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Zwei unterschiedliche Inkunabel-Ausgaben von Wilhelm Durands Speculum iudiciale aus 1499 bzw. 1501

Albert Hübls Inkunabelkatalog des Schottenstifts aus 1904 gibt unter der Nr. 176 einleitend folgende Angaben: 176. Duranti, Guilielmus: Speculum iudiciale cum additionibus Joannis Andreae et Baldi. Partes II, III, IV. Venedig, Baptista de Tortis, 17. Febr. 1493. Gr.-2°. 327 [90 Zll.] × 217 mm. [Pars III in 2 Exempl.].1

Es folgt eine genaue Beschreibung der drei vorhandenen Teile der Inkunabel sowie der Exemplarspezifika, wobei Hübl sich bei der Identifizierung etwas schwertut und lediglich vermerkt, dass es sich nicht um H *6515 handle. Inzwischen ist dieser Druck im Gesamtkatalog der Wiegendrucke als die 1499 von Bernardino Landriani herausgegebene und in Venedig bei Battista Torti gedruckte Ausgabe von Wilhelm Durands kanonistischem Werk identifiziert worden (GW 9161), die HC 6516 entspricht. Hübl war wohl irritiert von der Wiederverwendung des mit 1493 datierten Registerblatts der etwas älteren Ausgabe des gleichen Druckers (GW 9159), denn gleich folgend mit der Nr. 177 identifiziert er das einem der beiden Bücher beigebundene Inventarium speculi iudiciales des Berengar Frédol – bei ihm bezeichnet als „Duranti, Guilielmus: Repertorium ad speculum iudiciale“ – korrekt als HC 6516, also GW 9161.2

Was aus der Beschreibung Hübls nur schwer herauszulesen ist, ist der jeweilige Kontext der beiden angeführten Exemplare. Diese befanden sich einst an unterschiedlichen Stellen in der Bibliothek: Das eine Buch mit den Teilen 2 und 3 hatte die Signatur 31.a.7, das andere Buch mit den Teilen 3 und 4 sowie dem dazugehörigen Inventarium hatte die Signatur 59.b.9. Auf letzteren Band bezieht sich der bei Hübl zu lesende Vermerk des früheren Besitzers Liber Hainricj Rigl. Beide Bücher erhielten bei der Neuaufstellung der Inkunabeln gemeinsam mit den Handschriften in den 1910er-Jahren die Signatur Ink. 282, einmal mit dem Zusatz „(Hübl 176)“, einmal mit „(Hübl 176, 177)“. Die entsprechende Angabe im Gesamtkatalog der Wiegendrucke lautet verwirrenderweise „2 Ex., 1. Ex. Bl. 342-360, 2. Ex. Bl. 1-134 fehlen“, obwohl sie doch eigentlich „2 Ex., 1. Ex. Bl. 136-360, 2. Ex. Bl. 1-340 fehlen“ lauten müsste.3

Betrachtet man die beiden Bücher jedoch genauer, so stellt man fest, dass es sich keineswegs zweimal um die gleiche Manifestation handeln kann! Am deutlichsten wird dies bei der Schriftgröße der Blattzählung, welche beim ersten Buch deutlich größer ist als beim jedenfalls als GW 9161 anzusehenden zweiten Buch.

Es lag die Vermutung nahe, dass es sich beim ersten Buch mit den Teilen 2 und 3 und der ehemaligen Signatur 31.a.7 vielmehr um die Manifestation GW 9162 handle, von der der Gesamtkatalog der Wiegendrucke lediglich die Teile 1 und 2 kennt und eine Datierung in das Jahr 1499 vornimmt. Im Incunabula Short Title Catalogue (ISTC id00453300) wird dieser Druck jedoch, Douglas Osler folgend, eher um 1501 datiert und in Zusammenhang mit dem dezidiert aus 1501 vorhandenen Druck der Teile 3 und 4 sowie des Inventarium gesehen. Dieser Annahme folgten etwa auch die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) mit ihrem die Teile 1 und 2 umfassenden Exemplar (Ink 14.A.8) und die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULBT) in Innsbruck mit ihrem lediglich den Teil 1 umfassenden Exemplar (105 B 3).

Da in der Österreichischen Nationalbibliothek an anderer Stelle auch ein weiterer Druck des Werkes katalogisiert war (79.Dd.33), der vermeintlich die Teile 1 bis 3 aus 1501 und somit die im Schottenstift vorhandenen Teile umfasste, wurden vor Kurzem die beiden Bücher der Nationalbibliothek gemeinsam mit dem fraglichen Buch des Schottenstifts nebeneinander im Original begutachtet. Dabei konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Bei den beiden Exemplaren der Österreichischen Nationalbibliothek (Ink 14.A.8 und 79.Dd.33) handelt es sich um Teile der gleichen Ausgabe. Die Inkunabel-Teile 1 und 2 sind dort also doppelt vorhanden – die ÖNB somit um eine Inkunabel reicher!
  • Das aus zwei Bänden bestehende Exemplar 79.Dd.33 umfasst nicht nur, wie ursprünglich von der ÖNB katalogisiert, die Teile 1 bis 3 des Speculum iudiciale, sondern alle vier Teile und das dazugehörige Inventarium, ist also vollständig.
  • Somit wird die im ISTC geäußerte Vermutung bestätigt, dass es sich bei GW 9162 und die 1501 gedruckten Teile 3, 4 und Inventarium um eine Einheit handelt.
  • Beim Exemplar des Schottenstifts mit der ehemaligen Signatur 31.a.7, welches nun zur Unterscheidung von der ungleichen anderen Ausgabe die Signatur Ink. 282a erhalten hat, handelt es sich ebenfalls um Teile der gleichen Manifestation; beim ersten enthaltenen Teil 2 also um Teil 2 von GW 9162.

