Braucht der Osten eine eigene Zeitung?

Gastbeitrag von Kevin Naumann

Das aktuelle Jahr steht im Zeichen der Landtagswahl am 6. Weiterlesen

Alan Poseners Mehrfacharroganz

Unverhofft kam ich zu der Ehre, mal wieder von Alan Posener beschimpft worden zu sein. Kein Ding! Auf die Liebe kann ich auch noch verzichten.

Mir geht es nicht um Poseners Niveau, sondern um das Argument, das er hier bringt: daß er nicht mit Leuten rede, die unter Alias posten, weil er ihre Feigheit verachte. Weiterlesen

Den Koran lesen

I took up the Bible and began to read, but my head was too much disturbed with the tobacco to bear reading, at least that time; only having opened the book casually, the first words that occur’d to me where these: Call on me in the day of trouble, and I will deliver, and thou shalt glorify me. (Robinson Crusoe)
Ich fummelte wie ein Irrer in dem ganzen Klo rum. Und dabei kriegte ich dann dieses berühmte Buch oder Heft in die Klauen … Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen. Beim besten Willen nicht. (Die neuen Leiden des jungen W.)

Robinson Crusoe, so erzählt uns Daniel Defoe, überlebte 28 Jahre auf einer einsamen Insel und dabei hat ihm – entgegen allen Popularisierungen – vor allem eines geholfen: die Bibel. Der Zufall (oder Gott?) wollte es, daß in einer der angeschwemmten Kisten auch das Buch lag, mit dem der junge Seemann zuvor noch keine Bekanntschaft geschlossen hatte. Im zweiten Jahr, während einer schweren Krankheit und seelischen Anfechtung, schlägt er es nach einem offenbarenden Traum auf und es spricht zu ihm. Weiterlesen

Allahu Akbar – eine Klarstellung

Es scheint in der deutschen Presse und Öffentlichkeit ein Mißverständnis zu existieren, wenn es um die islamisch-arabische Phrase „Allahu Akbar“ geht. Zwischen ihr und dem Terror wird ein Kurzschluß herbeigeführt, der schlimme Folgen haben kann. Weiterlesen

Vier Wochen Twitter – erstes Fazit

Wer Aphorismen liebt, wer gelungene Aphorismen schreiben kann, ist hier am rechten Ort – sollte man meinen. Allein, so einfach funktioniert das nicht. Das Problem ist die Masse zum einen und die allgemeine Qualität zum anderen. Man muß lange suchen, um einen wirklich ästhetisch gelungenen und inhaltlich tiefen Spruch zu finden. Einige haben das perfektioniert, denen mag man folgen.

Umgekehrt geht die Qualität – die ohnehin selten ist – meist unter im Wust der Mitteilungen. Und man bekommt das am eigenen Leib zu spüren. Meint man, selbst eine halbwegs gelungene Parole verfaßt zu haben, kann man davon ausgehen, daß sie so gut wie nicht wahrgenommen wird. Aber ein bestimmtes Buzzword kann zur Explosion führen.

Wird man deswegen verstanden? Weiterlesen

Wiederkehr des Gleichen (Elends)

Vor acht Jahren schilderte ich den Aufenthalt in der Notfallaufnahme im örtlichen Krankenhaus.  Das gab Anlaß – wie alles in der Welt, denn wenn es etwas zu sehen gibt, dann muß es immer und überall zu sehen sein – zu einigen kurzen Beobachtungen über unser Land, seine Menschen, seinen Zustand.

Ein kleiner, dummer Sportunfall läßt mich wieder hier sitzen, nachts um vier Uhr. Der Empfang ist unterkühlt, ob das nicht Zeit bis morgen gehabt hätte. Unwillig werden wir plaziert.

Im Fernseher im Warteraum läuft ein Krimi. Gleich eines der ersten Worte lautet: queer. Weiterlesen

Abkehr – der wichtigste Roman des Jahres

Rezension: Birk Meinhardt: Abkehr. Ein Hafttagebuch. Vabanque Verlag, Berlin 2024. 284 S. 22,00 €

Da sitzt einer im Knast und weiß nicht warum. Ein unbescholtener Bürger sieht sich plötzlich in den Fängen der Macht. Und diese bleiben lange Zeit undurchsichtig. Sein Vergehen – das erfahren wir erst später –: das Tragen einer Maske, einer Gesichtsmaske … die sein eigenes Gesicht abbildet. Ein genialer Kniff des Erzählers, der viele subtile Interpretationen zuläßt. Weiterlesen

Kimmich und der Arenen-Wechsel

Sobald die Gesellschaft sich entdifferenziert, im Skandal, in der Affäre, springt die Arenafunktion auf die Massenmedien über, die bei der Menschenjagd auch im Realen bekanntlich nicht zimperlich ist. Dann bildet die durchmediatisierte Gesellschaft ein einziges Stadion, in dem man fachmännisch amüsiert die Venation[1] beobachtet. (Peter Sloterdijk)

Nach 49 Minuten und 40 Sekunden hebt die sehr sehenswerte ZDF-Dokumentation über Joshua Kimmich ab. Eingespielt werden Medienbeiträge, die die Tatsache der Corona-Impfverweigerung Kimmichs skandalisieren wollten. Kimmich berichtet unter unterdrückten Tränen über die Schwere der Situation.

