Heideggers Heimkehr 47

Rezension: Hermann Heidegger: Heimkehr 47. Tagebuch-Auszüge aus der sowjetischen Gefangenschaft. Kaplaken 3, Antaios Verlag. Schnellroda 2007

Es gibt Bücher, die sollte man nicht besprechen. Denn das Sprechen über sie, behindert das Sprechen aus sich heraus und die Unmittelbarkeit solcher Zeugenberichte ist nie zu erreichen, aber schnell zerstört, zerquatscht.

Es muß jedenfalls ein Glücksfall für den Verlag gewesen sein, dieses handschriftliche Tagebuchmanuskript in die Hände bekommen zu haben. Das war ein würdiger Start des Projektes „Kaplaken“, Weiterlesen

Wozu Politik? Vom Interesse am Gang der Welt.

Rezension: Erik Lehnert: Wozu Politik. Vom Interesse am Gang der Welt.

Erst als mir im Laufe der Lektüre der Sinn des „Wir“ aufging, bekam diese Schrift Brisanz. Wen meinte der Autor, wenn er von „wir“ sprach: uns alle? Die Deutschen? Oder die politisch Verbündeten? Nein, der Kreis muß noch enger, im Grunde genommen ganz eng gezogen werden – ohne daß er die größeren ausschließen würde.

2010 erschien dieser Kaplaken-Band – heute liest er sich natürlich ganz anders. Die Krise, von der Lehnert darin spricht, ist die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009, wo man für einen Augenblick den Eindruck gewinnen konnte, das westliche Wirtschafts- und Politsystem stehe auf tönernen Füßen. Seither hat es gravierende Einschnitte gegeben. Die eskalierende Migrationskrise hat die Karten neu gemischt, aus ihr ist eine neue wirkmächtige Partei entstanden und seit einem Jahr wirbelt Trump die „wertebasierte Ordnung“ durcheinander und nur wenige sehen den vorhergehenden Nexus mit Rußlands Überfall auf die Ukraine …

Kann das Buch vor diesem Hintergrund noch bestehen? Weiterlesen

Die Partei und ihr Vorfeld

Rezension: Benedikt Kaiser: Die Partei und ihr Vorfeld. Kaplaken 91. Antaios Verlag, Schnellroda 2022

Eine Schrift, die am Rande des metapolitischen Terrains aufklärt. Und zugleich wohl so etwas sein soll, wie ein entree billet in interessierte Politikkreise. Denn dieser dritte Kaplaken-Band Benedikt Kaisers ist nicht nur an das gängige Sezessions-Milieu gerichtet, sondern direkt auch an die politischen Akteure in- und außerhalb der Partei. Es soll ein Leitfaden sein, eine strategische Anleitung und ein direkter Versuch, „das politische Bewußtsein des gesamten patriotischen Lagers“ zu heben. Weiterlesen

Benedikt Kaiser: Blick nach links

Rezension: Benedikt Kaiser: Blick nach links oder: Die konformistische Rebellion. Kaplaken 61. Antaios Verlag, Schnellroda 2019

Kaisers zweiter Kaplaken. Die fungieren – wie auch viele Artikel in der Sezession oder auf Sezession im Netz – als Aufmunitionierungen zu den umfänglicheren Werken. Hier in doppelter Hinsicht, denn vier der fünf Beiträge konnten Sezessionsleser die Jahre davor bereits lesen. Ihr gemeinsamer Nenner ist der Rückgriff auf aktuelle linke Theoriediskussionen oder vielmehr deren Abwesenheit.

Denn die Linke sei geistig erschöpft, vom eigenen Moralismus und Wokismus überrannt, nur noch einige wenige Leuchttürme seien relevant und lesenswert und die stehen im eigenen Gewässer bis zum Hals im Sturm und drohen davongeschwemmt zu werden. Weiterlesen

Benedikt Kaiser: Querfront

Rezension: Benedikt Kaiser: Querfront. Kaplaken 49. Antaios Verlag, Schnellroda 2017

Wenn es eine Kongruenz zwischen Habitus, Optik, Sprache und Denken geben sollte, dann wäre Benedikt Kaiser das ideale Beispiel dafür: er sieht aus wie er spricht wie er schreibt wie er denkt wie er heißt … und vice versa. Weiterlesen

Das Ende der Termiten.

