Die Fülle der Leere

Rezension: Ernst Osterkamp: Poesie der leeren Mitte – Stefan Georges Neues Reich. Weiterlesen

Die Geburt des Feminismus aus dem Geist des Kynismus

„Ist es nicht eben diese Hipparchia, die, schon im frühen Morgen ihres Lebens vom Licht der Philosophie angestrahlt, aus der betäubenden Dumpfheit, worin die verpuppten Seelchen ihrer meisten Ge­schlechts­schwestern ihr Daseyn ver­träumen, zum Gefühl der Würde ihrer Natur erwacht ist?“ Wieland

Fast unbemerkt vollführt sich im kynischen Mantel eine metaphysische Revolution, der Diogenes Laertius nur wenige Zeilen zu widmen weiß. Es ist die einzige Lebens­beschreibung in seinem Monumentalwerk „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“, die eine Frau, eine Philosophin zum Gegenstand hat. Weiterlesen

Was ist Kynismus?

Die Freiheit ist ein so ätherisches Ideal, daß es der Versteifung bedarf. Arnold Gehlen
PDF: Was ist Kynismus?

Etwas stimmt in Raffaels Monumentalgemälde „Die Schule von Athen“ (1510) nicht. In diesem mit äußerster Akribie auf Symmetrie ausgerichteten Werk scheint das Gleichmaß gestört. Das Bild hat zwei Blickzentren. In der geometrischen Mitte stehen die Herrengestalten Platon und Aristoteles, rechts und links von ihnen diskutiert man eifrig in kleinen Gruppen, zu ihren Füßen jedoch herrscht eine beunruhigende Leere. Weiterlesen

Es ist nicht zu halten …

Manchmal ertappe ich mich – spät in der Dunkelheit, wenn die Welt schläft und nur die Marder sich weit nach Mitternacht mit aufgeregten Schreien durch die Gassen jagen –, wie ich beim zweiten Glas des rubinroten „Primitivo“, der die Zunge ein wenig pelzig macht, im gelben Lichtkegel der Leselampe gedankenverloren im großartigen Magyar-Német Nagyszótár blättere – es gibt nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt – und mit selbstvergessenem Lächeln wundersame ungarische Wörter kaue und leise vor mich hin spreche, um ihr Geheimnis zu erlauschen.

Wie jener Dichter Lázár, den Sándor Márai in seinen großartigen „Wandlungen einer Ehe“ unter vier Protagonisten zum heimlichen Dreh- und Angelpunkt erkoren hatte. Weiterlesen

Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin  führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen. Weiterlesen

Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Legte mir einst ein muslimischer Freund ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt.

Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Man kann sie auch heute noch bei Amazon etwa erwerben.

Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. Weiterlesen

Das innere Werdeziel der Kellerassel

„Ich sammle Kellerasseln“ – mit diesem Eingangssatz fängt Fritsche seinen Leser sofort ein. Noch weiß man nicht, was der Titel „Pan vor den Toren“ bedeuten soll, aber schon sind alle Sinne gespannt.

Und das sollten sie auch, denn Fritsche, den man als Theoretiker der Homöopathie oder als „Esoteriker“ oder vielleicht noch als Verfasser des einst viel gelesenen anthropologischen Traktates „Der Erstgeborene“ kennt, überrascht einmal mehr und erscheint mit diesem frühen Werk (1938) als naturwissenschaftlicher Magier.

Das klingt widersprüchlicher als es ist – Wissenschaft und Magie. Schon die Kellerassel wird uns als „Hüterin der Schwelle“ vorgestellt, „zum Mutterboden, dem unser Leib entstammt und der ihn zurückfordern wird“ und die Kellerassel und all ihre „Verwandten“ im fast unsichtbaren Bereich, haben dabei ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Wozu also in die Ferne schweifen, wenn das Faszinosum so nahe liegt? Weiterlesen

Das Bermuda-Dreieck verschwindet!

