards herumgekommen, doch nun hat pimalrquadrat mich mit den Fragen, die er von Zeilenende bekommen hatte, beworfen – und so erfahrt ihr heute wieder mal etwas mehr über mich (als ihr wissen wolltet… 😉 ).

Ich selbst habe eigentlich gerade verdammt viel um die Ohren, wegwegen ich den Liebster Award nicht, wie es sich eigentlich gehört, weiterreiche (inkl. eigener 11 Fragen). Fühlt euch aber eingeladen, mir in den Kommentaren zu der ein oder anderen Frage (oder Antwort) euren Senf dazuzugeben.
Achtung – die Antworten sind eher lang (und ernsthaft) ausgefallen! 😉
1.Wenn du ein Amphibium wärest, welches wärest du warum?
Eine Fröschin, die darauf wartet, geküsst zu werden und sich dann in eine wunderschöne Prinzessin verwandelt? Ach nein, ich will gar keine Prinzessin sein… Irgendwie gefällt mir der Feuersalamander besser, denn über den habe ich gerade gelesen, dass er es schafft, trotz seiner auffälligen Färbung recht unentdeckt zu leben, weil er sich gut versteckt und tagsüber nur während oder nach Regen nach draußen kommt. Das passt ein bisschen zu dem Kapitel aus Amy Schumers Buch The Girl with the Lower Back Tattoo, das ich gerade gehört habe: „I’m an introvert‟. Wie sie beschreibt, dass sie bei Feiern oder Partys sich eher in Ecken zurückzieht oder zwischendurch sich auch mal ins Badezimmer verzieht – das hat mich doch irgendwie an mich erinnert. Ich brauche auch „Ich-Zeit‟, gerade als Ausgleich zu meinem Job, in dem ich ständig mit 20-30 Schülern in ein Zimmer „gesperrt‟ bin. (Wow, ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das Thema tatsächlich bei dieser Frage würde unterbringen können! 😉 )
2. Was spricht gegen Kuchen zum Frühstück?
Nicht viel – wenn ich vorher etwas Herzhaftes zu mir genommen habe. Ich esse – bei ausführlichen Frühstücks am Wochenende o.ä. – gerne erst Wurst und/oder Käse, und dann etwas Süßes hinterher. Wenn gerade Kuchen angeboten wird, warum nicht? Aber lieber esse ich Kuchen am Nachmittag. Der Vier-Uhr-Tee mit Kuchen oder Gebäck ist in meiner Familie Tradition – Hüftgold inklusive! 😉
3. An welchen Ort deiner Kindheit wünschst du dich manchmal zurück?
Auf den Pferderücken. Ich bin vier Jahre lang in einer Reitschule geritten, bekam relativ bald dann auch die etwas schwierigeren, jungen Pferde zugeteilt, was eine Auszeichnung, aber auch handfeste Arbeit war. Als die Reitschule schloss, war meine „Reiterkarriere‟ beendet. Vor ein paar Jahren, als meine Nichte noch ritt, bin ich mal eine Reitstunde mitgeritten – und ich kann sagen: Reiten ist nicht wie Fahrradfahren! Es fiel mir so schwer, wieder das Gefühl dafür zu bekommen, wie ich mit dem Pferd umgehen muss, wie ich ihm vermitteln kann, was ich von ihm möchte. Da wünschte ich mich manchmal zurück in die Kindheit bzw. frühe Jugend, um auch wieder diese Unbeschwertheit im Umgang mit Pferden zu erleben.
4. Kann man den kairos erkennen und nutzen?
Spätestens hier weiß man, dass diese Fragen ursprünglich von Zeilenende stammen müssen… Für alle, die – wie ich – nicht wissen, was das ist, sagt Wikipedia:
Kairos (griechisch Καιρός) ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann.
Also, ich habe in meiner langsam entstehenden Altersweisheit
😉 das Gefühl, dass ich immer mehr solche Momente erkenne, aber weniger, was so große Entscheidungen in meinem Leben anbelangt, sondern eher solche Momente, in denen ich mir denke, „Wenn du dich jetzt hier nicht überwindest und *diesoderjenes* tust, dann wirst du es später bereuen,‟ Banales Beispiel: Als ich Michael Keaton im Theaterpublikum entdeckte, da dachte ich mir, „Ich MUSS zu ihm gehen und ihm sagen, wie großartig er in Birdman war.‟ Hinterher bereue ich trotzdem fast jedes Mal, dass mir das ein oder andere dann doch nicht eingefallen ist. Auch bei „normalen Menschen‟, die es mir wert erscheinen, dass sie evtl. Teil meines Lebens werden, wage ich inzwischen immer häufiger den Schritt, den Menschen auf irgendeine Art und Weise zu sagen: „Ich finde dich toll!‟ Hier bei der Bloggerei habe ich z. B. manche Blogger, zu denen ich fühlte, einen besonderen Draht zu haben, dann irgendwann auch per Mail angeschrieben. Ich habe (meistens) keine Angst (mehr) vor dem ersten Schritt. Weiß nicht, ob das auch nur im Entferntesten mit „kairos‟ gemeint ist…
