Warum der Osten?

Selbstredend sind die Gründe, weshalb der Osten so anders als der Westen wählt, vielfältig. Einige davon sind, in aller Kürze und ohne wertende Reihung, folgende:

Es gibt noch immer die Ost-West-Schere und zwar in vielerlei Gestalt. Der Westen ist ökonomisch und materiell reicher, aber man spricht dort auch eine andere Sprache. Die DDR galt als geschlossene Gesellschaft, aber gerade dort wird oft offener gesprochen, zumindest auf der unteren Ebene. Dem anderen seine Meinung zu sagen, ist im Osten oft weniger ein Problem. Weiterlesen

Nationaler Rock in Ungarn

Jede Lebensphase hat ihre Musik. Drei Jahrzehnte lang, in Wellen der Intensität, vertrat ich die Ansicht, daß Musik, die es wert ist, gehört zu werden, eines leisten müsse: sie dürfe Welt nicht ausblenden, sondern müsse auf sie hinweisen. Sloterdijk hatte – da lag mein Musikgeschmack längst fest – diese Gedanken in „Weltfremdheit“ theoretisch untermauert.

Musik mußte erlitten werden. Weiterlesen

Grundtvigs Begriff der Volklichkeit

 Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl?

Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872), der Mann mit dem lustigen Bart, ist an Bedeutung kaum zu überschätzen.

© Den store danske

© Den store danske

Denkt man an Dänemarks Geistesgrößen, dann fallen Namen wie Kierkegaard oder Hans Christian Andersen, tatsächlich hat aber keiner die skandinavischen Geisteswelten derart durchsäuert wie der in Europa wenig bekannte Grundtvig. Sein Werk ist enorm, vielfältig und schillernd; ohne ihn gäbe es das heutige Skandinavien nicht, wäre Dänemark nicht die Vorzeigedemokratie und ein Wohlfahrtsstaat geworden – und ohne die Umsetzung seiner Idee der „Volklichkeit“ beherbergte es wohl auch nicht das seit Jahrzehnten „glücklichste Volk“ Europas. Weiterlesen

Volklichkeit

Die Volklichkeit
(Gedicht von N.F.S. Grundtvig)

Volklich soll nun sein das Ganze
rings im Land von Kopf bis Fuß;
etwas Neues ist im Werke,
selbst ein Tor es sehen muß;
aber kann es, kaum geboren,
das ersetzen, was verloren?
Weiß man wirklich, was man will,
mehr als „Brot und Zirkusspiel“?
Mit Verlaub zu fragen!

Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl? Weiterlesen

Unter der Wurzel der Fluß

Das beste Mittel, sich seiner nationalen Identität bewußt zu werden, ist, eine lange Zeit – in der Fremde zu leben.

Lang genug jedenfalls, um die erste Phase der Euphorie, der Freude am Neuen, Aufregenden, Unbekannten zu überstehen. Je besser man die Sprache beherrscht, umso deutlicher wird die Lektion, Weiterlesen

Die ungarische Erinnerungskultur

Um den Unterschied in der Gedenkkultur zwischen Deutschen und anderen einmal greifbar zu machen, lade ich meine Leser zu einem kleinen Spaziergang durch eine x-beliebige ungarische Stadt ein. Nehmen wir zum Beispiel Kecskemét oder Szeged … nein, zu groß, nehmen wir also Baja, ganz im Süden, eine unscheinbare Stadt mit weniger als 40 000 Einwohnern, die kaum jemand kennt, die keine größere historische Bedeutung hat, irgendwie eine ganz normale Stadt.

Ich zähle hier an die hundert Denkmäler. Allein das ist eine große Überraschung. Weiterlesen

Der Ungar als Untertan

Pathetisch hatte Sándor Petőfi, der ungarische Nationaldichter schlechthin, in seinem Nationallied die Ungarn in sechsfachem kraftvollem Refrain vereidigt:

A magyarok istenére
Esküszünk,
Esküszünk, hogy rabok tovább
Nem leszünk!

Beim Gott der Ungarn
Schwören wir,
Schwören wir, Gefangene
wir nicht bleiben werden! Weiterlesen

TikTok, Schnellroda und das Ewige

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch III

Das gesamte Gespräch als PDF

Fortsetzung von: Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Frage Seidwalk: Ein neues weites Feld. Man hört immer wieder, TikTok habe Weltgeschichte gemacht. So wurde die Wahl in Rumänien annulliert, weil die Wahl angeblich über russische Beeinflussung via soziale Plattformen den „rechtsextremen“ Kandidaten aus dem Nichts an die Spitze katapultierte. Auch Maximilian Krah behauptet, aufgrund seiner TikTok-Schnipsel der „beliebteste AfD-Politiker“ zu sein, zumindest unter Jugendlichen. Schaut man sich die tatsächlichen Klick-Zahlen an, die in der Regel maximal ein paar hunderttausend Leute erreichen, dann ergibt das alles keinen Sinn. Es kann schon quantitativ nicht stimmen. Weiterlesen

Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch II

Fortsetzung von: Der Krieg der Generationen

Frage Seidwalk: Zurück zum Boomer: Sie hatten mir am Tresen eine Szene geschildert, die mich erschüttert hatte. Können Sie das noch einmal kurz schildern? Weiterlesen