Inzwischen sind diese Erkenntnisse bereits in der Verbunddatenbank des Österreichischen Bibliothekenverbundes umgesetzt (https://permalink.obvsg.at/AC10848741 mit hierarchischer Beschreibung). Dank gilt Katharina Kaska, der Direktorin der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der ÖNB, sowie Mira Krall, der für den Inkunabelbestand der ÖNB zuständigen Mitarbeiterin, für die unkomplizierte Ermöglichung des Originalvergleichs und die Anpassung und Erweiterung der Katalogisate. Mit Veröffentlichung dieses Beitrags wurden auch die Redaktionen des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke und des Incunabula Short Title Catalogue über die Identifizierung in Kenntnis gesetzt.

  1. Albert Hübl, Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (Wien–Leipzig 1904), 89–91 Nr. 176. []
  2. Ebd., 91 Nr. 177. []
  3. Der Gesamtumfang des Drucks GW 9161 ohne Inventarium beträgt 528 Bl. (inklusive leerer Blätter): Teil 1 Bl. 1–134, Teil 2 Bl. 135–340, Teil 3 Bl. 342–360, Teil 4 Bl. 361–527. []

Digitalisate aller Mikrofilme von Handschriften online

Im Jahr 1966, vor genau 60 Jahren, wurden im Rahmen eines großangelegten Unternehmens der Saint John’s University in Collegeville, Minnesota, welches sich den österreichischen Klosterbibliotheken widmete, auch die Handschriften des Schottenstifts mikroverfilmt. Hieraus erwuchs die Monastic Manuscript Microfilm Library, die später in Hill Monastic Manuscript Library umbenannt wurde und heute den Namen Hill Museum & Manuscript Library (HMML) trägt.

Bereits seit den 2000er-Jahren bestand die relativ unkomplizierte und vergleichsweise günstige Möglichkeit, für Forschungszwecke Digitalisate dieser Mikrofilme von HMML anfertigen zu lassen. Obwohl größtenteils nur schwarzweiß und bereits jahrzehntealt, erweisen sich diese Aufnahmen für die meisten Fragestellungen als völlig ausreichend, sodass im Laufe der Jahre zahlreiche Forschende, insbesondere aus dem Ausland, diese Alternative zum Textstudium vor Ort genutzt haben – wodurch wiederum auch die Handschriftenoriginale geschont wurden.

Nun aber wurde ein Schritt weitergegangen: Auf der Basis einer aktualisierten Vereinbarung zwischen HMML und Schottenstift wurden in den letzten Monaten auch alle noch ausstehenden Mikrofilme digitalisiert. Einst erfasst wurden neben allen mittelalterlichen Handschriften auch jene des 16. Jahrhunderts sowie vereinzelt jüngere Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts. Ab sofort sind daher sämtliche Mikrofilmdigitalisate von insgesamt 454 Handschriften des Schottenstifts online über den HMML Reading Room frei zugänglich.

Um dort den Gesamtbestand des Schottenstifts zu finden, ist eine Suche mit folgenden Kriterien notwendig: Country = Austria; City = Vienna; Library = Schottenstift. Alternativ kann natürlich auch auf das Webportal Manuscripta der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zurückgegriffen werden, wo die einzelnen Handschriften des Schottenstifts mit ihren jeweils korrespondierenden HMML-Datensätzen verlinkt sind.

Einige historische Notizen zur Mikroverfilmung im Schottenstift in den 1960er-Jahren finden sich übrigens in einem alten Blogbeitrag von Matthew Heintzelman, Kurator für Westeuropäische Handschriften und Spezialsammlungen der HMML, in welchem dieser auch die Eindrücke seines Besuchs im Schottenstift im Jahr 2013 festgehalten hat.

Einige Bemerkungen zu Archivordnung und Benutzungsordnung

Eben in den Mitteilungen zu den Kulturgütern der Orden erschienen ist die überarbeitete Fassung des Vortrags, den Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier Anfang dieses Jahres beim Studientag „Forschen willkommen! Zugänge zum Archiv gestalten“ gehalten hat:

Maximilian Alexander Trofaier, Ordnungen für die Benutzung. Einige Bemerkungen zur Regelung der Benutzung katholisch-kirchlicher Archive mittels Archivordnung und Benutzungsordnung, in: Mitteilungen zu den Kulturgütern der Orden 11 (2026), 15–22.

Der Autor beleuchtet darin die unterschiedlichen Archiv- und Benutzungsordnungen in österreichischen Diözesan- und Ordensarchiven, welche für die geforderte Zugänglichkeit für Forschung und Öffentlichkeit notwendig sind, und geht der Frage nach, wie solche Regelwerke praxisnah gestaltet und weiterentwickelt werden können.

Verzeichnis der Plansammlung

Bereits vor fünf Jahren konnten die Ordnung und Verzeichnung der Plansammlung des Schottenstifts vorläufig abgeschlossen werden; Ergebnis war damals eine Beschreibung des Bestands und seiner Serien, die auch online zugänglich gemacht wurde. Die detaillierte Verzeichnung bis auf Einzelstückebene war hingegen bislang nur in der lokalen Archivdatenbank einsehbar, weshalb Benutzerinnen und Benutzer für konkrete Recherchen weiterhin auf eine Auskunft des Archivars angewiesen waren.

