Tag 12

Sohnemann hat mir ein Lied gespielt.

Salut Papa.

J’ai enregistré cette chanson pour t’accompagner dans ces 3 journées un peu compliquées et les moments qui vont suivre. Elle se trouve sur le White album, un des deux albums des Beatles que tu m’as offert. C’est une chanson qu’ils ont écrite en pensant aux jeunes femmes noires qui militaient à ce moment-là pour les droits civiques aux USA. Prends bien soin de toi et à tout bientôt.

Hallo Papa. Ich habe dieses Lied aufgenommen, um dich durch diese etwas komplizierten drei Tage und die folgenden Momente zu begleiten. Es ist auf dem White Album, einem der beiden Beatles-Alben, die du mir geschenkt hast. Es ist ein Lied, das sie geschrieben haben, um an die jungen schwarzen Frauen zu erinnern, die zu dieser Zeit in den USA für Bürgerrechte kämpften. Pass gut auf dich auf und bis bald.

BLACKBIRD Lyrics Übersetzung
Amsel, die du da tief in der der Nacht singst,
Nimm diese gebrochenen Flügel und lerne zu fliegen.
Dein ganzes Leben,
Hast du nur auf diesen Moment gewartet, aufzufliegen.

Amsel, die du da tief in der der Nacht singst,
Nimm diese eingesunkenen Augen und lerne zu sehen.
Dein ganzes Leben,
Hast du nur auf diesen Moment gewartet, frei zu sein.

Amsel flieg,
Amsel flieg,
In das Licht der dunklen schwarzen Nacht.

Du hast nur auf diesen Moment gewartet, aufzufliegen.
Amsel flieg,
Amsel flieg,
In das Licht der dunklen schwarzen Nacht,
Amsel , die du da tief in der der Nacht singst.

Amsel , die du da tief in der der Nacht singst,
Nimm diese gebrochenen Flügel und lerne zu fliegen.
Dein ganzes Leben,
Hast du nur auf diesen Moment gewartet , dich zu erheben.

Tag 10 und 11

Als ich heute Mittag in Freiburg im Wartezimmer sass, war ich überhaupt nicht nervös. Ich war etwas verspätet gekommen, was Lilli aber am vorigen Freitag schon angekündigt hatte. Der vorgesehene Termin von 08.00 Uhr heute konnte nicht eingehalten werden. Ab 07.00 Uhr fahren diese Krankentransporte anscheinend erst aus ihren Garagen.

Die Verschiebung war kein Problem und so wurde ich um 08.15 Uhr freundlich empfangen und brauchte auch gar nicht auf den Beginn meiner ersten Chemotherapie um 08.30 Uhr zu warten.

Vorher hatte ich mir die Geschichte so ein bisschen wie in einem Friseursalon vorgestellt, wo früher den Damen eine Trockenhaube über den Kopf gestülpt und eine Modezeitschrift in die Hand gesteckt wurde und es ratterte und dampfte.

Hier sass ich jedoch drei Stunden mit einem Port in der Schulter, einem tropfenden Tropf und meinem Handy in der Hand in einem Sessel. Echt gemütlich, wie mein Massagesessel daheim.

Es tat auch nichts weh. Wenn mir morgen übel wird, soll ich nach Bedarf von den mitgegebenen Pillen nehmen.

Zur Verabschiedung kam der Inhaber der Praxis, eine Kapazität auf dem Gebiet der Onkologie in der Region Freiburg, noch mal zu mir und streckte mir die Hand mit der Frage entgegen, wie es mir gehe. Ich sagte, dass es mir sehr gut geht und er zeigte mir dann auch ein freundliches Lächeln und zwei Daumen hoch.

Morgen und übermorgen habe ich noch zwei kleine Sitzungen à anderthalb Stunden und dann ist vier Wochen Pause.

Tag 9

Nach den schlechten Nachrichten von der Bundestagswahl meine gute Nachricht von mir ganz privat. Heute war der 5. Tag hintereinander ohne Kreislaufattacke.

Tag 8

Gut geschlafen

Frühstück: Brot mit 2 Spiegeleiern & Kaffee

Die gestern bestellten Rieker Schuhe erhalten, sind aber ne Nummer zu klein, solange ich noch Verband trage, also bis Montag

Rasiert

Haare gewaschen

Rasierklingen & R-Alpha-Liponsäure bestellt

Mails beantwortet

Powerade blau getrunken

Trash TV geguckt, teilweise mit Lilli

Mittagsschlaf

Geh-Übungen

Belgische Pralinen gegessen

Stimmung: gut drauf

4. Tag hintereinander ohne Kreislaufattacke

Tag 7

Heute Morgen nach dem Frühstück habe ich mir zwei Dinge bestellt, ein Buch und ein paar Schuhe. Eine Bestellung von Kopf bis Fuss sozusagen. Für die Füsse was von Rieker und für den Kopf den Ardennen-Krimi „Nebel der Our“ von Elise d’Our, Autorin von Mitohnesahne’s Blog. Der Regionalkrimi spielt in einer Region, die ich auch von Kindesbeinen an kenne. Wobei kennen leicht übertrieben ist.

