Als ich neulich im Massagesalon, so könnte der Text anfangen. Ich habe ja schon von verschiedenen Damen gesprochen, die sich gelegentlich um meine Füsse, Haare oder Zähne kümmern oder Übungen mit mir machen. Alles sehr intime und private Dinge, wobei einem normalerweise niemand zusieht.
Beim Massagesalon wird das dann noch etwas deutlicher. Ich war schon mal in so einem Thai-Laden, wo die Dame dann einen Vorhang zugezogen hat, bevor sie mich massierte.
Die Unterhose behielt ich an, war also nicht nackter als in einem normalen Schwimmbad, in dem sich auch Kinder und Erwachsene aller Geschlechter amüsieren.
Warum trennte mich bei der Massage ein Vorhang von der Umgebung ab, obwohl das Geschehen dahinter absolut jugendfrei war? Und wo ist überhaupt die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem?
Das Thema hat mich schon immer beschäftigt. Als Student schrieb ich eine Seminararbeit darüber.

Jetzt, da ich nicht nur die Studentenzeit sondern sogar eine ganze Berufslaufbahn hinter mir habe, bewegen mich immer noch oder schon wieder Fragen, die direkt oder indirekt damit zu tun haben.

Was kann, will oder soll man in veröffentlichten Texten oder auch unveröffentlichten Tagebüchern von sich preisgeben und was lieber nicht? Und warum? Oder warum nicht?
Soll die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung so fliessend sein wie die zwischen Scham und Freizügigkeit? Was will man mit welcher Art von Texten bei anderen oder sich selbst bewirken? Oder was verhindern?
Wenn ich in einen Massagesalon gehe, begebe ich mich mit meiner ganzen Privatheit in den öffentlichen Raum, in dem ich auf andere private Personen treffe, die massieren oder massiert werden.
Wo ist die Grenze, die man gewollt oder ungewollt überschreitet, wenn man darüber berichtet?
Sie verläuft wohl immer noch und fast ausschliesslich „untenrum“.
Fortsetzung folgt, oder auch nicht
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