Was ist Kynismus?

Die Freiheit ist ein so ätherisches Ideal, daß es der Versteifung bedarf. Arnold Gehlen
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Etwas stimmt in Raffaels Monumentalgemälde „Die Schule von Athen“ (1510) nicht. In diesem mit äußerster Akribie auf Symmetrie ausgerichteten Werk scheint das Gleichmaß gestört. Das Bild hat zwei Blickzentren. In der geometrischen Mitte stehen die Herrengestalten Platon und Aristoteles, rechts und links von ihnen diskutiert man eifrig in kleinen Gruppen, zu ihren Füßen jedoch herrscht eine beunruhigende Leere. Weiterlesen

Allahu Akbar – eine Klarstellung

Es scheint in der deutschen Presse und Öffentlichkeit ein Mißverständnis zu existieren, wenn es um die islamisch-arabische Phrase „Allahu Akbar“ geht. Zwischen ihr und dem Terror wird ein Kurzschluß herbeigeführt, der schlimme Folgen haben kann. Weiterlesen

Der Ungar als Untertan

Pathetisch hatte Sándor Petőfi, der ungarische Nationaldichter schlechthin, in seinem Nationallied die Ungarn in sechsfachem kraftvollem Refrain vereidigt:

A magyarok istenére
Esküszünk,
Esküszünk, hogy rabok tovább
Nem leszünk!

Beim Gott der Ungarn
Schwören wir,
Schwören wir, Gefangene
wir nicht bleiben werden! Weiterlesen

Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Die normale Segregation

Schaue mir an, wie die Spieler von Manchester City aus dem Flugzeug steigen. Nichts langweiliger als das? Korrekt – wenn man an der Oberfläche bleibt.

Aber es gibt Strukturen beim Ausstieg. Kein Mist. Weiterlesen

Die Faszination des Islam

Wenn man sich auch nur ein klein wenig mit dem Islam in Deutschland beschäftigt, dann kommt man nicht umhin, die Menge an Youtube- und TikTok-Videos zu bemerken, die junge deutsche Konvertiten voller Stolz und meist mit missionarischem Eifer ins Netz stellen. Der Prozeß läuft für jedermann sichtbar seit Jahrzehnten – nun werden die ersten Mainstream-Medien aufmerksam, aber auch nur, weil die demographische Wippe längst gekippt ist.

Meist sind es junge Männer mit Ziegenbärten, diversen Kopfbedeckungen und oft beeindruckenden Arabisch- und Korankenntnissen. Weiterlesen

Das fundamental Fremde des Fremden

Oh, East is East and West is West, and never the twain shall meet, Till Earth and Sky stand presently at God’s great Judgment Seat …

Einer, der es wissen mußte, war Rudyard Kipling (1865-1938) gewesen. In Indien geboren, im heutigen Pakistan gelebt, ein Weltreisender, der den Kontakt mit anderen Kulturen immer gesucht hatte. Man kennt ihn heutzutage fast nur noch wegen seiner Kinderbücher („Dschungelbuch“, „Kim“), zu Lebzeiten galt er als einer der Meister der Kurzgeschichten, für die er auch den Nobelpreis erhielt.

The return of Imray ist so ein Kleinod, Weiterlesen

Freud im Osten

Rezension

Andreas Petersen: Der Osten und das Unbewusste. Wie Freud im Kollektiv verschwand. Stuttgart: Klett-Cotta 2024. 349 S., 25 €

Marxismus und Psychoanalyse haben nicht nur bemerkenswerte Ehen geschlossen und schmerzhafte Scheidungen vollzogen, sie haben auch eines gemeinsam: die beiden Großtheorien des 20. Jahrhunderts sind „zur materiellen Gewalt“ geworden, haben die Welt wie kaum ein anderes Denken grundlegend verändert. Die seltsam verworrene und menschlich oft sehr ergreifende Geschichte der Liaison zwischen Bolschewismus und dem „Freudismus“ wird in Petersens populär gehaltenem Buch in groben Zügen nachgezeichnet. Um seine Geschichte dem historischen oder akademischen Duktus zu entreißen, wählt er die altbewährte Methode der Individualisierung, er zeichnet also die Schicksale einzelner Protagonisten nach – so ist Einfühlung garantiert, der Lesefluß gesichert, die Spannung gewährleistet. Weiterlesen

