Die wahre Herrin der Runneburg

Die Maus ist das wahre Wappentier der Runneburg. Die Maus und nicht der Fisch.

Die beiden Fische im Wappen der Stadt Weißensee versteht heute niemand mehr, ebensowenig wie den See im Namen. Einst hat er dort gelegen, die kleine Stadt in Thüringen, gleich neben Sömmerda, umschlossen und wohl viel Fisch geliefert. Aber man legte ihn irgendwann trocken – der Mensch eben.

Über den Menschen an und für sich und über viele Menschen im Konkreten konnte ich auf der Runneburg viel lernen. Die jährlichen Grabungen dort gehören zu den prägenden Erlebnissen in meinem Leben, so etwa wie die Militärzeit. Es begann noch vor der Wende als Studenten-Sommer und damals, im ersten Jahr, saßen wir noch im FDJ-Hemd um das legendäre Lagerfeuer, das unzählige Geschichten erzählen könnte und das wie ein steinzeitliches Feuer über Wochen und Monate nicht erlosch.

Und danach war ich jeden Sommer dort, manchmal nur zwei Wochen und manchmal bis tief in den Oktober hinein. Wir schliefen in Zelten oder ganz im Freien, wir ackerten, entdeckten, gruben und tranken unfaßbar viel. Die mittelalterliche Landgrafen-Burg sollte zuerst vor der Zerstörung gerettet werden. Sie stand auf glitschigem Lehm und drohte den Abhang hinabzurutschen, also gruben wir sie im ersten Jahr bis auf den Grundstein frei und legten Drainagen. In den kommenden Jahren wurde dann archäologisch gearbeitet.

Je mehr wir fanden, umso bedeutender schien sie zu werden. Die Heilige Elisabeth war dort gewesen und der Chefarchäologe verlegte vor lauter Enthusiasmus auch den Sängerwettstreit dorthin. Und als man später eine Urkunde übers Bierbrauen fand, da konnte man auch das Bayrische Reinheitsgebot, das ja ein allgemein deutsches ist, in die Tonne drücken und Weißensee zum Bieräquator erklären. Und so weiter.

So funktioniert Geschichtsschreibung. Einer muß etwas ins Herz schließen, muß dazu „forschen“ und ausgraben, ein paar Veröffentlichungen platzieren und mit ein bißchen Glück wird sein persönlicher Kraftort zum Mittelpunkt der Welt.

Richtig begreiflich machte mir das die Maus. Wir fanden zwei Skelette. Das eine verdächtig knapp unter der Grasnarbe. Sollen wir nicht die Polizei holen, fragte ich. Aber nein, das kann man nicht gebrauchen, der Mann war mittelalterlich. Und dann fand ich da eine glasierte Tonscheibe in tiefen Schichten, die eigentlich das alte Alter der freigelegten Anlagen beweisen sollte und die das Ganze um drei-, vierhundert Jahre durcheinandergebracht hätte. Die zeigte ich dem Chefarchäologen, der sah sie verächtlich an und warf sie kurzerhand über die Burgmauer. „Tierverschleppung“, sagte er fast ein wenig beleidigt … und ging.

Die Maus war es also, die die Geschichte schrieb. Und passenderweise soll es nun auch die Maus gewesen sein, die im alten Marstall mit seinem alten Gebälk ein Kabel angeknabbert hat und somit den Brand auslöste, der durch die Gazetten ging. Zum Glück blieb der Turm stehen, den ich noch vor unseren Augen zerreißen sah und den man dann aufwendig wieder zusammenzog. Aber auch das Alte muß irgendwann gehen – daran erinnert uns der Brand.

Soweit, so gut und so normal – wenn auch traurig.

Aber daß einer schon zwei Tage später dazu ein durchaus ergreifendes Lied – natürlich reine KI, aber schon nicht schlecht gemacht – ins Netz legt[1], das geht über die menschliche Auffassungsgabe hinaus. Zehn Jahre war ich dort, es begann vor 35 Jahren mit Hacke, Schaufel, Schubkarre. Niemand hatte auch nur eine Ahnung von einem Telefon, das man tragen kann, und wir schrieben alles noch mit Hand und Schreibmaschine in vier Durchschlägen. Dreieinhalb Jahrzehnte liegen dazwischen, ein halbes Mannesleben – und doch Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende.