In der Zeit von1958 bis 1963 hatten wir einen kleinen alten Bauernhof in dem Dorf Gerolstein-Büscheich in der Eifel, wohin wir oft am Wochenende und in den Ferien die 100 km von der Kölner Südstadt bis zu unserem Häuschen fuhren, das auch nach und nach in Schwarzarbeit restauriert wurde. Für uns Kinder waren diese Aufenthalte der reinste Abenteuerurlaub. Wir wohnten fast Haus an Haus neben Scheune und Kuhstall, die allerdings nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurden.

Die Autorin, die im deutsch-belgischen Grenzgebiet lebt, hat ihren Roman auch auf Französisch übersetzt oder übersetzen lassen, eine der drei belgischen Landessprachen. Wenn es mir auf Deutsch gefällt, werde ich vielleicht auch die französische Ausgabe bestellen. Da freue ich mich schon drauf.

Als ich damals eine Belgierin geheiratet habe und mit ihr drei Kinder bekam, sind wir oft in die Ardennen gefahren, meistens in den französischen Teil Belgiens. Aber auch die deutschsprachigen Ostkantone um Eupen und St. Vith sind mir ein bisschen vertraut.

***

Liebe Claudia,

vielen Dank für Deine Anfrage. Du möchtest also wissen, weswegen ich seit etwas mehr als einer Woche meine Einträge nummeriere statt mit Überschriften zu versehen. Ich wollte damit einen Einschnitt markieren und sozusagen ein ganz persönliches Tagebuch innerhalb von „Schreibmans Kultbuch“ beginnen.

Der Tag Null ist ein ganz persönliches und einschneidendes Datum für mich. Wie lange ich die daran anschliessende Nummerierung fortsetze, weiss ich noch nicht. Mir ist bewusst, dass ich damit eine ganz persönliche Note setze, die nicht jedem verständlich sein muss. Du hattest ja in einem Deiner Einträge auch die Frage gestellt, ob man lieber nur über sich selber schreiben oder allgemeine Themen kommentieren, illustrieren oder bewerten soll. Zu den vielen nationalen, internationalen und globalen Ereignissen, die uns alle bewegen, muss ich nicht unbedingt auch noch meinen Senf dazugeben. Es wird alles ausführlich in allen Medien diskutiert.

Deswegen nehme ich mir diese ganz persönliche Freiheit, in meinem unmassgeblichen Blog den Schwerpunkt mehr auf den tagebuchähnlichen Aspekt als auf alle möglichen anderen Themen zu legen. Ich freue mich über jeden Leser, der oder die mir nicht gleich den Rücken kehrt und diese Entscheidung akzeptiert und im besten Fall gar präferiert.

Tag 6

Erstmals zwei Tage hintereinander, gestern und heute, keine Kreislaufattacke.
Und meine neue Diktier-App macht richtig Spass. Kostet nur 11,99 €/Jahr und ist von Google und besser als die rausgeflogene.
Noch eine Good News: Die belgische Pensionskasse hat meine Rente um 17, 00 € erhöht. Lauter Good News.
Es gibt solche Tage.

Tag 5

Das mit dem Diktierprogramm hat sich heute morgen aufgeklärt. Es war nicht meine Schuld. Lilli hat mir geholfen, die Ursache zu finden. Ich wollte dann bei Google Konto das Abo stornieren, es stand aber überhaupt nicht mehr auf der Liste der laufenden und abgelaufenen Abos.

Wir sind gemeinsam zu der Vermutung oder gar Erkenntnis gelangt, dass man googleseitig dieses Programm aus dem Play Store rausgeschmissen hat, weil es irgendwelche Unregelmässigkeiten, Verstösse oder Malware oder sonstwas enthält oder verbreitet, wofür wir nichts können und was wir nicht brauchen.

Egal, das Thema ist beendet, irgendwelche Rückforderungen oder Rückzahlungen wird es eh nicht geben. Ich habe jetzt einen neuen „Sprach Notizblock“ gefunden.

Aus Kanada erhielt ich heute eine Nachricht von meinem Bruder, der sonst nicht sehr viel schreibt, dafür jetzt aber mit dem Malen anfängt, dachte ich. Er hat mir ein paar seiner Bilder per WhatsApp geschickt.

Ich fragte Axel, der vor der Pensionierung Hotelmanager war und einen eigenen Partyservice hatte, nach weiteren Einzelheiten seiner neuen künstlerischen Aktivitäten. Ich hatte die Bilder, die auf dem Handy nicht ausreichend vergrössert erschienen, für Gemälde gehalten.