Die deutsche industrielle Skandalmaschine hatte ein neues Opfer ausfindig gemacht und – eingeölt, wie sie ist – zog alle Register. Diese bestehen aus Pranger-Elementen, aus Beschimpfungen, Verantwortungszuschreibungen – man sagte u.a. er sei persönlich für den Tod anderer verantwortlich –, Bloßstellungen und vor allem: in die Mitte ziehen. Weiterlesen

Der deutsche Sonderweg in die Häme

… Es kommt etwas hinzu, was zu den Besonderheiten des deutschen Sozialcharakters gehört, eine dunkle Geschichte. Bei uns gab es eine Institution des mittelalterlichen Strafrechts, den sogenannten Pranger, an den wurden kleinere Übeltäter gestellt, Bäcker, die beim Gewicht der Semmeln geschwindelt hatten, untreue Frauen, Trunkenbolde. Der Pranger ist ungefähr das mittelalterliche Äquivalent für ein Bußgeldverfahren nach Falschparken und Alkohol am Steuer. Weiterlesen

Malmö – Europas dystopischer Entwurf

Immerhin. Ein morgendliches Durchsuchen einiger Twitter-Konten bestätigt: mein Gefühl hat nicht getrogen, ich war nicht allein. War mir auch vorher schon klar, denn ich habe zusammen mit einer Rentnerin den European Song Contest gesehen und die war fassungslos und konnte nur immer wieder die Worte stammeln: „Ich verstehe das nicht“ und: „Die jungen Leute von heute sind ganz anders“ und: „Die sind doch krank, oder?“

Ja, so ist es. Wollen wir versuchen, an ihrer statt ein paar von den Worten zu finden, die ihr, der einfachen, nach unserem Verständnis ungebildeten, aber noch natürlich empfindenden Person fehlen. Weiterlesen

Lehren aus Andy Brehmes Tod

Auch die täglichen Todesmeldungen sogenannter Promis werfen ein kleines Licht auf gesellschaftliche Veränderungen.

Hat man früher einen in der Regel respektvollen Nekrolog gelesen, in dem die Lebensleistung des verstorbenen Menschen gewürdigt wurden, so dominieren heutzutage oft zwei andere Aspekte. Weiterlesen

Die Evidenz des initialen Bildes

Wenn ich sage, wir sollten den Bildern aus dem Nahen Osten mißtrauen, dann dürfte das bei Lesern dieses Blogs nur Gähnen hervorrufen. Auch dann, wenn ich ergänze: die Bilder beider Seiten, die der Palästinenser ebenso wie der der Israelis.

Der moderne Krieg wird vor allem mit Bildern geführt und nicht mit Bomben. Die Bomben besitzen nur eine unmittelbare Realität für jene, die unter ihren physischen Wirkungen leiden; entscheidender für den Krieg, seinen Fort- und Ausgang sind in der globalen Welt nicht die Taten, sondern die Bilder als Botschaften der Taten. Was nicht gefilmt, nicht registriert wurde, spielt keine Rolle, so wie ein an einer Person begangener Diebstahl, den sie nicht bemerkt, bedeutungs- und folgenlos bleibt, weil es kein Vermissen gibt. Weiterlesen

Wir sind umzingelt!

Die Globalisierung hat uns nicht nur die Fernstenliebe, sondern auch die Fernstensorge beschert. So dürfen wir uns – neben tausend anderen Sorgen – auch über den Zustand der Demokratie in Chile ängstigen, am anderen Ende der Welt.

Dort gibt es gerade einen konservativen Backlash – reacción, wie man dort so treffend sagt –, weil sich die Progressisten zu siegessicher waren und zu schnell alles wollten. Nämlich in der Verfassung all das festzuschreiben, was uns auch zu Hause sorgt: Gendergerechtigkeit, Wokismus, Quoten etc. Laut „Welt“: „Multikulturell, gendergerecht und ökologisch sollte die neue Verfassung sein, weltweit einzigartig. Dazu gehört das Recht auf „nicht-sexistische“ genderneutrale Bildung in Schulen und Universitäten, ein plurinationaler, interkultureller und ökologischer Staatsbegriff und ein sozialistischer Feminismus, der es möglich machen sollte, dass alle staatlichen Organe der Politik paritätisch besetzt sein müssen, theoretisch aber auch einen Frauenanteil von 75 oder 100 Prozent hätten haben können.“ Weiterlesen

Zeitschriften – ZentroMag

Es gilt ein Journal anzuzeigen, daß es fast nicht gibt. Die Auflage ist klein, kaum dreistellig, die Autoren bleiben anonym und selbst der Bestellvorgang erfolgt quasi-konspirativ: man schickt einen Zehneuroschein an eine Anschrift und bekommt ein paar Tage später – wenn man Glück hat – einen weißen Umschlag ohne Absender …

Das Magazin komplettiert die mittlerweile breit gefächerte rechte Druckmedienlandschaft mit einer jugendlichen, dynamischen, manchmal regelrecht aggressiven Komponente. Weiterlesen