[1] Ob das nicht Heavy höchstpersönlich war?

Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur!

Dabei sind in diesem Zimmer nur die belletristischen Werke, fein säuberlich nach Nationen und Chronologie sortiert, versammelt. Oben, im „Arbeitszimmer“ – ich schreib’s in Anführungszeichen, denn richtige Arbeit sieht anders aus – stehen die Philosophen und rangeln um das letzte bißchen Platz in den Bücherborden, und im Schlafzimmer die Theologie, und im Vorraum die Geschichte, und ganz unten, im Flur, die geliebten englischen und italienischen Krimis, daneben die Comics, und im Zimmer meiner Frau die umfangreiche Sammlung der Bloomsbury-Literaten, und ins Haus der Schwiegereltern wurde noch manch anderes aus Platzmangel ausgelagert. Alles Makulatur.

Sie sah mich mit skeptischen, fragenden Augen an.

Was meinst du?

Glaubst du, man wird mit diesen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, aus Eritrea und Somalia, ja selbst mit den Kosovaren, Bosniern, Armeniern und Tschetschenen über Heidegger oder über Marx oder gar Herbert Fritsche[1], den kaum ein Deutscher noch kennt, über Rilke, den großen Gombrowicz [2] oder auch nur über Arthur Conan Doyle reden können? Meinst du, sie werden unsere Probleme teilen und erst recht unsere intellektuellen Fragen und verfeinerten Diskussionen, oder denkst du wirklich, daß sie unseren ästhetischen Sinn haben werden? Der einzige Weg, mit ihnen auf abstrakter Ebene zu diskutieren, wird sein, Arabisch zu lernen und sich ihrer Kultur zu bemächtigen.

Vor allem, kann man denn annehmen, daß sie sich mit unserer Geschichte identifizieren, daß sie sich den Holocaust anhängen lassen werden?

Nein, das ist vorbei. Wo sie sind, wird unsere Kultur und unsere Vergangenheit nicht mehr sein – es mag einzelne Ausnahmen, es mag auch hier und da Liebhaber des Unsrigen geben (und mit diesen zu sprechen, könnte spannender werden als mit den meisten Deutschen).

Es ist nur eine Frage der Zeit und der Demographie und all das hier wird verschwunden sein, wird sich vielleicht in einige Bibliothekskeller verzogen haben, wo ein paar Bebrillte noch den Staub von den Büchern blasen und es wie ein geheimes, vergangenes Wissen studieren werden.

Unsere Bücher haben auch kaum Antworten auf ihre, der Neuen, Probleme, man wird in ihnen wenig Hilfreiches finden.

Und dann: sie kennen keine Bücher, sondern nur ein Buch und auch wenn sie Bibliotheken haben sollten, sie enthalten alle nur den einen Satz – Gott ist groß – und seine Ausfaltungen.

Und schlimmer noch: selbst wenn es das demographische Problem nicht gäbe, allein die technische Entwicklung macht in rasendem Tempo fast alles unzeitgemäß und unverständlich …

Das alles ist bald obsolet, das alles ist bald Makulatur. Es hat auch keinen Sinn mehr, neue Bücher zu schreiben und diesem Überfluß an belanglos Gewordenem noch mehr hinzuzufügen.

[1] Über dessen philosophisches Denken ich damals gerade ein Buch schreiben wollte, aber die Sinnhaftigkeit verlor, angesichts der unmittelbaren Gewalt der Bilder.
[2] Über den ich zwei kleinere Aufsätze für die Gombrowicz-Blätter verfaßt hatte.

Huntington – 30 Jahre später

Die Welt wird auf der Grundlage von Kulturkreisen geordnet werden, oder sie wird gar nicht geordnet werden. (Huntington)
„Wenn die Wirklichkeit die Ideologie widerlegt, so ist die Ideologie falsch, nicht die Wirklichkeit. Samuel Huntington wies 1996 in Kampf der Kulturen darauf hin, daß in Zukunft geistige und kulturelle Blöcke einander gegenüberstehen würden. Viele Idioten blickten damals allerdings nur auf Huntingtons erhobenen Zeigefinger und nicht auf das, worauf er hinwies. Die meisten dieser Idioten starren immer noch auf den Finger, obwohl die Realität dem amerikanischen Soziologen inzwischen recht gegeben hat.“ (Michel Onfray: Niedergang)

