Rezension: Erik Lehnert: Wozu Politik. Vom Interesse am Gang der Welt.
Erst als mir im Laufe der Lektüre der Sinn des „Wir“ aufging, bekam diese Schrift Brisanz. Wen meinte der Autor, wenn er von „wir“ sprach: uns alle? Die Deutschen? Oder die politisch Verbündeten? Nein, der Kreis muß noch enger, im Grunde genommen ganz eng gezogen werden – ohne daß er die größeren ausschließen würde.
2010 erschien dieser Kaplaken-Band – heute liest er sich natürlich ganz anders. Die Krise, von der Lehnert darin spricht, ist die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009, wo man für einen Augenblick den Eindruck gewinnen konnte, das westliche Wirtschafts- und Politsystem stehe auf tönernen Füßen. Seither hat es gravierende Einschnitte gegeben. Die eskalierende Migrationskrise hat die Karten neu gemischt, aus ihr ist eine neue wirkmächtige Partei entstanden und seit einem Jahr wirbelt Trump die „wertebasierte Ordnung“ durcheinander und nur wenige sehen den vorhergehenden Nexus mit Rußlands Überfall auf die Ukraine …
Kann das Buch vor diesem Hintergrund noch bestehen? Weiterlesen