Kategorie Essay

Amöben, Spitze, Schlussgewölbe: Anmerkungen zum Essay

Ich will kein Plädoyer halten für den Essay. Oder heißts das? Selbst sein Genus ist, ein Wort Goethes zu ergreifen, schwankend. Verwunderlich, heute, wie für Adorno noch der Essay – wir bleiben beim Masculinum – zur Abwehr reizte. Heute reizt eher Goethe zur Abwehr, sogar Thomas Mann schon. Unlängst las ich im Feuilleton, lassen wir es die Süddeutsche sein: Studenten goutierten, wenn überhaupt, diesen mit Missvergnügen; zu lang die Perioden, ermüdend, nicht kurzweilig sei’s. Der kurzen Weile ist die Muße verhasst. Diese, die kalauernd mit der Muse versippt ist, ist es, weil sie selbst ähnlich beseelt ist, wie Tonio Kröger, »in Gelassenheit etwas Ganzes zu schmieden«: eine Arbeit, nicht minder schwer, auch langsam, dennoch im Kleinen flink, wie das Spitzenklöppeln.

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