Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur!

Dabei sind in diesem Zimmer nur die belletristischen Werke, fein säuberlich nach Nationen und Chronologie sortiert, versammelt. Oben, im „Arbeitszimmer“ – ich schreib’s in Anführungszeichen, denn richtige Arbeit sieht anders aus – stehen die Philosophen und rangeln um das letzte bißchen Platz in den Bücherborden, und im Schlafzimmer die Theologie, und im Vorraum die Geschichte, und ganz unten, im Flur, die geliebten englischen und italienischen Krimis, daneben die Comics, und im Zimmer meiner Frau die umfangreiche Sammlung der Bloomsbury-Literaten, und ins Haus der Schwiegereltern wurde noch manch anderes aus Platzmangel ausgelagert. Alles Makulatur.

Sie sah mich mit skeptischen, fragenden Augen an.

Was meinst du?

Glaubst du, man wird mit diesen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, aus Eritrea und Somalia, ja selbst mit den Kosovaren, Bosniern, Armeniern und Tschetschenen über Heidegger oder über Marx oder gar Herbert Fritsche[1], den kaum ein Deutscher noch kennt, über Rilke, den großen Gombrowicz [2] oder auch nur über Arthur Conan Doyle reden können? Meinst du, sie werden unsere Probleme teilen und erst recht unsere intellektuellen Fragen und verfeinerten Diskussionen, oder denkst du wirklich, daß sie unseren ästhetischen Sinn haben werden? Der einzige Weg, mit ihnen auf abstrakter Ebene zu diskutieren, wird sein, Arabisch zu lernen und sich ihrer Kultur zu bemächtigen.

Vor allem, kann man denn annehmen, daß sie sich mit unserer Geschichte identifizieren, daß sie sich den Holocaust anhängen lassen werden?

Nein, das ist vorbei. Wo sie sind, wird unsere Kultur und unsere Vergangenheit nicht mehr sein – es mag einzelne Ausnahmen, es mag auch hier und da Liebhaber des Unsrigen geben (und mit diesen zu sprechen, könnte spannender werden als mit den meisten Deutschen).

Es ist nur eine Frage der Zeit und der Demographie und all das hier wird verschwunden sein, wird sich vielleicht in einige Bibliothekskeller verzogen haben, wo ein paar Bebrillte noch den Staub von den Büchern blasen und es wie ein geheimes, vergangenes Wissen studieren werden.

Unsere Bücher haben auch kaum Antworten auf ihre, der Neuen, Probleme, man wird in ihnen wenig Hilfreiches finden.

Und dann: sie kennen keine Bücher, sondern nur ein Buch und auch wenn sie Bibliotheken haben sollten, sie enthalten alle nur den einen Satz – Gott ist groß – und seine Ausfaltungen.

Und schlimmer noch: selbst wenn es das demographische Problem nicht gäbe, allein die technische Entwicklung macht in rasendem Tempo fast alles unzeitgemäß und unverständlich …

Das alles ist bald obsolet, das alles ist bald Makulatur. Es hat auch keinen Sinn mehr, neue Bücher zu schreiben und diesem Überfluß an belanglos Gewordenem noch mehr hinzuzufügen.

[1] Über dessen philosophisches Denken ich damals gerade ein Buch schreiben wollte, aber die Sinnhaftigkeit verlor, angesichts der unmittelbaren Gewalt der Bilder.
[2] Über den ich zwei kleinere Aufsätze für die Gombrowicz-Blätter verfaßt hatte.

Die Weisheit der Sprache

Im Ungarischunterricht – wir schreiben das Jahr 2017 – wurde im Vorbeigang die Steigerungsform erörtert. Man brauchte sich nicht lange aufhalten, da es eine der wenigen grammatischen Prinzipien ist, die für den Ausländer unproblematisch sind – die üblichen Ausnahmen nicht berücksichtigt. Dem Adjektiv wird in der ersten Steigerung ein –bb angehängt, wobei die Lautharmonie beim Verbindungsvokal zu beachten ist und in der zweiten Form noch ein –leg vorangestellt.

rossz = schlecht,

rosszabb = schlechter

legrosszabb = schlechteste, am schlechtesten

noch mal:

= gut

jobb = besser (das lange O wird nun kurz)

legjobb = am besten, beste

„Halt mal, langsam bitte“, sage ich: lassan kerem.

„,Jobb‘ bedeutet ja nicht nur ‚besser‘, sondern auch ‚rechts‘.

