Wo bleiben die Terroristen?

Despite the missteps of U.S. foreign policy, the terrorists‘ missteps have been even worse. That’s why I believe that our fears of terrorism are exaggerated. There just aren’t many terrorists, thank goodness.” Charles Kurzman

Um die Ecke denken, überraschen, nicht ausrechenbar sein … das hat mich schon immer fasziniert. Und wenn in einer Welt, in der wir permanent über die Tatsache stolpern, daß radikaler Islam Terrorismus in großer Zahl und quasi per Gesetz erzeugt, einer kommt und indirekt fragt: „Why are there so few Muslim Terrorists?“, warum es also eigentlich so wenige Terroristen gibt, dann hat er mich schon gebannt.

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Ist der Terrorismus rhizomatisch?

Der Philosoph Gilles Deleuze hat schon in den siebziger Jahren das Bild des Rhizoms entwickelt, in dem er ausdrücken wollte, wie postmoderne Organisationen verfaßt sind: Sie gleichen dem Wurzelwerk von Bäumen, weithin verästelt, und sie lösen damit die straffen Hierarchien herkömmlicher Institutionen ab. Solchen wuchernden Rhizomen gleichen nun die dschihadistischen Netzwerke (Gilles Kepel)

Gilles Kepel, den man auch in Deutschland gerne als Terrorexperten zitiert, hatte bereits in seinem umfänglicheren Werk von 2009 – „Die Spirale des Terrors. Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ – seine Vorliebe für den Poststrukturalismus bewiesen, denn dort wollte er den Terror im Paradigmenwechsel von historischer Faktizität (das reale Ereignis) zur historischen Fiktionalität (das mediale Ereignis) beschreiben. Weiterlesen

Gewalt im Westen und im Islam

Man kann die Geschichte des Abendlandes als eine Geschichte des (wenngleich nicht immer erfolgreichen) Versuchs schreiben, Gewalt zu minimieren. Im Hinblick auf islamische Gesellschaften wäre eine solche Perspektive absurd. (Manfred Kleine-Hartlage: Das Dschihad-System)

Als Manfred Kleine-Hartlage diese Zeilen in seinem ausgesprochen diskutablen Buch schrieb – 2010 –, da kannte er Steven Pinkers Monumentalwerk „Gewalt – eine neue Geschichte der Menschheit“ (engl.: The better Angels of our Nature. Why violence has declined) von 2011 (dt.: 2013) noch nicht. Es ist eines von zwei Grundlagenwerken, die rechte und konservative Narrative fundamental und vor dem Hintergrund großer Sachkenntnis in Frage stellen. Weiterlesen

Wiederkehr des Gleichen (Elends)

Vor acht Jahren schilderte ich den Aufenthalt in der Notfallaufnahme im örtlichen Krankenhaus.  Das gab Anlaß – wie alles in der Welt, denn wenn es etwas zu sehen gibt, dann muß es immer und überall zu sehen sein – zu einigen kurzen Beobachtungen über unser Land, seine Menschen, seinen Zustand.

Ein kleiner, dummer Sportunfall läßt mich wieder hier sitzen, nachts um vier Uhr. Der Empfang ist unterkühlt, ob das nicht Zeit bis morgen gehabt hätte. Unwillig werden wir plaziert.

Im Fernseher im Warteraum läuft ein Krimi. Gleich eines der ersten Worte lautet: queer. Weiterlesen

Berlin oder Budapest?

Langsam sickert es durch, was für eine schrecklich heruntergewirtschaftete und heruntergekommene, ja geradewegs brutale und kalte Stadt Berlin geworden ist. Kühl war es dort schon immer, selbst zu DDR-Zeiten, das ist dort Mentalität, aber mittlerweile scheint es eine Big Bad City geworden zu sein, so brutal und bunt, wie Ed McBain unter diesem Titel das New York der 70er bis 90er Jahre beschrieben hatte, voller Lärm, Dreck, Gewalt, Kriminalität, Drogen an allen Ecken und Enden.