Um diese Situation zu verbessern, wurde nun ein eigenes umfassendes Verzeichnis der Plansammlung erstellt, welches ebenfalls über die Webseite des Archivs heruntergeladen werden kann. Es stellt einen Auszug aus der Verzeichnung in der Archivdatenbank und dabei einen Kompromiss zwischen Ausführlichkeit, Übersichtlichkeit und Kompaktheit dar – ist somit nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung der Bestandsbeschreibung anzusehen. Im Verzeichnis angegeben werden die Verzeichnungselemente betreffend die Identifikation sowie Form und Inhalt der Verzeichnungseinheiten. Für Angaben zum Kontext (Provenienz, Verwaltungsgeschichte, Bestandsgeschichte), zur inneren Ordnung, zu Zugangs- und Benutzungsbestimmungen, zu sachverwandten Unterlagen sowie zur Verzeichnungskontrolle sind weiterhin stets die Bestandsbeschreibung und die Archivdatenbank heranzuziehen.

Ziel des Archivs des Schottenstifts ist es, in Zukunft auch weitere solche die Bestandsbeschreibungen ergänzende Verzeichnisse zu veröffentlichen.

Bibliothekskatalog online

Wer bislang den Bibliotheksbestand des Schottenstifts (abseits von Handschriften und Inkunabeln) benutzen wollte, war vor allem auf den zehnbändigen handschriftlichen Katalog der Stiftsbibliothek angewiesen, der nur vor Ort eingesehen werden kann und dazu manche Lücke aufweist; darüber hinaus auf einige weitere handschriftliche Spezialkataloge und ‑listen sowie für den neueren Bestand auf einen maschinenschriftlichen Zettelkatalog. Seit 2022 arbeitet das Schottenstift jedoch als Mitglied des Österreichischen Bibliothekenverbundes (OBV) an einer kontinuierlichen digitalen Retrokatalogisierung, vorerst mit Fokus auf den historischen Druckschriftenbestand vor 1900. Diese erfolgt direkt im cloudbasierten Bibliothekssystem Alma-ASP, neue Katalogisate scheinen in der Regel bereits am Folgetag online auf.

Eine Online-Suche im Bestand des Schottenstifts ist über einen Direkteinstieg in die Suchmaschine des Bibliothekenverbundes möglich: https://search.obvsg.at/obv-at-schotten.

Auch bei einer allgemeinen Suche nach einem bestimmten Suchbegriff im gesamten Verbundkatalog kann die Ergebnisliste anhand des Filters „Bibliothek“ auf Ergebnisse aus dem Schottenstift eingeschränkt werden.

Einer von mehreren Vorteilen der Katalogisierung im Rahmen des OBV ist die Möglichkeit der Übernahme einer hohen Zahl an vorhandenen Titeldatensätzen aus dem Verbund, da es vor allem mit der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universitätsbibliothek Wien viele Überschneidungen im Bestand gibt. Zugleich wird aber auch eine nicht geringe Zahl an Katalogisaten vom Schottenstift neu in die Verbunddatenbank eingebracht – werden also zahlreiche Werke überhaupt erstmals in Österreich nachgewiesen.

Die Gesamtzahl der Katalogisate des Schottenstifts nähert sich derzeit mit schnellen Schritten immerhin der 10.000er-Marke. Bei rund der Hälfte davon handelt es sich um vor 1800 erschienene Werke. Bereits abgeschlossen ist die Katalogisierung des gesamten Inkunabelbestands, welcher zuvor nur über dezentrale Plattformen recherchierbar war.

Eine vollständige Katalogisierung des Bibliotheksbestands des Schottenstifts – Schätzungen gehen von rund 200.000 Bänden aus – wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen (sofern sie überhaupt jemals erreicht werden kann), doch jede Woche kommen online neue Titel hinzu. Es lohnt sich also, immer wieder einen Blick in den Verbundkatalog zu werfen. Für die online noch nicht erfassten Druckschriften bleibt zumindest weiterhin die Option der Recherche im handschriftlichen Bandkatalog vor Ort.

Aktualisierung am 26. März 2026:
Das Beitragsbild wurde hinzugefügt.

Geo-Reportage über Brotkäferbefall

In der jüngsten Ausgabe des Geo-Magazins vom März 2026 ist eine Reportage über den am Naturhistorischen Museum Wien tätigen Schädlingsexperten Pascal Querner erschienen, in welcher auch der im Vorjahr aufgetretene (und vorerst erfolgreich bekämpfte) Brotkäferbefall in der Bibliothek des Schottenstifts thematisiert wird.

Geo 03/2026 (Foto: Klaus Pichler).

Studientag „Forschen willkommen!“: Archivordnung und Benutzungsordnung

Am 26. Jänner 2026 fand im Kardinal-Schwarzenberg-Haus in Salzburg unter dem Titel „Forschen willkommen! Zugänge zum Archiv gestalten“ der diesjährige Studientag der Fachgruppe der Archive der anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften im Verband Österreichischer Archivarinnen und Archivare (VÖA), der gemeinsam mit dem Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz, der Arbeitsgemeinschaft der Diözesanarchive Österreichs und dem Archiv der Erzdiözese Salzburg organisiert wird, statt. Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier sprach dort zum Thema „Archivordnung und Benutzungsordnung in Ordensarchiven“. In seinem Vortrag erläuterte er, dass die Öffnung der kirchlichen Archive für externe Benutzerinnen und Benutzer zugleich theologischer Auftrag und datenschutzrechtliche Notwendigkeit sei. Basis für eine geregelte Benutzung seien eine Archivordnung und eine Benutzungsordnung; diese sollten jedoch auch wirklich den tatsächlichen Gegebenheiten eines einzelnen Archivs entsprechen. Nach einer Betrachtung der für die katholisch-kirchlichen Archive in Österreich geltenden Regelungen und vorhandenen Vorlagen wurden daher einige aus der Praxis des Vortragenden erwachsene Vorschläge zu Einzelaspekten, welche oftmals wenig Beachtung finden, aber einer besseren Orientierung für Benutzerinnen und Benutzer dienen können, unterbreitet.