Wie man an ‚jobbra‘ (nach rechts) erkennt“ … oder an „Jobbik“, der nationalistischen Partei rechts von Orbán, die damals immerhin 20% des Wahlvolkes hinter sich wußte. Offiziell heißt die Partei „Jobbik Magyarországért Mozgalom“ (Bewegung für ein besseres Ungarn) – das „Jobbik“ als Verkürzung ist also ein Wortspiel, in dem das Bessere und das Rechte anklingt.

Ich lächelte meinen Sitznachbarn an, ein Künstler, der einst der westdeutschen KP nahestand und nun erstaunt ist, „mit so einer rechten Socke“ reden zu können. „Na und?“, fragt er.

„Das ist die Weisheit der Sprache“, antwortete ich. Das findest du in allen europäischen Sprachen: „Right is right and left is wrong“. Da er nicht gleich schaltet, erkläre ich es ihm in drei Sätzen:

Deutsch:

rechts – recht, das Recht, richtig

links – eine linke Type, link ist unbeholfen und moralisch verwerflich

Englisch hast du gerade gehört. Dazu kommt noch das aus dem Lateinischen stammende „sinister“ (finster, unheimlich)

Italienisch:

rechts – destra; destramente – gewandt oder geschickt

links – sinistra; sinistramente – finster, düster; sinistrare – schädigen

Dänisch:

rechts – højre; en højreafviger ist ein Rechtsbrecher

links – venstre; „Venstrehåndsarbejde” etwa kann man mit “Pfusch” übersetzen

Russisch (krame ich zu Hause zusammen):

rechts – право; die правда („Prawda“) kennt jeder, sie nennt sich „Wahrheit“

links – левый; bedeutet u.a. auch in den slawischen Sprachen „falsch“, „verkehrt“

So kann man das durch alle europäischen Sprachen „durchdeklinieren“. Nur das Ungarische, als weltenferner Meteorit auf dem Vielsprachenkontinent fehlte noch und nun haben wir es: jó/jobb.

„Aber funktioniert es auch mit links?“, fragte ich die Lehrerin. „Hat ‚bal‘ eine negative Konnotation?“ Nein, sie schüttelt zuerst den Kopf und überlegt: „,baleset‘ heißt nur ‚Unfall‘“.

„Das ist genau, was zu erwarten war!“, rief ich. „,Unfall‘ ist das schreckliche Ereignis und das ist logischerweise mit ‚links‘ verbunden. Und ‚balek‘“ – ich hatte inzwischen selber im Wörterbuch nachgeschaut –, „und ‚balek‘ ist der ‚Trottel‘“.

Was zu beweisen war.

Selbstverständlich ist das alles nur ein Spaß. Erstens gibt es immer wieder politische Verwischungen.

So ist z.B. die „Venstre Parti“ in Dänemark eine liberalkonservative und die „Radikale Venstre“ eine linksliberale Partei.

Dann ist die Ursache dieser Unterscheidung augenscheinlich mit der anthropologischen Konstante der Rechtshändigkeit der meisten Menschen – unabhängig von den Kulturen, aber abhängig vom Aufbau unseres Hirns – verknüpft.

Vor allem stammen die Begriffe von einer eher willkürlichen parlamentarischen Sitzordnung im Anschluß an die Julirevolution 1830 in Frankreich. Dort saßen die Gegner der Monarchie auf der linken, die Traditionalisten auf der rechten Seite. Aus diesem Grunde heißt auch die „Venstre“ in Dänemark so – sie sitzt seit 1848 links obwohl sie rechts ist. Die Begriffe haben sich gehalten.

Allerdings waren „links“ und „rechts“ auch damals, als man sich setzte, schon bedeutungsvoll. Aber einer mußte schließlich links sitzen.

Ein Wunder, daß die „Sprachsoldaten“ noch nicht auf diese sprachliche Diskriminierung des Linken, des linken Typen, der linken Hand und der Linken, gekommen sind.

Links und Rechts

Als man mir kürzlich sagte: „Du unterscheidest immer so streng in links und rechts“, da stutzte ich verdutzt einen Moment und versuchte instinktiv den Vorwurf – der darin enthalten war – abzuleugnen. Aber es genügt, auf die Titelliste zu schauen, um zu sehen, daß ins Schwarze getroffen wurde.

