Dies ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Schreibmans Mutter war zuhause in Wolfach und schon leicht pflegebedürftig, ein bisschen dement.
Eines Tages versammelten sich ihre vier Kinder und wollten besprechen, was mit ihr passieren sollte. Drei waren dafür, dass sie in ein Heim kommen sollte.
Schreibman als Einziger war dagegen und meinte, er werde zu ihr ziehen, sie sei sogar schon jetzt sehr gut versorgt.
Ein bis zweimal pro Woche habe sie eine Zugehfrau für Einkäufe und Putzen, täglich komme ihre Schwägerin, die zwei Häuser weiter wohnt, zum Nachmittagskaffee. Jederzeit stehe ihr direkter Hausnachbar für technische Arbeiten, die er alle immer gerne ausführt als wäre er der Hausmeister, zur Verfügung, und morgens und abends komme Jemand vom Pflegedienst, die ihr das Frühstück bereitet oder ihr die abendlichen Medikamente verabreicht.
Und schließlich bewohnte Schreibman die erste Etage des großen Hauses alleine und sah bei Gelegenheit mit ihr in ihrem Wohnzimmer fern.
Als Schreibman die Irm kennenlernte und ihr privaten Französisch-Unterricht in ihrer Wohnung gab, unterhielten die zwei sich, und sie erzählten sich gegenseitig ihre Geschichten. Für Irm, die verwitwet, kinderlos und 20 Jahre älter als Schreibman war, war dies ein Grund vielleicht doch noch im hohen Alter und als sehr aktive und intellektuelle Frau, sich näher mit ihm anzufreunden. So Jemanden wollte sie schon immer als ihren Sohn haben, so Jemanden hatte sie gesucht. Der Deal war: „Wenn Du mir versprichst, mich bis an mein Lebensende zu begleiten, mache ich Dich zu meinem Alleinerben.“
Sie hat ihn adoptiert, er wohnte auch eine Weile bei ihr, bis die beiden entschieden, er sollte eine eigene kleine Wohnung haben. Die hat sie ihm besorgt, in ihrer Nähe. Schreibman besuchte sie fortan jeden Tag zwischen 17 und 19 Uhr. Sie kochte für ihn und erzählte ihm, er ließ sie reden. Sie kümmerte sich dann auch um eine größere Wohnung für 2 Personen als Schreibman seine heutige Ehefrau kennenlernte, die ihrerseits nun rund 20 Jahre jünger war als Schreibman. Nach etwa 2 Jahren äußerte Irm dann den Wunsch, in ein Heim zu gehen, weil sie bei sich zuhause nicht immer alleine zurecht kam. Dort besuchten Schreibman und seine Frau sie noch regelmäßig bis sie schließlich friedlich entschlief.
Schreibman hat tatsächlich alles geerbt. Die kleinere der beiden Wohnungen, die Schreibman mit seiner Frau bewohnt hatte, hat er dann später ihr verkauft.
Die größere hat er, wieder etwas später, wieder an sie überschrieben. Dafür hat er jetzt selber eine Frau, die sich um ihn kümmert.
Und was war der Stein, der die ganze Entwicklung ins Rollen brachte? Eine einzige Besprechung mit den Geschwistern in einem Wirtshaus im Schwarzwald. Eine einzige Entscheidung hat in diesem Moment alles verändert. Dadurch wurde Irm später auf ihn aufmerksam und seine Zukunft war gesichert.











