Mein Geburtstag.

Wenn das Arschloch von Exfreund zum Geburtstag gratuliert und die Trennung so, wie eben meine letzte Trennung, verlaufen ist, dann hat man einen ersten Gedanken: Fick dich. Whatsapp lässt mir heute die Auswahl: Hinzufügen oder Blockieren? Diese Nummer hatte ich vor neun Monaten gelöscht. Schon als die Nachricht vom nichteingespeicherten Kontakt aufploppte, hatte ich eine böse Vorahnung. Ich lese. Alles gute zum Geburtstag. Gute ist kleingeschrieben. Macht mein Handy auch immer. Denn wer glaubt schon an das Gute. Mein weibliches Gehirn fängt an zu rattern. Was soll das? Nach neun Monaten? Ich bring ihn um. Und schon laufen die Tränen über meine Wangen. So drüber hinweg bin ich also. Ich verwerfe meinen ersten Gedanken (Fick dich.). Und denke nur noch: Geh sterben.

Natürlich hat er mich verlassen. Wir Frauen leiden nur so lange, wenn er schluss gemacht hat. Mein Ex hat mich beschimpft, herabgewürdigt, belogen und hingehalten. Er hat mich für seine eigene Überforderung verantwortlich gemacht. In einem Moment hat er mir die Welt zu Füßen gelegt und im nächsten hat er mich angeschrien. Ich weiß, dass er mich geliebt hat. Nur zeigen konnte er es eher selten.

Nach einem kurzen Spaziergang fasse ich drei Stunden später den Entschluss zu antworten. So, dass er sich schlecht fühlt, aber ohne beleidigend zu werden. Das liegt mir nicht. Denn zwischen „Du feiges Arschloch!“ und „Was zur Hölle, denkst du dir, du Penner?“ kann mein Kopf gerade nichts zusammen tragen. Neun lange Monate. Seitdem nichts. Ich hasse ihn für das, was er mir angetan hat. Und ich bin unglaublich wütend auf mich selbst, dass mir das alles noch so nahe geht. Seit der Trennung habe ich mich nicht mehr verliebt. Nur bedeutungsloser Sex mit einer – zugegeben – äußerst gutaussehenden Affäre. Nichts hilft gegen Liebeskummer. Wer etwas anderes behauptet, lügt. In meiner Fantasie hab ich ihm schon mindestens 100 Mal eine rein gehauen. Einmal stand ich sogar vor seiner Tür. Er war nicht da.

Ich antworte, dass ich auf seine Glückwünsche verzichten kann und wenn er mir noch was zu sagen hat (Wie wäre es mit ‚Entschuldigung‘?), das doch persönlich tun soll. Ich fühle mich gut damit. Doch eigentlich habe ich die Tür damit wieder angelehnt, statt sie zu schließen. Er hat sie bis heute, weitere neun Monate später, nicht weiter aufgemacht. Und ich weiß jetzt: Ich würde sie ihm vor der Nase zuschlagen.

Und sie sind es doch.

Die Guten sind alle vergeben? Das glaube ich nicht! Damit wirbt eine große deutsche Partnerbörse. Ich glaube das sofort. Bestimmt führt auch die Frau in der Werbung privat eine glückliche Beziehung. Und der Typ auf den Plakaten an den Litfaßsäulen in der Stadt, der ist sicher auch vergeben. Aber alle 11 Minuten verliebt sich ein Single – warum soll ich nicht einer davon sein? Also fix den Laptop aufgeklappt und angemeldet. Der Start ist fast immer derselbe: Kaum bin ich (nach Auswahl von Benutzername, Profilfoto und dem mehr oder weniger ausgereiften Persönlichkeitstest) drin und mein Profil ist aktiv, bekomme ich Nachricht über Nachricht. Ich bin Frischfleisch. Also erst mal die Funktion ausschalten, die verrät, dass ich online bin. Und dann geht es fröhlich an die Partnersuche. Ich hätte gern: groß und 26-31 Jahre alt. Sollte doch zu machen sein. Denke ich.

So ungefähr wird auch die Bachelorette ihre Angaben gemacht haben. Nur hat sie wahrscheinlich nicht bedacht, dass wir vom Fernsehen ja einen möglichst spannenden Cast zusammen stellen wollen. Deshalb ist in dieser Staffel einer über 40, einer ganze 7 Jahre jünger als sie und einer trägt quietschbunte Anzüge, während ein anderer in weißen Slippern aus der Limousine steigt, nicht zu vergessen der Hobby-Astrologe. Autsch. Was die ‚Bachiii‘ dann zwangsweise zu Aussagen verleitet, wie, sie hätte ja keinen bestimmten Typ. Natürlich nicht.