Ein Bericht über die gesamte Veranstaltung ist auf der Website der Österreichischen Ordenskonferenz erschienen.

Foto: Johannes Leitner.

Buch über die irischen Schottenmönche in Wien

Diesen Herbst erscheint im EOS-Verlag eine von Stiftsarchivar und ‑bibliothekar Maximilian Alexander Trofaier verfasste neue Monographie zur Geschichte des Schottenstifts:

Maximilian Alexander Trofaier, Die irischen Mönche des Wiener Schottenklosters (1155–1418) (Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige. Ergänzungsband 59, St. Ottilien 2025).

Das Schottenstift gehörte von seiner Gründung 1155 bis zum Einsetzen der Melker Reform 1418 bekanntlich zum Verband der irischen Schottenklöster. Sein Konvent spielte eine bedeutende Rolle im religiösen, wirtschaftlichen und politischen Leben der Stadt und des Landes Österreich. Die vorliegende Arbeit möchte einen personengeschichtlichen Zugang zum Leben der irischen Benediktinermönche sowie zu deren Beziehungen zum Hof, zur städtischen Bevölkerung und zu anderen geistlichen Institutionen erschließen. Die Basis hierfür bietet eine breitgestreute Palette bereits bekannter sowie bislang unberücksichtigter Quellen, die mit den Methoden der Quellenkritik einer Neubewertung unterzogen werden. Zugleich bezieht die Arbeit zahlreiche in der jüngeren Vergangenheit publizierte Überlegungen erstmals neu in den hausgeschichtlichen Diskurs ein.

Monographie von Maximilian Alexander Trofaier über die irischen Mönche des Wiener Schottenklosters

Musikeditionen der Sakralwerke Joseph Eyblers

Mit zu den bedeutendsten Beständen der Musiksammlung des Schottenstifts zählt der musikalische Nachlass des Komponisten Joseph Eybler (1765–1846). Dieser war von 1794 bis 1824 Regens­chori im Schottenstift, ab 1804 aber auch Vizehofkapellmeister unter Antonio Salieri und ab 1824 dessen Nachfolger als Hofkapellmeister. Die autographen Urtexte seiner eigenen Kompositionen überließ Eybler jedoch seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Schottenstift.

Bereits seit einigen Jahrzehnten erfährt Eyblers Musik wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Seit Kurzem arbeitet nun der Salzburger Musikverleger Wolfgang Esser-Skala an einer Gesamtedition von Eyblers Sakralmusik. Die Besonderheit dabei: Sämtliche Partituren und Stimmen der Edition Esser-Skala werden als freie Inhalte veröffentlicht und können kostenlos als PDFs heruntergeladen werden. Darüber hinaus sind von ausgewählten Werken gedruckte Partituren zum Selbstkostenpreis über Kindle Direct Publishing erhältlich.

Momentan sind sieben Messen und 40 kürzere liturgische Gesänge verfügbar; aus dem Bestand des Schottenstifts stammen die Missa Sancti Josephi, die Missa Sancti Leopoldi, die Missa Sancti Michaelis, die Missa Sancti Mauritii und die Missa Sancti Wolfgangi sowie 35 kürzere Werke. Weitere Editionen sollen folgen.

Artikelserien von Georg Kugler (1935–2024) zur Schottenkirche

Am 18. August 2024 verstarb der Historiker Georg Kugler, langjähriger Direktor der Kaiserlichen Wagenburg und des Monturdepots sowie kurzzeitig interimistischer Erster Direktor und dann mehrere Jahre stellvertretender Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien, im 90. Lebensjahr. Dem Schottenstift stand Kugler beratend und unterstützend bei der Eröffnung des Museums im Schottenstift im Jahr 1994 zur Seite, wofür ihm seitens des Klosters großer Dank gebührt. Als Mitglied der Schottenpfarre veröffentlichte er aber auch zwei spannende Artikelserien zur Kunstgeschichte der Schottenkirche im Pfarrblatt, die an dieser Stelle nochmals in Erinnerung gerufen werden sollen:

Serie „Kunst in der Schottenkirche“

  • Georg Kugler, „Seit mehr als acht Jahrhunderten haben hier Menschen gebetet und Gott gelobt …“. Die Schottenkirche – Ort und Erscheinungsbild (Kunst in der Schottenkirche 2), in: Schottenpfarrblatt Nr. 4 (2003) 3.
  • Georg Kugler, „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“. Der Hochaltar der Schottenkirche (Kunst in der Schottenkirche 3), in: Schottenpfarrblatt Nr. 6 (2004) 3.
  • Georg Kugler, „Ut in omnibus glorificetur Deus“ (1 Petr. 4,11). Der Altarraum (Kunst in der Schottenkirche 4), in: Schottenpfarrblatt Nr. 8 (2004) 3.
  • Georg Kugler, Maria Himmelskönigin. Das Querschiff – Marienaltar (Kunst in der Schottenkirche 5), in: Schottenpfarrblatt Nr. 11 (2005) 3.
  • Georg Kugler, Der Hl. Sebastian. Das Querschiff – Sebastiansaltar (Kunst in der Schottenkirche 6), in: Schottenpfarrblatt Nr. 12 (2005) 3.
  • Georg Kugler, Der Hl. Benedikt. Das Langhaus – Benedikts- und Gregoraltar – Der Benediktsaltar (Kunst in der Schottenkirche 7), in: Schottenpfarrblatt Nr. 14 (2006) 3f.
  • Georg Kugler, Der Hl. Gregor. Der Gregoraltar (Kunst in der Schottenkirche 8), in: Schottenpfarrblatt Nr. 16 (2006) 3.
  • Georg Kugler, „Hl. Anna und Hl. Barbara“. Der Altar der Hl. Anna – Der Barbara-Altar (Kunst in der Schottenkirche 9), in: Schottenpfarrblatt Nr. 18 (2007) 3f.
  • Georg Kugler, Der Hl. Wolfgang. Das Südportal – Das Nordportal – Der Hl. Wolfgang (Kunst in der Schottenkirche 10), in: Schottenpfarrblatt Nr. 20 (2007) 3.
  • Georg Kugler, Gebet, Studium und Arbeit. Das monastische Leben zur höheren Ehre Gottes und als Dienst an den Menschen. Die Decke des Langhauses – Benediktinischer Bilderzyklus (Kunst in der Schottenkirche 11), in: Schottenpfarrblatt Nr. 22 (2008) 3.
  • Georg Kugler, Christus resurrexit a mortuis! Der Christologische Bilderzyklus (Kunst in der Schottenkirche 12), in: Schottenpfarrblatt Nr. 23 (2008) 3.
  • Georg Kugler, „Pia et salubris est intentio …“. Die Schottenabtei als geistliches Zentrum der Babenberger. Die Bilder unter der Orgelempore (Kunst in der Schottenkirche 13), in: Schottenpfarrblatt Nr. 26 (2009) 3.
  • Georg Kugler, „Insignia Convent. B.M.V. ad Scotos Viennae“. Wappen in der Schottenkirche (1): Stiftswappen und Äbtewappen (Kunst in der Schottenkirche 14), in: Schottenpfarrblatt Nr. 29 (2009) 3.
  • Georg Kugler, „Dem Andenken an …“. Wappen in der Schottenkirche (2): Adelsfamilien. Die Wappen im Langhaus – Die Grabmäler (Kunst in der Schottenkirche 15), in: Schottenpfarrblatt Nr. 30 (2010) 3f.

Serie „Denkmäler und Epitaphien“

  • Georg Kugler, In memoriam … Grabdenkmäler in der Schottenkirche als Zeugnisse von Frömmigkeit und Glaubenseifer (Denkmäler und Epitaphien), in: Schottenpfarrblatt Nr. 35 (2011) 3.
  • Georg Kugler, Hier ruht das hochadelige Ehepaar. Das Grabmal des Grafen Windischgraetz und seiner Gattin, der Gräfin Khevenhüller (Denkmäler und Epitaphien 2), in: Schottenpfarrblatt Nr. 36 (2011) 3.
  • Georg Kugler, „Illustrissimus ac generosus Dominus“. Der Gedenkstein des Reiteroffiziers Ludwig von Prevost (Denkmäler und Epitaphien 3), in: Schottenpfarrblatt Nr. 38 (2012) 3.
  • Georg Kugler, „… der beider bitteren Tod kaum ertragen hätte.“. Das Grabmal der Gräfin Ulfeld und ihrer Tochter (Denkmäler und Epitaphien 4), in: Schottenpfarrblatt Nr. 40 (2012) 3f.
  • Georg Kugler, „Ich bin das Brodt des Lebens, wehr zu mir khombt, der wirdt nicht hüngern.“. Der hölzene Totenschild zum Andenken an Philipp Friedrich Breiner (Denkmäler und Epitaphien 5), in: Schottenpfarrblatt Nr. 42 (2013) 3.
  • Georg Kugler, „Dic «Requiem», viator, abi et vale!“. Das Grabmal des Reichsgrafen Heinrich Ernst Rüdiger Starhemberg (1) (Denkmäler und Epitaphien 6), in: Schottenpfarrblatt Nr. 44 (2013) 3.
  • Georg Kugler, „Quem plango, Tu plora, Grate Civis …“ Das Grabmal des Reichsgrafen Heinrich Ernst Rüdiger Starhemberg (2) (Denkmäler und Epitaphien 7), in: Schottenpfarrblatt Nr. 45 (2013) 3.
  • Georg Kugler, „Multa in re militari partim nova attulit, partim meliora fecit“. Das Grabmal des Grafen Ludwig Andreas Khevenhüller (1) (Denkmäler und Epitaphien 8), in: Schottenpfarrblatt Nr. 47 (2014) 3.
  • Georg Kugler, „Tandem, ut vixit, pie requievit in Domino“. Das Grabmal des Grafen Ludwig Andreas Khevenhüller (2) (Denkmäler und Epitaphien 9), in: Schottenpfarrblatt Nr. 48 (2014) 3.
  • Georg Kugler, „Sub hac Crypta quiescunt Ossa …“. Das Grabmal von Graf Wolfgang Andreas Ursini-Rosenberg (Denkmäler und Epitaphien 10), in: Schottenpfarrblatt Nr. 51 (2015) 3.
  • Georg Kugler, „Memoriae dilecti Filii, Coniugis ac Fratris“. Das Grabmal des ermordeten Grafen Joseph Paris Ursini-Rosenberg (Denkmäler und Epitaphien 11), in: Schottenpfarrblatt Nr. 52 (2015) 3.
  • Georg Kugler, „Qui reliquit exempla virtutis, fidei, amoris“. Das Grabmal des Grafen Johannes Adolph von Metsch (Denkmäler und Epitaphien 12), in: Schottenpfarrblatt Nr. 56 (2016) 3.
  • Georg Kugler, „Hir liget Sein Excellentz die Hoch und Wohlgebohrne Frau …“. Die Grabmäler des Ehepaars Aichbichl (Denkmäler und Epitaphien 13), in: Schottenpfarrblatt Nr. 57 (2016) 3.
  • Georg Kugler, „Josephae … Conjugi ob Exim. Virt. max. dilectae“. Das Grabmal der Gräfin Windisch-Graetz (Denkmäler und Epitaphien 14), in: Schottenpfarrblatt Nr. 60 (2017) 3.
  • Georg Kugler, „In Memoriam … “. Die Epitaphien in der Schottenkirche – ein Raumplan (Denkmäler und Epitaphien – Ende der Serie), in: Schottenpfarrblatt Nr. 61 (2017) 4f.
  • Georg Kugler, „Ave, Anima carae Conjugis, vive in D(omi)no!“. Zwei lateinische Gedenktafeln: für Gräfin Maria Theresia von Demari und Markgraf Carl Ludwig Beauffort-Mondicourt (Denkmäler und Epitaphien – Appendix A), in: Schottenpfarrblatt Nr. 64 (2018) 3.
  • Georg Kugler, „Dem Andenken an Edmund von Fetzer“. Gedenktafel für den Hofmarschall und seine Gemahlin (Denkmäler und Epitaphien – Appendix B), in: Schottenpfarrblatt Nr. 67 (2019) 3.