Vor drei Jahrzehnten, 1996, erschien eines der am meisten diskutierten und skandalisierten Bücher der Neuzeit: Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“. In ihm entwarf er ein neues Paradigma des globalen politischen Zusammenlebens für die Zukunft. Anlaß genug, das Buch erneut zu studieren und abzuklopfen. Weiterlesen

Nationaler Rock in Ungarn

Jede Lebensphase hat ihre Musik. Drei Jahrzehnte lang, in Wellen der Intensität, vertrat ich die Ansicht, daß Musik, die es wert ist, gehört zu werden, eines leisten müsse: sie dürfe Welt nicht ausblenden, sondern müsse auf sie hinweisen. Sloterdijk hatte – da lag mein Musikgeschmack längst fest – diese Gedanken in „Weltfremdheit“ theoretisch untermauert.

Musik mußte erlitten werden. Weiterlesen

Wo bleiben die Terroristen?

Despite the missteps of U.S. foreign policy, the terrorists‘ missteps have been even worse. That’s why I believe that our fears of terrorism are exaggerated. There just aren’t many terrorists, thank goodness.” Charles Kurzman

Um die Ecke denken, überraschen, nicht ausrechenbar sein … das hat mich schon immer fasziniert. Und wenn in einer Welt, in der wir permanent über die Tatsache stolpern, daß radikaler Islam Terrorismus in großer Zahl und quasi per Gesetz erzeugt, einer kommt und indirekt fragt: „Why are there so few Muslim Terrorists?“, warum es also eigentlich so wenige Terroristen gibt, dann hat er mich schon gebannt.

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Die Fülle der Leere

Rezension: Ernst Osterkamp: Poesie der leeren Mitte – Stefan Georges Neues Reich. Weiterlesen

Die Verteidigung des Fremden

Es wollte mich nicht beruhigen, daß alles Neue immer wieder ein Altes wird. Die gegenwärtigen Neubauten in London besaßen keine Eigenschaften, an die ich mich jemals gewöhnen würde. Karl Heinz Bohrer
Im Sein gibt es Unterschiede, aber nichts Negatives. Gilles Deleuze

Karl Heinz Bohrer versuchte zu Ende seines bemerkenswerten autobiographischen Buches immer wieder einen intrikaten Gedanken neu zu fassen. Es ist die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden und wie man sich, als weltoffener Mensch, dazu zu verhalten habe. Weiterlesen

Jean Paul: Zum 200. Todestag

Nicht von dieser Welt 

von Uwe Wolff (Angologe)

Flügel überall: Jean Paul (1763-1825) ist der Dichter der Freundschaft, der Liebe und der Engel. In keinem Werk der deutschen Literatur wuseln sie mehr herum, als in den Erzählungen und Romanen des Pastorensohnes aus Wunsiedel (Fichtelgebirge). Der hoch begabte Junge hatte einen wahrhaft enzyklopädischen Wissensdurst weit über die gelehrten Bücher hinaus. Die alten Sprachen lernte er bereits als Schüler mit jener Leichtigkeit, die seinen Lehrer erblassen ließ. Texte aus dem Alten Testament in hebräischer sowie griechische Texte des Neuen Testaments übersetzte er aus dem Stand ins Lateinische – die Wissenschaftssprache seiner Zeit.

Jean Paul war ein Überflieger. Weiterlesen

Andreas Karlstadt – Luthers Nemesis

Zum Reformationstag

„Muntzer, Karlstad et similis farinae homines mei sunt incarnati Diaboli.“[1] Luthers Urteil stand fest. Karlstadt (1480[2]-1541) sei ein „rottischer, stürmischer, schwärmerischer“, ein „Allstetter Geist“[3]. Und dieses Urteil blieb an dem Manne haften, der einst sein Kampfgefährte, Lehrer und Schüler und darüber in Verruf und fast in Vergessenheit geraten war.

Erst 350 Jahre nach Luthers Diktum begann Karlstadt wieder ins historische Bewußtsein zu rücken, als ihn Jäger[4] und vor allem Barge[5] wiederbelebten – aber auch sie waren prolutherisch. Gänzlich vergessen war sein Denken freilich nie – es wirkte subkutan in Wiedertäufer-Bewegungen, im Pietismus weiter und noch Walentin Weigel berief sich darauf[6].