Letztes Jahr unterhielt ich mich mit einer jungen Ungarin, die gerade nach Berlin gezogen war. Weiterlesen

Schreck am Abend!

Plötzlich wurde mir bewußt, seit Jahren keinen Krimi mehr gelesen zu haben. Etwas, das ich früher öfter und ganz bewußt tat.

Allen voran Ed McBain, dessen 87th Precinct-Serie ebenso wie die Matthew-Hope-Reihe ein grandioses Sittenbild – aus vielen kleinen Puzzlesteinen zusammengesetzt – der US-amerikanischen Großstadtgesellschaft mit ihren sozialen Konflikten und den ethnischen Differenzen darstellt:

Im Grunde hatte McBain das partielle und lokale Scheitern und Gelingen des Melting Pots und des Multikulturalismus seit den 60er Jahren beschrieben Weiterlesen

Die neue Reibungslosigkeit

Martin Lichtmesz wirkt fast schon ein wenig angeödet, wenn er über Solingen schreibt. Kein Wunder: für ihn ist es der x-te Text zum Thema und im Grunde gibt es nicht mehr viel zu sagen, nur noch Variationen. Unbedingt lesen!

Hinzuzusetzen gibt es wenig – nur zwei Mikrobeobachtungen. Es geht um die mediale Verarbeitung. Weiterlesen

Über die Unruhen in England

Nur ein paar ungeordnete persönliche Gedanken. Ad hoc.

Wodurch wächst mir Kompetenz zu, darüber öffentlich urteilen zu können? Zum einen habe ich in den letzten Tagen Unmengen an Material – in erster Linie Videomaterial, aber auch analytisches – gewälzt[1], und zwar aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven, zum anderen schmerzen mich die Bilder auch deshalb besonders, weil ich in neun Jahren englischem Exil dieses Land bis zu einem gewissen Grade liebgewonnen habe, also über Erfahrungen verfüge und bis heute noch Freunde dort habe, mit denen wir in Kontakt stehen. Weiterlesen

Messerdiskriminierung

Die Geschichte dieses Tweets wurde mir wenige Wochen zuvor von einem Bekannten exakt so erzählt.

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Auf dem Alexanderplatz sprachen ihn zwei Polizisten an, er solle sich ausweisen. Weiterlesen

Mehr deutsche Messerstecher!

Tragödie in Tirpersdorf – das ist zwei Wanderstunden vom Heimatort entfernt, ein Kaff in den Bergen. Alle großen Zeitungen haben berichtet: Focus, Spiegel, Welt, FAZ, SZ, alle. Hätte es nicht das islamistische Attentat auf Michael Stürzenberger gegeben, in dem ein afghanischer Migrant wild um sich stechend sechs Menschen schwer verletzt und einen davon getötet hat, der Dreifachmord von Tirpersdorf würde vielleicht noch größere Wellen geschlagen haben. Ein junger Mann – hier ist es ein Deutscher, ein Sachse, ein Vogtländer, ein Tirpersdorfer – erschlug mit der Axt die eigene Mutter und die Großeltern. Familiendrama. Der Stoff, aus dem die Legenden gestrickt sind – seit der Antike. Weiterlesen

Über Stürzenbergers Mitschuld

Das Messer-Attentat auf Michael Stürzenberger, seine Crew und einen Polizisten, der heute leider seinen Verletzungen erlegen ist, stellt in verschiedenen Milieus die Frage: War Stürzenberger selbst schuld? Hat er geerntet, was er gesät hat? Trägt er eine Mitverantwortung an den schrecklichen Ereignissen? Weiterlesen

Die Perfidie des Gegners

Sie kennt keine Grenzen, die politische Niederträchtigkeit, Heimtücke, Hinterhältigkeit und Hinterfotzigkeit und was es dergleichen Synonyme noch geben mag. Der politische Gegner ist gnadenlos, er nutzt strategisch jede Schwäche aus und dies auch taktisch, d.h. im gegebenen, im entscheidenden Moment – etwa unmittelbar vor Wahlen.