Schon lange hatte ich den Verdacht – jetzt bin ich mir ganz sicher. Ich sitze in der Sauna, da wird mir plötzlich alles klar: Das letzte große Geheimnis der Menschheit, eines der letzten Weltwunder in einer entzauberten Welt ist verschwunden, es wurde nicht gelöst, es wurde gelöscht, einfach ausgelöscht, ausradiert, wegrasiert. Und zwar flächendeckend, auch dort, wo es vollkommen unpassend und unzeitlich ist. Die Rechtschreibekontrolle will hier „urzeitlich“ einsetzen und sie hat endlich mal recht. Wir reden von Urzeitlichem. Das Verschwinden des Dreiecks ist ein Verbrechen gegen die Anthropologie, also mehr als eines gegen die Menschlichkeit – in beiderlei Gestalt.

Und sie wissen scheinbar nicht, was sie da tun! Weiterlesen

Segen und Frieden mit Jesus

Die gestrige Geschichte, die dem allgemein anerkannten Hadith Malik entstammt, erzählte ich einem muslimischen Freunde. Er kennt sie, wenn auch ein klein wenig anders; demnach fehlte ihr eine wesentliche Ergänzung: die Frau wollte das! Sie sei zum Propheten gegangen und nicht er zu ihr, sie wollte ein Urteil über ihre Sünde, sie wollte bestraft werden.

Es gibt, sage ich, eine Parallelerzählung in der Bibel, in der Jesus über eine Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll, richtet. Die geht so: Weiterlesen

Segen und Frieden mit Mohammed

Eines Tages trat eine Sünderin vor den  Propheten – möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gewähren – und gestand, Ehebruch begangen zu haben und schwanger zu sein. Allahs Prophet – möge Allah ihn  segnen und ihm Frieden gewähren – sprach zu ihr: „Kehr um und komme nicht wieder, bevor du entbunden hast.“ Weiterlesen

Philosophie der Gender-Ideologie III

von: Nigromontanus

Gesamttext: Der philosophische Hintergrund der Gender Theorie-PDF

C. Von der Frau zur nonbinären Transperson

Auch auf der Suche nach den Ursprüngen feministischer Theorie stößt man zunächst auf Marx, bzw. auf seinen Mitstreiter Friedrich Engels. So lesen wir bereits in dessen Text „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ von 1884: „Die moderne Einzelfamilie ist gegründet auf die offne oder verhüllte Haussklaverei der Frau, und die moderne Gesellschaft ist eine Masse, die aus lauter Einzelfamilien als ihren Molekülen sich zusammensetzt. Der Mann muss heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repräsentiert das Proletariat.“ Bereits im originalen Marxismus findet also die Übertragung des Klassenkampfschemas von Bürgertum gegen Proletariat auf das Verhältnis von Mann und Frau in der Familie statt. Weiterlesen

Der Orgasmuszwang

Nun hat die Wissenschaft den Orgasmus-Gap entdeckt und das links-feministische Feuilleton springt gierig auf. Demnach haben echte Männer „beim Sex“ zu 95% einen Orgasmus – warum es irreführend ist, den männlichen und den weiblichen Klimax mit einem gemeinsamen Begriff zu belegen, habe ich hier dargelegt –, Frauen hingegen nur zu 65%, sofern sie sich mit Männern abgeben. Frau/Frau hat etwas mehr Glück. Weiterlesen

Deutsche Vergewaltiger

Fünf Deutsche haben auf Mallorca eine junge Frau vergewaltigt. So posaunt die Presse. Dabei wissen alle, daß es nicht Deutsche, sondern Türken, im „günstigsten“ Falle Deutschtürken waren.

