Wiederholung und Übersetzung

Wer regelmäßig schreibt, der kennt das Problem. Zum guten Stil gehört es, Wortwiederholungen zu vermeiden. Ein Wort, das man gerade benutzt hat, sollte in unmittelbarer Nähe möglichst nicht noch einmal auftauchen. Das ist einer von vielen Bausteinen, einen ästhetisch gelungenen Text zu schreiben.

Allein, das Hirn sieht es anders und spielt uns oft einen Streich. Weiterlesen

Über die Schöpfung und über die Bildung

Der schöpferisch veranlagte und begabte Mensch hat kein Recht dazu, etwas von der für die Selbstkultivierung notwendigen Zeit zugunsten der Schöpfung zu stehlen. Es ist nicht so wichtig, daß du jeden Tag etwas schreibst; wichtiger ist es, jeden Tag etwas zu lesen. Für die Bildung solltest du immer Zeit haben, tagtäglich. Weiterlesen

Die Russen kommen!

Mein Bild von Rußland ist fast vollständig von der Literatur geprägt. Dazu kommen ein paar wenige mündliche Berichte, von Leuten, die dort gelebt, Erfahrungen gesammelt haben.

Der großen Faszination der „Tiefe“, die man dort vermutet und den russischen Menschen unterstellt, dieses Unauflösbare, Geheimnisvolle, Mystische, die Größe in jeder Hinsicht, stand immer eine Abscheu vor einer schwer zu fassenden Primitivität und Kulturlosigkeit gegenüber. Russen haben bei mir nie einen Vertrauensvorschuß, so wie ich ihn etwa harmlosen Dänen instinktiv zuspreche. Weiterlesen

Textkritisch übersetzen

Fortsetzung von: Sándor Márai und die Russen und: Meditationen über das Fremde

Man kann die Frage ganz prinzipiell stellen: ab wann darf man einen Klassiker überhaupt kritisieren in Form des Weglassens, Korrigierens oder Übersetzens? Ein systemisches Problem des Lektorats ist es, daß der Autor den Lektoren oder Übersetzer in der Regel überragen sollte. Dem Lektor obliegt es, stilistische, sprachliche, grammatische und auch sachliche Fehler eines Textes ausfindig zu machen, selbstverständlich kann er auch seine Sicht zur Konstruktion eines Kunstwerkes äußern, aber der Autor sollte dennoch die Hoheit über sein Werk nie abgeben müssen. Solange er lebt, kann er seine Interessen und Ansichten vertreten – nach seinem Tode ist sein Text wehrlos.

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Meditationen über das Fremde


Diese Fremdheit dem Russen, dem Sowjetmenschen, dem Kommunisten, dem Slawen oder „dem Asiaten“ gegenüber schien Márai vollkommen überrumpelt zu haben, die Intensität der Auseinandersetzung deutet auf einen genuinen Schock hin. Es gelingt ihm noch nicht mal, den Fremden, den Anderen begrifflich zu fixieren, weswegen er immer wieder zwischen den Zuschreibungen wechselt und sich ständig fragt, welches der Attribute nun das dominante sei.

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Sándor Márai und die Russen

Niemand, der auch nur ein wenig Ahnung hat, wird bezweifeln, daß Sándor Márai ein großer Romanautor war – und wer es bezweifelt, hat keine Ahnung.

Weit weniger bekannt ist freilich, daß der Mann ein noch besserer Tagebuch- und Erinnerungsschreiber war und hier, in diesem Metier, gehört er zum Besten, was uns die Schriftkultur  zu bieten hat.

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