Digitalisate aller Ausgaben des Schottenpfarrblatts mit den Artikeln Georg Kuglers können auf der Website der Schottenpfarre heruntergeladen werden.

Eine weitere Vitas Patrum-Inkunabel im Schottenstift

In der Inkunabelsammlung des Schottenstifts findet sich eine Ausgabe des hagiographischen Werkes Vitas patrum, welche im Gegensatz zu drei anderen Ausgaben nicht vom gedruckten Inkunabelkatalog Albert Hübls aus 1904 erfasst wurde und somit bislang offenbar keinen Eingang in gängige nationale und internationale Kataloge erfahren hat.1 Wie sich nun ergeben hat, handelt es sich bei Ink. 25b um ein Exemplar der um 1478/80 bei Johann Zainer in Ulm gedruckten Ausgabe des Werks (GW M50882, ISTC ih00200000), dem jedoch das Register (10 Bl.) sowie fol. 1–9 und fol. 375 fehlen.

Diese dem Buch sowohl am Beginn als auch am Ende fehlenden Blätter hatten bislang eine schnelle Identifizierung erschwert. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende schmucklose Einband des Buches deutet darauf hin, dass es wohl erst um diese Zeit vom Schottenstift erworben worden sein dürfte. Auf dem Katalogzettel des Bibliothekars Othmar Helferstorfer (1838–1861, Abt 1861–1880) wird das Buch mit der Standortsignatur 57.d.5 ohne weitere Details schlicht als „Sin. tit. Vitae Sanctorum“ beschrieben. Diese Bezeichnung findet sich auch im späteren Bandkatalog des Bibliothekars Vincenz Knauer (1878–1894) – durchaus in Unterscheidung zu den danach als „Vitae Patrum“ benannten Büchern.

Der Bibliothekar Albert Hübl (1901–1931), der nicht nur die gedruckten Kataloge der Handschriften (1899) und Inkunabeln (1904) verfasste, sondern um 1909 auch die Neuaufstellung bei gleichzeitiger Neusignierung dieser Bestände vornahm, erkannte das Buch zwar als Inkunabel, identifizierte es aber nicht korrekt. In seinem Handexemplar des gedruckten Inkunabelkatalogs trug er das Buch mit der Katalognummer 263b als „Jacobus de Voragine, Historia Lombardica ?!“ ein, wobei die eigentlich nicht existierende Katalognummer lediglich der alphabethischen Einordnung bei Jacobus diente und sonst keine Implikationen hatte.2 Mit der Signatur „25b“ wurde es in die Inkunabelsammlung eingereiht, was darauf hindeutet, dass dies erst nach der Neuaufstellung der Sammlung irgendwann in den 1910er- oder 1920er-Jahren erfolgt sein dürfte. Auch diese Signatur hat keine spezielle Bewandtnis und dürfte bei der nach Formaten aufgestellten Sammlung schlicht auf eine für einen Einschub günstige Position im Regal hindeuten.

Da diese für die Sammlung ungewöhnliche Signatur offenbar irritierte, wurde Ink. 25b ab Ende des 20. Jahrhunderts nach der Rückstellung eines als Postinkunabel erkannten Buches auf dessen ursprünglichen Standort in der Alten Bibliothek intern vorübergehend unter dessen freigewordener Signatur Ink. 43 geführt. Zur Vermeidung von Verwirrungen wurde die Vitas patrum-Ausgabe, deren Umsignierung ohnedies nie veröffentlicht worden ist, nun jedoch wieder auf Ink. 25b rücksigniert.