Der Krieg der Generationen

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch I

Frage Seidwalk: Herr Weber, wir haben uns auf der Akademie im Herbst kennengelernt. Sie – als Student – haben mir dort für einen Moment ein Licht angezündet: Mir wurde in unserem Gespräch bei Bier und Schnaps plötzlich der Begriff des „Boomers“ erhellt. Bis dahin hielt ich ihn für ein ironisches Ornament, wenig bedeutsam, ein Witz im Grunde, ein Spaß über die Alten. Ich bat Sie, Ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Das erwies sich komplizierter als vermutet und beweist, daß wir es mit einer schwer faßbaren Materie zu tun haben. Also wollen wir versuchen, ob es uns in einem neuerlichen Gespräch dennoch gelingt, den Evidenzmoment an der Bar noch einmal zu vergegenwärtigen. Weiterlesen

The Stranger within my gate

The Stranger within my gate,
He may be true or kind,
But he does not talk my talk–
I cannot feel his mind.
I see the face and the eyes and the mouth,
But not the soul behind. Weiterlesen

Die Spur der Reden

Was sich anhand einiger Länder an den Stimmführungen andeutete, läßt sich auch an den Gesprächsinhalten aufzeigen: Wir leben noch immer in verschiedenen Kulturen und sind national und volklich – d.h. historisch, sprachlich, kulturell, territorial, ökonomisch und ethnisch – geprägt. Weiterlesen

Die Spur der Stimmen

Die weibliche Stimme ist zum einen das hörbare Zeichen ihrer Geschlechtsmerkmale, zum anderen selbst eines. Wer die Stimme einer Frau hört, weiß, daß ihm ein Wesen mit allen weiblichen Attributen gegenübersteht. Die wenigen Ausnahmen werden hier – entgegen der zeitgeistigen Ideologie ausgeklammert und nicht überbetont, was die einzig vernünftige Form ist, Wesentliches über die Realität in Erfahrung zu bringen.

Die aktuelle Dekonstruktion der Völker und Nationen scheitert bereits an den einfachsten Evidenzen. Weiterlesen

Denkanstoß – Martin Sellner

Die rechte Antwort auf die „Politik der Schuld“ ist eine positive, patriotische Leitkultur und eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte. Historische Verbrechen werden weder geleugnet noch verharmlost. Sie werden jedoch der „mystisch-religiösen“ Aura, die ihren politischen Mißbrauch ermöglicht, entledigt. Weiterlesen

Die politische Realität des Bevölkerungsaustausches

Der Begriff „Bevölkerungsaustausch“ oder „großer Austausch“ gehört zu jenen, für die man – wenn man sie benutzt – schnell kriminalisiert und vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dort hält man ihn für „menschenverachtend“ und bezeichnet ihn als eine Verschwörungstheorie. Weiterlesen

Nationalfeiertag in Ungarn

Sándor Petőfi und das Nationallied

Er war der erste, der in den einfachen Menschen das Bewußtsein weckte, was es eigentlich bedeute, ein Volk zu sein. Was das Wort „Heimat“ bedeute. Und damit verbunden, das Wort „Freiheit“. Denn er konnte beide nicht voneinander trennen.  László F. Földényi

Schon Tage zuvor tauchen sie auf, die Nationalkokarden in den ungarischen Landesfarben. Zuerst auf den Märkten, dann in den Auslagen und Schaufenstern und schließlich an den Revers, Schals und Kragen der Menschen. Bald ist der 15. März, der Nationalfeiertag.

Ungarn hat mehrere davon, doch die Erinnerung an die Revolution von 1848 sitzt am tiefsten, auch wenn sie von allen Regimes und Regierungen immer wieder instrumentalisiert und umgedeutet wurde. Eine Umfrage Ende der 90er Jahre sah den 15. März mit mehr als 50% Zustimmung weit in Front, immerhin wollten viele noch den 20. August, den Sankt-Stephans-Tag als bedeutsamstes Ereignis sehen, aber nur 4% werteten den 23. Oktober hoch, der Tag, an dem 1956 der Ungarische Aufstand losbrach[1]. Weiterlesen

Die Kunst des Fahrradfahrens

Auch die Art und Weise, ein Rad zu fahren, kennt regionale, nationale, historische und volksseelische Unterschiede. Weiterlesen

Das Pálinka-Lied

Ein altes ungarisches Sprichwort sagt, daß alle Ungarn immer betrunken sind. Warum? Wegen Trianon.

Keine andere Band trifft diese Mischung aus Freude und Schwere, aus Ironie und Melancholie so sicher wie Kárpátia, Ungarns Hauptvertreter des Nemzeti Rock. Ihre Lieder sind so mitreißend, daß man ihnen manche deftige Aussage einfach verzeihen muß. Hier feiern sie das Hungaricum Nummer 1, den Pálinka. Ein besseres Silvestergetränk gibt es an der Wegscheide zum neuen Jahr nicht, ein Jahr, das noch mehr Absurdität als die vorangegangen verspricht und das man wohl nur mit viel Witz und Pálinka überstehen können wird.

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Sándor Márai und die Russen

Niemand, der auch nur ein wenig Ahnung hat, wird bezweifeln, daß Sándor Márai ein großer Romanautor war – und wer es bezweifelt, hat keine Ahnung.

Weit weniger bekannt ist freilich, daß der Mann ein noch besserer Tagebuch- und Erinnerungsschreiber war und hier, in diesem Metier, gehört er zum Besten, was uns die Schriftkultur  zu bieten hat.

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Dänemark ist Europameister!

Seit 1992 träumen die Dänen davon, daß sich der nationale Wunschtraum noch einmal wiederholen könnte. Damals hatte eine Nachrückmannschaft, die noch nicht mal zur EM qualifiziert war, aber durch die Sanktion gegen Jugoslawien, ohne spezielle Vorbereitung, ins Turnier einsteigen konnte, sensationell den Titel geholt – man gewann im Finale gegen Deutschland. Die Namen der Spieler sind noch heute Legende.

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