Precht/Welzer – Die Vierte Gewalt

Precht und Welzer versuchen, einem mysteriösen Phänomen auf die Spur zu kommen und Abhilfe zu schaffen: der Selbstgleichschaltung und Kritikresistenz der Hauptmedien. Diese reagierten auf allen Kanälen fast unisono mit Leugnung, Verriß, Häme und Wut – eine bessere Bestätigung der These konnten sie kaum liefern. Daß dem so ist, weiß jeder, der nicht die Mainstream-Meinung in puncto Migration, Corona oder Ukraine-Krieg vertritt. Die Kritiker aber wollen Evidenz, Statistiken, Studien; Precht und Welzer bieten hingegen viel anekdotische Evidenz und gefühlte Eindrücke. So machen sie sich in einer wichtigen Sache angreifbar – die Relevanz ihrer Überlegungen wird davon nicht tangiert. Die eigentliche Schwäche ihrer Argumentation ist bisher – in den Hauptmedien – allerdings noch nicht ausgesprochen worden. Weiterlesen

Viktor Orbáns Schal

Großes Aufsehen erregte mal wieder Viktor Orbán. Nach einem Fußballänderspiel besuchte er die Spielerkabine, um einen Veteranen – dessen Abschiedsspiel es zugleich war – zu begrüßen. Dabei hing ein Schal mit den nationalen Farben um Orbáns Schultern. Bisher alles normal. Auf dieser Devotionalie war allerdings mehr zu sehen: die Umrisse Großungarns. Weiterlesen

Baños: So beherrscht man die Welt

 Rezension von: Pedro Baños: So beherrscht man die Welt. Heyne 2019
Es gab in den letzten Wochen ein verstärktes Interesse für Baños‘ Buch. Woher es kommt, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht war Erik Lehnerts Vortrag zur Geopolitik der Auslöser oder sein entsprechender Beitrag in der „Sezession“ Heft 110. Dort findet sich auch eine sehr kurze Vorstellung des Buches. Aufgrund des Interesses stelle ich meine sehr ausführliche Rezension des Werkes erneut ein. Sie entstand vor drei Jahren und ist noch immer weit und breit die umfassendste und neutralste. Das Buch ist auf dem deutschen Markt weiterhin „verschwunden“, das spanische Original, eine italienische oder polnische Übersetzung kann man erwerben.
Druckfassung PDF

Dank des Angebotes des „Antaios”-Verlages und meines schnellen Entschlusses, kam ich in die Lage, jenes Buch lesen zu können, das den meisten Menschen in diesem Land verwehrt bleiben wird, weil ein Journalist – Alan Posener – dieses Buch als antisemitisch bezeichnete. Daraufhin nahm der namhafte Heyne-Verlag es aus dem Programm und ihm folgten in einer seltsam konzertierten Aktion alle – alle! – kommerziellen Anbieter auf dem Fuß. Ich versprach daraufhin, das Buch hier öffentlich zu besprechen.

Weiterlesen

Die Macht der Vierten Gewalt

Die Frage ist noch nicht endgültig entschieden: Schadet es einer Sache mehr, wenn sie aktiv bekämpft wird oder wenn man sie mit falschen Mitteln verteidigt? Ist also der Gegner der eigentliche Feind oder ist es doch eher der in der Sache Verbündete, der diese aber schlecht vorträgt und falsch begründet?

Man kann David Richard Prechts und Harald Welzers Mut, sich gegen die Fehlentwicklungen in der „Vierten Gewalt“ – und damit, wie die gestrige Sendung bei Lanz zeigt gegen diese selbst – zu stellen, begrüßen, man kann aber auch über die viel zu kurzen Sprünge der beiden entsetzt sein. Weiterlesen

Covid-Opfer und Covid-Impf-Opfer

Zwei Artikel mit scheinbar gegensätzlichen Botschaften kreuzten sich heute im Internet.

Zum einen hatte Martin Lichtmesz auf „Sezession im Netz“ den zweiten Teil seiner „Bilanz der Impfschäden“ vorgelegt, zum anderen zeigte sich Jan Josef Liefers, Initiator der #allesdichtmachen-Initiative, nach einem Besuch auf einer Intensivstation geläutert und plädiert nun offen für die Corona-Impfung. Sein Fazit: „Bei keinem der Patienten wäre eine Intensivbehandlung nötig gewesen, wenn sie geimpft gewesen wären.“

Weiterlesen

Drei Zeitschriften – Hohe Luft

Die „Hohe Luft“ – ein vielversprechender Titel –, die als „Philosophie-Zeitschrift“ vertrieben wird, „für alle, die Lust am Denken haben“, kam ganz zufällig in meinen Blick. Daniel-Pascal Zorn hatte via Twitter auf einen seiner Artikel in diesem Blatt und damit auf ein überhohes Niveau verwiesen – Zorn sieht sich quasi als letzten streng denkenden Philosophen der Gegenwart, der gern fast allen anderen Zeitgenossen das Philosoph-Sein abspricht. Exakt, was meine dürstende Seele suchte.

Weiterlesen