Was wir schon seit Längerem wussten

Folgendes. Früher dachte ich immer, wenn ich mal Rentner bin, dann können wir reisen. Dann haben wir Zeit für alles Mögliche.

Okay, Zeit haben wir, ich sowieso. Und Lilli? Hat sie auch? Sie hat Urlaube, lange Wochenenden und im Moment sogar Kurzarbeit. Was wir beide allerdings nicht haben, ist die Lust auf längere Reisen.

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Wir hatten ja schon mal ne Woche Flussschifffahrt auf dem Rhein und mal ne Woche auf der Donau. Dann waren wir mal an der Ostsee mit Lübeck und Hamburg, in Kempten im Allgäu, am Achensee in Österreich und am Thunersee in der Schweiz. Sogar mal ein paar Tage am Atlantik in der Normandie.

Ins nahe Elsass fahre ich eh oft zu einer Nachmittagstour, gerne auch mit Einkaufen von Käse, Keksen und so weiter. Oder nach Breisach und dort über den Rhein zum Eisessen in Neuf-Brisach.

Für einen längeren Urlaub können wir uns einfach nicht entscheiden. Einerseits, weil wir das Gefühl haben, wir hätten schon alles gesehen. Das ist natürlich Quatsch. Wir haben Im Gegenteil überhaupt noch nichts gesehen, was ausserhalb von Europa liegt. Das lassen wir auch gerne da liegen.

Muss man in Venedig mit ner Gondel fahren oder in Paris den Eiffeltum knipsen? Als Tourist irgendwo rumlaufen und die Umwelt verschmutzen?

In manchen Orten wie Mallorca, Ibiza oder Barcelona gehen die Einheimischen schon auf Demos gegen den Übertourismus. Wenn dort die Einheimischen keine Wohnung finden und die Reicheren unter ihnen per airbnb Wohnungen an Touristen vermieten, dann stimmt doch irgendwas nicht.

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Hans Magnus Enzensberger hat das schon Ende der 1950er Jahre auf die Formel gebracht: „Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet“.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich noch einen gemütlichen Sonntag daheim.

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Nachts sind keine Schweine Sau

Gestern war wieder Nachtschicht. Also nicht von mir, sondern von Lilli. Wenn sie Nachtschicht hat, dann habe ich immer lange Filmnacht. Dann gucke ich halt solche Sachen, die nur mich interessieren. Also das können Gerichtsshows sein oder auch mal irgendein Film oder King of Queens.

Jedenfalls habe ich gestern nur lineares Fernsehen geguckt, alles ohne Werbung, und ein bisschen rumgesucht und mal hier und mal da hängengeblieben. Irgendwo lief Bozen Krimi und woanders ein anderer öffentlicher Film oder so. Hab ich dann nicht geguckt sondern weitergezappt.

Dann kam auf ZDF eine Sandra Maischberger Talkshow mit Christian Drosten und Jan Josef Liefers. Da ging es um das Thema, wie und ob die Coronazeit jetzt nachträglich aufgearbeitet werden soll oder muss.

Direkt danach dann noch die Markus Lanz Show mit Sahra Wagenknecht und Anderen. War eigentlich auch ganz interessant. Jedenfalls waren das zwei lineare öffentliche Sendungen auf dem ZDF.

„Kontraste“ war dann eine Horrorshow, wo ich immer wieder weggucken musste. Wie diese Schlächter sich im Schlachthof kleine Ferkel zugeworfen und sie mit blossen Händen abgemurkst und auf Leichenhaufen draufgeschmissen haben. Alles heimlich gefilmt. Mir wäre da die Kamera aus der Hand gefallen.

Nächster Film handelte dann davon, was man mit KI alles machen kann. Ein weites Feld, würde den Rahmen meines bescheidenen Berichts über meine werbefreie öffentliche TV-Nacht sprengen.

Von 02.00 bis 02.30 Uhr hab ich dann mit Lilli gewhatsappt wie wir das meistens in ihrer Nachtschicht-Pause machen.

Ab 02.45 Uhr – ich lag schon im Bett – gab’s dann Trump versus Biden auf Phönix / CNN mit einem hervorragenden Simultandolmetscher. Mir war eigentlich nichts Schlimmes an Biden aufgefallen. Bin dann auch eingeschlafen.

Heute Morgen habe ich dann im Spiegel gelesen, der hätte sich total blamiert und so weiter. Also es wäre eine katastrophale Blamage gewesen. Man müsste unbedingt einen neuen Kandidaten aufstellen, weil der Biden, der ist halt einfach alt und wird es einfach nicht mehr bringen.

Ich hatte – naiv – irgendwie immer gedacht, der ist auf jeden Fall besser als der Trump. Wahrscheinlich sollten sie jetzt doch lieber mal eine Frau als Präsidentschaftskandidatin aufstellen.

Eine Frau, die es dem Trump mal so richtig geben würde.

Freiheiten

Wie man sich durch den Tag bewegt, das war früher meist festgelegt oder von der Sache her vorgegeben. Jetzt, da man Privatier ist, gibt es manchmal mehrmals täglich Momente, an denen man sich fragt: Was mache ich jetzt? Man ist ja völlig frei.

