Warum der Osten?

Selbstredend sind die Gründe, weshalb der Osten so anders als der Westen wählt, vielfältig. Einige davon sind, in aller Kürze und ohne wertende Reihung, folgende:

Es gibt noch immer die Ost-West-Schere und zwar in vielerlei Gestalt. Der Westen ist ökonomisch und materiell reicher, aber man spricht dort auch eine andere Sprache. Die DDR galt als geschlossene Gesellschaft, aber gerade dort wird oft offener gesprochen, zumindest auf der unteren Ebene. Dem anderen seine Meinung zu sagen, ist im Osten oft weniger ein Problem. Weiterlesen

Die wahre Herrin der Runneburg

Die Maus ist das wahre Wappentier der Runneburg. Die Maus und nicht der Fisch.

Die beiden Fische im Wappen der Stadt Weißensee versteht heute niemand mehr, ebensowenig wie den See im Namen. Einst hat er dort gelegen, die kleine Stadt in Thüringen, gleich neben Sömmerda, umschlossen und wohl viel Fisch geliefert. Aber man legte ihn irgendwann trocken – der Mensch eben. Weiterlesen

Die Verteidigung des Fremden

Es wollte mich nicht beruhigen, daß alles Neue immer wieder ein Altes wird. Die gegenwärtigen Neubauten in London besaßen keine Eigenschaften, an die ich mich jemals gewöhnen würde. Karl Heinz Bohrer
Im Sein gibt es Unterschiede, aber nichts Negatives. Gilles Deleuze

Karl Heinz Bohrer versuchte zu Ende seines bemerkenswerten autobiographischen Buches immer wieder einen intrikaten Gedanken neu zu fassen. Es ist die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden und wie man sich, als weltoffener Mensch, dazu zu verhalten habe. Weiterlesen

Noch einmal Grönland

Aus aktuellem Anlaß lege ich diesen Artikel, der fast auf den Tag genau vor einem Jahr geschrieben wurde, noch einmal vor. Er ist noch wahrer und dringlicher als damals. Allein die politischen Reaktionen in Dänemark haben sich geändert: Verfiel man damals in ratloses Schweigen, will man heute quer durch die Parteienlandschaft bis aufs Messer kämpfen – was selbstredend nur rhetorische Entschlossenheit ist. 

Seit Donald Trump seine grönländischen Träume veröffentlicht hat, steht das kleine Dänemark Kopf. Was aus diesen Plänen noch werden kann, steht vollkommen in den Sternen. Allein Trumps Äußerungen haben bereits eine Dynamik in Gang gesetzt, Energien freigesetzt, deren Folgen unabsehbar sind.

Aus welcher Perspektive man sie betrachtet – grönländischer, dänischer, amerikanischer, russisch-chinesischer, europäischer, politischer und geopolitischer … –, stets wird es komplex, zeigt Licht- und Schattenseiten, kann utopisch oder apokalyptisch oder dazwischen verstanden werden. Weiterlesen

Quo Vadis Seidwalk?

Statistik lügt nicht, so heißt es. Das gilt auch für meine Arbeit hier. Die Zugriffszahlen sind eindeutig und jenseits aller Rationalisierungen. Das Interesse an diesem Blog nimmt seit vier, fünf Jahren kontinuierlich ab, das Jahr 2025 war noch einmal ein besonders starker Einbruch. Um sich nicht zum Clown zu machen, muß ich mir die Frage stellen, wie und ob es weitergehen soll.

Das sage ich ganz ohne Groll. Weiterlesen

Wahnsinn! Büchermesse „Seitenwechsel“

Todmüde, die Augen brennen, die Stimme versagt, aber innerlich aufgewühlt – das Hirn arbeitet ununterbrochen, erinnert, legt zu spät leider ungesagte Worte in den Mund, schnittige Antworten, passende Fragen, sieht Gesichter, hört Stimmen …

Nachher braucht es einen Pálinka oder zwei, um es zu betäuben, aber zuvor noch ein schneller Eindruck von der Büchermesse „Seitenwechsel“ in Halle …, von der wir soeben zurückgekehrt sind. Alles nur hingerotzt, aus dem Affekt. Man müßte sammeln, notieren, Revue passieren lassen, sprechen, ordnen, um was Ordentliches draus zu machen. Das hier ist ein Schnellschuß, ein Schnappschuß, was gerade so einblitzt. Weiterlesen

Den Koran lesen

I took up the Bible and began to read, but my head was too much disturbed with the tobacco to bear reading, at least that time; only having opened the book casually, the first words that occur’d to me where these: Call on me in the day of trouble, and I will deliver, and thou shalt glorify me. (Robinson Crusoe)
Ich fummelte wie ein Irrer in dem ganzen Klo rum. Und dabei kriegte ich dann dieses berühmte Buch oder Heft in die Klauen … Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen. Beim besten Willen nicht. (Die neuen Leiden des jungen W.)