5. Was treibt dich an?
Puh, schwierige Frage. Ich fürchte ja oft, dass es die (Sehn-)Sucht nach Anerkennung ist. Was sich irgendwie immer etwas negativ anfühlt, so als wäre ich nicht selbstbewusst genug. Und irgendwie stimmt das wohl auch. Obwohl ich – wie soeben ausgeführt – meine Schüchternheit beim „Erstkontakt‟ einigermaßen abgelegt habe, bin ich doch im Innern immer noch ein bisschen unsicher. Bin ich eine gute Lehrerin? Bringe ich meinen Schülern etwas Nachhaltiges bei, das sie auf ihrem Lebensweg voranbringt? Wie glücklich macht es mich, wenn ab und zu sich mal einzelne Schüler oder Klassen bei mir bedanken, sei es, wenn sie eine unerwartet gute Note geschrieben haben, mir ein zu mir passendes Abschiedgeschenk machen – oder wenn sie ein halbes Jahr nach ihrem Abschluss mir eine Karte aus Asien schicken. Eine Karte, die ich ihnen zum Abschied geschenkt hatte (mit letztem Arbeitsauftrag sozusagen – ein Beispiel dafür findet sich HIER), und die sie tatsächlich mit auf die Reise genommen haben. Das sind Glücksgefühle, die manche Unsicherheit ausgleichen. Schwer fallen mir dagegen Konflikte mit Schülern, insbesondere das Feilschen um bessere Noten. Da fühle ich mich kritisiert, was mich wiederum verunsichert: Habe ich wirklich objektiv (so weit es geht) bewertet?
Und in meiner Freizeit? Da findet sich das Phänomen, dass ich selbst keine Likes vergebe, mich aber trotzdem über jedes Like zu einem Artikel von mir freue. Und ja, ich stehe gerne singend auf der Bühne, und zwar zum großen Teil auch wegen des Applauses. Oder wegen der Tränen in den Augen des Publikums. Einmal habe ich beim Probewochenende meines (leider inzwischen wieder aufgelösten) Ensembles „Into the West‟ (aus der Rückkehr des Königs) meinen SangeskollegInnen vorgesungen und unserer Sopranistin sind die Tränen runtergelaufen! Best compliment for my singing EVER!
Würde ich schreiben oder singen, ohne jegliches Publikum? Bei der Musik würde ich sagen, klares ja. Das Singen an sich kann auch schon große Glücksgefühle erzeugen, vor allem wenn man in Gemeinschaft singt. Beim Schreiben bin ich mir weniger sicher. Es gibt da sicher ein inneres Bedürfnis, meine Gedanken zu „Papier‟ zu bringen – als Kind und Jugendliche habe ich auch Tagebuch geschrieben – , aber ob ich so viel schreiben würde, wenn ich diesen Blog nicht hätte (und eine Leserschaft, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können)… Wahrscheinlich nicht.
Was mich aber außerdem antreibt, ist die (Sehn-)Sucht nach Erlebnissen, die etwas in mir berühren, die es verhindern, im Alltag des Berufslebens „zu versauern‟, seien es meine Theaterbesuche und Stagedoor-Begegnungen, sei es das Singen, die Fotografie, das Reisen, aber auch Filme, Bücher und Serien. Und letztlich ist es auch mein Beruf selbst. Der Lehrerjob ist jeden Tag anders, der selbe Stoff in zwei unterschiedlichen Klassen kann völlig unterschiedlich aufgenommen werden. Manchmal (eher selten, aber immerhin) habe ich bei besonders tollen Referaten oder Diskussionen schon Tränen in den Augen gehabt. Frust und Enttäuschung sind natürlich auch immer mit im Gepäck, aber eins ist mein Job keinesfalls: eintönig.
6. Was hält dich auf?
Meine partielle Faulheit im Zusammenspiel mit Prokrastination, Unordentlichkeit (hält extrem auf, wenn ich etwas suche 😦 ), die Tatsache, dass ich nicht immer und jeden Tag hochmotiviert bin, sondern manchmal auch einfach nur abhängen will – oder kann. Und: Ich habe nicht genügend Ehrgeiz und Biss, um zum Beispiel das große Publikum für meine musikalischen Ambitionen anzustreben. Ein wenig mangelt es mir auch in mancher Hinsicht an Selbstdisziplin, bzw. setze ich die Prioritäten anders, was vielleicht für einen Bereich gut ist, aber mich in einem anderen aufhält. Bestes Beispiel: Ich sollte jetzt lieber korrigieren, damit ich nicht irgendwann in Zeitnot gerate und mich über mich selbst ärgere; am Freitag Nachmittag/Abend aber ist es mir äußerst zuwider, etwas für die Schule zu tun. Ich würde mir manches erleichtern, wenn es nicht so wäre und ich auch diese Zeiten nutzen würde. Ich weiß das. Und kann/will es doch (meistens) nicht ändern.