Ok. Heute, wie an jedem dritten Freitag des Monats, 18.30 Uhr Stammtisch. Diesmal im Markushof in Bad Bellingen. Das Restaurant des 3-Sterne-Hotels gilt als erste Adresse am Ort und wir hatten auch schon öfters da getagt.

Wir waren nur 7 Personen. Die Matjes-Saison hat ja gerade begonnen. Es gab also eine ganze Karte „Matjes Spezial“. So wie es vorher die Spargelkarte gab, war jetzt halt Matjes angesagt. Naja, mir hat’s geschmeckt, Lilli wohl eher weniger. 

Die Spargelsaison ist jetzt zu Ende und war dieses Jahr wohl auch nicht so besonders. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Das Interesse, um nicht zu sagen Theater um dieses hochgejubelte Gemüse lässt wohl etwas nach.

Hochwasser

Vormittags hatte ich noch eine Tour nach Breisach gemacht, wo ich neulich mal paar Hochwasser-Fotos gemacht hatte und wo am Abend, wie ich dort erfuhr, eine Mittsommerfeier stattfinden solte. Hin fuhr ich auf deutscher Seite und zurück auf französischer. Mit einem kleinen Abstecher nach Neuf-Brisach.

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An der Strasse dorthin gab es noch eine Bude mit „Asperges/Fraises“ (Spargel/Erdbeeren). Man muss halt dauernd Entscheidungen treffen. So viele Möglichkeiten. Nicht immer ganz leicht, das alles,

Route Freitag

In Heiteren, kurz vor Fessenheim, fuhr ich dann mal kurz rechts ran, um Lillis Eintrag zu lesen und meine Mails zu checken. Als ich mich dann der Rheinbrücke von Chalampé nach Neuenburg näherte, kamen mir besonders viele Fahrzeuge, insbesondere LKW, entgegen. Irgendwas musste da passiert sein.

Hinterher erfuhr ich, dass ein Lastwagen auf dieser Nadelöhr-Grenzübergangsbrücke von der Spur abgekommen war und mehr oder weniger in die Deko gefahren ist. Hat wohl Glück gehabt, dass er nicht in den Rhein reingefallen ist.

Unfall

Komisch

Eine ganze Woche lang war ich kürzlich ohne Auto. Dadurch hatte ich naturgemäss – und naturfreundlich – keinen Verbrauch an Treibstoff. Fürs Schreiben hatte ich gar gar keinen Antrieb.

Man braucht ja Bewegung, um geistig und körperlich in einigermassener Verfassung zu bleiben. Laufband statt Fahrrad ist allerdings drinnen statt draussen. Zu Fuss um den Block ist mir echt langweilig, bis zum Kurpark bräuchte ich wiederum ein – Auto.

Drinnen bewegt man sich ja schnell und langsam im Kreis. Ich greife gerne irgendwelche gedankliche Fetzen auf, die leider meist absolut nicht zu einem Eintrag reichen. So auch heute.

Vielleicht sollte ich ja mal an so einem Spiel oder Wettbewerb teilnehmen, wo man aus drei vorgegebenen Wörtern einen Text mit genau 100 zusammenspinnen muss. Also künstlich und notwendig unnatürlich bis unzusammenhängend.

Also nehmen wir mal an ich wäre Deutschlehrer. Sehr originell, aber nicht komisch. Die 3 Wörter wären hannebüchern, abgekatert und Kernspind. Was haben diese Wörter gemeinsam?

Sie sind alle falsch, Es heisst natürlich „hanebüchen“ ohne „r“ und hat nichts mit Büchern zu tun. Kommt von Baum, Hainbuche. Kernspin ist Magnetresonanz und hat nichts mit einem Spind zu tun. Und abgekartet kommt von Karte, nicht vom Kater.

Wieviel Wörter brauche ich noch? Bis hier sind es 202, gleich werden es 205 sein, kannst nachzählen.

208 zuviel.

Merci Opa

„Merci Opa!“

Männer, die die Welt verbrennen

Einfach das erste Bild anklicken, ohne Anmeldung, anonym und ohne Schnickschnack. Video dauert knapp 5 Minuten.

Die Vernichtung

Zu dem Mann, der heute vor 100 Jahren gestorben ist, fällt mir doch grade etwas ein. Ihm verdanke ich, dass ich vor knapp 50 Jahren als Student mal monatlich 713,45 DM für ein paar Stunden pro Woche verdient habe. Und das kam so.

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Mein Professor für Literaturwissenschaft, der an der Bergischen Universität Wuppertal die Kafka-Forschungsstelle leitete, suchte eine studentische Hilfskraft. Ich meldete mich, bekam einen Vertrag und eine genau definierte Aufgabe.

Ich musste die Zeitungsausschnitte auf Brauchbarkeit sortieren, die wir von einem Zeitungsausschnittsdienst zum Stichwort Kafka regelmässig geliefert bekamen.

Ein cooler Job.

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Wenn ich mich recht erinnere, waren es hauptsächlich Hinweise auf irgendwelche Veranstaltungen oder Ähnliches, was für die Kafka-Forschung letztlich völlig uninteressant war. Sie enthielten einfach das Stichwort Kafka in beliebigen Zusammenhängen.

Und landeten dann sofort im grossen Papierkorb der Literaturwissenschaft.

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