Bisher hatte ich ja immer die Autowaschanlage einer Tankstelle hier in der Nähe benutzt. Da musste ich dann an der Kasse anhalten, aussteigen, ein Ticket mit einer Nummer kaufen, wieder einsteigen, in die Waschstrasse fahren, wenn nicht grade noch mehrere Autos davorstanden und warteten, wieder aussteigen, draussen den Code eingeben, warten bis das Auto gewaschen war, und dann wieder einsteigen und losfahren.
Jetzt gibt es beim neuen Baumarkt hier in der Nähe eine ganz neue Waschstrasse mit Bedienung. Also nix Selbstbedienung. Man fährt einfach direkt zum Beginn der Waschstrasse, wo ein bis zwei Serviceleute stehen, und bleibt jedenfalls im Auto sitzen.
Durch das heruntergelassene Fenster reicht mir ein freundlicher Mensch, nachdem er einen Smalltalk mit mir gehalten hat, das Kartenlesegerät, so dass ich meine Kreditkarte kurz zum Bezahlen draufhalte.
Dann sagt er mir, dass ich in die Waschstrasse einfahren kann.
Der hatte mich vorher tatsächlich und freundlich interessiert gefragt, ob ich in Müllheim wohne oder im Krankenhaus arbeite. Na ja ich hatte halt eine weiße Hose an. Und eine Sonnenbrille, aber nicht die, mit der ich aussehe wie ein Zahnarzt. Der Mann war jedenfalls äusserst gut gelaunt bis geschwätzig. Er wollte noch wissen, was ich denn für einen Beruf hätte oder gehabt hätte.
„Übersetzer“ – „Welche Sprachen?“ – „Französisch, Englisch und Niederländisch.“ – „Niederländisch? Meine Tochter in Antwerpen…“ Ich wollte ihm dann noch weder mein Leben erzählen noch mir seins anhören, so durchs Autofenster, mit laufendem Motor, vor der lauten Waschstrasse.
Dann sollte ich das Fenster hochfahren und dann nicht mehr bremsen und nicht ans Lenkrad fassen.
Und los ging die wilde Fahrt. Schon schnell waren alle meine Fenster total zugeseift, so dass ich überhaupt nichts mehr sehen konnte. Aber es gab ja auch nichts zu sehen.
Doch, irgendwann kamen dann direkt vor meinem Auto so Geräte von oben runter, auf denen stand, sogar zweisprachig, weil wir hier ja viele französische Kundschaft in der Gegend haben, „Keine Angst, nicht bremsen, ich fahre gleich wieder hoch / N’ayez pas peur, je me soulève de suite“.
Dann kamen noch andere ziemlich bunte Bürsten, eine war glaub pink, und am Schluss kamen noch von rechts und links zum Abtrocknen so komische grüne stoffartige Lappen, die von rechts und links über mein Auto wedelten, also es war richtig was los.
Als ich dann am Ende der Waschstrasse ankam, stand da so eine Art Uhr, die von „Stop“ auf 10 schaltete und dann bis auf 1 runter zählte. Dann zeigte mir ein grüner Pfeil nach oben, dass ich jetzt wieder frei war.
So fühlte ich mich auch. Es war ein echtes Erlebnis und ich sass in einem blitzblank sauberen Auto, mit dem ich dann erst mal nach Frankreich fuhr.
Ich wollte mal wieder ein neues Dorf im Elsass durchkreuzen, Ensisheim, das ungefähr 30 km von uns zu Hause entfernt ist. Es war Mittagszeit und absolut nichts los.
Ich brauchte wieder nirgends auszusteigen. Wenn ich was fotografieren wollte, hielt ich kurz am Rand einer verkehrslosen Strasse, um durch die saubere Windschutzscheibe oder das erneut heruntergelassene Fenster zu fotografieren.
In dem Dorf war echt nichts los. Aber schön war’s. Action hatte ich ja schon genug in der Waschstrasse gehabt.
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