Ich Dummerchen, es sind Mosaike, sogar der Mondrian. Ein Mosaik mit eingebautem Mondrian-Zitat, ebenfalls per Mosaik, verfremdet, darauf muss man erst mal kommen!

Tag 4

Gestern war echt ein ätzender Tag. Er begann früh in der Dämmerung und endete abends im Dunkeln. Den ganzen Tag nichts gegessen, weil ein kleiner ambulanter OP-Eingriff anstand, das Einsetzen eines Ports. Das zog sich dann doch etwas länger hin. Danach drei Stunden Schlaf und vorher und nachher einige Bürokratie und Routinen und Wartezeiten und Rumsitzen.

Am Ende des Tages war ich dann ziemlich kaputt, wollte aber noch einen Eintrag schreiben. Ging nicht. Diktierprogramm war nämlich wie ich, auch kaputt, mitten im Diktat.

Es erschien eine Meldung, dass ich die Kapazität ausgeschöpft hätte. Stimmt aber nicht. Ich hab immer wieder nach Anfertigung der offline gespeicherten Version und dem anschliessenden Posten alles direkt gelöscht und das Abo als Premium ein Jahr im Voraus bezahlt. Kapazität hätte ich also genug gehabt.

Mein Abo sei storniert worden, ich hätte es nicht bezahlt. Ich war ja immer sehr zufrieden damit, hatte schon seit Monaten damit gearbeitet. Aber jetzt ging gar nichts mehr. Ich konnte auch nicht auf die Taste „Verlängern“ drücken. Es erschien dann nur noch ein weisser Bildschirm. Dann hab ich es spontan und wütend deinstalliert.

Was ich schreiben wollte, weiss ich gar nicht mehr.

Es gibt solche Tage.

Tag 3

Sowas Blödes!

Jetzt habe ich praktisch den ganzen Tag verplempert. Und dann klappt auch noch das Diktierprogramm auf dem Handy nicht. Keine Ahnung, was da los ist, und vor allem auch keinen Nerv, mich heute noch damit zu beschäftigen. Muss ich mich halt nochmal an den Laptop setzen.

Jedenfalls, das einzig Wichtige, was ich jetzt hier und heute sagen und schreiben will, ist, dass man sich als Überschrift dieses Eintrags „Der Patient und die Sekretärin“ denken sollte. Was täte ich nur ohne sie?

Mein Lieblingsmensch, meine geliebte Ehefrau, hat mir den ganzen Tag gerettet. Sie hat für mich telefoniert, Formulare ausgefüllt, Mails geschrieben, Termine vereinbart, Besorgungen gemacht und mich zu Besprechungen gefahren.

Danke, mein Herz!

Tag 2

Heute Morgen nach dem Aufwachen habe ich zuerst mal die Gedanken diktiert, die mir seit gestern durch den Kopf gehen.

Also Folgendes

Da die Dauer und Erfolgsaussichten meiner Behandlung noch ziemlich unvorhersehbar sind, weiss ich noch nicht, ob und wann ich mich wieder ans Steuer meines Fahrzeugs setzen darf.

Die Mängelliste des TÜV und der entsprechende Kostenvoranschlag meiner Werkstatt sind nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte, also dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnen würde.

Deswegen möchte ich die Reparatur-Investition noch machen statt das Auto zu verschrotten oder zu verschenken. Wer will schon ein Auto, das nicht mehr zugelassen ist und für das man zuerst die vom TÜV bemängelten Reparaturen / Wartungsarbeiten durchführen lassen muss, auch wenn es noch perfekt fahrbereit ist.

Ich fahre es seit einigen Wochen aus medizinischen Gründen nicht. Bin 50 Jahre unfallfrei gefahren.

Mit dem Chrysler PT Cruiser, den ich vor 5 Jahren gebraucht (Kilometerstand 53.000) gekauft habe, bin ich sether 115.000 km gefahren, also etwa 23.000 km pro Jahr.

Wenn ich den Wagen jetzt aufgebe / abgebe, habe ich kein schönes Auto mehr vor dem Haus stehen, das einen gewissen emotionalen Wert für mich hat. Ein neues käme nicht in Frage. Finanziell wäre es eine negative Option, weil ich den TÜV bezahlt habe und der Wiederverkaufswert kaum höher ist als die investierten TÜV- und Reparaturkosten.

Wenn ich den Wagen behalte, habe ich mein schönes Auto vor dem Haus stehen, auch wenn ich es zur Zeit nicht fahren kann. Es ist aber emotional eine Freude und Motivierung, finanziell insofern positiv, weil es mit TÜV-Plakette immer noch einen gewissen Preis erzielen würde, der auch höher als die Investition wäre als die durch den Mängelbericht des TÜV entstandenen Kosten.

My car is my car.