Robinson Crusoe, so erzählt uns Daniel Defoe, überlebte 28 Jahre auf einer einsamen Insel und dabei hat ihm – entgegen allen Popularisierungen – vor allem eines geholfen: die Bibel. Der Zufall (oder Gott?) wollte es, daß in einer der angeschwemmten Kisten auch das Buch lag, mit dem der junge Seemann zuvor noch keine Bekanntschaft geschlossen hatte. Im zweiten Jahr, während einer schweren Krankheit und seelischen Anfechtung, schlägt er es nach einem offenbarenden Traum auf und es spricht zu ihm. Weiterlesen

Ist der Terrorismus rhizomatisch?

Der Philosoph Gilles Deleuze hat schon in den siebziger Jahren das Bild des Rhizoms entwickelt, in dem er ausdrücken wollte, wie postmoderne Organisationen verfaßt sind: Sie gleichen dem Wurzelwerk von Bäumen, weithin verästelt, und sie lösen damit die straffen Hierarchien herkömmlicher Institutionen ab. Solchen wuchernden Rhizomen gleichen nun die dschihadistischen Netzwerke (Gilles Kepel)

Gilles Kepel, den man auch in Deutschland gerne als Terrorexperten zitiert, hatte bereits in seinem umfänglicheren Werk von 2009 – „Die Spirale des Terrors. Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ – seine Vorliebe für den Poststrukturalismus bewiesen, denn dort wollte er den Terror im Paradigmenwechsel von historischer Faktizität (das reale Ereignis) zur historischen Fiktionalität (das mediale Ereignis) beschreiben. Weiterlesen

Warum die Deutschen?

In Ungarn gab ich gelegentlich ein paar Deutschstunden. Mein ausdauerndster Schüler war ein Mann von 80 Jahren, einst der Inhaber einer der größten Weingüter in dieser gottgesegneten Weingegend, promovierter Önologe.

Einmal wollte er die Deutsche Nationalhymne auswendig lernen und begann zu singen: „Deutschland, Deutschland über alles“. Er war überrascht, zu hören, daß man das nicht mehr singe, sondern nur noch „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Er fand das albern, man müsse doch auch einmal vergessen können … Weiterlesen

Terror als Ausweg

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

Der „schöne Tod“ war einst ein Ideal der stoischen Philosophie. Der Weise entschied nach langer Meditation und ohne äußeren Drang den Tod als natürlich und unabänderlich zu akzeptieren und bestimmte selbst den Zeitpunkt. Schon Sokrates machte es vor, als er das Ansinnen seiner Jünger, den Todestrakt zu fliehen, ablehnte und gleichgültig den Schierlingsbecher leerte. Der Stoiker Seneca war einer der großen Sterbemeister – er schnitt sich in aller Seelenruhe die Pulsadern auf. Weiterlesen

Die Iden des Merz

Großes Theater im Bundestag. Wer die Brutusse waren, die Merz versuchshalber das Messer in den Rücken stachen, werden wir wohl nie erfahren. Persönlich würde ich mal bei Saskia Esken nachfragen, ob die was weiß.

Die ganze Szene ist ein treffendes Sinnbild für den rasanten Niedergang dieses Landes, das nicht nur ökonomisch und infrastrukturell rapide abbaut, sondern auch politisch mehr und mehr zur Lachnummer wird. Weiterlesen

Dank sei Allah!

Eine feine Seele bedrückt es, sich jemandem zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein. (Nietzsche)

Man kann sich auf Jahre mit islamkritischen Schriften eindecken und sich so sein Islambild formen. Aber ich empfehle, sich daneben auch an die islamischen Quellen, die proislamische Literatur zu wagen. Das ist nicht immer eine angenehme Lektüre – das sprachliche und intellektuelle Niveau ist mitunter erschreckend niedrig –, schließt aber das apriorische Haßargument aus und gestattet einen ungefilterten Blick in die Köpfe der jeweiligen Muslime.

Ein Zentralwerk – im Übrigen auf hohem Niveau –, das ich jedermann wärmstens ans Herz lege, ist das „Handbuch Islam“ von Ahmad A. Reidegeld. Weiterlesen

Seidwalk gibt’s jetzt auch als Twitter!

Vorerst als Experiment. Das Medium ist giftig, man muß es beherrschen lernen, es kann einen verschlingen.