Die Reformationsforschung hat in den letzten Dekaden enorme Fortschritte gemacht, Karlstadt wurde neu bewertet und mit dem Abschluß der Kritischen Gesamtausgabe in neun voluminösen Bänden[7], dürfte bald eine zweite Renaissance zu erwarten sein. Immerhin hatte schon die Literatur das enorme Potential dieser wendungs- und ereignisreichen Figur entdeckt, allen voran A.O. Schwedes „Der Widersacher[8]. Auch in der neueren Luther-Biographik tritt Karlstadt prominenter hervor, bildet mitunter sogar das heimliche Zentrum des Reformator-Lebens[9]. Die Reformation drehte sich um Luther, aber Luther kreiste bis 1525 wesentlich um Karlstadt.

Beider Leben waren so komplex wie ihre Zeit[10], sie laufen in seltsamer Verquickung nebeneinander ab, mit auffälligen Parallelen und Abhängigkeiten und einem Hang zum gegenseitigen Übertrumpfen. Beide studierten zeitgleich in Erfurt, beide hatten eine schicksalhafte Romreise, die sie dem Papismus entfremdete, beide ein „Stotternheim-Erlebnis“[11], beide hatten dem Theologen Johann von Staupitz geistige Durchbrüche zu danken, waren stark von der Mystik, von Tauler und der „Theologia Deutsch“ beeinflußt, sie teilten auch ein entscheidendes Augustin-Erlebnis.

Karlstadt – von der Scholastik kommend, aber auch damals schon Originalität beanspruchend –, lehrte als Professor, Dekan und Archidiakon der Stiftskirche seit 1511 an der Leukora in Wittenberg. Er hatte Augustin erst durch seinen Doktoranden Luther kennengelernt[12]. Für den Augustinermönch war das eine feste Autorität, Karlstadt meinte, ihn widerlegen zu können, studierte ihn und mußte sich revidieren. Das war ein Charakterzug, den er Luther voraushatte: er neigte nicht zum Dogmatismus, änderte seine Position fließend, wollte lernen statt lehren, aber für ihn schien jede neue Erkenntnis zugleich einen Verkündigungsauftrag zu beinhalten.

Kaum hatte er sich zur frühlutherischen Theologie durchgerungen, heftete er ein halbes Jahr vor Luthers vermeintlicher Pioniertat gleich 152 Thesen an die Kirchentür – das erste reformatorische Dokument in Wittenberg. Luther war begeistert. Noch stark am Kirchenlehrer orientiert, rang sich der einstige Thomist fast zum sola-scriptura-Gedanken durch, schloß sich Augustins sola gratia[13] an, begann an der päpstlichen Autorität zu zweifeln, erklärte die Konzilien für fehlbar und allein den Glauben als Weg zur Rechtfertigung (sola fide) – das war in nuce ein komplettes Reformationsprogramm! Doch es mußte erst Luthers Ablaßkritik kommen, um das Faß zum Überlaufen zu bringen.

Für eine kurze Weile gingen die beiden Reformatoren zusammen, zeitgenössische Quellen stellen sie auch zusammen dar, Karlstadt mitunter in führender Position. Mit seinen 95 Thesen übernahm Luther kurzzeitig die Führung im sich beschleunigenden reformatorischen Prozeß, die Verhöre beim päpstlichen Legaten Cajetan (Oktober 1518) und Nuntius Miltitz (Januar 1519) führten nur zur Verschärfung der Spannung, da hatte Karlstadt bereits den Streit mit Johannes Eck provoziert, der zur legendären Disputation auf der Pleißenburg (Juli 1519) führte.

Karlstadt machte aufgrund seiner pedantischen Art keine gute Figur und war dem Rhetoriker unterlegen – einmal mehr erwies sich seine scholastische Schulung als Hindernis. Auch konnte er sich aufgrund einer hartnäckigen Papsttreue – immerhin standen seine Pfründe auf dem Spiel – noch nicht auf Luthers Ablaßkritik einlassen, was schon 1516 zu Friktionen geführt hatte[14]. Ungeduldig riß Luther das Gespräch an sich und ließ sich zur Verteidigung einiger Positionen des Jan Hus hinreißen, ein Skandal, der ihm schließlich die Vorladung nach Worms (17.4.1521) einbrachte.