Dabei glaubte ich doch – in der Selbstwahrnehmung –, ein ausgeglichener, vermittelnder, verhältnismäßig ideologiefreier Schreiber zu sein. Weder – als kurze „Denkbiographie“ – das marxistisch-dialektische Herkommen (von der leninistischen Periode abgesehen) oder Nietzsches Perspektivismus noch die intensive postmoderne Phase der Alldekonstruktion und auch nicht die weit umfassende Fundamentalontologie schienen für Ja-Nein-Dichotomien gemacht. Und nun das! Weiterlesen

Den Koran lesen

I took up the Bible and began to read, but my head was too much disturbed with the tobacco to bear reading, at least that time; only having opened the book casually, the first words that occur’d to me where these: Call on me in the day of trouble, and I will deliver, and thou shalt glorify me. (Robinson Crusoe)
Ich fummelte wie ein Irrer in dem ganzen Klo rum. Und dabei kriegte ich dann dieses berühmte Buch oder Heft in die Klauen … Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen. Beim besten Willen nicht. (Die neuen Leiden des jungen W.)

Robinson Crusoe, so erzählt uns Daniel Defoe, überlebte 28 Jahre auf einer einsamen Insel und dabei hat ihm – entgegen allen Popularisierungen – vor allem eines geholfen: die Bibel. Der Zufall (oder Gott?) wollte es, daß in einer der angeschwemmten Kisten auch das Buch lag, mit dem der junge Seemann zuvor noch keine Bekanntschaft geschlossen hatte. Im zweiten Jahr, während einer schweren Krankheit und seelischen Anfechtung, schlägt er es nach einem offenbarenden Traum auf und es spricht zu ihm. Weiterlesen

Warum die Deutschen?

In Ungarn gab ich gelegentlich ein paar Deutschstunden. Mein ausdauerndster Schüler war ein Mann von 80 Jahren, einst der Inhaber einer der größten Weingüter in dieser gottgesegneten Weingegend, promovierter Önologe.

Einmal wollte er die Deutsche Nationalhymne auswendig lernen und begann zu singen: „Deutschland, Deutschland über alles“. Er war überrascht, zu hören, daß man das nicht mehr singe, sondern nur noch „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Er fand das albern, man müsse doch auch einmal vergessen können … Weiterlesen

Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin  führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen. Weiterlesen

Das Ende der Kunst

Besonders unter Künstlern und Intellektuellen scheint die „Einwanderungsgesellschaft“ akzeptiert zu sein. Aber haben sich das unsere Gebildeten und Bildenden auch gut überlegt? Wissen sie – unter der Prämisse, daß die Zuwanderung zugleich eine deutliche Zunahme an Mitmenschen muslimischen Glaubens mit sich bringt, wissen sie also: Weiterlesen

Der Ungar als Untertan

Pathetisch hatte Sándor Petőfi, der ungarische Nationaldichter schlechthin, in seinem Nationallied die Ungarn in sechsfachem kraftvollem Refrain vereidigt:

A magyarok istenére
Esküszünk,
Esküszünk, hogy rabok tovább
Nem leszünk!

Beim Gott der Ungarn
Schwören wir,
Schwören wir, Gefangene
wir nicht bleiben werden! Weiterlesen

Glauben und Gottesbeweis

Man mißtraue allen Gläubigen, die durch Krise, Krankheit, Krieg zum Glauben finden. Sie mißbrauchen Gott und das Numinose als Psychotherapie und mißverstehen ihr kleines persönliches Unglück als ontologisches oder kosmologisches Ereignis. Es ist ihnen im Grunde genommen gleich, ob Katholizismus, Buddhismus, Islam oder New Age …, denn alles kann zum „Ausstieg“ dienen.

Man mißtraue allen Gläubigen, die in eine Religion hineingeboren wurden, denn sie hatten nie die Chance einer unabhängigen Entscheidung. Man erkennt sie an der prinzipiellen Affirmation: sie kennen den Zweifel nicht.

Man mißtraue allen Gläubigen, die sich rational für einen Glauben entschieden haben, denn sie machen die Früchte ihres bescheidenen menschlichen Räsonierens, ihrer geistigen Unvollkommenheit zum Maßstab diviner Existenz.

Man mißtraue allen Gläubigen, die durch eine Offenbarung, durch das praktische Erleben Gottes, zum Glauben finden. Ihnen ist ein persönliches Erlebnis – vielleicht nichts anderes als die Erfahrung des Fürsten Myschkin – zum Schlußstein geworden.

Nur der Skeptiker kann ein wahrhaft Glaubender werden, denn der wahre Glaube muß sich ständig und immer wieder am Zweifel erweisen, er muß permanent errungen werden, sich selbst negieren und geht im Moment der absoluten Gewißheit – die der wirkliche Glaube ist – verloren.

