On l’a échappé belle – Grad noch mal davongekommen

Wir hatten schon unsere Getränke bekommen und das Essen bestellt, als nach kurzer Zeit die Bedienung ziemlich verstört und mit leeren Händen an unseren Tisch kam.

„Ich kann ihnen leider kein Essen bringen.“

Was sollte das heissen? Wir spürten ihre Verwirrung, sie hatte einen fast verängstigten Blick.

„Die von der WKD sind grade gekommen und haben gesagt, dass die Küche ab sofort gesperrt ist und wir kein Essen mehr rausgeben dürfen.“

Uns wurde sofort klar, dass in der Küche was Schlimmes entdeckt wurde. Wahrscheinlich irgendwas mit Hygiene, Ratten oder Kakerlaken? Sie durfte es uns nicht sagen, der Chef sei benachrichtigt und auf dem Weg ins Restaurant.

Warum wir Glück hatten? Vielleicht hätten wir uns ja vergiftet.

Warum die Überschrift dieses Eintrags zweisprachig ist? Unser Lieblingsrestaurant wird stark von Franzosen aus dem Elsass frequentiert und die Speisekarte ist perfekt zweisprachig, mit fehlerfreier französischer Übersetzung.

Vielleicht liest der eine oder andere Franzose hier mit, und wundert sich, warum unser Bistro bis auf Weiteres „Fermé“ ist. Warum? Wir wissen nicht.

Was wir wissen, ist, dass uns die Bedienung leid tut. Sie machte einen ziemlich verunsicherten Eindruck und redete mit uns als müsse sie sich für etwas entschuldigen, weil wir in ein anderes Restaurant gehen müssten, wenn wir noch was essen wollten. Die meisten sind ja nachmittags um drei geschlossen oder haben zumindest keine warme Küche um die Zeit.

Wir waren jetzt jedenfalls erst mal die letzten Gäste an diesem Tag und wünschten ihr beim Abschied alles Gute. Und dass sie hoffentlich nicht ihren Job verliert.

Version française – Traduction: DeepL.com

Nous avions déjà reçu nos boissons et commandé notre repas quand, peu de temps après, la serveuse est arrivée à notre table, assez perturbée et les mains vides.

„Je ne peux malheureusement pas vous apporter de nourriture“.

Qu’est-ce que cela voulait dire ? Nous avons senti sa confusion, elle avait un regard presque effrayé.

„Les gens de la WKD viennent d’arriver et nous ont dit que la cuisine était désormais fermée et que nous ne pouvions plus distribuer de nourriture“.

Nous avons tout de suite compris que quelque chose de grave avait été découvert dans la cuisine. Probablement quelque chose en rapport avec l’hygiène, des rats ou des cafards ? Elle n’avait pas le droit de nous le dire, le chef avait été prévenu et était en route pour le restaurant.

Pourquoi avons-nous eu de la chance ? Peut-être que nous nous serions empoisonnés.

Pourquoi le titre de cette article est-il bilingue ? Notre restaurant préféré est très fréquenté par des Français d’Alsace et le menu est parfaitement bilingue, avec une traduction française sans faute.

Peut-être l’un ou l’autre Français lira-t-il ici et se demandera-t-il pourquoi notre bistrot est „Fermé“ jusqu’à nouvel ordre. Pourquoi ? Nous ne le savons pas.

Ce que nous savons, c’est que nous sommes désolés pour la serveuse. Elle nous a donné l’impression d’être assez déstabilisée et nous a parlé comme si elle devait s’excuser pour quelque chose, parce que nous devions aller dans un autre restaurant si nous voulions encore manger quelque chose. La plupart des restaurants sont fermés à trois heures de l’après-midi, ou du moins n’ont pas de cuisine chaude à cette heure-là.

Nous étions en tout cas les derniers clients de la journée et lui avons souhaité bonne chance en partant. Et qu’elle ne perde pas son travail, espérons-le.

