Warum der Osten?

Selbstredend sind die Gründe, weshalb der Osten so anders als der Westen wählt, vielfältig. Einige davon sind, in aller Kürze und ohne wertende Reihung, folgende:

Es gibt noch immer die Ost-West-Schere und zwar in vielerlei Gestalt. Der Westen ist ökonomisch und materiell reicher, aber man spricht dort auch eine andere Sprache. Die DDR galt als geschlossene Gesellschaft, aber gerade dort wird oft offener gesprochen, zumindest auf der unteren Ebene. Dem anderen seine Meinung zu sagen, ist im Osten oft weniger ein Problem. Weiterlesen

Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur! Weiterlesen

Huntington – 30 Jahre später

Die Welt wird auf der Grundlage von Kulturkreisen geordnet werden, oder sie wird gar nicht geordnet werden. (Huntington)
„Wenn die Wirklichkeit die Ideologie widerlegt, so ist die Ideologie falsch, nicht die Wirklichkeit. Samuel Huntington wies 1996 in Kampf der Kulturen darauf hin, daß in Zukunft geistige und kulturelle Blöcke einander gegenüberstehen würden. Viele Idioten blickten damals allerdings nur auf Huntingtons erhobenen Zeigefinger und nicht auf das, worauf er hinwies. Die meisten dieser Idioten starren immer noch auf den Finger, obwohl die Realität dem amerikanischen Soziologen inzwischen recht gegeben hat.“ (Michel Onfray: Niedergang)

Vor drei Jahrzehnten, 1996, erschien eines der am meisten diskutierten und skandalisierten Bücher der Neuzeit: Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“. In ihm entwarf er ein neues Paradigma des globalen politischen Zusammenlebens für die Zukunft. Anlaß genug, das Buch erneut zu studieren und abzuklopfen. Weiterlesen

Wo bleiben die Terroristen?

Despite the missteps of U.S. foreign policy, the terrorists‘ missteps have been even worse. That’s why I believe that our fears of terrorism are exaggerated. There just aren’t many terrorists, thank goodness.” Charles Kurzman

Um die Ecke denken, überraschen, nicht ausrechenbar sein … das hat mich schon immer fasziniert. Und wenn in einer Welt, in der wir permanent über die Tatsache stolpern, daß radikaler Islam Terrorismus in großer Zahl und quasi per Gesetz erzeugt, einer kommt und indirekt fragt: „Why are there so few Muslim Terrorists?“, warum es also eigentlich so wenige Terroristen gibt, dann hat er mich schon gebannt.

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Die Verteidigung des Fremden

Es wollte mich nicht beruhigen, daß alles Neue immer wieder ein Altes wird. Die gegenwärtigen Neubauten in London besaßen keine Eigenschaften, an die ich mich jemals gewöhnen würde. Karl Heinz Bohrer
Im Sein gibt es Unterschiede, aber nichts Negatives. Gilles Deleuze

Karl Heinz Bohrer versuchte zu Ende seines bemerkenswerten autobiographischen Buches immer wieder einen intrikaten Gedanken neu zu fassen. Es ist die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden und wie man sich, als weltoffener Mensch, dazu zu verhalten habe. Weiterlesen

Unter der Wurzel der Fluß

Das beste Mittel, sich seiner nationalen Identität bewußt zu werden, ist, eine lange Zeit – in der Fremde zu leben.

Lang genug jedenfalls, um die erste Phase der Euphorie, der Freude am Neuen, Aufregenden, Unbekannten zu überstehen. Je besser man die Sprache beherrscht, umso deutlicher wird die Lektion, Weiterlesen

Die Faszination des Islam

Wenn man sich auch nur ein klein wenig mit dem Islam in Deutschland beschäftigt, dann kommt man nicht umhin, die Menge an Youtube- und TikTok-Videos zu bemerken, die junge deutsche Konvertiten voller Stolz und meist mit missionarischem Eifer ins Netz stellen. Der Prozeß läuft für jedermann sichtbar seit Jahrzehnten – nun werden die ersten Mainstream-Medien aufmerksam, aber auch nur, weil die demographische Wippe längst gekippt ist.