Aber wie ist Glauben dann noch möglich, wer kann dann noch selig werden? Es bedarf des „Sprungs in den Glauben“, wie Kierkegaard es nannte, jenen paradoxen Akt, der Bejahung und Verneinung vereint und:

„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann denn selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“ (Markus 10.25ff.)

Ist damit das Christentum als kulturkonstitutiv abgetreten? Mitnichten. Wir müssen uns im christlichen Erbe verorten, nicht weil es wahrer oder besser ist als anderes, sondern weil es unseres ist.

Embryologie im Islam

Die Wissenschaft denkt nicht, weil sie nach der Art ihres Vorgehens und ihrer Hilfsmittel niemals denken kann – denken nämlich nach der Weise der Denker. Daß die Wissenschaft nicht denken kann, ist kein Mangel, sondern ein Vorzug. Er allein sichert ihr die Möglichkeit, sich nach der Art der Forschung auf ein jeweiliges Gegenstandsgebiet einzulassen und sich darin anzusiedeln. (Martin Heidegger)

Kennen Sie Keith L. Moore? Nein? Das ist keine Schande. Aber das könnte sich ändern, spätestens wenn Sie mit dem Moslem von nebenan sprechen. Unter Muslimen ist Keith Moore nämlich ein Star! Ich wurde mehrfach und aus verschiedenen Richtungen auf ihn angesprochen – also nahm ich mich der Sache an.

Keith Moore ist Embryologe. Er hat eines der größten Wunder des Korans erfunden. Weiterlesen

Forschung im Islam

Die Fliege im Glas

„Was ist dein Ziel in der Philosophie? Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“ (Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen)

Man muß es so deutlich sagen: Das Argumentationsniveau, in dem sich ein Teil der muslimischen Gedankenwelt bewegt, ist erbärmlich.

Verschiedene Diskussionen mit praktizierenden Muslimen zeigen, daß es ihnen schwerfällt, den Gedanken der Falsifikation zu fassen: „Die Wahrheit können wir nicht beweisen. Aber wir können die Unwahrheit beweisen und uns so der Wahrheit nähern.“ Weiterlesen

Dem Merz seine Unterschrift

Selbst die Unterschriften gehen verloren. Auf dem Einwohnermeldeamt sollte ich mein Autogramm für den neuen Ausweis auf einen Bildschirm schreiben – und scheiterte. Mußte drei oder viermal neu ansetzen, um was halbwegs Erkenntliches zusammenzubekommen. Der Computer hat mir die Handschrift gestohlen und mit ihr die schriftliche Einzigartigkeit und Individualität: meine Signatur.

Sie soll ja eine Menge verraten, über Charakter, Stimmung, Selbstwahrnehmung, Typus und solche Sachen. Weiterlesen

Euch all trifft tod

DIE TOTE STADT

Die weite bucht erfüllt der neue hafen
Der alles glück des landes saugt · ein mond
Von glitzernden und rauhen häuserwänden·
Endlosen strassen drin mit gleicher gier
Die menge tages feilscht und abends tollt.
Nur hohn und mitleid steigt zur mutterstadt
Am felsen droben die mit schwarzen mauern
Verarmt daliegt · vergessen von der zeit. Weiterlesen

Islam in homöopathischen Dosen

In regelmäßigen Abständen beglücken uns die Zeitungen mit Meinungen zur Homöopathie – neun „Das-ist-alles-Humbug“-Artikeln steht vielleicht eine bejahende Studie oder ein Erfahrungsbericht entgegen (Beispiele unten).  Die Hauptargumente sind immer die gleichen: Placebo und „Da ist doch nichts drin“. Die Alltagsrealität sieht anders aus: Millionen Menschen (und Tiere) fühlen sich geheilt.

Wer so argumentiert, stellt nur unter Beweis, daß er von der Homöopathie nicht das Geringste verstanden hat. Weiterlesen

Das Telefon als Zirkelwichs

Ringringring. Die Schwiegermutter, wie das Display verrät:

  • Ja, hallo!
  • Ach, Jörg, bei mir hat das Telefon wie verrückt geklingelt und da dachte ich, das wart ihr. Und da habe ich gleich zurückgerufen.
  • Nee, wir haben nicht angerufen.
  • Aber ich habe einfach auf den Knopf gedrückt und jetzt bist du dran.
  • Naja, wer weiß.
  • Also ihr wart das nicht?
  • Nee!
  • Na, dann wird derjenige sich schon melden. Grüße an K.
  • Die schläft noch.
  • Ach, hat die’s gut.
  • Sonst alles in Ordnung?
  • Ja, hier ist alles in Ordnung. Nur das Telefon hat geklingelt.
  • Na, dann ist doch alles in Ordnung. Wenn was ist, rufst du an.
  • Ja, dann ruf ich an. Tschüß.
  • Tschüß.