Das ist eine Grundregel der Politik überhaupt, man kann darüber theoretisch viel bei Machiavelli lernen, bei Schmitt oder bei Lenin, aber das politische Leben durch die Jahrtausende ist voller Evidenzen und Beispiele, ja, man kann sogar sagen: Politik ist Schweinerei. Weiterlesen

Das neue Mißtrauen

Halloween! Tags darauf gehe ich eine Runde und finde vor einem der Nachbarhäuser eine Mandarine liegen, leicht angeschlagen, ein kleiner Riß darin. Hm! Werden die Kinder gestern in der Dunkelheit verloren haben. Ich nehme sie mit und esse sie natürlich. Weiterlesen

Wie dumm kann man sein?

Auf dem linkslastigen Sender „Spiegel TV“ kam kürzlich eine Doku über mafiöse Trickbetrüger, über „eine ganze Generation von jungen Männern mit Migrationshintergrund“, die sich mit einem unfaßbaren Trick steinreich und zahlreiche Deutsche bitterarm gemacht haben. Sie verkaufen Bücher – das ist mein Terrain! Weiterlesen

Warum Ungarn

Manche Leute reden heutzutage gleich von Hetze, wenn man etwas oder jemanden kritisiert. Tatsächlich ist Kritik oft eine Form der Liebe oder ein Erinnern daran, was etwas oder jemand sein könnte, wenn es oder er sein ganzes Potential entfaltete. Selbst die geliebteste Person ist nicht fehlerfrei und je länger man sie kennt, umso mehr Fehler entdeckt man auch, zeigt sie sich von ihren fragwürdigeren Seiten. Eigentliche eine Banalität – daß man das hervorheben muß, zeigt den geistigen Zustand unserer Gesellschaft. Weiterlesen

Systemische Korruption in Ungarn

Verschiedentlich hatte ich von systemischer Korruption in Ungarn geschrieben. Hier ein Beispiel, wie so etwas aussehen könnte. Alles ist fiktiv und dennoch typisch. Weiterlesen

Habeo pecuniam, ergo sum!

Es häufen sich in auffälliger Weise Nachrichten über den vermeintlichen Vorteil, in einer bargeldlosen Welt zu leben. Einmal mehr muß das Sicherheitsargument herhalten. War es in den letzten Jahren die Angst vor Corona, die uns Münze und Schein verdächtig machen sollte, so ist es nun die Weiterlesen

Das Denunziationsparadox

Manche Menschen haben die Gabe, das unsichtbare Offensichtliche greifbar zu machen.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit Kubitschek zu wechseln. Da sprach er diesen Gedanken aus, der mich aufschrecken ließ. Alles war mit einem Male so evident – warum habe ich das bisher nicht gesehen? Für ihn war das ein Nebensatz, vielleicht nicht mal sonderlich betont, wahrscheinlich seit Langem eine Standarderkenntnis[1], für mich ein Augenöffner.

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Wahrheit oder Verleumdung?

Der ganze Hype um den Stand des „Jungeuropa“- und des „Oikos“-Verlages – letzterer veröffentlicht das Umweltmagazin „Die Kehre“ – ließe sich eigentlich in einem Satz entschärfen. Hat Jasmina Kuhnke – alias „Quattromilf“ – recht oder lügt sie? Ich selbst kann diese Frage nicht beantworten, wundere mich aber, daß es diejenigen, die sie beantworten könnten, es noch nicht getan haben.

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Geständnis und Aufklärung

 Albert Wass: Die Landnahme der Ratten

Nun muß ich etwas gestehen – es handelte sich gestern nicht um eines meiner Märchen, der Text wurde von Albert Wass verfaßt. Daß ich diesem lange vergessenen und unterdrückten ungarischen Autor in Zukunft besondere Aufmerksamkeit widmen werde, hatte ich an anderer Stelle bekannt gegeben.

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