Kategorie Kunst
Amöben, Spitze, Schlussgewölbe: Anmerkungen zum Essay
Ich will kein Plädoyer halten für den Essay. Oder heißts das? Selbst sein Genus ist, ein Wort Goethes zu ergreifen, schwankend. Verwunderlich, heute, wie für Adorno noch der Essay – wir bleiben beim Masculinum – zur Abwehr reizte. Heute reizt eher Goethe zur Abwehr, sogar Thomas Mann schon. Unlängst las ich im Feuilleton, lassen wir es die Süddeutsche sein: Studenten goutierten, wenn überhaupt, diesen mit Missvergnügen; zu lang die Perioden, ermüdend, nicht kurzweilig sei’s. Der kurzen Weile ist die Muße verhasst. Diese, die kalauernd mit der Muse versippt ist, ist es, weil sie selbst ähnlich beseelt ist, wie Tonio Kröger, »in Gelassenheit etwas Ganzes zu schmieden«: eine Arbeit, nicht minder schwer, auch langsam, dennoch im Kleinen flink, wie das Spitzenklöppeln.
Das A und U der Utopie
Und sei ein langes Wort: schrieb Elisabeth Borchers, sagte, bei Büchner, Danton. »Die vielen Bücher« heißt das Gedicht. Die vielen Bücher, die geschrieben wurden um ›Utopie‹ – auch ›un‹, wärs ein Wort, wäre lang wie das ›und‹ in ›Utopisten und Pragmatiker‹, ein engstes Hyperbaton hier, dort: noch enger – das caput mortuum einer endlosen Reihe Pejorativa, von Unmensch bis Unwort. Wir sind beim Thema, es geht ums Ganze. Was beim Utopischen unmittelbar ins Zentrum schnellt, sind das Kleine und Große, Enge und Weite, Ahnung und Gegenwart … Dass Letzteres überraschend den Titel von Eichendorffs Erstroman einstellt fürs pragmatisch-regelrecht gewärtigte ›Gegenwart und Zukunft‹, sei jenen zugesonnen, denen ›Utopie‹ sogleich in der Translation zum Unwort als ›Sozialromantik‹ entweicht. So kurz jedoch wollen wir nicht denken.
Zur Kunst (nebst Bildern)
Folgenden Text habe ich früher schon anderweitig verwendet. Einige Gedanken darin würde ich inzwischen selbst wiederum in Zweifel ziehen. Dennoch – wenn es auch vordergründig um meine eigenen Bilder geht – trifft manches generell auf Kunst (also auch Literatur) als gesellschaftliches, ästhetisches und Symbol-System zu.

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