Ink. 25b, fol. 10r. – Vitas patrum (Ulm, um 1478/80). Im Exemplar des Schottenstifts ist dies das erste Blatt.
Ink. 25b, fol. 10r. – Vitas patrum (Ulm, um 1478/80). Im Exemplar des Schottenstifts ist dies das erste Blatt.

Dass es sich bei dem Buch nicht um die Legenda aurea, sondern um eine Ausgabe der Vitas patrum handelt, ist bald ersichtlich, wenn man sich ein wenig mit den betreffenden Werken auseinandersetzt. Anhand von im Internet einsehbaren Volldigitalisaten verschiedener Ausgaben konnte vonseiten der Stiftsbibliothek nun aber auch relativ leicht die konkrete Ausgabe identifiziert werden.3 Mit Veröffentlichung dieses Beitrags wurden auch die Redaktionen des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke, des Incunabula Short Title Catalogue sowie des Inkunabelzensus Österreich über die Identifizierung in Kenntnis gesetzt.

  1. Albert Hübl, Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (Wien–Leipzig 1904). Die enthaltenen Ausgaben sind Hübl-Nr. 243 = GW M50868 (eingebunden in Cod. 371), Nr. 244 = GW M50888 (Ink. 258) sowie Nr. 245 = GW M50858 (Ink. 162, möglicherweise jedoch eine Postinkunabel). []
  2. Dass Hübl, der 1913 sogar zum Mitglied der österreichischen Inkunabelkommission berufen worden war, sich nicht weiter um eine Identifizierung des Werks bemühte, mag wohl mit seiner Mehrfachbelastung als Bibliothekar, Archivar, wissenschaftlich tätiger Historiker, Lehrer und ab 1919 auch Direktor des Schottengymnasiums zusammenhängen. Zu seiner Person siehe den Beitrag P. Albert Hübl – Bibliothekar, Archivar, Gymnasialdirektor in diesem Blog. []
  3. Einen Überblick über vorhandene Volldigitalisate bietet die Sachtitelseite in der Datenbank des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke. Ein Digitalisat der vorliegenden Ausgabe stellt die Bayerische Staatsbibliothek über das Münchener DigitalisierungsZentrum bereit. []

Neue Ordnungen für Archiv und Bibliothek

Bereits seit eineinhalb Jahren stehen im Schottenstift Archiv und Bibliothek unter einer gemeinsamen Leitung. Um jedoch die jeweiligen Eigenheiten dieser beiden miteinander verknüpften, aber doch grundsätzlich voneinander zu unterscheidenden Einrichtungen weiterhin besser berücksichtigen zu können, wurden nun zum einen die bestehende Archivordnung überarbeitet und zum anderen eine gänzlich neue Bibliotheksordnung erlassen. Letztere lehnt sich zwar an erstere an, weist aber dort, wo es notwendig ist – etwa bei den Zwecken und Aufgaben oder bei der Benutzungsberechtigung – auch wesentliche Unterschiede auf. Ergänzt werden diese beiden Ordnungen durch eine überarbeitete gemeinsame Benutzungsordnung, welche sich sowohl an externe als auch an interne Benutzerinnen und Benutzer richtet.

Alle drei Ordnungen treten mit 1. Juli 2023 in Kraft und können über die Webseiten des Archivs und der Bibliothek (jeweils im Bereich „Information“) heruntergeladen werden.

Archiv und Bibliothek unter einer Leitung

Bereits seit über einem halben Jahr in Geltung, an dieser Stelle aber bislang noch nicht kundgetan, ist eine wesentliche neue Kompetenzverteilung im Bereich von Archiv und Bibliothek des Schottenstifts:  Mit Wirkung vom 1. Jänner 2022 wurde Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier zusätzlich zu seinem bisherigen Amt von Abt Nikolaus Poch zum Stiftsbibliothekar ernannt und ihm damit die Leitung der gesamten Stiftsbibliothek übertragen. Seine Zuständigkeit umfasst somit neben der bereits zuvor vom Stiftsarchiv betreuten Handschriften- und Inkunabelsammlung sowie der Musiksammlung vollumfänglich auch die sogenannte „Alte Bibliothek“ (die älteren Buchbestände sowie die Numismatische Sammlung und die Grafiksammlung als nicht direkt bibliothekische Sondersammlungen) und die sogenannte „Neue Bibliothek“ (die neueren Buchbestände).

Archiv und Bibliothek sind grundsätzlich voneinander zu unterscheidende Einrichtungen mit jeweils eigenen Zwecken und Methoden – allerdings gibt es zwischen diesen beiden Entitäten auch eine Fülle an Berührungspunkten und Überschneidungen. Im Stiftsarchiv wurden in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von wichtigen Maßnahmen gesetzt und Strategien entwickelt, die nun auch in der Stiftsbibliothek zur Anwendung kommen können. Durch die Vereinigung der Leitung von Archiv und Bibliothek werden nun nicht nur Synergieeffekte in den Bereichen der Administration (v. a. bei Aufgaben- und Projektmanagement, Ressourcen- und Sicherheitsmanagement, Budgetplanung und Dokumentation), der Bestandserhaltung (bei Prävention, Konservierung und Restaurierung), der Nutzbarmachung und Vermittlung (v. a. bei Benutzerbetreuung, Ausstellungswesen und Öffentlichkeitsarbeit) sowie der Infrastruktur erzielt, sondern es ergeben sich aufgrund der Vermeidung doppelter Strukturen auch mehr Kapazitäten für die tatsächliche Bestandserschließung.