Der Lauf der Gedanken

Plötzlich ertappt man sich bei einem aufregenden Gedanken. Oft geschieht dies beim Laufen oder Gehen, oder vielleicht auch beim bedenkenlosen Fahrradfahren. Nicht umsonst bestanden die Peripatetiker auf der vertikalen Geste beim Denken und Nietzsche, der täglich viele Stunden unterwegs war, legte nahezu testamentarisch fest: „So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung – in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.“[1] Weiterlesen

Der staatliche Liebesentzug

Es gehört zu den fatalsten Ungleichgewichten der humanen Grunddisposition, daß Zuneigungen und Wertschätzungen unterschiedlich verteilt sind; und zu den schwersten menschlichen Kränkungen, daß eine genuine Liebe abgewiesen werden kann. Ein Großteil des Lebenselends, der Qual und der Gewalt, die sich Menschen einander antun, wurzelt in dieser Verletzung. Schon die griechischen Dramen waren voller derartiger Disparitäten, die zu endlosen Kriegen und fürchterlichen Gewaltorgien geführt haben. Weiterlesen

Summe der Kalamitäten

Über eine Sprachplattform hatte ich Kontakt mit einer Lehrerin eines anderen hochentwickelten westlichen Landes. Unsere Gespräche waren recht positiv, auch wenn mir ihre Welt kaum fremder hätte sein können. Von meiner weiß sie nichts, ich habe gelauscht und registriert. Jetzt ist es vorbei, jetzt kann ich etwas Eigenartiges berichten. Weiterlesen

Spiele der Macht – weiblich

Getrieben von abstrusen Phantasien, die sich um ein imaginäres Beziehungsdreieck drehen, und auf der bekannten Suche „nach sich selbst“, begibt sich Silvia, eine noch junge und doch schon erfahrene Frau (geschieden, verschiedene Studien, Zeit im Ausland…) in Margarets Dienste, die, gefeierter Kinostar, von ihr vor allem eines verlangt: „Sie gehorchen und bewegen sich nicht; Sie denken nicht, Sie verhalten sich ruhig, wenn Sie mit mir zusammen sind, und ich sehe und höre nichts von Ihnen“. Silvia akzeptiert die unzeitgemäßen Bedingungen, betrachtet sich dabei als im Selbstversuch befindlich und verfolgt einen Plan, der vereinfacht mit „Wer wird gewinnen“ benannt werden könnte.

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Das ewig Weibliche

Beim Joggen treffe ich eine Bekannte. Ihr war vor Jahren der Mann gestorben, an dem sie sehr hing. Seither wirkte sie gebeugt und traurig.

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Die linke Psyche

Für Menschen, die das differenzierte und ausgewälzte distinguierte Gespräch lieben und meist auch für notwendig erachten, ist Twitter ein Graus.

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Mittelmaß zeugt Mittelmaß

Es gibt da ein seltsames Phänomen – ich habe es gerade wieder studieren können.

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Was ist das Wirkliche?

Wir wollen dänische Freunde besuchen. Um meine Zunge wieder locker zu machen, ziehe ich am Morgen einen schmalen dänischen Roman aus dem Regal und lese ihn am Stück.

Und wenn man nicht darauf vorbereitet ist, dann kann einen so ein Büchlein fast erschlagen.

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Drei Wochen im Ballon

28.9. 2019

Das dreiwöchige intensive Studium der ungarischen Sprache in Budapest hatte noch einen interessanten Nebeneffekt. Das größte Problem überhaupt war es, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden. Vielleicht ein Studentenheim oder eine billige Pension? Nichts dergleichen tat sich auf, bis dann ein guter Freund seine Budapester Zweitwohnung zu akzeptablen Konditionen anbot. Die Wohnung war perfekt, die Anbindung exzellent – nur einen Internetanschluß besaß sie nicht.

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Lehre fürs Leben

Heute habe ich eine wichtige Lehre erhalten.

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Der Mensch als Demutsübung

Dieser Tage sah ich ein sich paarendes Libellengespann – vermutlich zwei Azurjungfernan der Regentonne Eier ablegen. Das war eine schlechte Entscheidung, denn der Trog trocknet in der Regel mehrfach im Jahr aus und wird noch öfter durch heftige Regengüsse gewaltsam überflutet.

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Greta Thunberg Superstar

Die meisten Menschen haben ein paar lebenslange Maximen, an die sie sich halten. Mein Großvater zum Beispiel, der sechs Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft verbracht hatte und erst 1950 nach Hause – nein, das ist falsch, denn die Familie war inzwischen vertrieben worden –, also in die neue Heimat kam, die nie seine wahre Heimat wurde, mein Großvater lebte nach dem Motto: „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt.“

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