Da war Karlstadt schon nicht mehr dabei. Sich lang andeutende theologische und persönliche Diskrepanzen kamen zum Ausbruch. In der Frage nach der Autorität des Papstes lagen dem sogar biographische Prägungen zugrunde: Luther kämpfte vor allem in seiner Jugend gegen die übermächtige Vaterfigur[15], den er auch in seiner Theologie oder in seiner Teufelsfixierung sublimierte; Karlstadt hing an seiner Mutter und die war strenge Papistin. Nach Leipzig wandte sich Karlstadt verstärkt der Bibel zu.

Aus seinen Überlegungen zu Schrift, Geschriebenem und Beschreibendem ließe sich eine erste semiotische, strukturalistische Theorie filtern[16]. Er las über die Jakobusbriefe. Die hatten bei Luther keinen guten Leumund. Jakobus verbindet den Glauben mit den Werken, ein Gedanke, der Luthers Turmerlebnis, also die lichtvolle Erkenntnis aus Röm 1,17 – „Der Gerechte lebet aus Glauben“ – gleich doppelt widersprach, denn Paulus hatte sich Christus unterzuordnen. Vernunft war für den Juristen[17] ein wichtiges Hilfsmittel, für Luther war es die „Hure“, die den Glauben behinderte.

Schon 1520 reagierte Karlstadt auf die Abweisungen, Anfeindungen und Entfremdungen auch im familiären Kreis mit einem Gelassenheits-Konzept[18], das er auszubauen genötigt sein wird. Zuvor aber trat er mit einem ersten Bilder-Flugblatt innovativ auf. Luther hatte die Macht des neuen Druck-Mediums schnell begriffen und überschwemmte den Markt mit eigenen Schriften; in Zusammenarbeit mit Cranach war Karlstadt allerdings der erste, der die Macht der Bilder erfaßt hatte und ein Blatt vorlegte, daß man heute als Comic beschreiben könnte. Zu sehen waren zwei Fuhrwagen, respektive auf dem Weg in den Himmel oder die Hölle und den Reisenden wurden Gedankenblasen zugeordnet, in denen sich ihr Glaube, ihre Theologie aussprach. Die Gelassenheit war prominent vertreten, aber auch die Frage des freien Willens.

© Klassik Stiftung Weimar

Was in Wittenberg geschah, als Luther auf der Wartburg saß, gehört zu den am häufigsten erzählten Geschichten. Die Bewegung radikalisierte sich rasant. Mit Gabriel Zwilling oder den Zwickauer Propheten traten noch entschiedenere Kräfte auf, die Luthers Gedanken weitertreiben und in die Tat umgesetzt sehen wollten.

Als der Lutheraner Melanchthon Ende 1521 eine Privatmesse in beiderlei Gestalt abgehalten hatte – es wurden Brot und Wein gereicht –, da kündigte Karlstadt zum Weihnachtstag die erste öffentliche evangelische Messe an, an der 2000 Menschen in der Schloßkirche teilgenommen hatten. Sie enthielt ein ganzes Bündel an Neuerungen: es gab keine Beichtpflicht zur Kommunion, der Prediger trat in Laienkleidung auf, er sprach Deutsch, die Elevation der Hostie wurde unterlassen und damit die Transsubstantiation in Frage gestellt, Hostie und Kelch gereicht, wurden von den Gläubigen sogar in die Hand genommen – was zu Schwächeanfällen geführt haben soll.

All das kann man auch als Versuch lesen, die wildgewordene Bewegung in feste Bahnen zu leiten. Kurz darauf hob der Prälat durch die Ehe mit einem 15-jähriges Mädchen das Zölibat auf und legte alle akademischen Titel ab, auf die er so stolz war.

Berühmt-berüchtigt wurde Karlstadts Schrift „Von Abtuung der Bilder“ (Jan. 25). Auch sie diente der Kontrolle, der gesitteten Abnahme der Bilder, in denen er Götzen vermutete, die vom Glauben ablenkten. Weniger bekannt ist ihr zweiter Teil, gegen die Bettelei gerichtet, die in nuce ein sozialpolitisches Programm enthielt. Darin der richtungsweisende Satz: „Dan vor allen sollen wir den unßeren helffen, und aller meinste sorg haben, wie die unßere ernert werden.“[19]

Doch zwangsläufig kam es zu Zerstörungsorgien. Da stieg Luther von seinem Berg herab und donnerte der Welt seine rhetorisch brillanten und psychologisch ausgeklügelten Invocavitpredigten entgegen, setzte sich kraftvoll wieder an die Spitze der Bewegung und nahm alle Neuerungen zurück, um sie in den folgenden Jahrzehnten kontrolliert meist wieder einzuführen.