Ich glaube nicht an Online-Dating. Deshalb drücke ich der neuen Bachelorette die Daumen. Und wenn am Ende noch ein paar weitere TV-Auftritte, Disco-Autogrammstunden oder vielleicht ein Ballermann-Hit dabei rausspringen, dann hat sich das Fernseh-Daten doch gelohnt. Oder die Gute bleibt von dem Medienrummel unberührt und wird tatsächlich mal eine echt tolle Lehrerin. Vorausgesetzt natürlich, ihre Schüler haben die Sendung nicht gesehen.

Ich glaube an die Realität und das Kennenlernen im Supermarkt oder in der Bahn. Dummerweise habe ich zum Einkaufen keine Zeit und fahre mit dem Auto zur Arbeit. Fehler im System. Mein Bewegungsradius reduziert sich auf das Büro. Wenn ich auf Dreh unterwegs bin, dann ist der natürlich größer. Dummerweise drehe ich ein Doku-Format, bei dem sich die Paare schon längst gefunden haben. Ich erzähle glückliche Liebesgeschichten. Ich freue mich mit meinen Protagonisten. Ich fiebere mit. Bis plötzlich einer die böse F-Frage stellt: „Hast du denn einen Freund?“ Er meint es nicht so. Er hat ja keine Ahnung. Er hat mir den ganzen Tag vor der Kamera Fragen zu seinem Privatleben beantwortet, also antworte ich ihm jetzt ehrlich. „Nein, habe ich nicht.“ Er lässt nicht locker: „Na das ist bei deinem Job ja auch schwierig. Du bist ja viel unterwegs.“ Daran ist meine letzte Beziehung nicht gescheitert, denke ich und sage nur: „Stimmt.“ „Und ich find’s auch krass, dass du fast immer mit Männern unterwegs bist. Welcher Kerl macht das schon mit?“ Darüber habe ich wirklich noch nie nachgedacht. Ist es für Männer tatsächlich ein Problem, wenn die potentielle Freundin ständig von Kameramännern und Tonassistenten und Aufnahmeleitern umgeben ist? Meine Kollegin beruhigt mich, als ich ihr am Abend davon erzähle: „Einen der damit ein Problem hat, möchtest du doch sowieso nicht haben.“ Will ich nicht? Will ich nicht.

Von der Suche nach der Schwiegertochter

In der pfiffigen Pfalz macht sich der warmherzige Winzer fürs Frühstück bereit. Liebes RTL. Mal ehrlich. Was soll das? Die frivole Fernseh-Kuppelei schafft die illustre Illusion, dass selbst die größte Gesichtswurst die richtige Partnerin finden kann. RTL sei Dank. Der warmherzige Winzer ist keinesfalls ein optischer Totalausfall, dafür hat er aber herbe Kommunikationsdefizite. Eigentlich müsste ihm klar sein, dass die beiden Damen nur für ihn in die pfiffige Pfalz gereist sind. Zumindest aber, weil sie auch mal ins Fernsehen wollten und man für den Bachelor dem gängigen Schönheitsideal entsprechen muss. Bei „Schwiegertochter gesucht“ ist also nicht nur die Konkurrenz geringer, denn man muss sich ja nur gegen eine andere Frau durchsetzen, nein, der Faktor Intelligenz spielt auch nur eine untergeordnete Rolle. Gleich und gleich gesellt sich gern?

Der Winzer möchte bald heiraten. Und jetzt möchte er über das Thema Kinder reden. Eine Frau hat er bereits nach Hause geschickt. Seine Auserwählte macht einen völlig normalen Eindruck: durchschnittlich attraktiv, korpulent, aber keinesfalls dumm. Sie fürchtet, dass das alles ein bisschen zu schnell gehen könnte. Doch der warmherzige Winzer möchte jetzt Nägel mit Köpfen machen. Entweder hat ihn die Torschlusspanik gepackt oder ein fieser Fernsehredakteur hat ihn auf diese Idee gebracht, jetzt schon mit der Tür ins Haus zu fallen. Kurzer Drehzeitraum, möglichst viele Ereignisse. Was wenn seine Traumfrau nur deshalb auf Abstand geht? Liegt uns in dieser Branche das Schicksal unserer Protagonisten wirklich am Herzen? Das kommt sicherlich auf das Format an. Und ich möchte in diesem Fall kein Urteil fällen.

Ich könnte mir schönere Arten vorstellen, meinen Sonntagabend zu verbringen. In zwei Wochen geht „Bauer sucht Frau“ wieder los. Daran erinnert mich Inka Bause in der Werbepause, als sie glückselig auf einer sonnigen Wiese über die Liebe und die Bauern philosophiert. Die Art wie sie redet, die Kühe und Weiden: Es könnte auch ein Spot für Kerrygold oder Meggle sein. Oh Gott, bitte lass mich die nächsten zehn Montage etwas vor haben. Vielleicht lerne ich ja jemanden kennen. So wie der warmherzige Winzer. Oder ich lege mein Schicksal in die hilfsbereiten Hände einer RTL-Redaktion. Kann ich bitte die neue Bachelorette werden?