Rezension: Friedrich Reck-Malleczewen – Das Ende der Termiten. Ein Versuch über die Biologie des Massenmenschen. (1937). Kaplaken Band 48

Es empfiehlt sich – bevor man diesen scharfen Kaplaken-Band zu Hand nimmt –, Malleczewens „Tagebuch eines Verzweifelten“ und seine „Bockelson“-Chronik zu lesen, und bevor man die liest, sollte man wiederum die „Termiten“ kennen … Hier wird ein klassischer hermeneutischer Zirkel aufgebaut, die drei Bücher komplementieren und ergänzen einander und je besser man des Autors Gedankengänge kennt, um so besser erschließt sich das jeweilige Werk. Weiterlesen

Nutzloses Dienen

Rezension: Henry de Montherlant: Nutzloses Dienen.

Was haben wir hier? So zu fragen, beinhaltet schon das Eingeständnis, es nicht zu wissen. Es sind fünf kurze und sehr verschiedene Stücke – so viel können wir festhalten –, Essays, Reden und ein Brief an den Sohn. Sie entstammen einer umfänglicheren Sammlung gleichen Titels „Service inutile“, ein 200-Seiten Buch im Original. Hier haben wir eine kleine Auswahl, vielleicht ein Viertel davon.

Die Auswahl ist natürlich alles andere als willkürlich und egal, was man von den Beiträgen hält, „die suggestive Kraft der Parole Nutzloses Dienen“ rechtfertigt schon das Büchlein und „wer sie nicht spürt“ – schreibt Herausgeber Kubitschek im Vorwort ganz zu recht – der „kann das Büchlein gleich zuklappen und weiterverkaufen“ Punkt. Weiterlesen

Erik Lehnert: Wozu Partei?

Rezension: Erik Lehnert: Wozu Partei? 

Eine Herangehensweise an eine Rezension ist es, den Gang der Gedanken nachzuzeichnen, durch Wiedergabe ausgewählter Passagen ein paar Höhepunkte oder typische Stellen zu markieren und das Ganze mit einigen wertenden Urteilen zu garnieren.

Hier geht das nur bedingt, das Buch ist zu aufgeladen, die klassische Besprechung müßte sich verheddern, den Rahmen ihrer Aufgabe sprengen, wäre letztlich vielleicht sogar länger als der zu besprechende Text. Wir müssen hier ganz im Abstrakten bleiben.

Lehnert argumentiert wie ein Maschinengewehr: Weiterlesen

Antisemitismus. Frage und Versuch.

Rezension: Simon Kießling: Antisemitismus. Frage und Versuch.

Dieser Kaplaken-Band ist wesentlich! Simon Kießling scheint sich überhaupt nicht mit Platitüden abzugeben und nur dann das Wort zu ergreifen, wenn er was zu sagen hat, was andere noch nicht gesagt haben, und wenn er Kontroversen auslösen kann. So war das schon bei „Das neue Volk“, so ist es noch mehr bei „Antisemitismus. Fragen und Versuch.“ Es zeichnet auch den Verlag aus, diese gegen den Strich gebürsteten Gedanken zu veröffentlichen und gegen Kritik zu verteidigen. Weiterlesen

Martin Lichtmesz: Smarte Welt

Rezension: Martin Lichtmesz: Smarte Welt.

Dieser Tage konnte man eine Meldung aus Island lesen. Ein deutsches Kind war an der isländischen Küste in den Atlantikwellen ertrunken, und das, obwohl die Stelle als gefährlich bekannt war und Warnschilder darauf hinwiesen. Die Eltern konnten sich retten, mußten das Abdriften aber mit ansehen.

So ist der Mensch: er weiß vieles, kennt die Folgen und Gefahren – und macht es trotzdem. Weiterlesen

Ellen Kositza: Geschlecht und Politik

Rezension: Ellen Kositza: Geschlecht und Politik.

So ein Kaplaken-Bändchen hat höchstens hundert Seiten, Kleinformat, im Grunde ein längerer Aufsatz, in zwei Stunden gelesen, aber die darin behandelten Themen sind manchmal gigantisch groß – so ein Büchlein kann sie per se nicht ausfüllen.

So geht es auch mit Ellen Kositzas „Geschlecht und Politik“, das einen Riesenhorizont auftut und doch nur einen schmalen Pfad erschließen kann. Weiterlesen

Langmut

Wer einmal einen Text lesen möchte, der in vorbildlicher Weise das eine aus dem anderen ruhig und organisch wachsen läßt und dabei stets bemüht ist, den Leser jeden Schritt nachvollziehen zu lassen, ohne anbiederisch oder banal zu werden, der kann zu Uwe Jochums Band „Langmut. Den Widerstand üben“ greifen. Das ist ein Lehrstück konsequenten Denkens, soll heißen: aus einer These werden folgerichtige Schlußfolgerungen gezogen, in ruhig fließendem Ton, aber doch mit Bestimmtheit. Weiterlesen