Es gab zahlreiche Differenzen zwischen den beiden Hauptprotagonisten der frühen Reformation, in der Bilder- und der Abendmahlsfrage konnte es keine Kompromisse geben. Karlstadt flüchtete sich erneut in die Gelassenheit[20], baute ein bislang noch kaum wahrgenommenes eigenes Verständnis, ja ein geschlossenes System auf[21] und er zog die praktische Konsequenz und wurde Bauer. Darin scheiterte er, von Luther gejagt.

Während Karlstadt vom pfründebesessenen Karrieristen zu Gelassenheit, Askese und körperlicher Arbeit gefunden hatte, wurde aus dem spindeldürren Mönch Luther ein Wein, Weib und Gesang liebender feister Patron.

Karlstadt war der hellste Komet am reformatorischen Himmel, Luther setzte sich selbst als Fixstern, der bis heute leuchtet.

[1] Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Tischreden Band 2 1531 – 1546. Weimar 1913, S. 308 (1531)
[2] Das Geburtsjahr ist umstritten und variiert von 1477 bis 1486. Mir scheint sein Altersvorsprung zu Luther einleuchtend.
[3] Wider die himmlischen Propheten von den Bildern und Sakrament (1525)
[4] C.F. Jäger: Andreas Bodenstein von Carlstadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformationszeit aus Originalquellen gegeben. Stuttgart 1856
[5] Hermann Barge: Andreas Bodenstein von Karlstadt. Band 1: Karlstadt und die Anfänge der Reformation / Band 2. Karlstadt als Vorkämpfer des laienchristlichen Puritanismus. Leipzig1905
[6] Siehe: Siegfried Wollgast: Philosophie in Deutschland zwischen Reformation und Aufklärung 1550–1650. Berlin (Ost) 1988
[7] Kritische Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt. 9 Bände. Gütersloh 2017 – 2025
[8] Alfred Otto Schwede: Der Widersacher. Ein Karlstadt-Roman. Berlin (Ost) 1982. Auch die Grand Dame des ostdeutschen historischen Romans, Rosemarie Schuder, hatte sich hochbetagt in ihrem letzten Buch der Figur angenommen, leider künstlerisch mißlungen.
[9] Etwa in: Lyndal Roper: Luther. Der Mensch. Frankfurt 2016
[10] „Wir sehen, die verschiedenen Stände des Reichs, Fürsten, Adel, Prälaten, Patrizier, Bürger, Plebejer und Bauern, bildeten im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts eine höchst verworrene Masse mit den verschiedenartigsten, sich nach allen Richtungen durchkreuzenden Bedürfnissen. Jeder Stand war dem andern im Wege, lag mit allen andern in einem fortgesetzten, bald offnen, bald versteckten Kampf“ Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg. (1850). MEW 7, S. 340
[11] Luther gelobte 1505 nach einem Blitzeinschlag der Heiligen Anna Mönch zu werden; Karlstadt wird 1511 von Straßenräubern überfallen und böse zugerichtet und „und tat das Gelübde, wenn er mich infolge ihrer Fürsprache aus der Todes not erlöste und genesen ließe, in der Stadt Rom ihnen ein Meßopfer darzubringen. Und siehe! Wie alle an meinem Leben verzweifelten, so wunderten sie sich bald über meine rasche und völlige Genesung.“ (Barge, Band 1, S. 50f.)
[12] Ernst Kähler: Karlstadt und Augustin. Der Kommentar des Andreas Bodenstein von Karlstadt zu Augustins Schrift „De spiritu et litera“. Halle (S.) 1952, S. 1-62
[13] Heil ist nicht durch Verdienst, sondern nur göttliche Gnade zu erlangen.
[14] Karlstadt drohte Luther sogar mit einer Häresieklage.
[15] Niemand hat das besser beschrieben als Jakob Knudsen in seinem Doppelroman „Angst“ und „Mut“. Jakob Knudsen: Angst – Mod. Martin Luther (1914). København 2014
[16] Vgl: Friedel Kriechbaum: Grundzüge der Theologie Karlstadts: eine systematische Studie zur Erhellung der Theologie Andreas von Karlstadts (eigentlich Andreas Bodenstein 1480-1541) aus seinen eigenen Schriften entwickelt. Hamburg 1967.
[17] Die Bedeutung des Juristen Karlstadt hat Ulrich Bubenheimer herausgearbeitet in: Consonantia Theologiae et Iurisprudentiae – Andreas Bodenstein von Karlstadt als Theologe und Jurist zwischen Scholastik und Reformation. Tübingen 1977.
[18] Missive von der allerhöchsten Tugend Gelassenheit. In: Kritische Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt: Band III: Briefe und Schriften 1520. Heidelberg 2020, S. 383 ff. Darin noch die direkte Anrede an Mutter und Familie; Karlstadt sah sich in der Nachfolge von Mt. 10,34ff., 12,46ff. u.a.
[19] Flugschriften der frühen Reformationsbewegung (1518-1524), Band 2. Berlin (Ost) 1983, S. 1025
[20] Was gesagt ist: Sich gelassen. Was das Wort Gelassenheit bedeutet und wo es in Heiliger Schrift erscheint. In: Kritische Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt: Band VI: Briefe und Schriften 1523. Heidelberg 2023
[21] Kriechbaum, S. 12

