Was die 1.000 Kilometer betrifft, die ich am vergangenen Wochenende vom Oberrhein an den Niederrhein und zurück gemacht habe, möchte ich doch noch ein paar Gedanken und Beobachtungen zur Sprache bringen.
Den südlichsten Teil der Strecke haben wir bis beziehungsweise ab Höhe Karlsruhe auf französischen Landstrassen und Autobahnen gemacht. Das ist einfach stressfreieres Fahren als auf der deutschen A5.
Auf dem Hinweg hatten wir zwei nennenswerte Staus. Vor dem ersten hatte uns Google Maps gewarnt und auf eine Ausweichstrecke geleitet, der zweite kam dann ganz plötzlich, kurz vor Köln. Alle bildeten sofort eine Rettungsgasse.
Für mich war das das erste Mal. Es hat prima funktioniert. Nacheinander rasten ein Dutzend Feuerwehr- und Krankenwagen, Notarzt- und Polizeiautos durch die Gasse. Wir machten uns schon auf einen längere Stop gefasst. Viele waren ausgestiegen und rauchten oder plauderten.
Schon nach 20 Minuten ging es dann plötzlich sofort wieder weiter. Wir kamen an der Unfallstelle vorbei, wo nur noch ein bisschen Sand auf der Fahrbahn zu sehen war, mit dem wahrscheinlich Blut oder Öl abgedeckt wurde, und zwei Unfallfahrzeuge, davon ein Porsche. Die hatte man wohl eilig an den Fahrbahnrand geschoben, sodass die Strecke wieder völlig frei war.
Es war kein Abschleppwagen zu sehen und die Unfallverursacher waren wahrscheinlich schon im Krankenwagen unterwegs ins Spital. Eigentlich war alles tadellos, perfekte Leistung aller Einsatzkräfte im Interesse eines möglichst ungehinderten Verkehrs.
Ich konnte mich auch gar nicht über ein paar Motorradfahrer ärgern, die manchmal einem Einsatzfahrzeug in der Rettungsgasse folgten, was natürlich völlig verboten ist. Mir sind Motorradfahrer meist sehr sympathisch.
Ich hab in meinem Leben schon einige von ihnen tot auf der Fahrbahn liegen sehen, konnte mich aber nie zu aufrichtigem Mitgefühl hinreissen lassen. Denn sie hatten ja den Kick gesucht und gefunden. Und solange sie nicht Andere mit sich ins Unglück ziehen, ist alles ok.
Auf der Rückfahrt auf derselben A61 zwei Tage später fuhren wir am Garzweiler Tagebau vorbei. Diese ganze Baustelle ist wirklich riesengross. Zwei Dörfer wurden schon dafür abgerissen und dieses angeblich „grösste Loch der Welt“ ist bis nach Amerika bekannt, wie mir mein Neffe versicherte, der dort lebt.
Was mir vor allem auffiel, war, dass rund um diese Braunkohleförderung schon sehr viele Windräder stehen, grosse Solarflächen und sogar ein ziemlich grosses Sonnenblumenfeld. Das hat mich irgendwie versöhnt. Ich denke, dass irgendwann dieses Riesenloch mal mit Wasser gefüllt und zu einem See wird und dass dann da wieder richtiges Leben einkehrt.
Was mich dort auf der Autobahn ganz besonders störte, waren die zahlreichen Niederländer. Fast jedes zweite Auto, das mich überholte, hatte ein gelbes Nummernschild. Es war wie ein Flüchtlingsstrom von Holländern, die gerade über ihre Landesgrenze gefahren waren und jetzt auf unseren Autobahnen mal heftig aufs Gaspedal drücken wollten.
Sehr zahlreich waren dann auch die Wohnmobile, die wohl den LKW-freien Sonntag für ein privates Rennen nutzen wollten. Lilli hat dann mal gegoogelt, ob vielleicht auf dem Nürburgring ein Rennen lief, das war aber nicht der Fall. Vielleicht fuhren sie zu einem der zahlreichen Weinfeste am Mittelrhein oder an der Mosel?
Jedenfalls sind die in grosser Schar gerast wie die Bekloppten. Einer ist mir mit seinem Wohnauto mal ziemlich arg ganz dicht hinten rangefahren, obwohl ich genau die Geschwindigkeitsbegrenzung einhielt. Der wollte mich wohl schieben.
Ich hab ihm dann mal ganz kurz meine Bremslichter gezeigt und das hat er dann auch kapiert und hat sofort runtergeschaltet und sich sogar so weit zurückfallen lassen, dass wieder andere Fahrzeuge zwischen ihm und mir einscheren konnten. Also die Holländer haben offensichtlich den Drang, bei uns auf der Autobahn zu fahren wie die Verrückten, weil sie bei sich zu Hause in Holland nicht so schnell fahren dürfen. Hoffentlich kommt bei uns wenigstens irgendwann mal Tempo 130. Ein Porsche ist jedenfalls schon mal ausgeschaltet.
Den Porsche-Fahrern und SUV-Lenkern kann ich nur wünschen, dass sie immer mehr auf Widerstand stossen.
Um den Bogen von unserer Geburtstagsfeier auf Garzweiler und die Grünen zu schlagen, möchte ich noch kurz ein Gespräch erwähnen, das mein Sohn, dessen Muttersprache ja Französisch ist, und mein Neffe, dessen Mutter meine deutschsprachige Schwester ist, ein interessantes Gespräch auf Englisch führten. Ich habe da nur zugehört und mich gefreut, dass die Beiden einer Meinung waren.
Mein Sohn, der zu Zeiten, als in Belgien noch die Grünen mitregierten, als Counsellor im Kabinett der Ministerpräsidentin der Wallonischen Regionalregierung war, erwähnte mehrmals die Analyse eines amerikanischen Autors, bei der es um Chaos Engineering geht. Ich glaube das so verstanden zu haben, dass es ungefähr wie folgt aussieht.
Die Geld- und Machthaber investieren ein Maximum in Politiker und Parteien, die gezielt Chaos in den Köpfen der Bevölkerung anrichten. Da sie manche der Vorschläge der Grünen schon in die Praxis umgesetzt haben, siehe Stopp der Atomenergie und Ausbau von Windkraft und Solarenergie, wollen sie jetzt unbedingt Fake News verbreiten, um alle Fortschritte als ihr eigenes Verdienst darzustellen und um die Ökobewegung so zu diskreditieren, dass sie auf keinen Fall in die Nähe der Regierungsfähigkeit rückt.
Wähler werden zusehends unsicherer und verwirrt und wissen nicht mehr, wem sie glauben und vertrauen können und wer woran schuld ist.
Daher immer wieder und in jeder noch so unpassenden Situation der idiotische Spruch: „An Allem sind nur die Grünen schuld!“
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