Meist sind es junge Männer mit Ziegenbärten, diversen Kopfbedeckungen und oft beeindruckenden Arabisch- und Korankenntnissen. Weiterlesen

TikTok, Schnellroda und das Ewige

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch III

Das gesamte Gespräch als PDF

Fortsetzung von: Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Frage Seidwalk: Ein neues weites Feld. Man hört immer wieder, TikTok habe Weltgeschichte gemacht. So wurde die Wahl in Rumänien annulliert, weil die Wahl angeblich über russische Beeinflussung via soziale Plattformen den „rechtsextremen“ Kandidaten aus dem Nichts an die Spitze katapultierte. Auch Maximilian Krah behauptet, aufgrund seiner TikTok-Schnipsel der „beliebteste AfD-Politiker“ zu sein, zumindest unter Jugendlichen. Schaut man sich die tatsächlichen Klick-Zahlen an, die in der Regel maximal ein paar hunderttausend Leute erreichen, dann ergibt das alles keinen Sinn. Es kann schon quantitativ nicht stimmen. Weiterlesen

Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch II

Fortsetzung von: Der Krieg der Generationen

Frage Seidwalk: Zurück zum Boomer: Sie hatten mir am Tresen eine Szene geschildert, die mich erschüttert hatte. Können Sie das noch einmal kurz schildern? Weiterlesen

Der Krieg der Generationen

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch I

Frage Seidwalk: Herr Weber, wir haben uns auf der Akademie im Herbst kennengelernt. Sie – als Student – haben mir dort für einen Moment ein Licht angezündet: Mir wurde in unserem Gespräch bei Bier und Schnaps plötzlich der Begriff des „Boomers“ erhellt. Bis dahin hielt ich ihn für ein ironisches Ornament, wenig bedeutsam, ein Witz im Grunde, ein Spaß über die Alten. Ich bat Sie, Ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Das erwies sich komplizierter als vermutet und beweist, daß wir es mit einer schwer faßbaren Materie zu tun haben. Also wollen wir versuchen, ob es uns in einem neuerlichen Gespräch dennoch gelingt, den Evidenzmoment an der Bar noch einmal zu vergegenwärtigen. Weiterlesen

Gewalt im Westen und im Islam

Man kann die Geschichte des Abendlandes als eine Geschichte des (wenngleich nicht immer erfolgreichen) Versuchs schreiben, Gewalt zu minimieren. Im Hinblick auf islamische Gesellschaften wäre eine solche Perspektive absurd. (Manfred Kleine-Hartlage: Das Dschihad-System)

Als Manfred Kleine-Hartlage diese Zeilen in seinem ausgesprochen diskutablen Buch schrieb – 2010 –, da kannte er Steven Pinkers Monumentalwerk „Gewalt – eine neue Geschichte der Menschheit“ (engl.: The better Angels of our Nature. Why violence has declined) von 2011 (dt.: 2013) noch nicht. Es ist eines von zwei Grundlagenwerken, die rechte und konservative Narrative fundamental und vor dem Hintergrund großer Sachkenntnis in Frage stellen. Weiterlesen

Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Legte mir einst ein muslimischer Freund ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt.

Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Man kann sie auch heute noch bei Amazon etwa erwerben.

Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. Weiterlesen

Europas Schicksalskampf

Im Zuge der Arbeit an Jakob Knudsens Roman „Der alte Pfarrer“ stieß ich auf Youtube auf einen der wenigen Vorträge zum Thema und im Übrigen auf den einzig relevanten. Andere Redner standen auf linker Seite und hatten nur Abscheu und Sarkasmus übrig – zu deutlich widersprach Knudsen deren Idealwelt.
Johan Christian Nords Vortrag hingegen sprühte vor Begeisterung und bewies ein tiefes Einfühlen in die Ideenwelt des Autors. Die Maschine bot mir mehr Vorträge des Mannes an und besonders seine Rede über den Schicksalskampf Europas hat mich schwer beeindruckt. Sie wurde 2018 gehalten und kann – was Deutlichkeit betrifft – noch immer glänzen. Die Remigration-Idee wurde hier vorgedacht und auf ein moralisches und psychologisches Fundament gestellt. Alles noch rudimentär und grob geschnitzt, aber an Bestimmtheit nicht zu überbieten.
Ich hatte versucht, Johan Nord zu kontaktieren, aber es wurde schnell deutlich, daß er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Ein Zufall brachte uns doch noch zusammen: Als ich die Veröffentlichung auf der Facebookseite der „Knudsen-Gesellschaft“ bekanntgab und meine Einführung zu Werk und Autor verlinkte, kam just von ihm die Reaktion: „En ganske grundig tekst, må man sige!“ So war das Eis gleich gebrochen.
Ich bat Johan Nord um die Erlaubnis, seinen Vortrag zu übersetzen und hier einzustellen, – die wurde gewährt. Er betonte freilich, daß er heute anders darüber denkt und sich seit ein paar Jahren um seine innere Entwicklung kümmere.