Aber es hat auch sein Potential und das sollte man nicht ungenutzt liegen lassen. Dies ist das Ergebnis eines längeren Selbstexperiments und Umdenkens. Weiterlesen

Die Macht der Argumente und die Argumente der Macht

Fast jeden Abend höre ich eine halbe Stunde Radio und zwar während des Kochens. Verschiedene ausländische Sender, um ein wenig Sprach-Input zu bekommen. Oft P1 (sprich: Pe Et), den öffentlich-rechtlichen Informationskanal Dänemarks. Der hat gerade einen Skandal zu verkraften, denn im Fernsehen wurde eine schwer linkslastige Dokumentation ausgestrahlt, von einem marxistischen Ökonomieprofessor verantwortet, die den Dänen eine grönländische Kolonialschuld einreden will und dabei frei mit großen Zahlen jongliert. Die Öffentlichkeit ist ob der offenbaren Propaganda entsetzt und hinterfragt den Rundfunkbeitrag … wir kennen das zur Genüge. Weiterlesen

Gedanken zu Grönland

Seit Donald Trump seine grönländischen Träume veröffentlicht hat, steht das kleine Dänemark Kopf. Was aus diesen Plänen noch werden kann, steht vollkommen in den Sternen. Allein Trumps Äußerungen haben bereits eine Dynamik in Gang gesetzt, Energien freigesetzt, deren Folgen unabsehbar sind.

Aus welcher Perspektive man sie betrachtet – grönländischer, dänischer, amerikanischer, russisch-chinesischer, europäischer, politischer und geopolitischer … –, stets wird es komplex, zeigt Licht- und Schattenseiten, kann utopisch oder apokalyptisch oder dazwischen verstanden werden.

Die dänischen Medien überschlagen sich. Weiterlesen

Antiislamismus ist auch ein Islamismus

Das klingt nach unsinniger Rede – wie kann das Gegenteil von etwas es selbst sein?

Meistens ist es auch Unsinn. Aber wenn wir an den Magdeburger Attentäter denken, der zur Stunde fünf Menschenleben ausgelöscht und dutzende zerstört hat, dann muß man das so sehen.

Offenbar ein höchst widersprüchlicher Mensch, keiner der üblichen Kategorien zuzurechnen und zudem vermutlich auch nicht ganz zurechnungsfähig.

Aber das alles spielt keine entscheidende Rolle. Wir müssen ihn nicht ergründen Weiterlesen

Hiobsbotschaften aus Syrien und Rumänien

Syrien

Die politischen „Eliten“ in Deutschland haben den Schuß nicht gehört. Sie jubeln über den Sturz Assads in Syrien und sind nicht in der Lage, auch nur zwei Schritte vorauszudenken. Scholz spricht von „einer guten Nachricht“, Röttgen (CDU) spricht von einer „großen Befreiung“, in der Presse überschlägt man sich, die islamistischen Soldaten als „Rebellen“, „Freiheitskämpfer“ und „Revolutionäre“ zu adeln. Aller politische Verstand scheint verloren zu sein im Diktatoren-Furor. Ob Putin, Assad oder Trump a forteriori – alles neue Hitler, böse, bäh, muß weg, um jeden Preis.

Auch die Hoffnung auf rechter Seite, daß nun eine Million Syrer das Land verlassen werden, ist an politischer Naivität nicht zu überbieten. Weiterlesen

Über die Unruhen in England

Nur ein paar ungeordnete persönliche Gedanken. Ad hoc.

Wodurch wächst mir Kompetenz zu, darüber öffentlich urteilen zu können? Zum einen habe ich in den letzten Tagen Unmengen an Material – in erster Linie Videomaterial, aber auch analytisches – gewälzt[1], und zwar aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven, zum anderen schmerzen mich die Bilder auch deshalb besonders, weil ich in neun Jahren englischem Exil dieses Land bis zu einem gewissen Grade liebgewonnen habe, also über Erfahrungen verfüge und bis heute noch Freunde dort habe, mit denen wir in Kontakt stehen. Weiterlesen

Nancys Reißverschluß

Eine Woche, nachdem Nancy Faeser das Compact-Magazin verboten und die Familie Elsässer nebst Mitarbeitern über das Vereinsrecht hat enteignen lassen, folgt nun der Schlag gegen den Islamismus. Das Islamische Zentrum Hamburg mit seiner ikonischen „blauen Moschee“ wurde dichtgemacht.

Die Herangehensweise gleicht der gegen Compact: Unter Sturmhauben dringen bewaffnete Polizisten in zahlreiche Objekte ein und konfiszieren Beweismaterial, die Träger werden zeitgleich enteignet. Weiterlesen

Leben im Als-Ob

Das Verbot des Compact-Magazins durch die Innenministerin stellt eine Zäsur dar. In diesem Land als solchem, aber auch auf zahlreichen individuellen Ebenen.

Man kann verstehen, daß die Mehrheit der Menschen sich nicht darum kümmert, so eine Nachricht vergißt, verdrängt oder gar nicht realisiert, denn es scheint sie nicht zu betreffen. Wer immer brav und artig war, gesetzestreu, wer sich nie exponiert hat, sich stets nur um sein Eigenes kümmerte … was soll der zu befürchten haben? Weiterlesen