Unterstützt wird Trofaier weiterhin von seiner Mitarbeiterin Archivarin Larissa Rasinger, die nun auch Aufgaben als Bibliothekarin wahrnimmt, sowie vom bisherigen Stiftsbibliothekar P. Augustinus Zeman, dem weiterhin die wissenschaftliche Betreuung der Münzen und Medaillen obliegt. Um den Ankauf der theologischen Literatur kümmert sich bis auf Weiteres noch dessen Vorgänger P. Georg Braulik.

Schenkung an die Universität Graz

Im Zuge von Aufräumarbeiten im Stiftsarchiv wurde dieses Frühjahr ein kleiner unverzeichneter Teilnachlass des Schweizer Romanisten Jules Cornu (1849–1919) gefunden. Es war unklar, wie die zwölf Mappen, bezeichnet als „J. Cornu metrischer Nachlaß“, ins Schottenstift gelangt waren; ein Verdacht ist, dass sie über den Nachlass einer der am Schottengymnasium tätigen Altphilologen, vielleicht P. Paulus Lieger (1865–1944), ins Archiv gekommen sein könnten, wo sie ohne weitere Bewertung eingelagert wurden. Da es in keiner Weise einen Bezug zum Schottenstift gab, erschien eine Eingliederung in die Bestände des Stiftsarchivs nun nicht sehr zielführend, zumal kaum jemand solche Unterlagen hier suchen würde. Entsprechend den eigenen Vorgaben hätten die Mappen somit eigentlich skartieren werden müssen – was aber doch zu schade gewesen wäre!

Da Cornu von 1901 bis 1911 Professor für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität Graz war, wurden die Unterlagen daher dem Universitätsarchiv Graz als Schenkung angeboten. Dieses verwahrt in seinem Sammlungsbestand auch zahlreiche Nachlässe und Konvolute von Professoren. Bei einer Einsichtnahme am 13. Mai 2022 zeigten sich Universitätsarchivarin Christine Rigler und ihr Team durchaus begeistert von den unscheinbaren Unterlagen, sodass das Angebot dankend angenommen wurde.

In einem kurzen Beitrag auf der Website des Universitätsarchivs Graz beschreibt der Archivar Andreas Golob den Inhalt der übernommenen Unterlagen.

Besuch des irischen Staatspräsidenten im Schottenstift

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Österreich besuchten der Präsident von Irland, Michael D. Higgins, und seine Frau Sabina Higgins am 7. April 2022 das Schottenstift. Zur Delegation gehörten auch der irische Staatsminister für Europäische Angelegenheiten, Thomas Byrne, und der irische Botschafter in Wien, Eoin O’Leary. Empfangen wurde Präsident Higgins von Altabt Johannes Jung, welcher den aufgrund unvorhergesehener Umstände verhinderten Abt Nikolaus Poch vertrat. In seinen Begrüßungsworten erinnerte Abt Johannes an die gerade in den letzten Jahrzehnten wiedergeknüpften Beziehungen zwischen Irland und dem Schottenstift, an den Besuch des irischen Präsidenten Patrick Hillery im Kloster im Jahr 1986, die lebendigen Kontakte zu irischen Historikerinnen und Historikern sowie die Zusammenarbeit bei verschiedenen Veranstaltungen.

In der Bibliothek wurden den Gästen dann einige mittelalterliche Schriftdokumente zur irischen Periode des Klosters präsentiert. Von seiner Gründung 1155 bis zum Jahr 1418 lebten im Wiener Schottenstift bekanntlich nur irische Mönche, die dem Verband der sogenannten „Schottenklöster“ angehörten. Bereits im 12. Jahrhundert wurde der Gedenktag des irischen Nationalheiligen Patrick im Kloster begangen und auch heute noch wird die alljährliche offizielle Messe zum St. Patrick’s Day der irischen Gemeinde in Wien im Schottenstift gefeiert. Den passenden Rahmen der Bibliothek nutzte Präsident Higgins für die Übergabe eines Gastgeschenks für das Kloster, einer wertvollen Faksimileausgabe einer Handschrift der Irischen Nationalbibliothek Dublin des „Defensorium inviolatae virginitatis Mariae“ des Dominikaners Franz von Retz, welcher im 15. Jahrhundert an der Universität Wien lehrte.

Präsident Higgins in der Bibliothek des Schottenstifts (Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin)
Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin.

Nach einem kurzen Austausch mit Schülerinnen und Schülern des Schottengymnasiums bewunderten die Gäste in der Romanischen Kapelle die Reste des ursprünglichen irischen Kirchenbaus sowie die Madonnenstatue „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“ aus dem 13. Jahrhundert. Im Anschluss spendete Abt Johannes einen irischen Reisesegen und Mitglieder des Konvents intonierten das „Salve Regina“.

Nachdem sich Präsident Higgins im Gästebuch des Klosters verewigt hatte, überreichte ihm Abt Johannes drei Präsente des Hauses: eine Druckgrafik des 2011 verstorbenen Künstlers Ernst Degasperi, eine Kerze mit einer Darstellung des Vortragekreuzes der Schottenkirche, welches in der Form eines Keltenkreuzes an die irischen Ursprünge des Klosters erinnert, sowie einige Flaschen des klostereigenen Weins Wiener Gemischter Satz DAC „Scottos“.

Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin.

Dieser Beitrag erschien am 8. April 2022 parallel auch auf der Website des Schottenstifts (www.schotten.wien). Dort finden sich weitere Fotos des Besuchs.