7. Was möchtest du in diesem Jahr unbedingt noch tun?
Etwas Persönliches zu Ed Harris an der Stage Door sagen, über das er sich freut. Ein Ticket für The Red Barn ergattern und Elizabeth Debicki an der Stage Door sagen, dass sie für mich das Beste an The Great Gatsby war. Einen längst überfälligen Rückblick auf die Serien und Filme schreiben, die ich seit September gesehen habe. Fotogeschenke diesmal rechtzeitig zu Weihnachten zu gestalten und zu bestellen. (Also müsste ich eigentlich dieses Wochenende anfangen…) Rogue One sehen.
8. Was möchtest du nie wieder tun?
Es gibt tatsächlich sehr, sehr wenig in meinem Leben, das ich bereue. Es gibt Filme, die ich mir nie wieder ansehen würde, klar. Vielleicht zwei Dinge: Ich möchte nie wieder auf der Fahrt mit der Seilbahn von der Zugspitze ins Tal ohnmächtig werden. Und ich möchte nie wieder Menschen, die mir etwas bedeuten, nicht sagen, dass sie mir etwas bedeuten. Da bin ich ja auf dem richtigen Weg (siehe oben).
9. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Wer nicht über seinen Verhältnissen lebt, hat keine Selbstachtung. Und wenn Oscar Wilde das nicht gesagt hat, ist das ab sofort mein Zitat.“ Was ist dran?
Hm. Mein Ex lebte über seinen Verhältnissen und hatte ständig Schulden. Ich hatte dann auch erstmal Minus auf dem Dispo, als ich nach der Trennung nach München kam. Seit ich aus dem Minus bin, habe ich eine Allergie gegen Schulden, weswegen ich mir mit dem Zitat enerseits schwer tue. Ich habe mir auch noch nie etwas auf Pump (Darlehen, Ratenzahlung) gekauft. Für mich hat „über seinen Verhältnissen leben‟ im Sinne von „mehr Geld ausgeben, als man hat‟ häufig eher etwas mit wenig Selbstachtung zu tun. Meines Erachtens versuchen viele eher, mangelnde Selbstachtung dadurch zu kompensieren.
Andererseits bin ich auch keine allzu große Sparerin: Jetzt, da ich es mir leisten kann, fliege ich eben mehrmals im Jahr nach London und schaue mir an zwei Tagen drei Theaterstücke an. Das fühlt sich schon manchmal nach „über meinen Verhältnissen‟ an, etwas großkotzig fast. Mitten im Schuljahr kurz vor Weihnachten, mal schnell nach London jetten, dabei könnte man das Geld auch in Weihnachtsgeschenke stecken… Aber da versuche ich inzwischen die Haltung zu haben: Ja, ich gönne mir das, ich finde, ich habe mir das verdient (→ Selbstachtung).
10. Ein anderer kluger Mensch hat einmal gesagt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Könntest du anders?
Bei vielen Dingen: Nein. Es gibt Meinungen und Angewohnheiten, mit denen ich nicht leben kann. Ich könnte z. B. keine Beziehung mit einem Raucher führen. Hab das mal im Ansatz versucht, das geht gar nicht. Für ein kurzes Techtelmechtel könnte ich vielleicht drüber wegsehenriechen, aber bei einer dauerhaften Beziehung könnte ich da nicht aus meiner militanten Nichtraucherhaltung raus. Bei Drogen- und übermäßigem Alkoholkonsum habe ich auch meine Probleme. Jemand, der ein paar mal im Jahr an einem Joint zieht, wenn jemand einen hat, OK, aber jemand, der sich ab und zu Koks reinpfeift oder zur Wiesn-Zeit (Oktoberfest für die Nicht-Oberbayern) eine Woche quasi im Dauerrausch verbringt, der käme für eine Beziehung nicht in Frage, und auch als gute Freundin hätte ich da wahrscheinlich meine Probleme damit. Da kann ich auch aus meiner Haut nicht raus. Dafür mache ich Zugeständnisse, was Leidenschaften von mir anbelangt. Es gibt tatsächlich Menschen in meinem Umfeld, die sich null für Herr der Ringe interessieren. 😮 Damit kann ich mich arrangieren. 😉 Mit Intoleranz, Sexismus, Rassismus und Gewalt dagegen nicht.
11. Lächelt dein Spiegelbild dich an?
Ich habe an meinem Spiegel in meinem Bad den Spruch von Voltaire: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.‟ Ich versuche, das als Lebensmotto in mir zu tragen. Das gelingt mir nicht immer. Ich bin auch nicht immer mit mir zufrieden, gerade wenn ich mir durch eines der unter 6. vorgestellten Hemmnisse selbst das Leben schwer mache. Und ja, wie FriedlvonGrimm festgestellt hat, als ich bei ihr war, das Thema „Figur‟ ist bei mir etwas, das meinen Blick in den Spiegel auch mal kritisch ausfallen lässt. Aber grundsätzlich bin ich mit dem, was ich im Spiegel sehe (auch hinter der Schale) zufrieden.