In der Kutsche

Während Andere Spaziergänge oder Radtouren machten, an Rallye-Touren teilnehmen oder gar arbeiten mussten, zog es mich zu einer kleinen Auto-Tour de France über Land.

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Alsbald überredete ich mich dazu, eine kurze Pause einzulegen. „La Diligence“ (Die Postkutsche) in Fessenheim schien mir dazu der geeignete Ort.

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Hier war ich immer nur vorbeigefahren. Heute hielt ich einfach mal an.

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Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen.

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Nebenbei gesagt

Mein alter Freund, der Heimatdichter Horst Lapp, erzählte mir mal, dass er einen stillen Ort, eine kleine Kapelle irgendwo im Elsass hat, wohin er sich gerne von Zeit zu Zeit zurückzieht. Meine Kapelle ist eher eine Patisserie mit Draussenlokal, wo zwar nicht wirklich immer völlige Ruhe ist, aber das passt schon. Ich bin ja auch kein Heimatdichter.

Café Birké

Café Birké in Neuf-Brisach

Überhaupt habe ich es seit einiger Zeit mit der Dichtung und Literatur gar nicht mehr so wie früher. So literarische Bücher waren mir eine ganze Zeit lang ziemlich wichtig, obwohl ich letztlich auch gerne Krimis gelesen habe. Einer meiner Lieblingsautoren, Georges Simenon, hatte von sich immer gesagt, dass er sich darum bemüht, eben nicht „literarisch“ zu schreiben, sondern in einer ganz normalen und einfachen Sprache. Das hat mir immer sehr gut gefallen.

Neuf-Brisach,_Haut-Rhin,_France

Neuf-Brisach im Elsass (F), Café Birké am grossen Platz in der Mitte

Es hat irgendwie ziemlich lange gebraucht und erfolgte sozusagen auf Umwegen, dass ich mich mehr und mehr von allem abwende, was normalerweise als Dichtung und Literatur gilt. Mir waren auch immer so Balladen, in denen richtig was passierte, wichtiger als hochgestochene, unverständliche und kryptische Gedichte, ob gereimt oder ungereimt Also den Zauberlehrling, John Maynard, den Erlkönig, die Bürgschaft oder den Birnbaum habe ich immer hauptsächlich wegen ihres Plots geliebt.

Horst Waidele

Mit Horst im Café Waidele in Wolfach

Trotzdem oder auch deswegen hatte ich immer mehr oder weniger das Ziel, möglichst wichtige literarische Werke zu schaffen. Tagebücher, seien sie auch von noch so wichtigen Persönlichkeiten geschrieben, waren mir zu privat und personenkultig. Deswegen hatte ich wohl auch das Gefühl, wenn ich über mich selber und private Dinge schreibe, dass das eigentlich niemanden interessieren könnte oder sollte.

NEULapp

Inzwischen finde ich es viel wichtiger, sich über gesamtgesellschaftliche und im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegende Dinge zu informieren. Ohne sich gleich zu allem sofort eine Meinung zu bilden und überall zu kommentieren und seinen Senf dazu zu geben. Was die Politik betrifft, da haben wir ja die Parteien gewählt, denen wir zutrauen, kompetent zu handeln.

Kompetent sind wir, was die Sprache betrifft, letztlich doch wieder nur oder hauptsächlich für private Kontakte. Wenn man nicht gerade Vorsitzender eines Vereins oder Leiter der Freiwilligen Feuerwehr ist. Jeder hat nur einen sehr begrenzten Bereich, in dem er oder sie etwas bewirken kann. Und den muss jeder für sich erkennen und abstecken.

Das Gedicht „Sprache“ von Hermann Hesse gefällt mir hier vor allem, weil meine liebe Lilli es nicht abliest, sondern auswendig kann.

Von Schulschwänzern und Bannwarten

Heute waren wir mal wieder in Frankreich, trotz der steigenden Corona-Zahlen. Das Ecomusée d’Alsace in Mulhouse-Ungersheim ist nur 30 km von uns entfernt und die sind wir natürlich mit dem Auto über Landstrassen gefahren.