zuerst in gekürzter Form erschienen in: Sezession 126

siehe weitere Artikel zum Reformationstag:

Luthers Fundamentalismus

Luthers Angst und Luthers Mut

Der deutsche Bauernkrieg

Karlstadt – Luthers (ewiger) Widersacher

Luther – Prophet der Deutschen

Die Welt ohne Luther

Luther als Schicksal

Luther der Deutsche

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Was ist Kynismus?

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PDF: Was ist Kynismus?

Etwas stimmt in Raffaels Monumentalgemälde „Die Schule von Athen“ (1510) nicht. In diesem mit äußerster Akribie auf Symmetrie ausgerichteten Werk scheint das Gleichmaß gestört. Das Bild hat zwei Blickzentren. In der geometrischen Mitte stehen die Herrengestalten Platon und Aristoteles, rechts und links von ihnen diskutiert man eifrig in kleinen Gruppen, zu ihren Füßen jedoch herrscht eine beunruhigende Leere. Weiterlesen

Es ist nicht zu halten …

Manchmal ertappe ich mich – spät in der Dunkelheit, wenn die Welt schläft und nur die Marder sich weit nach Mitternacht mit aufgeregten Schreien durch die Gassen jagen –, wie ich beim zweiten Glas des rubinroten „Primitivo“, der die Zunge ein wenig pelzig macht, im gelben Lichtkegel der Leselampe gedankenverloren im großartigen Magyar-Német Nagyszótár blättere – es gibt nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt – und mit selbstvergessenem Lächeln wundersame ungarische Wörter kaue und leise vor mich hin spreche, um ihr Geheimnis zu erlauschen.

Wie jener Dichter Lázár, den Sándor Márai in seinen großartigen „Wandlungen einer Ehe“ unter vier Protagonisten zum heimlichen Dreh- und Angelpunkt erkoren hatte. Weiterlesen

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Lesen ist auf etwas zugehen, das gerade entsteht und von dem noch keiner weiß, was es sein ­wird … (Italo Calvino)
PDF: Sprache und Sein

Es gibt seit je eine Schere zwischen der Sprache und dem Sein, doch erst mit der Moderne beginnt diese sich in einem solch rasanten Tempo zu spreizen, daß es zunehmend schwie­riger wird, das Sein sprachlich bewältigen zu können, dem Sein zu ent-sprechen. Zu­nehmend werden die Menschen vom Sein überrannt – sie werden, im Verhältnis zu diesem, sprachlos. Dabei wird das überschüssige Sein erst vom Menschen in die Existenz gesetzt. Weiterlesen

Das Buch des Jahrzehnts: Bürgerkrieg und Romantik

Rezension: Thomas Schubert: Bürgerkrieg und Romantik im Realsozialismus.