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Das ist Fortschritt!

Während ich durch einen alten Band der Kant-Studien (Band XXIX, Heft 1/2) blättere, fällt mir eine kurze Bekanntmachung auf.

Wir befinden uns im Jahr 1924. Diese seinerzeit sehr verbreitete „Philosophische Zeitschrift“, begründet von Hans Vaihinger, bringt auf über 300 Seiten Abhandlungen zu Kant und die Psychologie, Kant und die Religion, die reine Rechtslehre, die deutsche Kultur, das Eherecht oder Kant als Naturwissenschaftler. Kant von vorn bis hinten und manch prominenter Name, wie Nicolai Hartmann oder Max Dessoir, arbeitet sich vor weitem Publikum an Kant ab. Weiterlesen

Was auf uns zukommt II

Wir frieren. Für den Frieden. Mitte September haben wir draußen kaum zehn Grad, nachts fallen die Temperaturen fast bis zum Gefrierpunkt. Schnell kühlt das Haus aus, selbst bei größter Vorsicht. Weiterlesen

Die zwei Pink Floyd

Pink Floyds Comeback“, „Pink Floyd treffen sich erstmals seit 30 Jahren”, „Pink Floyd reunite“ … derart sensationalistisch klangen die Zeilen der letzten Tage. Ein entsprechendes Video auf Youtube hatte schon nach wenigen Stunden Millionen von Klicks – die Fangemeinde ist noch immer enorm und die gute Sache lockt zum Gutsein an.

Aber Pink Floyd hat sich gar nicht wiedervereinigt, um einen Protestsong in der Causa Ukraine aufzunehmen, denn jedermann kann sehen, daß mit David Gilmour und Nick Mason nur zwei der drei noch lebenden Legenden am Set waren – es fehlt Roger Waters. Und das ist so erwähnenswert wie folgerichtig.

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Mein Kriegstagebuch II

Endsieg: Biden will „vernichtende Sanktionen“, Baerbock will Sanktionen, die „Rußland ruinieren“ … es ist exakt diese Rhetorik, die den Konflikt anheizt. Sie zeigt das wahre Ansinnen des „freien Westens“: die Ausschaltung Rußlands als globale Macht. Das ist seit eh und je amerikanische Staatsdoktrin – die Deutschen sind nur belanglose Vasallen in diesem Spiel. Putin war dumm genug – so zumindest nehme ich das wahr –, den Amis nun den Vorwand zu geben, wenn schon Rußland nicht in die Steinzeit zu bomben, so es doch dahin zu sanktionieren. Psychologisch ist der Versuch, sich aus dem sich immer enger schließenden Schlangengriff zu befreien, durchaus verständlich, offensichtlich aber führte die – eingebildete? – Luftnot zu irrationalen Entscheidungen, die den Griff letztlich verstärken könnten. Es könnte nun sogar ein Regimechange in Moskau zur Debatte stehen. Damit hätte sich der Regimechange in der Ukraine hundertfach bezahlt gemacht. Selenykyj sprach in seiner Mutrede auch vom Mut, in Gesprächen mit Rußland über die Neutralität der Ukraine zu verhandeln – ein klares Signal des Eingeständnisses, das vermutlich Grund der jetzigen Verhandlungen ist –, der Westen hingegen denkt offen über EU- und NATO-Mitgliedschaft nach: ein sicheres Rezept für Konfrontation – solange das Putin-Lager an der Macht ist. Erst mit einem Regimechange wäre Rußland gefügig zu bekommen. Bis dahin jedoch müßte noch manche Abschußrampe unschädlich gemacht werden. Wie dem auch sei: offen ausgesprochene Vernichtungsphantasien können schwerlich hilfreich sein!

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Der doppelte Ehrlich

Manche Leute kennen keine Grenzen. Wenn man sich einmal einem solchen Telegram- oder WhatsApp-Kreis anschließt – ich selbst tue das aus Mangel an entsprechender Technik nicht, beobachte es aber aus den Augenwinkeln –, dann wird man ununterbrochen mit Clips, Videos, Artikeln, Kopien, Hördateien und allem möglichen, also mit Meinung bombardiert. Und manchmal ist auch ein Fakt dabei – aber der ist meistens Fake. Wie überhaupt 90% dieses Erregungsdopings schlichtweg Unsinn oder in Ton und Methodik unerträglich sind.

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