Wo liegt das Problem? Weiterlesen

Europas epidemiologische Urszene

Im sehr bescheidenen Bücherregal meiner Eltern – das mehr als Zierde, denn als Lesequelle diente – fand ich einst in der hinteren Reihe, gut und ganz sicher mit Absicht versteckt, ein kleines illustriertes Büchlein mit dem seltsamen Namen „Decamerone“. Weiterlesen

If one is a woman

Mitten in der Lektüre von Virginia Woolfs grandiosem Traktat „A room of one’s own” stolpere ich plötzlich über einen Satz: „Again if one is a woman one is often surprised by a sudden splitting off of consciousness …” Der Satz geht weiter, der Gedanke wird fortentwickelt und sie stellt sich die Frage, ob es nicht auch zwei Geschlechter „in the mind“ gibt, da nun mal die „two sexes in the body“ existieren … aber all das lassen wir jetzt beiseite. Mir kam die Frage in den Sinn, wie man obige Sentenz ins Deutsche übertragen könnte, ohne dabei die neuerlich aufoktroyierten Sprachregeln zu verletzen. Der Text wurde tatsächlich mehrfach übersetzt, zuletzt im Jahr 2022, er stellt schließlich einen Schlüsseltext des modernen Feminismus dar. Wie die Übersetzer das gelöst haben, weiß ich nicht, ich frage mich, wie sie es übersetzt haben könnten. Weiterlesen

Nackte Kinderkörper

Mein täglicher kurzer Twitterrundgang wurde gestern abrupt unterbrochen, denn das Profil, das ich meist zu Beginn anschaue, gibt es nicht mehr, stattdessen ein weißes Loch und die lapidare Mitteilung: „Account suspended. Twitter suspends accounts that violate the Twitter Rules.“

Nun befindet man sich bereits im Ohnmachtszirkel, denn eine Erklärung gibt es nicht. Nach kürzerer Suche stellt sich heraus, daß keine politische Botschaft verantwortlich zu sein scheint, sondern ein eher privates Photo. Wir wollen freilich nicht vergessen, daß es Menschen sind, die melden, petzen, überwachen und demzufolge an einer früheren Stufe der Verantwortung stehen. Aber Schwamm drüber: wer im rechten Spektrum twittert, weiß um die Denunziantenfront. Weiterlesen

Sex an und für sich

Die Zeller Zeitung gab dieser Tage die Ergebnisse einer großangelegten Untersuchung bekannt. Demnach werden im dortigen Blatt am häufigsten jene Artikel angeklickt, die sich um die Nachbarin drehen, insbesondere dann, wenn diese sich im Evakostüm zeigt.  Das ist ein weiterer empirischer Beweis dafür, daß sich alles besser verkauft, wenn es mit Sex konnotiert ist, und das, obwohl die Öffentlichkeit mit derartigen Bildern und Nachrichten überbordet ist oder zumindest war. Weiterlesen

Der letzte Text – Blutbuch

1961 veröffentlichte Umberto Eco „Das offene Kunstwerk“[1], in dem er „das Akzeptieren des Unbestimmten und eine Ablehnung der einsinnigen Kausalität“ propagierte, 1967 schrieb Foucault in „Raymond Roussel“[2] über Sprache und Bilder, „die zugleich aussprechen und verbergen“ sollten, und erläuterte deren Mechanismen. Deleuze hatte schon Jahre zuvor die Art seines philosophischen Denkens „als eine Art Arschfick“, mit „Gleitbewegungen, Brüchen, geheimen Absonderungen“ beschrieben[3], später das „Es“ als etwas, das „funktioniert“, „es scheißt , es fickt“[4]. Weiterlesen

Homosexualität, Macht und Krankheit

Fortsetzung von Homosexualität und Sexualität

Sex ist und war ein Machtinstrument. Michel Foucault, der selbst homosexuell war und ein frühes AIDS-Opfer wurde, hat in seinem tiefsinnigen Monumentalwerk „Sexualität und Wahrheit“ die verworrenen und verwobenen Fäden dieser Beziehung aufzeigen können. Zuvor hatte bereits Simone de Beauvoir mit ihrem „Das andere Geschlecht“ das männlich dominierte Bild der Frau offen gelegt. Männer haben demnach in patriarchalischen Gesellschaften m Weiterlesen