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Mythos Al-Andalus

Ich prophezeie der Philosophie eine andere Vergangenheit (Peter Sloterdijk)
Islam has a proud tradition of tolerance. We see it in the history of Andalusia and Cordoba during the Inquisition (sic!). (Barack Hussein Obama)

Die klassische Geschichtserzählung berichtet uns von einem Wunderland Al-Andalus. Inspiriert durch die romantische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, werden die Jahre zwischen 711 und 1492 vornehmlich als Ideal einer toleranten islamischen Zeit, einer Blüte der Gerechtigkeit, der Multikulturalität und Diversität, des Pluralismus und eines friedlichen und sich gegenseitig befruchtenden Nebeneinanders von Islam, Judentum und Christentum, von Convivencia, bis hin zur Symbiose, dargestellt.

Dabei wird, ganz grob gesehen, von drei Phasen ausgegangen Weiterlesen

Euch all trifft tod

DIE TOTE STADT

Die weite bucht erfüllt der neue hafen
Der alles glück des landes saugt · ein mond
Von glitzernden und rauhen häuserwänden·
Endlosen strassen drin mit gleicher gier
Die menge tages feilscht und abends tollt.
Nur hohn und mitleid steigt zur mutterstadt
Am felsen droben die mit schwarzen mauern
Verarmt daliegt · vergessen von der zeit. Weiterlesen

Die neue Reibungslosigkeit

Martin Lichtmesz wirkt fast schon ein wenig angeödet, wenn er über Solingen schreibt. Kein Wunder: für ihn ist es der x-te Text zum Thema und im Grunde gibt es nicht mehr viel zu sagen, nur noch Variationen. Unbedingt lesen!

Hinzuzusetzen gibt es wenig – nur zwei Mikrobeobachtungen. Es geht um die mediale Verarbeitung. Weiterlesen

Mehr deutsche Messerstecher!

Tragödie in Tirpersdorf – das ist zwei Wanderstunden vom Heimatort entfernt, ein Kaff in den Bergen. Alle großen Zeitungen haben berichtet: Focus, Spiegel, Welt, FAZ, SZ, alle. Hätte es nicht das islamistische Attentat auf Michael Stürzenberger gegeben, in dem ein afghanischer Migrant wild um sich stechend sechs Menschen schwer verletzt und einen davon getötet hat, der Dreifachmord von Tirpersdorf würde vielleicht noch größere Wellen geschlagen haben. Ein junger Mann – hier ist es ein Deutscher, ein Sachse, ein Vogtländer, ein Tirpersdorfer – erschlug mit der Axt die eigene Mutter und die Großeltern. Familiendrama. Der Stoff, aus dem die Legenden gestrickt sind – seit der Antike. Weiterlesen

„Remigration“ nach Martin Sellner

Rezension

Das heißeste Buch der Saison hatte selbstverständlich gnadenlose Vorfahrt auf dem Lektürefahrplan.

„Remigration“ faßt in aller Kürze – das darf bei der nachfolgenden Kritik nicht vergessen werden – Martin Sellners Vorstellungen dessen, was politisch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten durchzusetzen sei zusammen, will man die Identität des deutschen Volkes noch irgendwie wahren und damit überhaupt erst die Fortexistenz einer demokratisch organisierten Sozietät ermöglichen. Weiterlesen

Verschiebevorschlag vür vier Völker

Was einem nicht alles so durch den Sinn geht. Darf man ja eigentlich gar nicht sagen. Ich mach’s halt trotzdem.

Lese ich doch in der Zeitung, daß die meisten Palästinenser und Araber, die in Deutschland leben, viel lieber wieder in ihrer Heimat lebten. Hm!

Könnte man nicht … könnte man nicht folgenden Deal machen? Weiterlesen

Sind wir Nomaden?

Wenn es darum geht, den Begriff der Heimat oder den des Eigenen zu destruieren oder die Massenmigration zu rechtfertigen, hört man von der linken Flanke oft folgendes Argument: Der Mensch habe Füße und keine Wurzeln, er ist per se, quasi anthropologisch ein Nomade, er ist schon immer in Bewegung, Haus, Heim und fester Herd seien nur eine Ausnahme oder ein Konstrukt der Rechten und Konservativen. Weiterlesen