Rudolf Bahro gilt als Mann von „nur“ zwei Werken. Für einen kurzen historischen Moment wurde „Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus“ weltbekannt – nur in der DDR, wo es verfaßt und die letztlich darin nach allen Regeln der marxistischen Kunst analysiert wurde, konnte man es nicht lesen. Im Westen war es ein Bestseller, verkaufte sich zu Hunderttausenden und wurde selbst von den marxistischen Granden Herbert Marcuse, Ernest Mandel und anderen als der wesentlichste Beitrag des zeitgenössischen Marxismus kenntlich gemacht.

Bahro versuchte zu begreifen, warum der „real-existierende Sozialismus“ so weit von jenem Zustand entfernt war, den Marx und Engels als geschichtsnotwendig entworfen hatten. Weiterlesen

Grundtvigs Begriff der Volklichkeit

 Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl?

Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872), der Mann mit dem lustigen Bart, ist an Bedeutung kaum zu überschätzen.

© Den store danske

© Den store danske

Denkt man an Dänemarks Geistesgrößen, dann fallen Namen wie Kierkegaard oder Hans Christian Andersen, tatsächlich hat aber keiner die skandinavischen Geisteswelten derart durchsäuert wie der in Europa wenig bekannte Grundtvig. Sein Werk ist enorm, vielfältig und schillernd; ohne ihn gäbe es das heutige Skandinavien nicht, wäre Dänemark nicht die Vorzeigedemokratie und ein Wohlfahrtsstaat geworden – und ohne die Umsetzung seiner Idee der „Volklichkeit“ beherbergte es wohl auch nicht das seit Jahrzehnten „glücklichste Volk“ Europas. Weiterlesen

H.C. Andersen zum 150. Todestag

von © Uwe Wolff

Weltruhm war dem wunderlichen Sohn eines armen dänischen Schusters wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Aber eine Wahrsagerin hatte der Mutter prophezeit: „Ihm zu Ehren wird einst die Stadt Odense illuminiert werden.“ 1867 wurde Andersen Ehrenbürger von Fünens Hauptstadt. Weiterlesen

Die ungarische Erinnerungskultur

Um den Unterschied in der Gedenkkultur zwischen Deutschen und anderen einmal greifbar zu machen, lade ich meine Leser zu einem kleinen Spaziergang durch eine x-beliebige ungarische Stadt ein. Nehmen wir zum Beispiel Kecskemét oder Szeged … nein, zu groß, nehmen wir also Baja, ganz im Süden, eine unscheinbare Stadt mit weniger als 40 000 Einwohnern, die kaum jemand kennt, die keine größere historische Bedeutung hat, irgendwie eine ganz normale Stadt.

Ich zähle hier an die hundert Denkmäler. Allein das ist eine große Überraschung. Weiterlesen

Die Geschichte der Zukunft

Die Geschichte der Zukunft und die Frage der Identität

Anthropologie ist jene Deutung des Menschen, die im Grunde schon weiß, was der Mensch ist und daher nie fragen kann, wer er sei. Denn mit dieser Frage müßte sie sich selbst als erschüttert und überwun­den bekennen. (Martin Heidegger)
Sicher gibt es bei Heidegger ein Bemühen, den Namen Nietzsche oder das „Wer ist Nietz­sche“ auf die Einheit der abendländischen Metaphysik, ja auf die Ein­zigkeit einer Grenzsi­tuation auf dem Gipfel dieser Metaphysik zu reduzieren. Und dennoch war die Frage „Wer ist X?“ seiner­zeit, auf Denker bezogen, eine seltene Frage; sie ist es noch immer, wenn man sie nicht in einem trivialen biographi­schen Sinn versteht. (Jacques Derrida)

Wie Alice das Wunderland durchstreift, gerät sie an eine blaue Raupe, mit der sie ins Ge­spräch kommt. Mit der Frage „‚Wer bist du?‘ erkundigte sie sich gelangweilt und mit schläfriger Stimme“. Alltäglicher und banaler kann ein Dialog kaum beginnen und doch: Weiterlesen

Der Ungar als Untertan

Pathetisch hatte Sándor Petőfi, der ungarische Nationaldichter schlechthin, in seinem Nationallied die Ungarn in sechsfachem kraftvollem Refrain vereidigt:

A magyarok istenére
Esküszünk,
Esküszünk, hogy rabok tovább
Nem leszünk!

Beim Gott der Ungarn
Schwören wir,
Schwören wir, Gefangene
wir nicht bleiben werden! Weiterlesen

Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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