In dem Freilichtmuseum des Elsass war sehr wenig los. Trotzdem trugen alle Besucher auf dem ganzen grossen Gelände Masken.
Die Atmosphäre war sehr ruhig und angenehm und das Wetter nochmal richtig schön.


Zu sehen gab es wilde Natur, alte Fachwerkhäuser, schwarze Schweine, Pferde, Kühe und Traktoren.

Ein Bannwart ist im Alemannischen eine Art Flur- und Waldhüter. Für den Schulschwänzerpfad war wohl eher der Dorflehrer zuständig.

Null Komma nichts

PascalMercierGewichtDerWorte
Im Gegensatz zum Dolmetscher ist der Übersetzer ja ein Stubenhocker par excellence. Da ich beruflich die meisten Tage mit Texten daheim im Büro verbracht habe, fällt mir das #WirBleibenZuhause nicht so schwer wie vielen anderen.

Zufällig ergab es sich, dass ich kürzlich auf einen Roman aufmerksam wurde, den ich bisher erst zur Hälfte gelesen habe und dessen Hauptperson ein Übersetzer ist. Das Buch ist wie für mich geschrieben. Ich gehe geradezu in ihm auf.

Von Pascal Mercier, hinter dessen Pseudonym sich der Schweizer Philosoph Peter Bieri verbirgt, hatte ich schon den „Nachtzug nach Lissabon“ gelesen und den gleichnamigen Film mit Martina Gedeck und Jeremy Irons genossen.

„Ich sehe in den Nachrichten all das Elend. Bilder von Armut, Dürre, Flucht und Vertreibung. Menschen, die Wasser bräuchten und nicht Worte. Zehntausende, Hunderttausende. Ich gehe zum Schreibtisch und frage mich: Macht ihr Elend das, was ich hier tue, kleiner? Vielleicht sogar bedeutungslos? Kann man im Ernst darüber nachdenken, ob man ein Komma oder ein Semikolon setzen soll, wenn andere nicht wissen, wo sie schlafen können, ohne zu erfrieren? Und dann denke ich über das Komma nach.“ (Pascal Mercier, Das Gewicht der Worte)

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat aus Solidarität mit unseren französischen Nachbarn angeboten, Schwerstkranke aus dem Elsass, wo nicht mehr genügend Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen, zur Behandlung in Baden-Württemberg aufzunehmen.

Contrairement à l’interprète, le traducteur est un travailleur à domicile par excellence. Comme j’ai passé la plupart de mes journées professionnelles à travailler dans mon bureau chez moi sur des textes, rester à la maison n’est pas aussi difficile pour moi que pour beaucoup d’autres.

Par hasard, je suis récemment tombé sur un roman que je n’ai lu qu’à moitié jusqu’à présent et dont le personnage principal est un traducteur. Le livre, c’est comme si on l’avait écrit pour moi. J’y suis presque absorbé.

J’avais déjà lu „Nachtzug nach Lissabon“ de Pascal Mercier (Train de nuit pour Lisbonne) et j’ai apprécié le film du même nom avec Martina Gedeck et Jeremy Irons.

„Je vois toute cette misère aux nouvelles. Des images de pauvreté, de sécheresse, de fuite et d’expulsion. Des gens qui avaient besoin d’eau et non de mots. Des dizaines de milliers, des centaines de milliers.Je vais à mon bureau et je me demande: votre misère rend-elle moins important ce que je fais ici ? Peut-être même insignifiante? Pouvez-vous sérieusement penser à mettre une virgule ou un point-virgule lorsque les autres ne savent pas où ils peuvent dormir sans mourir de froid ? Et puis je pense à la virgule“. (Pascal Mercier, Le poids des mots)

Par solidarité avec nos voisins français, le ministre-président Winfried Kretschmann a proposé d’admettre des patients gravement malades d’Alsace, où il n’y a plus assez de respirateurs disponibles, pour les soigner dans le Bade-Wurtemberg.