End of Story

Wir liegen im Bett. Es ist schön, dass er da ist. Wir reden, wir lachen, wir sind uns nah. Ich fühle mich so wohl und bereue kein bisschen, dass ich ihn noch mal getroffen habe. Er nimmt mich liebevoll in den Arm und küsst meine Stirn. Kitschig.

Was tut man am besten gegen zu viel Romantik? Richtig, ein unangenehmes Thema anschneiden. D. fängt an über seine Ex-Freundin zu reden. Er erzählt von seinen Erwartungen an eine Beziehung, ist neugierig, wie ich das sehe.

End of Story weiterlesen

Warteschleife

Bitte bleiben Sie in der Leitung, momentan sind alle Mitarbeiter belegt. Die nächste freie Leitung ist bereits für Sie reserviert. Bitte starren Sie nicht auf ihr Handy. Momentan hat er keine Zeit. Die nächste Nachricht kommt bestimmt. Ich fühle mich wie vor zwei Tagen beim O2-Kundenservice. Nur dass man da nach 30 Minuten gnadewinselnd automatisch aus der Leitung geworfen wird, „um [meine] Zeit nicht länger zu beanspruchen“. Ich habe ins Handy geflucht. Am anderen Ende war natürlich keiner mehr.

Warteschleife weiterlesen

„Call me maybe“

Diesmal ist D. pünktlich. Wir sind zum Fußball schauen bei mir verabredet. Als ob gerade einer von uns an Fußball denken würde. Trotzdem hat er Bier dabei und wir schalten erst mal den Fernseher ein.

Keine zehn Minuten und wir liegen wild knutschend auf meinem Bett. Ich bin mehr als aufgeregt. Und unsicher. Ich denke immer noch, dass das keine gute Idee ist. Aber ich kann nicht widerstehen. Die letzten zwei Tage haben wir uns viele Nachrichten geschrieben. Manchmal flirtend, manchmal einfach nur, was wir gerade so machen. Mein hoffnungsvolles Herz schlug ein wenig höher, dass er mich vielleicht doch nicht nur ins Bett kriegen wollte. Ich musste ihn einfach wiedersehen. Wieder küssen. Herausfinden, was dahinter steckt. Welche Absichten er hat.

Sex mit D. ist zärtlich, heftig, wundervoll.

Am nächsten Tag schaffen wir es erst nachmittags aus dem Bett. Er sagt, er würde mich gern wieder treffen. Ich ihn auch. Wahrscheinlich meint er, zum Sex. Ich meine, auch so. Keiner von uns definiert das näher. Drüber reden wäre auch zu einfach. Und zu früh.

Job bäh, alles bäh

Mein Job zieht mich runter. Ich habe noch nie so wenig erreicht. Die sozialen Brennpunkte, in die es mich gerade verschlägt, sind soziale Brennpunkte, auch wenn sie von der Stadt lieber als ‚Gebiete mit erhöhtem Entwicklungsbedarf‘ bezeichnet werden. Hier zu casten ist das Deprimierendste, was ich bisher fürs TV gemacht habe. Der Output ist gering.

Ich mag Menschen. Aber diese Woche lässt mich die Menschen manchmal in Frage stellen: Aus dem Auto heraus muss ich beobachten, wie ein Mann am helllichten Tage auf offener Straße einer Frau ins Gesicht schlägt. Und als ich die Polizei rufen will, hetzt meine Kollegin, dass uns das hier nicht weiter bringt, wenn wir jetzt die Polizei rufen. Wir wollen schließlich das Vertrauen der Leute gewinnen und uns nicht auf eine Seite schlagen. Ich weiß sehr wohl, was sie meint, aber in diesem Moment weiß ich, dass ich so nicht sein will. Mein Kollege, der mit uns im Auto sitzt, greift zum Handy und ruft die Polizei. Die kennt das Viertel und kommt nicht: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, heißt es nur.

Job bäh, alles bäh weiterlesen